{"id":11313,"date":"2022-04-20T19:21:31","date_gmt":"2022-04-20T17:21:31","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11313"},"modified":"2022-06-19T08:46:46","modified_gmt":"2022-06-19T06:46:46","slug":"koblenz-2022","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11313","title":{"rendered":"Koblenz (2022)"},"content":{"rendered":"\n<p>9.\nApril (Samstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Koblenz\nliegt bekanntlich in der Schweiz, an der Aare. Genauer gesagt, an der Stelle,\nwo die Aare in den Rhein flie\u00dft. Und dieser \u201eZusammenfluss\u201c ist genau das, was\nden Namen <em>Koblenz<\/em> motiviert. Denn\ndahinter steckt das lateinische <em>confluentes<\/em>.\nWas wiederum die Namensgleichheit mit dem deutschen Koblenz am Zusammenfluss\nvon Mosel und Rhein erkl\u00e4rt. Gleicher Geschichte, gleicher Name. Bis in fr\u00fche\n20. Jahrhundert schrieb man hier am Rhein Coblenz. <\/p>\n\n\n\n<p>Koblenz\nist also eine r\u00f6mische Gr\u00fcndung, genauso wie andere St\u00e4dte am Rhein \u2013 Xanten,\nK\u00f6ln, Neuss, Mainz. Die erste Siedlung entstand auf einem H\u00fcgel in der heutigen\nInnenstadt. Sp\u00e4ter wurde der Ort dann zu einer veritablen Stadt ausgebaut, mit\nStadtmauer und 19 T\u00fcrmen. Schlappe 500 Jahre dauerte die r\u00f6mische Herrschaft.\nDann kam Koblenz zum Frankenreich und dann, als Geschenk von Heinrich II., zum\nErzbistum Trier. Bis Napoleon kam. Und dann, nach dem Wiener Kongress, wurde\nKoblenz preu\u00dfisch, Teil der preu\u00dfischen Rheinprovinzen. Bis zum 2. Weltkrieg.\nDanach kam es zur franz\u00f6sischen Besatzungszone. Nach der Gr\u00fcndung der\nBundesrepublik kam es zu dem behelfsm\u00e4\u00dfig zugeschnittenen Land Rheinland-Pfalz,\ngegen den Willen der Franzosen. Die wollten ein unabh\u00e4ngiges Land, das\nRheinland, als Pufferzone zwischen Deutschland und Frankreich errichten. Dazu\nkam es nicht. Wer wei\u00df, wie die Geschichte dann verlaufen w\u00e4re? F\u00fcr kurze Zeit\nwar Koblenz nach dem Krieg Hauptstadt von Rheinland-Pfalz. Es kam zu einem\nTauziehen zwischen Koblenz und Mainz. Dabei war der Ministerpr\u00e4sident,\nAltmeier, selbst geb\u00fcrtiger Koblenzer, auf der Seite von Mainz. Er wusste, dass\nKoblenz bei den Pf\u00e4lzern nicht durchzusetzen war. <\/p>\n\n\n\n<p>Von\nmeinen fr\u00fcheren Besuchen habe ich den Eindruck, dass die R\u00f6mer im heutigen\nKoblenz kaum pr\u00e4sent sind, wohl aber Trier und Preu\u00dfen. In den n\u00e4chsten Tagen\nwill ich mir das noch mal im Detail ansehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein erster\nTag, der mit seinem Wetter dem April alle Ehre macht, aber schon eine\nVerbesserung ist gegen\u00fcber dem Schneegest\u00f6ber in der Eifel bei der Anfahrt gestern,\ndient der Vorbereitung und der Orientierung in der freundlicherweise zur\nVerf\u00fcgung gestellten Privatpension, oben auf den H\u00fcgeln \u00fcber Koblenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter\nhabe ich Grund, zu bedauern, das Angebot abgeschlagen zu haben, f\u00fcr heute die\nDauerkarte f\u00fcr das K\u00f6lner Stadion zu \u00fcbernehmen. Muss ein mitrei\u00dfendes Spiel\ngewesen sein. <\/p>\n\n\n\n<p>10.\nApril (Sonntag)<\/p>\n\n\n\n<p>Angek\u00fcndigt\nwar ein sonniger Tag. Aber als ich am Morgen aus dem Fenster sehe, schneit es!\nDie Sandalen bleiben vorerst im Koffer.<\/p>\n\n\n\n<p>Gl\u00fccklicherweise\nh\u00e4lt das Spektakel nicht lange an. Ich mache mich zu Fu\u00df auf den Weg in die\nAltstadt. <\/p>\n\n\n\n<p>Unten\ngeht es ein St\u00fcck am Rhein entlang. Hier weht ein eisiger Wind. Es f\u00fchlt sich\nwie Januar an. Ganz im Kontrast dazu die B\u00e4ume, die bereits ausgeschlagen sind\noder sogar bl\u00fchen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf der\nanderen Uferseite sieht man die langgezogene Front des Kurf\u00fcrstlichen\nSchlosses, klassizistisch, in Grau und Wei\u00df gehalten, und rechts daneben ein\nm\u00e4chtiger neoromanischer Bau, das alte Regierungsgeb\u00e4ude der Preu\u00dfen. Recht\ndavon, etwas von der Uferfront versetzt, die vier T\u00fcrme der Kastor-Kirche, dann\ndie Seilbahn und das Deutsche Eck. Schr\u00e4g hinter mir, auf dieser Seite, die\nFestung Ehrenbreitstein. <\/p>\n\n\n\n<p>Vor mir\nein kleiner Jachthafen, und direkt gegen\u00fcber das Pegelhaus, das sich durch\nseinen wei\u00dfen Anstrich und seine achteckige Form von den \u00fcbrigen Geb\u00e4uden\nabsetzt. Es hei\u00dft Pegelhaus wegen des Pegels, der noch vorhanden ist und den\nPegelstand anzeigt. Urspr\u00fcnglich war es aber ein Tretradkran zum Beladen und\nAusladen der Schiffe \u2013 eine der vielen Parallelen zu Trier, die ich im Laufe der\nTage entdecken werde. Nur kann man hier die urspr\u00fcngliche Form nicht mehr so\neinfach erkennen, da der Ausleger nicht mehr vorhanden ist. <\/p>\n\n\n\n<p>An\ndieser Seite des Ufers steht eine Art eiserner Korb auf einer Schiene. Da steht\nman ratlos davor, aber eine dazugeh\u00f6rige Inschrift erkl\u00e4rt, dass mit solchen\nGer\u00e4ten die Fahrrinne des Flusses freigehalten wird, so dass immer eine\nMindestwassertiefe f\u00fcr die Schiffe garantiert ist. Solche Ma\u00dfnahmen zum\nRheinausbau, erf\u00e4hrt man hier, gehen auf das Jahr 1817 zur\u00fcck. Damals wurde der\nOberrhein begradigt. Dabei wurde der Fluss um sagenhafte 80 Kilometer k\u00fcrzer!<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht\nnoch ein St\u00fcck weiter, am <em>Hotel Diehl<\/em>\nvorbei, in dem gelegentlich wohlbetuchte Verwandte untergebracht werden, zur\nPfaffendorfer Br\u00fccke. Hier kann der Wind so richtig zulangen. Am Ende der\nBr\u00fccke blickt man hinunter auf das <em>Weindorf<\/em>, ein Lokal, \u00fcber dessen\nQualit\u00e4t die Meinungen innerhalb der Gro\u00dffamilie auseinandergehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\ngeht es Richtung Altstadt. An einem unansehnlichen Brunnen ist eine der vielen\nneuen Figuren aufgestellt, die wohl ganz normale B\u00fcrger bei ganz normalen\nT\u00e4tigkeiten darstellen. Sie sind \u00fcber die gesamte Altstadt verteilt. Hier eine\nnicht ganz schlanke Frau mit Badeanzug und Badekappe, die dabei ist, in den\nBrunnen zu springen. <\/p>\n\n\n\n<p>Man\n\u00fcberquert die <em>Casinostra\u00dfe<\/em>. Die\nErkl\u00e4rung unter dem Stra\u00dfenschild weist darauf hin, dass es sich nicht um ein\nSpielcasino handelt, sondern um das Casino einer 1808 gegr\u00fcndeten\nB\u00fcrgergesellschaft, eher ein Debattierclub, ein Treffpunkt fortschrittlicher\nIntellektueller. Wieder eine Parallele zu Trier. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon in\nder Altstadt, kurz vor dem M\u00fcnzplatz, sto\u00dfe ich auf zwei Bronzeskulpturen, die\nvolkst\u00fcmliche Typen darstellen, einen Trommler und eine Marktfrau mit Polizist.\nDas dazugeh\u00f6rige Zitat verstehe ich aber nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den\n<em>Entenpfuhl<\/em> und an der\nLiebfrauenkirche vorbei geht es zum Zentralplatz. An der Kreuzung davor eine\nBaustelle, an der auch heute, Sonntag, gearbeitet wird. Hier baut die Commerzbank.\n&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem\nZentralplatz das hypermoderne <em>Forum<\/em>,\nein Kulturzentrum mit einem durch eine Freifl\u00e4che davon abgetrennten Einkaufszentrum.\nBeide verbindet die Form, dieselbe Geschossh\u00f6he und eine abgerundete \u201eSpitze\u201c,\nwenn das das richtige Wort ist. Die Fassaden der beiden Geb\u00e4ude sind aber ganz\nanders. Das Einkaufszentrum hat eine Plastikdekorationen aus gr\u00fcnen\nWeinbl\u00e4ttern. Deren Funktion ist es, das dahinter befindliche Parkhaus zu\nverdecken. Das Kulturzentrum hat eine Fassade aus bedrucktem Stein. Die macht\ndas Innere unsichtbar. F\u00fcr mich ist da alles neu. Komischerweise war ich noch\nnie hier, obwohl ich sonst eigentlich in allen Ecken der Altstadt schon mal\ngewesen bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nKulturzentrum beherbergt das Mittelrheinmuseum, das Romanticum, die\nStadtbibliothek und die Touristeninformation. Dort beginnt die Stadtf\u00fchrung. <\/p>\n\n\n\n<p>Als es\nlosgeht, kommen die ersten Sonnenstrahlen heraus. Wir sind nur zu dritt, wenn\nman Theo ausnimmt, das schlafende Baby des Ehepaars in dem Kinderwagen. Es gibt\nw\u00e4hrend der ganzen Tour keinen Mucks von sich. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir\ngehen schnurstracks auf den Platz mit dem Sch\u00e4ngel zu, der emblematischsten\nFigur von Koblenz. Es gibt ein <em>Sch\u00e4ngel-Center<\/em>,\neine <em>Sch\u00e4ngel-Apotheke<\/em>, und eine w\u00f6chentlich\nerscheinende Zeitung, die <em>Sch\u00e4ngel<\/em>\nhei\u00dft. Der Sch\u00e4ngel verk\u00f6rpert den traditionellen Lausbuben, und als solcher\nspuckt die Figur auf dem Brunnen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Wasser auf die Besucher\nhinab. Heute ist <em>Sch\u00e4ngel<\/em> fast ein Ehrentitel, aber das war er anfangs\n\u00fcberhaupt nicht. Das Wort ist abgeleitet von <em>Jean<\/em>, und zwar von dem\nDiminutiv, und bedeutet also so etwas wie \u201aH\u00e4nschen\u2018. Das Wort kam in der\nFranzosenzeit auf. Koblenz geh\u00f6rte, genauso wie Trier, 30 Jahre zu Frankreich,\nund die ersten Sch\u00e4ngel waren die Kinder franz\u00f6sischer Besatzungssoldaten, oft\nunehelich. Die hatten keinen guten Leumund.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich\ngegen\u00fcber dem Sch\u00e4ngel ist das vergitterte Eingangstor zum Rathaus. Das nimmt\nein historisches Geb\u00e4ude ein. Hier war urspr\u00fcnglich das Jesuitengymnasium\nuntergebracht. Das existiert bis heute noch, ist aber in ein modernes Geb\u00e4ude\nganz in der N\u00e4he umgezogen. Die Kurf\u00fcrsten beriefen die Jesuiten nach Koblenz\nals Gegengewicht zur Reformation, die als unheilvoll angesehen wurde. Da war\ndie Erziehung von bald 300 Jungen in einem katholischen Internat ein wirksames\nGegenmittel.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man\ndurch die Arkaden geht, kommt man auf einen Platz. Das ist der Jesuitenplatz.\nGleich rechts ein wenig in die Ecke gedr\u00e4ngt die historische Fassade der\nJesuitenkirche mit einer sch\u00f6nen, aber zu gro\u00df geratenen Rosette. Dahinter eine\nganz moderne Kirche. Die nennt sich jetzt <em>City-Kirche<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Mitten\nauf dem Platz steht die Statue eines Mannes, der mir bisher unbekannt war und\nder au\u00dferdem noch den Allerweltsnamen M\u00fcller tr\u00e4gt. Es ist der in Koblenz\ngeborene Physiologe Johannes M\u00fcller. Er besch\u00e4ftigte sich vor allem mit Sinnes-\nund Nervenphysiologie und ist der Verfasser eines grundlegenden Werks \u00fcber die\nNervenphysiologie. Einer seiner Sch\u00fcler war Rudolf Virchow. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nkommen auf eine Stra\u00dfe in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Hier hat man mit Pflastersteinen\nein Bild in das Stra\u00dfenpflaster eingef\u00fcgt: zwei Enten. Wir sind auf dem\nEntenpfuhl. Die Erkl\u00e4rung folgt auf dem Fu\u00df. Die Stra\u00dfe macht hier eine leichte\nBiegung, und ihr Verlauf ist genau der der alten r\u00f6mischen Stadtmauer. Als die\nabgerissen wurde, entstand hier ein Wassergraben, und auf dem lie\u00dfen sich Enten\nnieder. Der Entenpfuhl. Dazu passt auch die Skulptur, die mir auf dem Hinweg\naufgefallen ist. Ein M\u00e4dchen scheucht drei Enten in die Luft. Erinnert mich die\nKinder, die ich auf dem Hinweg an einem Brunnen gesehen haben. Die machten sich\neinen Spa\u00df daraus, die Tauben aufzuscheuchen, wurden aber von ihren Gro\u00dfeltern\nermahnt, das nicht zu tun: \u201eWie w\u00fcrdet ihr euch denn f\u00fchlen, wenn jemand euch\nso verscheuchen w\u00fcrde?\u201c Der Vergleich hinkt etwas, aber in Ruhe lassen sollte\nman die V\u00f6gel auf jeden Fall. F\u00fcr die Kinder aber eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nkommen zur Liebfrauenkirche. Sie liegt, von hier, von S\u00fcden aus gesehen, etwas\nerh\u00f6ht. Mehrere Treppenstufen f\u00fchren zu ihr hinauf. Das hat seinen Sinn. Hier\noben, an der h\u00f6chsten Stelle der Innenstadt, befand sich das r\u00f6mische Zentrum.\nGenau wie in Trier hatten die R\u00f6mer auch hier die Hochwassergefahr im Blick. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nAnsicht, von unten auf Chor und Langhaus der Liebfrauenkirche und die beiden T\u00fcrme,\nist eine der sch\u00f6nsten in Koblenz. Die T\u00fcrme scheinen auf den ersten Blick gar\nnicht zu der Kirche zu geh\u00f6ren. Sie sind m\u00e4chtiger als der Rest der Kirche und\nnicht verputzt. <\/p>\n\n\n\n<p>Oben, am\nEnde der Treppe, vor der Kirche, steht ein Rest der r\u00f6mischen Stadtmauer.\nUnsere F\u00fchrerin kann die Frage ohne Nachdenken beantworten, um welchen Stein es\nsich handelt: Graubacke. Der wird hier im Mittelrheintal abgebaut. Sp\u00e4ter kehrt\ner auch noch an den Fassaden einiger H\u00e4user wieder. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\nkommen wir auch zu der Skulptur mit der Marktfrau und dem Polizisten. Und jetzt\nbekommen wir eine Erkl\u00e4rung. Die Marktfrau hat sich bei dem Polizisten \u00fcber\neinen Hund beschwert, und der hat daf\u00fcr dem Hund eine Verwarnung ausgestellt.\nAber was hat der Hund getan? Die Marktfrau sagt: \u201eDat es mir jetzt zo bont, do\nhat gepinkelt an mein Mann\u201c. Aber wo ist der Mann? Es ist gar kein Mann\ngemeint. <em>Mann<\/em> steht hier f\u00fcr den Korb, in dem sie ihre Waren feilbietet,\nKartoffeln und Blumenkohl. Ein <em>Mann<\/em> entspricht der Einheit, die ein Mann\nalleine tragen kann!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nkommen zum <em>Plan<\/em>, einem der zentralen Pl\u00e4tze der Altstadt. Er ist sehr\nsch\u00f6n angelegt und hat sehr unterschiedliche H\u00e4user, die aber trotzdem ein\nsch\u00f6nes Ensemble bilden. Ganz in der Mitte ein barockes Haus, zu dem eine\ndoppell\u00e4ufige Freitreppe mit einem sch\u00f6n verzierten Gel\u00e4nder hinauff\u00fchrt. Im\nersten Stockwerk ist an der Fassade ein Wappen angebracht. Man sieht das rote\nKreuz des Erzbistums Trier und eine Krone. Wenn man genauer hinsieht, entdeckt\nman noch eine zweite Krone, etwas versteckt in dem goldenen Schmuck um das\nWappen herum. Die eine Krone geh\u00f6rt der Gottesmutter, die andere dem\npreu\u00dfischen K\u00f6nig. <\/p>\n\n\n\n<p>An einem\nAusgang des Platzes die Ecke der vier T\u00fcrme. Eigentlich sind es nur vier Erker,\naber die sind so hoch und ziehen sich \u00fcber zwei Stockwerke hin, dass sie fast\nwie T\u00fcrme wirken. Sie sind sch\u00f6n verziert, jeder anders, und bei jedem nimmt\ndie Verzierung Bezug auf die urspr\u00fcngliche Funktion des Hauses. <\/p>\n\n\n\n<p>An einem\nHaus erinnern Fahnen, Musketen, Gesch\u00fctze und H\u00f6rner an die kurtrierischen\nSoldaten, deren Hauptwache sich hier befand. Die Soldaten nahmen die Aufgaben\nwahr, die heute die Polizei wahrnehmen w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir\ngehen weiter und sehen in einer der Fu\u00dfg\u00e4ngerstra\u00dfen eine Bronzeplatte in den\nBoden eingelassen. Sie bezeichnet den Verlauf der r\u00f6mischen Stadtmauer, mit\nzwei Toren und achtzehn T\u00fcrmen. Wieder eine Parallele zu Trier: Die Stadtmauer hat\nnur drei Seiten, die vierte Seite wird von der Mosel eingenommen. Und wo ist\nder Rhein? Unsere F\u00fchrerin tritt ein ganzes St\u00fcck zur Seite und bezeichnet die\nStelle, an der sich der Rhein befindet, au\u00dferhalb der Stadtmauer. Die r\u00f6mische\nStadt war also haupts\u00e4chlich an der Mosel? Nein, nicht haupts\u00e4chlich. Ausschlie\u00dflich.\n<\/p>\n\n\n\n<p>In einer\nGasse sehen wir ein Haus mit einer Nische im ersten Stockwerk. In der Nische\nsteht die Figur des Hl. Josef als Besch\u00fctzer des Hauses. Das hat funktioniert.\nDieses Haus blieb als eins der wenigen dieses Viertel im Krieg unzerst\u00f6rt. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen\nin den Brunnenhof, einen ganz stillen, l\u00e4nglichen Hof, in den man sich nicht\nverlaufen w\u00fcrde. Hier ist ein gro\u00dfes Fresko an der Wand angebracht. Das\nerinnert an 842, das Jahr, in dem sich hier in Koblenz, in St. Kastor, die\nEnkel Karls des Gro\u00dfen trafen, Karl der Kahle, Lothar und Ludwig der Deutsche. Es\nging um das Erbe. Wie wird das Riesenreich aufgeteilt, wer bekommt was von dem\nKuchen? \u00dcber diese Frage wurde nicht nur verhandelt, es wurden auch Schlachten\ngeschlagen und Kriege gef\u00fchrt. In Koblenz stand Verhandlung auf der\nTagesordnung. Man konnte sich nicht einigen, aber immerhin. Ein erster Schritt\nwar getan, und diese Verhandlungen f\u00fchrten letztlich zum Vertrag von Verdun und\nzur Teilung des Reichs in ein Ostreich, ein Mittelreich und ein Westreich. Das\nOstreich ging an Ludwig, das Westreich an Karl und das Mittelreich an Lothar.\nEtwas vereinfacht gesagt, wurde aus dem Ostreich das sp\u00e4tere Deutschland und aus\ndem Westreich das sp\u00e4tere Frankreich. Das Mittelreich, sp\u00e4ter Lotharingen\ngenannt, das bis nach Italien ging, wurde zum st\u00e4ndigen Zankapfel. Wie dem auch\nsei, dass die Verhandlungen hier stattfanden, ist ein Beweis daf\u00fcr, wie\nbedeutend Koblenz und St. Kastor zu dieser Zeit waren. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nn\u00e4chste Platz, an den wir kommen, ist der Florinsmarkt, benannt nach der\nebenfalls doppelt\u00fcrmigen Florinskirche. Die Florinskirche wurde von den Preu\u00dfen\nzur evangelischen Kirche gemacht. <\/p>\n\n\n\n<p>Unsere\nAufmerksamkeit nimmt aber der Augenroller in Anspruch, die Figur an dem\nzentralen Geb\u00e4ude des Platzes, dem ehemaligen Mittelrheinmuseum, hoch oben im\nzweiten Stockwerk, \u00fcber dem Gesims und unter der Uhr. Die Figur rollt mit den\nAugen, und zwar im Sekundentakt, und jeweils zur Viertelstunde streckt sie die\nZunge raus. Die Figur soll den angeblichen Stra\u00dfenr\u00e4uber Johann Luther von\nKobern darstellen, der unschuldig verurteilt worden war und, um seiner\nVerachtung f\u00fcr die Justiz Ausdruck zu verleihen, dem Richter die Zunge\nherausgestreckt haben soll. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend\nwir die Erkl\u00e4rungen h\u00f6ren, f\u00e4llt mir ein Bauzaun an einem der Geb\u00e4ude auf, auf\ndessen Plastikplane das Motto der Firma steht, die f\u00fcr den Umbau des etwas\nheruntergekommenen Florinsmarkts verantwortlich ist: \u201eIm Alter z\u00e4hlen die\ninneren Werte.\u201c Darunter in grottenschlechtem Englisch: \u201eThe inner values count\nin high age.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nkommen zur Mosel runter. Die teils historischen H\u00e4user, die hier stehen,\nstanden fr\u00fcher direkt am Fluss. Die ganze breite Promenade wurde erst sp\u00e4ter\nangelegt, dem Wasser abgerungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt\nauch f\u00fcr das Haus mit dem Namen <em>Deutscher Kaiser<\/em>, einem der \u00e4ltesten\nerhaltenen Profanbauten von Koblenz. Es ist schmal und hoch und etwas in\nSchieflage geraten. Zu seiner Unterst\u00fctzung hat man ihm ein modernes Haus an\ndie Seite gestellt, gleiche Geschossh\u00f6he, gleiche Breite. Der Mittelteil\ndazwischen dient als Bindeglied zwischen den beiden Bauteilen, als Bindeglied\nzwischen Jung und Alt. Auf diesem schmalen Streifen hat man ein illusionistisches\nGem\u00e4lde angebracht. Es t\u00e4uscht vor, dass man nicht auf die Fassade sieht,\nsondern durch die Fassade hindurch auf den freien Himmel dahinter. T\u00e4uschend\necht. Der Durchblick erfolgt durch zwei Arkaden, getrennt durch eine\nwaagerechte Strebe. Auf dieser Strebe sitzt eine Figur, ein junger Mann. Der\nblickt versonnen in Richtung auf das Alte. Von der Strebe h\u00e4ngt ein Pendel\nhinab, eine Anspielung auf das Foucaultsche Pendel, mit dem die Bewegung der\nErde bewiesen wurde. Wie es sich hier auf Alt und Neu bezieht, wird mir aber nicht\nso richtig klar. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nkommen auf das ehemalige Gel\u00e4nde des Deutschen Ordens und zum\nDeutschherrenhaus, das jetzt das Ludwig-Museum beheimatet. Es widmet sich vor\nallem der modernen franz\u00f6sischen Kunst, und als Vorgeschmack daraus stehen hier\nauf dem Rasen zwei moderne Eisenskulpturen. Die eine bildet eine Parf\u00fcmflasche\nvon Chanel, die andere eine Handtasche von Gucci nach. Vor dem Museum selbst\nsteht der auff\u00e4llige, nach oben gereckte goldene Daumen. Er versteht sich wohl\nals Geste des guten Gl\u00fccks, des Gelingens, der Zustimmung. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Peter\nLudwig, der Mann mit der ungew\u00f6hnlichen Biographie \u2013 Kaufmann und\nKunsthistoriker \u2013 war selbst in Koblenz geboren worden. Und wurde, zusammen mit\nseiner Frau, zu einem bedeutenden Kunstsammler. Am Ende hatten die beiden\n50.000 Kunstobjekte zusammengetragen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nStadtf\u00fchrung endet am Deutschen Eck, und zwar an dem urspr\u00fcnglichen Deutschen\nEck, an der heutigen, vermutlich preu\u00dfischen Begrenzungsmauer des Areals, das\nfr\u00fcher dem Deutschen Orden geh\u00f6rte. Der Name <em>Deutsches Eck<\/em> ist\nbekanntlich davon abgeleitet. An dieser Stelle m\u00fcndete die Mosel urspr\u00fcnglich\nin den Rhein. <\/p>\n\n\n\n<p>Das, was\nheute <em>Deutsches Eck<\/em> genannt wird, war urspr\u00fcnglich eine Insel, die erst\nmit der Errichtung des Denkmals mit dem Land verbunden wurde. Das Denkmal\nWilhelms I. wurde auf Betreiben seines Enkels, Wilhelm II., errichtet. Bei der\nWahl des Standorts spielten wohl doch deutschnationale Motive eine Rolle, auch\nwenn die Bezeichnung <em>Deutsches Eck<\/em> diese Bedeutung urspr\u00fcnglich wohl\nnicht hatte. Aber <em>Deutsches Eck<\/em> \u2013 das muss einfach zu gut geklungen\nhaben in des Kaisers Ohren. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nDenkmal wurde bekanntlich im Krieg zerst\u00f6rt. Wir sehen auf einem Photo, wie der\nKopf des von einem Angriff getroffenen Kaisers wie an einem seidenen Faden am\nHals herunterh\u00e4ngt. Die Reste der zerst\u00f6rten Statue, Eisen und Kupfer, wurden\nvermutlich entweder gestohlen oder eingeschmolzen f\u00fcr die R\u00fcstungsproduktion. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach der\nWiedervereinigung gab es dann eine, unter anderem von Kohl unterst\u00fctzte\nKampagne zur Wiedererrichtung des Denkmals. Die urspr\u00fcnglichen Entw\u00fcrfe waren\nnoch vorhanden. Das erleichterte die Rekonstruktion. Die Einzelteile der Statue\nwurden im Ruhrgebiet gefertigt und dann auf dem Wasserweg hierhergebracht. Die\nEinzelteile wurden dann hier montiert und die fertige Statue \u2013 zu der neben dem\nKaiser auch eine ihn flankierende weibliche Figur geh\u00f6rt \u2013 mit einem immensen,\neigens f\u00fcr diese Aktion gefertigten Kran auf den Sockel gehievt. Es herrschte\nVolksfestatmosph\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p>Was\nimmer man von dem Denkmal halten mag, es hat das Deutsche Ecke auf jeden Fall\naufgewertet und zu einem Anziehungspunkt f\u00fcr Besucher und Einheimische gemacht.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Hier\nendet die F\u00fchrung. Es gab viele interessante Details und auch etwas zur\nStadtgeschichte, aber von Koblenz als Garnisonsstadt war \u00fcberhaupt nicht die\nRede, und auch von keiner einzigen Br\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe\nam Rhein zur\u00fcck entlang und dann \u00fcber die Pfaffendorfer Br\u00fccke. In\nEhrenbreitstein, dem Stadtviertel unter der Burg, dessen Wert familienintern\nauch umstritten ist, mache ich Halt im <em>Caf\u00e9 am Markt<\/em>. Den guten Kuchen\nvon dort habe ich noch von der Radtour in Erinnerung. Da war das Caf\u00e9 die\nletzte Station vor dem beschwerlichen Anstieg zum Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>An der\nTheke bestellt eine Frau \u201evier St\u00fccke Kuchen\u201c. Da will jemand p\u00e4pstlicher als\nder Papst sein. Der Plural widerspricht v\u00f6llig dem Sprachgebrauch.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend\nich meinen Kuchen esse, h\u00f6re ich, wie die Eigent\u00fcmerin der Kellnerin sagt, sie\nhasse es, wenn die Wand hochgezogen werde. Mit der Wand ist wohl die\nWasserschutzmauer gemeint, auf die man von hier aus sehen kann. Die ist gerade\nhochgezogen worden. Wegen Hochwassergefahr. Verbl\u00fcffend, wie schnell das gehen\nkann. Bis Ende M\u00e4rz haben noch alle \u00fcber die Trockenheit geklagt. <\/p>\n\n\n\n<p>In\nEhrenbreitstein befindet sich auch das Mutter-Beethoven-Haus, ein kleines,\naber, wie man an der Brosch\u00fcre sieht, feines Museum. Das Museum \u00f6ffnet nur\nsonn- und feiertags. Ob das auch f\u00fcr den Karfreitag gilt?<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndiesem Haus wurde Maria Magdalena van Beethoven geboren, Beethovens Mutter. Sie\ngeh\u00f6rte zu den wenigen Menschen, zu denen der alte Misanthrop ein gutes\nVerh\u00e4ltnis hatte. Er hing sehr an seiner Mutter und schrieb liebevolle\nKommentare \u00fcber sie. Beethovens Mutter wurde in eine angesehene B\u00fcrgerfamilie\ngeboren. Sie heiratete bereits mit 16, einen kurf\u00fcrstlichen Kammerherrn. Sp\u00e4ter\nheiratete sie dann in zweiter Ehe Johann van Beethoven und zog nach Bonn um.\nWie sehr der Tod noch in dem Leben der Menschen dieser Zeit gegenw\u00e4rtig war,\nsieht man exemplarisch an ihrem Leben. Ihr erster Mann starb, ebenso der gemeinsame\nSohn, und von den sieben Kindern aus zweiter Ehe \u00fcberlebten nur drei, darunter\nLudwig. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>11.\nApril (Montag)<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nWetter wird immer besser, und diesmal fahre ich mit dem Rad in die Stadt. Die\nStra\u00dfe ist so absch\u00fcssig, dass es einem etwas mulmig wird, zumal sie eine\nnormale Verkehrsstra\u00dfe mit Autos und Bussen ist. Die kann man nur vermeiden,\nwenn man die noch absch\u00fcssigere parallele <em>Kniebreche<\/em>\nnimmt, aber das ist mir zu riskant. Da wird einem bei dem Namen ja schon angst\nund bange. <\/p>\n\n\n\n<p>Unten in\nEhrenbreitstein geht es an <em>2rad Mitschke<\/em>\nvorbei und dann wieder \u00fcber die Pfaffendorfer Br\u00fccke. Auf der anderen Seite\npassiere ich die Rhein-Mosel-Halle mit ihrer eleganten Fassade aus schwarzen,\nwei\u00dfen und grauen Lamellen. Am <em>Forum<\/em> lasse ich das Rad stehen und gehe\nschnurstracks zur Liebfrauenkirche. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon\nvon au\u00dfen, von S\u00fcden her, erkennt man die beiden unterschiedlichen Bauphasen,\ndas romanische Langhaus und den gotischen Chor. Aber durch den Verputz und die\nFarbgebung werden sie zusammengehalten. Die nicht verputzten Zwiebelt\u00fcrme scheinen\ndagegen auf den ersten Blick gar nicht zu der Kirche zu geh\u00f6ren, geh\u00f6ren aber\nbis auf den barocken Abschluss zu der romanischen Phase. Die Westfassade ist so\ngut wie schmucklos, bis auf eine Figur, die Maria darstellt, die Patronin der\nKirche. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nschmale, querschifflose Innenraum ist eine Augenweide. Das sch\u00f6ne, aufw\u00e4ndige\nhochgotische Gew\u00f6lbe verbindet Langhaus und Chor, und ein sch\u00f6ner Fries l\u00e4uft\nan der Wand des Langhauses entlang. Die Fenster des Chors l\u00f6sen die Wand fast\nkomplett auf. Die schlanken, hohen Fenster stammen aus der Nachkriegszeit und\nbilden moderne Frauen ab, darunter Edith Stein. Die einzelnen Figuren sind aber\nschlecht zu erkennen. <\/p>\n\n\n\n<p>Von der\nOriginalausstattung ist nichts erhalten, aber es gibt doch ein paar\nBesonderheiten zu entdecken. Im s\u00fcdlichen Seitenschiff h\u00e4ngt an der Wand auf\nAugenh\u00f6he ein j\u00fcdischer Grabstein. Er wurde nach der Verbannung der Juden und\nder Aufl\u00f6sung des j\u00fcdischen Friedhofs als Baumaterial f\u00fcr die Kirche verwendet.\nWiederentdeckt wurde er, als in neuerer Zeit ein behindertengerechter Zugang\ngebaut wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Ganz in\nder N\u00e4he ein Gem\u00e4lde, das den Heiligen Nikolaus darstellt. Er beugt sich \u00fcber\neine Ansicht von Koblenz und segnet die Stadt mit der rechten Hand. Den Segen\nempf\u00e4ngt er aber von oben, mit der linken Hand, er reicht ihn nur weiter. Die\nAnsicht von Koblenz, eine Schriftrolle, wird von drei Knaben gehalten. Sie verweisen\nauf die drei Knaben, die Nikolaus wieder zum Leben erweckte, und die Geldbeutel\nvorne rechts erinnern an die Mitgift, die Nikolaus drei Jungfrauen schenkte,\ndamit sie heiraten konnten. In der Ansicht von Koblenz hat die Liebfrauenkirche\nnoch spitze T\u00fcrme, und unter der Festung Ehrenbreitstein, dem Vorg\u00e4nger der\nheutigen, erscheint noch Schloss Philippsburg, die alte Residenz der\nKurf\u00fcrsten. Insgesamt erscheint Koblenz als stark befestigte Stadt. <\/p>\n\n\n\n<p>In der\nVorhalle ein Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert, von einem unbekannten K\u00fcnstler.\nDer verstand es, das Leiden Christi sehr plastisch darzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber,\nauch in der Eingangshalle, die Epitaphien der Koblenzer Familie von dem Burgtorn,\ndie Frau in der Mitte, der Mann links von ihr, der Sohn rechts von ihr. Alle\nhaben die H\u00e4nde gefaltet. Die M\u00e4nner tragen R\u00fcstung, haben aber den Helm\nabgelegt. Der liegt zu ihren F\u00fc\u00dfen. Die Frau tr\u00e4gt einen Rosenkranz, der in\neinem sch\u00f6nen, muschelartigen Verschluss endet. Sie tr\u00e4gt eine Haube und blickt\nsehr streng drein. Der Mann h\u00e4lt etwas \u00c4hnliches in der Hand, eine Art Schnur\nmit Perlen. Sie erinnert aber eher an die Kette, mit der M\u00e4nner in Griechenland\nden ganzen lieben langen Tag spielen, die aber keine religi\u00f6se Bedeutung hat.\nWitzig die eisernen Handschuhe des Sohns. <\/p>\n\n\n\n<p>Von\nder Liebfrauenkirche geht es zum <em>Plan<\/em>, vorbei an dem <em>Alten Brauhaus<\/em>, dem Stammhaus der K\u00f6nigsbacher\nBrauerei. Schreibe ich mal vorsichtshalber auf die Merkliste. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\nist es so warm, dass ich mich in ein Stra\u00dfencaf\u00e9 in die Sonne setzen und mir\neine Pause bei einem Kaffee g\u00f6nnen kann. Unter den Lokalen des Platzes f\u00e4llt\nmir die <em>Dubai Lounge<\/em> ins Auge. Gleich daneben h\u00e4ngt das alte\nZunftzeichen der Schuhmachergilde, mit vergoldeten hochhakigen Schuhen und\neinem vergoldeten Stiefel. Dazu Zeichen, die weder von links noch von rechts\neinen Sinn ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>In der\nMitte des Platzes befindet sich ein alter Brunnen. Er ist ein Zeugnis der\nfr\u00fchen Wasserversorgung von Koblenz. Er wurde 1806 errichtet. Der Brunnen wurde\naus Steinen des alten, von den Franzosen zerst\u00f6rten Schlosses erbaut. Er\nbesteht aus einem w\u00fcrfelformigen Basaltstein, und das Wasser kommt aus einem\nSchwanenhals. Oder sollte kommen. Im Moment tut sich nichts. An der Seite eine\nlateinische Inschrift, die an Clemens Wenzeslaus erinnert, den Kurf\u00fcrsten,\nunter dem die erste Wasserleitung erbaut wurde, von Metternich in die Koblenzer\nInnenstadt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ganz\nrechts an der Hauptseite des Platzes einige Lokale, von denen ich ein Photo\nmachen will. Dabei f\u00e4ngt mich der Eigent\u00fcmer eins der Lokale ab. Er macht\ngerade Vorbereitungen f\u00fcr die \u00d6ffnung des Lokals und hantiert an den\nSonnenschirmen herum. Ich bin wohl, ohne es zu merken, in sein Territorium\neingedrungen. Als ich erkl\u00e4re, worum es geht, reagiert er ganz freundlich und\nweist auf ein Schild an einem der H\u00e4user hin. Genau das ist es, was ich suche.\nDas Schild erkl\u00e4rt, dass hier fr\u00fcher die Feuerwehr untergebracht war. Das\nerkl\u00e4rt n\u00e4mlich die breiten Eingangstore der Lokale. Hier mussten die\nFeuerwehrautos rein. Und raus. Und das war das Problem. Sie mussten erst\nzur\u00fccksetzen, und dabei ging wertvolle Zeit verloren. Das brachte letztendlich\ndie Verlegung der Feuerwehr mit sich. Heute w\u00e4re es ohnehin undenkbar, dass die\nFeuerwehrautos hier durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone rasen w\u00fcrden. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\nAusgang des Platzes ist in den Boden eine Bronzeplatte eingelassen, auf die man\ndie brennenden H\u00e4user von Koblenz in der Kriegszeit sieht. Der Text dazu\nbesagt, dass Koblenz im letzten Kriegsjahr zu 87% zerst\u00f6rt wurde, die Folge von\n40 Luftangriffen durch 3.772 Flugzeuge, die 100.000 Tonnen Bomben auf die Stadt\nabwarfen. Solche Zahlen sprengen die Vorstellungskraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dort\ngeht es zum M\u00fcnzplatz, dem zweiten zentralen Platz der Altstadt. An der\nL\u00e4ngsseite ein gro\u00dfes Caf\u00e9 mit dem klassischen Namen <em>Kaffeewirtschaft<\/em>. Daneben ein Lokal mit dem Namen <em>Drei Reben<\/em>, und an der L\u00e4ngsseite eins\nmit dem Namen <em>Gleis 9\u00be.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das\netwas vorger\u00fcckt, allein stehende Geb\u00e4ude vor der Querseite ist die Alte M\u00fcnze.\nHier lie\u00df der Kurf\u00fcrst jahrhundertelang seine M\u00fcnzen pr\u00e4gen. Das Geb\u00e4ude wird\ngerade renoviert. Es entsteht eine Begegnungsst\u00e4tte. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nPlatz ist nicht unsch\u00f6n, aber wirkt merkw\u00fcrdig leer. Es fehlt etwas, das in der\nMitte als Blickfang dienen k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<p>Immer\nwieder bieten sich, von den verschiedenen Pl\u00e4tzen aus, Blicke auf die\nZwiebelt\u00fcrme von Liebfrauen. Die sind allgegenw\u00e4rtig. <\/p>\n\n\n\n<p>In einer\nGasse sto\u00dfe ich auf einen weiteren originellen Gesch\u00e4ftsnamen: <em>Armer<\/em> <em>Josef<\/em>. Der arme Josef schl\u00e4gt sich damit durch, dass er gebrauchte\nPlatten und CDs und alte Abspielger\u00e4te unter die Leute bringt. Aber immerhin in\nzentraler Innenstadtlage. Die \u00d6ffnungszeiten stehen auf einem behelfsm\u00e4\u00dfigen,\nhandgeschriebenen Zettel. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nn\u00e4chste Kirche, die ich mir ansehen will, ist St. Florin, aber ach, sie ist\ngeschlossen. \u00d6ffnungszeiten: Mai bis Oktober. Wer das wohl entschieden hat?<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber\nder Kirche eine graue Basalts\u00e4ule, die man leicht \u00fcbersehen kann. Es ist eine\nReverenz an Nikolaus von Kues, den Cusanus. Der hatte eine Pfr\u00fcnde hier, in St.\nFlorin. In den Reliefs der S\u00e4ule sieht man sein Geburtshaus, das Stift, ein\nMoselschiff, sein Grabmal und eine merkw\u00fcrdige Szene mit drei diskutierenden\nM\u00e4nnern. Oben sitzt er selbst, mit Kardinalshut, ein Buch auf den Beinen. Sein\nWappen besteht aus einem Krebs \u2013 eine Anspielung Nachnamen <em>Cryfftz<\/em> \u2013 und ein Bischofshut.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nGeb\u00e4udeensemble dieses sch\u00f6nen, aber ziemlich vernachl\u00e4ssigten Platzes kann ich\nmir jetzt genauer ansehen. Das zentrale Geb\u00e4ude mit dem Augenroller, das <a><em>St\u00e4dtische Kauf- und\nDanzhaus<\/em><\/a>, steht f\u00fcr das B\u00fcrgertum, der <em>B\u00fchresheimer Hof<\/em> steht f\u00fcr den Adel, und das <em>Sch\u00f6ffenhaus<\/em> f\u00fcr den Kurf\u00fcrsten. Fr\u00fcher waren hier das Mittelrheinmuseum\nbzw. die Stadtbibliothek untergebracht. Jetzt warten die Geb\u00e4ude auf eine neue\nBestimmung. F\u00fcr das <em>St\u00e4dtische Kauf- und\nDanzhaus <\/em>ist der Ausschank einer\nBrauerei vorgesehen. Das w\u00e4re bestimmt eine gute L\u00f6sung. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\ngeht es zur Mosel hinunter und nach St. Kastor. Vor der Kirche der Brunnen, den\nder franz\u00f6sische Stadtkommandant errichten lie\u00df, um den bevorstehenden Sieg\nNapoleons im Russlandfeldzug zu w\u00fcrdigen \u2013 etwas vorschnell, wie sich\nherausstellte. Napoleon kam geschlagen aus Russland zur\u00fcck, verlor die\nV\u00f6lkerschlacht bei Leipzig, und russische Truppen eroberten Koblenz. Der\nrussische Kommandant lie\u00df weder den Brunnen abrei\u00dfen noch die Inschrift\nentfernen, sondern lie\u00df in bestem Franz\u00f6sisch einen ironischen Zusatz\nanbringen: <em>Vu et approuv\u00e9 par nous\nCommandant russe de la ville de Coblentz \u2013 Gesehen und genehmigt durch uns, den\nrussischen Kommandanten der Stadt Koblenz. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dann\ngeht zur Kirche. An den T\u00fcrmen erkennt man verschiedene Bauphasen. Die ersten\ndrei Stockwerke sind \u00e4lter, sie stammen aus dem 11. Jahrhundert. Die T\u00fcrme\nwuchsen weiter empor, die n\u00e4chsten Geschosse sind h\u00f6her und haben\nSchallarkaden, und schlie\u00dflich wurden die Rautend\u00e4cher aufgesetzt. Sie stammen\naus dem 13. Jahrhundert. Vom hellen Tuffstein des Mauerwerks farblich abgesetzt\nsind Lisenen, Eckpfeiler und Gesimse, aus rotem Sandstein und dunklem Basalt.\nIm zweiten Geschoss werden die Eckpfeiler bekr\u00f6nt von Kapitellen mit w-f\u00f6rmigen\nB\u00e4ndern mit Rosetten, Ranken und Trauben. All das lockert die fast fensterlose\nund weitgehend schmucklose Fassade auf. <\/p>\n\n\n\n<p>In dem\nGiebelrelief \u00fcber dem Portal sitzt im Zentrum die Madonna mit Kind, flankiert\nvon der Seligen Rizza, St. Goar, Erzbischof Hetti und Ludwig dem Frommen.\nDar\u00fcber in einer Nische St. Kastor, dazwischen das Papstwappen. All das hat\nseine Bedeutung, steht im Zusammenhang mit der Geschichte der Kirche. Erzbischof\nHetti hat die Kirche geweiht, Ludwig der Fromme gilt als ihr Bauherr (war aber\nbei der Einweihung nicht dabei) und St. Goar ist das Pendant zu St. Kastor.\nBeide stammten vermutlich aus Aquitanien und waren am Rhein als Missionare\nt\u00e4tig. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nheutige Bau stammt in seiner Grundstruktur aus dem 11. Jahrhundert. Die von\nBischof Hetti 836 eingeweihte Vorg\u00e4ngerkirche wurde im Normannensturm zerst\u00f6rt.\nAm Tag vor der Einweihung wurden Reliquien von St. Kastor in die Kirche\n\u00fcberf\u00fchrt. Von ihnen scheint es keine Spur mehr zu geben. <\/p>\n\n\n\n<p>St.\nKastor ist die bedeutendste Kirche von Koblenz. Sie ist der einzige erhaltene\nTeil eines Stifts. Im Mittelalter schloss die Stadtmauer das Stift mit ein. In\nder Franzosenzeit kam es zur Aufl\u00f6sung des Stifts und dem Abriss der\nStiftsgeb\u00e4ude. Das erkl\u00e4rt die gro\u00dfe Esplanade zu allen Seiten der Kirche, ganz\nanders als bei der Liebfrauenkirche. Zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Koblenz\nwurde St. Kastor in den Rang einer Basilika Minor erhoben. Das erkl\u00e4rt sowohl\ndie Pr\u00e4senz des Papstwappens an der Fassade als auch die von Tintinnabulum und\nConopeum im Chor. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nRaumeindruck ist ganz anders als bei Liebfrauen. Die Kirche ist breiter und\nniedriger, oder wirkt jedenfalls so. Durch die Gestaltung des Chors hat sie\nfast etwas Byzantinisches. <\/p>\n\n\n\n<p>St.\nKastor, der einen schon an der Fassade in Empfang nimmt, ist gleich viermal in\nder Kirche vertreten. An der Westwand h\u00e4ngt ein lebensgro\u00dfes, ganzfiguriges\nBildnis des Heiligen, mit einem Modell seiner Kirche auf den Armen. Das Bild\nist ein Geschenk eines Kurf\u00fcrsten, der das Bild gleichzeitig ausnutzte, um die\nvon ihm erbaute Philippsburg darstellen zu lassen. Das Gegenst\u00fcck dazu bildet,\nauch an der Westwand, aber im n\u00f6rdlichen Seitenschiff, das Bildnis von St.\nGoar. An der Ostwand befindet sich Kastor auf einem reich bebilderten barocken\nEpitaph, auf der Au\u00dfenseite. Als sein Pendant ist auf der anderen Au\u00dfenseite\nSt. Florin dargestellt. Dann befindet sich Kastor, von unten schwer erkennbar,\nauf einer Konsole in der Vierung, auch hier mit dem Modell seiner Kirche in den\nArmen. Hier sieht er bescheidener aus, fast m\u00f6nchisch, ganz anders als auf dem\nPortr\u00e4t an der Westwand. Und dann hat er noch seinen Auftritt in einem\nau\u00dfergew\u00f6hnlichen Gem\u00e4ldezyklus, der urspr\u00fcnglich an der Chorschranke hing. Es\nhandelt sich um insgesamt 16 Gem\u00e4lde, in zwei Reihen aufgeh\u00e4ngt, darunter die\n12 Apostel. St. Kastor ist ganz links. Um die Apostelk\u00f6pfe schlingen sich\nSpruchb\u00e4nder, die das Apostolische Glaubensbekenntnis enthalten, beginnend mit\n\u201eCredo in patrem omnipotentem\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie in\nLiebfrauen ist auch hier das Gew\u00f6lbe ein echter Hingucker, ein Sterngew\u00f6lbe mit\nskulptierten Schlusssteinen. Im westlichen Joch ein Schlussstein, der einer der\nechten Kuriosit\u00e4ten der Kirche ist, auch er von unten nicht leicht zu erkennen.\nEr zeigt Maria und den Jesusknaben am Steuer eines Oberl\u00e4nders, eines f\u00fcr den\nMittelrhein typischen Schiffs. Das Segel bl\u00e4ht sich im Wind, und hinten sorgt\nein Engel an einem Ruder daf\u00fcr, dass man nicht vom Weg abkommt. <\/p>\n\n\n\n<p>Sehr\nsch\u00f6n ist auch die Kanzel, bunt gefasst, barock. Der Kanzelkorb ruht auf einer\nS\u00e4ule, auf der putzige, eher weltlich aussehende Engelsk\u00f6pfe dargestellt sind.\nAuf der Kanzel selbst die vier Evangelisten und die vier Kirchenv\u00e4ter, immer\nabwechselnd. Wie so oft ist die interessanteste Darstellung die von Lukas, der\nTradition gem\u00e4\u00df als Maler dargestellt. Er sitzt mit \u00fcbereinandergeschlagenen\nBeinen auf einem einfachen Stuhl. Die Krampfadern an den Beinen treten deutlich\nhervor. Er macht Skizzen in einem Buch. Hinter ihm die Staffelei. Auf der steht\nein Bild der Madonna mit Kind. Zu seinen F\u00fc\u00dfen der Stier, sein Emblem. Der\nschaut in aller Ruhe zu. An der Wand noch ein Objekt, das nicht leicht zu\nidentifizieren ist, vielleicht ein eisernes Schloss. Wenn man genauer hinguckt,\nsieht man, dass Lukas &nbsp;Sandalen mit\ngoldenen Riemen tr\u00e4gt, und auch sein einfacher Umhang hat einen Saum aus Gold. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon\nimmer habe ich mich gefragt, woher wohl der Name Rizzastra\u00dfe kommt, in der N\u00e4he\ndes Bahnhofs. Die Antwort gibt es hier. Sie war eine adelige Frau, \u00fcber deren\nLeben man nicht so viel wei\u00df. Aber man wei\u00df, dass sie dem Stift ihren Hof in\nKobern vermacht hatte. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Es lohnte\nsich f\u00fcr sie. Sie wurde zur Protagonistin aller m\u00f6glichen Legenden, und am Ende\nwurde sie seliggesprochen. Der Schrein mit ihren Reliquien befindet sich hier,\nim n\u00f6rdlichen Seitenschiff. Auf dem Bild in der Mitte sieht man sie bei ihrer\nlegend\u00e4ren \u00dcberquerung des sturmbewegten Rheins. <\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber,\nan der Wand des s\u00fcdlichen Seitenschiffs, f\u00e4llt ein Grabdenkmal auf, das des\nFriedrich von Sachsenhausen und seiner Frau. Beide haben die H\u00e4nde zum Gebet\ngefaltet. Sie ist in ein dickes Gewand geh\u00fcllt, das nur ihr Gesicht und ihre\nH\u00e4nde sehen l\u00e4sst. Bei ihm ist es sogar nur das Gesicht, denn er tr\u00e4gt eine\nR\u00fcstung mit eisernen Handschuhen. Das Gesicht guckt dankt des hochgeklappten\nVisiers hinter dem Helm hervor. \u00dcber ihnen, \u00fcber einem Gesims, das wiederum von\neiner Blendarchitektur abgeschlossen wird, das jeweilige Familienwappen. <\/p>\n\n\n\n<p>Um die\nbeiden Grabm\u00e4ler, die als die wichtigsten Ausstattungsst\u00fccke der Kirche gelten,\n\u00fcberhaupt zu sehen zu bekommen, muss man in den Chor gehen, durch eine schmale\nPforte im Seitenschiff. Die beiden Grabm\u00e4ler befinden sich einander gegen\u00fcber,\nan den Seitenw\u00e4nden des Chors, und \u00e4hneln sich. Es sind Grabm\u00e4ler f\u00fcr zwei\nErzbisch\u00f6fe und Kurf\u00fcrsten, Kuno von Falkenstein und Werner von Falkenstein\n(XIV). Beide Figuren liegen, den Kopf auf ein Kissen gebettet, aber sie sind\nauch so dargestellt, als w\u00fcrden sie stehen, und zwar unter einem Baldachin. Die\nSkulpturen zeichnen sich durch viele Details aus wie den Hund, der an Kunos\nPontifikalschuhen leckt, wohl als Zeichen der Unterwerfung. Genau ausgebildet\nsind die Gesichter, mit vielen realistischen Z\u00fcgen. Kunos Augen sind nur halb\ngeschlossen, das Gesicht ist rund und feist, er hat eine kleine Nase und\nabstehende Ohren und \u00fcber dem Auge eine geschwollene Vene. Werners Gesicht ist\nbis in die Bartstoppeln hinein ausgearbeitet, und seine Haut zeigt Zeichen der\nEpidermis. Werner war Propst von St. Florin und als Erzbischof Nachfolger\nKunos. Der war 40 Jahre lang in h\u00f6chsten Stellungen t\u00e4tig und mischte auch in\nder Reichspolitik mit, als Vertrauter Karls IV. Sein Leichnam wurde auf\nVeranlassung von Werner nach Koblenz \u00fcberf\u00fchrt, denn er hatte einen Widerwillen\ngegen Trier, wo er wegen all der Streitigkeiten mit dem Rat und den B\u00fcrgern\nnicht mehr residierte. Wer k\u00f6nnte ihn nicht verstehen? <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\nfehlt nur noch der Rundgang um die Kirche au\u00dfen herum. Sehr sch\u00f6n ist der Blick\nauf die Kirche von S\u00fcden her, wo man alle vier T\u00fcrme gleichzeitig sieht, und\nvon Osten her. Die Apsis, halbkreisf\u00f6rmig, ist stark gegliedert durch S\u00e4ulen\nund Arkaden. Die untere Zone hat Kleeblattblenden und Halbs\u00e4ulen, dar\u00fcber\nRundbogenfenster, und dar\u00fcber eine Zwerggalerie mit Arkaden und schlanken\nS\u00e4ulen. In der Mitte zwei L\u00f6wen, die sich mit gebleckten Z\u00e4hnen ansehen. Romanik\nvom Feinsten. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem\nR\u00fcckweg sehe ich noch am Moselufer drei Steinplatten, alle gleich, etwas\nversetzt aufgestellt. Es sind Teile der Berliner Mauer und sie dienen als\nErinnerung an die Teilung und deren Opfer. Warum sind es ausgerechnet drei\nTeile? Zufall? Oder stehen sie f\u00fcr Einigkeit und Recht und Freiheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Ganz in\nder N\u00e4he ein Denkmal, das an Peter Altmeier, den ersten Ministerpr\u00e4sidenten von\nRheinland-Pfalz und an die Gr\u00fcndung des Landes erinnert. Er besteht aus vier\nunterschiedlich gro\u00dfen, aber gleichf\u00f6rmigen r\u00f6tlichen Sandsteinbl\u00f6cken, die\nalle irgendwie miteinander verkeilt sind. Sie stehen f\u00fcr die vier sehr\nunterschiedlichen Territorien, aus denen das Land geformt wurde: die preu\u00dfische\nRheinprovinz, Hessen-Nassau, Rheinhessen, die Pfalz. Peter Altmeier wird das\nVerdienst zugesprochen, Rheinland-Pfalz ge\u00f6ffnet zu haben, Verbindungen zu den\nwestlichen Nachbarn, vor allem zu Burgund gekn\u00fcpft zu haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\ngeht es zur\u00fcck zum <em>Forum<\/em>. In der Touristeninformation erfahre ich, dass\ndie F\u00e4hre erst ab Ostern wieder f\u00e4hrt. Auch das Mutter-Beethoven-Haus und die\nMatthiaskapelle in Kobern \u00f6ffnen erst ab Ostern wieder. Ich bin offensichtlich\neine Woche zu f\u00fcr hier. <\/p>\n\n\n\n<p>Danach\nsteht mir noch der schwierige Anstieg mit dem Fahrrad in den H\u00f6henstadtteil\nbevor. <\/p>\n\n\n\n<p>12.\nApril (Dienstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe\nzu Fu\u00df zur Festung Ehrenbreitstein, aber nicht, um da zu bleiben, sondern um\nmit der Seilbahn in die Stadt zu fahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man\nauf das Gel\u00e4nde der Festung kommt, hat man rechts und links Kinderspielpl\u00e4tze,\nSpazierwege, Gr\u00fcnanlagen und einen Kiosk, an dem man Bollerwagen, Stehtische\nund Liegen ausleihen kann. Gratis! In der Ferne sieht man schon das\nfuturistische Geh\u00e4use der Abfahrtshalle der Seilbahn silbern in der Sonne\ngl\u00e4nzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Erst\nkommt aber noch der \u201eRhein-Mosel-Blick\u201c, eine Aussichtsplattform aus Holz, aus\neinheimischen Douglasien gebaut. Zu besseren Zeiten sind wir mal hier\nraufgejoggt. Zu dritt. Die Aussichtsplattform f\u00fchrt auf breiten Rampen sanft\nhinauf. Oben hat man einen Blick ins Tal und auf den Rhein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Seilbahn\nwurde, wie wir schon bei der Stadtf\u00fchrung erfahren haben, zur Bundesgartenschau\nerrichtet, sollte aber sp\u00e4ter nach dem Willen der UNESCO wieder abgebaut\nwerden. Dagegen erhob sich Protest \u2013 zurecht. Die UNESCO lenkte ein und\nerlaubte den Betrieb bis 2023. Jetzt gibt es eine Verl\u00e4ngerung bis 2026. Es\nw\u00e4re eine Schande, wenn die Seilbahn abgebaut w\u00fcrde. Warum sie das Rheintal verschandeln\nsoll, ist nicht einzusehen. Dann m\u00fcsste man auch die Bahntrassen abbauen.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der\nSeilbahn gibt es, wie h\u00e4ufig in Koblenz, Seniorenrabatt. Zugegeben, man spart\nnur einen Euro, aber es geht wohl nach dem Motto: \u201eWer den Euro nicht ehrt \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der\nFahrt in den ger\u00e4umigen Kabinen geht es runter und dann auf die andere\nRheinseite. Von oben hat man einen guten Blick auf das Deutsche Eck und sieht\naus mehreren Perspektiven alle drei Doppelturmfassaden auf einen Blick. Ich\nverpasse aber die Gelegenheit, auf das Wasser von Rhein und Mosel zu achten.\nDas soll sich in der Farbe unterscheiden. <\/p>\n\n\n\n<p>Unten angekommen,\nf\u00e4llt mein Blick auf ein Ausflugsschiff mit dem Namen <em>Confluentia<\/em>. Dann\ngeht es zu Fu\u00df weiter Richtung <em>Forum<\/em>. Ich komme an einem Sandsteinrelief\nvorbei, das in die Au\u00dfenmauer eines Hauses eingelassen ist, \u201eDie gute alte\nZeit\u201c. Es befand sich fr\u00fcher an der Fassade des Hotels Rheingold. Man sieht\ndrei M\u00e4nner beim Kartenspielen in einem Gasthaus, Kr\u00fcge und Pokale vor sich.\nEiner raucht Pfeife, einer raucht Zigarre, und zwei von ihnen haben lange\npr\u00e4chtige Z\u00f6pfe. Rechts hinter ihnen beobachtet ein zigarrerauchender Mann mit\nZipfelm\u00fctze die Szene, vermutlich der Wirt. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\npassiert man die <em>Kastorpfaffenstra\u00dfe<\/em> und kommt auf eine Fu\u00dfg\u00e4ngerstra\u00dfe.\nHier, so kommt mir vor, bin ich noch nie gewesen. Dann aber \u00f6ffnet sich die\nStra\u00dfe auf einen Platz, und da mache ich eine kuriose Entdeckung. Heute Morgen\nnoch habe ich daran gedacht, dass ich vor Jahren bei einer Besichtigung von\nKoblenz mal eine S\u00e4ule gesehen habe, die die Geschichtsepochen der Stadt\ndarstellt. Seitdem bin ich nie wieder auf sie getroffen. Und jetzt stehe ich\nunverhofft vor ihr. Es ist die <em>Historiens\u00e4ule. <\/em>Sie stehtdie in\nder Mitte eines Brunnens. \u00dcber einem r\u00f6mischen Weinschiff, von kraftvollen\nRuderern bewegt, sind die Etappen von Koblenz in verschiedenen Schichten\nabgebildet, von der r\u00f6mischen Stadt bis zur heutigen Stadt. Die fr\u00e4nkische\nStadt ist vertreten, die Zeit der Kurf\u00fcrsten, die Hexenprozesse, der Drei\u00dfigj\u00e4hrige\nKrieg, die preu\u00dfische Zeit, der Zweite Weltkrieg. Alles ist dargestellt anhand\neiner Vielzahl von Geb\u00e4uden und Figuren. Ganz oben sieht man die Zwiebelt\u00fcrme\nder Liebfrauenkirche. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist\nnoch ziemlich ruhig auf dem Platz um diese Zeit. Ich entdecke einen\nFriseursalon mit dem Namen <em>M\u00e4nnerhort<\/em> und ein Bekleidungsgesch\u00e4ft f\u00fcr\nKinder mit dem Namen <em>Wunschkind<\/em>. Ganz in der N\u00e4he ein Friseursalon, der\neinfach <em>Friseur<\/em> hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nwei\u00df ich auf einmal, wo ich bin. Die Stra\u00dfe l\u00e4uft in den Jesuitenplatz ein. &nbsp;Von hier aus sind es nur noch ein paar\nSchritte bis zum <em>Forum<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Als\nerstes steht das Mittelrheinmuseum auf dem Programm. Am Eingang steht der Originalkopf\nder Reiterstatue von Wilhelm I. vom Deutschen Eck. Der beweist vor allem, wie\ngro\u00df die Statue sein muss. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nMuseum befindet sich im oberen Stockwerk. Es gibt viel zu sehen, und alles ist\nsehr gut pr\u00e4sentiert. Besonders in Erinnerung bleibt mir ein Gem\u00e4lde von dem\nzugefrorenen Rhein (1767), auch damals ein ungew\u00f6hnliches Ereignis. Es herrscht\nVolksfeststimmung. Man sieht Musiker und Schlittenfahrer und eine Art Bierzelt,\naber auch Handwerker, die dem staunenden Volk ihre Handwerksk\u00fcnste\npr\u00e4sentieren. Und ein Barbier hat hier seinen Salon er\u00f6ffnet. Man sieht auch\neinen Reiter, der auf dem Weg nach Ehrenbreitstein ist. Der zugefrorene Rhein\nverk\u00fcrzte den Weg erheblich. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch\ninteressant sind die Gem\u00e4lde aus dem 19. Jahrhundert, die Landschaften aus dem\nMittelrheintal darstellen. Sie stammen fast ausschlie\u00dflich von englischen\nMalern. Die Engl\u00e4nder hatten das Mittelrheintal als Reiseziel neu entdeckt,\nnachdem bei der Grand Tour im 18. Jahrhundert Deutschland meist links liegen\ngelassen wurde. Die f\u00fchrte nach Frankreich und Italien. Jetzt hatte man das\nMittelrheintal entdeckt. Es gab 1830 schon 16.000 englische Touristen, eine\nRiesenzahl, wenn man in Rechnung stellt, wie viele sich \u00fcberhaupt so eine Reise\nleisten konnten. Mit dem Reisen wuchs auch das Bed\u00fcrfnis nach Reisesouvenirs\u201c.\nMan wollte zu Hause zeigen, was man gesehen hatte. Und diese Funktion erf\u00fcllten\ndie Gem\u00e4lde. Die Maler selbst waren teils gar nicht hier gewesen, sie malten\nnach Skizzen von Reisenden, so dass die Darstellungen oft nur vage der\nWirklichkeit entsprachen. Aber darauf kam es nicht an. Es ging darum, das\nMittelrheintal in ein romantisches Licht zu h\u00fcllen, und das ist hier immer der\nFall. Das Licht selbst, die Wolken, die spiegelglatte Wasserfl\u00e4che und\nnat\u00fcrlich die Burgen geh\u00f6rten zu den obligatorischen Zutaten, auch auf den\nStadtansichten von Cochem, Beilstein und Koblenz. <\/p>\n\n\n\n<p>Als\nKuriosit\u00e4t kann eine Bilderuhr durchgehen. Das Gem\u00e4lde zeigt Ehrenbreitstein\nund Pfaffendorf. Der Kirchturm von Ehrenbreitstein hat ein Ziffernblatt und\nzwei echte Zeiger, die sich bewegen und die Zeit anzeigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt\neine gro\u00dfe Zahl an mittelalterlichen Statuen, meist aus dieser Gegend, meistens\ndie Jungfrau darstellend, mal mit Trauben, mal mit Palmwedeln, mal stehend, mal\nsitzend, mal mit, mal ohne Jesuskind, mal als Herrscherin, mal als Mutter.\nAllen Statuen ist gemeinsam, dass sie \u201ebewegt\u201c sind. Die Madonna dreht den Kopf\ndem Kind zu oder beugt sich hinunter, an der W\u00f6lbung des Gewands kann man\nablesen, dass die Beine oder H\u00e4nde sich bewegen. Bei allen Statuen sind Haare\nund Accessoires und der Faltenwurf genau dargestellt. <\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4lde\ngibt es in gro\u00dfer Zahl, biblische Motive, Landschaften, St\u00e4dtepanoramas,\nStillleben, abstrakte Gem\u00e4lde, surrealistische, aber bei vielen fehlt einem der\nkonkrete Bezug zu Koblenz oder zum Rhein. <\/p>\n\n\n\n<p>Einen\nregionalen Bezug haben die Gem\u00e4lde von Januarius Zick, nicht durch die Motive,\nsondern deshalb, weil er Hofmaler der Kurf\u00fcrsten war. Besonders f\u00e4llt mir hier\nein Doppelportr\u00e4t eines alten Mannes und einer alten Frau mit tief zerfurchten\nGesichtern auf. <\/p>\n\n\n\n<p>In einem\nabgedunkelten Raum ist die Schatzkammer des Museums untergebracht. Ein Jadebeil\naus den Dolomiten, das vor 6.000 Jahren hierherkam, ist das \u00e4lteste\nAusstellungsst\u00fcck. Aus der keltischen Zeit, aus dem ersten vorchristlichen\nJahrhundert, stammt eine winzige punzierte Reiterfigur aus Bronzeblech. Sehr\nsch\u00f6n ein fr\u00e4nkischer Halsschmuck aus Bernstein, bestehend aus farblich\nunterschiedlichen Kugeln, Zylindern und W\u00fcrfeln. Aus dem Mittelalter stammt ein\nM\u00fcnzschatz mit Silberdenaren aus Burgund. Schon aus der Neuzeit ein\nvielteiliges Reiseservice mit Besteck, Glas, Schere, Spiegel und vielem mehr.