{"id":11231,"date":"2021-08-08T17:16:11","date_gmt":"2021-08-08T15:16:11","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11231"},"modified":"2021-08-08T17:19:23","modified_gmt":"2021-08-08T15:19:23","slug":"altmuhltal","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11231","title":{"rendered":"Altm\u00fchltal (2003)"},"content":{"rendered":"\n<p>5. August (Dienstag)<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Kaiserslautern, wo es einen\nJapanischen Garten gibt, nach Rothenburg, ca. 350 Kilometer. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Terminus <em>Alleinerziehender<\/em>\nist alles andere als klar, er kann sich auf jemanden beziehen, der wirklich\nallein ist, der in einer neuen Beziehung lebt oder der sich mit dem getrenntlebenden\nEhepartner die Erziehungsaufgaben teilt. <\/p>\n\n\n\n<p>Walters Chef auf den Spuren von Mrs.\nMalaprop: \u201eDas ist eine richtige Syphilisarbeit\u201c. Das sind die Verw\u00fcstungen,\ndie der Zweite Bildungsweg hinterl\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<p>Rothenburg: gleich am Eingang in die\nStadt, am R\u00f6derturm, die Gerlachschmiede, ein geradezu m\u00e4rchenhaft sch\u00f6nes\nHaus, das auf allen Abbildungen erscheint, niedrig mit hohem, spitz zulaufendem\nund etwa schr\u00e4gem Schieferdach mit Mansarden, einer Dreiecksfassade (Fachwerk\nmit Balken in Braun und Fl\u00e4chen in Beige) \u00fcber einem h\u00f6lzernen Portikus. Kaum\nvorstellbar, dass es wirklich eine Schmiede war (noch bis vor 40 Jahren\nbetrieben!).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die schmale Stra\u00dfe vom R\u00f6dertor aus\nRichtung Rathausplatz. Keineswegs die erwarteten Massen von Touristen, die sich\nm\u00fchsam durch die Stra\u00dfen schieben, wohl aber hoher \u201eAusl\u00e4nderanteil\u201c, allen\nvoran Japaner, dann Amerikaner, auch Holl\u00e4nder und Franzosen, und Russen! <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchneeballen\u201c probiert, ein trockenes,\ngro\u00dfes, wie Krapfen schmeckendes Hefegeb\u00e4ck, das, mit Puderzucker bestreut, wie\nein Schneeball aussieht. <\/p>\n\n\n\n<p>Hafenstra\u00dfe, aber kein Hafen weit und\nbreit. Benannt nach Ofensetzern, Hafnern, die hier wohnten. <\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Rathaus K\u00e4the Wohlfahrts\nWeihnachtsdorf, in dem es das ganze Jahr \u00fcber Weihnachtsartikel gibt. Wird hier\nals Rothenburger Einzigartigkeit gepriesen, in Bremen wird dasselbe von Bremen\nerz\u00e4hlt. <\/p>\n\n\n\n<p>Jakobuskirche: Erh\u00f6hter Westchor \u00fcber\nquer zur Kirche verlaufender Stra\u00dfe gebaut. Grund allerdings nicht leicht\nersichtlich. Langhaus endet noch vor der Stra\u00dfe.&nbsp; Innen der Teil, der \u00fcber die Stra\u00dfe f\u00fchrt,\nleider nicht zu sehen, abgesperrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Patrizierh\u00e4user mit Flaschenzug am\noberen Stockwerk: B\u00fcrger waren verpflichtet, Nahrungsvorrat f\u00fcr zwei Jahre zu\nlagern, wegen Belagerungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Lange, gut erhaltene Stadtmauer mit\nWehrgang mit Holzdach und T\u00fcrmen, auf dem man entlanglaufen kann. In die Mauer\neingelassene Schilder mit Namen und Meterangaben sind Spendentafeln,\nReminiszenz an den Wiederaufbau des \u00f6stlichen Teils der Stadt nach\nBombenangriff (1945).&nbsp; Durch Intervention\ndes amerikanischen Staatssekret\u00e4rs im letzten Moment zweiter Angriff und damit\nkomplette Zerst\u00f6rung verhindert. <\/p>\n\n\n\n<p>Rathaus Doppelbau aus hinterem,\nget\u00fcnchtem gotischem Teil (Giebel zur Seite) und zum Marktplatz ausgerichteten\nRNS-Teil aus Sandstein. Vor der Fassade barocke Arkaden und aufgesetzter Turm. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Stadtrand Kirche der\nSch\u00e4ferbruderschaft mit ungew\u00f6hnlichem Patrozinium, Wolfgang, (Patron der\nSch\u00e4fer) und ungew\u00f6hnlicher Struktur: teils sakraler Bau, teils milit\u00e4rischer\nBau mit Kasematten und Wehrgang auf dem Dachboden! <\/p>\n\n\n\n<p>Baumeisterhaus: Patrizierhaus (XVI) am\nMarkt mit Giebel und Sandsteinfiguren in zwei Reihen, stellen abwechselnd\nLaster und Tugenden dar, u.a. Mann mit Bierbauch f\u00fcr V\u00f6llerei.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur K\u00fchlung entnimmt ein einziges AKW in\nFrankreich den Fl\u00fcssen 500 Millionen Liter Wasser t\u00e4glich!<\/p>\n\n\n\n<p>Rothenburg hat Kennzeichen des\nungeliebten Ansbachs. <\/p>\n\n\n\n<p>6. August (Mittwoch)<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Station auf dem Radweg Colmberg\n(Ortseingangschild \u201eMarkt Colmberg\u201c). Dort den kurzen, steilen Aufstieg zur\nBurg. Kam (XII) an Zollern, die der Kaiser sp\u00e4ter f\u00fcr ihre Hilfe mit\nBrandenburg belehnte. Heute in Privatbesitz, von einem \u00f6rtlichen Gastronomen\n\u00fcbernommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Weg eher langweilig. Wenig\nabwechslungsreiche Landschaft ohne jede Besonderheit und etwas eint\u00f6nige\nStreckenf\u00fchrung. Am Wegesrand Hinweisschild nach H\u00fcrbel am Rangen (?). <\/p>\n\n\n\n<p>Ausl\u00e4ndisch klingender Name Rezat\n(Rezat-Stadion) Name eines Flusses. <\/p>\n\n\n\n<p>Erstes Etappenziel Ansbach. Hotel B\u00fcrgerpalais\nstimmiges Pendant zur benachbarten Residenz, mit geschwungen eingefassten\nSpiegeln und Lampen, Portraits an den W\u00e4nden und langen, verzierten Vorh\u00e4ngen,\nalles in dezentem Beige und Zartrosa.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch das Sumpfgebiet der Rezat keine\nAusdehnung jenseits der Stadtbefestigung m\u00f6glich. Deshalb neue Staudtmauern auf\nalte gesetzt. Tore und ein kleines St\u00fcck erhalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Tore barockisiert. An einem, zur\nLandseite hin, eine Folge von ineinander \u00fcbergehenden, barocken Bauten von\ngleicher Geschossh\u00f6he, gelbe Fassaden, so angelegt, als solle demonstriert\nwerden, wie barockes Ensemble aussehen soll. Uz-Stra\u00dfe nach Dichter\nbenannt!