{"id":11061,"date":"2020-07-20T10:08:02","date_gmt":"2020-07-20T08:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11061"},"modified":"2020-07-20T10:14:16","modified_gmt":"2020-07-20T08:14:16","slug":"visby-2020","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11061","title":{"rendered":"Visby (2020)"},"content":{"rendered":"\n<p>12.\nJuli (Sonntag)<\/p>\n\n\n\n<p>Schon\nlange steht Gotland auf der Wunschliste der Reiseziele, und jetzt\nwird es endlich was damit. Aber es ist eine Reise mit Hindernissen.\nSt\u00e4ndige \u00c4nderungen der Flugdaten durch die Fluglinien bringen viel\n\u00c4rger und zus\u00e4tzliche Kosten. Auf denen man sitzen bleibt. Ohne\nAussicht auf Entsch\u00e4digung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dass\n<em>Gotland<\/em>,\nwie <em>G\u00f6teborg<\/em>,\nvon den <em>Goten<\/em>\nabgeleitet ist, leuchtet ein. Aber wer h\u00e4tte gedacht, dass sie auch\n<em>Katalonien<\/em>\nihren Namen gegeben haben. Zusammen mit den <em>Alanen<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Bei\n<em>Visby<\/em>\nist der zweite Wortteil klar. Das ist <em>by<\/em>,\nauch im modernen Schwedisch noch das Wort f\u00fcr \u201aDorf\u2018, \u201aOrt\u2018.\nEin Wort, das die Skandinavier auch mit nach England gebracht haben:\n<em>Denby<\/em>,\n<em>Derby<\/em>,\n<em>Rugby<\/em>,\n<em>Whitby<\/em>.\nDer erste Wortbestandteil erschlie\u00dft sich aus dem modernen\nSchwedisch nicht. Er deutet wohl auf eine alte, eine heidnische\nKultst\u00e4tte hin. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nFlughafen in Luxemburg ist es geheimnisvoll still. Kaum Fl\u00fcge,\nwenige Passagiere, alle L\u00e4den und Lokale geschlossen. Die Nachfrage\nnach Stockholm ist so begrenzt, dass eine kleine Propellermaschine\nf\u00fcr alle ausreicht. Es sind fast nur junge Leute um die 30\nunterwegs. Ich bin der Senior auf dem Flug. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs\nwird man st\u00e4ndig mit den immer gleichen Durchsagen zugedr\u00f6hnt, die\nviersprachig durch scheppernde Lautsprecher kommen, darunter die\nvielsprachige Durchsage, wie vielsprachig die Crew ist.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nStockholm ist es stark bew\u00f6lkt und kalt. Es geht mit dem Arlanda\nExpress ins Zentrum, zum Hauptbahnhof. Der Zug braucht f\u00fcr die 40\nKilometer nur 18 Minuten. Als ich aus dem Bahnhof rauskomme, f\u00e4ngt\nes an zu regnen. Also nehme ich die U-Bahn. Aber hier ist genauso\nschwierig, Information zu bekommen wie eine Fahrkarte zu bekommen.\nIrgendwann gelange ich dann doch an die richtige U-Bahn-Station, und\nvon da aus laufe ich dann irrend durch Stockholms Regen, um in einem\ngesichtslosen Hotel eine v\u00f6llig unn\u00f6tige Nacht zu  verbringen.\nLuxair sei Dank.<\/p>\n\n\n\n<p>13.\nJuli (Montag)<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nn\u00e4chsten Tag sieht die Welt schon anders aus. Die Sonne strahlt, und\nes geht \u00fcber mehrere Br\u00fccken mit Wasser drunter und an mehreren\nParks vorbei durch die erwachende Stadt Richtung Bahnhof. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\neiner Apotheke wird <em>munshytt<\/em>\nangeboten. Da lernt man durch Corona ganz neues Vokabular. Schon\ngestern am Flughafen ist mir <em>Virus<\/em>\naufgefallen. Das ist im Schwedischen Neutrum: <em>Coronaviruset<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrmals\nfrage ich unterwegs nach dem Weg. Mit unterschiedlichen Ergebnissen.\nPerfekt ist die Auskunft eines gro\u00dfgewachsenen Mannes, etwa in\nmeinem Alter: deutliche Aussprache, klare Diktion, kleine Pausen\nzwischen den Abschnitten, Gesten, die die Erkl\u00e4rungen begleiten,\nOrientierungspunkte. Am Ende kommt dann auch noch die gesch\u00e4tzte\nZeit f\u00fcr den verbleibenden Weg. Perfekt! Ich verstehe (fast) jede\nSilbe. Was f\u00fcr ein Unterschied zu dem kn\u00f6tterigen Mann gestern in\nder U-Bahn, bei dem ich nichts verstanden habe, aber auch wirklich\ngar nichts!<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nfreundliche Mann hier erw\u00e4hnt als einen Orientierungspunkt das\nKonzerthaus, \u201eein blaues Geb\u00e4ude\u201c, und als ich daran\nvorbeikomme, erinnert mich eine Skulpturengruppe auf dem Platz vor\ndem Eingang, dass ich doch das Konzerthaus damals in Stockholm\nbesichtigt habe. Das war 2011.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngeht ein ganzes St\u00fcck den <em>Sveav\u00e4gen<\/em>\nentlang. Die <em>Svear<\/em>,\ndas ist das Volk, das Schweden seinen Namen gegeben hat, <em>Sverige<\/em>,\ndas `Svear-Reich`, die n\u00f6rdlichen Nachbarn, Konkurrenten, Gegner der\nGoten im S\u00fcden. Noch heute ich <em>G\u00f6taland<\/em>\ndie Bezeichnung f\u00fcr S\u00fcdschweden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nArlanda Express werden die Passagiere aufgefordert, Vorschl\u00e4ge f\u00fcr\ndie Wahl des sch\u00f6nsten schwedischen Wortes zu machen. Es werden\n<em>lagom<\/em>\nund <em>fika<\/em>\nals Beispiele angef\u00fchrt, aber die sind ihnen wohl zu klassisch. Man\nwill was Besonderes. Und <em>lagom<\/em>\nund <em>fika<\/em>\neignen sich vielleicht eher f\u00fcr die Kategorie \u201etypisch\nSchwedisch\u201c. Zu der geh\u00f6rt auch <em>p\u00e5t\u00e5r<\/em>,\ndas Wort f\u00fcr die zus\u00e4tzliche Tasse Kaffee, die man in vielen Caf\u00e9s\ngratis bekommt. Kandidaten f\u00fcr das sch\u00f6nste Wort w\u00e4ren f\u00fcr mich\n<em>br\u00f6llopsresa<\/em>,\n`Hochzeitsreise`, <em>hagelgev\u00e4r<\/em>,\n`Schrotflinte`, <em>d\u00f6rrknackningarna<\/em>,\n`Befragungen&#8220;, <em>gammel<\/em>,\n`alt`, <em>hastighetsbegr\u00e4nsingar<\/em>,\n`Geschwindigkeitsbegrenzungen`, <em>smultronst\u00e4lle<\/em>,\n`Lieblingsstelle`(w\u00f6rtlich `Walderdbeeerstelle`).<\/p>\n\n\n\n<p>In\neiner anderen Nachricht hei\u00dft es, ein schwedischer Journalist habe\nargumentiert, mit <em>lagom<\/em>,\ndem typisch schwedischen Mittelweg, dem unauff\u00e4lligen, Extreme\nmeidenden Verhalten komme man in Corona-Zeiten nicht weiter. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nFlughafen muss man alles selbst machen: An einem Automaten druckt man\ndie Bordkarte aus. Der Automat gibt dann auch gleich die Banderole\nf\u00fcr den Koffer aus. Die muss man um den Griff des Koffers wickeln\nund verkleben, und ein kleines Etikett abtrennen und an der Seite des\nKoffers anbringen. Den Koffer bringt man dann selbst zu dem\nTransportband und checkt ihn ein, indem man den Code auf der\nBordkarte einscannt. Der Koffer setzt sich dann von selbst in\nBewegung. Das Personal besteht aus zwei Aufsehern. Deren Aufgabe ist\nes, einen daran zu hindern, den kritischen Bereich zu betreten, bevor\nman alle n\u00f6tigen Schritte unternommen hat. Ich schiele nach links\nund rechts und sehe mit Verwunderung, mit welcher\nSelbstverst\u00e4ndlichkeit alle anderen das hinbekommen, w\u00e4hrend es bei\nmir \u00fcberall hakt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nFlugzeug ist gro\u00df und bis auf den letzten Platz besetzt. In den\nDurchsagen wird man dazu angehalten, Abstand zu halten. Niemand\nscheint wahrzunehmen, wie paradox das ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In\nVisby ist es kalt und der Himmel ist wolkenverhangen. Worauf habe ich\nmich da nur eingelassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nBus in die Innenstadt muss jeden Moment kommen, aber man kann keine\nFahrkarten beim Busfahrer kaufen. Nur im Netzt. Also nehme ich ein\nTaxi, einen Transporter. Mir schwant nichts B\u00f6ses, als der Fahrer\nmir sagt, ich m\u00fcsse \u201ehinten einsteigen\u201c. Aber er meint wirklich\n\u201ehinten\u201c, durch die f\u00fcnfte T\u00fcr, die Heckklappe. Man zw\u00e4ngt\nsich in geb\u00fcckter Haltung zwischen die beiden Sitze der letzten\nSitzreihe durch, die durch eine improvisierte Plastikwand von den\nvorderen Sitzen abgetrennt ist. Vor der sitzt man w\u00e4hrend der Fahrt.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nHotel ist eine Ferienanlage, die wie eine Mischung aus Kaserne und\nJugenderholungsheim aussieht. Aber sie erf\u00fcllt ihren Zweck. Die\nWohnung ist mit allem ausgestattet, was man braucht. Als nach einigem\nHin und Her \u2013 im w\u00f6rtlichen Sinne \u2013 auch der Zugang zum Netzt\ngesichert ist, geht es zu Fu\u00df in die Innenstadt. Das hat alles seine\nZeit gedauert, aber zum Gl\u00fcck ist inzwischen die Sonne rausgekommen.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nsind knapp zwei Kilometer bis zum Zentrum. Auf dem Weg liegt links\neine Pizzeria<em>:\nLilla Elefanten<\/em>.\nDer ist nicht etwas lila, sondern klein. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall,\nauf Kanaldeckeln, auf Bannern und in Form von Skulpturen, nur <em>in\nnatura<\/em>\nnicht, sieht man das Gotlandschaf, mit den charakteristischen\nschneckenf\u00f6rmig gedrehten H\u00f6rnern. Auch am  <em>\u00d6sterport<\/em>,\nmeinem Eintritt in die Altstadt, steht so eine Skulptur. Sp\u00e4ter, auf\ndem <em>Stora\nTorget,<\/em>\nsehe ich eine moderne Version dieser Skulptur, eine ganze Schafherde,\ngro\u00dfe und kleine, schwarze und wei\u00dfe, aus einem glatten Stein\ngemacht. Sie dienen als Sitzgelegenheiten. Einige strecken den Kopf\nnach vorne, andere zur Seite, wieder andere haben sich zum Schlafen\nhingelegt. Und all das kann man erkennen, obwohl jede Skulptur nur\naus zwei Quadern besteht, einem gro\u00dfen f\u00fcr den K\u00f6rper, einem\nkleinen f\u00fcr den Kopf. Minimalistische Kunst. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder Altstadt ist es ziemlich voll, aber es herrscht kein Gedr\u00e4nge,\nund sobald man ein wenig von den ausgetretenen Wegen abweicht, ist es\npl\u00f6tzlich ganz still. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAltstadt ist sch\u00f6n, aber anders, als man sie sich vorgestellt hat.\nL\u00e4ngst nicht alles ist mittelalterlich, es gibt auch Modernes und\nauf alt gemachtes Modernes, und eine ganze  Reihe von barocken oder\nneobarocken Fassaden, ein ganz sch\u00f6nes Durcheinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Man\nh\u00f6rt fast nur Schwedisch. Visby ist ein Urlaubsziel f\u00fcr Schweden.\nAlles ist eindimensional auf den Tourismus ausgerichtet. Jedes zweite\nGeb\u00e4ude beheimatet einen Laden oder ein Lokal. Viele Gesch\u00e4fte, die\nauf alt machen, benutzen die antikisierende Schreibeweise <em>Wisby<\/em>.\nOb das wirklich eine alte Schreibweise war? Vielleicht dem\nbedeutenden deutschen Einfluss im Mittelalter zu verdanken?<\/p>\n\n\n\n<p>Namen\nvon Stra\u00dfen und Gesch\u00e4ften nehmen oft auch Bezug auf Russland. Die\nVerbindungen von Visby als Hansestadt gingen runter bis L\u00fcbeck und\nSoest und r\u00fcber bis Lettland und Nowgorod. Leider erfahre ich die\nganze Zeit gar nichts von Visby als Hansestadt. Der einzige Hinweis\nfindet sich in der <em>Domkyrkan<\/em>\nin Form eines alten Rettungsrings mit der Aufschrift <em>Hansa\nVisby<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Eins\nder Charakteristika von Visby sind die Ruinen, Ruinen von Kirchen,\ndie in einer langen Reihe von Kriegen mit D\u00e4nemark zerst\u00f6rt und\ndann wegen der Reformation nicht wieder aufgebaut wurden. Eine von\ndenen sehe ich mir von innen an. <em>S:ta\nKarin<\/em>,\neine dreischiffige gotische Kirche, hoch und nicht sehr breit, mit\neiner Nordwand, die einfacher ausf\u00e4llt als die S\u00fcdwand, weil, so\nhei\u00dft es, diese Seite fr\u00fcher auf eine enge Nebengasse hinausging.\nHeute liegt sie gleich am <em>Stora\nTorget<\/em>.\nEs ist erstaunlich, viel stehen geblieben \u00fcber all die Jahrhunderte,\nauch die filigranen Streben der Gew\u00f6lbe die Zeiten \u00fcberstanden.\nDurch die hat man einen wunderbaren Blick auf den blauen, wolkenlosen\nHimmel. Auch vom \u00f6stlichen Ende hat man einen sch\u00f6nen Blick, einen\nBlick auf den ganzen Innenraum mit den sich nach hinten scheinbar\nverj\u00fcngenden Jochen. Ideal f\u00fcr ein Photo. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nGegensatz zu den anderen Kirchen hat man die <em>Domkyrkan<\/em>\nwieder aufgebaut, und das sieht man ihr an. Dennoch ist sie von\nverschiedenen Seiten mit ihrem m\u00e4chtigen Westturm und den doppelten\nT\u00fcrmen im Osten ein echter Hingucker. Die h\u00f6lzernen Turmabschl\u00fcsse\nsind nicht mittelalterlich, sondern eine barocke Zutat.<\/p>\n\n\n\n<p>Innen\ngibt es einiges an Ausstattung. K\u00f6nnte sein, dass man hier St\u00fccke\naus den zerst\u00f6rten Kirchen zusammengetragen hat. Ich kaufe eine\nKarte von einem gewebten Tuch mit einem Christus, der ein Pergament\nin der Hand h\u00e4lt. Das tr\u00e4gt eins der tr\u00f6stlichsten Zitate des\nNeuen Testaments: <em>Har\ninte r\u00e4dd! \u2013 F\u00fcrchtet euch nicht! <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter\nder Kirche f\u00fchrt eine Treppe hinauf zur Stadtmauer. Wenn das\n\u00fcberhaupt die Stadtmauer ist. Eher ein Wall. Aber von hier aus hat\nman einen sch\u00f6nen Blick auf die Kirche und auf das Meer dahinter.\nDas sieht man von der Altstadt aus nicht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\ngehe zur Touristeninformation, in einem sch\u00f6nen alten Geb\u00e4ude\nuntergebracht, das aber neuer aussieht als die H\u00e4user mit den\nTreppengiebeln in der Umgebung. Ich bekomme Auskunft und\nAnsichtskarten. Leider gibt es keine Rundfahrten \u00fcber die Insel.\nStadtf\u00fchrungen gibt es, t\u00e4glich sogar, aber die sind gratis \u2013 und\ndas macht mich skeptisch. Da lasse ich lieber die Finger davon.  \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder Touristeninformation best\u00e4tigt man mir auch, dass meine alten\nGeldscheine, mit denen ich gestern in der U-Bahn meine Fahrkarte\nkaufen wollte, tats\u00e4chlich nicht mehr g\u00fcltig sind. So eine\nunsinnige Regelung! Warum sollten Geldscheine pl\u00f6tzlich nichts mehr\nwert sein? Gibt es das bei uns auch? Leider vergesse ich, nach den\nM\u00fcnzen zu fragen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Komisch:\nSowohl der Taxifahrer als auch die M\u00e4dels an der Rezeption als auch\neine Postbote, den ich nach dem Weg frage, und jetzt auch noch die\nM\u00e4dels in der Touristeninformation sprechen Schwedisch mit mir!\nV\u00f6llig unverst\u00e4ndlich. Was manchmal auch im w\u00f6rtlichen Sinne\nstimmt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\ngehe noch zum <em>S\u00f6derport<\/em>\nund von dort zum Hafen runter und komme dann in einem gro\u00dfen Bogen\nwieder an meinen Ausgangspunkt zur\u00fcck. Je weiter es Richtung\n<em>S\u00f6derport<\/em>\ngeht, umso ruhiger wird es, w\u00e4hrend am Hafen wieder allerhand los\nist. Obwohl es hier eigentlich nichts zu sehen gibt au\u00dfer den Masten\nder Yachten und einem gro\u00dfen, wei\u00dfen Schiff mit dem Namen <em>Gotland<\/em>.\nHier, am Hafen, wollte ich eigentlich ankommen, standesgem\u00e4\u00df mit\nder F\u00e4hre anreisen, um auf die Insel zu kommen, aber auch daraus hat\nCorona einen Strich gemacht. Die Fahrzeiten sind stark reduziert\nworden und passten hinten und vorne nicht zu meinen Flugzeiten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hier\nunten fallen mir die Stra\u00dfennamen ins Auge: Neben <em>Bredgatan<\/em>\nund <em>S\u00f6dertorg,\n<\/em>die\nsich von selbst verstehen, treten Namen wie <em>Slottsbacken<\/em>\nund <em>Bj\u00f6rngr\u00e4nd<\/em>\nauf. Da muss ich nachschlagen: <em>backe<\/em>\nhei\u00dft H\u00fcgel und <em>gr\u00e4nd<\/em>\nhei\u00dft Gasse, also `Schlossh\u00fcgel` und `B\u00e4rengasse. W\u00e4hrend <em>gr\u00e4nd<\/em>\n`Gasse hei\u00dft, hei\u00dft <em>gatan<\/em>,\netymologisch mit unserer <em>Gasse<\/em>\nverwandt, `Stra\u00dfe`. Ganz sch\u00f6nes Durcheinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nich gerade au\u00dferhalb der Altstadt, aber noch in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone\nbin, f\u00e4llt mir pl\u00f6tzlich eine lange Schlange auf, die sich in der\nMitte der Stra\u00dfe gebildet hat. Wof\u00fcr stehen die wohl an? Ich sehe\nmich um: <em>Sytembolaget<\/em>.\nKlar. Die wollen ihren Alkoholvorrat aufstocken. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferhalb\nder Innenstadt f\u00e4llt mir an einem Kreisverkehr ein Richtungsschild\nauf: <em>Roma<\/em>.\nHab ich mich verlaufen?<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nich mit schweren Beinen wieder am Hotel ankomme, erfahre ich an der\nRezeption, dass ich an dem  einzigen Supermarkt weit und breit\nvorbeigelaufen bin. Der befindet sich ganz in der N\u00e4he der Altstadt.\nIch habe keine Lust mehr, zur\u00fcckzulaufen, und will hier eine Flasche\nWasser kaufen. Was gar nicht mal so einfach ist. Als ich mein\nPortemonnaie z\u00fccke, hei\u00dft es: \u201eKeine Barbezahlung!\u201c Dabei\nwollte ich gerade mein frisch erworbenes Bargeld zum Einsatz bringen,\ng\u00fcltige Geldscheine. Ich soll entweder mit Swish oder mit Karte\nbezahlen. Ich versuche es mit der Kreditkarte, aber es will und will\nnicht klappen. Am Ende sagen die M\u00e4dels mir, ich solle das Wasser\nmitnehmen und sp\u00e4ter bezahlen. Und schenken mir dazu einen\nTeebeutel. Ich wollte gleich die ganze Packung haben, aber der Tee\nist nur zum Konsumieren hier an der Rezeption gedacht. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aber\nder eine Teebeutel tut seine Dienste. Und macht zusammen mit dem\nLunchpaket, an das ich unverhofft noch in Trier gekommen bin, eine\nvollwertige Mahlzeit aus. Dabei sinniere ich dar\u00fcber nach, was es\nwohl mit <em>Swish<\/em>\nauf sich hat. Schon dreimal bin ich aufgefordert worden, damit zu\nbezahlen Es scheint hier in Schweden g\u00e4ngig zu sein und die\naltmodische Kreditkarte verdr\u00e4ngt zu haben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>14.\nJuli (Dienstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nich kurz wach werde, ist es schon hell. Komisch. Wie sp\u00e4t ist es\ndenn? 3.30! Dabei ist der Sonnenaufgang \u201eoffiziell\u201c erst um 4.11.\nSonnenuntergang: 21.33. Visby bei Nacht zu sehen, wie auf den sch\u00f6nen\nAnsichtskarten, wird nicht so einfach sein. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist noch ganz still, als ich in die Altstadt komme. Wieder geht es\ndurch das <em>\u00d6sterport<\/em>\nin die Altstadt. Das Tor war fr\u00fcher viel h\u00f6her und war bewohnt. Die\nFassade sieht irgendwie durchl\u00f6chert aus. Die Erkl\u00e4rung: Die\nschmalen Schie\u00dfscharten des Mittelalters wurden erweitert damit die\nM\u00fcnder der Kanonen hindurch passten!  \n<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst\ngehe ich ein St\u00fcck an der Stadtmauer entlang und suche nach einem\nEinstieg, vergeblich. Man soll die ganze Stadtmauer entlang laufen\nk\u00f6nnen, und dazu w\u00e4re der fr\u00fche Morgen eine gute Zeit. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nkomme zum <em>Kajsartorn<\/em>.\nDer diente eine Zeitlang als Gef\u00e4ngnis und beherbergt jetzt eine\nAusstellung dazu. Aber er ist noch geschlossen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz\nin der N\u00e4he gibt es einen Durchbruch durch die Stadtmauer. Der hei\u00dft\n<em>Kajsarport<\/em>.\nHatte fr\u00fcher einen anderen Namen, den einer B\u00fcrgerin, f\u00fcr die er\ngemacht wurde. Sie reichte beim Rat der Stadt ein Gesuch ein. Sie\nwollte den Durchbruch, um schneller in ihren Gem\u00fcsegarten zu kommen.\nDem Gesuch wurde stattgegeben. Ob da Vitamin B im Spiel war?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nkomme zum <em>Stora\nTorget<\/em>,\ndem Zentrum und Touristenmagnet der Stadt. Der sieht \u00e4lter aus als\ner ist. In der jetzigen Form geht er sogar auf einen\nArchitekturwettbewerb zur\u00fcck, der erst vor wenigen Jahren stattfand.\nDer <em>Stora\nTorget<\/em>\nwar schon in der Steinzeit bewohnt, dann aber jahrhundertelang nicht.\nIm Mittelalter war er ein Handwerkerzentrum \u2013 Schumacher, Gerber,\nKammmacher. Er war kleiner als jetzt und lag direkt am Meer!<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich\ndahinter liegt eine der Ruinen, <em>Drotten<\/em>.\nDas ist der volkst\u00fcmliche Name der Kirche, die eigentlich der\nDreifaltigkeit gewidmet ist. Das Wort <em>drotten<\/em>\nist ein altes gotisches Wort f\u00fcr `Herrscher`. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nKirche ist ganz anders als die von gestern, gedrungener, weniger\nfiligran. Aber die Atmosph\u00e4re am fr\u00fchen Morgen ist auch hier ganz\nbesonders. Man blickt durch die fensterlosen \u00d6ffnungen und \u00fcber die\nnur bis zur halben H\u00f6he erhaltene Chorwand auf die glitzernde Sonne,\n den blauen Himmel mit ein paar wei\u00dfen Wolken und die B\u00e4ume davor. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Je\nl\u00e4nger man in der Ruine steht, umso mehr sieht man: S\u00e4ulen,\nKapitelle, Sockel, Dreip\u00e4sse, Gew\u00f6lberippen, alles nur in sehr\nrudiment\u00e4rer Form erhalten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nphotographierende Vietnamesin spricht mich an. Sie ist auch auf\nReisen und wohnt in Stockholm. Sie hat auch Deutschland schon\nbesichtigt, u.a. Flensburg. Es ist ein echtes Spektakel, wie zwei\nradebrechende Ausl\u00e4nder sich \u00fcber die Architektur einer\nschwedischen Kirchenruine verst\u00e4ndigen. Oder es zumindest versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich\ngegen\u00fcber liegt S:t Lars. Damit ist Lazarus gemeint! F\u00fcr mich ist\ndie Kirche ganz \u00e4hnlich wie <em>Drotten<\/em>,\naber der Beschriftung zufolge ist sie ganz anders, byzantinisch\norientiert. Sie wurde von Kaufleuten aus Nowgorod errichtet. Die\nBesonderheit dieser Kirche ist ein Treppengang, der sich in den\nSeitenw\u00e4nden der Kirche verbirgt. Hier kann man auf halsbrecherische\nArt und Weise, auf grob behauenen Stufen, rauf und runter, die Kirche\naus einer anderen Perspektive wahrnehmen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\ngelange ich unversehens in das Viertel mit den sch\u00f6nsten Gassen\nVisbys: niedrige H\u00e4user, eng beieinander, meist verputzt aus Stein,\nvereinzelt aus Holz, mit roten Dachziegeln, eins anders als das\nandere. Alle sind zu verschiedenen Seiten mit \u00fcppigem Blumenschmuck\nausgestattet, vor allem Rosen. Wei\u00df, Gelb, Rosa, Rot. Aber auch\nGladiolen, Fingerh\u00fcte und ein merkw\u00fcrdig sich nach vorne und nach\nunten neigendes Gras mit rosafarbenen Bl\u00fcten. Da die Gassen so eng\nsind, geht man zwischen den Rosenst\u00f6cken her wie durch ein Spalier.\nPassenderweise ist der Botanische Garten ganz in der N\u00e4he.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu\nden sch\u00f6nsten Gassen z\u00e4hlen die parallel verlaufenden <em>Skogr\u00e4nd<\/em>,\n<em>Fiskagr\u00e4nd<\/em>\nund <em>Specksgr\u00e4nd<\/em>.\nIn dem ganz Viertel gibt es nur einen einzigen Laden, ein\nSchuhgesch\u00e4ft in der <em>Skogr\u00e4nd<\/em>!\nUnd nur ein Haus wird gesch\u00e4ftlich genutzt, von jemandem, der sich\num <em>\u00f6gonsjukdomar<\/em>\nk\u00fcmmert. Eine Augen\u00e4rztin. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nGassen f\u00fchren direkt zum <em>Kruttorn<\/em>\nhin, dem `Pulverturm`. Hier wurde fr\u00fcher Schie\u00dfpulver aufbewahrt.\nEs ist ein m\u00e4chtiger, quadratischer Turm ohne Schnickschnack und\nfast ohne Fenster\u00f6ffnungen. Er bewacht das Meer. Und das liegt dann\npl\u00f6tzlich vor einem, wenn man durch das Tor geht. Es ist richtig\nidyllisch hier. Es gibt keinen Verkehr, keine Gastronomie, keinen\nL\u00e4rm. Man h\u00f6rt nur das Rauschen des Meeres. Zwischen den B\u00e4umen\nhat man Parkb\u00e4nke aufgestellt und H\u00e4ngematten angebracht. Der\nperfekte Ort f\u00fcr eine Pause. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Von\nhier aus geht es auf die <em>Strandgatan<\/em>.\nDie verl\u00e4uft von Ost nach West mitten durch die befestigte Altstadt.\n Der Name d\u00fcrfte ein Hinweis darauf sein, dass sie fr\u00fcher direkt am\nMeer lag. Mir f\u00e4llt die Parallele zum <em>Strand<\/em>\nin London auf. Der lag fr\u00fcher an der Themse. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\n<em>Gamla\nApoteket<\/em>,\ndie in allen Reisef\u00fchrern steht, kann man leicht \u00fcbersehen. Nicht,\nweil einem das Haus nicht auffallen w\u00fcrde, sondern weil sie keine\nApotheke ist. Nur eine kleine Inschrift in einem Medaillon \u00fcber dem\nEingang deutet darauf hin, dass sie es fr\u00fcher war. Heute sieht das\nHaus unbewohnt auf. Das Haus hat einen Treppengiebel und k\u00f6nnte\ngenauso gut in L\u00fcbeck stehen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber\nhat man in die Fassade eines alten Hauses einen Doppelbogen mit\nS\u00e4ulchen aus noch einem \u00e4lteren Haus integriert, einfach so, ohne\nBezug zu dem Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\n<em>Strandgatan<\/em>\nf\u00fchrt direkt zum <em>Donnersplats<\/em>\nmit der Touristeninformation. Dort erfahre ich, dass man gar nicht\n\u00fcber die Stadtmauer gehen kann. Das muss neu sein. In dem\nReisef\u00fchrer und im Internet gibt es noch \u00fcberall die Empfehlung,\nsich das nicht entgehen zu lassen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal\nfrage ich auch nach den M\u00fcnzen. Von denen sind noch einige g\u00fcltig,\nandere nicht. Die kleinen goldenen sind g\u00fcltig, die gro\u00dfen\nsilbernen nicht mehr. Die ung\u00fcltig gewordenen Geldscheine, die ich\nhatte, mit einem Wert von 20 Kronen, hatten Selma Lagerl\u00f6f zum\nMotiv. Die musste jetzt Astrid Lindgren weichen. Die h\u00f6heren\nGeldscheine haben Evert Taube, Greta Garbo und Ingmar Bergmann als\nMotiv. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nM\u00e4dchen in der Touristeninformation zeigt mir auch den Weg zum\n<em>Wall\u00e9rs\nPlats<\/em>,\nim Reisef\u00fchrer wegen seines Panoramablicks empfohlen. Es lohnt sich\nwirklich. Von hier oben hat man einen sch\u00f6nen Blick \u00fcber die roten\nD\u00e4cher der Stadt auf das Meer. Es geht allerdings ziemlich steil\nrauf. Bisher war mir noch gar nicht aufgefallen, wie viel Gef\u00e4lle es\nhier in der Altstadt gibt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs\nsehe ich irgendwo ein Schild mit der Aufschrift <em>Konst\n&amp; Konsthandverk<\/em>.\nSchwedisch scheint gar nicht so schwer zu sein. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unversehens\nlande ich wieder am <em>S\u00f6derport<\/em>,\naber dann, auf der Suche nach einem Caf\u00e9, komme ich wieder ins\nZentrum. Es gibt unz\u00e4hlig viele Restaurants, aber wenige Caf\u00e9s.\nBarzahlung gibt es auch hier nicht. Ich zahle mit der Kreditkarte und\nmuss, statt die PIN einzugeben, mit dem Finger auf dem Display der\nKellnerin unterschreiben. Die Rechnung kommt per Mail an meine\nAdresse!<\/p>\n\n\n\n<p>Wo\nich schon im Zentrum bin, gehe ich noch mal in die <em>Domkyrkan<\/em>,\num mir die Ausstattung etwas genauer anzusehen. Sie hat eine sch\u00f6n\ngeschnitzte Kanzel mit Schalldeckel, alles ohne fig\u00fcrliche\nDarstellung mit der Ausnahme von K\u00f6pfen, die die S\u00e4ulen tragen. Sie\nhaben die Backen dick aufgeblasen und sehen wie eine Mischung aus\nEngel und Gallionsfigur aus. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\n\u00fcberlege mir, warum die Kanzel immer links ist, also im Norden,\njedenfalls in der Regel. Soll die Sonne aus den Fenstern im S\u00fcden\ndas Gesicht des Predigers erhellen? Oder liegt es daran, dass der\nrechte Pfeiler in der Regel schon von einer Muttergottes besetzt war?<\/p>\n\n\n\n<p>An\nder n\u00f6rdlichen Seitenwand steht ein merkw\u00fcrdiges M\u00f6belst\u00fcck. Es\nsieht wie eine Truhe aus. Sie ist aus Holz und fein verziert. Die\nTruhe steht auf und darin befindet sich eine Bank. Laut Inschrift \u2013\nauf Deutsch \u2013 ist das ein von einem deutschen Kaufmann gestifteter\nBeichtstuhl. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nEnde des n\u00f6rdlichen Seitenschiffs eine vergoldete Madonna mit Zepter\nund Krone und strengem Blick. Auch das Jesuskind auf ihrem Scho\u00df\nblickt streng nach vorn. Zu ihren F\u00fc\u00dfen zwei rote Fabelwesen. Eins\ndavon sieht aus wie ein Drache mit Entenschnabel. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nMadonna\nist\nschwer zu datieren, genauso wie der Taufstein davor. Informationen\nzur\nKirche gibt es so gut wie keine. Der\nTaufstein ist aus r\u00f6tlichem Marmor, aus marmoriertem Marmor\nsozusagen. Er ist gew\u00f6lbt, so wie man das vielleicht im Barock\ngemacht hat. Das Taufbecken selbst ist mit Blei ausgeschlagen.\nKomisch, wie Taufbecken die ritualisierte Form der Taufe\nrepr\u00e4sentieren: Von der Ganzk\u00f6rpertaufe im Fluss \u00fcber die\nGanzk\u00f6rpertaufe im Taufbecken und das Eintauchen des Kopfes im\nTaufbecken bis zu dem bisschen Wasser, was heute dem Kind auf den\nKopf gesprenkelt wird. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nChor wird von einer einfachen Chorschranke vom Gemeinderaum\nabgetrennt. Darauf eine h\u00f6lzerne Christusstatue. Der Christus ist\nnur mit einem Tuch bekleidet und breitet die Arme einladend nach\nvorne aus. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber\nden ganzen Kirchenboden verteilt sind Epitaphien mit Inschriften, die\nmeisten davon schwer zu lesen. Auf mehreren sieht man, in\nVariationen, ein geheimnisvolles Zeichen, sehr einfach, aus Strichen\nerstellt. Die meisten Inschriften sind auf Schwedisch, aber es gibt\nauch welche auf Deutsch und ein paar auf Latein. Unter den Berufen\nder Verstorbenen befinden sich ein Apotheker und ein \u201eGesundmacher\u201c.\nDas Wort <em>Graf<\/em>\nin den Inschriften bedeutet nicht `Graf`, sondern `Grab`. In Visby\nsind keine Adeligen begraben! \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder\ndrau\u00dfen f\u00e4llt mir an einer Ecke an einem Haus ein merkw\u00fcrdiges\nGebilde auf, eine Art Kunstwerk aus Schrott. Die verschiedenen\nSchrottteile sind so zusammengesetzt, dass sie auf einen\nKellereingang hinweisen. Dort gibt es eine Stelle f\u00fcr die\nEntgegennahme von recycelbaren Teilen. Fr\u00fcher h\u00e4tte man gesagt,\neine Schrotthandlung. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\nder <em>Adelsgatan<\/em>,\nder wichtigsten Einkaufsstra\u00dfe Visbys, die sich aber im Charakter\nnicht wesentlich von den anderen der Altstadt unterscheidet, liegt\ndie <em>Uggla<\/em>,\ndie \u0384Eule`, eine Buchhandlung. Man r\u00fchmt sich hier der Tradition,\naber am Ende bekomme ich von den B\u00fcchern auf meiner Wunschliste nur\nzwei. Man bem\u00fcht sich auch nicht sonderlich, meine B\u00fccher zu\nfinden. Gustafsson? Haben wir nicht. K\u00f6nnte  auch schwer zu\nbestellen sein. Gustafsson? Schwer zu bestellen? Ja, in was f\u00fcr\neinem Schweden bin ich denn hier gelandet! Die beiden B\u00fccher, mit\ndenen ich mich am Ende zufriedengeben muss, k\u00f6nnten\nunterschiedlicher nicht sein, und doch erz\u00e4hlen beide auf ihre Art\netwas von Schweden: Selma Lagerl\u00f6fs <em>Nils\nHolgerssons underbara resa genom Sverige <\/em>und\nZlatan Ibrahimovics <em>Jag\n\u00e4r Zlatan. <\/em>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Dass\nich den Supermarkt gestern nicht gesehen hab, ist kein Wunder. Er\nbefindet sich in einem Einkaufszentrum, eins von denen, aus denen man\nm\u00f6glichst schnell wieder raus will. Es hei\u00dft nat\u00fcrlich <em>Galleria<\/em>.\nIn dem Supermarkt ist alles auf \u201evern\u00fcnftig\u201c und \u201egesund\u201c\ngetrimmt, wie immer in Schweden, und mit den typisch schwedischen\nWiderspr\u00fcchen: Es gibt Energy Drinks und Obsts\u00e4fte mit einer\nMischung aus Roibos und Erdbeere, aber kein normales Bier. Selbst das\n<em>l\u00e4tt\u00f6l<\/em>\nist unter all den alkoholfreien Varianten und denen mit\nGeschmackszutaten kaum zu finden. Es gibt Joghurt mit Kakaogeschmack,\naber normale Milch ist neben der fettarmen und der laktosefreien kaum\nzu finden. Alles, was normal ist, wird an den Rand gedr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>An\neinem der Pfeiler des Supermarkts unvermittelt ein kleines\nschwedisches Wortspiel, das ich in einer erweiterten Form kenne<em>:\nF\u00e5r f\u00e5r f\u00e5r<\/em>?\n<em>Bekommen\nSchafe Schafe?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schweden\nist ein teures Pflaster: Kaffee und Kuchen in einem einfachen Caf\u00e9\n(allerding mit Bedienung) kostet \u00fcber 7 \u20ac, die beiden B\u00fccher\nkosten \u00fcber 30 \u20ac, und das Porto f\u00fcr die Ansichtskarten kostet\n\u00fcber 2 \u20ac!<\/p>\n\n\n\n<p>15.\nJuli (Mittwoch)<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nHimmel ist grau und wolkenverhangen. Die Atmosph\u00e4re ist v\u00f6llig\nver\u00e4ndert. Was gestern noch sch\u00f6n war, ist heute trist. Selbst das\nGeschrei der M\u00f6wen h\u00f6rt sich schriller an. Immerhin f\u00e4llt dabei\nein sch\u00f6nes Photo der dunklen T\u00fcrme der <em>Domkyrka<\/em>\nvor dem grauen Himmel ab. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nerste Programmpunkt ist die Suche nach einem Labyrinth, einem\nSteinlabyrinth, das sich au\u00dferhalb der Stadtmauern am <em>Norderport<\/em>\nbefinden soll. Es geht ein ganzes St\u00fcck an der Stadtmauer entlang,\nwieder an rosengeschm\u00fcckten H\u00e4uschen vorbei. Die Tore stehen hier\nin kurzen Abst\u00e4nden. Das <em>Dalmanstorn<\/em>\nist besonders hoch und diente auch als Orientierungspunkt f\u00fcr die\nSchifffahrt. Dann kommt das <em>Norderport<\/em>,\nauch heute noch, wie im Mittelalter, das wichtigste Einfallstor in\ndie Stadt, auch f\u00fcr Fahrzeuge. Nur sind es heute keine\nPferdekutschen, sondern Autos, die sich durch das Tor dr\u00e4ngen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferhalb\ndes Tores liegt ein gro\u00dfes Krankenhaus, ein gr\u00f6\u00dferer Komplex, aus\nmehreren Geb\u00e4uden bestehend, ausgestattet mit\nHubschrauberlandeplatz. Es geht an dem Krankenhaus vorbei, aber auf\ndas Labyrinth gibt es keinerlei Hinweise, und es kommt auch nichts in\nSicht. Eine Passantin, die ich frage, wei\u00df auch nichts davon, aber\nsie deutet auf eine ganz in der N\u00e4he liegende Ruine. Immer ein guter\nAusweg in Visby. Das ist die Ruine von <em>S:t\nG\u00f6ran<\/em>.\nDas Gel\u00e4nde um die Kirche herum sieht auch wirklich so aus, als\nk\u00f6nne hier das Labyrinth sein. Ist es aber nicht. Daf\u00fcr gibt es\neine Schautafel an der Ruine, und die erkl\u00e4rt den Zusammenhang mit\ndem Krankenhaus: G\u00f6ran \u2013 das ist Georg \u2013 war der Schutzheilige\ngegen die Pest, und das Krankenhaus wurde zeitgleich mit der Kirche\ngebaut \u2013 au\u00dferhalb der Stadtmauern! Es ging darum, die Pestkranken\nzu isolieren. Das neue Krankenhaus steht an derselben Stelle, an der\ndas alte gestanden hat. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nOhne\nLabyrinth gehe ich am grauen Meer entlang in die Altstadt zur\u00fcck,\nins Museum, <em>Gotlands<\/em>\n<em>Fornsal<\/em>.\nDas liegt in der <em>Strandgatan<\/em>.\nHier\ngeht es mit einem Paukenschlag los. Gleich in dem\nersten Saal\nsind\ndie teils mannshohen Bildsteine ausgestellt. Sie stammen aus der Zeit\nvom 5. bis\nzum 14. Jahrhundert, dem Beginn der Wikingerzeit, und standen meist\neinfach in der Gegend herum. Die meisten sind rein bildlich, einige\nder sp\u00e4teren haben Inschriften in Runen. Die hat man meist\nentziffern k\u00f6nnen. In der Regel sagen sie nur, wer diesen Stein aus\nwelchem Anlass aufgestellt hat, etwa in einem Fall ein Ehepaar f\u00fcr\nseinen Sohn, der gewaltsam ums Leben gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nMotive sind r\u00e4tselhaft, stammen wohl aus der nordischen Mythologie,\naber das erschlie\u00dft sich dem Laien nicht. Sie k\u00f6nnten eigentlich\n\u00fcberall auftauchen, wie das, was f\u00fcr mich aussieht wie ein Windrad\nin Bewegung. Das taucht immer wieder auf. Und ist sehr kunstvoll\ngemacht. Das gilt auch\nf\u00fcr die verschlungenen Linien auf anderen Steinen. In einem Fall\nergibt sich ein Symbol, das von der modernen Tourismusindustrie\nbenutzt wird, als Hinweis auf eine historische Sehensw\u00fcrdigkeit. \n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten\nsieht man Schiffe mit rudernden M\u00e4nnern auf\nden Steinen,\nwilde Tiere, Reiter mit geschwungenen\nLanzen,\nein \u201eWeltenbaum\u201c, der wie eine Kinderzeichnung aussieht, und,\nsehr auff\u00e4llig, eine Frau, auf dem Boden sitzend, mit einer Schlange\nin jeder Hand, ganz in grellem Rot. Die Linien und Farben scheinen\nmir manchmal ein bisschen zu perfekt f\u00fcr Bildsteine, die\nJahrhunderte im Freien herumgestanden haben, und es gibt eine\nInstallation, die andeutet, dass die Restauratoren da wohl ein wenig\nnachgeholfen haben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nn\u00e4chsten Raum geht es dann zeitlich zur\u00fcck in die Vorgeschichte.