{"id":11644,"date":"2024-08-28T06:05:04","date_gmt":"2024-08-28T04:05:04","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11644"},"modified":"2024-09-20T09:22:50","modified_gmt":"2024-09-20T07:22:50","slug":"emsradweg-2024","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11644","title":{"rendered":"Emsradweg (2024)"},"content":{"rendered":"\n<p>27. August (Dienstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Bad Ems nicht an der Ems liegt, sondern an der Lahn, wei\u00df ich noch von einer alten Radiosendung. Dass daf\u00fcr Rheine nicht am Rhein, sondern an der Ems liegt, wei\u00df ich auch noch von damals.<\/p>\n\n\n\n<p>Es soll von der Quelle bis zur M\u00fcndung in Emden gehen. Eine eigentliche Quelle hat die Ems, wie so viele Fl\u00fcsse, nicht, eher ein Quellgebiet. Ich starte in einem Ort namens H\u00f6velhof, von dem ich noch nie etwas geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Touristeninformation, wo ich mein Fahrrad in Empfang nehme, liegt in der Schlossstra\u00dfe. &nbsp;Die hei\u00dft nicht von ungef\u00e4hr so, denn hier befand sich fr\u00fcher ein Schloss, ein Jagdschloss des F\u00fcrstbischofs von Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Touristeninformation ist in der ehemaligen K\u00fcche des Schlosses untergebracht, die sie sich mit dem Pfarramt teilt. Das Geb\u00e4ude ist ein perfekt saniertes Fachwerkhaus und eins von mehreren alten Geb\u00e4uden hier am Platz. In der kleinen Gr\u00fcnanlage davor steht ein Denkmal f\u00fcr die Opfer von Krieg und Gewalt, mehrere konzentrisch angeordnete Steinplatten mit allen Jahreszahlen der beiden Weltkriege, gruppiert um eine Steinplatte mit dem Relief der K\u00f6pfe von etwas fremd aussehenden Engeln. Etwas abseits davon steht ein Bronzemodell des ehemaligen Schlosses, und vorne an der Stra\u00dfe eine platte Skulptur eines Radfahrers. Der vermutlich auf den Emsradweg verweist.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich den ganzen Tag im Zug gesessen habe, ist Hermanito schon aktiv gewesen und ist einen \u201eProlog\u201c gefahren, von Verl nach H\u00f6velhof, an den Emsquellen vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wetteraussichten sind gut, und ich bin heute einigerma\u00dfen p\u00fcnktlich angekommen. Ich nehme das mal als gutes Omen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend erinnere ich mich an ein Gespr\u00e4ch im Zug, zwei M\u00e4dchen auf dem Weg nach Hause von der Schule. W\u00e4hrend der ganzen Fahrt geht es nur um ein Thema:&nbsp; Jungs. Vor allem um die Frage, ob Leon der richtige f\u00fcr die eine sei. Oder doch Noah? Was hat Leon denn geschrieben? Die SMS wird laut vorgelesen. Es wird beraten, was die Bedeutung dieser Nachricht sein kann.&nbsp; Am Ende der Zugfahrt ist noch keine L\u00f6sung gefunden. Aber sie haben ja noch den Fu\u00dfweg nach Hause vor sich.<\/p>\n\n\n\n<p>28. August (Mittwoch)<\/p>\n\n\n\n<p>Habe gestern noch einen Abendspaziergang gemacht, bei dem ich mich verlaufen habe. Was den Vorteil hat, dass ich mich jetzt nicht verfahre.&nbsp; Jedenfalls nicht sofort.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin die J\u00e4gerstra\u00dfe einfach in die falsche Richtung gefahren. Das hatte aber auch sein Gutes, ich konnte noch eine kleine Entdeckung machen, die Bifurkation eines Baches, des Krollbachs. Dass sich Fl\u00fcsse oder Flussl\u00e4ufe gabeln,&nbsp; ist an sich nichts Besonderes, aber hier vereinigen sie sich nicht wieder.&nbsp; Sie bleiben getrennt.&nbsp; Beide flie\u00dfen zur Nordsee, aber der eine durch den Rhein, der andere durch die Ems. Der Grund f\u00fcr die Bifurkation war ein eiszeitlicher Block, der dem Bach den Weg versperrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Stra\u00dfenschilder sind hier eine Rarit\u00e4t. Sie m\u00fcssen wohl aus Fernost eingef\u00fchrt werden.&nbsp; Ich muss tats\u00e4chlich, auf einer gr\u00f6\u00dferen Stra\u00dfe, eine Frau vor ihrer Haust\u00fcr nach dem Namen der Stra\u00dfe fragen. Wir sehen gemeinsam auf meinen Stadtplan und stellen fest: Ich muss den ganzen Weg wieder zur\u00fcck, wieder durch das Wohnviertel, wo die Unterkunft liegt. Kein Viertel f\u00fcr arme Leute. Lauter Einfamilienh\u00e4user, gro\u00df, zweist\u00f6ckig, &nbsp;nicht von der gediegenen, eher von der vornehmen&nbsp; Art, einige villenartig, entweder aus rotem, gelben oder wei\u00dfen Ziegeln, viele mit Walmdach, oder, die moderneren, quadratischen, wei\u00df verputzt. In den Vorg\u00e4rten Banner von Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Werder Bremen. H\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist das Ziel dasselbe wie gestern, nur dass ich es gestern nicht mehr geschafft habe, dahin zu kommen: Das Ems-Informationszentrum auf dem Emser Kirchweg, schon au\u00dferhalb von H\u00f6velhof. Hier ist der offizielle Startpunkt des Emsradwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder geht es \u00fcber die J\u00e4gerstra\u00dfe, diesmal in die andere Richtung. Unterwegs erf\u00e4hrt man, warum die so hei\u00dft. &nbsp;Das hat wiederum was mit dem Jagdschloss zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die k\u00fchle Morgenluft geht es einen sch\u00f6nen Weg entlang, \u00fcber eine rau asphaltierte, einsame Kreisstra\u00dfe.&nbsp; Die Sonne steht tief und beleuchtet&nbsp; die Felder.&nbsp; Es geht an einem Waldrand vorbei, und dort steht unvermittelt ein Polizeiauto \u2013 leer. Dann kommt wie aus dem Nichts die Autobahn.