&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Auf gro\u00dfem Platz vor Residenz\numstrittene Pferdeskulptur, sp\u00e4ter \u00fcberall in der Stadt Skulpturen desselben\nK\u00fcnstlers gesehen, die meisten nicht sonderlich sch\u00f6n, alle schwarz und gro\u00df,\naber ein sch\u00f6ner, ausdrucksstarker Frauenkopf mit durchdringendem Blick. <\/p>\n\n\n\n<p>Moderne Doppelskulptur Kaspar Hausers,\nder hier gelebt hat, einmal als Edelmann, einmal als Findling. <\/p>\n\n\n\n<p>Platen-Geburtshaus in verstecktem Winkel\nder Altstadt, von dort zur Synagoge. Erhalten, da so eng in den Verbund der\numstehenden H\u00e4user integriert, dass Brand diesen gef\u00e4hrlich geworden w\u00e4re.\nSprachproblem: In einer kleinen Reisebrosch\u00fcre hei\u00dft es \u00fcber Ansbach, es habe\n\u201edie einzige, \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Synagoge Bayerns\u201c. Bedeutungstagendes\nKomma! <\/p>\n\n\n\n<p>Buch \u00fcber das Leben Kaspar Hausers\ngekauft \u2013 in Kaspar-Hauser-Buchhandlung! Ber\u00fchmteste literarische Fassung\nstammt von Wassermann, einem der wenigen Zeitgenossen, die vor Thomas Mann\nGnade fanden. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall drei Fische als Symbol von\nAnsbach, u.a. als Skulptur und auf Kanaldeckeln. <\/p>\n\n\n\n<p>Stadtbild gepr\u00e4gt von sch\u00f6ner\nDreiturmfassade von St. Gumbertus, mit einem merkw\u00fcrdigen barocken Anbau in\nGrau und Wei\u00df, gleich an die romanische Kirche angebaut. Kirche innen auch\nbarock umgestaltet, mit grauen h\u00f6lzernen Sitzen und Emporen auf allen Seiten.\nEbenfalls graue Kanzel gleich \u00fcber ebensolchem Altartisch im Zentrum! Dahinter\nschr\u00e4g versetzt die v\u00f6llig andersartige vorreformatorische Schwanenkapelle, mit\nmittelalterlichen Retabeln und Grabplatten vollgestopft im Gegensatz zur\nprotestantisch-kargen Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Bayern historisch kein homogenes Gebiet,\nteils Wittelsbacher, teils Agilolfinger, teils Bistum Eichst\u00e4tt, teils freie\nReichsst\u00e4dte, teils Zollern (deren Gebiet dann an Brandenburg fiel und\npreu\u00dfisch war, bevor es bayerisch wurde!), dann nochmals durch Reformation in\nzwei Lager geteilt. <\/p>\n\n\n\n<p>Das &lt;y&gt; in <em>bayerisch<\/em> wurde\nerst von Ludwig I. aus Griechenland importiert, vorher war es <em>bairisch<\/em>.\nHans Lutz\/Roswitha Lang, <em>Altm\u00fchltal-Radweg<\/em>. Bielefeld: BVA, 2002: 10<\/p>\n\n\n\n<p>Wort <em>Mitarbeiter<\/em> f\u00fchrt auf\nfalsche F\u00e4hrte: Beispiel f\u00fcr Sprache, die Denken beeinflusst. <\/p>\n\n\n\n<p>Walter schreibt B\u00e4rbel am Mittag, als\nich schlafe und am Abend, als ich schon wieder schlafe. Sie schreibt: \u201eGr\u00fc\u00df ihn\nvon mir, wenn er mal wach ist\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>7. August (Donnerstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgen Residenz und nachher\nSchlosspark. Darin \u201eLindendom\u201c, Promenade mit mehreren Reihen parallel zur\nOrangerie verlaufenden Linden. Denkmal des Dichters Uz und unweit davon Gedenkstein\nf\u00fcr Kaspar Hauser, an der Stelle, an der der Anschlag auf ihn ver\u00fcbt wurde:\n\u201eHic occultus occulto occisus est\u201c (Hier wurde ein Unbekannter auf unbekannte\nWeise ermordet). <\/p>\n\n\n\n<p>In Residenz Kachelzimmer mit 2.800\nFayence-Kacheln, alle mit unterschiedlichen Motiven.&nbsp; Monatszimmer mit hochformatigen Gem\u00e4lden, die\nMonate darstellen. Auf einer Anrichte ein Brettspiel, das Tricktrack, der alte,\naus dem Arabischen kommende Name f\u00fcr das heutige Backgammon. Kann, wenn\nzugeklappt, f\u00fcr Dame benutzt werden. Spiegelsaal, ein sehr kleiner Raum mit\nSpiegeln an drei Seiten, die Raumeindruck vergr\u00f6\u00dfern. Unz\u00e4hlige\nPorzellanfiguren an den Spiegeln, die urspr\u00fcnglich als Kerzenhalter fungierten.\nZur Weihnachtszeit bei ge\u00f6ffneten Vorh\u00e4ngen angez\u00fcndet. Kleines get\u00e4feltes\nZimmer mit B\u00fccherschr\u00e4nken (im wahrsten Sinne) an den Seiten, kleine Bilder aus\nPorzellan, einzigartig, da mit den Rahmen zusammen gebrannt! Hochformatige\nDarstellungen der Laster in einem Zimmer, aber nur Platz f\u00fcr sechs, das siebte\nist der Spiegel zwischen den Fenstern \u2013 die Eitelkeit. Besucher wurden nicht\n\u00fcber den Flur gef\u00fchrt, sondern in das jeweilige Zimmer gef\u00fchrt. Deshalb haben\nalle Besucherzimmer eine \u201eHintert\u00fcr\u201c. Stofftapete mit Aufdruck mit Hilfe von\nArsen gr\u00fcn gef\u00e4rbt, daher der Ausdruck <em>giftgr\u00fcn<\/em>. Festsaal zweist\u00f6ckig,\nheute noch bei Bachwochen f\u00fcr Konzerte genutzt, urspr\u00fcnglich Musiker nicht im\nSaal, sondern auf Empore. <\/p>\n\n\n\n<p>Etwas interessantere Strecke, auch mal\nWaldwege. Zweimal steiler Aufstieg, einmal in einem Ort am Schwimmbad vorbei,\neinmal zu einer M\u00fchle hoch. Immer wieder Suche nach dem richtigen Weg, dazu\nZwischenstopps f\u00fcr Wasserkauf, Photographieren, Pausen, Kurzbesichtigungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Walter macht sich einen Spa\u00df daraus, bei\nSteigungen vorzufahren und oben zu warten und schon mal eine SMS zu schicken\noder Photos zu machen \u2013 u.a. von dem sich den Berg hochqu\u00e4lenden Nachz\u00fcgler! <\/p>\n\n\n\n<p>Station in Lichtenau, mit ehemaliger\nFestung, ebenerdig, aus sehr regelm\u00e4\u00dfigen Quadern. Im weiten Innenhof nur ein\neinziges Geb\u00e4ude, heute Landesarchiv. Sch\u00f6ne, einfache Schmuckformen an den\nFenstereinfassungen. Trotz der dicken Mauern nur eingeschr\u00e4nkt wehrhafter\nCharakter. <\/p>\n\n\n\n<p>Zweite Station in Wolframs Eschenbach,\nkleiner Ort mit sehr gut restaurierten H\u00e4usern, dem Geburtsort des Dichters,\ndas einfach Eschenbach hie\u00df und dann aus Werbegr\u00fcnden (Anfang XX) seinen Namen\n\u00e4nderte. Von weitem sichtbarer Kirchturm mit farbigen, glasierten Kacheln, die\nbunte, unregelm\u00e4\u00dfige Muster bilden und in der Sonne gl\u00e4nzen. Einfahrt in den\nOrt entlang der Stadtmauer. In der Kirche Grablege des Dichters, am Marktplatz\nBrunnen mit Statue des Dichters (XIX) und Zitat zum Thema Wasser aus dem\nParzival. <\/p>\n\n\n\n<p>Ornbau kleiner Ort mit vielen kleinen,\nspitz zulaufenden T\u00fcrmchen, wohl Teile der noch erhaltenen Stadtmauer, sieht\naus der Ferne fast unwirklich, wie aus einem