{"id":11345,"date":"2022-09-09T15:42:57","date_gmt":"2022-09-09T13:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11345"},"modified":"2022-09-11T07:37:46","modified_gmt":"2022-09-11T05:37:46","slug":"holland-2022","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11345","title":{"rendered":"Holland (2022)"},"content":{"rendered":"\n<p>25. August (Donnerstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Bahnfahren in Zeiten des\n9-Euro-Tickets. Kein Zuckerschlecken, wie die letzten Wochen gezeigt haben.\nAber meine schlimmsten Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigen sich nicht. Ich habe das Gl\u00fcck,\nden einzigen Zug zu erwischen, der bis K\u00f6ln durchf\u00e4hrt, und er kommt hier noch\nziemlich leer an. Ich bekomme Platz f\u00fcr das Fahrrad und auch einen Sitzplatz. <\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs ist Zeit f\u00fcr Lekt\u00fcre.\nDabei erfahre ich etwas \u00fcber den gerade verstorbenen Theo Sommer. Am Ende des\nKriegs entging er der franz\u00f6sischen Kriegsgefangenschaft, weil er zuf\u00e4llig\ngerade an dem Tag, als seine Kameraden in einer Bergh\u00fctte festgenommen wurden,\nzusammen mit einem Freund eine Bergwanderung gemacht hatte. Sp\u00e4ter holte er\nsich bei der franz\u00f6sischen Milit\u00e4rkommandantur einen Passagierschein. Darauf\nstand: \u201eA pie, avec sa bicyclette\u201c. Er musste das Fahrrad schieben. Fahren war\nnicht erlaubt. Bis er nach Kempen kam. Dort begann die Amerikanische\nBesatzungszone. Vor dort aus durfte er fahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Meine Reise geht Richtung\nHolland. Das erste und einzige vor der Reise festgelegte Ziel ist Roermond. Es\nliegt an der M\u00fcndung der Roer in die Maas und hei\u00dft deshalb auch so, analog zu\nanderen Ortsnamen, die auch auf die M\u00fcndung anspielen wie <em>Travem\u00fcnde<\/em>, <em>Dortmund<\/em>\noder <em>Gm\u00fcnd<\/em>. Die Maas ist die gro\u00dfe Schwester der Mosel, der die R\u00f6mer\neine Verkleinerungssilbe verpassten und sie zur \u201ekleinen\u201c Maas, der <em>Mosella<\/em>,\nmachten. <\/p>\n\n\n\n<p>Roermond kenne ich von einem\nkurzen Zwischenstopp an einem eiskalten Wintertag. Ich habe ein ganz h\u00fcbsches\nStadtzentrum in Erinnerung, aber die Erinnerung ist verblasst. Die meisten\nassoziieren mit Roermond ein Outlet-Zentrum. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt der Zug in K\u00f6ln an. Auf\ndem Bahnsteig ist es voll, immer wieder kommen versp\u00e4tete Z\u00fcge oder kommen doch\nnicht, und bei unserem gibt es am Ende ein ordentliches Gedr\u00e4nge. Auf den\nSperrsitzen, vor denen man das Rad abstellen soll, sitzen zwei Damen. Ich bitte\nsie, aufzustehen, damit das Rad nicht beim Aus- und Einsteigen im Weg ist und\ndamit ich es festmachen kann. Die eine Dame steht z\u00e4hneknirschend auf, die\nandere nicht. \u201eWie, soll ich jetzt etwa auch noch aufstehen?\u201c Ich sage ja, ich\nbrauche den Platz und habe auch einen Platz f\u00fcr das Fahrrad reserviert. Sie\nfindet es trotzdem bl\u00f6d, dass sie aufstehen muss. Ich sage noch einmal\nverbindlich, es seien doch noch zwei Pl\u00e4tze frei und es sei doch f\u00fcr alle\nwichtig, wenn die Fahrr\u00e4der angeschlossen w\u00fcrden, aber ihren \u00c4rger kann ich\ndamit nicht bes\u00e4nftigen. \u201eJa, ist ja gut!\u201c Jedenfalls finden wir alle drei\neinen Sitzplatz. Es ist f\u00fcr mich aber ziemlich eng, da ich Rucksack und\nSatteltaschen unter den F\u00fc\u00dfen bzw. auf dem Scho\u00df habe, aber die Fahrt dauert\nnicht allzu lang. <\/p>\n\n\n\n<p>Als ich in Aachen aus dem Bahnhof\nkomme, genau um 12 Uhr Mittag \u2013 <em>High Noon<\/em> \u2013 ist es sonnig und hei\u00df. Kein\nW\u00f6lkchen am Himmel, kein L\u00fcftchen, das einem um die Nase weht. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Dutzende von\nHinweisschildern f\u00fcr Radwege auf dem Bahnhofsvorplatz, aber keins kommt f\u00fcr\nmich so richtig in Frage. Aber ich habe ja Komoot. Das sagt mir, ich solle\nRichtung Nordosten fahren. Wo das ist, wei\u00df ich nicht. Also fahre ich \u00fcber den\nBahnhofsvorplatz auf die andere Stra\u00dfenseite, und dann bekomme ich eine Ansage,\ndie zu einer Art Leitmotiv dieser Tour wird: \u201eDu hast die Route verlassen. Es steht\nkeine Online-Verbindung zum Umplanen zur Verf\u00fcgung. Wirf einen Blick auf die\nKarte.\u201c Dabei bin ich noch keine 50 Meter gefahren. Ich probiere es in alle\nanderen Richtungen, links, rechts, zur\u00fcck, immer habe ich die Route verlassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich \u00fcberlege, es vielleicht bei\nder Touristeninformation zu versuchen, damit ich wenigstens in die richtige\nRichtung komme. Auf dem Weg sehe ich aber einen Fahrradladen und versuche es\nspontan dort. Die kennen doch bestimmt die Umgebung und die Radwege. Roermond?\nNie geh\u00f6rt. Das ist doch bestimmt in Holland. Ja, ist es. Ja, dann fahren Sie\nam besten hier oben rechts. Da ist schon Vaals ausgeschildert. <\/p>\n\n\n\n<p>Darauf lasse ich mich ein, in der\nHoffnung, in Holland, gleich hinter der Grenze, ein Hinweisschild nach Roermond\nzu finden. Oder mich nach den ber\u00fchmten Knotenpunkten richten zu k\u00f6nne, von\ndenen mir alle immer so begeistert erz\u00e4hlt haben. Holland ist ja, wie man h\u00f6rt,\ndas reinste Radfahrerparadies. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wirklich nur eine kurze\nStrecke nach Vaals. Auf dem Weg passiere ich ein Lokal, das <em>Sauerbratenpalast<\/em>\nhei\u00dft. Auf der Speisekarte steht Sauerbraten in 13 Variationen. <\/p>\n\n\n\n<p>Man kommt bald in das <em>Stadtgebiet\nVaals<\/em>, noch auf deutscher Seite, und dann nach Vaals. Dort geht es sehr\nlebendig zu. Scheint ein attraktiver Einkaufsort f\u00fcr Deutsche zu sein.\nAllerdings sind die Preise in Holland, wie ich in den n\u00e4chsten Tagen\nfeststellen werde, deutlich h\u00f6her als bei uns. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt hier keine\nHinweisschilder f\u00fcr Radwege und auch keine Knotenpunkte. Etwas unschl\u00fcssig\nfahre ich einfach mal weiter. Richtung Maastricht, wie die Ausschilderung f\u00fcr\nAutos angibt. Nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch. Ich spekuliere\ndarauf, dass es bald eine Abbiegung gibt. <\/p>\n\n\n\n<p>Zur Sicherheit will ich in einem\nCaf\u00e9 nachfragen. Vor dem Caf\u00e9 ein Schild, man solle hier keine R\u00e4der parken.\nAber, wo denn dann? Es gibt nur die Stra\u00dfe und den Radweg entlang der Stra\u00dfe.\nIch gehe rein, die T\u00fcr steht offen, aber es ist niemand da. Also fahre ich\nweiter. <\/p>\n\n\n\n<p>Da ich nun einmal hier bin, auf\nder linken, der falschen Seite, fahre ich auf dem breiten Radweg einfach\nweiter. Es kommt mir kein Rad entgegen. Wohl aber ein Autofahrer, der hupt und\nmich darauf verweist, dass ich auf der falschen Seite fahre. Das passiert\nsp\u00e4ter noch einmal. <\/p>\n\n\n\n<p>An einem Kreisverkehr kommt von\nrechts ein Auto. Der Fahrer verlangsamt das Tempo. Ich fahre \u00fcber die\ngestrichelte Linie, weil ich glaube, er wolle mich vorlassen. Daraufhin kurbelt\ner das Fenster runter und motzt mich an, sowas wie die holl\u00e4ndische Version von\n\u201eWas f\u00e4llt dir denn ein? Hast du keine Augen im Kopf? Ich habe Vorfahrt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas weiter gibt es auf der\nlinken Seite einen zweispurigen Radweg. Ich fahre auf der rechten Seite, dann\nan eine Fu\u00dfg\u00e4ngerampel. Bei der muss ich dr\u00fccken, damit es gr\u00fcn wird. Da die\nAmpel auf der linken Seite ist, fahre ich r\u00fcber, um an den Schalter zu kommen.\nDa kommt von links ein Radfahrer. Der motzt mich an, was mir denn einfalle,\nmich dahinzustellen? Dabei hat er genug Platz und hat mich auch rechtzeitig gesehen.