\nHier sind mehrere Gr\u00e4ber\n\nausgestellt, zwischen\n11000\nbis 3000 Jahre alt. In dem \u00e4ltesten Grab liegt ein Mann in\nschlafender Stellung, mit angezogenen Beinen, dann kommen breitbeinig\nbestattete Frauen und dann welche, die ganz gerade liegen. Bei den\n\u00e4lteren gibt es keine Grabbeigaben, bei den j\u00fcngeren wohl. In einem\nFall sind es die Stachel eines Igels \u2013 man vermutet, dass die Frau\neine Kappe aus Igelhaaren trug \u2013 in einem anderen eine Vielzahl\nwinziger Pfeifen oder Fl\u00f6ten, und im letzten Fall sehr sch\u00f6n\ngearbeiteter Schmuck. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder Vitrine an der Seite der Skelette sind dann Urnen ausgestellt.\nDie haben die Form von H\u00e4usern. Dem Toten wird eine Wohnstatt\ngeboten. Es scheint in allen Kulturen diesen Wechsel von\nK\u00f6rperbestattung und Urnenbestattung zu geben. Was wohl solche\nVer\u00e4nderungen ausl\u00f6sen mag?<\/p>\n\n\n\n<p>Vor\nder Vitrine stehend, werde ich von einer jungen Chinesin\nangesprochen. Wir machen uns gegenseitig auf Exponate aufmerksam, die\nuns ins Auge gefallen sind. Sie studiert in Nyk\u00f6ping, verst\u00e4ndigt\nsich wohl weitgehend auf Englisch. Nat\u00fcrlich will sie wissen, ob ich\nschon mal in China war. Ja, war ich. Als ich das erste Mal in China\nwar, war sie vermutlich noch gar nicht geboren. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndieser Vitrine f\u00e4llt mir besonders ein Brettspiel auf. Erinnert ein\nbisschen an Dame. Die halbkugelf\u00f6rmigen Spielsteine sind aus den\nKnochen und Z\u00e4hnen von Pferden gemacht. Und W\u00fcrfel gibt es auch.\nDie sind aus den Enkelknochen von Schafen gemacht. Und haben\ntats\u00e4chlich sechs Seiten. Aber die Wahrscheinlichkeit, mit der der\nW\u00fcrfel auf eine Seite f\u00e4llt, ist vermutlich nicht ganz gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nn\u00e4chsten Raum kommt fr\u00fche christliche Kunst, romanisch, sehr sch\u00f6n.\nNeben gro\u00dfen h\u00f6lzernen Madonnenfiguren f\u00e4llt mir vor allem ein\nKreuz auf, farbig gefasst, bemalt, mit L\u00f6wen an den Kreuzenden. Der\nChristus, kaum verwundet, mit gedrechseltem Bart und geflochtenen\nZ\u00f6pfen, steht auf dem Kreuzbalken und blickt traurig nach unten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nChristentum kam durch die Fahrten der Kaufleute nach Gotland. Und\nbestand lange, zweihundert Jahre lang, Seite an Seite mit der\nheidnischen Religion, der Asen-Religion, mit vielen Mischformen.  Man\nerkl\u00e4rt die starke Stellung Marias im m\u00e4nnerdominierten Christentum\ndamit, dass in der Asen-Religion G\u00f6ttinnen ebenfalls eine starke\nStellung hatte. Maria trat dann ausgerechnet die Nachfolge von Freia\nan! \n<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts\neines Taufsteins wird erkl\u00e4rt, warum der in der Regel am\nKircheneingang stand: Das Kind galt als unrein, und man wollte es vor\nder Taufe nicht in die Kirche lassen, weil es b\u00f6se Geister mit sich\nbringen k\u00f6nnte!<\/p>\n\n\n\n<p>Von\nden Dingen des t\u00e4glichen Lebens sind Schl\u00f6sser und Schl\u00fcssel\nausgestellt und auch zwei Schuhe, beides Einzelexemplare. Eine Zunge\nscheinen sie nicht zu haben, aber eine einfache Vorrichtung zum\nZuschn\u00fcren wohl. Die Sohlen sehen sehr d\u00fcnn aus. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngibt eine Liste mit ausgew\u00e4hlten Namen von Personen, die tats\u00e4chlich\nim Mittelalter in Visby gelebt haben. Darunter befinden sich <em>Thomas<\/em>\nund <em>Hinricus<\/em>\nund <em>Margareta<\/em>\nund <em>Martin<\/em>,\naber auch <em>Gangwid<\/em>\nund <em>Heghwat<\/em>\nund <em>Rune<\/em>\nund <em>Botwid<\/em>\nund <em>Botulf<\/em>\nund <em>Botree<\/em>\nund <em>Botward<\/em>.\nDa h\u00e4tte sich J.K. Rowlings f\u00fcr ihre Figuren bedienen k\u00f6nnen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Von\nden reicheren Schichten sind Goldringe, Bergkristalle, Medaillons\nausgestellt und eine sehr sch\u00f6ne h\u00f6lzerne Schatulle, die aussieht,\nals wenn sie aus Metall w\u00e4re und tats\u00e4chlich metallene Beschl\u00e4ge\nhat.   \n<\/p>\n\n\n\n<p>Danach\nmache ich eine Pause im dem Caf\u00e9 der Bibliothek von\nVisby.\nAuch hier, trotz Selbstbedienung, astronomische Preise. Und keine\nBarbezahlung. Ich nehme ein St\u00fcck Kuchen. Laut Auskunft der\nBedienung ist es Himbeerkuchen, aber die Himbeeren sehen nicht wie\nHimbeeren aus und schmecken auch nicht so. Entweder ist es ein\nVerst\u00e4ndigungsproblem oder die schwedischen Himbeeren sind anders\nals die deutschen. Aber das W\u00f6rterbuch best\u00e4tigt: <em>hallon<\/em>\n= Himbeere. Im Schwedischen gibt es einerseits <em>bl<\/em><em>\u00e5<\/em><em>b\u00e4r<\/em>,\n\u201aHeidelbeere\u2018, und <em>vinb\u00e4r<\/em>\n\u201aJohannisbeere\u2018, und <em>bj\u00f6rnb\u00e4r<\/em>,\n\u201aBrombeere\u2018 (w\u00f6rtlich \u201aB\u00e4renbeere\u2018), aber andererseits\n<em>smultron<\/em>,\n\u201aWalderdbeere\u2018, <em>lingon<\/em>,\n\u201aPreiselbeere\u2018 und <em>hallon<\/em>,\n\u201aHimbeere\u2018, und dann aber auch <em>jordgubbe<\/em>,\n\u201aErdbeere\u2018 (w\u00f6rtlich \u201aErdm\u00e4nnchen\u2018). Da soll man nicht\ndurcheinanderkommen. `<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nAusgang der Bibliothek h\u00e4ngt ein Schwarzes Brett. Da wird unter\nanderem <em>Sommaryoga<\/em>\nangeboten. Unter\ndem Titel <em>H\u00e4stkrafta<\/em>\nwird auf eine Photographieausstellung hingewiesen,\nunter\ndem Titel <em>Gr\u00f6ner\nOmstart<\/em>\nwirbt eine politische Partei, und unter dem Titel <em>Kom\nHj\u00e4rtans Frojd!<\/em>\nweisen zwei alternde, stark geschminkte Schlagerstars auf ein Konzert\nhin. Unten h\u00e4ngen Hinweise zu Corona, auf Englisch, Arabisch und in\neiner dritten Sprache, die ich nicht identifizieren kann, die aber\nauch arabische Buchstaben benutzt. Farsi? Leben in Schweden so  viele\nIraner? \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder Touristeninformation lasse ich mir auf der Karte die Position des\nLabyrinths ganz genau einzeichnen und mache mich wieder auf den Weg\ndorthin. Es stellt sich heraus, dass ich heute Morgen auf dem\nrichtigen Weg war, mich aber von der Frau mit der Ruine von dem\nrichtigen Weg habe abbringen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nZiel angekommen erfahre ich auf einer Schautafel etwas \u00fcber die\nGegend. Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet, obwohl wir noch\nganz in der N\u00e4he der Stadtmitte sind. Es wird auch auf einen Galgen\nhingewiesen, aber das Labyrinth wird nur ganz nebenbei erw\u00e4hnt. Da\nder Galgen ausgeschildert ist, mache ich mich dorthin auf den Weg. Es\nist ein m\u00fchseliger Aufstieg. Man\nkann sogar\nsehen,\nwie sich die Vegetation ver\u00e4ndert, obwohl der H\u00f6henunterschied gar\nnicht so gro\u00df sein kann. Man ist etwa auf der H\u00f6he der T\u00fcrme der\n<em>Domkyrkan<\/em>,\ndie man in der Ferne sieht. Wenn man die vorletzte H\u00fcrde genommen\nhat \u2013 eine in einen Stein gehauene Stufe \u2013 kommt ein weites\nPlateau in Sicht und man sieht \u2013 einen Sendemast! Vom Galgen nichts\nzu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber\nder kommt nach der n\u00e4chsten Stufe in Sicht. Und ist ganz anders, als\nich ihn mir vorgestellt habe. Statt zwei nebeneinander stehender\nHolzpf\u00e4hle sieht man drei weit auseinander stehende m\u00e4chtige\nSteinpfeiler. Die waren durch h\u00f6lzerne Streben verbunden. Es war\nPlatz f\u00fcr alle da.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer\nsich in moderner Naivit\u00e4t vorgestellt hat, die Hinrichtungsst\u00e4tte\nw\u00e4re hier\noben gewesen,\num dem Volk das Spektakel zu ersparen, sieht sich get\u00e4uscht: Im\nGegenteil: Sowohl\nvon der Stadt als auch vom Meer aus konnte man die Toten am Galgen\nbaumeln sehen. Zu den Hinrichtungen kam das Volk aus der Stadt hier\nrauf. So ein Spektakel lie\u00df man sich nicht entgehen. Die Leichen\nlie\u00df man immer ein paar Tage h\u00e4ngen. Dem Prinzip <em>Abschreckung<\/em>\ngehorchend. Sie wurden dann, soweit sie noch nicht den V\u00f6geln zum\nFra\u00df geworden waren, hier verscharrt. Bestattungen auf Friedh\u00f6fen\nwaren nicht zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nletzte Hinrichtung fand hier 1845 statt. Der letzte Verurteilte war\nein Hutmacher, eines Mordes schuldig. 1972 wurde die Todesstrafe in\nSchweden abgeschafft. Auch wenn uns das alles fremd ist, eins muss\nman anerkennen: Es gab ein verl\u00e4ssliches, stabiles Rechtssystem. Und\ndie Strafen m\u00fcssen den meisten Menschen damals angemessen\nvorgekommen sein. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\ngeht es wieder runter. Die Suche nach dem Labyrinth wird fortgesetzt.