&nbsp; Die erste Steigung bei der Auffahrt auf die Br\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter der Br\u00fccke ein Strommast. Der ergibt, mit der Sonne hinter mir, ein verbl\u00fcffend sch\u00f6nes Photomotiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann h\u00f6rt man Sch\u00fcsse. J\u00e4ger? Nein, hier ist ein Truppen\u00fcbungsplatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich biege rechts ab und komme zu dem Informationszentrum. Hier ist nat\u00fcrlich noch niemand, aber auf einer Informationstafel kann man erfahren, dass der gesamte Radweg eine L\u00e4nge von 385 Kilometern hat und an welchen Stationen er vorbeif\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fahre erst mal in die \u201efalsche\u201c Richtung,&nbsp; denn hier in der N\u00e4he befinden sich die Emsquellen,&nbsp; und wenn ich schon einmal hier bin \u2026 Ich fahre 3-4 Kilometer \u00fcber den einsamen Radweg und komme dann dort an. Hier steigt man ab und geht \u00fcber Planken einen Weg runter und weiter runter. Der geht dann aber wieder rauf. Man muss sich erst mal umgucken, um zu merken, dass man tats\u00e4chlich an den Quellen angekommen ist.&nbsp; Es handelt sich nicht um eine aus einem Felsen schie\u00dfende Quelle sondern um eine Sickerquelle. Hier tritt Wasser an verschiedenen Stellen aus der Erde und sammelt sich zu einem Rinnsal. Nicht spektakul\u00e4r, aber ganz sch\u00f6n in der gr\u00fcnen Umgebung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fahre zur\u00fcck zum Informationszentrum und sehe mir dort noch mal kurz die Schautafel an.&nbsp; Ein vor\u00fcberkommender Mann sagt mir, ich m\u00fcsse in die andere Richtung, also Richtung Emsquellen fahren, nur eben dort links abbiegen und nicht rechts. Tats\u00e4chlich habe ich dort Radwegschilder gesehen.&nbsp; Mein erstes Ziel, sagt er, sei Holte-Stukenbrock, und das habe ich tats\u00e4chlich ausgeschildert gesehen.&nbsp; Ich fahre in die Richtung und komme an den Ortsrand von Holte-Stukenbrock. Hier gibt es Schilder f\u00fcr Radwege in drei Richtungen, aber keine scheint richtig zu sein, und das Logo des Emsradwegs ist auch nirgends zu sehen. Ich fahre in den Ort rein, komme da aber auch nicht weiter.&nbsp; Also fahre ich wieder zu den Schildern zur\u00fcck. Eine Radfahrerin steigt ab und sieht auf ihrem Handy nach.&nbsp; Sie ist sich nicht sicher, gibt sich aber viele M\u00fche und kommt zu dem Ergebnis: Ich muss nach H\u00f6velhof zur\u00fcck! Resigniert nehme ich das zur Kenntnis und fahre wieder zu dem Informationszentrum.&nbsp; Als ich dort die Richtungshinweise ansehe, kommt ein muskul\u00f6ser Mann mit dickem Schn\u00e4uzer und t\u00e4towierten Oberarmen auf mich zu und fragt mich,&nbsp; wohin ich wolle.&nbsp; Auf den Emsradweg, sage ich, und erw\u00e4hne leichtsinnigerweise den Namen Espeln, den ersten Ort, durch den der Emsradweg f\u00fchrt. Nein, nein, sagt er, weder hin noch zur\u00fcck, ich m\u00fcsse hier rechts. Ausgerechnet dahin weist das Emslandlogo nicht. Aber der Mann ist so entschieden, dass ich seine Rat folge: diese Stra\u00dfe runter, dann auf die Landstra\u00dfe, dann durch ein Industrieviertel,&nbsp; und dahinter links, da gehe es nach Espeln.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Landstra\u00dfe angekommen, sehe ich Lastwagen, die hier die Stra\u00dfe runter donnern, einer nach dem anderen, und nur einen schmalen, nicht abgesicherten Streifen f\u00fcr Radfahrer.&nbsp; Nein, das tue ich mir nicht an. Der Mann hat eindeutig das Auto-Gen in seiner DNA, er kann sich in die Lage eines Radfahrers nicht versetzen. Ich fl\u00fcchte mich in einen Waldweg,&nbsp; der nach H\u00f6velhof f\u00fchrt. Den habe ich vorher aus dem Augenwinkel gesehen.&nbsp; Ich nehme diesen Weg und bin nach anderthalb Stunden und 17 Kilometern wieder genau dort, wo ich hergekommen bin, in H\u00f6velhof. Dort gehe ich erst einmal in eine B\u00e4ckerei, in der ich gestern schon mal Halt gemacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach geht es in den Ort, zum Schloss. Hier gibt es Radwegeschilder zuhauf, aber keins f\u00fcr den Emsradweg. Ich irre ein bisschen in der Gegend herum und frage einen jungen Mann. Der reagiert wie der mit dem Schn\u00e4uzer auf das Wort Espeln, korrigiert sich aber sofort: Ach nee, Sie wollen ja auf den Radweg. Er f\u00fchrt mich zu einer Gruppe von Rentnern, die vor einem Caf\u00e9 sitzen. Darunter befindet sich sein Nachbar. Der wei\u00df tats\u00e4chlich Bescheid: Ich muss zur\u00fcck zu der B\u00e4ckerei und dann Richtung Rieke. Stimmt!<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht an der Landstra\u00dfe entlang, dann an Feldern entlang, dann wieder an der Landstra\u00dfe entlang. Aber immerhin: Ich komme nach Espeln. Aber dort gibt es keinen Emsradweg.&nbsp; Ich fahre durch den Ort und sto\u00dfe tats\u00e4chlich auf den Emsradweg. Richtung H\u00f6velhof. Also wieder zur\u00fcck. Keine weitere Ausschilderung zu sehen. Ich frage einen Mann, der in seinem Garten arbeitet. Der ist sehr hilfsbereit, erkl\u00e4rt mich, erkl\u00e4rt mir den Weg, korrigiert sich dann, erkl\u00e4rt einen anderen Weg, geht dann ins Haus und holt eine Karte. Die ist genauso ungenau wie meine.&nbsp; Kurzentschlossen holt er sein Rad aus der Garage und begleitet mich. &nbsp;Er ist selbst den Emsradweg schon mal gefahren, bis Emden, mit drei Freunden. Wir fahren die Landstra\u00dfe runter und kommen zu einem Gedenkstein, von dem er vorher gesprochen hat. Dort ist tats\u00e4chlich ein Schild. Das habe ich schlicht und einfach \u00fcbersehen.<\/p>\n\n\n\n<p>29. August (Donnerstag)<\/p>\n\n\n\n<p>30. August (Freitag)<\/p>\n\n\n\n<p>31. August (Samstag)<\/p>\n\n\n\n<p>1. September (Sonntag)<\/p>\n\n\n\n<p>Relativ fr\u00fcher Aufbruch. Die Zimmerwirtin macht mich auf Schwalben aufmerksam, die \u00fcber uns fliegen. Ja, hier in der N\u00e4he des Wassers, da gebe es noch reichlich Schwalben,&nbsp; Wasser bedeutet M\u00fccken, und M\u00fccken bedeutet Futter f\u00fcr die Schwalben. Die k\u00f6nnten, sagt sie, nur im Fliegen fressen. Und k\u00f6nnten, genau wie die Mauersegler, nicht vom&nbsp; Boden starten. Interessant. Wusste ich nicht. Was hat sich die Evolution dabei gedacht?