{"id":10598,"date":"2020-03-08T06:36:31","date_gmt":"2020-03-08T05:36:31","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=10598"},"modified":"2020-03-08T06:38:39","modified_gmt":"2020-03-08T05:38:39","slug":"marbach-2020","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=10598","title":{"rendered":"Marbach (2020)"},"content":{"rendered":"\n<p>22.\nFebruar (Samstag)\t\t\t\t<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nReisenotizen zu Marbach beginnen mit einem Dementi: Nein, die\nenglische K\u00f6nigin hat nicht nach Pferden gefragt, als sie hier zu\nBesuch war, sie ist nicht in das falsche Marbach gereist. Sie wollte\nhierher, sie wollte zu Schiller und nicht zu den Pferden. Die\nGeschichte ist einfach zu sch\u00f6n, um wahr zu sein. Schade. \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Marbach<\/em>\ngeht, so steht es in einem alten Reisef\u00fchrer, den ich im Antiquariat\nan Land gezogen habe, auf <em>Markbach<\/em>\nzur\u00fcck. Aber was bedeutet das? Das wunderbare Buch f\u00fcr Ortsnamen,\ndas sonst alle W\u00fcnsche erf\u00fcllt, kennt Marbach nicht. Und Marburg im\n\u00dcbrigen auch nicht. Meine Vermutung, dass es etwas mit &#8216;Grenze&#8217; zu\ntun hat, wird in meinem anderen Buch f\u00fcr Ortsnamen wortreich\nzur\u00fcckgewiesen. Das sei eine alte Geschichte, die jemand in die Welt\ngesetzt h\u00e4tte, die aber schlichtweg falsch sei. Das Argument:\nMarbach komme einfach zu oft vor, um \u00fcberall eine territoriale\nGrenze zu bezeichnen. Richtig sei: <em>Marc<\/em>\nbedeute &#8216;Sumpf&#8217;. Das Problem bei diesem Buch ist, dass es so gut wie\nalle Ortsnamen auf <em>Sumpf<\/em>\nzur\u00fcckf\u00fchrt. Was ich bei der Recherche jedenfalls erfahren habe:\nMarburg hat einen Ortsteil, der Marbach hei\u00dft.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00fcndernde\nSoldaten scheinen Marbach mehrmals im Laufe der Geschichte zugesetzt\nzu haben: spanische Truppen von Karl V. im Schmalkaldischen Krieg,\ndie eine Strafexpedition gegen das protestantische Marbach\ndurchf\u00fchrten, dann die mit dem w\u00fcrttembergischen Herzog verb\u00fcndeten\nSchweden und Franzosen im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg, und dann Soldaten\ndes franz\u00f6sischen Generals Melac im Pf\u00e4lzischen Erbfolgekrieg.\nLauter Ausl\u00e4nder?! Seitdem herrscht aber Ruhe. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nbrauchen geschlagene vier Stunden bis Marbach. Als wir von der\nAutobahn abfahren, sehen wir, dass das Fahrzeugkennzeichen der Gegend\nLB ist, Ludwigsburg. Vorher haben wir ger\u00e4tselt was wohl RP sein\nk\u00f6nne. Sp\u00e4ter erfahren wir, dass es f\u00fcr Rhein-Pfalz-Kreis steht,\ndem ehemaligen Landkreis Ludwigshafen.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nStadt Marbach bietet in einem Parkhaus gleich neben der Innenstadt\nkostenloses Parken an, mit Parkscheibe und nicht unbegrenzt, aber\nkostenlos. Je h\u00f6her die Etage, umso l\u00e4nger kann man bleiben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ob\nMarbach eine erhaltene Stadtmauer hat, dar\u00fcber sind wir uns nicht\neinig. In meinem Reisef\u00fchrer habe in ich davon nichts gelesen. Und\nes scheint auch keine zu geben. Trotzdem sieht es von hier aus so\naus, als w\u00fcrde man durch ein Tor in einer alten Ummauerung gehen. Es\nsind nur ein paar Schritte, und wir stehen mitten in der Altstadt und\nvor unserer Pension. Wir sind untergebracht in dem Gasthaus <em>Glocke<\/em>.\nDeren Eigent\u00fcmer hei\u00dft <em>Glock<\/em>.\nFrau Glock f\u00fchrt uns durch ein Wohnhaus auf einen Hinterhof. Hier\nbefinden sich in niedrigen Geb\u00e4uden ein paar modern eingerichtete\nZimmer. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nGasthaus Glocke ist leider bis Anfang M\u00e4rz geschlossen. Schade. Hier\nh\u00e4tte es Wild gegeben. \u00dcber dem Eingang h\u00e4ngt eine gro\u00dfe goldenen\nGlocke als Hausmarke. Solche Hausmarken sehen wir in den n\u00e4chsten\nStunden immer wieder: ein Brezel an einer B\u00e4ckerei, eine\nRasierschale an einem Friseursalon, einen L\u00f6wen an einer Apotheke.\nEine Sonne h\u00e4ngt an einem Haus, einem alten Fachwerkhaus, das nicht\nmehr seine urspr\u00fcngliche Funktion hat. Hier gibt es jetzt\nT\u00e4towierungen. \u00c4hnlich ein Tabakladen mit einer Pfeife an der\nFassade. Da gibt es jetzt einen Gebrauchtwarenladen. An den\nGasth\u00e4usern sieht man immer noch h\u00e4ufig das Wort <em>Fremdenzimmer<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Fachwerk\nbestimmt das Bild der Marktstra\u00dfe, auf der wir uns befinden. Eine\nAusnahme bildet das Rathaus. Das ist deutlich j\u00fcnger. Ein\nrechteckiger Bau mit gleichm\u00e4\u00dfigen Geschossen. Noch 66 Jahre nach\ndem Brand hatten die Marbacher es nicht fertig gebracht, ein neues\nRathaus zu bauen. Ein Besuch des F\u00fcrsten war dann der Ausl\u00f6ser, es\nendlich in die Hand zu nehmen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unten\nhat das Rathaus Arkaden. Die wurden bei einem sp\u00e4teren Umbau\nhinzugef\u00fcgt. Urspr\u00fcnglich hatte das Rathaus eine breite Durchfahrt,\nvermutlich f\u00fcr die Anlieferung von Waren. Hier befanden sich n\u00e4mlich\nVerkaufsst\u00e4nde von B\u00e4ckern und Metzgern und ein Salzstand. Sp\u00e4ter\nbefand sich hier eine B\u00f6rse f\u00fcr Getreidehandel. \n<\/p>\n\n\n\n<p>An\nder Fassade des Rathauses h\u00e4ngt das Wappen von Marbach. Dem begegnen\nwir auf unserem Spaziergang immer wieder. Es ist zweigeteilt. Links\nhat es drei Hirschstangen, ein Zeichen f\u00fcr die Herrschaft\nW\u00fcrttembergs, rechts hat es einen von Weinranken umschlungenen Turm,\nals Ausweis des wichtigsten Wirtschaftszweiges. Marbach war im\nWesentlichen ein Ackerb\u00fcrgerdorf. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht\nalle H\u00e4user brauchten so lange f\u00fcr den Wiederaufbau wie das\nRathaus. Eins hat sogar seinen Namen davon: <em>Wiederaufbauhaus<\/em>.\nEs stand laut Inschrift auf dem Portal schon 1694 wieder. Die Balken\nsind braun und die Fl\u00e4chen dazwischen ocker, eine besonders sch\u00f6ne\nKombination. Das Haus steht auf einem Untergeschoss aus Stein.\nVielleicht war das eine bauliche Ver\u00e4nderung, die man nach den\nErfahrungen mit dem Brand einf\u00fchrte. Die oberen Geschosse kragen\nalle hervor, aber nur ein bisschen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nEnde der Marktstra\u00dfe befindet sich die zur Buchhandlung umgebaute\nWendelinkapelle. Hier ersteht Dede einen guten Stadtf\u00fchrer. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nEnde der Marktstra\u00dfe wird markiert von dem Oberen Burgturm, dem\nletzten von urspr\u00fcnglich drei, der erhalten geblieben ist. Auch um\nihn gab es eine Kontroverse, denn er war bauf\u00e4llig und sollte\nabgerissen werden, wurde am Ende aber gerettet und saniert. Er hat\nein m\u00e4chtiges, fast fensterloses quadratisches Untergeschoss und\neinen sch\u00f6nen, spitzen Aufbau. Auf der Landseite hat er eine Uhr und\nzwei gro\u00dfe, farbige Wappen, deren Bedeutung uns nicht ganz klar\nwird. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unter\nden Fachwerkh\u00e4usern der Marktstra\u00dfe befindet sich auch das\n<em>Schatzhaus<\/em>.\nDort wurde nach mehr als 600 Jahren in einer Decke ein\nmittelalterlicher M\u00fcnzschatz gefunden. Man versucht, sich\nvorzustellen, was wohl den Besitzer dazu veranlasst hat, hier sein\nGeld zu verstecken. Und wie es in Vergessenheit geraten konnte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nbiegen vor dem Burgturm links ab. \u00dcber Kopfsteinpflaster geht es\nziemlich steil hinunter. Eine Frau spricht uns an und fragt, ob wir\nzurechtk\u00e4men. Sie gibt ein paar Erkl\u00e4rungen zur Stadt und weist und\nden Weg zu Schillers Geburtshaus. Und sagt uns, wir sollten uns\nunbedingt die Holdergassen ansehen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Schillers\nGeburtshaus sieht gar nicht so mickrig aus, aber wie beengt die\nWohnverh\u00e4ltnisse waren, wird innen klar. Im Obergeschoss wohnte der\nVermieter, die K\u00fcche im Untergeschoss teilte er sich mit den\nSchillers, und f\u00fcr die, Mutter, Tochter und Sohn, blieb nur ein Raum\n\u00fcbrig. Was aus Schillers Vater wurde, das erfahren wir am Abend im\n<em>Goldenen\nL\u00f6wen<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Schiller\nwohnte nur vier Jahre in Marbach und kehrte danach nie wieder hierher\nzur\u00fcck. Warum wohl nicht? Hatte er d\u00fcstere Erinnerungen an die Zeit\nhier? \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nGeburtshaus wurde bald danach von einem B\u00e4cker \u00fcbernommen. Der\nhatte ein G\u00e4stebuch bereit, denn bald nach Schillers Tod brachte die\nSchillerverehrung viele Besucher hierher. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Oben\nsind ein paar pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde ausgestellt, die Schiller\ngeh\u00f6rten, darunter seine reich bestickte Taufm\u00fctze. Daneben das\nTaufregister. Es sind acht Paten verzeichnet. Es ging nach dem Motto\n\u201eje mehr, umso besser\u201c. Viele Paten bedeutete gesellschaftliche\nAchtung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\neiner anderen Vitrine sieht man ein Haar von Schiller als Reliquie\nund einen Petschaft. Das ist eine Art Siegel. Auf dem Boden ist das\nWappen angebracht, das Schiller f\u00fchrte, als er, durch Vermittlung\nvon Goethe und dem Herzog von Weimar, den Adelstitel bekam. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Was\nhier auch deutlich wird, ist der Niedergang Marbachs nach dem Brand\nvon 1693. Zu den Zerst\u00f6rungen kam die Konkurrenz des neu gegr\u00fcndeten\nLudwigsburg. Was Marbach dann aus der Patsche half, war der bald\neinsetzende Schiller-Tourismus. Das hat sich bis heute nicht\nge\u00e4ndert. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndem schr\u00e4g abfallenden Platz vor dem Geburtshaus von Schiller\nbefindet sich ein Brunnen. Die Brunnenfigur ist die des Wilden\nMannes. Er h\u00e4lt eine Keule in der Hand und hat einen Kranz aus\nWeinbl\u00e4ttern auf dem Kopf, und auch seine Haut scheint aus\nWeinbl\u00e4ttern zu bestehen. Keule und Wein = Mars und Bacchus. Dede\nhat eine Intuition: <em>Mars\n+ Bacchus = Marbach<\/em>.\nDie Intuition erweist sich als richtig. So erkl\u00e4rte sich das Volk\nden Ursprung des Namens Marbach!<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nWasser des Brunnens wird benutzt f\u00fcr eine Wette. Was das ist,\nerkl\u00e4rt der Reisef\u00fchrer: ein Feuerl\u00f6sch- und ein Viehtr\u00e4nketeich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\ngehen durch die Obere und die Untere Holdergasse. Die <em>Untere\nHoldergasse<\/em>\nhat ein Witzbold auf einem Schild in <em>Untere\nStolpergasse<\/em>\numbenannt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nHaspelturm, etwas abseits der Gasse gelegen und von hier aus schwer\neinsehbar \u2013 man m\u00fcsste noch mal von au\u00dfen um die Stadt gehen \u2013\ndiente lange Zeit als Gef\u00e4ngnis und ist so benannt nach der Haspel,\nmittels derer man die Gefangenen in ihr Verlies herablie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nBeginenhaus ist ein stattliches Haus, das bis zur Reformation Sitz\nder Beginen war. Mit der Reformation mussten sie ihren Orden aber\nabschaffen. Eine Zeitlang durften sie noch ein Spital betreiben, aber\nauch das wurde dann abgeschafft. Anstelle der Beginen zog hier die\nLateinschule ein, und das Haus war auch Wohnhaus f\u00fcr den Pr\u00e4zeptor\nund den Schulmeister. Sp\u00e4ter kam neben der Lateinschule auch die\nDeutsche Schule in diesen Bau. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dekanat\nund Spezialat sind Organismen der nachreformatorischen\nKirchenordnung. Die Details ersparen wir uns. Jedenfalls sind beide\nrepr\u00e4sentative Fachwerkh\u00e4user, ganz anders als die meisten\nFachwerkh\u00e4user dieses Viertels, wo die Bauern wohnten, die meist im\nNebenberuf Winzer waren, teils auch nur f\u00fcr den eigenen Bedarf\nanbauten. Gegen\u00fcber ihren einfachen, kleinen H\u00e4usern befanden sich\ndie Scheunen. Heute sieht man in diesem Viertel kleine\nGartenparzellen, wie Schreberg\u00e4rten, aber ohne H\u00e4uschen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Schon\nvorher haben wir das Geburtshaus von Tobias Mayer gesehen, dem\nzweiten ber\u00fchmten Sohn Marbachs. Wie Schiller hat er aber nur die\nersten Jahre seines Lebens hier verbracht und ist auch nie mehr\nzur\u00fcckgekehrt. Aber Marbach kann den Ruhm einstreichen. Sein\nGeburtshaus ist ein Fachwerkhaus, entstanden kurz nach dem gro\u00dfen\nStadtbrand, errichtet von seinen Eltern. Hier war auch die Werkstatt\ndes Vaters untergebracht, eines Wagners. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\nstehen wir von einem brandneuen Geb\u00e4ude. Hier ist das\nTobias-Mayer-Museum untergebracht. Es bildet so etwas wie die\nR\u00fcckseite des Geburtshauses. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nfreundlicher Mann am Eingang fragt, wie viel wir denn schon von\nTobias Mayer w\u00fcssten. Die Antwort f\u00e4llt leicht: Nichts. Aber\nwirklich gar nichts. Das \u00e4ndert sich im Laufe der n\u00e4chsten Stunde. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Tobias\nMayer war ein ganz au\u00dfergew\u00f6hnlicher Mann. Ein Autodidakt, der es\nzum Professor in G\u00f6ttingen brachte, ohne jemals selbst auf einer\nUniversit\u00e4t gewesen zu sein!<\/p>\n\n\n\n<p>Er\nsagt von sich selbst, er habe seiner Mutter st\u00e4ndig bettelnd in den\nOhren gelegen. Aber er wollte kein Brot, er wollte Feder, Tinte und\nPapier. Mit f\u00fcnf konnte er bereits Schreiben, Lesen und Zeichnen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Mayer,\n1723 geboren, wurde nur 39 Jahre alt. Schiller hat er nicht mehr\nkennen gelernt. Der war erst 3, als Mayer starb. Als er 8 war, starb\nder Vater, als er 14 war, starb die Mutter. Durch einen G\u00f6nner\nerhielt er die Chance, die Schule zu besuchen, zuerst die Deutsche\nSchule, dann die Lateinschule. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\n16 erstellte er einen Stadtplan von Esslingen, wohin die Familie\nJahre vorher umgezogen war. Das war sein Erstlingswerk. Danach\nfolgten ein Mathematikatlas, eine Deutschlandkarte, ein Buch \u00fcber\ndie Geometrie, ein Buch \u00fcber die Kriegsbaukunst und schlie\u00dflich ein\nMondglobus. Den konnte er nicht mehr vollenden. Es w\u00e4re der erste\nMondglobus \u00fcberhaupt gewesen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr\nden Laien verst\u00e4ndlich wird Mayers Leistung anhand eines Schiffes,\ndessen Modell hier ausgestellt ist, eines britischen Schiffes, das\n1707 zusammen mit anderen Schiffen der britischen Flotte vor den\nScilly Isles Leck lief und unterging. Es gab 1.450 Tote. Und das war\nkein Einzelfall. Solche Katastrophen passierten immer wieder. Der\nGrund lag in der Berechnung der L\u00e4ngengrade. Die war schwierig. Ganz\nanders als die Berechnung der Breitengrade. Die hatte man im Griff.\nMayer behob das Manko. Das britische Parlament schrieb als Folge des\nSchiffsungl\u00fccks einen Preis f\u00fcr die Berechnung von L\u00e4ngengraden\naus. Nach langem Hin und Her bekam Mayer diesen Preis posthum\nverliehen. Seine Witwe kam in den Genuss eines gro\u00dfen Teils des\nPreisgeldes. Das belief sich auf \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a3\n20.000\n&#8211; umgerechnet eine Million Euro!<\/p>\n\n\n\n<p>Mayers\nbesondere Qualit\u00e4t war die Pr\u00e4zision. Dazu entwickelte er auch\nInstrumente weiter oder erfand neue. Einige sind hier ausgestellt,\ndarunter ein Repetitionskreis und ein Oktant, eine Weiterentwicklung\ndes Sextanten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nPr\u00e4zision sieht man auch an vielen Karten, die hier ausgestellt\nsind. Einige haben drei Konturen, zwei \u00fcberlieferte und dann zum\nVergleich die von Mayer neu entwickelten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aus\nder Zeit des Nationalsozialismus erhalten ist eine Kupferplatte mit\neiner von Mayers Karten. Man sieht, wie nach dem Krieg das Hakenkreuz\nauf der Platte wegpoliert wurde. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nPionier gew\u00fcrdigt wurde Mayer nach seinem Tod von Euler, Gau\u00df und\nLichtenberg. In einem Briefwechsel mit Euler hatte er seine Theorie\nzur Vorhersage der Mondbewegungen entwickelt.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Mayer,\nhei\u00dft es am Ende der Ausstellung, habe sich ausgezeichnet durch eine\nMischung aus Idealismus, Genauigkeit und Bodenst\u00e4ndigkeit. Eine gute\nMischung. Als wir das Museum verlassen, bemerkt Dede: &#8220;Der ist\ndoch eigentlich viel wichtiger als Schiller!&#8221;  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nAbend gehen wir in den <em>Goldenen\nL\u00f6wen<\/em>,\nvon Dede ausgesucht. Eine gute Wahl. Das Haus war schon zu Schillers\nZeiten Gasthaus. Es geh\u00f6rte dem Vater seiner Mutter, dem B\u00e4cker\nGeorg Friedrich Kodwei\u00df. Schillers Mutter wurde hier geboren.