\nErfolglos. Ich habe mich schon verlaufen, bevor ich \u00fcberhaupt in das\nLabyrinth gelangt bin! Es gibt eine wie eine Baustelle eingez\u00e4unte\nStelle, an der der ganze Boden mit Kieselsteinen bedeckt ist. Ob das\nLabyrinth darunter liegt? Und die Kieselsteine das Labyrinth\neinstweilen sch\u00fctzen, bevor es saniert wird? K\u00f6nnte sein, aber ich\nhabe mir das Labyrinth gr\u00f6\u00dfer vorgestellt. Auf jeden Fall h\u00e4tte\nman das in der Touristeninformation wissen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\nm\u00fcden Beinen gehe ich noch zum Busbahnhof. Mit Erfolg. Und in eine\nweitere Buchhandlung. Ohne Erfolg. \n<\/p>\n\n\n\n<p>16.\nJuli (Donnerstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Fahrr\u00e4der\nkann man an verschiedenen Stationen ausleihen, auch hier bei uns an\nder Rezeption, aber die Nachfrage ist gro\u00df, und es ist gar nicht so\neinfach, an eins zu kommen. Ich habe aber am Ende Gl\u00fcck, und bis\nschon um 9 Uhr am Hafen, um das bestellte Rad abzuholen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Alles\nklappt problemlos, und kurz darauf bin ich schon unterwegs. Das Rad\nist f\u00fcr diese Zwecke genau richtig: breite Reifen, hoher Lenker,\neinfaches Schloss, kein Schnickschnack. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nersten f\u00fcnf, sechs Kilometer sind wunderbar: auf einem abgetrennten\nRadweg immer am Meer entlang. Besser geht\u2018s nicht. Dann ist\npl\u00f6tzlich Schluss. Es geht steil bergauf und dann die 149 entlang,\neine stark befahrene Schnellstra\u00dfe. Kilometerweit. Keine Aussicht,\nwieder nach unten ans\nMeer\nzu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Links\nund rechts der Fahrbahn wilde Gr\u00e4ser und Blumen, hochgewachsen,\ndurcheinander, farbenfroh. Sie lassen sich von den Abgasen nicht\nbeeindrucken. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Links\nund rechts der Strecke Wald, Kiefernwald, auch wenn die Kiefern\neher wie mediterrane Pinien aussehen. Auch hier gibt es immer wieder\nverdorrte B\u00e4ume, eine ganze Menge, aber sie stehen immer nur\nvereinzelt zwischen den gesunden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nVerkehrsschilder, die bei uns Rot-Wei\u00df sind, sind hier Rot-Gelb, und\ndie Begrenzungspf\u00e4hle am Stra\u00dfenrand sind, wie es sich geh\u00f6rt,\nBlau-Gelb.<\/p>\n\n\n\n<p>In\neiner Einfahrt steht der Lieferwagen einer Baufirma mit einem (leicht\nzu durchschauenden) Wortspiel im Namen: <em>Visbyggd<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nmache Pause in <em>Lummelunda<\/em>.\nSchon wegen des Namens. Streng genommen ist es noch gar nicht\n<em>Lummelunda<\/em>,\nsondern <em>Lummelundagrottan<\/em>.\nAuf die Grotte, die man hier besichtigen kann, wird schon auf der 149\nhingewiesen. Mit dem Symbol von den Bildsteinen aus dem Museum\ngestern.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt\nGrotte gibt es f\u00fcr mich einen Kaffee. Die M\u00e4dels, die hier\nbedienen, sind alle hellblond, so wie es dem (ehemaligen)\nSchwedenklischee entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von\ndem kleinen Platz aus f\u00fchren f\u00fcnf Wege in unterschiedliche\nRichtungen. Bei dem f\u00fcnften komme ich tats\u00e4chlich ans Meer. Aber\nhier gibt es keinen Weg, nur einen Strand. Ich muss wieder zur 149\nrauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Von\ndort geht es dann immer wieder mal zum Wasser runter und anschlie\u00dfend\nwieder zur 149 rauf. Es scheint hier unten keinen Weg zu geben, auch\nwenn es auf der Karte so aussieht. Die hat auch noch einen weiteren\nWeg zwischen der Stra\u00dfe und dem Strand, aber auch den\nkann ich nicht finden. Das Handy schickt mich auch immer wieder auf\ndie 149\nzur\u00fcck. Der Weg ist zwar mit einem roten Schild <em>Gotlandsleden<\/em>\ngekennzeichnet, aber von Ausschilderung kann keine Rede sein. Man\nwei\u00df nie, wo man ist und wohin man f\u00e4hrt, und wenn das rote Schild\nmal wieder auftaucht, kann es einen auch in eine Sackgasse f\u00fchren,\nn\u00e4mlich zum Meer hinunter. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs\nkomme ich an den typische schwedischen <em>sommmarstugarna<\/em>\nvorbei, den H\u00e4usern mit den roten Holzplanken. Hin und wieder f\u00fchrt\nder Weg zu\neinem\nBadestrand. Oder an einem Caf\u00e9 mit Blick aufs Meer vorbei. Auf einer\nLandstra\u00dfe \u00fcberholt mich ein pechschwarzer K\u00e4fer, mit brummendem\nMotor und fast \u00fcber den Boden schleifendem Heck. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Erst\nauf den letzten Kilometern vor Visby geht es dann wieder an der K\u00fcste\nentlang. Die M\u00f6wen sind \u00fcberall: auf den Felsen, im Gras, in der\nLuft, sogar auf den B\u00e4umen!<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nich in Visby ankomme, fahre ich noch ein St\u00fcck in die andere\nRichtung, an den gro\u00dfen F\u00e4hrschiffen und den gro\u00dfen Gascontainern\ndes Hafens vorbei, aber dann kommt pl\u00f6tzlich ein \u201eNaturreservat\u201c.\nAuch wenn die Bezeichnung etwas \u00fcbertrieben wirkt: Es lohnt sich.\nMan kommt durch eine flache Heidelandschaft, mit Kieswegen, von denen\nman auf das Meer in der Distanz hinunter sehen kann. Gelegentlich\ngibt es Aussichtspunkte, von denen man die K\u00fcste mir ihren steilen\nFelsen entlang sehen kann. Erst Durst und Hunger treiben mich zur\u00fcck\nin die Wohnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem\nich das Rad wieder abgeben habe, komme ich auf dem Weg in die\nInnenstadt an einem in eine Mauer eingelassenen Kreuz vorbei. Daneben\neine Schautafel, die erkl\u00e4rt, worum es sich handelt. Bis hierher sei\ndas Blut geflossen, hei\u00dft es, an jenem omin\u00f6sen 27. Juli 1361. Es\nfloss der Legende nach durch die Stra\u00dfen Visbys, nachdem die\nkampferprobten, gepanzerten Soldaten des D\u00e4nenk\u00f6nigs Waldemar\nAtterdag Visby erobert und ein Blutbad angerichtet hatten. Dieser Tag\nwar der Beginn einer dreihundertj\u00e4hrigen Herrschaft der D\u00e4nen in\nGotland. Wie immer, sind die anderen die B\u00f6sen und die \u00dcberlegenen,\nman selbst ist das Opfer.  Die historische Situation war eher so,\ndass die Einwohner Visbys unt\u00e4tig waren und die Bauern der Umgebung\nin ihrem Kampf gegen die D\u00e4nen alleine lie\u00dfen. Schweden, mit dem\nGotland nur lose  verbunden war, hielt sich raus. Und die D\u00e4nen\ntaten das, was machtpolitisch von Interesse war. Visby war reich und\nstrategisch interessant, da nahm man mit, was man bekommen konnte.\nNichts Neues unter der Sonne.<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder Zwischenzeit habe ich eine Empfehlung bekommen, was ich mit\nmeinen ung\u00fcltig gewordenen Scheinen und M\u00fcnzen machen kann: in\nden Opferstock.\nDie Kirche werde schon M\u00f6glichkeiten finden, das Geld zu tauschen.\nDazu gehe ich zur <em>Domkyrkan<\/em>,\nund kann f\u00fcr\ndas Geld sogar\nnoch die eine oder andere Kerze anz\u00fcnden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Heute\nist der bisher w\u00e4rmste Tag in Visby. Auf der Radtour war das kaum zu\nsp\u00fcren, aber hier im Zentrum wohl. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferhalb\nder Stadtmauern steht wieder eine Schlange vor dem <em>Systembolaget<\/em>,\nnoch l\u00e4nger als dieser Tage. Eine Schwedin, die sieht, wie ich\nunauff\u00e4llig ein Photo von der Schlange machen will, kann sich das\nLachen nicht verkneifen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndem R\u00fcckweg mache ich Halt am <em>Lilla\nElefanten<\/em>,\num eine Pizza zu essen. Ich kann meine Neugier nicht bezwingen und\nfrage die Kellner nach ihrer Herkunft: T\u00fcrkei. Es ist also eine von\nT\u00fcrken betriebene Pizza in Schweden, in der ein deutscher Gast\nauftaucht. Nicht schlecht! Die T\u00fcrken sind schon seit \u00fcber drei\u00dfig\nJahren hier. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngibt hier sogar ganz normales Bier, <em>stark\u00f6l<\/em>.\nHier in Visby gebraut: <em>Wisby\nPils<\/em>.\nSchmeckt gut. Es gibt also <em>stark\u00f6l<\/em>\n in Gastst\u00e4tten? Ja, sagt der Kellner, das sei immer so gewesen, nur\nin Gesch\u00e4ften nicht. Das hatte ich falsch in Erinnerung. Die\nKontrolle wird hier, statt \u00fcber ein Verbot, \u00fcber den Preis\nausge\u00fcbt: Die Flasche Pils ist fast so teuer wie die Pizza!<\/p>\n\n\n\n<p>17.\nJuli (Freitag)<\/p>\n\n\n\n<p>Nils\nHolgerssons Reise beginnt in Sk\u00e5ne im S\u00fcden und geht dann in\nn\u00f6rdlicher Richtung \u00fcber den Osten Schwedens, um dann \u00fcber den\nWesten wieder nach Sk\u00e5ne zur\u00fcckzukehren. Selma Lagerl\u00f6f arbeitete\nam Ende unter gro\u00dfem Druck an dem Manuskript, mit dem Resultat, dass\neine Region ganz unter den Tisch fiel: Halland. Zu den Vorbildern f\u00fcr\nihr Buch geh\u00f6rten neben <em>Gullivers\nTravels<\/em>\nund <em>The\nDjungelbook<\/em>\nein schwedischer Autor, bei dem ein Junge auf einem Schwan durch\nSchweden reist! Der Illustrator, den sie f\u00fcr das Buch gewinnen\nwollte, lehnte ab. Er interessierte sich nicht f\u00fcr so ein Buch. In\nder popul\u00e4ren Vorstellung fliegt Nils mit einer Wildgans, Akka, aber\ndiese Vorstellung ist von der Verfilmung gepr\u00e4gt. Im Buch fliegt er\ndie meiste Zeit mit einer zahmen Ente, M\u00e5rten. Auch die Vorstellung,\ndass Nils Holgersson rothaarig ist, stammt aus der Verfilmung. Im\nBuch ist er blond. Das erfahre ich alles in dem Nachwort der Ausgabe,\ndie ich gekauft habe, leider kein Original, sondern eine Bearbeitung\nf\u00fcr Kinder. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Heute\ngeht es mit dem Linienbus an die n\u00f6rdliche Spitze der Insel, Tipp\nvon der Touristeninformation. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nBus f\u00e4hrt mit Biogas. Der Fahrerbereich ist abgetrennt, aber eine\nMaske\ntr\u00e4gt niemand. Eine junge Frau, die am richtigen Platz sitzt, hilft\ndenjenigen von uns, die es nicht schaffen, ihre Fahrkarten zu\nentwerten. Ich bin nicht der einzige. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nsind nur gut f\u00fcnfzig Kilometer bis zum Ziel, aber der Bus nimmt\nnicht den direkten Weg, und die Fahrt zieht sich in die L\u00e4nge. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nGegend ist flach und nicht besonders reizvoll. Ein Hingucker sind\nbreite Streifen von Malven und Mohn auf den Wiesen am Wegesrand. Und\ndann kommt ein einziges, rotes Mohnfeld, so gro\u00df wie ein\nFu\u00dfballplatz. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist sehr einsam hier, kaum kommt mal ein Haus in Sicht, und ein Ort\nschon gar nicht. Das \u00e4ndert sich, als das Meer auftaucht, in Slite.\nWir sind an der Ostk\u00fcste. Hier, in Slite, gibt es eine Zementfabrik\n\u2013 Heidelberg Cement\n\u2013 und einen\nriesigen Steinbruch. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nn\u00e4chsten Ort, L\u00e4rbro, f\u00e4llt der achteckige Turm der Ortskirche\nauf, der einzige seiner Art in Gotland. Soll norwegischer Einfluss\nsein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\npl\u00f6tzlich eine Autoschlange, unendlich. Alle wollen auf die\n`Schafinsel`, nach F\u00e5r\u00f6, der der Nordspitze Gotlands vorgelagerten\nInsel. Der Bus darf an der Schlange vorbeifahren und l\u00e4sst uns\ngleich vor der F\u00e4hre aussteigen. Ich sehe mich um, in welchem der\nkleinen H\u00e4uschen man hier Fahrkarten kaufen kann, finde aber nichts.\nDann frage ich eine Frau, die auch auf die F\u00e4hre wartet, und bekomme\ndie erstaunlichste aller Antworten: Es ist gratis! Da\nlasse\nich mir die Gelegenheit nicht entgehen, ein urschwedisches <em>Jaha?<\/em>\nanzubringen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\nder anderen Seite wartet aber schon die Entt\u00e4uschung: Es gibt keine\nFahrr\u00e4der. Alle ausgebucht. Das einzige, was der Mann zu bieten hat,\nist ein Kaffee in einem Plastikbecher, mit Selbstbedienung, f\u00fcr 25\nKronen. Und nicht einmal Zucker gibt es!<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nnutzt alles nichts. Ich muss wieder zur\u00fcckfahren. Der Weg zu Fu\u00df\nnach F\u00e5r\u00f6, den Hauptort der\nInsel, ist\nzu weit. Dort auf dem Kirchhof liegt Ingmar Bergmann begraben, der\naus Far\u00f6 stammte. Und noch weiter ist es bis\nzur Westk\u00fcste,\nwo es die bekannten Kalksteins\u00e4ulen gibt, die\n<em>raukar<\/em>.\nIch muss ohne <em>raukar<\/em>\nin die Heimat zur\u00fcckkehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr\ngeht es jetzt in umgekehrter Richtung zu Fu\u00df weiter, \u00fcber die\nstaubige Stra\u00dfe, ohne Fu\u00dfg\u00e4ngerstreifen, die Autoschlange in\numgekehrter Richtung abschreitend. Bis ich nach Bunge komme. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs\nsehe ich ein Plakat mit der passenden Aufschrift <em>Where\ndo we go?<\/em>\nUnd einen Basketballkorb, der in luftiger H\u00f6he angebracht ist, am\nEnde einer Stange, auf die eine Stufenleiter hoch\nf\u00fchrt.\nF\u00fcr den Fall, das wirklich mal jemand trifft. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nBunge gibt es zwei Dinge zu sehen: eine\nKirche und ein Freilichtmuseum. Die Kirche ist leider verschlossen,\ndas Freilichtmuseum sehe ich mir an. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich\nhinter dem Eingang gibt es eine Schiffssetzung zu sehen. Nicht <em>in\nsitu<\/em>,\naber immerhin. Schiffssetzungen sind fr\u00fchneuzeitliche Grabmale, bei\ndenen mit Steinen die \u00e4u\u00dfere Form eines Schiffs nachgezeichnet\nwird, eher die eines Bootes, eines l\u00e4nglichen, an beiden Enden spitz\nzulaufenden Bootes. Sie sind typisch f\u00fcr Gotland. Bei den\nAusgrabungen hat man zwischen\nden Steinen Reste\nkremierter Menschen gefunden.\nDie Schiffsform ist einerseits ein Reflex der schifffahrenden\nGesellschaft Gotlands,\nwird aber auch mit dem Gedanken an die Reise in das Totenreich\nverbunden. Neben der Schiffssetzung sieht man eine andere\nSteinsetzung, aus j\u00fcngerer Zeit. Sie hat die Form eines Sonnenrads. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber\ndas ganze Gel\u00e4nde verteilt sind M\u00fchlen in verschiedenen Formen,\nWindm\u00fchlen und Wasserm\u00fchlen, darunter eine ganz kleine, in der\ngerade mal ein Mensch stehen kann. Sie hat auch eine Handm\u00fchle zum\nKartoffelzerkleinern!<\/p>\n\n\n\n<p>Gutsh\u00f6fe\naus verschiedenen Zeiten illustrieren den wachsenden Wohlstand. Einer\naus dem 18. Jahrhundert besteht aus mehreren Geb\u00e4uden, mit einer\nklaren Trennung von Wohnbereich und Arbeitsbereich. Die einzelnen\nGeb\u00e4ude bestehen aus mehr als einem Raum, das Dach ist mit Schindeln\ngedeckt, die Fenster sind gr\u00f6\u00dfer, und die Fenstersprossen sind bunt\nbemalt. Es gibt sogar ein eigenes Geb\u00e4ude f\u00fcr den Altenteil, f\u00fcr\ndie Eltern, wenn der Sohn den Hof \u00fcbernommen hatte. Auff\u00e4llig f\u00fcr\nuns sind die niedrigen Decken in allen H\u00e4usern. Jemand,\nder ein bisschen gr\u00f6\u00dfer\nist als ich, kann\nhier\nschon nicht mehr aufrecht stehen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Unauff\u00e4llig,\naber sozialgeschichtlich interessant ist ein ganz einfaches Haus, aus\neinem einzigen Raum bestehend. Es ist das Haus eines Bootsmannes. Man\nk\u00f6nnte fragen, was der\nhier,\nmitten auf dem Land, macht. Das\nHaus ist das Resultat einer Regelung, die\nmit der gr\u00f6\u00dfer werdenden Flotte Schwedens in Kraft trat: Jeweils\neine Gemeinschaft von H\u00f6fen, eine Rote, musste\nf\u00fcr\neinen Bootsmann aufkommen. Unter\nanderem musste ihm ein Haus gestellt werden. Allerdings\nnur, wenn der Bootsmann verheiratet war. Wenn er Junggeselle war,\ndurfte man ihn auch anderweitig unterbringen. Die Rote musste auch\nf\u00fcr den Sold des Bootsmannes aufkommen und ihm ein St\u00fcck Land f\u00fcr\neine Wiese und eine Kuh zur Verf\u00fcgung stellen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Bunge\nist ein merkw\u00fcrdiger Ort, eigentlich gar keiner. Trotz der gro\u00dfen\nKirche gibt es weit und breit keine H\u00e4user. Vielleicht sieht\nman den Ort auch einfach nicht, weil er abseits der Kirche\nliegt.\nDie Bushaltestelle\nhei\u00dft tats\u00e4chlich <em>Bunge\nKyrkan<\/em>.\nDort muss ich jetzt eine Stunde auf den Bus warten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nBus lese ich weiter in der Autobiographie von Zlatan Ibrahimovic.\nDabei gibt es ein sch\u00f6nes Missverst\u00e4ndnis: Immer wieder taucht das\nWort <em>polare<\/em>\nauf, wenn von einem seiner Mitspieler die Rede ist. Aber das hei\u00dft\neinfach `Kumpel`. Hat mit Polen nichts zu tun. Zlatan hat das Buch\nnicht selbst geschrieben, sondern schreiben lassen. Der Ghostwriter\nhat gute Arbeit geleistet. Er schreibt so, wie Zlatan schreiben\nw\u00fcrde, wenn er schreiben k\u00f6nnte. Manchmal h\u00f6rt man ihn f\u00f6rmlich\nselbst \u201esprechen\u201c. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Bei\nder Einfahrt nach Visby hat man vom Bus aus einen\nsch\u00f6nen Blick von au\u00dfen auf die Stadtmauer mit ihren Toren und\nT\u00fcrmen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>18.\nJuli (Samstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich\nnach dem Fr\u00fchst\u00fcck geht es in den Botanischen Garten. Trotz der\nfr\u00fchen Stunde bin ich hier nicht alleine. Jogger sind unterwegs,\naber auch Ruhesuchende und ganz normale Besucher wie ich. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter\ndem Eingang eine h\u00f6lzerne Statue von Linn\u00e9, aus dem Stamm einer\nUlme gefertigt. Linn\u00e9 erscheint mit einer gro\u00dfen Nase und gro\u00dfen\nAugen.\nVielleicht ist das metaphorisch gemeint.\nAuf\nseiner langen Reise durch Schweden, immer auf der Suche nach\nPflanzen, war er 1741 hier in Gotland.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nPark ist sehr gepflegt und sch\u00f6n angelegt, mit Blumenbeeten und\nBienenk\u00e4sten, mit Weihern und Br\u00fccken und einem japanisch\nanmutenden Pavillon. An einer Seite des Parks verl\u00e4uft die\nStadtmauer, und die gew\u00e4hrt hier an verschiedenen Stellen den\nDurchblick aufs Meer.