{"id":10287,"date":"2019-01-07T12:34:19","date_gmt":"2019-01-07T11:34:19","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=10287"},"modified":"2019-01-07T12:34:19","modified_gmt":"2019-01-07T11:34:19","slug":"malaga-2018","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=10287","title":{"rendered":"Malaga (2018)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">27. November (Dienstag)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Malaga ist, wie C\u00e1diz, eine ph\u00f6nizische Gr\u00fcndung, und damit eine der \u00e4ltesten St\u00e4dte Spaniens. Auch der Name ist ph\u00f6nizisch: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Malaka, <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8216;K\u00f6nigin&#8217;. Wohl wegen der reizvollen Lage an der spanischen K\u00fcste. Dass ich das wenige Tage vor der Abreise lese, ist reiner Zufall und hat nichts mit der Vorbereitung der Reise zu tun. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Malaga habe ich bisher immer links liegen lassen. Es war nichts als der Umschlagplatz f\u00fcr Touristen, die es an die sog. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Costa del Sol<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> zieht. Nichts f\u00fcr mich. Jetzt sind es ein paar Zuf\u00e4lle, die es zum Reiseziel machen. Um mich bewegen, mein Urteil zu korrigieren. Malaga lohnt sich. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Beim Anflug sieht man kahle, grauschwarze Berge unter sich, dann Berge mit einzelnen B\u00e4umen. Dann kommen die ersten Zeichen der Zivilisation: einzelne, sich den Berghang heraufziehende H\u00e4user, mit gleichm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden untereinander. Keine Gruppenbildung. Sieht wie eine Kette mit weit auseinanderliegenden Gliedern aus. Dann kommt das Meer in Sicht; die langgezogene K\u00fcste und dann der Hafen von Malaga, durch Landzungen auf zwei Seiten gesch\u00fctzt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Flughafen macht den tr\u00fcgerischen Eindruck, klein und veraltet zu sein. Beim R\u00fcckflug kommen wir dann in die moderne Abflughalle und <\/span><span style=\"color: #000000;\">haben allen <\/span><span style=\"color: #000000;\">Grund, diesen Eindruck zu korrigieren. Auf dem Flugfeld ist es m\u00e4\u00dfig warm, und die Sonne scheint. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit einem modernen Zug geht es f\u00fcr einen sehr niedrigen Preis in die Innenstadt. Die Suche nach dem Hotel gestaltet sich dann etwas schwierig, haupts\u00e4chlich wegen einer gro\u00dfen Baustelle an einer der wichtigsten Boulevards des Zentrums. Sp\u00e4ter finden wir heraus, dass die Bahnstation, die eher einer U-Bahn-Station gleicht, nur wenige Minuten vom Hotel entfernt ist. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">An einer Ecke, an der wir versuchen, uns zu orientieren, f\u00e4llt mein Blick auf eine Plakette, die in die Au\u00dfenwand eines modernen Hochhauses eingelassen ist. Hier gedenkt die Stadt eines Mannes, der bei einer Demonstration f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Andalusiens zu Tode kam, 1979. Da wird es einem ganz anders: f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Andalusiens sterben &#8211; was f\u00fcr ein sinnloses Opfer, jedenfalls von heute aus betrachtet. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf der anderen Seite kommen aus einem Baum mit dichtem Blattwerk Vogelstimmen, laut, in der Art von Papageien. Aber man bekommt die V\u00f6gel nicht zu sehen, obwohl es <\/span><span style=\"color: #000000;\">ziemlich viele s<\/span><span style=\"color: #000000;\">ein m<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00fc<\/span><span style=\"color: #000000;\">ss<\/span><span style=\"color: #000000;\">en<\/span><span style=\"color: #000000;\">. In den n\u00e4chsten Tagen dann immer dasselbe. Einmal bekommen wir einen ganz fl\u00fcchtigen <\/span><span style=\"color: #000000;\">Blick <\/span><span style=\"color: #000000;\">auf eine<\/span><span style=\"color: #000000;\">n<\/span><span style=\"color: #000000;\"> der V\u00f6gel, als er gerade aus dem Baum fliegt: gr\u00fcn, mittelgro\u00df. Vielleicht Wellensittiche? Erst sp\u00e4ter bekommen wir die V\u00f6gel dann ganz zu sehen, vor einer Bahnstation, wo sie in aller Ruhe, auch angesichts der Reisenden, Kr\u00fcmel vom Stra\u00dfenpflaster aufpicken. Erst nach der Reise erfahre ich aus berufenem Mund, um welche V\u00f6gel es sich handelt: Halsbandsittiche. Als wenn das nicht schon kompliziert genug w\u00e4re, hei\u00dfen sie auf Spanisch <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>cotorras de Kramer. <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">Im Spanischen bezeichnet <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>cotorra<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> auch eine &#8216;Quasselstrippe&#8217;. Kein Wunder, wenn man sie hier zetern h\u00f6rt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Bei der weiteren Suche nach dem Hotel kommen wir in die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, an deren \u00e4u\u00dfersten Rand. Eine kurze, breite, sonnenbeschienene Stra\u00dfe mit hohen Pappeln auf beiden Seiten, ganz in der N\u00e4he des Hotels, und die Str\u00e4\u00dfchen um sie herum vermitteln einen so sch\u00f6nen Eindruck, dass man sich auf die Tage in Malaga freut. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Hotel ist einfach und funktional und hat nichts Besonderes zu bieten, aber die Lage, ein paar Schritte von der Markthalle entfernt, ist nicht zu \u00fcbertreffen. An der Rezeption antwortet man uns auf Englisch, obwohl wir Spanisch gesprochen haben. Das ist neu f\u00fcr mich. Das Fr\u00fchst\u00fcck, in der Eingangshalle serviert, soll 14 \u20ac kosten &#8211; pro Person. Nein, danke. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Es ist immer noch hell und m\u00e4\u00dfig warm, und wir erkunden bei einem Spaziergang die Umgebung des Hotels. Schr\u00e4g gegen\u00fcber ist die Markthalle, der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Mercado de Atarazanas<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. In den Haupteingang hat man ein altes maurisches Stadttor eingebaut, das man um zwanzig Meter von seinem urspr\u00fcnglichen Standort verschieben musste. Es ist wei\u00df und hat die typische Form eines Hufeisens. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite hat man am Hintereingang ein gro\u00dfes, leuchtendes Fenster in tiefen, intensiven Farben eingef\u00fcgt, mit Darstellungen der Sehensw\u00fcrdigkeiten von Malaga. Man erkennt den Turm der Kathedrale, die Burg, das r\u00f6mische Theater.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Von hier aus sind es nur ein paar Schritte zur wichtigsten Einkaufsstra\u00dfe, der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Marqu\u00e9s<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>de Larios<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Sie wird uns in den n\u00e4chsten Tagen immer wieder Orientierungspunkt sein. Sie verl\u00e4uft schnurgerade von der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Plaza de la Marina<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> zur <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Plaza de la Constituci\u00f3n<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Auf der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Larios<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\">gibt es fast nur noch Gesch\u00e4fte von internationalen Ketten, gehobene Preisklasse. Sp\u00e4ter erfahren wir den Grund daf\u00fcr. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Neben einem Caf\u00e9 au der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Larios<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, dem Lepanto, gibt es einen winzigen Laden, in dem S\u00fc\u00dfigkeiten verkauft werden. An der Gesch\u00e4ftsfront wird f\u00fcr <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>polvorones<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>mantecados<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> geworben. Da ich die Frage, was das ist, nur sehr unzureichend beantworten kann, wollen wir es probieren. Nach etwas Verwirrung landen wir in dem Caf\u00e9 nebenan. Es ist noch warm genug, um drau\u00dfen zu sitzen. Es handelt sich um kleines, ovales, staubtrockenes Geb\u00e4ck, das vor allem w\u00e4hrend der Weihnachtszeit gegessen wird. Beide unterscheiden sich nur geringf\u00fcgig, und der Name <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>mantecado<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> deutet auf eine wichtige Zutat bei beiden: Schmalz. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Die gesamte <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Marqu\u00e9s de Larios<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, vom Anfang bis zum Ende, hat eine durchgehende Weihnachtsbeleuchtung, wie ein D<\/span><span style=\"color: #000000;\">ecke <\/span><span style=\"color: #000000;\">mit Tonnengew\u00f6lbe, das sich tief an den Seiten herunterzieht. Jetzt ist es noch hell, und wir erfahren, dass es erst am Freitag losgehen soll mit der Beleuchtung. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir gehen rauf bis zu der sch\u00f6nen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Plaza de la Constituci\u00f3n<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Die hie\u00df fr\u00fcher <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Plaza Mayor<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, und das best\u00e4tigt meinen Verdacht, dass ein dreist\u00f6ckiges Haus, das fast die gesamte Breitseite einnimmt, fr\u00fcher einmal das Rathaus war. Auch hier stehen, direkt vor dem ebenfalls dreist\u00f6ckigen Haus an der Stirnseite, die hohen, etwas schief gewachsenen Palmen, wie wir sie vorher in der N\u00e4he des Hotels gesehen habe. Die haben was. Auf der anderen Seite des Platzes stehen Orangenb\u00e4ume voller Fr\u00fcchte. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der jetzige Name des Platzes bezieht sich auf die Verfassung von 1978. In Erinnerung daran sind vor dem <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Caf\u00e9 Central<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> Bleiplatten in den Boden eingelassen. Jede einzelne reproduziert die Titelseite einer Tageszeitung, regional oder national, von dem Tag nach der Volksabstimmung \u00fcber die Verfassung, eine<\/span><span style=\"color: #000000;\">r<\/span><span style=\"color: #000000;\"> Abstimmung, bei der die Verfassung mit gro\u00dfer Mehrheit, mit gr\u00f6\u00dfer als erwarteter Mehrheit, angenommen wurde. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Platz hat zwei \u00e4ltere Geb\u00e4ude, ganz am Rande, da, wo der Platz bereits in eine Gasse \u00fcbergeht. Eines davon, mit einem sch\u00f6nen achteckigen Dach, ist das ehemalige Jesuitenkolleg. Daneben, mit einem sch\u00f6nen Innenhof, ein Haus, in dem eine Wirtschaftsvereinigung mit dem Namen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Amigos de Espa<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00f1a<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> untergebracht ist. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir gehen in die Gasse am Jesuitenkolleg. Hier gibt es <\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00fcberall kleine Gesch\u00e4fte und Lokale. Sofort ins Auge fallen ein eher feines Restaurant mit dem Namen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Mafia<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und eine Pizzeria mit dem Namen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Mala Pizza<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Ob die Werbestrategien wohl verfangen? <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir landen am Abend in einer Taverne in der N\u00e4he der Kathedrale, der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Casa Lola<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Tolles Ambiente, freundliche Bedienung und leckere Tapas: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Pat<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>atas bravas, <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Ga<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>mbas a la plancha, <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>P<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>imientos<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> (kalt, mariniert), <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Ch<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>urrasco de pollo<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und eine kleine belegte Brotscheibe mit einem Wachtelei obendrauf, eine Besonderheit der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Casa Lola <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">mit einem besonderen Namen: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Coj<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>onudo. <\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Als wir zur\u00fcckgehen, ist in der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Marqu\u00e9s de Larios<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> dann die Weihnachtsbeleuchtung an. Die Stra\u00dfe ist voll, es ist wohl der erste Tag und noch ein Probedurchlauf, alle sehen nach oben und bestaunen das &#8220;Kunstwerk&#8221;. Man ist hin- und hergerissen, es ist eigentlich \u00fcbertrieben, aber doch auch sch\u00f6n anzusehen und nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig kitschig, vor allem wegen der unz\u00e4hligen winzigen, wei\u00dfen Leuchten, die das Fundament bilden. Es gibt keine Darstellung von Rentieren und \u00e4hnlichem Weihnachtszeug, das einzig Gegenst\u00e4ndliche sind ein paar Fenster zu den beiden herabh\u00e4ngenden Seiten der Dekoration. Kurios der Kontrast: An den Laternenpf<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00e4<\/span><span style=\"color: #000000;\">hlen, an denen die Weihnachtsbeleuchtung befestigt ist, h\u00e4ngen noch bl\u00fchende Geranien. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">28. November (Mittwoch)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Sonne geht fast zur gleichen Zeit auf wie zuhause, aber fast anderthalb Stunden sp\u00e4ter unter. Morgens sieht es immer so aus, als w\u00fcrde sie gar nicht herauskommen, <\/span><span style=\"color: #000000;\">dann tut sie das <\/span><span style=\"color: #000000;\">aber doch, und so ab zehn bringt sie volle Leistung. Gegen Mittag ist es dann in der Sonne so warm, dass man die Jacke auszieht und im T-Shirt weitergeht. Sobald die Sonne abends einen Abflug macht, wird es kalt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auch heute, in der Alca<\/span><span style=\"color: #000000;\">zaba, sollen wir wieder auf diese Orangenb\u00e4ume sto\u00dfen, voll behangen mit leuchtenden Fr\u00fcchten. Die vermeintlichen Orangen k\u00f6nnten Pomeranzen sein, wie ich sp\u00e4ter aus berufenem Mund erfahre, bittere Zitrusfr\u00fcchte mit dicken Schalen. Das w\u00fcrde erkl\u00e4ren, warum sie h\u00e4ngen bleiben und nicht gepfl\u00fcckt werden. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Ganz in der N\u00e4he des Hotels bekommen wir in der ersten Etage eines Caf\u00e9s ein leckeres, einfaches Fr\u00fchst\u00fcck, f\u00fcr gerade mal f\u00fcnf Euro zusammen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf dem Weg zur <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Alcazada<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> kommen wir an einer merkw\u00fcrdigen Skulptur vorbei, <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Ave<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Quirom\u00e1ntica<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, einer Bronzefigur, in rundlichen Formen, trotz ihrer Einfachheit auf den ersten Blick etwas verwirrend: Der K\u00f6rper eines Vogels geht in eine menschliche Hand \u00fcber. Einige Teile geh\u00f6ren nur zum Vogel, andere nur zur Hand, aber einige Teile geh\u00f6ren zu beiden: <\/span><span style=\"color: #000000;\">Die Innenfl\u00e4che der Hand ist der Rumpf des Vogels, d<\/span><span style=\"color: #000000;\">ie Finger sind die Schwanzfedern des Vogels, der Daumen der Fl\u00fcgel. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir kommen zum Domplatz. Dort steht eine Lehrerin mit den Sch\u00fclern eine<\/span><span style=\"color: #000000;\">r<\/span><span style=\"color: #000000;\"> Sprachschule. Sie gibt Erkl\u00e4rungen ab<\/span><span style=\"color: #000000;\">. Sie <\/span><span style=\"color: #000000;\">macht ihre Sache sehr, sehr gut: Trennt W\u00f6rter und Satzteile durch Pausen, macht redundante \u00c4u\u00dferungen, hebt wichtige W\u00f6rter hervor, weist auf die Kathedrale. Als wir da sind, erkl\u00e4rt sie gerade, warum die Kathedrale La Manquita hei\u00dft: &#8220;Una torre &#8211; de la catedral &#8211; se termin<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00f3<\/span><span style=\"color: #000000;\"> &#8211; la otra <\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8211; <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>no. <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">La<\/span><span style=\"color: #000000;\"> catedral &#8211; tiene &#8211; s\u00f3lo &#8211; una torre. Por eso &#8211; se llama &#8211; la <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Manquita<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Domplatz ist der zweite sch\u00f6ne Platz Malagas, mit dem Bischofspalast, in Rostrot und Gelb gefasst, als auff\u00e4lligstem Geb\u00e4ude. Die riesige, mit N\u00e4geln beschlagene Holzt\u00fcr am Eingang hat einen Klopfer, der sehr hoch angebracht ist. Ein junger Mann klopft an, und es wird ihm Einlass gew\u00e4hrt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf dem Weg zur <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Alcazada<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> kommen wir an dem <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Museo Revello de Toro<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> vorbei. Ich bin nicht in der Lage, zu erkl\u00e4ren, was es mit dem Stier auf sich hat, welchen Sinn der Name des Museums haben k\u00f6nnte. Sp\u00e4ter stellt sich heraus, dass <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Revello de Toro<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> ein Eigenname ist, und zwar der eines noch lebenden Malers aus Malaga. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Beim Aufgang zur <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Alcazada<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> verpassen wir das r\u00f6mische Theater. Als wir wieder zur\u00fcckkommen, sehen wir es. Es ist in den Hang eingebaut, die r\u00fcckw\u00e4rtige Felsenwand dient als \u00e4u\u00dfere Begrenzung und St\u00fctze der Sitzreihen. Von denen sind noch einige erhalten, ebenso wie die Or<\/span><span style=\"color: #000000;\">chestra <\/span><span style=\"color: #000000;\">und die B\u00fchne. Von den Sitzreihen aus blickt man heute auf Hochh\u00e4user. In der Zeit der R\u00f6mer blickte man vermutlich aufs Meer, eine eher bessere Kulisse. Kurioserweise wusste man bis nach dem Krieg gar nichts von dem Theater, es war unter Bauschutt vergraben. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Alcazada<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> ist eine Mischung aus Palast und Festung. Sie liegt auf dem Berghang. Weiter oben liegt eine weitere Festung, <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Gibralfaro<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Der Name verweist auf den Felsen und auf den Leuchtturm oder das Leuchtfeuer, das urspr\u00fcnglich von hier aus Signale sandte. Wie <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Alcazada<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Gibralfaro<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> zueinander stehen, ist nicht zu erfahren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Dass die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Alcazada<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> von unten aus so sch\u00f6n aussieht, verdankt sich letztlich einer strategischen Entscheidung: der Hanglage und den versetzt in gleichm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden auf den Hang gebauten quadratischen T\u00fcrmen, die heute dem Besucher Spalier stehen. Auch der Weg hinauf ist einfach sch\u00f6n. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Er <\/span><span style=\"color: #000000;\">ist mit kleinen Steinen gepflastert, immer wieder passiert man ein Hufeisenportal, am Wegesrand bl\u00fchende Zierpflanzen. Erst nach der Heimkehr erfahre ich <\/span><span style=\"color: #000000;\">auf Nachfrage, <\/span><span style=\"color: #000000;\">worum es sich handelt:  Wandelr\u00f6schen mit orangefarbenen und roten Bl\u00fcten, ein Hibiskus, ein chinesi<\/span><span style=\"color: #000000;\">s<\/span><span style=\"color: #000000;\">cher Eibisch mit gro\u00dfen rosafarbenen Bl\u00fcten, ein Kartoffelstrauch mit blauen Bl\u00fcten<\/span><span style=\"color: #000000;\">. Einer <\/span><span style=\"color: #000000;\">sch\u00f6ner als der andere &#8211; und alle sehr photogen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf den Plateaus, die immer wieder dazwischen<\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\">gelagert sind, Springbrunnen und Orangenb\u00e4ume, mit wechselnden Aussichten auf die Stadt und den Hafen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Au\u00dfer uns sind vor allem Schulklassen unterwegs, meist kleine Kinder, von denen uns einige staunend ansehen, andere uns auf Englisch begr\u00fc\u00dfen. Es geht sehr laut zu, aber auch sehr diszipliniert. Jedenfalls wird den Anweisungen der Lehrer sofort Folge geleistet. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Oben hat man einige R\u00e4ume und H\u00f6fe erhalten oder restauriert, und man bekommt einen Hauch von Alhambra-Gef\u00fchl. Ob die arabischen Bauten einfach verfielen<\/span><span style=\"color: #000000;\">? Oder wurden sie <\/span><span style=\"color: #000000;\">zerst\u00f6rt? <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein schmaler Weg f\u00fchrt von der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Alcazaba<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> zum <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Gibralfaro<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, aber der ist gesperrt. Schade einerseits, andererseits egal, wir bekommen einen zweiten Spaziergang durch die Sonne, nachdem wir erst ganz nach unten zur\u00fcckgekehrt sind. T-Shirt-Wetter. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf dem Weg nach oben sieht man in die Stierkampfarena hinunter. Da stehen lauter Autos drin. Warum, bleibt offen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">D<\/span><span style=\"color: #000000;\">er<\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Gibralfaro<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> diente bis zum 19. Jahrhundert als Milit\u00e4rlager. Oben gibt es eine Mauer, die d<\/span><span style=\"color: #000000;\">ie <\/span><span style=\"color: #000000;\">gesamte <\/span><span style=\"color: #000000;\">Festung um<\/span><span style=\"color: #000000;\">fasst. Wir interessieren uns aber weniger f\u00fcr die nasridische Verteidigungstechnik als f\u00fcr den Kiosk, an dem es Tapas und frisch gezapftes Bier gibt. Wir bestellen Empanadas und Frikadellen. Man sitzt wunderbar drau\u00dfen an Tischen unter einem sch\u00fctzenden Dach. Ganz oben auf dem Berg. Als wir gehen, ruft die Kellnerin uns hinterher: &#8220;!Adi\u00f3, grasia!&#8221; Wir sind in Andalusien. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf dem R\u00fcckweg durch jetzt bereits bekannte Stra\u00dfen fragen wir uns: Kann es wirklich sein, dass wir erst <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>gestern<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> um diese Zeit angekommen sind? <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Nachmittag lernen wir ein anderes Malaga kennen, eher unfreiwillig, Folge eines Missverst\u00e4ndnisses. Wir haben ein Symbol auf der Karte falsch gelesen, als Leuchtturm. Das hatte aber nur die Form eines Leuchtturms, zuf\u00e4llig, und bezeichnete ein Museum.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir kommen an einer gro\u00dfen Baustelle entlang der Stra\u00dfe vorbei, einer Baustelle, auf die wir schon gestern auf dem Weg zum Hotel vorbeigekommen sind. Es ist die geplante U-Bahn Malagas, ein offensichtlich ewiger Streitapfel zwischen Stadt und Land, zwischen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Ayuntamiento<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Comunidad<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Es geht unter anderem darum, ob die U-Bahn unterirdisch oder \u00fcberirdisch verlaufen soll, jedenfalls hier, im Zentrum. Der Streit hat sich so weit ausgedehnt, dass der Bau eine Zeitlang ganz zum Erliegen gekommen ist. Jetzt scheint es aber wieder voran zu gehen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir gehen an dem <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Guadalmedina<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> entlang, dem Fluss Malagas. Dann geraten wir in einen lauten, unansehnlichen, heruntergekommenen Stadtteil, der aber ganz in der N\u00e4he der Altstadt liegt. Abbl\u00e4tternde Fassaden, leere Gesch\u00e4fte, verfallende H\u00e4user, Schmierereien, lose Bordsteinplatten. Die einzigen Gesch\u00e4fte, die noch offen sind: Spielhallen und Sexshops. Dazwischen eine Apotheke. Die hat in diesem Kontext auch ihre Existenzberechtigung. An der Fassade ist das Wort f\u00fcr Apotheke in mehreren Sprachen angebracht, darunter: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Apoteke<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Dann taucht auf einmal eine typische spanische Bar auf, mit Tischen drau\u00dfen, an denen ganz gew\u00f6hnliche Menschen sitzen und Kaffee trinken, eine Reminiszenz an die Zeiten, als das Viertel noch in Ordnung war. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Weg zieht sich in die L\u00e4nge, und langsam wird uns klar, dass das mit dem Leuchtturm ein Versehen war. Wir fragen ein junges Paar nach dem Weg zum Leuchtturm: &#8220;Sab\u00e9is d\u00f3nde se encuentra el faro?&#8221; Der Mann antwortet: &#8220;El camino de la farola? Por all\u00ed.&#8221; Immer geradeaus. Ich stutze. Ist <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>faro<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> nicht Maskulinum? Erst sp\u00e4ter im Internet kl\u00e4rt sich die Sache auf: In der Standardsprache Maskulinum, in Malaga Femininum! <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Dann kommt ein Riesenrad in Sicht. Das haben wir bisher noch gar nicht gesehen, in den n\u00e4chsten Tagen sehen wir es dann immer wieder aus verschiedenen Richtungen. Es dreht sich, aber man kann kaum einen Kunden erkennen <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Vom Riesenrad an ist es nicht mehr so sch\u00e4big, und es wird auch wieder lebendiger. Bald kommen wir an den Hafen. Der Leuchtturm, wei\u00df, ziemlich gedrungen, kommt am anderen Ende des rechtwinkligen Hafenbeckens in Sicht. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Weg dorthin ist ausgesprochen sch\u00f6n. Es geht den <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Paseo de las Sorpresas<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> entlang, eine moderne Erweiterung der Uferpromenade, den <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Muelle 2<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, unter einer 400 Meter langen, strahlend wei\u00dfen Pergola, in flie\u00dfenden Formen, die einen Teil des Sonnenlichts abh\u00e4lt, einen Teil durchl\u00e4sst. Sch\u00f6n und funktional gleichzeitig. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Ende des <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Paseo de las Sorpresas <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">steht ein Kubus aus leuchtenden, farbigen  Quadraten: das <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Centre Pompidou <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">Malagas, eins der Museen, die Malaga zu einer echten Museumsstadt macht. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Dann biegt man rechtwinklig nach rechts ab, und es geht weiter \u00fcber die alte Uferpromenade, den <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Muelle 1<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. An dessen Ende steht der Leuchtturm, und hinter dem Leuchtturm kommt man schon nach wenigen Minuten an der Strand und das offene Meer. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Als wir zur\u00fcckkommen, wird es langsam dunkel. Im Zwielicht suchen wir eine Statue, den <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Cenachero<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Eine sehr hilfsbereite Familie, mexikanisch aussehend, aber in Marbella wohnend, hilft uns bei der Suche. Erst wissen sie auch nicht so richtig Bescheid, aber dann verfolgen sie uns quasi und zeigen uns den Weg, jenseits der Hauptstra\u00dfe, in eine<\/span><span style=\"color: #000000;\">n<\/span><span style=\"color: #000000;\"> kleinen Park.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Suche lohnt sich. Es ist wirklich eine gelungene Skulptur. Sie zeigt einen typischen traditionellen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>m<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>alag\u00fce<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00f1o<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Cenachero<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> ist ein <\/span><span style=\"color: #000000;\">ambulanter <\/span><span style=\"color: #000000;\">Fischverk<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00e4ufer. Meist verkaufte er Sardellen (<\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>boquerones<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">), aber auch Anchovis (<\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>anchoas<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">). <\/span><span style=\"color: #000000;\">Bei der Gelegenheit erfahren wir, dass <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Boquerones<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> auch der Spitzname der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>ma<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>lag\u00fce<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00f1<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>os<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> ist<\/span><span style=\"color: #000000;\">. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Cenachero<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> tr<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00e4gt selbstgebastelte Weidenk\u00f6rbe, die zu beiden Seiten an Stricken von seinen Schultern herabh\u00e4ngen. Er hat kr\u00e4ftige Oberarme und nackte F\u00fc\u00dfe. Das Hemd spannt und kr\u00e4uselt sich da, wo die Stricke herunterh\u00e4ngen.  An seinem Bauch spannt sich eine Binde, ein Kleidungsst\u00fcck, auf das wir hier mehrmals noch sto\u00dfen werden. Auf dem Kopf tr\u00e4gt er eine l\u00e4ssig in den Kopf geschobene M\u00fctze. Er sieht stolz aus, und sein Blick hat etwas Herausforderndes. Sehr sch\u00f6n. Leider werden die Photos bei den Lichtverh\u00e4ltnissen nicht so gut. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Abend landen wir nach langer Suche in Bar, ein kleines St\u00fcckchen abseits des touristischen Zentrums. Die Speisen, die auf der langen Theke ausgelegt sind, sehen verlockend aus, aber dann sind die Tapas nicht so schmackhaft wie sie aussehen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">29. November (Donnerstag)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Zeit f\u00fcr Picasso. Schlie\u00dflich ist er ein Sohn der Stadt Malaga. Wir haben das Geburtshaus ins Visier genommen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Neben unserem Hotel ein Gesch\u00e4ft, das seine Kunden auf <\/span><span style=\"color: #000000;\">seine<\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\">Fremdsprachenkenntnisse<\/span><span style=\"color: #000000;\"> hinweist: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>We speack your language. <\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf dem Weg zum Fr\u00fchst\u00fcck kommen wir an einem Lokal mit dem Namen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Lo G\u00fceno<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> vorbei. Wohl eine Anspielung auf eine volkst\u00fcmlich, vielleicht andalusische Aussprache von <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>bueno<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Sp\u00e4ter f\u00fchrt unser Weg an der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Taberna Er Quesada<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> vorbei, vermutlich eine Anspielung auf die \/l\/-\/r\/-Verwechslung, auch wohl ein Ph\u00e4nomen des andalusischen Spanisch. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Fr\u00fchst\u00fcck gibt es in <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>La Canasta<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, gleich an der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Plaza de la Constituci\u00f3n<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Man muss unten eine Nummer ziehen, was wir \u00fcbersehen, aber die Kunden sehen es uns nach. Man bestellt unten, sitzt aber oben auf <\/span><span style=\"color: #000000;\">einem<\/span><span style=\"color: #000000;\"> schmalen Balkon mit einem wunderbaren Blick auf den Platz, auf die Palmen, die sonnenbeschienenen Fassaden und das achteckige Dach des Jesuitenkollegs. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf dem Weg zum Museum, i<\/span><span style=\"color: #000000;\">n eine<\/span><span style=\"color: #000000;\">m<\/span><span style=\"color: #000000;\"> belebtem Teil der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone<\/span><span style=\"color: #000000;\">,<\/span><span style=\"color: #000000;\"> f\u00e4llt unser Blick auf das Gesch\u00e4ft <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Las<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Carcasas<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, ganz modern, mit direktem Einblick in das Innere von der Stra\u00dfe aus. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen, s\u00e4uberlich aufgereiht, kleine rechteckige Gegenst\u00e4nde, alle von gleicher Gr\u00f6\u00dfe. Wir fragen uns, was das wohl sein k\u00f6nnte. Erst denken wir an Taschenb\u00fccher, dann an Schmuckkladden. Aber warum sollten die so auff\u00e4llig ausgestellt sein? Und warum sollte es ein Gesch\u00e4ft geben, dass sich nur diesem einen Artikel widmet? Das ist es aber tats\u00e4chlich, nur handelt es sich nicht um Taschenb\u00fccher und nicht um Schmuckkladden, sondern um Schutzh\u00fcllen f\u00fcr Handys! Ob <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>carcasa<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> mit engl. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>carcass<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> verwandt ist? Das w\u00e4re wirklich eine verr\u00fcckte Bezeichnung. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Ganz in der N\u00e4he ist die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Plaza del Siglo<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Die haben wir gesucht. Denn hier steht wiederum eine Skulptur, ein silbernes Ger\u00fcst runder, sich kreuzender Eisenstangen: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Panda rhei.<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> Tats\u00e4chlich ist hier alles &#8216;im Fluss&#8217;. Die Skulptur<\/span><span style=\"color: #000000;\">,<\/span><span style=\"color: #000000;\"> hei\u00dft es, sei sieben Meter hoch und stehe an einem Platz, auf den sieben Stra\u00dfen, eher Str\u00e4\u00dfchen wohl m\u00fcnden. Wir kommen bei der Z\u00e4hlung nur auf sechs, aber sei&#8217;s drum. Ob die Zahl Sieben auch einen Bezug zu dem Thema der Skulptur hat, wissen wir nicht. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir biegen von dem belebten Platz in eine schmale, menschenleere Gasse ab. Deren Namen lese ich als <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Calle Bertas<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, es ist aber die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Calle Beatas<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Auch hier sto\u00dfen wir unverhofft auf eine Skulptur, die von unserer Seite kaum als solche zu erkennen ist, an der Einm\u00fcndung einer anderen Gasse. Man sieht nur drei gleichf\u00f6rmige Hundek\u00f6pfe, die aus einer flachen, niedrigen Steinplatte herausgucken. Neugierig geworden, gehe wir ein paar Stufen in die niedriger gelegene andere Gasse hinunter, und siehe da: Dort befindet sich der Hauptteil der Skulptur: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Diana im Bade<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Diana st\u00fcrzt sich mit Kopfsprung in den Brunnen, neben ihr ihre Gef\u00e4hrtinnen. Etwas weiter entfernt sieht ein Mann zu. Das ist Aktaion, der unerlaubterweise zuguckt. Typisch Mann. Und das hat er dann davon: Diana bespritzt ihn mit Wasser, und er verwandelt sich in einen Hirschen. Und jetzt ergeben auch die Hunde auf der anderen Seite ihren Sinn: Es sind Aktaions Hunde, die ihren zum Hirsch mutierten Herrn zerrei\u00dfen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Ende der Gasse befindet sich links die Diskothek <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Rocking Beatas<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Da lassen es die Seligen so richtig abgehen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Dann kommt die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Plaza de la Merced<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, eine kuriose Mischung aus Platz in volkst\u00fcmlichem Viertel und Platz als Zentrum touristischer Belange. Der Platz ist benannt nach dem nicht mehr existierenden Kloster <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>La Merced<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, entspricht aber sonst, wie man auf Photographien sehen kann, weitgehend dem Platz, den Picasso kannte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Zentrum des Platzes eine Pyramide. Sie wurde errichtet in Erinnerung an den General Torrijos und seine 48 Gef\u00e4hrten, die unter Fernando VII. als Rebellen hingerichtet wurden, hier in Malaga, aber auf einem anderen Platz. Die Pyramide thront auf zwei Bl\u00f6cken, von denen der obere ein bisschen versetzt aufliegt, Folge eines Erdbebens. Unter den Bl\u00f6cken befindet sich eine Krypta. Dort wird die Asche von Torrijos aufbewahrt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">An einer Ecke des Platzes, unter B\u00e4umen, auf einer Parkbank, sitzt unauff\u00e4llig &#8211; Picasso. Man erkennt ihn sofort: der runde Kopf, die breite Nase, das sch\u00fcttere Haar. Wenn man nicht w\u00fcsste, dass es Picasso ist, w\u00fcrde man wohl nicht auf einen K\u00fcnstler tippen. Er k\u00f6nnte genauso gut Besitzer eines Kr\u00e4merladens an dem Platz oder ein Postbeamter sein. Sehr subtile Gesichtsz\u00fcge hat er nicht. Seine Erscheinung ist aber ganz l\u00e4ssig. Er tr\u00e4gt Sandalen und einen Arbeitsanzug. In der einen Hand h\u00e4lt er eine Tafel, in der anderen einen Stift oder ein St\u00fcck Kreide.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Das Eckhaus gleich dahinter ist sein Geburtshaus, jetzt zum Museum umgebaut. Das Verh\u00e4ltnis von Picasso zu Malaga war nicht sehr innig. Er verbrachte die ersten elf Jahre seines Lebens hier, kam danach noch einmal zur\u00fcck, als er um die zwanzig war, und dann nie wieder. Umgekehrt war das Verh\u00e4ltnis von Malaga zu Picasso auch nicht gerade innig. Lange wollte man von ihm nichts wissen, und ein Picasso-Museum wurde erst eingerichtet, nachdem es in Paris und Barcelona und anderswo l\u00e4ngst eins gab. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Das kleine Museum ist im ersten Geschoss untergebracht. Leider erf\u00e4hrt man nicht, ob die Familie das ganze Haus oder nur diese eine Etage bewohnte und ob man Mieter oder Eigent\u00fcmer war. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In der Diele sieht man kleine Portr\u00e4ts, in Schwarz und Wei\u00df, von <\/span><span style=\"color: #000000;\">Picassos <\/span><span style=\"color: #000000;\">Vater und Mutter und von Picasso als Kind. Er war das erste Kind seiner Eltern, es folgten zwei Schwestern, von denen die eine mit acht Jahren starb. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Picasso selbst h\u00e4tte <\/span><span style=\"color: #000000;\">seine <\/span><span style=\"color: #000000;\"> Geburt fast nicht \u00fcberlebt. Der Onkel, der Bruder des Vaters, der Arzt war, wurde herbeigerufen und rettete ihm das Leben. Picasso erhielt sieben Vornamen, der Sitte entsprechend, derzufolge viele Namenspatrone viel Schutz bedeuteten: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Pablo Diego Jos\u00e9 Francisco de Paula Juan Nepomuceno Mar\u00eda de los Remedios Cipriano de la Sant\u00edsima Trinidad.<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> Erstaunlich, mit wie viel Naivit\u00e4t &#8211; oder Gottvertrauen &#8211; popul\u00e4re Vorstellungen ausgestattet sind. Der erste Vorname, Pablo, war der des Onkels, der ihm das Leben gerettet hatte. Sein erster Nachname war Ruiz, und die ersten Gem\u00e4lde signierte er  mit P. Ruiz. Den nicht spanisch klingenden Nachnamen Picasso stammte vom Gro\u00dfvater m\u00fctterlicherseits. Der war Italien<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In dem rekonstruierten Wohnzimmer steht auf dem Boden ein gr\u00f6\u00dferes Gem\u00e4lde des Vaters, eine Stra\u00dfenszene, eine Art Innenhof, ohne Menschen, aber mit Tauben auf dem Boden. Die Tauben blieben auch f\u00fcr Picasso ein Leben lang ein wichtiges Motiv. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Picassos Vater war Maler, Kunstlehrer und Leiter eines kleinen Kunstmuseums, war also mit Kunst in verschiedenen Varianten vertraut. Und hatte <\/span><span style=\"color: #000000;\">so <\/span><span style=\"color: #000000;\">verschiedene Quellen des Broterwerbs. Die Familie war nicht arm, aber auch nicht wohlhabend, und in der Krise des Jahrhundertendes wurde es knapp. Die wirtschaftliche Situation bedingte auch den Umzug nach Coru<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00f1a, obwohl <\/span><span style=\"color: #000000;\">d<\/span><span style=\"color: #000000;\">er <\/span><span style=\"color: #000000;\">Vater <\/span><span style=\"color: #000000;\">dort nur eine Kunstlehrerstelle hatte. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">An der Wand das erste Gem\u00e4lde Picassos, kleinformatig, einen Stierk\u00e4mpfer darstellend. Auch das ein Motiv, dem er lebenslang treu blieb. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In dem angrenzenden l\u00e4nglichen Raum sind ein paar pers\u00f6nliche Objekte ausgestellt, darunter das Taufkleid Picassos. Die Taufkleider der Zeit machten keinen Unterschied zwischen Jungen und M\u00e4dchen. \u00dcber dem Saum ein von der Mutter gesticktes P. Daneben ein Hemd. Auch hier auff\u00e4llig die Binde, die sich quer \u00fcber den Bauch zieht. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In dem Raum sind auch Gem\u00e4lde ausgestellt, die Picassos Vater von anderen Malern geschenkt bekam, darunter drei sehr sch\u00f6ne Ansichten vom Hafen von Malaga. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In der Diele eine <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Capa espa<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00f1ola<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, ein Geschenk einer seiner Frauen. Die trug er immer wieder im weiteren Verlauf seines Lebens. Picasso blieb Spanier, auch wenn er den <\/span><span style=\"color: #000000;\">gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens in Frankreich verbrachte. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein weiteres wichtiges Motiv blieb f\u00fcr Picasso das Meer, hier repr\u00e4sentiert durch einen Keramikteller mit stilisierten Booten. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir machen uns wieder auf den Weg in die eigentliche Altstadt. Auf dem Weg kommen wir am Restaurante <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Tato<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> vorbei. Ich muss das W<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00f6rterbuch bem\u00fchen. Die Bedeutung will mir einfach nicht in den Sinn kommen: &#8216;kleiner Bruder&#8217;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In der Altstadt kaufen wir einen F\u00e4cher. In einem Gesch\u00e4ft, das wir am Vorabend gesehen haben und das wir jetzt nur wiederfinden, weil wir uns an den Namen der Stra\u00dfe erinnern. In den Ecken und Winkeln der Altstadt verl\u00e4uft man sich leicht. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Nicht mehr finden wir die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Churrer\u00eda<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, vor der am Abend zuvor die Kunden Schlange standen. Aber die Eigent\u00fcmerin des F\u00e4cher-Gesch\u00e4fts gibt uns einen Tipp: Gleich in der Seitengasse befindet sich eine gute <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Churrer\u00eda<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Besser h\u00e4tten wir es nicht treffen k\u00f6nnen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Churrer\u00eda<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> ist einfach eingerichtet, und wir sind fast die einzigen Kunden. Kein Wunder: Um ein Uhr wird geschlossen. Dann geht es erst um f\u00fcnf weiter. Leuchtet ein: Das ist wohl die einzige Zeit des Tages, zu der kein Mensch, jedenfalls kein Spanier, auf die Idee kommen w\u00fcrde, <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>churros<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> zu essen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Bei der Bestellung machen wir eine sch\u00f6ne sprachliche Entdeckung: Die Kellnerin fragt uns, ob wir jeweils zwei oder jeweils drei <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>churros<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> haben wollten: <\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8220;\u00bfDos y dos o tres y tres?&#8221; Mit der offenen andalusischen Aussprache und dem Wegfall des \/s\/ klingt das echt witzig und ist f<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00fcr Uneingeweihte kaum verst\u00e4ndlich. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Ich habe, ohne R\u00fccksprache, leichtsinnigerweise drei bestellt, in der Annahme, dass es die d\u00fcnnen, herzf\u00f6rmigen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>churros<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> sein w\u00fcrden, die sonst g\u00e4ngig sind. Aber in Andalusien gehen die Uhren anders. Hier sind es lange, dicke Stangen, nicht gebogen, sondern gerade. Sie schmecken himmlisch, genauso wie die dickfl\u00fcssige Schokolade, besser als die in Jerez und die in Galicien, die ich in den letzten beiden Jahren probiert habe. Und wir werden beide mit der riesigen Portion fertig. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang \u00fcber den <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Paseo del Parque<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, parallel zum <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Paseo de las Sorpresas<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und zum Hafen verlaufend. Hier stehen riesige exotische B\u00e4ume. Einer davon sieht aus, als h\u00e4tte er einen Pelz. Die \u00c4ste mit dem dichten Nadelwerk schlingen sich direkt um den Stamm. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Dann geht es in den <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Parque Pedro Luis Alonso,<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> gleich nebenan, eine Art Gegenprogramm, mit kleinen, gepflegten Blumenrabatten. Der Park liegt gleich neben dem Rathaus. Hier sehen wir die zweite Statue, die einen typischen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>m<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>alag\u00fce<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00f1o<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> darstellt, den <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Bi<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>znaguero<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, einen Blumenverk\u00e4ufer. In der einen Hand h\u00e4lt er einen Jasmin-Strau\u00df, die andere Hand ist an das Ohr gelehnt, und der Blick geht nach oben. Auch hier ist alles, wie bei dem <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Cenachero<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> gestern, sehr fein gearbeitet, vor allem wieder die Kleidung. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In der N\u00e4he de<\/span><span style=\"color: #000000;\">r<\/span><span style=\"color: #000000;\"> Kathedrale kaufen wir an einem Kiosk Ansichtskarten und Briefmarken. Das Porto kostet 1,45 \u20ac! Unter den Ansichtskarten ist eine, die ein wunderbares Panorama darstellt: <\/span><span style=\"color: #000000;\">Man sieht die Alts<\/span><span style=\"color: #000000;\">tadt <\/span><span style=\"color: #000000;\">und dahinter den <\/span><span style=\"color: #000000;\">H\u00fcgel, auf dem sich die Tore d<\/span><span style=\"color: #000000;\">er<\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Alcazada<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> hinaufziehen. Das muss einiger Entfernung oder aus der Luft aufgenommen sein. Selbst kommen wir nie in den Genuss dieser <\/span><span style=\"color: #000000;\">A<\/span><span style=\"color: #000000;\">n<\/span><span style=\"color: #000000;\">sicht<\/span><span style=\"color: #000000;\">. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Sp\u00e4ter geht es dann endlich in die Kathedrale, an der wir schon ein Dutzend Mal vorbeigekommen sind. Hier wird ordentlich abkassiert. Als Gegenleistung gibt es einen sterbenslangweiligen Audioguide. Von der Baugeschichte erf\u00e4hrt man so gut wie gar nichts, au\u00dfer der ziemlich nichtssagenden Aussage, dass verschiedene Stilarten vertreten sind. Der Raumeindruck erinnert jedenfalls eher an einen Bau der Renaissance als an die Gotik, ist also eher zeitgem\u00e4\u00df, anders als Sevilla oder Granada. Was mit dem maurischen Vorg\u00e4ngerbau passiert ist, der riesengro\u00df gewesen sein muss, davon erf\u00e4hrt man <\/span><span style=\"color: #000000;\">gar nichts. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Stattdessen wird ein Seitenaltar nach dem anderen abgearbeitet. Wir erm\u00fcden bald und geben auf, zumal die Beschreibung auch noch schlecht vorgetragen ist. Die ganze Sache erinnert mich an die Kathedrale von C\u00e1diz. H\u00e4tte nicht gedacht, dass es irgendwo noch mal so schlimm sein w\u00fcrde. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Das einzig interessante Detail ist der Glockenturm, in dem der Organist mit seiner Familie gewohnt haben soll. Er wollte allzeit in der N\u00e4he seiner Orgel sein. Sp\u00e4ter, von au\u00dfen, versuchen wir uns zu einigen, in welchem Stockwerk diese Wohnung <\/span><span style=\"color: #000000;\">ge<\/span><span style=\"color: #000000;\">legen haben <\/span><span style=\"color: #000000;\">k\u00f6nnte. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Sch\u00f6n sind an der Kathedrale die Fassade und der Blick in den Chor mit<\/span><span style=\"color: #000000;\"> dem<\/span><span style=\"color: #000000;\"> dahinterliegendem Kapellenkranz, in den man durch die doppelst\u00f6ckigen Arkaden gleich hinter dem Altar hineinsehen kann. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Abend landen wir nach etwas z\u00f6gerlicher Suche wieder in der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Casa Lola<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, da zwei der Lokale, auf die wir es abgesehen hatten, geschlossen sind. Wieder gibt es die wunderbar schmeckenden Oliven. Die Nachfrage, was diese Art von Oliven von den anderen unterscheidet und ob es die Art oder die Zubereitung ist, f\u00fchrt nicht viel weiter. Der freundliche, rundliche Ober sagt lediglich, sie w\u00fcrden sie von einem kleinen Laden direkt neben dem <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Corte Ingl\u00e9s <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">beziehen. Das ist nicht so hilfreich, aber ich habe die Frage vermutlich auch nicht richtig gestellt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">30. November (Freitag)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Fr\u00fchst\u00fcck gibt es heute in der Bar gleich neben dem Hotel, eine<\/span><span style=\"color: #000000;\">r<\/span><span style=\"color: #000000;\"> typisch spanische<\/span><span style=\"color: #000000;\">n<\/span><span style=\"color: #000000;\"> Bar. Es ist voll, und wir sind die einzigen Fremden. Leider haben sie abends nicht ge\u00f6ffnet. Sonst k\u00f6nnte man hier auch mal essen. W\u00fcrde sich schon wegen der Namen der Gerichte lohnen: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Patata a la pobre, Huevos rotos, Ensalada Piparrana, L\u00e1grimas de pollo.