M\u00e4rchenbuch, aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann am Altm\u00fchlsee entlang nach\nGunzenhausen. Autokennzeichen WUB = Wei\u00dfenburg. <\/p>\n\n\n\n<p>Halt am See: schreiende Babys, keifende\nEltern, quengelige Kinder, Geruch nach menschlichen Ausd\u00fcnstungen und nach\ngebrauchtem Speise\u00f6l, abgestandenes Bier auf den Tischen in der Sonne,&nbsp; h\u00e4ssliche, unf\u00f6rmige Frauen, die viel Fleisch\nzeigen, ein \u00fcberquellender Abfallkorb mit faulen Essenresten, um die sich\nSchw\u00e4rme von Insekten schlagen, Gespr\u00e4chsfetzen, die nur Triviales oder\nOrdin\u00e4res enthielten, Leute, die sich auf den wenigen Schattenpl\u00e4tzen dr\u00e4ngen\nund sich einbilden, dass sie sich vergn\u00fcgen \u2013 wer noch nicht zum Feind der\nZivilisation geworden ist, hier kann er es werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Badenden auch Sprecher einer\nslawischen Sprache. Erst an Polen gedacht, dann an die Tschechoslowakei:\nn\u00e4herliegend. Tats\u00e4chlich sp\u00e4ter \u00fcberall Faltbl\u00e4tter in Tschechisch gesehen und\nin Kipfenberg eine slowakische Bedienung gehabt.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend in Biergarten unter Turm mit\nStorchennest ein hervorragendes rustikales Schnitzel und einen hervorragenden\nFrankenwein: Bacchus <\/p>\n\n\n\n<p>8. August (Freitag)<\/p>\n\n\n\n<p>Schon vor der Abfahrt ins Schwitzen\ngeraten \u2013 beim Fr\u00fchst\u00fcck!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Aha am Stadion des 1. FC Aha\nvorbei, nach Graben und dort \u00fcber Treuchtlingen nach Pappenheim. Weiterhin in\nder prallen Sonne, an Maisfeldern und abgem\u00e4hten Kornfeldern vorbei, wenig\nAbwechslung, kaum Schatten. Ganz kurzer Halt an einer Baumreihe: Schatten,\nWasser und ein bisschen Wind durch die Bl\u00e4tter \u2013 himmlisch! Am Stra\u00dfenrand,\nv\u00f6llig alleinstehend, ein wunderbarer Baum (Kastanie?), mit m\u00e4chtigem Stamm,\ndichtem Blattwerk, ganz gerade gewachsen. <\/p>\n\n\n\n<p>In Graben Halt an einem T\u00fcmpel, der\nvollst\u00e4ndig mit Moos bedeckt war und bei unbewegtem Wasser wie eine ganz sauber\ngeschnittene Rasenfl\u00e4che aussah \u2013 Kinder haben das Bed\u00fcrfnis, Steine\nhineinzuwerfen, um zu sehen, ob es wirklich Wasser ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Von dort kurzer Fu\u00dfweg durch den Wald\nzur Wasserscheide, von der aus das Wasser in einer Richtung in die Nordsee, in\nder anderen ins Schwarze Meer flie\u00dft! Auf dem Weg pl\u00f6tzlich ganz allein\ninmitten hoher B\u00e4ume auf einem gewundenen, langsam ansteigenden Torfweg, kleine\nLichtflecken der durch die Bl\u00e4tter dringenden Sonne auf dem Boden, kleine\nHimmelsflecken durch das dichte Laubwerk zu sehen, Stille bis aufs Rascheln im\nGeb\u00fcsch und entfernte Vogelstimmen, kein Mensch weit und breit &#8211; und pl\u00f6tzlich\nrauscht ein IC vorbei, keine 100 Meter weiter. <\/p>\n\n\n\n<p>Pappenheim mit m\u00e4chtiger, hoch gelegener\nBurg. \u201eIch kenne meine Pappenheimer\u201c urspr\u00fcnglich positiv gemeint, nicht\nSchlitzohrigkeit, sondern Treue und Zuverl\u00e4ssigkeit ausdr\u00fcckend: Wallenstein\nsagt es zum General der Pappenheimer, die gekommen sind, um sich pers\u00f6nlich zu\n\u00fcberzeugen, ob Wallenstein auf die schwedische Seite wechseln will statt den\nGer\u00fcchten Glauben zu schenken und dem Kaiser blinden Gehorsam zu leisten, der\nangeordnet hatte, alle sollten sich von Wallenstein l\u00f6sen. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Antwort des Lindenwirts in\nPappenheim auf die Frage, wo man Mineralwasser kaufen k\u00f6nne, Walters Hilfe als\nDolmetscher in Anspruch nehmen m\u00fcssen \u2013 wir m\u00fcssen wohl in Bayern sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Weiter sauge ich Wasser wie ein Schwamm\nauf: \u00bd Liter w\u00e4hrend der Fahrt, 1 Liter bei der Pause in Treuchtlingen, 1\u00bd Liter\nbei der Mittagspause in Pappenheim.<\/p>\n\n\n\n<p>Stra\u00dfenbelag Kiesel, Hartsand, Asphalt\nund gelegentlich auch unbefestigte Waldwege. <\/p>\n\n\n\n<p>In Treuchtlingen zum ersten Mal die\nAltm\u00fchl gesehen, sofort sehr sch\u00f6ner, schattiger Weg am Flussrand, aber bald\nschon wieder geht es ab in die Pampa. <\/p>\n\n\n\n<p>Sehr sch\u00f6nes Panorama die \u201e12 Apostel\u201c,\neine Felsgruppe. Riesige Felsen, die aber nicht zusammenstehen, sondern einzeln\nin der Landschaft herumstehen, als ob eine Riese mit ihnen gew\u00fcrfelt h\u00e4tte. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Einfahrt ins katholische\nEichst\u00e4tt l\u00e4sst Bruder Walter, die Arschbacken leicht zur Seite anhebend, einen\nFurz los \u2013 genau auf der H\u00f6he eines Kreuzstocks. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend in einem Biergarten mit\nStofftischdecken und Kerzen, dem genauen Gegenteil des rustikalen Biergartens\nvon gestern, ein erstklassiges Hirschragout mit einem Trollinger.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>9. August (Samstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Warum sind 60 Kilometer nur so weit, und\nwarum dauert es so lange? Man muss immer wieder stehen bleiben, um nach dem Weg\nzu suchen \u2013 Ortsangaben wechseln, Beschreibungen sind nicht immer eindeutig\n(Hei\u00dft \u201eder Stra\u00dfe nach\u201c geradeaus oder rechts, wenn die Vorfahrt abbiegt?),\nRoutenbezeichnungen \u00e4ndern sich, Schilder fehlen \u2013 man muss zur Verpflegung in\ndie Orte fahren (am Rand des Weges gibt es selten etwas), man macht auch den\neinen oder anderen freiwilligen Umweg, man macht k\u00fcrzere Besichtigungen, man\nmacht Pausen, und wenn man f\u00e4hrt, hat man entweder eine schlechte Fahrbahn oder\nes geht bergauf oder man hat Gegenwind, oder alles zusammen, und immer ist es\nhei\u00df, und dazu tut die Hand weh und die Schulter und der Hintern. <\/p>\n\n\n\n<p>Eichst\u00e4tt: Blick auf die barockisierte\nWestfassade des Doms von der Spitalbr\u00fccke aus, Werk Gabrielis, der hier \u00fcberall\nbeteiligt war. Dahinter die gotischen T\u00fcrme der Kirche. <\/p>\n\n\n\n<p>Dom mit reicher Innenausstattung,\n\u00fcberall Skulpturen, Alt\u00e4re, Reliefs, Bildtafeln. Der Westchor allein wie eine\nvoll eingerichtete Kirche, u.a. eine gotische Madonna mit einem mit einer\nSchriftrolle spielenden Kind. Sogar eine monumentale Kreuzigungsgruppe direkt\ngegen\u00fcber dem Eingang kann man angesichts der F\u00fclle \u00fcbersehen, <\/p>\n\n\n\n<p>Im n\u00f6rdlichen Seitenschiff eine\nvielfigurige Kreuzigungsszene mit Stadtansichten von N\u00fcrnberg und Venedig im\nHintergrund und einer merkw\u00fcrdigen Gruppe ringender M\u00e4nner in bewegter Szene im\nVordergrund. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann zum weiten Residenzplatz mit zwei\nBrunnen und mit einer Vielzahl barocker Wohnh\u00e4user und dem S\u00fcdfl\u00fcgel der\nerweiterten Residenz mit Schilderh\u00e4uschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann durch den Park vorbei an der Uni in\nder ehemaligen Orangerie und zum Stadtpark an der Altm\u00fchl, mit \u00fcppiger\nVegetation an beiden Ufern, wo die Weiden bis ins Wasser reichen. <\/p>\n\n\n\n<p>Halt an einer Kirche in Walting, an der\nes einen Karner gibt, d.h. ein Gebeinhaus, mit sorgf\u00e4ltig nebeneinander\naufgereihten Sch\u00e4deln. Die Gr\u00e4ber mussten wegen des knappen Bodens in kurzen\nAbst\u00e4nden ausgehoben werden, und die Gebeine wurden in den Karner \u00fcberf\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Kleine einschiffe Kirche oberhalb von\nGungolding mit erstaunlich reicher, stilreiner barocker Ausstattung. Au\u00dfen\nromanisch, aber mir barocken Fenstern, Turmgeschosse und Fenstereinfassungen\nrostbraun vom wei\u00dfen Grund abgesetzt und die die Joche trennenden Pilaster\neinfach t\u00e4uschend echt aufgemalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Pause in sch\u00f6nem Gasthof \u201eZum Limes\u201c\n(mit altem Grenzstein am Eingang) in altem ockerfarbigem Fachwerkhaus in\nKipfenberg, dem geographischen Mittelpunkt Bayerns. Erstaunlich: Man glaubt,\nweiter im Osten zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>In Bayern kann man von Walting \u00fcber\nKinding und Essing nach Sinzing fahren, wenn man keinen Abstecher nach Berching\nmachen will oder es einen nach Schwabing zieht. <\/p>\n\n\n\n<p>Pause in Beilngries. Lag am Schnittpunkt\nmehrerer Handelswege und war gern besuchte Raststation, heute noch \u00fcberall\nGasth\u00e4user. Entlang der Stra\u00dfe viele sch\u00f6ne Giebelh\u00e4user und an der Ecke\nmonumentales Rathaus mit hohem Dach.&nbsp; In\nder N\u00e4he das \u00e4lteste Wohnhaus (XVI), mit Giebel voller Blendarkaden, aus grauem\nNaturstein, leider schlecht erhalten. <\/p>\n\n\n\n<p>In M\u00fchlbach ein Plakat zum Altm\u00fchltal mit\nder handschriftlichen Hinzuf\u00fcgung: \u201eInformation bei die Wirtsleut\u201c. Rechtzeitig\nzur Sportschau in Riedenburg. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Ankunft in Riederburg\nGelegenheit zum Kneippen in dem gleich vor der Pension gelegenen Bach.\nEiskaltes Wasser trotz der anhaltenden Hitze. Zu kalt, um angenehm zu sein,\naber nachher f\u00fchlt man sich wie neugeboren.&nbsp;\n<\/p>\n\n\n\n<p>Seit heute sogar mit speziellen\nFahrradhandschuhen gefahren und damit endg\u00fcltig den Kampf gegen die\nL\u00e4cherlichkeit aufgegeben. <\/p>\n\n\n\n<p>10. August (Sonntag)<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterfahrt Richtung Kehlheim, vorbei an breiter, sch\u00f6n\ngeschwungener moderner Holzbr\u00fccke, einer Meisterleistung der Technik, die\nAltm\u00fchltal und Umgehungsstra\u00dfe \u00fcberspannt und sich elegant in die Landschaft\neinf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Altm\u00fchl der einzige (gr\u00f6\u00dfere) Fluss, der nach S\u00fcdosten\nflie\u00dft. Fr\u00fcher h\u00e4ufige \u00dcberschwemmungen, fruchtbar, aber auch sch\u00e4dlich, jetzt\nkanalisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kehlheim erfahren, dass Schifffahrt\nzum Donaudurchbruch und zum Kloster Weltenburg nicht stattfindet \u2013\nNiedrigwasser. So verpassen wir auch die am meisten ger\u00fchmte Natursch\u00f6nheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Fahrt durch Kehlheim gut\nsichtbar oben auf dem Berg liegende runde, gelbe Befreiungshalle, sehr\numstritten, aber imposant. Wenn Bau der Befreiungshalle \u00e4sthetisch umstritten,\npolitisch geradezu aberwitzig, gerade Bayern hatte sich in siegreichen Tagen\nauf Napoleons Seite geschlagen und baut dann, als er zum Verlierer wird, ein\nDenkmal aus Dankbarkeit f\u00fcr seine Niederlage.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ort ein Denkmal f\u00fcr Ludwig I.,\nErbauer der Befreiungshalle. Starb an einem 29. Februar! <\/p>\n\n\n\n<p>Pause im \u201eWei\u00dfen Brauhaus\u201c, einer der\n\u00e4ltesten Brauereien Deutschlands. Ortsname Kehlheimwinzer deutet noch auf\nfr\u00fcheren Weinanbau in der Gegend hin. Grund: Bier gab es nur bis zum\nFr\u00fchsommer, man konnte es nicht lange genug k\u00fchl lagern. Dann gab es immer\ntiefere Keller und bessere K\u00fchlmethoden, und schlie\u00dflich gab es Bier das ganze\nJahr \u00fcber, und das verdr\u00e4ngte den Wein! S. 146<\/p>\n\n\n\n<p>Regensburg. Noch vor der Fahrt ins Hotel\nein Eis auf der Hand auf einem zentralen Platz. Obwohl es 48 Sorten Eis gibt,\ngelingt es mir, f\u00fcr meine eine Kugel genau das zu bestellen, was es nicht gibt:\nMokka!<\/p>\n\n\n\n<p>Unterbringung in Parkhotel Maximilian,\neinem gro\u00dfz\u00fcgigen Rokokogeb\u00e4ude mit Schmuckwerk, vor allem an der Seite.\nRiesiges Erkerzimmer, lange Flurfluchten mit dezenter indirekter Beleuchtung,\nhohe G\u00e4nge, und Zimmernummern in Medaillons mit Rocaillen. <\/p>\n\n\n\n<p>Salzstadel, 1616 erbaut, an der\nSteinernen Br\u00fccke, traditioneller Umschlagplatz f\u00fcr das Salz, das aus Hallein\nund Reichenhall kam. \u00dcber den Inn nach Passau und dann in Treidelz\u00fcgen nach\nRegensburg. Geb\u00e4ude existiert noch und Gasthof hat noch denselben Namen.\nKonkurrenz zwischen der Freien Rechtsstadt auf dieser Seite des Ufers und dem\nStaat Bayern auf der anderen.&nbsp; Die\nWittelsbacher versuchten sogar, die Donau umzuleiten, um den Salzhandel f\u00fcr\nBayern zu sichern!