<\/p>\n\n\n\n<p>Sie meint, es werde ein sch\u00f6nes Tag werden, und gar nicht windig. Mit dem ersten Teil ihrer Prophezeiung sollte sich recht behalten, mit dem zweiten nicht. Noch an keinem Tag habe ich so sehr mit dem Wind k\u00e4mpfen m\u00fcssen wie heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob ich diesseits oder jenseits der Ems fahren wolle, will sie wissen. Ich wusste gar nicht, dass ich die Wahl habe. Der Einfachheit halber bleibe ich auf dieser Seite, da komme ich ohne weitere Umwege, gleich von diesem Wohnviertel aus, an die Ems.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die zeigt sich gleich von ihrer Schokoladenseite. Wundersch\u00f6ner Weg, direkt am Fluss, leicht zu fahren. Nur vereinzelte Hundeh\u00fcter begegnen mir, \u00fcberhaupt keine Radfahrer.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Herrlichkeit h\u00e4lt nicht lange. Bald geht es vom Wege ab, steil eine Stra\u00dfe rauf, langgezogen, am Ende steige ich ab. Irgendwann geht es dann zur\u00fcck zur Ems, dann wieder weg von ihr, dann wieder hin. Mehrmals muss die Seite gewechselt werden. Der beidseitige Emsradweg existiert nur in der Vorstellung meiner Zimmerwirtin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das letzte St\u00fcck vor Steinbild ist wieder richtig sch\u00f6n. In der B\u00f6schung am Ufer sitzen Angler, einer nach dem anderen, in regelm\u00e4\u00dfigen Intervallen, jeder in seiner eigenen Nische im Ufergras. Die meisten sind alleine, alle haben ein H\u00f6ckerchen und die meisten einen Sonnenschirm.<\/p>\n\n\n\n<p>In Steinbild selbst schl\u00e4gt die Kirchenglocke, Punkt zehn Uhr, und l\u00e4dt zu m Gottesdienst ein.<\/p>\n\n\n\n<p>An einem Caf\u00e9 an einer Schleuse deckt eine Frau drau\u00dfen die Tische ein. Ja, einen Kaffee k\u00f6nne ich schon haben. W\u00e4hrend sie die Tische mit&nbsp; Besteck, Speisekarten und Bl\u00fcmchen versorgt, kommen wir ins Gespr\u00e4ch. Sie hat heute einen harten Tag vor sich. Sonntags im Sommer ist immer was los. Radler kommen vorbei, vor allem aber auch die Bewohner der Ferienwohnungen der Umgebung. Im Winter machen sie zu, da sei hier nichts los. Erst Ostern geht es dann wieder los.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie selbst ist geb\u00fcrtige Berlinerin, was man ihr aber nicht anh\u00f6rt. Sie spricht aber auch ohne norddeutschen Akzent.&nbsp; Ja, das stimmt, sie sei mit 13 mit ihrer Mutter hierher gekommen, f\u00fche cih aber wie eine Emsl\u00e4nderin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das mit der Radtour findet sie gut, das mit Hermanito und Hermanita auch. Sie verabschiedet sich und w\u00fcnscht noch eine gute Fahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Vorgarten stehen zwei einfache, kleine Figuren aus rostigem Eisen, ein Mann, der ein Buch liest und ein Paar, das gemeinsam ein Rad schiebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz danach ist zum ersten Mal Papenburg ausgeschildert. Ich folge dem Hinweis, und das scheint ein Fehler zu sein. Sp\u00e4ter stellt sich heraus, dass Hermanito fast den ganzen Weg an der Ems entlang gefahren ist. Ich nicht. Manchmal erahne ich sie, manchmal sehe ich ein Schiff, aber kein Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00e4hne mich schon in der N\u00e4he von Papenburg, als eine Entfernungsangabe kommt, die mich umwirft: 13 Kilometer. Und die werden mir echt sauer. Zu dem Wein von gestern und dem viel zu starken Kaffee in dem Caf\u00e9 an der Schleuse kommt der Wind, der scheinbar ungehindert angreift, obwohl ich links von mir den Deich als Schutz habe.&nbsp; Ich muss immer wieder schieben, und auf dem Fahrrad habe ich eine Geschwindigkeit von 6-7 km\/h im Schnitt. Keine Bank, kein Ort, kein Caf\u00e9, nicht einmal ein Baumstamm, um eine Pause zu machen. Nur Wind, Wind, Wind.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann kommt in der Ferne ein Schiff in Sicht, ein Kreuzfahrtschiff, und der Anblick gibt mir neue Kraft. Es ist die Meyer-Werft von Papenburg, die gerade jetzt Schlagzeilen macht, weil ihr der Konkurs droht. Es wird kontrovers diskutiert, ob der Staat eingreifen soll oder nicht. Hier machen alle Radfahrer Halt und sehen auf die Werft hin\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach kommt eine Bank zum Ausruhen und dann ein sch\u00f6ner Weg an B\u00e4umen entlang, Richtung Stadt. Und dann endlich Papenburg. Ankunft 13 Uhr. Es wird richtig hei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Innenstadt zieht sich an einem Kanal entlang, mit Geb\u00e4uden zu beiden Seiten. Der Landesherr warb hier Siedler an, die die Verpflichtung eingehen mussten, den Kanal weiterzugraben. Sie waren auch f\u00fcr die Sauberkeit ihres Kanalabschnitts zust\u00e4ndig. Diese Menschen geh\u00f6rten zu dem, was man heute Prekariat nennen w\u00fcrde. Sie f\u00fchrten als Torfstecher eine prek\u00e4re Existenz, die durch schlechtes Klima in Gefahr geraten konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem wurde der Ort immer gr\u00f6\u00dfer, und dieser Tatsache&nbsp; verdankt sich der Bau der neugotischen Nikolaikirche, auch am Kanal gelegen. Bis dahin wurde der Gottesdienst in der Navigationsschule &nbsp;abgehalten. Bis zum Bau der Marktkirche 1965 wurde diese Kirche sowohl von Lutheranern als auch von Freikirchlichen genutzt. Die Nikolaikirche hat ihr Patrozinium erst seit 1980. Sie hie\u00df vorher <em>Kirche am Hauptmarkt<\/em>. Bei Nikolaus denkt man wohl an den Patron der Seefahrer.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas abseits des Kanals hat man eine alte M\u00fchle renoviert, eine Bockwindm\u00fchle, Meyers M\u00fchle, zu ihrer Zeit mit ganz modernen Mechanismen ausgestattet.