<\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir gehen noch mal Richtung Kathedrale. Da steht, gleich nebenan und sogar noch auf dem Gel\u00e4nde der Kathedrale, eine gotische Kirche, Sta. Mar\u00eda, mit einem sch\u00f6nen plateresken Portal. Sie muss eine der \u00e4ltesten Kirchen Malagas sein.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wieder kommt die Sonne raus. Man muss ihr nur Zeit lassen. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Dann ist es richtig sch\u00f6n warm, bis die Sonne untergeht. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Dann wird es kalt. Aber es bleibt trocken. Wir bekommen in all den Tagen keinen Tropfen Regen ab. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir machen heute einen Strandspaziergang, immer der Strandpromenade entlang, die man nur etwa auf halber Distanz f\u00fcr einen Moment verl\u00e4sst. Die Str\u00e4nde haben unterschiedliche Namen, gehen aber eigentlich ineinander \u00fcber: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>La Malag\u00fceta, <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>La<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em> Caleta,<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Pedregalejo, El Palo.<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> Der Sand verf\u00e4rbt sich: Mit zunehmender Distanz von der Stadt wird er dunkler. Insgesamt ist die Strecke sieben Kilometer lang. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Wir gehen aber nicht gleich in Malaga am Strand los, sondern machen einen kleinen Umweg, um auf den Englischen Friedhof zu gehen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der Stierkampfarena vorbei. Dan<\/span><span style=\"color: #000000;\">n geht es ein St\u00fcck des Weges <\/span><span style=\"color: #000000;\">unter einer <\/span><span style=\"color: #000000;\">sch\u00f6nen <\/span><span style=\"color: #000000;\">Baumarkade entlang. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Von der Stra\u00dfe aus hat man immer wieder zwischen den H\u00e4userreihen einen Blick auf das Meer, sonnenbeschienen, mit Palmen im Vordergrund und Schiffen im Hintergrund und ein paar wei\u00dfen W\u00f6lkchen am Himmel. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf der anderen Stra\u00dfenseite eine Apotheke: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>365 d\u00edas abierto. <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">Dann finden wir, auf Nachfrage, den Englischen Friedhof, an dem wir schon vorbeigelaufen sind, auf der anderen Stra\u00dfenseite. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Friedhof liegt etwas erh\u00f6ht. Man betritt ihn, indem man unten an einem W\u00e4rterh\u00e4uschen vorbeigeht. Hier wohnte die Familie Alcaide, die \u00fcber Generationen W\u00e4rter des Friedhofs war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Von oben konnte man fr\u00fcher vermutlich aufs Meer blicken. Jetzt ist der Blick durch Hochh\u00e4user versperrt. Der Friedhof ist der erste protestantische Friedhof Spaniens, aber auch Katholiken lie\u00dfen sich hier begraben. Er wurde errichtet auf Initiative von William Mark, dem britischen Konsul von Malaga. Bis dahin wurde die Toten in heimlichen n\u00e4chtlichen Aktionen an den Strand geschafft und stehenden Fu\u00dfes im Sand verbuddelt<\/span><span style=\"color: #000000;\">. Sie wurden dann von den Wellen <\/span><span style=\"color: #000000;\">ins Meer <\/span><span style=\"color: #000000;\">ge<\/span><span style=\"color: #000000;\">sp\u00fcl<\/span><span style=\"color: #000000;\">t.<\/span><span style=\"color: #000000;\"> Mark setzte sich daf\u00fcr ein, diesen unw\u00fcrdige<\/span><span style=\"color: #000000;\"> Sitte abzuschaffen. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Die Stadt Malaga gab ihm dann dieses St\u00fcck Land au\u00dferhalb der Stadt, um einen Friedhof zu errichten. Er selbst ist auch hier begraben. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Etwa im Zentrum steht eine Kapelle, urspr\u00fcnglich ein Pavillon, der 1891, mit der Religionsfreiheit, zur Kirche umgewidmet wurde. Das Patrozinium ist nat\u00fcrlich St. George. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Begraben sind hier unter anderem <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8211; <\/span><span style=\"color: #000000;\">der Mann, <\/span><span style=\"color: #000000;\">a) <\/span><span style=\"color: #000000;\">der das erste Hotel in Torremolinos errichtete<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8211; <\/span><span style=\"color: #000000;\">Jorge Guill\u00e9n, der spanische Dichter der 28er-Generation<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8211; <\/span><span style=\"color: #000000;\">Gerald Brennan, der britische Historiker (&#8220;Un amigo de Espa<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00f1a&#8221;)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8211; <\/span><span style=\"color: #000000;\">William Boyd, ein verwegener britischer Offizier, der Torrijos bei seinem Aufstand unterst<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00fctzte und nach dessen Scheitern hier am Strand standrechtlich erschossen wurde. Er war der erste, der hier bestattet wurde <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt auch ein Monument f\u00fcr die Opfer der Havarie der Gneisenau, eines deutschen Schiffes, das hier vor der K\u00fcste sank, weil der Kapit\u00e4n eine Wetterwarnung nicht beachtete. Mehrere <\/span><span style=\"color: #000000;\">m<\/span><span style=\"color: #000000;\">alag\u00fce<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00f1os, die <\/span><span style=\"color: #000000;\">zur Rettung eilten, kamen <\/span><span style=\"color: #000000;\">dabei<\/span><span style=\"color: #000000;\"> ums Leben. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Ganz in der N\u00e4he dieses Monuments f\u00e4llt unser Blick auf eine kleine Grabplatte, angebracht \u00fcber dem Grab einer Frau, mit der Inschrift:<\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8220;Here lies Stephanie Hespeler, Then Boultbee, then Freeze, then Benn. So many men, never The Man. Arg-h, men!&#8221;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Derart inspiriert gehen wir zur Strandpromenade runter. Ein wunderbarer Spaziergang, immer am Meer entlang. In Pedregalejo, einem kleinen Ort, dessen Name uns immer wieder entf\u00e4llt, machen wir eine kleine Kaffeepause. Mit Hilfe des Internets k\u00f6nnen wir ein anderes sprachliches R\u00e4tsel kl\u00e4ren: Immer wieder haben wir in den letzten Tagen in Caf\u00e9s gesehen, dass es <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Caf\u00e9 con pitufo<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> gibt. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Pitufo<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">? Kommt mir bekannt vor. Hie\u00df das nicht &#8216;Schlumpf&#8217;? Stimmt. Aber hier in Malaga<\/span><span style=\"color: #000000;\">,<\/span><span style=\"color: #000000;\"> und nur in Malaga, bezeichnet es <\/span><span style=\"color: #000000;\">auch <\/span><span style=\"color: #000000;\">ein kleines belegtes Br\u00f6tchen. Das war die Idee eines B\u00e4ckers, der neben dem gr\u00f6\u00dferen, h\u00e4rteren <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>bocadillo<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> ein weicheres, kleineres Br\u00f6tchen f\u00fcr Kinder anbieten wollte und das mit dem Bild eines Schlumpfs bewarb, der so ein Br\u00f6tchen, ein <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>pitufo<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, in der Hand hielt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">An einem modernisierten St\u00fcck der Strandpromenade gibt es auch einen Radweg. An Laternenmasten h\u00e4ngen Wahlplakate f\u00fcr die bevorstehenden Landtagswahlen, aber nur von <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Podemos<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und von <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Vox<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, der neuen rechtsgerichteten Partei. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Podemos<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> kommt modern und etwas unverbindlich daher, mit anonymen fr\u00f6hlichen jungen Menschen, die einer besseren Zukunft entgegen zu schreiten scheinen. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Vox<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> hat, schon durch die Wahl der Nationalfarben auf dem Plakat, eine klar zentralistische Botschaft, und die lautet f\u00fcr diese Wahlen: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Andaluc\u00eda por <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Espa\u00f1a. <\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Strandpromenade ist sch\u00f6n angelegt und bequem. Zur Linken tauchen immer wieder Lokale auf, deren Namen meine Aufmerksamkeit beanspruchen: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>El cabra<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> (Maskulinum &#8211; keine Ziege, sondern ein Fisch, der S\u00e4gebarsch), <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Cazorla<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> (ein Ort in Ja\u00e9n), <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Los cu<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>\u00f1ao<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em> <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">(Versuch, andalusische Aussprache zu imitieren, nicht ganz konsequent),<\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Gabi<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> (im Spanischen ein M<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00e4nnername), <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>El Zagal<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> (<\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8216;<\/span><span style=\"color: #000000;\">Hirtenbursche<\/span><span style=\"color: #000000;\">&#8216;<\/span><span style=\"color: #000000;\">).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Gelegentlich tauchen H\u00e4userreihen auf, <\/span><span style=\"color: #000000;\">darunter <\/span><span style=\"color: #000000;\">einige <\/span><span style=\"color: #000000;\">ganz kuriose H\u00e4user: s<\/span><span style=\"color: #000000;\">chmal<\/span><span style=\"color: #000000;\"> und <\/span><span style=\"color: #000000;\">zweist\u00f6ckig, wobei der vordere Teil des zweiten Stocks als Balkon freigelassen ist.  