<\/p>\n\n\n\n<p>11. August (Montag)<\/p>\n\n\n\n<p>Regensburg sehr fr\u00fch besiedelt\n(Weizenanbau). Stadtgr\u00fcndung (durch Steintafel dokumentiert) unter Marc Aurel\nmit Errichtung eines gro\u00dfen R\u00f6merkastells mit 6.000 Soldaten. Nach Abzug der\nR\u00f6mer von Vorfahren der Baiern, Bajuwaren, urspr\u00fcnglich vermutlich aus B\u00f6hmen\nkommend, besiedelt, Hauptstadt des Herzogtums (500-1200).&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>1245 Freie Reichsstadt und 1660 Sitz des\nImmerw\u00e4hrenden Reichstags. Erlangte Freiheit durch Friedrich II., der in\nKonflikt mit dem Papst und dem Kanzler lag, dem Landesherrn von Regensburg.\nBesonderheit: Als Stadt protestantisch wurde, blieb Dom katholisch. Erst unter\nNapoleon zu Bayern! Im Gegensatz zu N\u00fcrnberg, W\u00fcrzburg oder Dresden gab es\nkeine Kriegszerst\u00f6rungen in der Stadt. Hat heute 140.000 Einwohner und 20.000\nStudenten. <\/p>\n\n\n\n<p>Rathaus Komplex aus mehreren Bauten, am\nEingang die der Freien Reichsstadt zustehenden stadteigenen Ma\u00dfe f\u00fcr Elle und\nFu\u00df (entspricht heutiger Schuhgr\u00f6\u00dfe 46 &gt; man \u201elebte auf gro\u00dfem Fu\u00df\u201c). <\/p>\n\n\n\n<p>Dahinter Haus \u201eRoter Herzfleck\u201c, d.h.\nBordell, denn Prostituierte trugen als Berufskennzeichnung einen roten\nStoffflecken auf der Brust. Durch st\u00e4dtische Abgeordnete und\nReichstagsdelegierte gute Gesch\u00e4fte. <\/p>\n\n\n\n<p>Stein mit j\u00fcdischer Inschrift so in\n\u00dcbergang zwischen Rathausteilen eingebaut, dass man darauf heruml\u00e4uft, Ausdruck\nder Verachtung. Juden wurden nach Maximilian Tod ausgewiesen (1519, zu Beginn\ndes Niedergangs Regensburgs!) und bekamen nur f\u00fcnf Tage Aufschub. Die meisten\nlie\u00dfen sich einfach am anderen Ufer, d.h. einem anderen Territorium, nieder,\naber auch da wurden sie 40 Jahre sp\u00e4ter ausgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Glanzzeit ab 1245, 30 Patrizier,\nMultimillion\u00e4re der Zeit, Reichtum durch Fernhandel: Pferde und Gold aus\nUngarn, Silber aus B\u00f6hmen, Pelze und Leder aus Kiew, aus Venedig Luxuswaren\n(Seide, Damast, und Samt \u00fcber Seidenstra\u00dfe aus China), Gew\u00fcrze, S\u00fcdfr\u00fcchte\n(Rosinen, Maulbeeren), Weihrauch, Myrrhe. Sichtbares Zeichen des Reichtums\nPatrizierh\u00e4user wie das der Runtinger, einer der reichsten Handlesfamilien\n(XIV). Sohn zur Ausbildung in Italien, brachte doppelte Buchf\u00fchrung mit, B\u00fccher\nerhalten, wichtige Dokumente der Zeit, zeigen aber auch, dass Steuern\nhinterzogen wurden! Patrizierh\u00e4user so angelegt, dass sie autark waren: eigener\nKeller, eigener Speicher, eigene Kapelle, eigener Festsaal, eigener Turm, durch\nTore zur Stadt hin abgeschlossen.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg sehr verarmt, 40.000\nFl\u00fcchtlinge, Stadtsanierung statt Abriss aus Geldmangel, wie Bamberg und\nL\u00fcbeck: \u201eArmut ist die beste Denkmalpflege\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Weingasse hei\u00dft so, weil \u00fcber sie\nvon der Donau die Weinf\u00e4sser in die Stadt gerollt wurden. Viele alte\nSteinh\u00e4user (steinreich), aber auch Fachwerk, das allerdings unter Putz \u2013 man\nwollte was gelten. Zwischen den H\u00e4usern enge Gassen, und Schwibb\u00f6gen als\nSt\u00fctze.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiteres Patrizierhaus abseits des\nHaidplatzes, das Dittmer-Palais. Weiter Innenhof mit dreigeschossigen\nRenaissancearkaden. An einer Wand schmaler Uhrerker, an dessen Fu\u00df ein\nLiebespaar ausgemei\u00dfelt ist: Ein b\u00e4rtiger Alter streicht einem jungen M\u00e4dchen,\nvor dem er kniet, z\u00e4rtlich \u00fcbers Haar. Hof war bis vor kurzem Hauptsitz der\nFeuerwehr, die sich von hier durch die engen Stra\u00dfen qu\u00e4len musste. Jetzt nach\nVerkehrsberuhigung verlegt. <\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6ne doppelte Verneinung (\u201eWe don`t\nneed no education\u201c) in der hiesigen Variante des Bayerischen: \u201eWoar ach koane Verkehrsberuhigung\nnett\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Haidplatz selbst gro\u00dfer dreieckiger\nPlatz mit Reminiszenzen an Italien, besonders bei so gutem Wetter. Tats\u00e4chlich\nviele italienische Touristen. Gro\u00dfer grauer Wohnturm mit Fenster\u00f6ffnungen in\nsieben Stockwerken, Fenster aber nur im ersten und zweiten Stockwerk, alles\nandere nur Ostentation des Reichtums, reiner Schein, hat lediglich den Zweck,\nauf andere \u201eherabschauen\u201c zu k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Gasthof \u201eZum Goldenen Kreuz\u201c, schon in\nfr\u00fcher Neuzeit bester Gasthof der Stadt. Hier logierte Karl V.. Zur Ablenkung\nvon politischen Sorgen und zur Tr\u00f6stung des Witwers mit Regensburger\nB\u00fcrgerm\u00e4dchen versorgt worden. Ergebnis: Juan de Austria. <\/p>\n\n\n\n<p>Weiter Richtung Dom weiterer Wohnturm,\nBaumburgerturm, rot, mit stets anderen Fensterformen in jedem der sechs\nStockwerke und, im zweiten Stock, Loggia nach italienischem Vorbild, von der\naus Waren, u.a. Teppiche, pr\u00e4sentiert wurden, die dann von reichen B\u00fcrgern\ngekauft werden konnten.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Stadteinw\u00e4rts das zinnenbekr\u00f6nte\nGoliathhaus, mit monumentalem Fresko mit Darstellung des Kampfes mit David an\nder Fassade, in den freien Fl\u00e4chen zwischen den unregelm\u00e4\u00dfigen Fenstern.\nGoliath scheint den linken Arm l\u00e4ssig auf einen der Fenstergesimse aufzulehnen.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Porta Praetoria: Teil eines ehemaligen\nr\u00f6mischen Stadttors. Stra\u00dfenverlauf im Zentrum z.T. heute noch auf r\u00f6misches\nMuster zur\u00fcckzuf\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<p>Steinerne Br\u00fccke (XII), Wahrzeichen\nRegensburgs, damals als Wunder bestaunt, einzige steinerne Br\u00fccke \u00fcber die\nDonau zwischen Ulm und Wien. Verbindet Stadt mit Stadtamhof am Nordufer und war\ngleichzeitig \u201eL\u00e4ndergrenze\u201c zwischen Reichsstadt und Land. Urspr\u00fcnglich drei\nT\u00fcrme, zur Kontrolle und zum Schutz, davon nur Schuldturm auf Stadtseite\nerhalten, in dem s\u00e4umige Schuldner inhaftiert wurden. Br\u00fccke ruht auf\nRundpfeilern, die wiederum auf kleinen Inseln gr\u00fcnden, zum Schutz vor\nUntersp\u00fclung und Eisgang. Das aber verengt den Durchgang und erzeugt heftige\nStrudel, die gef\u00e4hrlich sein k\u00f6nnen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\n<\/p>\n\n\n\n<p>Dom kleiner Bruder des K\u00f6lner Doms (85\nMeter lang, K\u00f6lner Querschiff ist 85 Meter breit), aber zum gro\u00dfen Teil, bis\nauf Turmhelme und Seitenportale (XIX) und kleinere Teile, im Mittelalter\nfertiggestellt. Dennoch f\u00fcr Stadt viel zu gro\u00df, Einwohner passten dreimal\nhinein!