&nbsp; Den normalen Besucher von heute beeindruckt vor allem die Gr\u00f6\u00dfe. Und die sch\u00f6ne Lage in der Innenstadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist der Kanal ein Schmuckst\u00fcck, mit kleinen Zugbr\u00fccken, verschiedenen Schiffen, die im Wasser liegen,&nbsp; B\u00e4umen und Blumen. Caf\u00e9s und Restaurants gibt es reichlich. Fischliebhaber kommen auf ihre Kosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mache mich auf die Suche nach der Touristeninformation, erst mit dem Rad, dann zu Fu\u00df. Die ist genauestens ausgeschildert: 500 Meter, 300 Meter, und dann kommt \u2013 nichts. Ich versuche es auf und ab und rechts und links \u2013 nichts. Ich gehe \u00fcber die Stra\u00dfe am Rande der Innenstadt, nichts. Ein \u00e4lteres Ehepaar sagt, ja, dort dr\u00fcben, in dem Bachsteinbau, das ist sie. Nichts. Ich folge einem Pfeil, von dem man nicht wei\u00df, in welche Richtung er zeigt.&nbsp; Versuche es in beide m\u00f6glichen Richtungen. Nichts. Dann endlich gehe ich in die M\u00fchle rein. Ist hier die Touristeninformation? Nein, die ist da ganz oben. &nbsp;In der den Pfeilen entgegengesetzten Richtung. Die einzige Erkl\u00e4rung: Sie haben die Touristeninformation verlegt, aber die Schilder noch nicht ge\u00e4ndert. Just my luck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schleppe meine m\u00fcden F\u00fc\u00dfe in die andere Richtung, den Kanal entlang.&nbsp; Die Touristeninformation liegt auf der \u201efalschen\u201c Seite, also muss ich erst zu der n\u00e4chsten Br\u00fccke und dann zur\u00fcck. Ganz hinten auf einem gro\u00dfen Platz in einem riesigen modernen Geb\u00e4ude, da ist sie. Ich gehe hin und will rein: Sonntags geschlossen.&nbsp; Just my luck.<\/p>\n\n\n\n<p>Gl\u00fccklicherweise gibt es in der N\u00e4he \u00f6ffentliche Toiletten.&nbsp; Die brauche ich dringend. Aber auch die sind geschlossen. Sonntags wird nicht gepinkelt. Just my luck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schleppe mich zu einem Biergarten, den ich unterwegs gesehen habe, und st\u00e4rke mich mit einer Laugenbrezel. Und nat\u00fcrlich Mineralwasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt steht noch die Fahrt zu der Unterkunft an. Wieder habe ich ung\u00fcnstig gebucht, in einem Wohnviertel au\u00dferhalb. Hermanito hat es besser gemacht, er ist gleich im Zentrum. Zwei Malteser helfen mir, den Weg zu finden, die Erkl\u00e4rung ist perfekt, und trotz der Hitze schaffe ich noch die letzten 3-4 Kilometer. Gl\u00fccklicherweise kann ich schon ankommen, obwohl ich eigentlich zu fr\u00fch bin, aber der Vermieter, ein ganz gelassener junger Mann, nimmt das ganz locker. Man kann Wintergarten und K\u00fcche benutzen und sich am K\u00fchlschrank bedienen. Mit Mineralwasser nat\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier in der Gegend gibt es aber nichts zu essen, ich solle a&nbsp; besten wieder in die Stadt fahren, meint er. Morgen fr\u00fch geht er schon um 5 Uhr zur Fr\u00fchschicht. Na, ganz so fr\u00fch will ich doch nicht aufbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am fr\u00fchen Abend \u2013 es ist noch richtig hei\u00df \u2013 fahre ich noch mal Richtung Stadt. Hermanito sitzt am Museumschiff, gleich gegen\u00fcber seinem Hotel.&nbsp; Er hat den besseren Weg gefunden und sch\u00f6ne Photos gemacht. Warum ich an der Meyer-Werft vorbeigekommen bin und er nicht, k\u00f6nnen wir uns im Nachhinein nicht erkl\u00e4ren. Unterwegs, in der N\u00e4he von Steinbild, ist er auf einen Rettungswagen gesto\u00dfen. Dort war eine Radfahrerin mit einem anderen Radfahrer kollidiert und musste per Hubschrauber ins Krankenhaus transportiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>2. September (Montag)<\/p>\n\n\n\n<p>Aufbruch um 8.30. Der angek\u00fcndigte Regen soll jetzt doch erst am Abend kommen. Es ist ideales Wetter zum Radfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum sitzt jemand auf einer Bank und raucht eine Fr\u00fchst\u00fcckszigarette. Hermanito. Ich mache kurz Halt, und er erz\u00e4hlt mir von dem \u00fcppigen Fr\u00fchst\u00fcck, das er in dem Hotel bekommen hat und von seiner Jacke, die er am Abend zuvor in dem Lokal ganz in der N\u00e4he liegen lassen hat. Hat sie aber wieder. Gerade als er hinfuhr, war ein Kellner dabei, sie einzusammeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich neben dem Hotel liegt die riesige katholische Kirche von Papenburg, St, Antonius. Das Internet best\u00e4tigt: Papenburg hat mehr katholische Einwohner als evangelische. Es geh\u00f6rte wohl zum Bistum M\u00fcnster.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bestelle einen Kaffee in einer B\u00e4ckerei an dem Kanal. Die freundliche Kellnerin erz\u00e4hlt, sie h\u00e4tten eine Filiale schon schlie\u00dfen m\u00fcssen.&nbsp; Wegen Personalmangels. Zu hoher Krankenstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen habe ich endlich nachgesehen, wof\u00fcr das Autokennzeichen EL steht: Emsland. Hermanito hatte recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber, was bedeutet <em>Fehnroute<\/em>, der Name eines Radwegs, auf dem man hier immer wieder st\u00f6\u00dft? Der Duden erkl\u00e4rt: <em>Fehn<\/em> ist die norddeutsche Variante von <em>Fenn<\/em>, und das bedeutet \u201aMoorgebiet\u2018, \u201aSumpfland\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanito hat mir gesagt, ich solle Richtung Weener fahren, das sei der erste Ort auf der Route. Aber hier ist auch schon Leer ausgeschildert. Also richte ich mich danach. Dann biege ich fast falsch ab, merke dann aber, dass es nach Leer in zwei Richtungen geht, die l\u00e4ngere Strecke f\u00fchrt \u00fcber den Emsradweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann fahre ich auf eine rote Ampel zu.