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Dann fahre ich in einen kleinen\nOrt ab. Dort gibt es ein sch\u00f6n unter B\u00e4umen gelegenes Caf\u00e9. Ich bestelle Wasser\nund Kaffee und frage ein Ehepaar am Nebentisch nach dem Weg nach Roermond. Sie\nsind v\u00f6llig verbl\u00fcfft. Roermond? Als ob das v\u00f6llig aus der Welt w\u00e4re. Nein,\nnach Maastricht solle ich nicht fahren. Maastricht liege hier, Roermond da. Ich\nsolle zur\u00fcckfahren, zwei D\u00f6rfer weiter, und dann links abbiegen. Nach Heerlen.\nDort sei dann bestimmt schon Roermond ausgeschildert. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Gelegenheit erfahre ich\nauch, was es mit den zweisprachigen Ortschildern auf sich hat, die ich auf dem\nWeg gesehen habe. Ein Name ist holl\u00e4ndisch, der andere ist im Limburger\nDialekt. Diese dialektalen Ortsnamen \u00e4hneln eher dem Deutschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich fahre zur\u00fcck, wie der Mann es\nmir empfohlen hat und dann links ab Richtung Heerlen. Es geht steil bergauf.\nDas hatte der Mann schon angek\u00fcndigt. Als ich an dem Scheitelpunkt ankomme,\ngeht es auf einmal nicht mehr weiter. Der Radweg h\u00f6rt auf, die Autostra\u00dfe f\u00fchrt\nweiter. Der Mann hat mir, als er mir den Tipp gab, die Rechnung ohne das\nFahrrad gemacht. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss wohl oder \u00fcbel in die\nfalsche Richtung abbiegen. Im n\u00e4chsten Ort gibt es wieder einen Hinweis\nRichtung Heerlen. Dem folge ich, aber dann geht die Stra\u00dfe Richtung Heerlen in\neine Autostra\u00dfe \u00fcber. <\/p>\n\n\n\n<p>Was tun? Ich fahre aufs\nGeratewohl in eine Richtung und komme nach Kerkrade, an den Stadtrand. Dort ist\neine Karte der Umgebung angebracht, aber der Ausschnitt ist zu klein. Ich fahre\nweiter, einen Bogen, und pl\u00f6tzlich bin ich wieder in Kerkrade, am anderen\nOrtsende. <\/p>\n\n\n\n<p>Die einzigen Richtungsschilder,\ndie ich sehe, f\u00fchren nach Maastricht oder nach Aachen. Also fahre ich in eine\nandere Richtung. <\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwo in der Walachei \u2013 gro\u00dfe\nStra\u00dfen, kein Verkehr \u2013 kommt mir ein radelndes Ehepaar entgegen. Ich fuchtele\nwie wild mit den Armen, damit sie stehenbleiben. Das tun sie auch. Ich frage\nnach Roermond. \u201eRoermond? Jesse!\u201c Und dann stellt die Frau die Frage der\nFragen: \u201eBy bike?\u201c. Aber sie erkl\u00e4ren mir genau, wie ich nach Heerlen komme. <\/p>\n\n\n\n<p>Und diesmal klappt es. Es ist ein\ngro\u00dfes Aufatmen, als ich in den Ort komme: H\u00e4user, Menschen, G\u00e4rten, B\u00e4ume,\nalles da. Und Hinweisschilder f\u00fcr Radfahrer. Die ersten, nach 44,99 Kilometern.\nAllerdings kommt keine der Richtungen f\u00fcr mich in Frage. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich fahre Richtung Zentrum und\nschiebe das Rad dahin, wo die meisten Menschen sind. Irgendwo entdecke ich ein\nMuseum mit einer Ausstellung zu Keith Haring: <em>Schunck<\/em> <em>Museum<\/em>. Da\nmuss ich schnell ein Photo machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Frauen mit Kinderwagen\nschicken mich eine Stra\u00dfe hoch, zur Touristeninformation. Roermond? Das sei\naber weit. Ich erfahre, dass ich Richtung Brunssum fahren solle. Das sei\nausgeschildert. <\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist wirklich so. Am\nOrtsrand von Brunssum ist ein sch\u00f6nes Caf\u00e9. Die Terrasse ist fast voll besetzt\nmit Stammg\u00e4sten. Tee und Wasser f\u00fcr mich. Und hier komme ich auf die Idee \u2013\nwarum nicht vorher? \u2013 mich ins Internet einzuw\u00e4hlen und Komoot zu\naktualisieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Von hier aus geht es besser mit\nder Wegfindung. Nach 62 Kilometern taucht zum ersten Mal ein Schild Richtung\nRoermond auf. Und nach 64 Kilometern passiere ich, am Rande einer\nSchnellstra\u00dfe, eine L\u00e4ndergrenze: Bundesrepublik Deutschland. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Fahrt geht weiter, immer an\nder Bundesstra\u00dfe entlang, gl\u00fccklicherweise auf abgetrennten Radwegen. Es ist\ndr\u00fcckend hei\u00df, es gibt keinen Schatten, es geht bergauf, die Strecke hat\nkeinerlei Reiz. Irgendwann trinke ich den Rest Wasser, der noch in der Flasche\nist. Br\u00fchwarm. Gar nicht so schlecht, wie man meinen sollte. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann komme ich wieder nach\nHolland. Es geht immer weiter an der Nationalstra\u00dfe entlang. Kein Caf\u00e9, kein\nKiosk, keine Tankstelle, wo ich \u201eaufladen\u201c kann. Der Mund ist staubtrocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 82 Kilometern geht es von\nder Nationalstra\u00dfe ab. Es kommt eine Allee \u2013 der erste sch\u00f6ne\nStreckenabschnitt. Es ist einsam hier, kein Mensch kommt mir entgegen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt so eine Ferienanlage,\nwie es sie jetzt \u00fcberall gibt, eine gro\u00dffl\u00e4chige Anlage. Obwohl ich wei\u00df, dass\nes weitere Kilometer sind und mir die Kr\u00e4fte schwinden, fahre ich rein, auf der\nSuche nach einem Caf\u00e9. Da ist tats\u00e4chlich eins, das <em>Pimpernel<\/em>. Ob man\nauch als Fremder hier was trinken darf? Ja klar, kommen Sie rein. <\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine Erleichterung: erst\nWasser, dann Kaffee, dann Eistee, hervorragend in einem bauchigen Glas mit\nEisw\u00fcrfeln und Zitrone serviert. Himmlisch!<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht weiter. Jetzt stellen\nsich Kr\u00e4mpfe im Oberschenkel ein. Ich muss immer wieder das Bein h\u00e4ngen lassen,\ndamit es nicht so schmerzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Komoot leitet mich jetzt\nsicher in die richtige Richtung. Und irgendwann sind es pl\u00f6tzlich nur noch 5\nKilometer bis Roermond. Mir wachsen neue Kr\u00e4fte. Dann nur noch 1 Kilometer, und\ndann, wie lange man auch f\u00e4hrt, immer wieder 1 Kilometer. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich passiere eine Kapelle mit\neinem Dachreiter. Jetzt ist mein Akku leer und Komoot verl\u00e4sst mich. Ich fahre\neinfach ins Zentrum, auf einen Platz voller Stra\u00dfencaf\u00e9s. K\u00f6nnte der Marktplatz\nsein. Wieder Kaffee, Wasser, Eistee. Ich frage nach meinem Ziel. <em>Hotel\nParkzicht?<\/em> Das sei nicht im Zentrum, sagt die freundliche Kellnerin. Und\nguckt auf ihrem eigenen Handy nach. Ich muss zur\u00fcck. Das Hotel liegt gleich\nhinter der Kapelle. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich fahre zur\u00fcck. Sitzen kann ich\nnicht mehr, aber die Gewissheit, kurz vor dem Ziel zu sein, spornt mich an, und\nnach einigem Hin und Her in der N\u00e4he des Parks stehe ich dann endlich vor dem\nHotel. Um 8 Uhr. Nach 98 Kilometern. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann in der Rezeption begr\u00fc\u00dft\nmich mit Namen, noch bevor ich mich vorstelle. Ich sei der einzige Gast, den\nsie noch erwarten. Die Formalien sind schnell erledigt. Ich k\u00f6nne auch noch\netwas zu essen bekommen, das Lokal sei noch etwa eine Stunde ge\u00f6ffnet. Die\nKneipe sieht etwas duster und nicht sehr einladend ein, aber das ist mir jetzt\negal. Zur\u00fcck in die Stadt fahre ich sicher nicht mehr. <\/p>\n\n\n\n<p>Als ich wieder runterkomme, sagt\nmir der Mann, ich k\u00f6nne hier im Wirtsraum oder drau\u00dfen auf der Terrasse vor dem\nHotel sitzen. Oder im Garten hinter dem Hotel. Garten? Gerne. <\/p>\n\n\n\n<p>Und der ist wie eine Offenbarung,\nalles andere, als das Hotelzimmer und der Wirtsraum vermuten lassen. Die Tische\nsind auf ein gro\u00dfes Terrain verteilt, getrennt durch niedrige beschnittene\nB\u00e4ume mit Lichterketten und einer Hecke in der Mitte. Und es ist tats\u00e4chlich\nnoch Platz an dem letzten freien Tisch. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Speisekarte hat es in sich:\nitalienische Speisen, aber erlesene, ausgesuchte, ungew\u00f6hnliche Gerichte, keine\neinzige Pizza. Und das Essen ist g\u00f6ttlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Speisekarte hat die Namen der\nGerichte auf Italienisch und die Beschreibung jedes Gerichts auf Holl\u00e4ndisch.\nDas meiste kann man verstehen. Ich bitte um Hilfe bei den <em>pijnboompitten<\/em>.\nDas sind irgendwelche N\u00fcsse. Nicht so wichtig. Aber was sind <em>uien<\/em>? Das\nsind Zwiebeln!<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt als Vorspeise <em>Insalata\nFagiolini Ortalana<\/em>, k\u00f6stlich, warm serviert. Und als Hauptspeise <em>Linguine\nAmatriciana<\/em>, mit Speck, Tomaten, roten Zwiebeln und rotem Pfeffer. Dazu\nBier. Die Kellnerin ist erst etwas z\u00f6gerlich, als ich nach einem lokalen Bier\nfrage. Ja, sei h\u00e4tten eins, das komme nicht nur aus Roermond, sondern sogar\nhier aus dem Viertel. Es hei\u00dft <em>Kapels<\/em>. Wohl eine Anspielung auf die\nKapelle. Es ist dunkelblond und schmeckt wunderbar. Und straft die Bemerkung\neines Kumpels L\u00fcgen, der angek\u00fcndigt hatte, das holl\u00e4ndische Bier tauge nichts.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Kellnerin kommt und\nfragt, ob es geschmeckt habe, und ich bejahe, frage ich, wie man das auf\nHoll\u00e4ndisch sagt: <em>Smakelijk<\/em>? Nee, eigentlich nicht, sagt sie vorsichtig.\nWie man das denn sagt? <em>Lecker<\/em>!<\/p>\n\n\n\n<p>26. August (Freitag)<\/p>\n\n\n\n<p>Aus\nGr\u00fcnden, die ich im Nachhinein selbst nicht verstehe, entschlie\u00dfe ich mich\ntrotz der langen Distanz nach Herzogenbusch durchzufahren und auf Tilburg und\nBreda zu verzichten. Beide liegen zu nahe an Roermond und zu nahe beieinander.\nDiese Entscheidung sollte ich sp\u00e4ter bereuen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber\nBreda hatte ich im Reisef\u00fchrer gelesen, dass dort jedes Jahr im September der <em>Roodharigendag<\/em>\nstattfindet, der Tag der Rothaarigen, ein Festival mit Ausstellungen,\nDiskussionen, Workshops. K\u00fcnstler fertigen Portr\u00e4ts an, Stilberater leisten\nHilfestellung in Sachen Mode. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nmache mich fr\u00fch auf den Weg. Vor dem Hotel steht ein Schild, auf dem f\u00fcr ein\nbesonderes Angebot geworben wird. Das gibt es <em>woensdag<\/em> und <em>zondag<\/em>.\nW\u00e4hrend der Sonntag parallel zu unserem ist, hat das Niederl\u00e4ndische f\u00fcr den\nMittwoch die alte mythologische Anspielung auf Wotan erhalten, so wie das\nEnglische. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nfahre die Kapellerlaan entlang. An einem Bahngleis, das ich \u00fcberquere, hei\u00dft es\n<em>Wacht!<\/em> Dann f\u00fchrt der Weg an der <em>Minderbroedersingel<\/em> vorbei, und\nich frage mich wieder, was wohl <em>singel<\/em> hei\u00dft. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nkomme ich an den Platz von gestern, nicht der Marktplatz, wie ich dachte,\nsondern der Platz der <em>Munsterkeerk<\/em>. Der Platz ist heute in der Fr\u00fche\nfast menschenleer. Die Kirche hat eine fr\u00fchgotische Westfront und zwei spitz\nzulaufende T\u00fcrme. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nfahre einmal um die Kirche herum. Von Osten kommt sie erst so richtig zur\nGeltung. Sie k\u00f6nnte auch in K\u00f6ln stehen. Romanik pur. <\/p>\n\n\n\n<p>Im\nS\u00fcden steht ein Denkmal f\u00fcr Cuypers, einen in den Niederlanden bekannten\nBaumeister. Er tr\u00e4gt ein langes Gewand, hat einen zotteligen Bart und\nsch\u00fctteres Haar und h\u00e4lt einen Stift und einen Block in der Hand. Sein Blick\nist in die H\u00f6he gerichtet. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nsetzte mich einen Moment auf eine Parkbank, in der Gesellschaft einer Frau, die\ndie Beine \u00fcbereinandergeschlagen hat und zweier M\u00e4nner, der eine l\u00e4ssig den Arm\nauf der Lehne, der andere die Arme auf die Knie gest\u00fctzt. Es sind alles moderne\nSkulpturen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber\nKopfsteinpflaster geht es zur <em>Sint-<\/em><em>Christoffelkathedraal<\/em>, einem\nm\u00e4chtigen Backsteinbau. Dahinter der Rattenturm, der einzige erhaltene Teil der\nalten Stadtbefestigung, ein Rundturm. Er diente eine Zeitlang als Gef\u00e4ngnis f\u00fcr\nFrauen, die der Hexerei beschuldigt waren. Sp\u00e4ter stand er lange leer und\ngammelte vor sich hin. Aus der Zeit stammt die Bezeichnung Rattentor. <\/p>\n\n\n\n<p>Vor\nder Kathedrale ein langgestreckter Platz, wohl der Hauptmarkt, mit typisch\nholl\u00e4ndisch aussehenden schmalen Backsteinh\u00e4usern und einem aus dem Rahmen\nfallenden Rathaus, klassizistisch, mit einer Loggia auf ionischen S\u00e4ulen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nTag ist ganz anders als gestern. Eine dichte Wolkendecke l\u00e4sst keinen\nSonnenstrahl durch. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach\ndem \u00fcblichen Hin und Her mit Komoot (\u201eDu hast die Strecke verlassen\u201c) geht es\nim Zickzackkurs um die Stadt herum. Dann wird die Maas \u00fcberquert. Der Roer bin\nich gar nicht begegnet. Und auch an der Stelle, die ich von einem fr\u00fcheren\nBesuch in Erinnerung hatte, bin ich nicht vorbeigekommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nWeg f\u00fchrt an einer Schnellstra\u00dfe entlang, dann wird es ruhiger, es geht durch\nein Wohnviertel. Es folgt eine sch\u00f6ne Strecke am Waldrand entlang. <\/p>\n\n\n\n<p>In\neinem Ort namens Roggel kaufe ich bei Jan Linders Getr\u00e4nke und Kekse. Der Ort\nhat ein paar h\u00fcbsche H\u00e4user, und am Ortsrand sehe ich ein Plakat, das f\u00fcr Anjis\nGesch\u00e4ft wirbt: \u201eBie Anja \u2013 Det leukste winkel van Heythuisen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nStimme auf Komoot spricht <em>Weg<\/em> wie <em>weg<\/em> aus: \u201eFolgen Sie dem weg\n300 Meter.\u201c Es gibt auch ein paar versteckte Anglizismen in der Ansage: \u201eIn 500\nMetern rechts abbiegen\u201c statt \u201eNach 500 Metern rechts abbiegen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Komoot\nf\u00fchrt mich jetzt ziemlich zuverl\u00e4ssig, aber ausgeschilderte Radwege gibt es\nwieder keine. Die Route f\u00fchrt weiterhin an der Stra\u00dfe entlang. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nkomme wieder nicht so richtig voran. Nach 3 Stunden habe ich gerade einmal 40\nKilometer hinter mir, obwohl ich heute nicht mit der Hitze zu k\u00e4mpfen habe. Ich\nhabe aber ein bisschen mit dem Wind zu k\u00e4mpfen und mit den schweren Beinen von\ngestern. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nn\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Ort ist Liessel. Das, was man wohl ein Stra\u00dfendorf nennt. Alles\nist entlang der Stra\u00dfe aufgereiht. Es gibt ein paar Lokale, aber alle sind noch\ngeschlossen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nkommt wenigstens eine Parkbank, und ich kann meinen Durst l\u00f6schen. Der ist\ntrotz der k\u00fchleren Witterung genauso gro\u00df wie gestern. <\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngeht weiter \u00fcber eine eher unansehnliche Stra\u00dfe, aber die hat den Reiz, auf\nbeiden Seiten von B\u00e4umen bestanden zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nn\u00e4chste Ort ist Bakel. Ich fahre ins Zentrum und sehe links eine Cafeteria. Ich\ngehe rein und bestelle einen Kaffee: \u201eKaffee haben wir nicht.\u201c Das Wort <em>Cafeteria<\/em>\nwird hier wohl im weitesten Sinne gebraucht. <\/p>\n\n\n\n<p>Etwas\nweiter kommt dann aber ein echtes Caf\u00e9 in Sicht, mit vielen Pl\u00e4tzen drau\u00dfen, an\ndenen aber nur eine Handvoll Stammg\u00e4ste sitzt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nbekomme meine erste Bestellung auf Niederl\u00e4ndisch hin: \u201eMag ick een koffie\nverkeert?