<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Bauzeit, immer wieder\nunterbrochen, daf\u00fcr erstaunlich einheitlich. Drei Geschosse mit sehr hohen\nArkaden, Wandelgang im Triforium, breite B\u00fcndelpfeiler.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Westen Reiterstatuen von St. Georg\nund St. Martin als Besch\u00fctzer der Kirche zu beiden Seiten des Portals, den\nEingang bewachend, aber auch zwei kleinere Figuren, die Teufel und seine\nGro\u00dfmutter darstellen sollen. Abschreckende Wirkung: Wenn Teufel reinkommt und\nsein eigenes Ebenbild sieht, erschrickt er und tritt die Flucht an. <\/p>\n\n\n\n<p>Mittelalterliche Kirchenfenster des\nChors, kleinteilig, erhalten, da im Krieg ausgelagert, aber andere, im\nSeitenschiff, zerst\u00f6rt, aber nicht von Gegnern, sondern als Nazis in\nVerzweiflungstat 15 Tage vor Kapitulation zwei Pfeiler der Steinernen Br\u00fccke\nsprengten! Durch moderne Fenster ersetzt (XX). Dazu Fenster im Westen (XIX),\nkein Mosaik aus farbigem Glas, wie im Mittelalter, sondern bemaltes Glas. <\/p>\n\n\n\n<p>Orgel nicht zu sehen, da sie in der von\nLudwig I. finanzierten \u201eReinigung\u201c der Kirche nicht zum \u201emittelalterlichen\u201c\nErscheinungsbild passte, daher hinter dem Altar versteckt. Auch erhalten der barocke\nAltar, da er zum Kirchenschatz geh\u00f6rte und au\u00dferhalb der Reichweite des K\u00f6nigs\nlag, und barockes Denkmal im Mittelschiff, da Dargestellter ein Vorfahre des\nK\u00f6nigs.&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Im Seitenschiff, erstaunlicherweise, ein\nBrunnen (mit Relief von Jesus am Jakobsbrunnen). Grund: befand sich\nurspr\u00fcnglich au\u00dferhalb des damals schmaleren Doms, bleib dann bei Erweiterung\nstehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfen mit zwei verschiedenen Steinen\ngebaut, wahllos nebeneinander, gr\u00fcnlicher Sandstein und heller Kalkstein.\nSandstein zerbr\u00f6ckelt, alle Steine m\u00fcssen einer nach dem anderen ersetzt\nwerden!<\/p>\n\n\n\n<p>Im Osten Teil des karolingischen Doms\nerhalten sowie \u201eEselsturm\u201c als Teil des Nachfolgers, angeblich, weil Esel\nbenutzt wurden, um Baumaterial nach oben zu transportieren, tats\u00e4chlich\nvolksetymologische Ableitung aus lat. <em>aesulum<\/em>, \u201aAufzug\u2019!<\/p>\n\n\n\n<p>Dom umzingelt von weiteren Sakralbauten,\ngleich nebenan barocke Kirche St. Johann, gleich dahinter St. Ulrich, jetzt\nMuseum, im Kreuzgang die Allerheiligenkapelle und die Stephanuskapelle,\ndahinter die Niederm\u00fcnsterkirche und die Erhardskapelle, ein bisschen rechts\ndavon das Karmeliterkloster St. Josef und die riesige Alte Kapelle, alles ein\npaar Schritte vom Dom entfernt.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber dem Dom Haus Heuport, heute\nGastst\u00e4tte, dem pr\u00e4chtigsten B\u00fcrgerhaus der Stadt. Gotische Fenster des\nFestsaals an der Ostfront kleines Gegenst\u00fcck zu gotischen Fenstern der\nWestfront des Doms. Im Treppenhaus mit gewundener breiter Steintreppe zwei\nkleine Figuren: die t\u00f6richte Jungfrau, die sich l\u00e4chelnd ihrem Freier n\u00e4hert.\nDer ist in Wirklichkeit der Satan, aus dessen R\u00fccken Schlangen, Ratten und\nKr\u00f6ten hervorquellen. <\/p>\n\n\n\n<p>Rathaus: Zugang zum Reichssaal durch sp\u00e4tgotisches Portal\nmit den stadtbekannten Figuren \u201eSchutz\u201c und \u201eTrutz\u201c. H\u00e4ufige Reichstage,\n\u201eChristentag\u201c (1471) schon der 45. in Regensburg abgehaltene, ab 1663 dann Sitz\ndes Immerw\u00e4hrenden Reichstags. F\u00fcrsten erschienen seitdem nicht mehr selbst,\nsondern lie\u00dfen sich vertreten: Gesandtenkongress.<\/p>\n\n\n\n<p>Beratungszimmer wurden w\u00e4hrend der Reichstage Kurf\u00fcrsten\n\u00fcberlassen. Erster Saal holzvert\u00e4felt, aber noch m\u00e4chtige mittelalterliche\nFensterb\u00e4nke (im w\u00f6rtlichen Sinn). In der Mitte stand runder, gr\u00fcner Tisch,\ndaher angeblich der Ausdruck \u201eetwas am gr\u00fcnen Tisch entscheiden\u201c\n(vorsichtshalber heute eine gr\u00fcne Tischdecke draufgelegt). Zweiter Saal durch\nDoppelt\u00fcren und dicke Mauern abh\u00f6rsicher gemacht. <\/p>\n\n\n\n<p>Reichssaal, Saal f\u00fcr die \u201eVollversammlung\u201c, hier wurden\nvon drei St\u00e4nden die unabh\u00e4ngig getroffenen Entscheidungen verk\u00fcndet: Kaiser\nvorne auf dem Thron (um vier Stufen erh\u00f6ht)&nbsp;\nKurf\u00fcrsten daneben (zwei Stufen), Reichsf\u00fcrsten in den Reihen (eine\nStufe) und alle anderen auf B\u00e4nken entlang der W\u00e4nde. Daher angeblich der\nAusdruck \u201eetwas auf die lange Bank schieben\u201c. Heftige Wortgefechte zur Zeit der\nReformation zwischen Protestanten und Katholiken: Eck machte Melanchthon auf\nden Ursprung seines Namens aufmerksam, (\u201adunkle Erde\u2019), was ja wohl Dreck\nbedeute, Melanchthon fragte Eck, wie man seinen Namen lese, wenn man den\nDoktortitel dazunehme.&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Im Keller \u201eFragestube\u201c, d.h. Folterkammer, in der\nVerd\u00e4chtige in fensterlosen R\u00e4umen von zwei durch Holzgitter verborgenen\nRichtern \u201ebefragt\u201c wurden. Der \u201eWahrheitsfindung\u201c dienten ingeni\u00f6se\nFolterinstrumente: eine Vorrichtung, mit der die Gelenke in die L\u00e4nge gezerrt\nwurden (\u201eSchlimme Liesel\u201c), ein scharfkantiger Holzscheit, auf den man mit\nGewicht an den Beinen gesetzt wurde (\u201eSpanischer Reiter\u201c), ein Stuhl mit\nspitzen Stahlkegeln (\u201eJungfrauensitz\u201c). Vergleichsweise harmlos Schandmasken\nund Halsgeige, Holzgestell, mit dem z\u00e4nkische Frauen \u201eaneinadergekettet\u201c wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Salzwaage: gro\u00dfes, schweres Eisenger\u00fcst mit Ketten und\nWaagschalen, mit dem \u00f6ffentlich gewogen wurde, erstaunlich pr\u00e4zise, reagiert\nsogar auf ein Paket Tempot\u00fccher! Eisenspitze in der Mitte neigt sich dann zur\nSeite, das \u201eZ\u00fcnglein an der Waage\u201c.