\nAlles wird in passgenau angefertigte, mit rotem Samt ausstaffierte F\u00e4cher in\neinem Reisekoffer aus Leder transportiert. <\/p>\n\n\n\n<p>In einer\nEcke des Museums steht ein Modell der Statue Wilhelms I. vom Deutschen Eck.\nHier kann man alles erkennen, was man am Standort selbst nicht sieht: die\nUniform, das Zaumzeug, die M\u00e4hne des Pferdes, die erhobene Vorderhand des\nPferdes, den Kommandostab, den der Kaiser in der einen Hand und die Z\u00fcgel, die\ner in der anderen Hand h\u00e4lt und, nicht zuletzt, des Kaisers Bart, den\nKaiser-Wilhelm Bart, bei dem der Schn\u00e4uzer von einem reicht gelockten\nBackenbart gerahmt wird. Vor allem sieht man aber die Figur an seiner Seite,\neine gefl\u00fcgelte barbusige Frau, die die schwere Krone auf ihren Knien h\u00e4lt. <\/p>\n\n\n\n<p>Lange\nstehe ich vor einem Modell von Koblenz aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Man\nsieht noch die Stadtmauer mit T\u00fcrmen, aber sie hat schon nur noch zwei Seiten.\nDas Rheinufer Ehrenbreitstein gegen\u00fcber ist nicht mehr befestigt. Die andere\nMoselseite und Ehrenbreitstein sind dichter besiedelt als Koblenz selbst. Man\nsieht nur eine Br\u00fccke, und die f\u00fchrt \u00fcber die Mosel. Deutlich sieht man, dass\ndas heutige Deutsche Ecke noch eine Insel ist, ohne Bebauung. Au\u00dferhalb der\nStadtmauer gibt es gar keine Geb\u00e4ude. Das war eine Bestimmung aus\nmilit\u00e4rtaktischen Gr\u00fcnden: Man wollte den Feind von weitem sehen und ihm keine\nM\u00f6glichkeit geben, sich hinter Geb\u00e4uden zu verschanzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter,\nin der preu\u00dfischen Zeit, durften, wie ich aus zuverl\u00e4ssigen Quellen wei\u00df,\nau\u00dferhalb der Stadtmauer bzw. vor Festungen nur Rayonsh\u00e4user gebaut werden,\nalso solche, die im Falle eines Angriffs schnell zerlegt werden konnten. Auch\ndas Baumaterial musste schnell entfernt werden. Dazu machte das Reichsrayonsgesetz\ngenaue Vorschriften. Es durften nur Fachwerkh\u00e4user gebaut werden, aber mit\nKiefer statt mit Eiche, und sie durften nur zwei Stockwerke haben. Auch f\u00fcr die\nDicke und die Verzapfung der Balken gab es genaue Vorschriften. Koblenz, als\nalte Festungsstadt, verf\u00fcgt bis heute \u00fcber einige solcher H\u00e4user. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum\nSchluss sehe ich noch etwas, das eigentlich ganz am Anfang h\u00e4tte stehen sollen:\neinen Pfahl der ersten R\u00f6merbr\u00fccke, aus dem Jahr 14. n.Chr. Der Pfahl l\u00e4uft\nnach unten spitz zu. Neben dem Pfahl sieht man den Pfahlschuh. Das ist die\neiserne Verst\u00e4rkung, die unten an dem Pfahl angebracht wurde. Er diente der\nVerst\u00e4rkung und erleichterte das Einrammen des Pfahls in den Flussgrund. Zu\nmeiner Verwirrung hei\u00dft es hier, die erste R\u00f6merbr\u00fccke habe \u00fcber den Rhein\ngef\u00fchrt, nicht \u00fcber die Mosel. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nmache eine Kaffeepause auf dem <em>Plan<\/em>, wieder in demselben Caf\u00e9, und lasse\nmir die Sonne auf den Pelz scheinen. Dann geht es zur\u00fcck zum <em>Forum<\/em> und\nins <em>Romanticum<\/em>. F\u00fcr das Museum habe ich noch eine Eintrittskarte aus\neinem alten Geschenkkorb. Die Frau an der Rezeption sieht mich skeptisch an und\nsagt, die Eintrittskarte sei doch wohl schon verbraucht. Dann sieht sie aber\nnach, und alles ist in Ordnung. <\/p>\n\n\n\n<p>Im <em>Romanticum<\/em>\ngeht man auf eine virtuelle Reise durch das Rheintal. Das war lange nur eine\nDurchgangsstation auf dem Weg nach S\u00fcden, bis es als Reiseziel entdeckt wurde. Gef\u00f6rdert\nwurde dieser fr\u00fche Tourismus durch den Bau der Eisenbahn und das Aufkommen der\nDampfschifffahrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nAttraktion auf der Reise war das Echo an der Lorelei. Die Dampfschiffe machten\ndort extra Halt und lie\u00dfen ein paar B\u00f6llersch\u00fcsse los, damit die Besucher das\nEcho erleben konnten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nandere Attraktion waren die vielen Burgen, die meisten entweder Ruinen oder\nwieder aufgebaut und kaum mehr als 200 Jahre alt. Aber von den meisten\nBesuchern wurden sie vermutlich als mittelalterlich wahrgenommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Man\nerf\u00e4hrt hier anhand von Schaubildern auch etwas \u00fcber die Bodenbeschaffenheit\ndes Rheintals, das urspr\u00fcnglich vom Ozean bedeckt war. Aus dem Sand des\nMeeresbodens wurden Sandstein und Quarzit, aus dem Ton des Meeresbodens wurde Tonstein\nund aus dem Tonstein Schiefer. <\/p>\n\n\n\n<p>In dem\nMuseum stehen \u00fcberall Figuren herum, die dem Besucher aus ihrer Sicht etwas \u00fcber\ndas Rheintal erz\u00e4hlen, darunter ein Lotse, ein Besatzungssoldat und ein\nKameramann. Aber auch namentlich bekannte Personen sind hier vertreten,\ndarunter Clemens von Brentano, der Dichter der Ballade von der Lorelei. Die\nTradition lieferte ihm schon die wichtigsten Zutaten, das Echo, eine sch\u00f6ne\nLandschaft, eine ungl\u00fcckliche Liebe, eine sch\u00f6ne Frau. Bei der Verfassung der\nBallade orientierte er sich an dem Echo-Mythos von Ovid. Die Volkserz\u00e4hlung\nf\u00fcgte er ein dramatisches Element hinzu: Die ungl\u00fcckliche Lorelei st\u00fcrzt sich\nam Ende selbst von dem Felsen in den Rhein. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nSophie von La Roche spricht zu einem. Sie f\u00fchrte einen literarischen Salon in\nihrer Villa in Ehrenbreitstein, in dem viele der Gr\u00f6\u00dfen der Zeit verkehrten.\nSie berichtet von dem Besuch Goethes bei ihr. Der habe sie auf die Geschichte\ndes <em>Fr\u00e4ulein von Sternheim<\/em> angesprochen, einen Roman, der zu dieser Zeit\nin aller Munde war. Er lobte das Werk, ohne zu ahnen, wer der Autor des Werkes\nwar. Das war n\u00e4mlich Sophie von La Roche. Sie hatte Wieland den Text gegeben,\nund der hatte ihn anonym herausgebracht. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nTurner spricht zu dem Besucher. Er reiste immer wieder ins Mittelrheintal, von\ndessen Landschaft er sich inspiriert f\u00fchlte. Bei jedem Besuch machte er den Weg\nvon Bingen nach Koblenz, meistens zu Fu\u00df. Er fertigte Skizzen von der\nLandschaft an, malte aber die Bilder im heimischen Atelier in England. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum\nSchluss gibt es noch etwas zu den kulinarischen Spezialit\u00e4ten des Rheintals.\nAuf einem virtuellen Teller steht eine Glocke, und wenn man sie hebt, erh\u00e4lt\nman das Bild, den Namen und das Rezept einer Spezialit\u00e4t: Rieslingsuppe,\nRheinzander, Himmel und Erd, D\u00fcbbekuchen. Hungrig trete ich den R\u00fcckweg an. <\/p>\n\n\n\n<p>13.\nApril (Mittwoch) <\/p>\n\n\n\n<p>Wieder\ngeht es nach Ehrenbreitstein, aber diesmal nicht, um runter zu fahren, sondern\num hier zu bleiben und die Festung anzusehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Als ich\nauf das Gel\u00e4nde der Festung komme, sehe ich von weitem eine ganze Gruppe von\nFrauen auf dem Boden sitzen, alle in unterschiedlichen Stellungen. Erst denke\nich an Fr\u00fchsport, aber dann merke ich, dass sie sich den Gr\u00fcnanlagen widmen. Es\nsind Freiwillige, die Unkraut j\u00e4ten, Rasen m\u00e4hen und Blumen pflanzen, um die\nAnlagen in Ordnung zu halten.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Man\nbetritt die Festung durch das <em>Unbenannte\nTor<\/em>. Dann geht es stracks in die Ausstellung zur Festungsgeschichte. Sehr\ninteressant, vor allem in der unteren Etage, und sehr gut pr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Man\nerf\u00e4hrt, dass die Festung bereits in der Bronzezeit besiedelt war. Das\nHochplateau bot Schutz, und den verst\u00e4rkte man noch durch Gr\u00e4ben und\nPalisadenz\u00e4une. <\/p>\n\n\n\n<p>Fundst\u00fccke\ngibt es sogar aus der Steinzeit, ein Steinbeil und Teile von Keramik. Besonders\nsch\u00f6n ein Halsring aus der Eisenzeit, gr\u00fcn, mit einem spiralf\u00f6rmigen Muster und\neinem Verschluss. Wie sie das wohl alles hinbekommen haben?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die\nR\u00f6mer hatten hier oben eine Verteidigungsanlage. Sie diente einerseits der\nSicherung der Transportwege, andererseits sicherte sie den Zugang zu den\nErzlagerst\u00e4tten im Mittelrheintal. Ausgestellt sind hier Schleuderbeile und\nGeschossspitzen. Aus denen schlie\u00dfen die Arch\u00e4ologen auf einfallende Germanenst\u00e4mme.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nerste bekannte Burgherr von Ehrenbreitstein hie\u00df Ehrenbrecht. Nach ihm wurde\ndie Anlage benannt \u2013 sie hie\u00df jahrhundertelang <em>Ehrenbrechtstein<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nging die Burg an die Erzbisch\u00f6fe von Trier \u00fcber. Sie machten aus der Burg eine\nFestung (XV). Es entstanden Wohngeb\u00e4ude, Verwaltungsgeb\u00e4ude, eine Kapelle, und\nes siedelten sich Lehnsleute, Dienstleute und Handwerker an. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nKurf\u00fcrsten verlegten dann ihre Residenz von Trier nach Koblenz (XVII). Wegen\nder st\u00e4ndigen Franzosengefahr, wie es hei\u00dft. Aber auch der st\u00e4ndige \u00c4rger mit\ndem Rat und den B\u00fcrgern von Trier d\u00fcrfte eine Rolle gespielt haben. Der\nEhrenbreitstein war eine Zeitlang Residenz der Kurf\u00fcrsten, aber die war nicht\nmehr zeitgem\u00e4\u00df. Bald entstand Schloss Philippsburg, unten am Rhein, leichter\nerreichbar und komfortabler.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nwurde auch eine Hofkapelle gegr\u00fcndet, unter dem Kurf\u00fcrsten von der Leyen. Hier\nausgestellt ist eine extra f\u00fcr die Hofkapelle geschriebene Partitur mit dem <em>Kyrie<\/em> <em>Eleison<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben\nausgestellt ist eine Originalausgabe von Goethes <em>Dichtung und Wahrheit<\/em>, in Frakturschrift. Aufgeschlagen ist die\nStelle, an der er von seinem Besuch bei Sophie von La Roche in Ehrenbreitstein\nberichtet. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nkommt eine ganz besondere Vitrine. Hier ist ein M\u00fcnzschatz ausgestellt, 1947\nauf dem Dachstuhl eines Hauses in Ehrenbreitstein gefunden, in einem Krug aus\nWesterw\u00e4lder Keramik. Er umfasst sagenhafte 4.640 M\u00fcnzen! Die M\u00fcnzen hat man\ndatieren k\u00f6nnen auf die Zeit zwischen 1599 und 1688. Wahrscheinlich steht der\nM\u00fcnzschatz im Zusammenhang mit dem franz\u00f6sischen (am Ende erfolglosen)\nEroberungsversuch von Ehrenbreitstein im Pf\u00e4lzischen Erbfolgekrieg. Warum der\nSchatz versteckt, aber danach nie wieder gehoben wurde, wei\u00df man nicht. Die\nmeisten M\u00fcnzen sind sog. <em>Peterm\u00e4nnchen<\/em>, die g\u00e4ngigste M\u00fcnze f\u00fcr den allt\u00e4glichen\nZahlungsverkehr im Erzbistum Trier. Einige M\u00fcnzen sehen noch brandneu aus.