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir\ngefallen besonders die gro\u00dfen B\u00e4ume, darunter eine japanische\n<em>Zelkova<\/em>,\nein Laubbaum, der sich schon kurz nach dem Stammansatz in starke,\nindividuelle \u00c4ste verzweigt, die fast wie St\u00e4mme sind. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Aus\nZentralchina stammt der <em>Kejsartr\u00e4d<\/em>,\nein Baum mit riesigen, herzf\u00f6rmigen Bl\u00e4ttern. Sie ist auch nach\nNordamerika ausgewandert, und gilt in einigen Staaten der USA als\ninvasiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\naus China stammt die <em>Sekvoia<\/em>,\nmit stark gerilltem Stamm und vielen kleinen Bl\u00e4ttern, die fast wie\nTannennadeln aussehen, aber viel weicher sind. Sie galt als lebendes\nFossil, bis sie 1941 in China in der Natur entdeckt wurde. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich\ndaneben ein Mammutbaum. Von dem erf\u00e4hrt man hier, dass er nicht zu\nverwechseln ist mit dem Redwood Tree, obwohl auch der Mammutbaum eine\nr\u00f6tliche Rinde hat. Der Mammutbaum ist einer der gr\u00f6\u00dften\nOrganismen \u00fcberhaupt. Es gibt zwar ein paar B\u00e4ume, die noch h\u00f6her\nwerden k\u00f6nnen, aber keine, die seinen Durchmesser erreichen. Auch\ndie anderen Zahlen sind beeindruckend: Er kann bis zu 3500 Jahre alt\nwerden und in 25 Jahren 50 Meter wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz\nam Rande des Gartens ein Baum, aus dessen Stamm Pilze wachsen,\nflache, gro\u00dfe, gelbliche Pilze in dichten Lagen \u00fcbereinander. Es\nist die <em>Fagus\nSilvatica<\/em>.\nWas es mit dem Pilzbefall auf\nsich hat, wird nicht erkl\u00e4rt, aber es scheint eine Krankheit zu\nsein. Der eigentlich gar nicht unsch\u00f6ne Anblick t\u00e4uscht vermutlich.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nkommt eine Platane, die ich nicht als solche erkenne, weil sie einen\nganz breiten, unregelm\u00e4\u00dfigen Stamm hat. Die Platanen, die man in\nSpanien in den St\u00e4dten sieht, sind meist schlank und kerzengerade.\nVielleicht liegt es daran, dass dies Platane hier so\nalt ist. Sie wurde schon\n1855 gepflanzt. Was aber typisch ist, ist der scheckige Stamm. Die\nPlatane wirft ihre Rinde in kleineren Schuppen ab. Die europ\u00e4ische\nPlatane, erf\u00e4hrt man, ist ein Hybrid aus Ost und West, eine Kreuzung\nvon <em>Platanus\nOrientalis<\/em>\nund <em>Platanus\nOccidentalis<\/em>.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\n<em>Morus\nNigra<\/em>\nist ein Baum, der statt in die H\u00f6he in die Breite w\u00e4chst. Die \u00c4ste\nst\u00fctzen sich auf dem Boden auf und bilden an ihrem Ende dann wieder\n\u00c4ste, die nach oben gehen, neue St\u00e4mme sozusagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und\ndann kommt noch der <em>Gingko<\/em>\nmit seinen zweigeteilten Bl\u00e4ttern, die Goethe zu seinem Gedicht\ninspiriert haben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Nach\neiner kleinen Pause auf einer Bank am Meer gehe ich weiter zum\n<em>Kajsartorn<\/em>.\nAuf dem Weg sehe ich zuf\u00e4llig vor einer Ruine eine Statue inmitten\neines Blumenbeets, die ich dieser Tage nur durch einen Schlitz in der\nKirchenmauer von hinten gesehen habe. Ich habe, vielleicht wegen der\nRuine, vielleicht wegen des Umhangs, an einen Geistlichen gedacht,\naber das ist er ganz und gar nicht. Er war Techniker und\nWissenschaftler: Christopher Polhem. Je mehr ich lese, umso\nvertrauter wird mir die ganze Geschichte. Wahrscheinlich bin ich in\nUppsala mal auf ihn gesto\u00dfen, in seiner Heimatstadt. Er hat\nwesentlich zur industriellen Entwicklung Schwedens beigetragen.\nSeiner eigenen Darstellung zufolge\nfing\ndie ganze Sache damit an, dass es ihm gelang, eine mechanische\nmittelalterliche Uhr zu reparieren. Man kann sich gut vorstellen, wie\nmotivierend das gewesen sein muss. Au\u00dferdem war das sein\nEintrittsbillett f\u00fcr die Universit\u00e4t Uppsala. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\n<em>Kajsartorn<\/em>\ndiente eine Zeitlang als Gef\u00e4ngnis und beherbergt heute eine\nAusstellung dazu. Die\n\u00d6ffnungszeiten sind knapp gehalten. Und\nschon zweimal habe ich vor dem verschlossenen Turm gestanden. Aber\ndiesmal klappt es. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\n<em>Kajsartorn<\/em>\nwurde zum Gef\u00e4ngnis, nachdem das Schloss von Visby von den\nabziehenden D\u00e4nen 1679 gesprengt wurde. Er\nsollte\nein Provisorium sein. Und blieb es bis 1859.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAusstellung erstreckt sich \u00fcber zwei Stockwerke. Dass\nder Aufenthalt\nim Gef\u00e4ngnis kein Zuckerschlecken war,\nsieht man an\ndem Raum im ersten Stockwerk. Der ist klein und diente sechs\nGefangenen gleichzeitig als Gef\u00e4ngnis. Und man muss sich ihn die\nmeiste Zeit des Jahres auch als dunkel vorstellen. Der strahlende\nSonnenschein heute t\u00e4uscht da vermutlich. Pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde\nwaren nicht erlaubt. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als\nEinrichtung gibt es nur eine Holzpritsche, die die ganze L\u00e4ngswand\ndes Raums einnimmt. Darauf sechs d\u00fcnne Strohs\u00e4cke.. An der Seite\nist ein Brief der Gef\u00e4ngnisinsassen abgedruckt, den sie mit Hilfe\ndes Geistlichen abgefasst haben und in dem sie \u00fcber den Schwei\u00df,\ndie Hygiene und den Schimmel klagen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Noch\nschlimmer erging es denen, die in dem Verlies\neingekerkert waren, in das man durch ein Gitter in dem Boden sieht.\nDas\nwar der Fall bei einer Frau, die der\nHexerei angeklagt war und hier gefoltert wurde, bis sie zu Tode kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nObergeschoss ist eine Ausstellung untergebracht, die ganz\nunterschiedliche Aspekte des Strafvollzugs aufgreift. Ausgestellt ist\nu.a. ein Henkersbeil. Hingerichtet zu werden galt als die\n\u201eh\u00f6herwertige\u201c Vollziehung der Todesstrafe, so wie es im\nMittelalter \u201ebesser\u201c war, mit dem Schwert als mit dem Beil\nget\u00f6tet zu werden. Henker zu sein war sozial sehr verp\u00f6nt. Zum Tode\nVerurteilte konnten ihre Strafe teils umwandeln lassen, wenn sie sich\nbereit erkl\u00e4rten, Henker zu werden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nZahl der Delikte,\nf\u00fcr die es die Todesstrafe geben konnte, nahm im 17.\nJahrhundert immer mehr zu, ab dem 19. Jahrhundert wurde dann die\nVerwandlung der Todesstrafe in lebenslange Strafarbeit zur Regel. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nausgestellt ist hier oben ein einfaches Gedenkkreuz in T-Form, mit\neiner Inschrift im Querbalken. Das Kreuz erinnert an den Tod eines\nalten Mannes. Dieser alte Mann wurde dem Bauern l\u00e4stig, der zusammen\nmit seiner Frau die Aufgabe hatte, sich seiner\nanzunehmen.\nEr beauftragte einen Schuster und dessen Gesellen, den alten Mann zu\nt\u00f6ten. Der Mord kam ans Licht, und alle vier wurden zum Tod\nverurteilt und hier im <em>Kajsartorn<\/em>\ngefangen gehalten. Drei von ihnen wurden tats\u00e4chlich hingerichtet.\nNur der Schuster entkam der Todesstrafe. Er brach aus dem Gef\u00e4ngnis\naus und verschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nausgestellt ist ein \u201eSchemel des W\u00fcstlings\u201c. Auf dem musste ein\nEhebrecher w\u00e4hrend der Messe vorne in der Kirche knien und seine\nS\u00fcnden \u00f6ffentlich bereuen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\neiner Vitrine ausgestellt ist \u201eHagstr\u00f6mskas Kl\u00e4dningen\u201c, nicht\netwa die Kleidung eines Verbrechers namens Hagstr\u00f6m, sondern dessen\nFesseln. Die waren bei ihm wegen der Fluchtgefahr besonders heftig.\nSie wogen 10 Kilogramm! Erst im 19. Jahrhundert wurden die\nDaumenschrauben abgeschafft und die Hand- und Fu\u00dffesseln von innen\nmit Leder verkleidet. \n<\/p>\n\n\n\n<p>So\nbelehrt \u00fcber die gute alte Zeit gehe ich nach Hause, um die Koffer\nzu packen. Am n\u00e4chsten Tag, Luxair sei Dank, wartet ein\nachtst\u00fcndiger Aufenthalt auf dem Flughafen in Stockholm auf mich. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nNachmittag\nmache ich Photos von der Stadtmauer und von ein paar Schildern mit\nschwedischen Aufschriften, wie dem <em>Hyr\nh\u00e4r, l\u00e4mna d\u00e4r<\/em>\neiner\nAutoverleihfirma. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nEnde lande ich im <em>Gula\nHuset,<\/em>\neinem kleinen alten Haus, das in seinem ebenso kleinen Garten ein\nCaf\u00e9 betreibt. Dort bekomme ich den besten (und teuersten) Kuchen\nder ganzen Woche: ein Nusskuchen mit Safran, serviert mit\nHeidelbeeren und Schlagsahne und einer Kirsche und einer Erdbeere.\nUnd dann geht eine Woche Visby zu Ende. \n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. Juli (Sonntag) Schon lange steht Gotland auf der Wunschliste der Reiseziele, und jetzt wird es endlich was damit. Aber es ist eine Reise mit Hindernissen. St\u00e4ndige \u00c4nderungen der Flugdaten durch die Fluglinien bringen viel \u00c4rger und zus\u00e4tzliche Kosten. 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