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend in Lokal am Fischmarkt, in der N\u00e4he der Statue\nvon Juan de Austria. Dort Roggenbier getrunken, \u201eVollkornbier\u201c sozusagen,\nschmeckt nach Alt und sieht aus wie K\u00f6stritzer. <\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferhalb der Innenstadt St. Jakob, die\nSchottenkirche, die so hei\u00dft, weil sie von Iren gegr\u00fcndet wurde (vgl.\nL\u00fcftlmalerei, Schweinhund, Tintenfisch usw.). Ging paradoxerweise sp\u00e4ter\nwirklich auf schottische Benediktinerm\u00f6nche \u00fcber, als auch das Wort auf die\nSchottl\u00e4nder \u00fcberging (XVI)! <\/p>\n\n\n\n<p>Entsteht im Laufe der durch irische\nBenediktiner eingeleiteten (XI) zweiten Welle von irischen Klostergr\u00fcndungen in\nDeutschland. Hochromanische dreischiffiger Basilika (XII), schmal, steil und\nlang, an Hildesheim erinnernd, mit Empore im Westen, erh\u00f6htem M\u00f6nchschor und\nflacher Decke.&nbsp; Besonderheit die\nreichskulptierten Kapitelle im Langhaus, floral (Trauben, Schoten, Beeren),\ngeometrisch (Kette, Flechtband usw.). fig\u00fcrlich (Adler, L\u00f6we, Krokodil,\nb\u00e4rtiger Tiermensch, geschuppter Vogelmensch). Christologische Bedeutung nach <em>Physiologus<\/em>,\nHauptquelle mittelalterlicher Tierdarstellungen: <\/p>\n\n\n\n<ul><li>Adler: fliegt am h\u00f6chsten, wagt\nals einziger, in die Sonne zu schauen, erhebt sich \u00fcber alle Menschen<\/li><li>L\u00f6we: hat macht \u00fcber den Tod,\nerweckt seine totgeborenen Jungen nach drei Tagen zum Leben, schl\u00e4ft mit\noffenen Augen <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Besonders bedeutend Schottenportal,\nheute von einem Vorbau aus Glas gesch\u00fctzt. R\u00e4tselhafte Darstellungen, von denen\nnicht einmal klar ist, ob sie positiv oder negativ zu deuten sind:\nl\u00f6wenschlingender Drache, eine eine Kugel verschlingende Figur usw. Deutung\nbesch\u00e4ftigte schon Brentano.<\/p>\n\n\n\n<p>12. August (Dienstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Zug (dreimal Umsteigen!) von\nRegensburg nach Rothenburg. Geht schneller als mit dem Fahrrad. <\/p>\n\n\n\n<p>Name Rothenburg geht auf Rodenburg\nzur\u00fcck, ob der Tauber hei\u00dft \u00fcber der Tauber. War Freie Reichsstadt und eine der\nzehn gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte im alten Reich (6.000)! Heute gerade 12.000, davon nur ein\nDrittel in der historischen Altstadt. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eAuthentizit\u00e4t\u201c wird peinlich\ngeachtet. Die Laternen an der Rathausfassade sind keine Laternen, sondern\nverkappte Lautsprecher! Nur bestimmte Materialien, z.B. Holz oder Gusseisen,\nd\u00fcrfen f\u00fcr Ausleger und Schilder verwendet werden. McDonalds verlor einen\nlangwierigen Prozess, weil sie sich das Recht erstreiten wollten, Neonreklame\nzu benutzen. <\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4chtiges Rathaus, das auch der\nZurschaustellung des Reichtums diente. Zwei Rathaush\u00e4lften, hinterer Teil\ngotisch, vorderer Teil (nach Brand des gotischen Vorh\u00e4ngerbaus) Renaissance mit\nhinzugef\u00fcgtem barockem Laubengang. Langgestreckte Fassade zum Rathausplatz, mit\nTurm, der Horizontale unterbricht und Schieferdach mit drei Reihen Dachgauben\nteilt. Auch gotischer Teil mit Turm, ohne eigenes Fundament, als Folge davon im\nLaufe der Jahrhunderte schon betr\u00e4chtlich gesunken, angeblich um mehrere Meter.<\/p>\n\n\n\n<p>An der anderen Seite des Platzes die\nRatstrinkstube, ein Haus mit pr\u00e4chtiger Fassade, in der sich zu bestimmten\nZeiten zwei Fenster \u00f6ffnen, die zwei Figuren freigeben, davon eine mit einem\nKrug, eine Anspielung auf eine Legende, derzufolge ein Ratsherr die Stadt im <\/p>\n\n\n\n<p>30-j\u00e4hrigen Krieg vor der Zerst\u00f6rung\nbewahrte, indem er, von Tilly, dem Feldherrn der Belagerer, herausgefordert,\neinen Krug mit 13 Schoppen Wein (mehr als drei Liter) in einem Zug leerte. <\/p>\n\n\n\n<p>Zur Seite das ehemalige st\u00e4dtische\nFesthaus, \u201eZum Wilden Mann\u201c, so genannt nach den Balken des Fachwerks, die eine\nsolche Figur andeuten. Fachwerk braun, da mit Ochsenblut impr\u00e4gniert, zum\nFeuerschutz und zur Konservierung. Tanzsaal im Obergeschoss (die Patrizier\ntanzten, im Gegensatz zum Volk, nicht in der \u00d6ffentlichkeit). <\/p>\n\n\n\n<p>Davor sch\u00f6n verzierter Georgsbrunnen mit\nDarstellung des volkst\u00fcmliche Sch\u00e4fertanzes (jetzt auch wieder aufgef\u00fchrt).\nBrunnen, mit acht Metern Tiefe und 100.000 Litern Fassungsverm\u00f6gen, nicht nur\nZierde, sondern f\u00fcr auf einem H\u00fcgel liegende Stadt wie Rothenburg lebenswichtig,\nals Trinkwasser und als L\u00f6schwasser. Er gab 40 Brunnen in der Stadt!&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Davor fr\u00fcher Pranger, Stock, Schandpfahl\nund, in den Worten der anachronistisch denkenden Stadtf\u00fchrerin\n(Zahnmedizinstudentin!) andere mittelalterliche Justizvollstreckungsinstrumente\nwie die Guillotine! <\/p>\n\n\n\n<p>Am Portal des Lichthofs, der\nGeb\u00e4udeteile des Rathauses verbindet, die stadteigenen Masse f\u00fcr Rute, Elle,\nSchuh und Klafter. Die feuersicheren Gew\u00f6lbe dahinter wurden als Kr\u00e4merl\u00e4den\nvermietet. Darunter Folterkammer und Verlie\u00df, wo Toppler, bedeutender\nB\u00fcrgermeister, gefangengehalten wurde, ehe er ermodert wurde.