\nWegen der gro\u00dfen Zahl an kleinen M\u00fcnzen vermutet man, dass es sich um die Kasse\neines \u00f6ffentlichen Amtes handelt. Muss ein tolles Erlebnis gewesen sein f\u00fcr\ndenjenigen, der pl\u00f6tzlich auf den Schatz getroffen ist, gleich nach dem Krieg.\nDer Schatz ist hier auch sehr sch\u00f6n pr\u00e4sentiert, so als w\u00e4ren die M\u00fcnzen gerade\naus dem auf dem Boden liegenden Krug herausgerollt. <\/p>\n\n\n\n<p>Hinter\ndem M\u00fcnzschatz eine Abbildung von Koblenz aus dieser Zeit. Man sieht die H\u00e4user\nder Stadt in Flammen stehen. Auf der Karte sind namentlich gekennzeichnet \u212d\ud835\udd2c\ud835\udd1f\ud835\udd29\ud835\udd22\ud835\udd2b\ud835\udd37 \ud835\udd08\ud835\udd2f\ud835\udd22\ud835\udd2b\ud835\udd1f\ud835\udd2f\ud835\udd22\ud835\udd26\ud835\udd31\ud835\udd30\ud835\udd31\ud835\udd22\ud835\udd26\ud835\udd2b \ud835\udd10\ud835\udd2c\ud835\udd30\ud835\udd22\ud835\udd29\ud835\udd29 \u211c\ud835\udd25\ud835\udd22\ud835\udd26\ud835\udd2b \ud835\udd09\ud835\udd29\ud835\udd32\ud835\udd30\u017f.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\noberen Stockwerk geht die Ausstellung weiter. Hier geht es um das Leben der\npreu\u00dfischen Soldaten in Koblenz. Sie waren zuerst in Privatquartieren\nuntergebracht, weil die Festung sich noch im Bau befand. Hier oben wurde dann\nsehr auf Hygiene und Sauberkeit geachtet, und es gab sogar einen gewissen\nKomfort: regelm\u00e4\u00dfiger Wechsel der Bettw\u00e4sche, ein eigenes Bett, eigene\nHandt\u00fccher \u2013 keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit f\u00fcr einen Jungen vom Lande zu dieser\nZeit. <\/p>\n\n\n\n<p>Man\nerf\u00e4hrt auch etwas \u00fcber das Strafsystem. Spie\u00dfrutenlaufen und Pr\u00fcgelstrafe\nwaren 1808 abgeschafft worden. Die h\u00e4ufigste Strafe war der Arrest. Hier sind\nvier Zellen erhalten, zwei mit, zwei ohne Pritsche. In denen musste man\nwahrscheinlich stehen. Kein Vergn\u00fcgen, aber immerhin gab es Tageslicht. Und man\nwurde verpflegt. Mit den dunklen Kerkern der Vergangenheit hatte das nichts zu\ntun. <\/p>\n\n\n\n<p>In einer\nVitrine sind Duellpistolen ausgestellt, punziert, mit langem Lauf und einem\nh\u00f6lzernen Griff. Das Duellieren wurde bestraft, aber es gab meist schnelle\nBegnadigungen. Man sieht, dass das Duellieren noch sozial akzeptiert war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nmache eine Kaffeepause in einem Caf\u00e9 ganz am Rande der Festung. Man sitzt\ndirekt an der Au\u00dfenmauer und blickt hinunter auf das Deutsche Eck. Wunderbar!\nEs ist sommerlich warm, auch wenn mehr und mehr Wolken aufziehen. Leider kann\nman das Caf\u00e9 nur im Rahmen der Besichtigung aufsuchen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\ngehe ich durch die Festung. Schnell verliert man sich auf dem riesigen Gel\u00e4nde.\nImmer wieder befinde ich mich ganz alleine und ziemlich orientierungslos auf\neinem riesigen Innenhof. Das Leben einer Garnison hier kann man sich kaum\nvorstellen. Was ins Auge f\u00e4llt, ist die Mauertechnik. Die hat einen ganz\nkonkreten Grund, einen praktischen, denn die Bogen im Mauerwerk verhindern das\nEinst\u00fcrzen der gesamten Wand. Aber wenn man nahe genug herangeht, sieht es fast\nwie ein Kunstwerk aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\ngesamte Festung ist ein Paradebeispiel preu\u00dfischer Effizienz, aber\nparadoxerweise wurde sie nie angegriffen und war bei ihrer Fertigstellung schon\nveraltet! Dazu kommt noch, dass sich die Grenze nach Westen verschoben und die\nFestung an strategischer Bedeutung verloren hatte. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nS\u00f6ldnerheer war abgeschafft und eine allgemeine Wehrpflicht eingef\u00fchrt worden.\nDas war neu. Es half, Disziplin und Kampfbereitschaft zu erh\u00f6hen. Und der Bau\nder Festung nach den neuesten strategischen Erkenntnissen tat ein \u00dcbriges. Die\nschmale Tordurchfahrt verhinderte ein schnelles Eindringen gro\u00dfer Massen des\nFeindesheeres. Schie\u00dfscharten wurden in verschiedenen Geschossen und in\nverschiedenen Winkeln angebracht, so dass es keine toten Winkel gab. Die\nEinzelteile der Festung waren durch Zugbr\u00fccken verbunden. Die konnte man\nhochziehen, so dass die Festung nur in kleinen Schritten erobert werden konnte.\nMan hatte Kanonen mit Vorderlader. Die hatten eine gr\u00f6\u00dfere Reichweite \u2013 bis zu\n3.000 Meter! \u2013 und konnten schneller geladen werden. Die Grasbepflanzung auf\ndem Dach konnte im Angriffsfall bew\u00e4ssert werden \u2013 eine Brandschutzma\u00dfnahme.\nDas Gel\u00e4nde vor der Festung war bepflanzt. Im Angriffsfall konnten die B\u00e4ume\nbinnen 24 Stunden gerodet werden. Das garantierte die Versorgung der Festung\nmit Holz und machte au\u00dferdem das Gel\u00e4nde uneben, eine zus\u00e4tzliche Schwierigkeit\nf\u00fcr den Angreifer. Verr\u00fcckt, was der Mensch sich so alles einfallen l\u00e4sst, wenn\nes um das Milit\u00e4rische geht. <\/p>\n\n\n\n<p>In der\nFestung gibt es noch ein gut ausgestattetes arch\u00e4ologisches Museum, aber um\nsich das anzusehen, muss man noch mal wiederkommen. Daf\u00fcr sehe ich mir noch\neine Photographieausstellung an. Hier stellt eine K\u00fcnstlerin aus, deren\nPhotographien wie Gem\u00e4lde aussehen. Ihre Motive sind Treppen, Fassaden, Mauern,\nalles, was mit Architektur zu tun hat, und die Aufnahmen stammen aus allen\nEnden der Welt, von Seoul und Macao \u00fcber Palermo und Potsdam bis Boppard. Die\nObjekte werden aber verfremdet, man erkennt auf den ersten Blick meist nur\nLinien und Formen, wie bei einer Mauer mit Schie\u00dfscharten hier in der Festung\nEhrenbreitstein. Die davorstehenden, kahlen B\u00e4ume erkennt man erst auf den\nzweiten Blick. Auf einem anderen Bild wird aus der Verkleidung von M\u00fclltonnen\nein Lattenrost f\u00fcr gr\u00fcne Bl\u00e4tter. Auf noch einem anderen Bild sieht man das Parthenon\nvon Athen. Hier entsteht die Verfremdung durch die Farbe. Ein Teil der Fassade\nist gr\u00e4ulich-wei\u00df, ein anderer ist orangefarben abgesetzt und sieht dadurch\naus, als stehe er davor. In einem Video sieht man, wie die K\u00fcnstlerin die\nPhotos mit einem Pinsel oder einer B\u00fcrste bearbeitet. Das ist alles ganz\noriginell, aber auf die Dauer l\u00e4sst die Wirkung doch nach. Ich mache mich auf\nden R\u00fcckweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim\nAusgang spricht mich auf dem Gehweg eine alte Frau an, auf einen Stock\ngest\u00fctzt, ganz ohne Anlass und so, als w\u00fcrden wir uns kennen. Sie erz\u00e4hlt mir\nihre ganze Lebensgeschichte, dass sie aus Arzheim stamme und jetzt in\nEhrenbreitstein wohne, dass sie zwei T\u00f6chter habe, von denen eine ihr den\nKontakt mit den Enkeln verweigere \u2013 das m\u00fcsse man akzeptieren, findet sie, die\nDinge seien eben manchmal so \u2013 dass sie wider Erwarten doch noch mal vom\nOperationstisch aufgestanden sei, dass das Wichtigste die Freundlichkeit sei,\nsie sei immer zu allen freundlich, dass sie mit ihrer Therapeutin immer auf die\nAussichtsplattform gehe, dass sie jetzt eine Bratwurst essen gehe (die mache\nsie nicht zu Hause wegen des Gestanks) und dass ich unbedingt mal in die\nD\u00f6nerbude unten an der Seilbahn gehen solle. Und dann sagt sie einen\nbemerkenswerten Satz: Worin wir Menschen uns am meisten unterschieden, das sei\ndie H\u00f6flichkeit. Dann geht es um die Familie in dem wegfahrenden Auto, der sie\ngerade hinterherwinkt, v\u00f6llig Fremde, und ich muss einen auf dem Parkplatz\nwartenden Neffen erfinden, um mich von ihr zu l\u00f6sen. \u201eSch\u00f6nen Tag noch, und\ngr\u00fc\u00dfen Sie ihren Cousin!\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend\ngehe ich in den <em>Roten Hahn<\/em>, ein italienisches Lokal hier im\nH\u00f6henstadtteil. Unterwegs f\u00e4llt mir eine Kneipe mit dem Namen <em>Kl\u00f6nsack<\/em>\nauf und die Gro\u00dfschreibung in dem Stra\u00dfennamen <em>An den Zehn Nussb\u00e4umen<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin\nextra zu Fu\u00df gegangen, um Wein trinken zu k\u00f6nnen, aber das Lokal hat die\nSchanklizenz verloren. Der Kellner empfiehlt alkoholfreien Wein. Alkoholfreier\nWein? Gibt es sowas \u00fcberhaupt? Ja, meint er, es gebe ja auch alkoholfreies\nBier. Ich lasse mich darauf ein, nur um es sofort zu bereuen. Das ist kein\nWein, das ist Saft, Brombeersaft oder so was. Der erste Schluck ist\ngleichzeitig der letzte. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe\ndes Abends kommen zwei M\u00e4nner aus einem anderen Raum des Lokals und zwei Kunden\nkommen, um eine bestellte Pizza abzuholen. Das ist alles. Ansonsten bin ich\nalleine, der einzige Gast in dem gro\u00dfen Schankraum. Wie soll sich so etwas\ntragen? Miete, Strom, Heizung, K\u00f6che, Kellner, Putzfrauen, Geschirr,\nEinrichtung, Abgaben. Das kann doch nur bei voller Bude gutgehen. Und das alles\nnach den schweren Monaten der Pandemie. Kein Wunder, dass so viele Betriebe\nschlie\u00dfen. Die anderen, die Stehcaf\u00e9s und Selbstbedienungsb\u00e4ckereien und die\nD\u00f6nerbuden, die haben es einfacher. <\/p>\n\n\n\n<p>14.\nApril (Gr\u00fcndonnerstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Heute\nkommt Verst\u00e4rkung aus der Heimat. Das bedeutet Gesellschaft und Ortskenntnis.\nBeides kommt mir zugute. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir\ngehen runter in die Stadt, diesmal wirklich \u00fcber die Stra\u00dfe mit dem\nvielsagenden Namen <em>Kniebreche<\/em>. Ein junger Radfahrer kommt uns entgegen,\nder sein Rad schiebt. Kein Wunder. Es soll aber Radfahrer geben, die diese\nSteigung bew\u00e4ltigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs\nsehen wir einen vom Blitz getroffenen Baum, von dem nur noch der gespaltene\nStamm \u00fcbriggeblieben ist. Aber an der Seite w\u00e4chst ein neuer, kr\u00e4ftiger Ast mit\nmehreren Zweigen, die gerade ausgeschlagen haben. Ein tr\u00f6stliches Bild.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>In\nEhrenbreitstein sehen wir den <em>D\u00e4hler Born<\/em>, einen Brunnen, der heilsames\nWasser spendet. Man kann es probieren. Der Geschmack ist nicht so umwerfend,\naber wenn\u2019s denn der Gesundheit dient. Die Rinne ist von dem eisenhaltigen\nWasser rot gef\u00e4rbt. Der Brunnen und das Brunnenhaus gehen auf die Preu\u00dfenzeit\nzur\u00fcck. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\nStra\u00dfenrand wird auf einer Gedenkplatte an Luther erinnert, der sich hier\naufhielt, in einem an dieser Stelle urspr\u00fcnglich stehenden Augustinerkloster. Der\nin der N\u00e4he stehende Heribertturm mit einem neugotischen Dachaufsatz ist ein\nehemaliger Teil des Klosters. Er wurde sp\u00e4ter in die Stadtmauer einbezogen und\ndiente dann als Glockenturm. <\/p>\n\n\n\n<p>Noch\nweiter oben steht die Kreuzkirche, eine moderne Kirche, ein zeltartiger\nRundbau. Die Kirche hat ausgedient und steht zum Verkauf an. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem\nWeg in den Ort Ehrenbreitstein passieren wir die <em>Humboldtstra\u00dfe<\/em>. Sie\nerinnert an Alexander von Humboldt. Der m\u00fcsste auf seiner Forschungsreise mit\nForster hier in Koblenz gewesen sein, als sie von Mainz \u00fcber den Niederrhein\nnach England reisten. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen\nwir zum Marktplatz und machen Pause im <em>Caf\u00e9 am Markt<\/em>. Wir werden\nungewollt Zeuge eines lautstarken Streitgespr\u00e4chs zwischen einem Gast und der\nWirtin, bei dem es um nichts geht als ums Rechtbehalten. Beide fangen immer\nwieder von neuem an. Der Gast ist Offizier und hier in Koblenz stationiert.\nImmer wieder betont er, dass er mehrere Jahre \u201ein den Staaten\u201c gelebt habe. <\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter\nspreche ich die Wirtin auf die Mauer an, von der sie dieser Tage gesprochen\nhat. Sie best\u00e4tigt, dass es sich um die Wasserschutzmauer handelt und dass die\ntats\u00e4chlich am Sonntag hochgezogen worden ist. Sie sei vor zehn Jahren angelegt\nworden und habe schon viel Schaden vermieden. Die Wirtin erinnert sich mit\nGrauen an die Zeit davor, wo alle zwei bis drei Jahre die H\u00e4user \u00fcberflutet\nwurden, und an den Gestank, der dabei entstand. Als sie hierher zog, verstand\nsie gar nicht, was man ihr sagen wollte bei der ersten \u00dcberflutung. Dann\nverstand sie: Sie musste den Schlamm bewegen, damit er nicht hart wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir\ngehen zum Rhein runter, genau an der Stelle vorbei, an der die\nWasserschutzmauer steht, wenn Hochwasser droht. Jetzt ist sie in den Boden\nversunken. An der Mauer sind die Wasserst\u00e4nde der verschiedenen Jahre\nangezeigt, in denen es Hochwasser gab. Der h\u00f6chste Stand ist 1993 gemessen\nworden, aber schon 1995 kam dann wieder ein schreckliches Hochwasser, das\nzweith\u00f6chste \u00fcberhaupt. Wie frustrierend das muss sein!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg\ngleich dahinter hei\u00dft <em>An der alten R\u00f6merbr\u00fccke<\/em>. Es muss genau die Stelle\nsein, an der die erste R\u00f6merbr\u00fccke stand, vor 2.000 Jahren! <\/p>\n\n\n\n<p>An der\nUferb\u00f6schung sehen wir putzige Nagetiere, vielleicht Nutrias, die sich durch\nuns nicht st\u00f6ren lassen und unentwegt weiter fressen. Mit den Zehen halten sie\nden Zweig fest, an dem sie sich gerade zu schaffen macht, damit der nicht die\nB\u00f6schung runterrutscht. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\nerfahre ich, wo genau die Rheinf\u00e4hre abfahrt. Beide Male, als ich\nhierhergekommen bin, habe ich sie nicht entdeckt. Es gibt auch kein\nHinweisschild. Aber jetzt machen sich Bauarbeiter an ihr zu schaffen. Wohl f\u00fcr\ndie Er\u00f6ffnung am Sonntag.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der\nanderen Seite kommen wir am Studio des SWR vorbei, der in einem sch\u00f6nen alten\nHaus untergebracht ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\ngeht es zur Christuskirche, deren Turm schon von weitem zu sehen ist. Sie war\ndie zweite evangelische Kirche nach der Florinskirche und wurde n\u00f6tig nach der\nErweiterung der Stadt nach S\u00fcden. Ausgerechnet donnerstags ist hier das Caf\u00e9 <em>Atempause<\/em>\nge\u00f6ffnet, und wir k\u00f6nnen die Kirche besichtigen. Sie ist ganz einfach\neingerichtet, mit den f\u00fcr evangelische Kirchen typischen Emporen. Die\nkirchliche Ausstattung ist aufs \u00c4u\u00dferste reduziert: Au\u00dfer dem Altar, einem\nKreuz und einer kleinen Kanzel gibt es nur ein Glasfenster im Chor mit modernen\nFormen, in denen man mit M\u00fche ein Kreuz und einen Engel entdecken kann.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nkommen wir in die Innenstadt. Es geht in einen Innenhof, in dem das neue\nJustizzentrum von Koblenz untergebracht ist, insgesamt sieben Institutionen,\nvom Amtsgericht bis zum Oberverwaltungsgericht. Die Passage hei\u00dft <em>Deinhardpassage<\/em>,\nnach dem Stammhaus von Deinhard, das sich hier befindet. Da kann man nach dem\nEnde des Prozesses gleich den Erfolg begie\u00dfen \u2013 oder die Entt\u00e4uschung \u00fcber die\nNiederlage im Alkohol ers\u00e4ufen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man\nauf der anderen Seite der Passage herauskommt, steht man vor dem Theater, einem\nklassizistischen Geb\u00e4ude mit der Aufschrift <em>musis\nmoribus et publicae laetitiae erectum &nbsp;mdcclxxxvii\n\u2013 den musen den sitten und dem publikum zur freude errichtet 1787.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wieder\nsehen wir einige der neu aufgestellten Figuren, die ganz normale Personen bei\nallt\u00e4glichen Verrichtungen darstellen. Am Rhein stehen drei unter der Dusche, in\neinem Park treffen sich einige beim Einkauf, im Schlosspark machen einige eine\nPolonaise und beim Theater steht einer auf dem Balkon und sieht auf das Treiben\nunter ihm hinunter.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nSchlossgarten machen wir Pause auf einer Parkbank. Der Schlossgarten ist von\nLinn\u00e9 angelegt worden, mit der Besonderheit, dass ein Teil f\u00fcr den Kurf\u00fcrsten\nabgetrennt wurde, ein anderer aber der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht wurde.\n&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vom\nSchlossgarten aus blickt man Richtung Rhein auf eine \u00fcberlebensgro\u00dfe Statue mit\neiner erhobenen Hand, die selbst \u00fcber den Rhein blickt. Das Denkmal erinnert an\nG\u00f6rres, den in Koblenz geborenen katholischen Publizisten. Die Figur stellt\nkeine konkrete Person dar, sie ist allegorisch gemeint und soll, mit dem Buch\nvor der Brust und dem Adler, der sie flankiert, an G\u00f6rres\u2018 mahnende Rufe nach\nRecht und Freiheit erinnern. Auf dem Sockel steht ein Zitat von G\u00f6rres, an dem\nwir uns die Z\u00e4hne ausbei\u00dfen. Vergeblich. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An der\nRheinpromenade erinnert eine Plakette im Boden an das Geburtshaus von Giscard\nd\u2019Estaing, das hier stand. Giscard wurde 1926 in Koblenz geboren und sp\u00e4ter\nEhrenb\u00fcrger der Stadt \u2013 und ganz nebenher auch noch franz\u00f6sischer Staatspr\u00e4sident.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Auch zum\n<em>Kleinen Riesen<\/em>, den ich die ganzen Tage vergeblich gesucht habe, werde\nich mit sicherer Hand gef\u00fchrt. Hier sitzt man auf der Terrasse im ersten Stock\nund blickt direkt auf den Rhein und auf Pfaffendorf am anderen Ufer, ein Ort,\nder von hier aus h\u00fcbscher aussieht als er ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir lassen\nden zur\u00fcckgelegten Weg noch mal in Gedanken Revue passieren und kommen zu dem\nSchluss, dass wir genug gelaufen sind f\u00fcr einen Tag. Wir nehmen der\nBequemlichkeit halber den Bus zur\u00fcck nach Hause. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim \u00dcberqueren\nder Pfaffendorfer Br\u00fccke reduziert der Bus auff\u00e4llig das Tempo. Das hat wohl\nwas mit dem Zustand der sanierungsbed\u00fcrftigen Br\u00fccke zu tun. Das wird ein\nriesiges, millionenschweres Projekt, bei dem es vor allem darum geht, die alte\nBr\u00fccke nicht einfach abzurei\u00dfen und dann die neue zu bauen. Das w\u00fcrde zwei\nJahre in Anspruch nehmen und den Kollaps des Verkehrs in Koblenz bedeuten. Daher\nsoll die neue Br\u00fccke zun\u00e4chst auf Hilfsst\u00fctzen unmittelbar neben der alten\nerrichtet werden, auf der Schloss-Seite. Wie dann aber der \u00dcbergang von der\nalten zu der neuen Br\u00fccke vonstattengehen soll, das \u00fcbersteigt meine\nVorstellungskraft. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>15.\nApril (Karfreitag)<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal\ngehen wir in die andere Richtung, bergauf statt bergab. Wir kommen an einen\nhohen Punkt im Wald, und dann geht es steil runter in das idyllische M\u00fchlental.\nUnterwegs sehen wir bl\u00fchende und efeuumschlungene B\u00e4ume, Wiesen mit L\u00f6wenzahn\nund Dotterblumen. Sattes Gr\u00fcn \u00fcberall. Wir kommen vorbei an einem Bauernhof, wo\nes Milch \u201ezum Selberzapfen\u201c gibt, an Schafen mit neugeborenen L\u00e4mmchen und\nK\u00fchen mit einem neugeborenen K\u00e4lbchen. Das Ganze im hellsten Sonnenschein, der\ndann aber immer wieder verschwindet, wenn sich die Sonne hinter den Wolken\nversteckt. Dann wird es pl\u00f6tzlich sp\u00fcrbar k\u00e4lter. <\/p>\n\n\n\n<p>In den\nWald hinauf f\u00fchrt eine Stra\u00dfe namens <em>Rheinblick<\/em>, aber sie h\u00e4lt nicht,\nwas ihr Name verspricht. Daf\u00fcr bringt sie uns schnurstracks zu einer Stelle oben\nim Wald, zu der wir ohnehin wollten, einem alten Galgenplatz, <em>Gintgens\nGalgen an der<\/em> <em>Dreispitz<\/em>. Eine Tafel informiert \u00fcber den historischen\nHintergrund. Sowohl zur Zeit der Kurf\u00fcrsten als auch vorher schon, unter der\nreichsunmittelbaren Herrschaft der Helfensteiner, fanden hier Hinrichtungen\nstatt. Sch\u00f6ffen aus zwei Orten der Nachbarschaft kamen zusammen mit dem\nHochgerichtsherrn und f\u00e4llten ihr Urteil. Namentlich bekannt ist ein Arenberger\nnamens Gintgen, der Namensgeber des Platzes, der bereits im 13. Jahrhundert\nhier gehenkt wurde. Aus dem 16. Jahrhundert wei\u00df man von zwei Frauen, die hier\nals Hexen verbrannt wurden und von einem Mann, der wegen Mords gehenkt wurde. Die\nSchwurhand abgeschlagen wurde einem Mann, der Ehebruch begangen und dann einen\nMeineid geschworen hatte. Die abgeschlagene Hand versenkte man in dem Brunnen\ndes verfeindeten Montabaur, aus dem das Gesinde und die ganze Gemeinde noch\neine ganze Zeitlang tranken. Wegen Diebstahls wurde ein Mann im 17. Jahrhundert\nhingerichtet, w\u00e4hrend seine Frau mit Peitschenhieben davonkam. Danach lie\u00df man\nsie laufen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem\nsteilen Abstieg kommt noch mal ein Aufstieg, und dann sind wir reif f\u00fcr das\nSofa und eine Pause zur Regenerierung der m\u00fcde gewordenen Beine. Am Abend geht\nes dann zum Abschluss ins <em>Alte Brauhaus<\/em>, dem Stammhaus der K\u00f6nigsbacher\nBrauerei. Dort gibt es deftige Hausmannskost, darunter das im Mittelrheinmuseum\nvorgestellt <em>Himmel und Erd<\/em>. Es ist ziemlich voll, hier bekommt man ohne\nReservierung in der Regel keinen Platz. Auch ausl\u00e4ndische G\u00e4ste sind da,\nAmerikaner oder Briten. <\/p>\n\n\n\n<p>In der\ngesamten Altstadt ist viel Volks unterwegs. Es herrscht eine sommerliche\nAtmosph\u00e4re, und von Karfreitag sp\u00fcrt man den ganzen Tag \u00fcber so gut wie gar\nnicht, au\u00dfer dem Ger\u00e4usch von Ratschen irgendwo am Vormittag. Alle Lokale haben\nge\u00f6ffnet, und vor der beliebtesten Eisdiele von Koblenz steht die\nobligatorische Schlange. Die Leute sitzen auf Treppenstufen und essen ihr Eis,\ndenn die Eisdiele hat keine eigenen Sitzpl\u00e4tze. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch am\nAbend, am Ende einer sch\u00f6nen Woche in Koblenz, die mit Schnee begonnen hatte,\nscheint die Sonne noch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. April (Samstag) Koblenz liegt bekanntlich in der Schweiz, an der Aare. Genauer gesagt, an der Stelle, wo die Aare in den Rhein flie\u00dft. Und dieser \u201eZusammenfluss\u201c ist genau das, was den Namen Koblenz motiviert. 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