\u201c Danach verlie\u00dfen sie ihn aber, und ich muss auf Englisch umsteigen.\nIch bestelle auch noch einen Apfelkuchen (<em>appeltaart met slagroom<\/em>). Der\nwird warm serviert und schmeckt k\u00f6stlich. Es hat aber 50 Kilometer gebraucht,\nbis ich meinen Morgenkaffee bekomme. <\/p>\n\n\n\n<p>Von\nmeinem Platz aus sehe ich auf ein Lokal nebenan. Dort hat man auf dem Vordach\neinen alten 2CV platziert, eine Ente, ein sch\u00f6nes Photomotiv. <\/p>\n\n\n\n<p>Erstaunlich:\nIm Niederl\u00e4ndischen sind die Niederlande, die doch sonst \u00fcberall Plural sind,\nSingular: <em>Nederland<\/em>. Daf\u00fcr h\u00f6rt sich die Sprache nach Plural an: <em>Nederlands<\/em>.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngeht weiter auf einer unspektakul\u00e4ren Strecke. Abwechslung bieten Schafe,\nPferde und Rehe auf den Bauernh\u00f6fen. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\nWegesrand ein auff\u00e4lliges Schild, das auf eine verkaufte Immobilie hinweist: <em>Verkocht!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>An\neiner gr\u00f6\u00dferen Kreuzung kommt noch einmal eine Parkbank. Pause. Vor der\nParkbank eine moderne Skulptur, zwei betende H\u00e4nde, die aus einem Steinblock\nemporwachsen. Eine Erinnerung an Kriegszeiten. Die deutsche Wehrmacht versuchte\nhier, den Vormarsch der Alliierten nach Arnheim zu stoppen. Dabei kam eine Frau\nin diesem Ort ums Leben, die Mutter von zwei Kleinkindern. Au\u00dferdem gab es\nzahlreiche Verletzte. Und schlie\u00dflich kamen sp\u00e4ter sechs Kinder ums Leben, als\nsie mit der herumliegenden Munition spielten. <\/p>\n\n\n\n<p>In\nVeghel tauchen an einer gro\u00dfen Kreuzung pl\u00f6tzlich Hinweisschilder f\u00fcr Radfahrer\nauf. Und Herzogenbusch ist gleich dabei: 19 Kilometer. Kurz darauf sind es 15\nKilometer, dann 18 Kilometer, dann verschwindet Herzogenbusch wieder von den\nSchildern. <\/p>\n\n\n\n<p>Noch\nmal wird der Getr\u00e4nkevorrat aufgef\u00fcllt, diesmal bei Jumbo. Drau\u00dfen steht <em>Vlot\nwinkelen<\/em> (Schnell einkaufen). Das bezieht sich vermutlich auf die Methode,\nmit der beim Einkauf vorgegangen wird. Man scannt den Preis des gerade aus dem\nRegal genommenen Artikels gleich im Gesch\u00e4ft ins Handy ein und begleicht dann\nam Ausgang die Rechnung selbst, ohne Kassiererin. Davon machen hier viele\nGebrauch. Ich frage mich, wie man vorgeht, wenn man einen Artikel im\nEinkaufswagen hat und sich dann entscheidet, ihn doch nicht zu nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber\ndem Jumbo ein Fris\u00f6rsalon: <em>Kapsalon<\/em>. Das Wort <em>kapsalon<\/em> bezeichnet\nauch ein Gericht. Das wurde von einem Fris\u00f6r erfunden. <\/p>\n\n\n\n<p>Danach\nwird es etwas sch\u00f6ner und ruhiger. Dann \u00fcberquere ich die Autobahn, schon zum\ndritten Mal. Es beginnt zu regnen. Ich fahre die Autobahn entlang und dann \u00fcber\neine Br\u00fccke. Von Herzogenbusch ist noch nichts zu sehen. Kein Wunder, es sind\nnoch 4 Kilometer. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\n\u00fcberquert man eine h\u00fcbsche alte Zugbr\u00fccke, die so eng ist, dass sie immer nur\nvon einer Seite aus befahren werden kann. Danach geht es rechts ab, und jetzt\nbeginnt der sch\u00f6nste Streckenabschnitt. Eine lange Folge von m\u00e4chtigen B\u00e4umen\nlinks, und rechts die Maas. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nkommt die Innenstadt. Sie ist sehr belebt, sieht sehr holl\u00e4ndisch aus, hat aber\neine riesige, stark verzierte Kirche, die Kathedrale, wie sich sp\u00e4ter\nherausstellt, mit einem m\u00e4chtigen quadratischen Glockenturm, der \u00fcberhaupt\nnicht zu dem Rest passt. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndem Marktplatz eine Kirmes mit bunten, lauten, \u00fcberdimensionierten Karussells. <\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngeht noch ein bisschen im Zickzack durch kleine Gassen, und dann stehe ich vor\nmeinem Hotel, dem <em>Golden Tulip<\/em>. Es liegt auch am Marktplatz, aber das\nmerke ich sp\u00e4ter erst, denn der Weg zur Rezeption f\u00fchrt durch den\nHintereingang. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nHotel ist eher vornehm, aber die Einrichtung eher zweckm\u00e4\u00dfig. Es gibt eine\neigene Fahrradgarage auf der gegen\u00fcberliegenden Seite der Gasse. Hier gibt es\nsogar Ladestationen f\u00fcr Pedelecs. Und davon wird auch kr\u00e4ftig Gebrauch gemacht.\n&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nwar wieder eine gewaltige Strecke, wieder 98 Kilometer, aber heute ist es erst\nhalb vier, und ich kann mich nach einer kleinen Ruhepause noch ein bisschen in\nder Altstadt umsehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Herzogenbusch\nhat seinen Namen von dem nahegelegenen Wald eines Herzogs. Auf Niederl\u00e4ndisch\nhei\u00dft es <em>s\u2019Hertogenbosch<\/em>, aber die Einheimischen sagen einfach <em>Den\nBosch<\/em>, in Analogie zu <em>Den Haag<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nSpezialit\u00e4t von Herzogenbusch, im ganzen Land bekannt, sind die <em>Bossche\nBollen<\/em>. Die gebe es, erfahre ich an der Rezeption, \u00fcberall in der\nInnenstadt, aber die besten seien die von <em>Jan de Groot<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nfolge dem Stadtplan, und als ich an einer Ecke stehe, um mich zu orientieren,\nwerde ich gleich von zwei Jungen angesprochen, die ihre Hilfe anbieten. Sie\nsind selbst mit dem Fahrrad unterwegs, steigen aber ab, um mich zu begleiten,\nbis zu einer Br\u00fccke. Dann deuten sie in die richtige Richtung. Von hier aus\nkann man es nicht verfehlen. Ich bin beeindruckt von der Freundlichkeit. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nBr\u00fccke f\u00fchrt \u00fcber Wasser, aber ob das die Maas ist, kann ich nicht\nherausfinden. Sieht eher nach einem Kanal aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhabe Pech. Bei Jan de Groot wird gerade geschlossen. Man kann h\u00f6chstens noch\neinen Bossche Bollen auf die Hand bekommen. Aber ich w\u00fcrde mich gerne setzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nhabe ich Gl\u00fcck. In einem benachbarten Hotel, das, genauso wie meins, seins\nBossche Bollen von Jan de Groot bezieht, ist das Caf\u00e9 noch ge\u00f6ffnet. <\/p>\n\n\n\n<p>Es\nhandelt sich um ein kugelf\u00f6rmiges Geb\u00e4ck, gro\u00df, mit einer Cremef\u00fcllung und einem\nSchokoladen\u00fcberzug, eine Art Windbeutel mit Schokolade. Wird mit Messer und\nGabel serviert. Schmeckt gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\neinem Gr\u00fcnstreifen vor dem Hotel sehe ich eine Skulptur, die Kinder beim\nBockspringen zeigt. Das war dieser Tage noch Thema, als es darum ging, dass\nauch Kinder der digitalen Generation manchmal noch mit den einfachen Spielen\naus unserer Kindheit zu begeistern sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nViertel auf dieser Seite der Br\u00fccke ist anders. Gerade Stra\u00dfen und H\u00e4user, die\naus einer Periode stammen, die man bei uns Gr\u00fcnderzeit nennen w\u00fcrde.\nWahrscheinlich ist es eine Ausweitung der Stadt aus dieser Zeit. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\ngehe noch etwas in der Stadt herum und beobachte das bunte Treiben. \u00dcberall\nMenschen, es herrscht eine mediterrane Feierabendstimmung. <\/p>\n\n\n\n<p>An\njeder zweiten Ecke sieht man ein Schild mit der Aufschrift <em>To Huur<\/em>. Hat\nnichts mit <em>Hure<\/em> zu tun, sondern mit engl. <em>hire<\/em> und unserem <em>(an)heuern<\/em>\nund letztlich auch mit <em>heuer<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nsehe die Statue von Hieronymus Bosch, dem ber\u00fchmtesten Sohn der Stadt, aber sie\nist jetzt eingezw\u00e4ngt zwischen Karussells, Kirmesbuden und Stromk\u00e4sten. Dadurch\nkommt sie nicht so richtig zur Geltung. Auch das Geburtshaus, vor dem sie\nangeblich steht, ist jetzt von hier aus nicht zu sehen. Bosch h\u00e4lt eine Palette\nin der Hand, tr\u00e4gt eine Malerkappe und ein langes Gewand. Die Statue soll nach\ndem einzig erhaltenen Portr\u00e4t aus seiner Lebenszeit gefertigt sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\ngehe einmal um die Kathedrale herum. Sie ist geschlossen. Sie ist reichlich mit\nBauschmuck ausgestattet und riesengro\u00df. Von Osten sieht man sie hinter\nherabh\u00e4ngenden Zweigen und einem Gitter am sch\u00f6nsten. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\nAbend begn\u00fcge ich mich mit einer Portion Pommes. Die gibt es beim <em>Boemerang<\/em>,\neiner Imbissbude in der N\u00e4he des Hotels. Nicht gerade gem\u00fctlich, aber beliebt\nbei den Einheimischen, die hier Schlange stehen. Auch hier fehlt Personal: <em>Wij\nzoeken medarbetere<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nesse die Pommes auf einem Betonpfeiler auf einem Platz hinter dem Hotel. Sie\nschmecken anders als bei uns, sind kaum gesalzen und knusprig. <\/p>\n\n\n\n<p>27. August (Samstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tag beginnt mit der\nvergeblichen Suche nach Hotels im Internet. Weder in Arnheim noch in Nimwegen\n(noch in der Umgebung) finde ich etwas, jedenfalls nichts zu akzeptablen\nPreisen. Es geht bei 230 \u20ac pro Nacht los \u2013 ohne Fr\u00fchst\u00fcck. Also suche ich aufs\nGeratewohl etwas in der Provinz und sto\u00dfe dabei auf Wageningen. <\/p>\n\n\n\n<p>Erst sehe ich mich aber noch in\nHerzogenbusch um. In der Altstadt ist es jetzt ruhiger als am Abend, jedenfalls\nauf dem Marktplatz. In der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone ist dagegen schon einiges los. Hier\nfindet der Wochenmarkt statt. Es gibt alles von Handyh\u00fcllen bis zu Brabantschem\nWurstebrot. Vor allem die K\u00e4sest\u00e4nde fallen ins Auge, gro\u00dfe R\u00e4der und\nvorgefertigte stattliche Portionen sind zu sehen. <\/p>\n\n\n\n<p>An den Kreuzungen stehen\nfreundliche Aufpasser und sorgen daf\u00fcr, dass die Radfahrer absteigen. Das gilt\naber nur an Markttagen. Sonst gibt es ein gutes Miteinander von Fu\u00dfg\u00e4ngern und\nRadfahrern. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich suche und finde das <em>Zwanenbroedershuis<\/em>\nund stelle fest, dass ich es gestern schon aus dem Augenwinkel gesehen, aber\nwegen der merkw\u00fcrdigen beigen Fassung der Fassade ignoriert habe. Es ist das\nHaus einer mittelalterlichen Bruderschaft, der auch Bosch angeh\u00f6rte. Das Haus\nist fest integriert in die H\u00e4userzeile und hat j\u00fcngere Backsteinbauten zum\nNachbarn. Einen Schwan sieht man als Relief an der Fassade und als Skulptur\nganz oben. Der Schwan bezieht sich auf das j\u00e4hrliche Festessen der\nBruderschaft, bei dem immer ein Schwan verzehrt wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Kathedrale ist jetzt\nge\u00f6ffnet. In der riesigen Kirche findet gerade ein Gottesdienst statt, mit vier\nGl\u00e4ubigen, alle auf den ganzen Kirchenraum verteilt. Die Kirche ist vor allem\nbreit und hat auch sehr breite Seitenarme und breite, vermutlich neugotische\nFenster. Und einen Chorumgang mit sieben Kapellen. Das Hauptschiff hat im\nObergaden sehr sch\u00f6ne, skulptierte W\u00e4nde. Die Orgel, aus dunklem Holz, nimmt\ndie gesamte H\u00f6he im Westen \u00fcber dem Eingang ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Wieder drau\u00dfen, sehe ich mir den\nunpassenden Glockenturm noch mal an, von dem ich gestern gedacht habe, irgendein\nSt\u00fcmper habe ihn nachtr\u00e4glich ohne R\u00fccksicht auf die Architektur errichtet. Aber\ner ist nicht nachtr\u00e4glich errichtet worden, im Gegenteil: Er ist das \u00dcberbleibsel\nder alten, romanischen Kathedrale. Aus Kostengr\u00fcnden hat man ihn stehen lassen\nund sich so den Bau eines Glockenturms erspart. <\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem s\u00fcdlichen Seitenportal,\nsuche ich, \u00fcber eine Karte gebeugt, an der Fassade eine moderne Skulptur, ein\nEngel, der ein Handy in der Hand h\u00e4lt. Ich kann sie nicht finden, und wieder\nwerde ich angesprochen, diesmal von einer freundlichen Frau. Sie weist ganz\nnach oben. Da ist er. Von hier aus nicht so gut zu erkennen. Er h\u00e4lt das Handy\nans Ohr und tr\u00e4gt \u00fcber der Schulter eine Laptoptasche. Da <em>anrufen<\/em> auf\nNiederl\u00e4ndisch <em>bellen<\/em> hei\u00dft, hei\u00dft die Figur <em>De Bellende Engel. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><br>\nAuf der anderen Seite, neben dem n\u00f6rdlichen Seitenportal, wird saniert, daher\nkann ich die andere Figur nicht sehen, nach der ich Ausschau halten wollte, <em>De\nErwtenmann<\/em>. Das ist ein mittelalterlicher Steinmetz, der sich hier selbst\nverewigt hat. Er war sauer \u00fcber die Bezahlung mit der ewigen Erbsensuppe und\nstellt sich selbst dar, wie er den Teller mit der Erbsensuppe zur Seite st\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Seitenportal, figurenreich,\nw\u00fcrde mancher Kirche als Hauptportal gut zu Gesicht stehen. Es ist klar\ngegliedert, und die Figuren stehen eher einzeln als zu Szenen zusammengef\u00fcgt.\nMir f\u00e4llt Johannes mit dem Kelch auf, der Patron der Kirche, <em>Sint Jan<\/em>,\nDavid mit der Harfe und Moses mit den H\u00f6rnern, die das Resultat eines\n\u00dcbersetzungsfehlers sind, der \u00fcberdauert hat.&nbsp;\n<\/p>\n\n\n\n<p>Dann suche ich noch nach dem <em>Noordbrabants\nMuseum<\/em>, am anderen Ende der Altstadt. Herzogenbusch geh\u00f6rt zur Provinz\nNordbrabant. Der Weg f\u00fchrt mich \u00fcber Stra\u00dfen, durch die ich bisher noch gar\nnicht gekommen bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das klassizistische Geb\u00e4ude steht\nweit hinter der Stra\u00dfenfront, hinter einem sch\u00f6nen schmiedeeisernen, oben\nvergoldeten Gitter. Im Innenhof vor dem Eingang die Skulptur eines liegenden\nMannes, der auf seinem erh\u00f6hten Schienbein ein Schiff balanciert. Ihm gegen\u00fcber\nliegt ein Tier, das ihn anschaut. Sieht aus wie ein Schwein. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich genehmige mir einen Milchkaffee\nin einem der vielen Caf\u00e9s dieses Viertels, einen der schlechteren, aber daf\u00fcr\nteureren dieser Tage, und mache mich auf den Weg. Es ist inzwischen 11 Uhr\ngeworden. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf verschlungenen Wegen geht es\naus der Stadt heraus. Immer wieder werde ich von Komoot zur\u00fcckgeschickt. Am\nStadtrand sehe ich drei auff\u00e4llige, schmale Hochh\u00e4user, modern, mit\nabgeflachten, gl\u00e4sernen Ecken an beiden Enden. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt das gewohnte Bild: Es\ngeht an der Stra\u00dfe entlang. Diesmal ist der Radweg aber ausgeschildert. Dabei\nfahre ich eine Stra\u00dfe entlang, die <em>Hustenweg<\/em> hei\u00dft. <\/p>\n\n\n\n<p>An einer Kreuzung geht es kurz\neinen Weg rauf und dann nach rechts, und auf einmal bietet sich ein ganz\nanderes Bild dar: Der Weg f\u00fchrt \u00fcber einen Deich an der Maas entlang. Da l\u00e4sst\nes sich gut radeln. Ein rietgedecktes Haus, ein Postbote auf dem Fahrrad, ein\ngro\u00dfes ehemaliges Geh\u00f6ft mit Kr\u00fcppelwalmdach, ein Hund, der die Passanten\nkontrolliert, eine gro\u00dfe Trauerweide, Wind, eine Fahne mit roten und wei\u00dfen\nKaros, eine Parkbank. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann verl\u00e4sst die Route den\nDeich. Ich komme an einen Yachthafen und werde einen kleinen Seitenweg entlang\ngeleitet. Sanft bergab. Kann eigentlich nicht richtig sein. Ich fahre trotzdem\nweiter. Noch 20 Meter, noch 6 Meter, und dann stehe ich am Wasser. Schiebe das\nFahrrad zur\u00fcck, ziemlich verwirrt. Und gehe erst einmal in das moderne Caf\u00e9 am\nYachthafen. Auf meine Frage, ob es Internet gebe, antwortet der Kellner: \u201eNext\nweek.