&nbsp; Lange Schlange,&nbsp; Autos, Radfahrer, Fu\u00dfg\u00e4nger, Angestellte der st\u00e4dtischen Gartenbetriebe. Was ist hier los? Dann sehe ich: Die Br\u00fccke ist nach oben geklappt, ein Schleppkahn f\u00e4hrt durch, mit einem hohen Hebekran, von dem ein Br\u00fcckenteil herunter h\u00e4ngt. Er f\u00e4hrt so langsam durch die enge Stelle, dass man die Bewegung kaum wahrnimmt.&nbsp; Ein echtes Spektakel, alle schauen hin und machen Photos. Dann senkt sich die Br\u00fccke wieder, ganz, ganz langsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder geht es erst im allerletzten Augenblick in die richtige Richtung , als ich nach Weener geradeaus fahren will, dann aber merke, dass der Emsradweg nach Weener rechts abgeht.&nbsp; Man muss h\u00f6llisch aufpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme in eine einsame Gegend. Hinter einer Br\u00fccke ist nur die Dollardroute ausgeschildert, sonst nichts, kein Pfeil, kein Logo, kein Ort. Was soll man machen, wenn man auf dem Emsradweg ist und bleiben will? Geradeaus oder rechts der Dollardroute folgend? Ich biege rechts ab, und das ist richtig, aber reiner Zufall, und ich merke erst nach mehreren einsamen Kilometern, dass ich auf dem richtigen Wege bin, als mir ein Radfahrer zuruft \u201eImmer der Strroo\u00dfe lang\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Weener ist ein h\u00fcbscher, kleiner Ort mit Backsteinh\u00e4usern und Backsteinkirchen.&nbsp; Es ist 10 Uhr, und ich bin inzwischen bei Kilometer 400.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich drehe eine Runde durch den Ort und komme dann bei der Weiterfahrt an einen Kanal, ganz \u00e4hnlich dem von Papenburg. Hier hat man den <em>T\u00f6rffrieren<\/em> ein Denkmal gesetzt, den Torffrauen.&nbsp; Man sieht zwei Frauen, eine j\u00fcngere, eine \u00e4ltere, mit Kopftuch, Sch\u00fcrze und Holzschuhen, die Briketts in einen vor ihnen liegenden Korb f\u00fcllen.&nbsp; So ein Korb fasste 100 Liter. Er wurde bis zur H\u00e4lfte gef\u00fcllt, dann ger\u00fcttelt, dann komplett gef\u00fcllt. Man arbeitete im Team.&nbsp; Eine weitere Frau trug den Korb weg, eine vierte lud ihn auf das bereitstehende Pferdefuhrwerk. Ein Denkmal f\u00fcr Frauen, die harte Arbeit leisteten, so wie es sie bei uns heute gar nicht mehr gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter Weener geht es immer am Deich entlang. An einer Stelle steige ich nach oben. Auf der anderen Seite flie\u00dft die Ems, aber die bekommt man vom Radweg aus nicht zu sehen. Oben auf dem Deich grasen Schafe, sch\u00f6ne Tiere, mit schwarzen Beinen und schwarzen K\u00f6pfen. Als ich ein Photo machen will, l\u00e4uft das eine weg, das andere richtet seinen Hinterteil auf mich und verrichtet sein Gesch\u00e4ft. Kein Respekt vor dem Sch\u00e4fer.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanito berichtet sp\u00e4ter, dass er auch mehrmals auf den Deich gestiegen ist und dabei einen Mann gesehen hat, der das Deichgras mit einer Sense bearbeitete. Mit Muskelkraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme in einen Ort, Bingum. Dort spricht mich ein Mann an, der auf einer Schubkarre eine Waschmaschine durch die Gegend f\u00e4hrt. Ob es da hinten ein Caf\u00e9 gebe, will er wissen. Habe keins gesehen. Hier, auf der Dorfstra\u00dfe, gibt es eins, aber die haben montags Ruhetag.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich, um einem parkenden Lastwagen aus dem Weg zu gehen, ein paar Meter auf dem schmalen B\u00fcrgersteig fahre, kommt pl\u00f6tzlich aus einer Haust\u00fcr ein junger Mann auf die Stra\u00dfe gelaufen. Ich fahre ihn fast \u00fcber den Haufen. Ich bremse, steige ab und entschuldige mich. Freundlich l\u00e4chelnd hebt er die Hand und geht weiter. Zu Hause w\u00e4re ich angemotzt worden. Die beiden anderen berichten sp\u00e4ter beim Eis \u00e4hnliche Erlebnisse. Kein Ahnung, warum die Leute im Norden den Ruf haben, verschlossen oder unfreundlich zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht an einer Hauptverkehrsstra\u00dfe entlang Richtung Leer. Das lasse ich aber links liegen, es liegt nicht direkt am Radweg. Hermanito berichtet sp\u00e4ter, dass er reingefahren ist und sich einen Tee nach ostfriesischem Ritual geleistet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>An einem Wehr setze ich mich kurz auf eine Bank und mache Pause. Mein n\u00e4chstes Ziel, Ditzum, ist schon ausgeschildert. <em>Ditzum<\/em>, <em>Bingum<\/em>,&nbsp; <em>Jemgum<\/em>, <em>Critzum<\/em>&nbsp; und nat\u00fcrlich <em>Borkum<\/em>. Viele Ortsnamen enden hier auf <em>\u2013um<\/em>. Das ist die korrumpierte Form von <em>\u2013heim<\/em>, wie sie auch in <em>Bochum<\/em> und <em>Beckum<\/em> zu finden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter geht\u2019s. Einmal lande ich unverhofft zwischen zwei Geh\u00f6fte, einmal auf einem Deichweg, der ins Nichts f\u00fchrt, aber sonst geht es immer geradeaus, immer am Deich entlang. \u00d6de Strecke, keine sch\u00f6ne Landschaft. Auf den letzten Kilometern Richtung Ditzum mache ich noch einmal Tempo, es geht auf das Ziel zu. Auf diesem Abschnitt kommt man gut voran, aber es macht tack-tack, tack-tack, wie fr\u00fcher auf den alten Autobahnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wind bewegt die unendlich vielen Windr\u00e4der in der Distanz und f\u00e4hrt durch das Schilfgras am Rand, aber er ist heute nicht so heftig wie gestern und macht sich nur an einzelnen Stellen bemerkbar.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ditzum muss ich das Rad ein paar Stufen runter und dann wieder rauftragen und merke jetzt erst, wie viel das Gep\u00e4ck ausmacht. Ich h\u00f6re, wie sich zwei Sommerg\u00e4ste und zwei Einheimische \u00fcber die vielen Touristen beschweren, die hier zu bestimmten Zeiten einfallen, wie gestern, am Sonntag. Da habe man keinen Fu\u00df an den Boden bekommen. Heute dagegen sei es herrlich ruhig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mache Pause in der <em>Schiffsb\u00f6rse am Hafen<\/em>, eins von vielen Lokalen, die sich die ganze Stra\u00dfe entlang ziehen.