\nKodwei\u00df war nicht nur B\u00e4cker, sondern auch herrschaftlicher\nFlo\u00dfverwalter. Es ging ihm gut, und er kaufte dieses Anwesen und\nerrichtete bald danach einen gr\u00f6\u00dferen Neubau. Hier er\u00f6ffnete er\nden Gasthof, und zwar einen, der nicht st\u00e4ndig ge\u00f6ffnet war,\nsondern sich besonders an die Fl\u00f6\u00dfer als Kundschaft wandte, denn er\nhatte das Vorrecht, sie zu bewirten. Kluger Schachzug. Aber das ging\ndann alles den Bach hinunter. Durch eine \u00dcberschwemmung und durch\nSpekulation. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nes noch gut ging, tauchte hier eines Abends Schillers Vater als Gast\nauf. Es war sp\u00e4t, und er wurde nicht mehr in die Stadt\nhineingelassen. Also kam er hier unter, denn der <em>Goldene\nL\u00f6we<\/em>\nbefand sich gerade au\u00dferhalb der Stadtmauern. Hier lernte er die\nTochter des Hauses kennen. Und die heiratete er wenig sp\u00e4ter.\nSchillers Vater war das, was man damals \u201eChirurg\u201c nannte, ein\nWundarzt, ein Arzt ohne medizinische Ausbildung, eine Art Feldscher.\nEr erhoffte sich durch die Heirat mit der Tochter des wohlhabenden\nWirts wirtschaftliches Wohlergehen, aber als dann alles den Bach\nhinunterging, verlie\u00df er Marbach und lie\u00df seine Frau mit den beiden\nKindern zur\u00fcck. Er folgte seinem Landesherrn auf dessen Reisen und\nFeldz\u00fcgen. Es war wohl eine Mischung aus Scham und Not, die ihn dazu\nbewegte, Marbach zu verlassen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls\nist es Schillers Gro\u00dfvater zu verdanken, dass wir heute Abend das\nVergn\u00fcgen haben, hier zu essen. Das Lokal ist gem\u00fctlich, mit\nniedrigen Decken und sch\u00f6nen Bauernschr\u00e4nken. An der Wand h\u00e4ngen\nSchieber f\u00fcr Back\u00f6fen. Aber das Lokal hat nichts Verstaubtes. Und\ndas Essen ist zum Niederknien: Fl\u00e4dlesuppe, Schweinebacke mit\nSp\u00e4tzle und Cr\u00e8me Br\u00fbl\u00e9e\nmit Obstsalat. Dede kann jedes Kraut identifizieren und auch die\nSenfk\u00f6rner in der So\u00dfe zu der Schweinebacke. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndem R\u00fcckweg sehen wir, in unmittelbarer N\u00e4he der Pension, zwei\nbenachbarte, sehr unterschiedliche Fachwerkh\u00e4user, die ein besonders\nsch\u00f6nes Ensemble darstellen. Das eine, der Heinlinsche Hof, ist das\neinzige Haus innerhalb der Stadtmauern, das den Brand von 1693\n\u00fcberstanden hat. Durch dendrochronologische Untersuchungen hat man\nherausgefunden, dass die Balken von den H\u00e4usern vor dem Brand aus\nEiche waren, bei denen nach dem Brand aus Fichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nandere, oben spitz zulaufend und mit sch\u00f6nen Mustern aus Fachwerk,\nwar das Physikat, der Dienstsitz des amtlichen Arztes, des Arztes,\nder das Pendant zu Schillers Vater war und eine medizinische\nAusbildung hatte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nLuft ist noch erstaunlich mild, und die beiden H\u00e4user kommen am\nAbend genauso gut zur Geltung wie am Tag. \n<\/p>\n\n\n\n<p>23.\nFebruar (Sonntag)<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber\nNacht hat es heftig geregnet, aber am Morgen hat der Regen aufgeh\u00f6rt.\nEs ist aber kalt und dicht bew\u00f6lkt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAltstadt ist wie ausgestorben, aber Dede hat eine B\u00e4ckerei ausfindig\ngemacht, <em>B\u00e4ckerando<\/em>,\ndie ein paar Schritte au\u00dferhalb liegt. Dort bekommen wir ein\nwunderbares Fr\u00fchst\u00fcck von einer sehr freundlichen Bedienung\nserviert. W\u00e4hrend des Fr\u00fchst\u00fccks erinnern wir uns an Werbeslogans\nunserer Kindheit: &#8220;Wer wird denn gleich in die Luft gehen?&#8221;,\n&#8220;Von h\u00f6chster Reinheit&#8221;, &#8220;Der Duft der gro\u00dfen weiten\nWelt&#8221;, &#8220;Viel Rauch, wenig Asche&#8221;, &#8220;Ich gehe\nmeilenweit f\u00fcr eine Camel&#8221;, &#8220;Viel zu fein f\u00fcr\nM\u00e4nnerh\u00e4nde&#8221;, &#8220;Feuer &#8211; Pfeife &#8211; Stanwell&#8221;, &#8220;Ein\nMann &#8211; ein Wort &#8211; Batavia&#8221;. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dede\nmacht mich aufmerksam auf die Bedeutung von <em>bit<\/em>\nin dem Lied, das in der Bitburger-Werbung zum Einsatz kommt: &#8220;Stay\na little bit longer&#8221;.  Darauf kommen wir auf die Werbekampagnen\nvon Karlsberg (&#8220;Ein Ur mittags&#8221;, &#8220;All&#8221;,\n&#8220;Ur-Knall&#8221;) und die von Fr\u00fch K\u00f6lsch (&#8220;Kein bisschen\nAlt&#8221;, &#8220;Heilig am Abend&#8221;, &#8220;Flie\u00dfend K\u00f6lsch&#8221;).\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Zu\nder B\u00e4ckerei sind wir durch das Obere Burgtor gekommen. In dem ist\ninnen eine Nische eingelassen. Dort deponierte man in fr\u00fcheren\nZeiten das Wegegeld. Man musste die Stadt passieren, wenn man\nunterwegs war, und der Durchgang war kostenpflichtig. Heute gibt es\nsubtilere Methoden, Besuchern das Geld aus der Tasche zu ziehen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hier,\nam Burgtor, wurde ebenfalls Brot gewogen. Wenn ausw\u00e4rtige B\u00e4cker\nihr Brot in Marbach verkaufen wollten, wurden ihre Waren vorher\ngewogen, vermutlich, um Betr\u00fcgereien zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechts\ndes Burgtors ist ein Gedenken an die toten Soldaten des 1. Weltkriegs\nangebracht. Die Namen der gefallenen Soldaten aus Marbach sind in die\nMauer eingemei\u00dfelt. Es sind erstaunlich viele. Die Gedenktafel\nstammt aus der Zeit des Nationalsozialismus und hat ein\nSchiller-Zitat, das einen grausen l\u00e4sst, eine Zelebrierung des\nHeldentods f\u00fcr das Vaterland, so als h\u00e4tte er es eigens f\u00fcr die\nNazis verfasst. Man m\u00fcsste mal nachsehen, in welchem Kontext das\ngesagt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndem Weg zur B\u00e4ckerei kommen wir an der <em>Schnippstelle<\/em>\nvorbei, einem Friseursalon, und am <em>Sehblick<\/em>,\neinem Optiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach\ndem Fr\u00fchst\u00fcck geht es auf die Schillerh\u00f6he, erst ein St\u00fcck die\nHauptstra\u00dfe entlang, dann \u00fcber einen sch\u00f6nen Fu\u00dfweg. Genau an der\nAbbiegung steht ein blauer Briefkasten mit dem Werbeslogan &#8220;Blau\nist das neue Gelb&#8221;. Es scheint eine Post von Baden-W\u00fcrttemberg\nzu sein. Wir spekulieren dar\u00fcber, wie das wohl funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Von\nKarneval ist in dieser Gegend wenig zu sehen, aber jetzt sehen wir an\nder Kreuzung einen Mann mit einem langen, weiten Faltenrock. Der ist\nvermutlich auf dem Weg nach Hause von der Karnevalsfeier. \n<\/p>\n\n\n\n<p>An\neinem Laternenpfahl h\u00e4ngt ein Plakat, in dem f\u00fcr die\n<em>Carnevalsfreunde<\/em>\nund f\u00fcr das <em>Kinderfasching<\/em>\ngeworben wird. <em>Karneval<\/em>\noder <em>Fasching<\/em>?\nDede best\u00e4tigt, dass es in Trier <em>Fastnacht<\/em>\nhei\u00dft. Das habe ich in 23 Jahren nicht gemerkt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nach\neinem kurzen Spaziergang erreichen wir die Schillerh\u00f6he mit der\netwas futuristisch aussehenden Stadthalle. Im Zentrum des Platzes,\nauf einer Rasenfl\u00e4che, steht Schiller, hoch auf einem Sockel, Feder\nin der einen, Papierrolle in der anderen Hand. Er tr\u00e4gt einen\nGehrock und Schnallenschuhe und hat einen Fu\u00df leicht nach vorne\ngestellt. Er tr\u00e4gt keine Kopfbedeckung, und das lange Haar f\u00e4llt\nlose auf seine Schultern. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Vor\nuns liegt ein altes Museumsgeb\u00e4ude, an der Seite ein modernes,\nstrahlend wei\u00dfes, mit Arkaden. Dahin kommen wir aber sp\u00e4ter\nunterirdisch, von dem alten Museum aus. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sieht\nso aus, als w\u00e4ren wir die ersten Besucher, und so richtig ist man\nnoch gar nicht auf Besuch eingestellt. Ob wir an einer F\u00fchrung\nteilnehmen wollten, werden wir gefragt. Ja, gerne. Aber es ist noch\ngar nicht klar, ob die F\u00fchrung \u00fcberhaupt stattfindet. Und das\nEintrittsgeld? Ach, wir sollten jetzt erst mal in das Museum gehen,\ndas mit dem Eintritt lasse sich sp\u00e4ter regeln. Dabei bleibt es dann.\nWir kommen umsonst rein und bekommen dann sp\u00e4ter auch eine F\u00fchrung,\nallerdings eine sehr subjektive, wenig strukturierte. Die Frau\nverbringt viel Zeit damit, \u00fcber ihre Erk\u00e4ltung zu sprechen und \u00fcber\ndie ausgefallenen Kolleginnen und sagt immer wieder, was sie uns\n<em>nicht<\/em>\nsagen will. Und spricht viel \u00fcber Ausstellungsst\u00fccke, die nicht\nvorhanden sind. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\ngesamte Schiller-Ausstellung wird umgebaut und neu konzipiert, und\neinige Exponate sind schon entfernt worden. Der Abbau beginnt in\nwenigen Tagen, Anfang M\u00e4rz.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngibt verschiedene R\u00e4ume, jeder mit seinem eigenen Thema. Los geht es\nmit pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nden. Davon haben sie eine ganze Menge\nzusammenbekommen. Man fragt sich, wie das alles nach Marbach gekommen\nist. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Man\nerf\u00e4hrt, dass Schiller ein Modenarr war. Seine farbenfrohe Kleidung\nwar legend\u00e4r. Ausgestellt sind unter anderem Str\u00fcmpfe mit den\ndamals modischen L\u00e4ngsstreifen. Daneben eine Sch\u00e4rpe, die Humboldt\nihm aus Brasilien mitgebracht hatte. Der Knopf eines Schlafrocks\ntr\u00e4gt das Bild der Hygieia &#8211; schlie\u00dflich war Schiller Arzt. Und der\nKnauf eines Spazierstocks zeigt eine Spirale &#8211; ein klassisches\nUnendlichkeitssymbol. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndem n\u00e4chsten Raum sind B\u00fccher ausgestellt, die Schiller geh\u00f6rten\noder die ihn beeinflusst haben: Wieland, Goethe, Lessing, Rousseau,\nVergil, aber auch viele, deren Namen uns nicht gel\u00e4ufig sind. Unter\nden B\u00fcchern befindet sich das Exemplar des <em>Werther<\/em>\nvon Schillers Tochter. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Den\ngr\u00f6\u00dften Einfluss auf Schiller, hei\u00dft es, \u00fcbten Kant und Klopstock\naus. Der war der eigentliche Dichterf\u00fcrst seiner Zeit, heute\nverschwindet er hinter Goethe und Schiller. Sein Verdienst war es,\ndie Dichtung &#8220;befreit&#8221; zu haben, von den Fesseln des Reims,\ndes Metrums, der Handlung. Das, was z\u00e4hlte, waren einzig  Eindr\u00fccke.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\ngibt es schriftliche Dokumente von Schiller selbst: Manuskripte,\nNotizzettel, Papierstreifen. Schillers Schrift war sch\u00f6n und\nziemlich rechtslastig, aber kaum leserlich. Offensichtlich hat er\ngelegentlich Bl\u00e4tter in ihre Einzelteile zerschnitten und dann\nwieder neu zusammengef\u00fcgt. Man sieht viele Streichungen,\nKorrekturen, Umstellungen. An einer Stelle wird bei einem Gedicht\ndeutlich, dass er zugunsten der Verst\u00e4ndlichkeit das Metrum\n&#8220;opferte&#8221;. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unter\nden Briefen Schillers befindet sich ein in dramatischer Sprache\ngehaltener Brief an seine Eltern, in dem er um ein Treffen bittet,\nbevor er Mannheim &#8220;auf ewig&#8221; verl\u00e4sst. Seine Eltern siezt\ner. Charlotte von Beulwitz, die Schwester seiner sp\u00e4teren Frau,\nspricht er mit <em>Ihr<\/em>\nan, einen Freund in einem Brief mit <em>du<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nunendliche lange Rechnung aus dem <em>Goldenen\nOchsen<\/em>,\nwo er mit einem Freund war, listet unter anderem Wein, Schinken,\nSalat, Brot und Pfeifen auf. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aus\nder Zeit des Medizinstudiums stammt eine detaillierte Beschreibung\neiner von einem Mitstudenten durchgef\u00fchrten Obduktion. Vermutlich\nwaren Obduktionen zu der Zeit noch nicht an der Tagesordnung.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nabschlie\u00dfenden Raum gibt es, dicht nebeneinander geh\u00e4ngt,\nDarstellungen von Schiller, darunter eine ganze Menge Gem\u00e4lde. Ein\nTypus ist beherrschend: Schiller, den Kopf auf die Hand gest\u00fctzt,\ngedankenschwer in die Ferne blickend. Oft ruht eine Hand auf einer\nTabakdose. Das, erf\u00e4hrt man, ist ein Symbol der Reinigung. Die Sache\nwird klarer, wenn man wei\u00df, dass es sich um Schnupftabak handelt. In\nden meisten Bildern tr\u00e4gt Schiller einen offenen Kragen und tr\u00e4gt\ndas Haar lose. Beides steht f\u00fcr seinen Drang nach Freiheit. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\neinem Gem\u00e4lde sieht man ihn bei der Arbeit, still am Schreibtisch\nsitzend. Das entspricht kaum seiner favorisierten Arbeitsweise. Er\nlief in der Regel laut deklamierend und sich ereifernd im Zimmer auf\nund ab. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Von\nder Schiller-Ausstellung werden wir weitergeleitet in das\nLiteraturmuseum der Moderne &#8211; unterirdisch. Den modernen Bau selbst\nmit seinen filigranen, wei\u00dfen St\u00fctzen sehen wir daher nur von\nWeitem.<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndem Museum stehen Vitrinen, alle mit einer bestimmten Jahreszahl\nversehen, alle in einem gro\u00dfen Raum, rechteckig, zweist\u00f6ckig, von\nallen vier Seiten einzusehen. In den Vitrinen liegen, vom Notizzettel\nbis zum fertigen Manuskript, alle m\u00f6glichen Zeugnisse der\ndeutschsprachigen Literatur der letzten hundert Jahre, von den\nverschiedensten Autoren. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nerstes f\u00e4llt unser Blick, eher zuf\u00e4llig, auf einige B\u00f6gen mit\nKurzschrift. Das ist K\u00e4stners <em>Emil\nund die Detektive<\/em>.\nK\u00e4stner war Journalist und dadurch vermutlich mit Kurzschrift\nvertraut. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder N\u00e4he ein gro\u00dfes Blatt, auf denen ganz unregelm\u00e4\u00dfig Ortsnamen\nvermerkt sind, maschinengeschrieben: Cuxhaven, Dinslaken, Kanada,\nTrier, Philippinen, Hamm in Westfalen. Es ist eine Liste f\u00fcr die\nVerfertigung von Limericks, von einer Mascha Kal\u00e9ko. An einer Stelle\nsieht man, wie der Ortsname den ersten Schritt tut, um zum Gedicht zu\nwerden: <em>Neckar<\/em>\nreimt auf <em>Wecker<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nEntwurf von Celans <em>Todesfuge<\/em>\ntr\u00e4gt hier noch den Namen <em>Todestango<\/em>.\nInteressante Ab\u00e4nderung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nLeserbrief an K\u00e4stner, in riesigen Buchstaben auf s\u00e4uberlichen,\nselbst gezogenen Linien, ist in S\u00fctterlin geschrieben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndem Manuskript zu <em>Berlin\nAlexanderplatz<\/em>\nsind zwischen den Passagen in D\u00f6blins Handschrift\nZeitungsausschnitte eingeklebt. Man bekommt einen kleinen Einblick in\ndie Arbeitsweise des Schriftstellers. Das nennt man, wie man hier\nerf\u00e4hrt, <em>Regenwurmtechnik<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Morgenstern\n<em>Galgenlieder<\/em>\nerscheinen auf einer aus Papierstreifen und einem Stab \nzusammengebastelten Axt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Kesslers\nTagebuch hat Eintr\u00e4ge links und Photos und andere Zugaben rechts. Er\nmacht es genau umgekehrt wie ich. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberraschend,\nwie h\u00e4ufig Photos und Zeichnungen Teil der Manuskripte sind. Die\nZeichnungen stammen in der Regel von den Autoren selbst. Von Hesse\nsieht man eine wunderbar minimalistische, sehr expressive Darstellung\neines Sturms. Zwei B\u00e4ume und ein Mann beugen sich unter der Gewalt\ndes Sturms. Die H\u00e4nde des Mannes sind wie die \u00c4ste der B\u00e4ume. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Else\nLasker-Sch\u00fclers Gedicht &#8220;Tibetteppich&#8221; ist in gro\u00dfen\nLettern mit viel Zwischenraum mit Tinte auf gro\u00dfe B\u00f6gen\ngeschrieben. Mit der Schreibmaschine geht sie ebenso gro\u00dfz\u00fcgig mit\ndem Platz um. Das Gegenmodell dazu ist das Tagebuch eines gewissen\nKonrad Merz, ganz kleine Schrift fast ohne Platz an den R\u00e4ndern und\nzwischen den Zeilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nauff\u00e4lliges Erscheinungsbild bietet Handtkes <em>Publikumsbeschimpfung<\/em>:\ns\u00e4uberlich mit Schreibmaschine in Zeilen geschrieben, mit schwarzen\nBuchstaben, auf der rechten Seite des Blattes: <em>Ihr\nFratzen, Ihr Milchgesichter, Ihr<\/em>\n<em>Katzenbuckler<\/em>\nusw. Auf der linken Seite des Blattes die Korrekturen einzelner\nW\u00f6rter, mit roten Buchstaben. Die ersetzten W\u00f6rter im Text sind\ns\u00e4uberlich gestrichen, mit einem schwarzen Balken, so dass man nicht\nerkennen kann, wie der urspr\u00fcngliche Text lautete. Schade. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hei\u00dfenb\u00fcttels\nGedicht &#8220;M\u00f6wen und Tauben&#8221;  hat eine experimentelle Form.\nDie W\u00f6rter erscheinen in Spalten, die einzelnen Zeilen weisen teils\nL\u00fccken auf. Dadurch erscheinen sich wiederholende W\u00f6rter in ein und\nderselben Spalte: <em>kommen<\/em>,\n<em>M\u00f6wen<\/em>,\n<em>und<\/em>.\nKonkrete Poesie. Auff\u00e4llig die unorthodoxe Schreibweise von <em>M\u00f6ven<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nBuch von Gumbrecht hei\u00dft <em>1926.\nEin Jahr am Rande der Zeit<\/em>.\nErinnert an Florian Illies&#8217; <em>1913.\nDer Sommer des Jahrhunderts<\/em>.\nOb der das Buch von Gumbrecht kannte?