\u201c Ich sehe mir in Ruhe die Karte auf dem Display an und merke, dass ich\nrichtig war: Ich muss eine F\u00e4hre nehmen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die kommt auch schon bald. Sie\nist klein, nur f\u00fcr Radfahrer und Fu\u00dfg\u00e4nger geeignet, hat lustige bunte F\u00e4hnchen\nund ein Schutzdach f\u00fcr den F\u00e4hrmann. Der sieht aus wie ein Seeb\u00e4r, wie er im\nBuche steht: langer, zotteliger Bart, langes Haar, zu einem Pferdeschwanz\ngebunden, sonnengebr\u00e4untes Gesicht, breitkrempiger Hut. Seine Frau kassiert ab.\nSie will, wenn es eben geht, dass man mit Karte zahlt, nimmt aber auch Bargeld\nan: 3 Euro. <\/p>\n\n\n\n<p>Was ist das f\u00fcr ein Wasser, durch\ndas wir fahren? Keine Ahnung. Der erste Teil sieht aus wie ein See, der zweite\nwie der Nebenarm eines Flusses. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite ist ein\nh\u00fcbscher kleiner Ort, aber der ist bald durchfahren, und dann geht es wieder an\nder Hauptstra\u00dfe entlang. Hier gibt es \u00fcberall Apfelplantagen. In langen,\ngleichm\u00e4\u00dfigen Reihen mit niedrigen Pflanzen, die kaum als B\u00e4ume zu bezeichnen\nsind, werden \u00c4pfel gez\u00fcchtet. Und jetzt gerade auf einen LKW verladen. Vor\neinem Wohnhaus auf der anderen Seite steht ein Apfelbaum, ein Echo aus\nvergangenen Zeiten. <\/p>\n\n\n\n<p>In Wamel frohlocke ich. Wir verlassen die Hauptstra\u00dfe und fahren wieder\n\u00fcber einen Deich. Auf den Feldern sitzen Graug\u00e4nse und ganze Kolonien von\nM\u00f6wen, die sich zur Besprechung zusammengefunden haben. Dazwischen einzelne\nReiher und wohl auch mal ein Storch. Wieder kleine schwarze V\u00f6gel, die aufgeregt\ndurch die Luft fliegen. Welche V\u00f6gel das wohl sein m\u00f6gen?<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndiesem Deich verkehren auch Autos. Und Motorr\u00e4der. Schwere Maschinen. In\ngr\u00f6\u00dferen Gruppen kommen mir die Motorradfahrer entgegen. Die\nGeschwindigkeitsbegrenzungen scheinen f\u00fcr Motorr\u00e4der nicht zu gelten. Ich h\u00f6re\ndie Anweisungen nicht und bin auch so gedankenverloren, dass ich bis ans Ende\ndes Deichs fahre, anderthalb Kilometer zu weit. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nmuss zur\u00fcck und dann in die Dorpstraat. Hinter dem Ort geht es wieder an der\nAutobahn entlang. Dann geht es \u00fcber eine Br\u00fccke. An der Ampel warten Vater,\nMutter und Sohn auf das Gr\u00fcn. Der Vater tr\u00e4gt einen Helm, die beiden anderen\nnicht. Das d\u00fcrfte etwa dem Schnitt entsprechen, jeder dritte tr\u00e4gt einen Helm,\nvor allem aber Radfahrer, die professionell ausger\u00fcstet sind. Die\nFreizeitfahrer tragen in der Regel keinen Helm. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nkomme in einen kleinen Ort, Kesteren. Alles sehr holl\u00e4ndisch hier. Hierher\nverl\u00e4uft sich kein Fremder. An einem Platz ein gro\u00dfer Supermarkt, in dem ich\nmich mit Wasser und Eistee versorge. <\/p>\n\n\n\n<p>An\ndiesem Platz hat auch ein <em>Slager<\/em> sein Gesch\u00e4ft. Das ist ein Metzger (<em>Schlager<\/em>\nhei\u00dft <em>schlager<\/em> auf Holl\u00e4ndisch). Gegen\u00fcber die Boutique <em>Mooi Goed<\/em>.\nDas ist eigentlich doppelt gemoppelt. Beides bedeutet \u201agut\u2018, wobei <em>mooi<\/em>\nmit unserem regionalen Gru\u00df <em>Moin!<\/em> verwandt ist. Der hat nichts mit <em>Morgen<\/em>\nzu tun, sondern bedeutet <em>Guten!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kurz\ndarauf kommt das erste Schild nach Wageningen: 6 Kilometer. Das verleiht mir\nneue Kr\u00e4fte. Kurz vor Wageningen verl\u00e4sst man die Provinz Utrecht (in die man\ngerade erst gekommen ist) und kommt in die Provinz Gelderen. Beim Verlassen der\nProvinz hei\u00dft es, wie beim Verlassen der Orte \u00fcberall: <em>Tot ziens!<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Bald\nbin ich am Ziel. Diesmal ist es nicht so sp\u00e4t geworden. Die Unterkunft ist in\neinem gro\u00dfen, gut auf Fahrradg\u00e4ste eingestellten Hotel am Rande eines Parks,\ndem <em>Hotel WICC<\/em>, was sich irgendwie nach <em>YMCA<\/em> anh\u00f6rt. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach\neiner Erholungspause mache ich mit auf den Weg ins Zentrum. Gehen ist jetzt die\nreinste Erholung, und der Weg ist nicht weit. Lange bin ich unschl\u00fcssig, wo ich\neinkehren soll. Eigentlich wollte ich einen <em>kapsalong<\/em> probieren, aber\nden gibt es nur in Imbissbuden, und ein h\u00fcbsch gelegenes Lokal, bei dem ich\nanfrage, hat nur Burger im Angebot. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende lande ich genau im richtigen Lokal, eher durch Zufall: <em>Eetcaf\u00e9 H 41<\/em>. Vor dem Lokal steht eine Schiefertafel, auf der darauf hingewiesen wird, dass das Lokal \u00fcber <em>Terras<\/em> und <em>Tuin<\/em> verf\u00fcgt. Mit <em>tuin<\/em> ist \u201aGarten\u2018 gemeint. Das Wort hat dieselbe Wurzel wie <em>town<\/em> und <em>Zaun<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Der dunkle Eingang ist nicht gerade einladend, aber drinnen ist es voll, immer ein gutes Zeichen. Es gibt Pl\u00e4tze drau\u00dfen im Garten. Die Kellner sind schnell und freundlich. Wieder gibt es ein gutes lokales Bier. Die Kellnerin bietet es erst etwas z\u00f6gernd an und ist froh, als sie sieht, dass es mir gut schmeckt. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nName eines Gerichts auf der Speisekarte f\u00e4llt mir ins Auge. Das muss ich\nprobieren: K\u00e4nguru. Das Fleisch ist sehr dunkel. Im Geschmack kaum mit anderem\nFleisch zu vergleichen, am ehesten vielleicht noch mit Wild. Es ist ganz\ndunkel, au\u00dfen etwas z\u00e4h, aber innen noch r\u00f6tlich und sehr zart. Hat sich auf\njeden Fall gelohnt. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend denke ich dann endlich\ndaran, zu kl\u00e4ren, was <em>singel<\/em> hei\u00dft, das Wort, auf das ich schon so oft\ngesto\u00dfen bin. Es hei\u00dft \u201aRingstra\u00dfe\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>28.\nAugust (Sonntag)<\/p>\n\n\n\n<p>Am\nMorgen an der Rezeption bekomme ich noch Aufkl\u00e4rung \u00fcber ein Schild, das ich an\neinem Caf\u00e9 in Herzogenbusch gesehen habe<em>: Ome Bernard<\/em>. Das <em>ome<\/em> ist\neine veraltete Form von <em>oom<\/em>, also Onkel. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nwunderbarer Sommermorgen, die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Luft ist\nk\u00fchl. Ich fahre durch die menschenleere Stadt, dann an B\u00e4umen, Feldern und\nWiesen vorbei. Aber nur f\u00fcr kurze Zeit. Wieder stehe ich pl\u00f6tzlich vor einer\nF\u00e4hre. Die Abfahrtszeit ist 6.45. Aber nur werktags. Und heute ist Sonntag. Die\nEtappe beginnt mit Warten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nF\u00e4hre ist gr\u00f6\u00dfer als die vorige, und die Strecke ist k\u00fcrzer. In knapp zwei\nMinuten sind wir am anderen Ufer. Au\u00dfer mir ist nur ein weiterer Passagier auf\nder F\u00e4hre, auch ein Radfahrer. <br>\n<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder\nmal geht es an der Stra\u00dfe entlang, aber es ist kein Verkehr, und ich fahre der\nSonne entgegen. Dann \u00fcberqueren wir die Autobahn. Kurz darauf kommt eine\nAbbiegung, und dann ist es einfach nur noch sch\u00f6n. Links ein Kanal. Schilf an\nder Uferb\u00f6schung, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, dann Seerosen\nim Wasser, Enten mit dunklem Gefieder, Br\u00fccken, deren B\u00f6gen sich im Wasser spiegeln.