&nbsp; Suppe und Mineralwasser, da kommt man zu neuen Kr\u00e4ften.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ditzum geht es zum Hafen und dann auf die F\u00e4hre. Damit habe ich gar nicht gerechnet. Die F\u00e4hre f\u00e4hrt nur einmal pro Stunde, und die letzte ist nat\u00fcrlich gerade abgefahren. Die Wartezeit wird mir lang, so kurz vor dem Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt die F\u00e4hre. Es dauert zwanzig Minuten bis zur anderen Seite. Ich habe mein Portemonnaie schon gez\u00fcckt, aber Radfahrer zahlen hier nicht, nur die Autofahrer. Die Erwachsenen wollen einem Baby die F\u00e4hre zeigen, das Wasser, die Schiffe, die andere Seite, aber das Baby br\u00fcllt und will ins Auto zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite \u2013 noch 11 Kilometer bis Emden \u2013 geht es auf einer Schotterpiste an der Ems entlang, mal ganz nahe dran, mal weiter davon entfernt. Immer wieder geht es \u00fcber Br\u00fccken, oft moderne Br\u00fccken, aus Eisengittern, ganz steil, immer wieder muss ich absteigen und schieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt der erste Hinweis Richtung Innenstadt. Ich bin unschl\u00fcssig, ob ich erst zum Hotel oder erst zur Touristeninformation fahren soll. Irgendwo wartet Hermanita seit Stunden in einer Eisdiele und will uns abfangen. Da komme ich aber nicht vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage Hotel oder Touristeninformation erledigt sich dann von selbst. Ganz zuf\u00e4llig, noch bevor ich in die N\u00e4he der Altstadt komme, \u00fcberquere ich eine Stra\u00dfe, deren Name mir auff\u00e4llt: Friedrich-Ebert-Stra\u00dfe. Hier ist das Hotel. Angekommen. Geschafft. Nach 5 Etappen, 445&nbsp; Kilometern und 33 Stunden im Sattel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich das Fahrrad in einem Schuppen hinter dem Hotel abstelle, kommt ein weiterer Radfahrer rein. Hermanito. Reiner Zufall. Zwei Minuten nach mir. Er ist eine ganz andere Strecke gefahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bringe gleich das Rad zur Touristeninformation, obwohl sie laut Vertrag das Rad vom Hotel abholen sollten. Da will man von nichts wissen. Man habe \u00fcberhaupt keinen Platz, um Fahrr\u00e4der abzustellen, und vom Hotel hole man sie schon gar nicht ab. Das m\u00fcsse ein Missverst\u00e4ndnis sein. Gl\u00fccklicherweise habe ich den Vertrag dabei. Kleinlaut sagt die Frau, ach so, ja das sei ja schon so lange her, das sei inzwischen in Vergessenheit geraten. Na toll. Etwas widerwillig nimmt sie das Rad entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mache mich auf den Weg Richtung Innenstadt. Hier gibt es keine Eisdiele und keine Hermanita. Die wartet in einer Eisdiele nahe der anderen Touristeninformation, beim Rathaus. Sie hat vergeblich auf uns gewartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sehen wir uns aber auf dem gro\u00dfen Platz und steuern, sobald Hermanito auch eingetroffen ist, eine Eisdiele an. Hermanita l\u00e4dt zu einem Eis ein. Und wir erz\u00e4hlen von unseren Erlebnissen in den letzten Tagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita erz\u00e4hlt, Emden habe drei bekannte S\u00f6hne. Henri Nannen, den Stifter der Kunsthalle, Wolfgang Petersen, den Regisseur, und Otto, den Komiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann bekommen wir gratis eine Stadtf\u00fchrung. Es sind nur ein paar Schritte von hier zum Kanal. Dort wehen die Fahnen der Stadt Ems, Gelb-Rot-Blau. In der Mitte das Wappen, mit Wasserwellen, einer&nbsp; Zinnen und&nbsp; einer Harpyie.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Wasser liegen verschiedene alte Schiffe, darunter ein fahrender Leuchtturm und ein Seerettungsschiff.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dieser Seite des Kanals <em>Dat Otto Huus<\/em> mit einem Ottifanten an der Fassade. Die Fu\u00dfg\u00e4ngerampel hat bei Gr\u00fcn einen Otto als Ampelm\u00e4nnchen. Vielgesuchtes Photomotiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite des Kanals das Rathaus, asymmetrisch. Der Durchgangsbogen und der Turm mit Turmuhr und einer hohen, von weitem sichtbaren goldenen Bekr\u00f6nung, sind nicht mittig angebracht. Der Grund daf\u00fcr ist die beim Bau des Rathauses bereits existierende Stra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Unten der Wahlspruch der Stadt, <em>Concordia res parvae crescunt<\/em> \u2013 <em>Durch Eintracht wachsen kleine Dinge. <\/em>Der Name Emden bedeutet \u201aFlussm\u00fcndung\u2018, und das dazugeh\u00f6rige Adjektiv ist <em>Emdner<\/em>, wie <em>Dresdner<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier am Kanal hei\u00dft alles <em>Delft<\/em>, die Stra\u00dfe selbst und ein Hotel und eine Apotheke und ein Schnellimbiss. Was ist eigentlich ein Delft? Das Internet verr\u00e4t es: <em>Delft<\/em> bedeutet eigentlich \u201aGraben\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine vielbeachtete Skulptur steht gleich vorne am Kanal. Drei M\u00e4nner lehnen l\u00e4ssig an einem Gel\u00e4nder, in verschiedene Richtungen blickend. Das sind die Kanalspucker. Sie f\u00fchrten ein m\u00fc\u00dfiges Leben, verbrachten stundenlang am Kanal und kauten Kautabak. Den spuckten sie, wenn der durch war, ins Wasser. Zwei von ihnen haben, wie der Koblenzer Schengel, ein kleines Rohr im Mund und spucken hin und wieder \u2013 Wasser allerdings, keinen Kautabak.