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\ndicht gef\u00fcllter Zettelkasten stammt von Peter R\u00fchmkorf. Alle Zettel\nsind handgefertigt und maschinengeschrieben. Sie enthalten nur kurze\nNotizen oder Sentenzen: &#8220;Gegerbtes Gef\u00fchl&#8221;, &#8220;Meine\nt\u00e4towierte Seele&#8221;, &#8220;Gef\u00fchle sind nicht lange haltbar&#8221;,\n&#8220;Die Gem\u00fctsbewegungen im Zettelkasten&#8221;. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hannah\nArendts <em>Denktagebuch<\/em>\nbesteht aus einer ganzen Reihe d\u00fcnner Kladden, kleinformatig,\ngleichf\u00f6rmig. Sch\u00f6ner Titel zur Unterscheidung von dem klassischen\nTagebuch. \n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;S\u00fcdlicher\nMorgen&#8221; ist der Titel eines Gedichts von Borges, von ihm selbst\ngeschrieben und unterschrieben. Konnte Borges Deutsch? So gut, dass\ner Gedichte auf Deutsch schreiben konnte?<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nGedicht von Borges ist in Druckschrift geschrieben, ganz s\u00e4uberlich,\naber \u00fcbertroffen wird es in der \u00e4u\u00dferen Form von Stefan Georges\n&#8220;Teppich des Lebens&#8221;. Die Zeilen und die Strophen sind\ngleich lang, und jeder Buchstabe kunstvoll gemalt. Das ist reine\nKalligraphie. \n<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das\nn\u00e4chste Spiel ist immer das schwerste<\/em>,\neine ironische Betrachtung des Fu\u00dfballs von Ror Wolf &#8211; von diesem\nBuch habe ich mal ein Exemplar besessen. Ob es sich noch auf\nirgendeinem Regal versteckt? Eine Seite ist hier ausgestellt. In\nschwarzer Schrift erscheinen Zitate, in roter Schrift die Quelle.\nKein Wort des Autors. Ist das ganze Buch so? Wei\u00df ich nicht mehr.\nAber die Wirksamkeit der Methode zeigt sich hier an einem Zitat von\nHelmut Kremers: &#8220;Ich schie\u00dfe immer in die linke Ecke. Nat\u00fcrlich\nwei\u00df ich, dass das inzwischen jeder wei\u00df,  aber er kann ja auch\ndenken, dass ich endlich einmal in die rechte Ecke schie\u00dfe, nachdem\nich bisher immer in die linke Ecke geschossen habe. &#8221; Das ist\npure Philosophie. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Von\nReich-Ranicki ist ein Brief an Hans-Werner Richter ausgestellt:\npolemisch, angriffslustig, wie man es gew\u00f6hnt ist. Die Anrede lautet\n&#8220;Mein F\u00fchrer&#8221;. \n<\/p>\n\n\n\n<p>W.\nG. Sebald verwendet in <em>Die\nAusgewanderten <\/em>eine\nVisitenkarte. Die geh\u00f6rt seinem Protagonisten. In Druckschrift auf\nder Visitenkarten die Daten des Protagonisten, darunter ein\nhandschriftlicher Gru\u00df. Diese Visitenkarte sieht man hier. Daneben\nein Blatt, auf dem der Autor die Handschrift seines Protagonisten\nausprobiert!<\/p>\n\n\n\n<p>In\neinem Brief an Milena eliminiert Kafka sich selbst: Erst ist <em>Franz<\/em>\ndurchgestrichen, dann <em>F<\/em>,\ndann <em>Dein<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Hesse\nbesa\u00df eine Schreibmaschine, die besondere Funktionen hatte, darunter\nKursivschrift und verschiedene Farbb\u00e4nder. Auch ein paar Symbole wie\nKreise. Das alles macht er sich in einem Geburtstagsbrief an seinen\nVater zunutze, einem sch\u00f6n gestalteten Brief. Ein kleiner Vorl\u00e4ufer\ndessen, was heute der Computer leistet. Hesse selbst nennt das den\n&#8220;\u00dcbergang von der Hacke zum Pflug&#8221;. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nBesichtigung des Museums ist anstrengend, man muss viel Stehen und\nLesen, und wir sind froh, dass wir auf dem kurzen Weg zur\u00fcck in die\nInnenstadt ein bisschen frische Luft bekommen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Vorher,\nvom Foyer des Museums aus, bekommen wir endlich den Neckar zu sehen.\nDer windet sich gleich unterhalb des Museums durch die Landschaft.\nNicht gerade ein rei\u00dfender Strom. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten\nin der Altstadt, in einer der Holdergassen, gibt es eine alte\n\u00d6lm\u00fchle. Wir haben Gl\u00fcck. Man kann sie nur einmal im Monat\nbesichtigen, am letzten Sonntag des Monats. Heute. Passt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndem l\u00e4nglichen Raum dr\u00e4ngen sich schon viele Besucher. Man sieht\nein verschlungenes Miteinander von R\u00e4dern, Motoren,  Trichtern,\nKolben, Kurbeln, Walzen und Transportb\u00e4ndern. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nMann, der selbst als Kind von seinen Eltern noch hierher geschickt\nwurde, um Speise\u00f6l zu holen, erkl\u00e4rt uns die M\u00fchle. Er spricht mit\neinem markantem schw\u00e4bischen Akzent, aber man versteht ohne\nWeiteres, wenn er\nvon den <em>Dr\u00e4hbew\u00e4gungen<\/em>\nspricht oder sagt, dass sich etwas <em>net\nghalte<\/em>\nhat, oder dass etwas <em>aa\nkan Probl\u00e4m isch<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nHerzst\u00fcck der \u00d6lm\u00fchle ist ein elektrischer Motor, von 1906. Erst\nkurz zuvor war Marbach elektrifiziert worden. Und das machte den\nUnterschied. Bis dahin waren die dampfbetriebenen \u00d6lm\u00fchlen drau\u00dfen\nvor der Stadt gewesen, jetzt konnte die neue \u00d6lm\u00fchle gleich hier in\nder Altstadt entstehen. Der Verkauf an Privatleute erfolgte durch ein\nkleines Seitenfenster. Wenn die M\u00fchle in Betrieb war, lie\u00df man\nniemanden herein. Sicher ist sicher. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Man\nkaufte f\u00fcr den Privathaushalt das \u00d6l in kleinen Mengen, eine Kanne\nvoll. Mehr nicht. Denn das \u00d6l wurde ranzig, wenn man es l\u00e4nger\naufbewahrte. Das \u00e4nderte sich erst mit neueren Raffinierieverfahren.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst\nwurde \u00d6l aus Raps hergestellt. Der wuchs hier \u00fcberall, wie heute\nwieder. Allerdings konnte man daraus kein Speise\u00f6l machen. Meistens\nwar es Maschinen\u00f6l. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nkam Lein\u00f6l. Das wurde aus Flachs hergestellt. Auch der wuchs hier\nvor Ort. Und wurde angebaut, um Leinen f\u00fcr Kleider herzustellen. Der\nFlachs war eine Art Abfallprodukt, das sowieso da war. Das Lein\u00f6l\nwurde zun\u00e4chst f\u00fcr Farben und Pharmazeutika verwendet. Erst sp\u00e4ter\nwurde es zum\nSpeise\u00f6l. Als das Leinen von der Baumwolle verdr\u00e4ngt wurde, ging es\nauch dem Lein\u00f6l an den Kragen. Bis es jetzt von Gesundheitsbewussten\nund Esoterikern wiederentdeckt wurde. Dede hat dazu eine eindeutige\nMeinung: &#8220;Schmeckt nicht.&#8221; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Systematisch\nwurde Speise\u00f6l dann aus Mohn hergestellt. Wieder eine einheimische,\nin gro\u00dfen Mengen vorhandene Pflanze. Die Sache lief gut, aber dann\ngeriet der\nMohn\nals Lieferant von Opium unter Generalverdacht. Allerdings sind die\nSamen, aus denen das \u00d6l gemacht wurde, v\u00f6llig ungef\u00e4hrlich. Man\nkann sich h\u00f6chstens den Magen verderben, wenn man zu viel davon\nisst. Das Opium wird aus den Kapseln gewonnen. In Deutschland wurde\ndie Herstellung von Mohn\u00f6l ungesetzlich. Im Gegensatz zu \u00d6sterreich,\nwo es immer erlaubt blieb. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nfolgt die Erkl\u00e4rung der einzelnen Teile der Anlage, und einige der\nBesucher stellen fachkundige Fragen. Aber unser F\u00fchrer kann sie alle\nbeantworten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nwerden wir hinter ein Absperrband in Sicherheit gebracht und die\nM\u00fchle wird ger\u00e4uschvoll in Gang gesetzt. Ein echtes Schauspiel:\n&#8220;Alles dr\u00e4ht sisch.&#8221; \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nsind froh, diese Kulturgeschichte im Kleinen erlebt zu haben und\nwagen uns noch auf die andere Seite, dort, wo,\netwas erh\u00f6ht, die Alexanderkirche steht, eine sp\u00e4tgotische Kirche,\ndie von dem Brand wohl nicht betroffen war, weil sie au\u00dferhalb der\nStadtmauern lag. Diese Ecke von Marbach, durch eine Umgehungsstra\u00dfe\nvon der Altstadt getrennt, hat auch ihre Reize, aber es weht ein\nkalter Wind, und bald nehmen wir Zuflucht zur W\u00e4rme im <em>Ochsen<\/em>,\ndem wir heute den Vorzug vor dem <em>L\u00f6wen<\/em>\ngeben. Wieder ein angenehmes Lokal mit freundlicher Bedienung und\nschmackhaftem Essen, auch wenn das nicht ganz so exquisit ausf\u00e4llt\nwie gestern. \n<\/p>\n\n\n\n<p>24.\nFebruar (Rosenmontag)<\/p>\n\n\n\n<p>Heute\nbekommen wir ein Fr\u00fchst\u00fcck in einem Caf\u00e9, das wir gestern auf dem\nWeg zur Schillerh\u00f6he gesehen haben. Auch hier sind alle sehr\nfreundlich, und das Fr\u00fchst\u00fcck ist reichhaltig. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Bei\nder Gelegenheit erfahre ich, was eine <em>Teufelsgeige<\/em>\nist, ein Musikinstrument, das oft in Eigenarbeit entsteht und bei\nKarnevalsz\u00fcgen zum Einsatz kommt. Es handelt sich im Wesentlichen um\neinen Stab, an dem alle m\u00f6glichen Dinge angebracht sind, die L\u00e4rm\nmachen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls\nerfahre ich, was <em>Schillerlocken<\/em>\nsind. Nicht nur das, ich bekomme auch gleich zwei geschenkt als\nReiseproviant. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndem R\u00fcckweg in die Innenstadt f\u00e4llt unser Blick auf die gro\u00dfen\nWappen, die am Burgtor angebracht sind. Eins davon, das Wappen derer\nvon Thurn und Taxis, soll einen Dachs haben. Wir stehen wirklich\ndavor und sehen den Dachs vor lauter L\u00f6wen nicht. Dann f\u00e4llt bei\nDede der Groschen: Der Dachs ist mitten in dem Wappen, eigentlich\nnicht zu \u00fcbersehen. Warum ist der Dachs so wichtig? Er macht das\nWappen zu einem sprechenden Wappen: Das italienische Wort f\u00fcr\n&#8216;Dachs&#8217; ist <em>tasso<\/em>,\nund davon leitet sich <em>Taxis<\/em>\nab!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nst\u00f6bern noch ein bisschen in der Buchhandlung in der\nWendelinskapelle herum und werden f\u00fcndig, bei Karten und bei\nB\u00fcchern. Dede kauft ein Buch mit Gedichten von Ulla Hahn. Auf dem\nKlappentext steht der Name Klaus von Dohnanyi.\nIch mache \u00fcberfl\u00fcssigerweise die Bemerkung, der sei ihr Ehemann.\nDas bekommt der Buchh\u00e4ndler mit und bestreitet das. Er nennt sogar\nden Namen des &#8220;richtigen&#8221; Ehemanns. Dann stellt sich aber\nheraus, dass es ein Missverst\u00e4ndnis ist. Er meint nicht Ulla Hahn,\nsondern Anna Katharina Hahn, eine andere Schriftstellerin. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nwir zum Parkhaus gehen, bekommen wir die ersten Tropfen ab, und\nw\u00e4hrend der Fahrt h\u00f6rt es kaum mal auf zu regnen. Nicht so angenehm\nf\u00fcrs Fahren, aber besser jetzt als vorher.\nDas\nWetter ist\nzwar\nnur passabel\ngewesen,\naber weit besser als bef\u00fcrchtet. Und Marbach hat gehalten, was wir\nuns von ihm versprochen haben. \n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22. Februar (Samstag) Die Reisenotizen zu Marbach beginnen mit einem Dementi: Nein, die englische K\u00f6nigin hat nicht nach Pferden gefragt, als sie hier zu Besuch war, sie ist nicht in das falsche Marbach gereist. Sie wollte hierher, sie wollte zu &hellip; <a href=\"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=10598\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10598"}],"collection":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10598"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10598\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10608,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10598\/revisions\/10608"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}