\nDann Baumreihen, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, mal auf beiden\nund einmal sogar dreifach. Pappeln, Eichen, Birken. Deren schwarze Umrisse auf\ndem Stamm wirken wie Augen, die mich beobachten. V\u00f6gel schwirren durch die\nLuft, auf einem Feld steht reglos ein Reiher. Als ich verlangsame, hebt er ab,\nbevor ich \u00fcberhaupt zum Anhalten komme. Seine Schwingen sind riesig, h\u00e4tte ich\nihm nicht angesehen. Ein paar Angler, ein vereinzelter Radfahrer. Alles ruhig,\nnur der Wind raschelt in den Bl\u00e4ttern. <\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist der sch\u00f6nste Abschnitt der gesamten Tour. Auch das sch\u00f6nste Photo kommt\nhier zustande, mit der tiefstehenden Sonne am Horizont. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach\nHuisen kommt nach einer Abbiegung eine Parkbank. Nehme ich dankbar an. Die\nersten 22 Kilometer liegen hinter mir. Auf einem Schild lese ich, was es mit\ndem \u201eKanal\u201c auf sich hat, an dem ich entlang gefahren bin. Es handelt sich um\nein System von Deichen, Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben, Seitend\u00e4mmen und\nEntw\u00e4sserungskan\u00e4len, angelegt im Mittelalter unter der \u00c4gide eines Grafen, der\ndie Bewohner verpflichtete, im Kampf gegen das Wasser zusammenzuarbeiten. So\nein System nennt man <em>Wetterung<\/em> oder auch <em>Wetter<\/em>. Das erkl\u00e4rt\nwahrscheinlich auch Ortsnamen mit dem Bestandteil <em>Wetter<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nweitet sich die Landschaft etwas aus. Hier kann der Wind so richtig zupacken.\nIch habe zu k\u00e4mpfen, komme aber gut voran. Die Strecke ist flach oder sogar\netwas absch\u00fcssig und der Radweg, wie \u00fcberall bisher, in bestem Zustand. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\ngeht es auf einen Deich. An unerwarteter Stelle geht es steil eine kurze\nB\u00f6schung runter. Ich stehe vor einem verschlossenen Gatter. Kann nicht richtig\nsein. Ich schiebe das Fahrrad wieder rauf, aber der Routenplaner sagt mir, sich\nsolle wieder runterfahren. Neben dem Gatter ist ein kleines Eisentor. Das ist\nge\u00f6ffnet. Ich stehe in einer D\u00fcnenlandschaft, auf sandigem Boden. Fahren kann\nman hier nicht. Ich schiebe das Rad ein paar hundert Meter, und wieder stehe\nich am Wasser. Eine weitere F\u00e4hre. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nF\u00e4hrmann kommt ohne Passagiere und bringt nur mich ans andere Ufer: \u201eTwee twintig\u201c.\nGott sei Dank steht dann dort gleich eine ganze Gruppe von Radfahrern. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nhaben den Wal \u00fcberquert. Auf der anderen Seite stehen niedrige Eichen. Die\nh\u00e4ngen voller Eicheln. Auf Kopfh\u00f6he. Sieht man sonst selten. Ich h\u00e4tte hier\nauch keine Eicheln erwartet. <\/p>\n\n\n\n<p>Wieder\nf\u00e4llt mir ein Schild ins Auge, das mich dieser Tage schon verwirrt hat: <em>Veerdienst<\/em>.\nIch frage mich, um welches <em>Verdienst<\/em> es sich handelt und wem das geb\u00fchren\nk\u00f6nnte. Dann lese ich ein paar Zeilen des Textes, und der Groschen f\u00e4llt: <em>F\u00e4hrdienst<\/em>.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Danach\ngeht es wieder \u00fcber einen Deich. Die Stelle, an der man den Deich verl\u00e4sst,\nwird von einer Backsteinkapelle mit T\u00fcrmchen markiert. Sie steht oben auf dem\nDeich, und gibt vor den dichter werdenden wei\u00dfen Wolken ein sch\u00f6nes Photomotiv\nab. An der Seite der B\u00f6schung, auf der man den Deich verl\u00e4sst, steht eine\nmoderne Skulpturengruppe, drei langgezogene Figuren mit langen H\u00e4lsen, Mann,\nFrau und Kind darstellend. Oder vielleicht Josef, Maria und Jesus. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nkomme nach Millingen, <em>Millingen aan de Rijn<\/em>. Es ist, wie ich sp\u00e4ter\nbemerke, der letzte Ort vor der Grenze, ein gr\u00f6\u00dferer Ort mit einer gro\u00dfen,\nwenig ansehnlichen Kirche. In dem Ort findet eine Art dezentralisierter\nFlohmarkt statt. Vor allen m\u00f6glichen H\u00e4usereinfahrten, Vorg\u00e4rten und Parkb\u00e4nken\nwerden gebrauchte Sachen angeboten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nspekuliere hier auf ein Caf\u00e9 und habe am Ende Gl\u00fcck: <em>De Kastanje<\/em>. Es\ngibt Erholung bei Kaffee und Wasser. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\nOrtsausgang ist schon <em>Kleef<\/em> ausgeschildert: 8 Kilometer. Es geht \u00fcber\neinen Radweg an der Stra\u00dfe entlang, mal wieder, aber es ist eine Allee, und es sind\nwenige Autos unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbergangslos\ngeht es nach Deutschland. Nach 8 Kilometern kommt Kleve, das aber von der Tour\nlinks liegen gelassen wird. In der Ferne sieht man den Kirchturm von Kalkar. <\/p>\n\n\n\n<p>Dort\nangekommen, schiebe ich das Rad in die Altstadt, auf den Marktplatz. Im Zentrum\ndes Platzes steht eine Linde. Sie war fr\u00fcher der Ort, an dem Recht gesprochen\nwurde, unter freiem Himmel und in aller \u00d6ffentlichkeit. Die Gerichtsst\u00e4tte\nmusste kenntlich gemacht werden. Es wurde eine Umfriedung geschaffen, um das\nAlltagsgeschehen au\u00dfen vor zu lassen. Sp\u00e4ter verlagerten sich die Gerichtsverhandlungen\nvon der Linde in eine Laube des Rathauses und dann in einen Sch\u00f6ffensaal im\nRathaus. Die Linde war nur noch Schmuckst\u00fcck f\u00fcr den Markt. In den f\u00fcnfziger\nJahren wurde deutlich, dass der Baum von der Spitze her verdorrte und abstarb.\nMan \u00fcberlegte lange, was geschehen solle, auch das F\u00e4llen des Baums stand zur\nDiskussion. Dann wurde der Baum chirurgisch behandelt und gesundete wieder.\nInzwischen ist die Linde 470 Jahre alt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nRathausplatz ist ein langgestreckter Platz mit sehr unterschiedlichen Geb\u00e4uden,\nteils alt, teils modern, aber gut aufeinander abgestimmt. Auffallend das\nNebeneinander von (\u00e4lteren) giebelst\u00e4ndigen und (neueren) traufst\u00e4ndigen\nH\u00e4usern. Wer da wohl heute drin lebt?<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nRathaus selbst, ein Backsteinbau, dreist\u00f6ckig, hat in der Mitte einen\nungew\u00f6hnlichen, aus der Wand hervortretenden oktogonalen Turm. Unten davor ein\nRenaissanceportal mit der Figur der Justitia. Dar\u00fcber das Kalkarer Wappen, rot,\nmit drei Zinnent\u00fcrmen. Das Untergeschoss, da, wo heute die Gastwirtschaft ist,\nwar einst Markthalle mit Tuch- und Fleischst\u00e4nden und der st\u00e4dtischen Waage.\nOben war ein Kornspeicher. Dieses Rathaus, das ein \u00e4lteres ersetzte, war\nAusweis des Reichtums Kalkars gegen Ende des Mittelalters, ein Reichtum, der\nsich dem Tuchhandel und dem Bierbrauen verdankte. <\/p>\n\n\n\n<p>Bin\nerst etwas unschl\u00fcssig, entscheide mich dann spontan, heute hier zu Mittag zu\nessen. Ich habe Gl\u00fcck. Auf der Terrasse des Rathauses, etwas erh\u00f6ht gelegen,\nbekomme ich den letzten freien Platz. Und ein k\u00f6stliches Drei-G\u00e4nge-Menu.\nDrinnen ist der gro\u00dfe Speisesaal bis auf den letzten Platz besetzt. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\nNebentisch eine Gruppe von Motorradfahrern mit paillettenbesetzten Hemden und\nSchirmm\u00fctzen, den Motorradhelm vor sich auf dem Tisch. Sie sprechen mit einem\nmarkanten Ruhrgebietsakzent. Als sie aufbrechen und ihre Harleys knattern\nlassen, haben sie f\u00fcr einen Moment die Aufmerksamkeit des ganzen Marktplatzes\nf\u00fcr sich. <\/p>\n\n\n\n<p>Bevor\nich mich wieder auf den Weg mache, werfe ich noch einen Blick in die\nNikolaikirche mit ihren ber\u00fchmten Schnitzalt\u00e4ren. Sie liegt etwas versetzt\nabseits des Marktplatzes. Jeder einzelne dieser Alt\u00e4re w\u00e4re f\u00fcr jede andere\nPfarrkirche ein herausragendes Kunstwerk, hier steht fast an jedem Pfeiler\neiner.