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen zu einem Schnellimbiss, wo es Matjesbr\u00f6tchen gibt. Hermanito probiert eins. Urteil: Fisch gut, Br\u00f6tchen schlecht. Hermanita erz\u00e4hlt, dass der Hering f\u00fcr den Matjes aus Norwegen kommt! Er macht dann noch Halt in Rotterdam, wo er irgendwie bearbeitet wird. Zum Matjes wird er erst in Emden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei erfahren wir, dass Emden die Stadt der Produktion des Passats von Volkswagen ist (oder war). Nach den neueren Produktionsmethoden wird an jedem Standort immer nur ein Typ produziert. Wenn der alte ausgelaufen ist und der neue nicht erfolgreich ist, hat man schlechte Karten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls erfahren wir, dass es gleich in der N\u00e4he von Emden eine kleine Erh\u00f6hung gibt, die aber schon aus der flachen Landschaft heraussticht. Hierher kommen Fahrsch\u00fcler aus der gesamten Umgebung, um das Anfahren am Berg zu \u00fcben!<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein kurioses Detail: Emden steht auf Pf\u00e4hlen, hat einen feuchten Untergrund. Das hat, wie Hermanita bei der Stadtf\u00fchrung erfahren hat, zur Folge, dass ein Sarg durch den Druck des Wassers von unten an die Oberfl\u00e4che gesp\u00fclt wurde. Eine Besucherin sagte, sie w\u00fcrde sich auf dem Friedhof nicht bestatten lassen. Die Stadtf\u00fchrerin antwortete, das k\u00f6nne ihr auf jedem Friedhof in Emden passieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir verlassen die Stra\u00dfe am Kanal und sto\u00dfen auf der anderen Stra\u00dfenseite auf die <em>Emsmauerstra\u00dfe<\/em>. Die Ems floss einst hierher, und die Emsmauer sch\u00fctzte die Stadt. Der Verlauf der Ems \u00e4nderte sich durch eine Sturmflut. Sie ist jetzt hier nicht mehr zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen zu einem Bunker. Emden wurde im 2. Weltkrieg stark zerst\u00f6rt, vermutlich wegen der Schiffsbauindustrie, &nbsp;und sch\u00fctzte sich durch 60 Bunker. Von denen stehen immer noch 30. Dieser hier ist ein grauer Klotz, der sich von den Backsteinbauten der Innenstadt unvorteilhaft absetzt. Sp\u00e4ter kommen wir zu einem Bunker, dessen Fassade von einem argentinischen K\u00fcnstler phantasievoll bemalt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesen Backsteinbauten geh\u00f6ren die Pelzerh\u00e4user, zwei der \u00e4ltesten H\u00e4user der Stadt, einst Sitz der Pelzh\u00e4ndlerfamilien. Sie haben sehr sch\u00f6n gestaltete Fassaden mit Volutengiebeln, zwei besondere Vertreter der Backsteinrenaissance.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen zur evangelisch-reformierten Kirche, einem Riesenbau, ganz untypisch f\u00fcr diese Konfession. Emden ist, erf\u00e4hrt man, geh\u00f6rt neben Wittenberg und Genf zu den einflussreichsten St\u00e4dten der Reformation. Das hat was mit den spanisch-niederl\u00e4ndischen Kriegen zu tun, denn damals fanden viele \u201eT\u00e4ufer\u201c aus den Niederlanden Zuflucht in Emden.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Kirche ist heute eine Bibliothek untergebracht, die <em>Johannes-a-Lasco-Bibliothek<\/em>, benannt nach einem polnischen Reformator, eine Spezialbibliothek mit Tausenden von B\u00e4nden und einem historischen Buchbestand, mit dem Schwerpunkt auf Geschichte und Theologie. Hermanita kennt die Bibliothek von einem fr\u00fcheren Besuch in Emden und empfiehlt den Besuch.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Eingang der Kirche, wie vor anderen Geb\u00e4uden, ein Stolperstein, aber ein Stolperstein der besonderen Art. Er erinnert an einen Pastor, Hermann Immer, einem Pastor der evangelisch-reformierten Kirche, der sehr volksnah war, sich um die N\u00f6te der Gl\u00e4ubigen k\u00fcmmerte und der Bekennenden Kirche nahestand, obwohl er nicht im Widerstand war.&nbsp; Er war dennoch dem Regime ein Dorn im Auge und wurde verhaftet. Dagegen regte sich Widerstand, vor alle auf Seiten der Emdner Arbeiterschaft im Emdner Hafen. Die Verhaftung von Pastor Immer verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Emden. Gleich am n\u00e4chsten Morgen erschien der Kranf\u00fchrer Jan Klaassen beim Oberb\u00fcrgermeister und forderte im Namen der Hafenarbeiter: \u201eWenn Hermann Immer nicht am n\u00e4chsten Sonntag wieder in der Gro\u00dfen Kirche zu sehen ist, dann gifft\u2018 Skandal bi uns in Hafen!\u201c Das h\u00e4tte Streik bedeutet. Das Regime lenkte ein, Immer erhielt allerdings ein Verbot jeder T\u00e4tigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss kommen wir in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone noch an einer Skulptur vorbei, die eine Frau mit Besen und Sch\u00fcppe zeigt. Ein ganzes Leben lang fegte sie hier die Stra\u00dfe, noch bis in die sechziger Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abendessen haben wir schon abgesprochen, wann wir uns morgen treffen wollen, um die Bibliothek zu besichtigen, als Hermanito noch mal auf der Website der Bibliothek weiter nach unten scrollt und ganz am Ende feststellt: Die Bibliothek ist diese Woche geschlossen!<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einer Karte zeigt uns Hermanito, was es hier mit der Ems auf sich hat. Sie m\u00fcndet ein ganzes St\u00fcck au\u00dferhalb von Ems in die Nordsee, genau genommen in eine Bucht, den Dollart. Davor befindet sich ein gro\u00dfes, aufwendig angelegtes Auffangbecken, beinahe quadratisch, das die \u00dcberflutung der Stadt verhindert.<\/p>\n\n\n\n<p>3. September (Dienstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Immer noch kein Regen, obwohl der erst f\u00fcr gestern Nachmittag, dann f\u00fcr gestern Abend angesagt war. Zum ersten Mal eine Radtour ohne einen Tag, an dem ich klatschnass geworden bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich mich auf den Weg in die Innenstadt mache, h\u00e4lt ein Radfahrer neben mir und spricht mich an. Hermanito. Der hat schon eine Runde gedreht. Und mich ganz zuf\u00e4llig gesehen. Er wiederum ist ebenso zuf\u00e4llig von Hermanita gesehen worden, die aus der Distanz nicht sicher war, ob er es war. Es fehlten Helm und Zigarette. Er war es aber.