&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Jakobuskirche hat zwei ungleiche T\u00fcrme,\nder Legende nach von Meister und Geselle gemacht, wobei dem Gesellen der\nsch\u00f6nere gelang, was Meister veranlasste, sich, zusammen mit seinem Hund, von\nder Kirche zu st\u00fcrzen. Meister fiel, aber Hund z\u00f6gerte. Daher Skulptur eines\nHundes am S\u00fcdturm \u2013 Hund z\u00f6gert immer noch. Zur Seite am selben Turm das\n\u201eTotenfenster\u201c, auf den ehemals gegen\u00fcbergelegenen Friedhof gerichtet. Wurde\nbei Sterbef\u00e4llen erleuchtet. <\/p>\n\n\n\n<p>Im S\u00fcden \u201cBrautportal\u201c, wo Trauungen\nvollzogen wurden, da unverheiratetes Paar nicht in die Kirche durfte. Dar\u00fcber\nDarstellung von Adam und Eva (mit Bauchnabel), dazwischen der Gute Hirt \u2013 als\nVermittler? Kirche wurde Station auf Pilgerweg (moderne Jakobusstatue vor dem\nS\u00fcdeingang und Darstellung des Galgenwunders in der Kirche) und wichtiges\nPilgerziel, da drei Tropfen von Christi Blut, Heu aus der Krippe und die\nSandale eines Apostels vorhanden! Jetzt nur noch Tropfen Blut, in\nRiemenschneideraltar integriert, mit Abendmahlsszene, bei dem Judas gegen die\nKonventionen im Vordergrund steht. Sehr bewegte Szene, die gerade den Moment\nfesth\u00e4lt, als der Verdacht ausgesprochen wird.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>In Klingengasse, die Stra\u00dfe, die von der\nJakobuskirche \u00fcberspannt wird, Fachwerk mit sehr sch\u00f6nem Erker, T\u00fcrmchen,\ngr\u00fcnen Butzenscheiben und Muschelreliefs. Es gibt sehr strenge Bestimmungen zur\nKonservierung der alten H\u00e4user, was vielen zu umst\u00e4ndlich und zu teurer ist,\nweshalb sie in einen Vorort ziehen. <\/p>\n\n\n\n<p>In der N\u00e4he das Reichsstadtmuseum, im\nehemaligen Dominikanerinnenkloster. Von hier aus sch\u00f6ner Blick auf die beiden\nT\u00fcrme von St. Jakobus. Kloster schon nach der Reformation aufgel\u00f6st.\nDominikanerinnen sehr streng, sehr reich, da sie u.a. eigenen Wein und\nSchankrecht hatten. Im Klostergarten Heilkr\u00e4uter, z. T. giftig, da in geringen\nDosen heilend: Salbei, Lavendel, Thymian, Fenchel, Rosmarin, Blutwurz, Eibisch,\nMelisse, Hopfen, Malve, Beifuss, Nieswurz, Schierling. <\/p>\n\n\n\n<p>Stadtmauer an dieser Seite der Stadt\nnicht sehr stark und ohne Wehrgang, starkes Gef\u00e4lle zum Tal hin erschwert\nAngriffe. Hier wurde auch die schw\u00e4chste Zunft zur Verteidigung eingesetzt, die\nSchneider, am anderen Ende die Schmiede.&nbsp;\n<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der Herrengasse (hier wohnten\ndie reichsten B\u00fcrger) Stadttor, aus drei eigentlichen Toren bestehend. Zur\nLandseite hin Holztor, das nachts geschlossen wurde und nur mit (teurer)\nSondererlaubnis passiert werden durfte. Daf\u00fcr \u201eNadel\u00f6hr\u201c, ein kleines\nSchlupfloch in der T\u00fcr, da \u00d6ffnen der ganzen T\u00fcr zu gef\u00e4hrlich. Davor ehemals\nZugbr\u00fccke, dahinter zwei Steintore, und zwischen ihnen Pechnase in Form einer\nschwarzen Maske, die&nbsp; furchteinfl\u00f6\u00dfend\naussieht.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Davor das Gel\u00e4nde der ehemaligen Burg\nder Hohenstaufen (XII), der Keimzelle der Stadt, von der aus sich die Siedlung\nauf dem H\u00fcgel ausbreitete. Wurde angeblich von einem Erdbeben (XIV) zerst\u00f6rt,\nwar aber wahrscheinlich schon bauf\u00e4llig oder unzeitgem\u00e4\u00df und wurde dann\nabgerissen oder als Steinbruch benutzt. Von hier aus weiter Blick ins Taubertal\nund auf die (von \u00fcppiger Vegetation verstellte) Br\u00fccke und auf B\u00fcrgermeister\nTopplers kurioses Haus, der die Sicherheit seiner Stadt demonstrieren wollte,\nindem er au\u00dferhalb der Stadtmauern baute (vorsichtshalber aber auf steinernem\nUnterbau mit Schie\u00dfscharten). Im Tal auch eine Kirche (katholisch) und mehrere\nH\u00e4user, alle ehemalige M\u00fchlen, die das Wasser der Tauber brauchten. Bei\nBelagerung aber gef\u00e4hrlich, da Mehlzufuhr abgeschnitten, daher aufwendiger\nAusbau der Stadt durch die Spitalbastei (in der Ferne sichtbar), wo von Pferden\nangetriebene Rossm\u00fchle und Spital gebaut wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Von hier aus auch Blick auf \u201eFaulturm\u201c\nam entgegengesetzten Ende der Stadt, wo Verbrecher zwischengelagert wurden und\nauch schon mal Leichen vor sich hin westen.&nbsp;\n<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter links Richtung Marktplatz\nHedwigsbrunneng\u00e4sschen, mit Brunnen, an dem die durch Salz konservierten Fische\nabgewaschen wurden (Fisch viel wichtiger f\u00fcr mittelalterliche Ern\u00e4hrung als\nheute), um das Wasser anderer Brunnen nicht zu versalzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Weiterer Verlauf der Stra\u00dfe \u201eH\u00f6ll\u201c, war\n\u00fcberdacht und schummerig und (an einem herrlichen Sommertag heute schwer\nvorzustellen) galt als gef\u00e4hrlich. Passenderweise am Rand das Kriminalmuseum.\nRechts die Johanniterscheune, mit Jahreszahl, die wie 1882 aussieht, aber, da\nvier durch eine halbe acht dargestellt wurde, 1482 bedeutet. <\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6nstes B\u00fcrgerhaus, Baumeisterhaus, am\nEnde der Stra\u00dfe gleich am Rathausplatz, mit doppelter Reihe von Figuren, die\nLaster und Tugenden darstellen (parit\u00e4tisch durch m\u00e4nnliche und weibliche\nFiguren repr\u00e4sentiert), z.B. Mann mit Bauch f\u00fcr V\u00f6llerei.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Sehr sch\u00f6ne Stadt, mit einem bei aller\nVielfalt (kein Haus gleicht dem anderen) sehr einheitlichen Stadtbild.<\/p>\n\n\n\n<p>13. August (Mittwoch) <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der R\u00fcckfahrt an der Autobahnausfahrt W\u00fcstenrot vorbeigekommen. Das ist wirklich ein Ort! Und liegt in der N\u00e4he von Schw\u00e4bisch Hall!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. August (Dienstag) \u00dcber Kaiserslautern, wo es einen Japanischen Garten gibt, nach Rothenburg, ca. 350 Kilometer. Der Terminus Alleinerziehender ist alles andere als klar, er kann sich auf jemanden beziehen, der wirklich allein ist, der in einer neuen Beziehung lebt &hellip; <a href=\"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11231\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/11231"}],"collection":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11231"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/11231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11235,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/11231\/revisions\/11235"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}