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders\nals ich es in Erinnerung habe, sind die meisten Figuren nicht in Gold gefasst.\nDas hat zwei Gr\u00fcnde: In der sp\u00e4teren Phase war Gold nicht mehr in, die Alt\u00e4re\nwaren von vornherein holzsichtig konzipiert. Eine Neigung zu ungefassten\nFiguren hatte auch das 19. Jahrhundert, die Zeit der Restaurierung der Kirche.\nDas entfernte sogar den Gold\u00fcberzug vieler Figuren. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nmeisten der Alt\u00e4re sind Fl\u00fcgelalt\u00e4re, Triptychons. Die Fl\u00fcgel sind jetzt immer\nge\u00f6ffnet, was einerseits w\u00fcnschenswert ist, weil man sonst die wichtigsten\nTeile nicht sehen k\u00f6nnte, andererseits aber den Zauber nimmt, den man fr\u00fcher\nempfand, wenn die Alt\u00e4re nur zu ganz bestimmten Zeiten ge\u00f6ffnet wurden. <\/p>\n\n\n\n<p>Man\nkann stilistisch zwei Typen unterscheiden, die mit Szenen, die von Figuren nur\nso wimmeln, wie die Kreuzigung am Hauptaltar, und die mit einzelnen, gr\u00f6\u00dferen,\nnicht zu einem Bild zusammengef\u00fcgten Skulpturen. Auff\u00e4llig die Figur einer\nMaria Magdalena, die als B\u00fcrgersfrau mit modischer Haube dargestellt wird,\nelegant, selbstbewusst, v\u00f6llig verweltlicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Skulptur\nund Malerei erg\u00e4nzen einander. Auf einem Bild sieht man als Hintergrund zur\nAuferstehung des Lazarus den Kalkarer Marktplatz! Das Rathaus, obwohl\nver\u00e4ndert, ist gut zu erkennen, und auch die Linde stand schon an ihrem Ort,\nist aber wohl eine Vorl\u00e4uferin der heutigen Linde. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach\nder Besichtigung \u2013 es ist jetzt wieder sommerlich hei\u00df \u2013 mache ich mich auf die\nletzten Kilometer der heutigen Etappe nach Kehrum, einen Vorort von Kalkar. <\/p>\n\n\n\n<p>29.\nAugust (Montag)<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ngeht\u2019s zur letzten Etappe, der k\u00fcrzesten der Tour. Wieder geht es fr\u00fch los,\nwieder sind die Bedingungen ideal. <\/p>\n\n\n\n<p>Erst\ngeht es ein St\u00fcck an der Stra\u00dfe entlang, dann \u00fcber eine stillgelegte\nBahntrasse. Sehr sch\u00f6n. Am Wegesrand hat jemand auf einem Tischchen unter einem\nSonnenschirm selbstgemachtes Apfelmus und \u00c4pfel aus dem eigenen Garten\nangeboten. Man entscheidet selbst, wie viel man zahlt. Ich nehme einen Apfel\nmit. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier\nsieht man das l\u00e4ndliche Deutschland, das man im Ausland kaum zur Kenntnis\nnimmt. Wiesen, Felder, Weiden, Hecken, in der Ferne die Silhouette von Xanten. <\/p>\n\n\n\n<p>Dort\nangekommen fahre ich schnurstracks in die Altstadt, zum Marktplatz. Das <em>Caf\u00e9\nam<\/em> <em>Dom<\/em> hat trotz der fr\u00fchen Zeit schon ge\u00f6ffnet. Ich bestelle mir\nein opulentes Fr\u00fchst\u00fcck. Au\u00dfer mir sitzen hier nur zwei Stammg\u00e4ste auf der\nTerrasse. <\/p>\n\n\n\n<p>Da\nerste Schild, was ich bei der Fahrt nach Xanten rein gesehen habe, war <em>Siegfried<\/em>.\nDie Verbindung der Stadt mit der Nibelungen-Saga wird hier voll ausgespielt. Auch\ndas Caf\u00e9 macht Anspielungen auf die Geschichte der Stadt. Die\nFr\u00fchst\u00fccksvarianten hei\u00dfen <em>Hagen<\/em>, <em>Brunhilde<\/em>, <em>Ad Santos<\/em>\n(der alte Name der Stadt) und <em>Viktor<\/em> (der Namenspatron des Doms).<\/p>\n\n\n\n<p>Xanten\nnimmt unter den R\u00f6merst\u00e4dten in Deutschland eine Sonderstellung ein. Die\nmittelalterliche Stadt steht nicht auf der r\u00f6mischen Stadt wie in K\u00f6ln oder\nTrier. Sie liegt au\u00dferhalb der heutigen Stadt. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nXantener Dom ist ein Dom, aber keine Kathedrale. Oft wird beides gleichgesetzt,\nund im allgemeinen Sprachgebrauch stimmt das auch, wie beim K\u00f6lner Dom oder\nbeim Trierer Dom, aber nicht beim Xantener Dom oder beim Billerbecker Dom, und\nwohl auch nicht beim Berliner Dom und beim Magdeburger Dom. Das sind keine\nBischofssitze. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach\ndem Fr\u00fchst\u00fcck gehe ich noch kurz durch einen Torbogen in die Domimmunit\u00e4t. Der\nDom ist geschlossen, wohl wegen Sanierungsarbeiten. Vor dem Dom stehen mehrere\ngro\u00dfe, beeindruckende Skulpturengruppen, alle aus derselben Zeit stammend. Auch\nhier sehen einige der biblischen Figuren aus wie Xantener B\u00fcrger der Zeit. <\/p>\n\n\n\n<p>Weiter\ngeht\u2019s Richtung Rheinberg, an der Stra\u00dfe entlang. Dabei \u00fcberquere ich eine\nStra\u00dfe mit dem Namen <em>Spanische Schanzen<\/em>. Das muss eine Reminiszenz auf\nder Zeit der spanisch-niederl\u00e4ndischen Kriege sein. <\/p>\n\n\n\n<p>In\nRheinberg, einem h\u00fcbschen St\u00e4dtchen, \u00fcberquere ich die <em>Underbergstra\u00dfe<\/em>\nund komme dann auf die <em>Kamper Stra\u00dfe<\/em> (die f\u00fchrt zum Kloster Kamp\nvermutlich) und setze mich dort noch einmal in ein Caf\u00e9. Es gibt Wasser mit\neiner Zitronenscheibe. Wunderbar. Erfrischend und leckerer als Wasser pur. Am\nNebentisch klagen die Leute \u00fcber die Hitze. Die sei ja unertr\u00e4glich. Dabei ist\nes heute gar nicht mehr so hei\u00df. So langsam wirft der Herbst seinen Schatten\nvoraus. Der einzige richtig hei\u00dfe Tag auf meiner Tour war der erste, der\nDonnerstag. Das war wie Hochsommer. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\nOrtsausgang von Rheinberg mache ich ein Photo von der Fassade eines Wohnhauses.\nAus dem Fenster des zweiten Stocks sch\u00fcttet jemand eine Gie\u00dfkanne aus. Das\nWasser f\u00e4llt in bunten Tropfen, die immer dicker werden, nach unten. Und fallen\ndort auf einen aufgespannten Regenschirm. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann\nkommt Orsoy. Und damit die letzte F\u00e4hre der Tour. Sie verkehrt von Orsoy nach\nWalsum und zur\u00fcck. Auf der Steuerkabine sind die Wappen der beiden St\u00e4dte\nangebracht. Das von Orsoy hat drei Pferdek\u00f6pfe. Die sind eine Anspielung auf\nden Namen der Stadt: <em>oy <\/em>steht f\u00fcr \u201aAue\u2018, \u201aWiese\u2018, und <em>ors<\/em>,\nverwandt mit engl. <em>horse<\/em>, f\u00fcr \u201aPferd\u2018. <em>Orsoy<\/em> ist also eine <em>Pferdewiese<\/em>.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Als\ndie F\u00e4hre kommt, werden zwei holl\u00e4ndische Autos von dem energischen F\u00e4hrmann\nnach vorne gewinkt. Was das zu bedeuten hat, merken wir erst in der Mitte des\nFlusses. Dort liegt ein Schiff. Die F\u00e4hre macht genau l\u00e4ngs des Schiffes Halt,\nund jetzt werden die Autos auf das Schiff verfrachtet. Ein Mast auf dem Schiff\nwird Richtung F\u00e4hre gelenkt. An dem Mast h\u00e4ngt ein eisernes Dreieck. Daran\nwerden Seile befestigt, und die werden dann am anderen Ende um die R\u00e4der eines\nder Autos gewunden. Und das Auto hebt sich in die H\u00f6he, schwebt eine Zeitlang\nin der Luft und wird dann sanft auf dem Schiff deponiert. Dann ist das zweite\nAuto an der Reihe. Als es in der Luft \u00fcber dem Wasser schwebt, sind wir schon\nwieder weitergefahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Als\nich gerade aufsteigen will, sehe ich am Ufer eine Frau stehen, die mir\nfreundlich zuwinkt. Es dauert einen Moment, bis der Groschen f\u00e4llt. Ich werde\nabgeholt. Und bekomme Geleitschutz f\u00fcr die letzten Kilometer. Wir fahren an der\nStra\u00dfe entlang, und ich bekomme bei Sinalco noch mal Fl\u00fcssigkeitszufuhr. Dann\ngeht es auf die vertraute Bahntrasse, und schon am Mittag sind wir am Ziel.\nGenug Zeit, auszuruhen. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25. August (Donnerstag) Bahnfahren in Zeiten des 9-Euro-Tickets. Kein Zuckerschlecken, wie die letzten Wochen gezeigt haben. Aber meine schlimmsten Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigen sich nicht. 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