Eins davon steht zum Verkauf. Das w\u00e4r&#8217; doch was! Nie mehr Schnee schippen, nie mehr Winterm\u00e4ntel. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Zur anderen Seite, zum Stand hin, immer wieder Grills, auf denen die ber\u00fchmten <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>espetos<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> zubereitet werden, Sardinenspie\u00dfe, ein Gericht, das zur klassischen kulinarischen Tradition Malagas geh\u00f6rt.  Es sind flache Holzspie\u00dfe, mit vier oder f\u00fcnf sich nach oben w\u00f6lbenden Sardinen quer \u00fcbereinander. <\/span><span style=\"color: #000000;\">D<\/span><span style=\"color: #000000;\">ie <\/span><span style=\"color: #000000;\">Spie\u00dfe <\/span><span style=\"color: #000000;\">liegen nicht im Feuer oder dar\u00fcber, sondern <\/span><span style=\"color: #000000;\">stecken <\/span><span style=\"color: #000000;\">in dem Sand neben der Glut. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf der Seite zum Meer hin erscheinen immer wieder sch\u00f6n verzierte Kacheln, auf denen kurze Gedichte angebracht sind, die alle etwas mit dem Thema <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Meer<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> zu tun haben. Alle stammen aus der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, und der Weg ist hier nach ihnen benannt: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Paseo de la Generaci\u00f3n del 27. <\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Dann, als wir schon fast glauben, vorbeigelaufen zu sein, ganz am Ende des letzten Strandes, kommen wir doch noch an unser Ziel: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>El Tintero<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, ein Lokal, das in beiden Reisef\u00fchrern angepriesen wird. Und zwar zu Recht. Wir sind noch ein bisschen zu fr\u00fch, aber allm\u00e4hlich, so ab zwei, kommt Leben in die Bude. Die Jahreszeit sorgt daf\u00fcr, dass die langen Tischreihen nicht komplett <\/span><span style=\"color: #000000;\">gef\u00fcllt <\/span><span style=\"color: #000000;\">sind<\/span><span style=\"color: #000000;\">,<\/span><span style=\"color: #000000;\"> und daf\u00fcr, dass nur Spanier hier sind, meist in Gruppen von sechs bis acht. Alle sitzen drau\u00dfen. Dass im Sommer hier auch Touristen verkehren, sieht man an dem Schild vor dem Eingang ins Lokal, das darauf hinweist, dass das Betreten des Lokals ohne Schuhe oder im Badeanzug nicht erlaubt ist. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Besonderheit des <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Tintero<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">: Man bestellt nicht, sondern wartet auf die Kellner, die mit verschiedenen Tellern eines Gerichts durch die Reihen gehen und es anpreisen: <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8220;!Aguacate!&#8221; &#8211; &#8220;!La sepia!&#8221; &#8211; &#8220;!La verde, la que no engorda!&#8221; &#8211; &#8220;!Calamares!&#8221; -&#8220;!Boquerones!&#8221; &#8211; &#8220;La concha fina!&#8221;. Ein echtes Spektakel. Das den Fu\u00dfweg auch gelohnt h\u00e4tte, wenn er nicht ohnehin so sch\u00f6n gewesen w\u00e4re. Mir kommt die Vorstellung in den Sinn, mal die ganze Mischpoke hierher einzuladen und ein Fest zu feiern. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Als wir nach der Rechnung fragen, werden die Zahlen einfach auf der Tischdecke notiert und zusammengez\u00e4hlt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">1. Dezember (Samstag)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auf dem Weg zum Picasso-Museum kommen wir an einer weiteren Dependance der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Taberna Lola<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> vorbei. Dort wird Werbung f\u00fcr <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Vermut al grifo<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> gemacht. Tats\u00e4chlich steht im Schaufenster ein F\u00e4sschen, aus dem man Wermut zapfen kann. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Im Picasso-Museum sieht man ganz fr\u00fche, kleinformatige Bilder, teils auf Holz. Picassos Kommentar dazu lautet, er habe nie Kinderzeichnungen gemacht. Es stimmt, wenn man diese Bilder zum Ma\u00dfstab nimmt. Er hat von vornherein wie ein Erwachsener gearbeitet. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00dcberhaupt geh\u00f6ren Picassos Kommentare, klug, unkonventionell, treffend, oft provokativ, zu dem Besten, was das Museum zu bieten hat. Dazu geh\u00f6rt auch eine Polemik gegen die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>ense\u00f1anza<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em> acad\u00e9mica<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und ihr Ideal der Sch\u00f6nheit. Das sei falsch, der Parthenon, die Venus, alles falsch. Nur der Instinkt z\u00e4hle. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Erstaunlich die Variation im Material, das Picasso bearbeitete: \u00d6l, Holzkohle, Bleistift, Bronze, Ton, Tinte, sp\u00e4ter auch Zeitungspapier, Gips, Metall  und vieles andere. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Zitat Picassos, die Konzeption des Kunstwerks betreffend, spricht mir aus der Seele. Es ist auch auf Literatur anwendbar: Das Bild werde nicht von vornherein konzipiert, es \u00e4ndere sich mit der Entstehung und es \u00e4ndere sich auch mit dem Betrachter und der Zeit. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Kuriose Entdeckung bei der Beschriftung einer Vorzeichnung zu den Drei Grazien: Was auf Englisch <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Indian ink<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> hei\u00dft, hei\u00dft auf Spanisch <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Tinta china<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In einem l\u00e4ngeren Zitat finde sich der Satz, den ich nur in gek\u00fcrzter Form kenne: \u201eIch suche nicht, ich finde.\u201c In dem l\u00e4ngeren Zitat h\u00f6rt er sich nicht so pr\u00e4potent an. Ein gutes Beispiel <\/span><span style=\"color: #000000;\">dieser Idee <\/span><span style=\"color: #000000;\">ist eine Skulptur, die sich an der Stirnseite eines Saals befindet: ein Stierkopf. Ich w\u00e4re fast schon achtlos in den n\u00e4chsten Saal weitergegangen, bin dann aber doch noch n\u00e4her getreten und habe mir die Beschilderung durchgelesen und dabei die entscheidende Entdeckung gemacht: Die Skulptur besteht aus einem waagerecht angebrachten Fahrradlenker (f\u00fcr Stirn und H\u00f6rner) und einem senkrecht angebrachten Fahrradsattel (f\u00fcr das Gesicht). <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Aus der Nachkriegszeit zwei nebeneinander h\u00e4ngende Frauenportr\u00e4ts, stark stilisiert, mit unnat\u00fcrlichen Farben und schematischen Gesichtsz\u00fcgen. Beide Portr\u00e4ts sind sehr <\/span><span style=\"color: #000000;\">sehr <\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00e4hnlich, und man macht sich unwillk\u00fcrlich daran, sie auf Unterschiede abzuklopfen, z.B. eine rote Gesichtsh\u00e4lfte gegen\u00fcber einer Gr\u00fcnen Gesichtsh\u00e4lfte. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Es gibt surrealistische Gem\u00e4lde wie ein Stillleben mit drei Igeln. Die sind waagerecht, ohne jede Perspektive, auf den Grund gemalt, als l\u00e4gen sie auf dem Boden, bestehen aber nur aus Kreisen, von denen nach au\u00dfen Strahlen abgehen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Portr\u00e4ts gibt es auch auf Keramik, kunstvoll gemacht, mit ganz wenigen Strichen entsteht ein ganz charakteristischer Kopf. Mit \u00fcber 80, sagt Picasso lakonisch<\/span><span style=\"color: #000000;\"> (<\/span><span style=\"color: #000000;\">aber auch etwas anma\u00dfend<\/span><span style=\"color: #000000;\">)<\/span><span style=\"color: #000000;\"> habe er endlich gelernt, wie ein Kind zu malen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Gesichter von M\u00fcttern versucht er so darzustellen, wie sie sich dem Kleinkind zeigen. Das Gesicht erscheint dem Kleinkind gro\u00df, mit hervorstechenden Gesichtsz\u00fcgen, anders als allen anderen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Krieg ist nicht als solcher pr\u00e4sent, aber es gibt w\u00e4hrend der Kriegszeit viele Motive, die sich indirekt darauf beziehen, wie in einem Gem\u00e4lde, in dem ein Kater mit l\u00fcsternem Blick einen Hahn verschlingt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Schluss der Ausstellung ist von Picasso<\/span><span style=\"color: #000000;\">s<\/span><span style=\"color: #000000;\"> heimischem Zoo die Rede. Zu Recht, denn Tiere tauchen in den Werken immer wieder auf. Picasso konnte Menschen m\u00f6gen oder nicht m\u00f6gen, aber er mochte alle Tiere. In Bateau-Lavoir hielt er drei siamesische Katzen, vier Hunde, einen Macao, eine Schildkr\u00f6te und eine domestizierte wei\u00dfe Ratte. Die hielt er in einer Schreibtischschublade. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Nach dem Museum trinken wir auf der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Plaza de los M\u00e1rtires<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> einen Kaffee. Die Kirche, nach der der Platz benannt ist, ist eine von vier Kirchen, die noch von den Katholischen K\u00f6nigen errichtet wurden. An der Backsteinfassade befinden sich zwei farbenfrohe Mosaike mit der Darstellung der heimischen M\u00e4rtyrer, Paula und Ciriaco. Aus dem ersten Stock dr\u00f6hnt Lautsprechermusik, Weihnachtslieder mit andalusischen Rhythmen. Wenn man keine Textfetzen verst\u00fcnde, k\u00e4me man nicht auf die Idee, dass es sich um Weihnachtslieder handelt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Nebentisch zwei M\u00e4nner, die Englisch sprechen. Alles andere als Standard<\/span><span style=\"color: #000000;\">-E<\/span><span style=\"color: #000000;\">nglisch. Schottisch? Irisch? Ich frage, und merke dass ich einen Volltreffer gelandet habe: Einer ist Schotte, einer Ire. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Beim Kaffee lerne ich d<\/span><span style=\"color: #000000;\">as<\/span><span style=\"color: #000000;\"> wunderbare Wort <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Kujambels<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, eine Kunstwort f\u00fcr jede beliebige W\u00e4hrung, deren Namen man nicht kennt: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>120 ruandische Kujambels<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Das Wort ist Wikipedia bekannt, nicht aber dem Duden. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">In der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Larios<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> befindet sich ein elegantes Bekleidungsgesch\u00e4ft, der Name stilvoll in Schwarz und Wei\u00df \u00fcber dem Eingang: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Scalpersa<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Der letzte Buchstabe hat die Form eines Totenkopfs. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Nur wenige Schritte vom touristischen Zentrum entfernt befindet sich ein volkst\u00fcmliches, uriges Viertel, in das man nicht so ohne Weiteres gelangt. Dank des Reisef\u00fchrers finden wir trotzdem hin. Der l\u00e4sst un<\/span><span style=\"color: #000000;\">s<\/span><span style=\"color: #000000;\"> einen Links- und einen Rechtshaken machen und schickt uns zwei Gassen entlang, die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Calle Mosquera<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> und die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Calle<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Nosquera<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Und schon sind wir da. Wie in einer anderen Welt. Wir landen im <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Entre<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Varales<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, einem rustikalen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>me<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>s\u00f3n<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Gro\u00dfartig. Was f\u00fcr eine Atmosph\u00e4re! Es ist voll und laut, die G\u00e4ste sitzen in gr\u00f6\u00dferen Gruppen an langen Tischen und lassen sich Tapas kredenzen. Wir finden nur einen Platz an einem kleinen, erh\u00f6hten Platz an der Theke. Trotz des Betriebs behalten die Kellner die Ruhe und \u00dcbersicht und sind au\u00dferdem freundlich. Die Tapas haben Dimensionen, die anderswo als <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>ra<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>ciones<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> durchgehen w\u00fcrden. Wir bestellen Setas Roquefort, <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Pollo al <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>c<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>urry<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Ensalad<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>ill<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>a <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>r<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>usa <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">und einen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Surtido<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>de Mariscos<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">. Alles sehr schmackhaft. Dazu gibt es reichlich Bier, das Ganze f\u00fcr 16 \u20ac. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Kneipe ist nicht nur voller Menschen, sondern auch voller Objekte. \u00dcberall steht, liegt, h\u00e4ngt etwas herum, bunt gemischt. Es gibt aber einen roten Faden: Objekte (und Photos), die etwas mit der Prozession der Karwoche zu tun haben, und zwar mit der Prozession einer bestimmten <\/span><span style=\"color: #000000;\">Bruderschaft, einer <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>co<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>frad\u00eda<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">, <\/span><span style=\"color: #000000;\">und zwar <\/span><span style=\"color: #000000;\">der dieses Viertels. Dieser Bezug erkl\u00e4rt auch den merkw\u00fcrdigen Namen des Lokals: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Entre Varales.<\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\"> &#8216;Zwischen Stangen&#8217;. Die Stangen, die gemeint sind, sind die, mit deren Hilfe der Altar <\/span><span style=\"color: #000000;\">bei der Prozession <\/span><span style=\"color: #000000;\">auf den Schultern der Tr\u00e4ger ruht. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Abend gehen wir noch mal in dieselbe Gegend und probieren ein weiteres Lokal aus. Auch da tolle Atmosph\u00e4re. Die Kunden verteilen sich auf den eigentlichen Schankraum, auf den Raum vor dem Tresen und auf die Tische in der Gasse vor den Mauern der H\u00e4user. Trotzdem muss man Geduld mitbringen, um einen Platz zu erwischen. Hier l\u00e4sst allerdings das Essen etwas zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am Nachmittag muten wir uns noch ein zweites Museum zu, das <\/span><span style=\"color: #000000;\"><em>Museo Carmen Thyssen. <\/em><\/span><span style=\"color: #000000;\">Dort gibt es eine F\u00fchrung, allerdings nur auf Spanisch. Sie soll 70 Minuten dauern<\/span><span style=\"color: #000000;\">, dauert aber am Ende <\/span><span style=\"color: #000000;\">120 Minuten<\/span><span style=\"color: #000000;\">. Das ist <\/span><span style=\"color: #000000;\">so oder so zu viel, aber erst recht  bei dieser Vortragsart: ohne Unterbrechungen, ohne Z\u00f6gern, ohne Fehlstarts, ohne jegliche Unsicherheit <\/span><span style=\"color: #000000;\">und mit gro\u00dfem Tempo. So geht es von Bild zu Bild. <\/span><span style=\"color: #000000;\">Der Mann ist absolut kompetent und rhetorisch begabt, aber er mutet uns einfach zu viel zu. Man ist schon froh, wenn es im Aufzug von einem Stock zum anderen geht und man einen Moment verschnaufen kann. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Am interessantesten, auch deshalb, weil sie am Anfang steht, die Dauerausstellung. Da findet sich meistens Genremalerei, meistens aus dem 19. Jahrhundert. Die Themen sind oft erkennbar spanisch. Da darf nat\u00fcrlich der Stierkampf nicht fehlen, darunter zwei sehr originelle Darstellungen. Auf einem Gem\u00e4lde blickt man<\/span><span style=\"color: #000000;\">,<\/span><span style=\"color: #000000;\"> von au\u00dfen sozusagen, vom hinteren Rand der Loge, durch die Zuschauer hindurch auf den Platz, aber dort sieht man weder Stier noch Stierk\u00e4mpfer, sondern nur das Pferd. Das eigentliche Geschehen, dem einige der Zuschauer der Loge aufgeregt folgen, spielt sich au\u00dferhalb unseres Blickwinkels ab. Man kann nur spekulieren, was die Zuschauer veranlasst, aufzuspringen und wild zu gestikulieren. Es ist, als w\u00e4re man genau in diesem Moment dabei. Die Zuschauer auf der anderen Seite des Platzes sieht man nur als Punkte oder Flecken, ganz fl\u00fcchtig, genauso wie eine auff\u00e4llige wei\u00dfgekleidete Frauenfigur ganz im Vordergrund, die sich vom Geschehen abwendet. Ganz hinten ist die Stadtsilhouette von Malaga zu erkennen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Auch das andere Stierkampfgem\u00e4lde ist impressionistisch, aber hier sind wir mitten im Geschehen, einem blutigen Geschehen. Es ist der Moment, wo der Stier in die (damals noch ungesch\u00fctzte) Flanke des Pferdes st\u00f6\u00dft. Der Reiter ist im Begriff, abgeworfen zu werden, andere versuchen, den Stier abzulenken. Weiter rechts wird jemand weggetragen, vermutlich der getroffene Torero. Rote und rosarote Punkte im Zentrum des Geschehens kontrastieren mit den graubraunen T\u00f6nen, in denen die Zuschauer, direkt hinter der niedrigen Bande, ganz schemenhaft dargestellt sind. Bei diesem Bild macht uns der F\u00fchrer auf eine maltechnische Besonderheit aufmerksam. Man sieht eine \u00fcbermalte Figur vor der Bande, gleich rechts neben dem zentralen Geschehen mit dem Stier. Diese Figur erscheint jetzt weiter rechts. Der Maler hatte wohl eingesehen, dass das Bild die Balance verlor, dass zu viel auf einmal in der Mitte des Bildes konzentriert war, so dass es sich entschloss, diese Figur nach rechts zu verschieben. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Als Kontrast zu den Genreszenen gibt es einige Landschaftsbilder. Fast immer ist das Meer beteiligt. Es geht darum, Natur darzustellen, aber auch darum, sie verfremdend zu dramatisieren, einem romantischen Impuls folgend. Das wird sehr deutlich bei einem Gem\u00e4lde vom Hafen Malagas, das auf den ersten Blick ganz &#8220;normal&#8221; aussieht. Auf den zweiten Blick erkennt man Felsen im Wasser, die es im Hafen von Malaga gar nicht gibt. Au\u00dferdem ist das Meer st\u00e4rker aufgew\u00fchlt, der Effekt der Gezeiten viel gr\u00f6\u00dfer als es in Malaga der Fall ist. Auf einem anderen Gem\u00e4lde sieht man eine K\u00fcstenlandschaft mit dem Felsen von Gibraltar. Hier hat der Maler Gibraltar um zwanzig Kilometer verschoben, um es in sein Bild zu bekommen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Bei den Genreszenen im engeren Sinne sind es oft die Innenh\u00f6fe popul\u00e4rer Quartiere, die die Szenerie abgeben. Oft beeindruckend die F\u00fclle der Details: eine bunte Pflanze, die aus den Fugen der Hauswand hervorw\u00e4chst, ein K\u00e4fig mit einem Kanarienvogel an der Wand, eine Nachbarin, die sich neugierig \u00fcber das Gel\u00e4nder ihres Balkons beugt, um mitzukriegen, was sich unten abspielt. Klassische Ingredienzien sind Gitarrenspieler, T\u00e4nzerinnen in langen Kleidern, t\u00f6nerne Blument\u00f6pfe, Ranken an den H\u00e4userw\u00e4nden, Gitter vor den Fenstern, zum Trocknen aufgeh\u00e4ngte W\u00e4sche. Das wirkt irgendwie lieblich, aber keineswegs kitschig. Immerhin ist hier das Leben der ganz normalen Leute, wenn auch leicht stereotyp, Gegenstand der Kunst. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Etwas aus dem Rahmen f\u00e4llt das Titelbild der Ausstellung, das Portr\u00e4t einer jungen Frau. Auch hier sieht man das Besondere nur, wenn man es wei\u00df: Die junge Frau ist in traditioneller andalusischer Kleidung zu sehen, tr\u00e4gt aber im Kontrast zu dieser Tradition das Haar kurzgeschnitten nach Pariser Mode. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Bookman Old Style, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\">Als wir uns am n\u00e4chsten Morgen aus Malaga verabschieden, hat es immer noch keinen Tropfen Regen gegeben. Und die Frage, ob sich Malaga lohnt, beantworten wir ohne Z\u00f6gern mit Ja. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><\/p>\n<p lang=\"es-ES\">&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"> <\/span><\/p>\n<p lang=\"es-ES\">&nbsp;<\/p>\n<p lang=\"es-ES\">&nbsp;<\/p>\n<p lang=\"es-ES\">&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27. November (Dienstag) Malaga ist, wie C\u00e1diz, eine ph\u00f6nizische Gr\u00fcndung, und damit eine der \u00e4ltesten St\u00e4dte Spaniens. Auch der Name ist ph\u00f6nizisch: Malaka, &#8216;K\u00f6nigin&#8217;. Wohl wegen der reizvollen Lage an der spanischen K\u00fcste. 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