<\/p>\n\n\n\n<p>Als erstes passiere ich die gro\u00dfe Kirche mit dem hohen Dachreiter, die als Orientierungspunkt f\u00fcr das Hotel dient. Es ist die <em>Neue Kirche<\/em> (XVII), eine evangelisch-reformierte Predigerkirche, aus Backstein, aber mit Sandstein in den Gesimsen, gebaut nach dem Vorbild einer Amsterdamer Kirche. Um die Kirche herum der Kirchhof mit Gr\u00e4bern aus verschiedenen Zeiten. Der Grundriss ist das eines griechischen Kreuzes, angeblich, wie es hier hei\u00dft, typisch f\u00fcr protestantische Kirchen. Der mit einer goldenen Kugel bekr\u00f6nte Kirchturm ist ein Hingucker. Die Kirche ist geschlossen, in den Seitenportalen gibt es sch\u00f6ne, farbige Wappen, zinnenbewehrter Mauer, den Wellen der Ems, Sanduhr, Totensch\u00e4del, einer Flamme und einer barbusigen Harpyie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe zum Landesmuseum, will etwas \u00fcber die Entwicklung von Emden erfahren. Das Museum ist im Rathaus untergebracht, in einem modernen Erweiterungsbau. Unterwegs f\u00e4llt mir auf, wie viele Ladenlokale leer stehen. Es ist immerhin eine Einkaufsstra\u00dfe in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, die direkt ins Zentrum f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau am Empfang im Landesmuseum sagt, ich k\u00f6nne das Museum gerne besuchen, nur eine Abteilung sei geschlossen: die \u00fcber Emden. Just my luck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe trotzdem rein. Im ersten Ausstellungsraum gibt es Karten und Atlanten aus der Fr\u00fchzeit der Kartographie, einige farbig und sogar mit Relief. Die geht eigentlich auf Ptolem\u00e4us zur\u00fcck, aber von dem sind nur Beschreibungen, keine Karten erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Karten von Friesland stammen aus der fr\u00fchen Neuzeit. Sie stellen Ostfriesland noch verzerrt dar, und die Lage und Entfernung der St\u00e4dte sind noch ungenau. Eine weit verbesserte Karte stammte dann von einem friesischen Gelehrten, Ubbo Emmius. Dessen Karte war 200 Jahre lang das Ma\u00df aller Dinge. Erst dann merkte man, dass er zwei unterschiedliche Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Ostfriesland und Westfriesland verwendet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ubbo Emmius stammte aus Greetsiel, wurde aber Professor in Groningen, ein Indiz daf\u00fcr, dass Friesland eigentlich eine Einheit \u00fcber die heutigen L\u00e4ndergrenzen hinaus war.<\/p>\n\n\n\n<p>Im oberen Stockwerk wird die Entwicklung von Emden \u00fcber drei Seiten eines Raum kontinuierlich durch kleine Figuren und Landschaften dargestellt, von den ersten niedrigen Warften, Erdaufsch\u00fcttungen zum Schutz vor dem Wasser mit einfachen Rieth\u00e4usern, bis zur Anlage des Sperrwerks zum Schutz vor \u00dcberschwemmungen. Deiche gibt es erst seit den drei\u00dfiger Jahren. Das Sperrwerk hat nicht nur die Funktion des Schutzes, sondern dient auch der Durchfahrt der Ozeandampfer aufs offene Meer.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Objekte aus den mittelalterlichen Haushalten dieser Gegend sind ausgestellt: L\u00f6ffel und Brettchen aus Holz, Messer aus Eisen, Kochgeschirr aus Keramik. Gabeln gab es noch keine. Glas war ein Luxusgut. Das hier ausgestellte gr\u00fcne Glas stammt vermutlich aus den Niederlanden.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer weiteren Abteilung geht es um die \u201eFriesische Freiheit\u201c, ein wichtiges Element des Sozialsystems. Letztlich bedeutet das die Abwesenheit von Adel. Die Ausstellung relativiert das aber. Es gab durchaus soziale Abstufung, basierend auf einem H\u00e4uptlingswesen, das klare Hierarchien ausbildete.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzelnen Territorien, sog. \u201eHerrlichkeiten\u201c, waren wie autonome L\u00e4nder, aber es gab ein \u00fcbergreifendes Rechtssystem, dessen Regeln wohl auf Niederdeutsch abgefasst waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Friesen widersetzten sich lange der Missionierung, die sie als ein Mittel zur Unterwerfung ansahen. Erst ab der karolingischen Zeit setzte sich das Christentum allm\u00e4hlich durch. Es gibt sch\u00f6n gestaltete Taufsteine aus Sandstein zu sehen und geschnitzte Figuren, alle aus Eichenholz, die wie Stein aussehen.&nbsp; Sehr sch\u00f6n ein Reliquienschrein, ebenfalls aus Eichenholz, verziert, aber ohne den urspr\u00fcnglichen Figurenschmuck, dessen Konturen man aber noch sieht. Da waren bilderfeindliche reformierte Christen am Werk.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Abteilung, die sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die mit der Moorleiche von Bernutsfeld. Man sieht das (f\u00fcr einen Laien) gut erhaltene Skelett mit pechschwarzen Knochen in zusammengekauerter Stellung in einer Vitrine liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leiche wurde 1907 von Torfstechern entdeckt, die sie sofort wieder bedeckten und ihren Fund meldeten. Sie m\u00fcssen einen geh\u00f6rigen Schrecken eingefahren haben. Die Leiche wurde dann von Experten begutachtet. Man geht davon aus, dass es sich um einen Mann handelte \u2013 meistens sind Moorleichen M\u00e4nner und nicht Frauen oder Kinder \u2013 der im 7. Jahrhundert lebte. Eine der offenen Fragen ist die, warum keine Haut bewahrt ist. Daf\u00fcr gibt es verschiedene Erkl\u00e4rungen. Es k\u00f6nnte sein, dass der Mann erst noch an der Oberfl\u00e4che lag und erst sp\u00e4ter, als die Haut schon verwest war, endg\u00fcltig ins Moor gesunken ist. Ob der Mann im Moor begraben wurde oder dort eingesunken ist, ist offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besonderheit dieses Fundes ist die Kleidung des Mannes, hier in verschiedenen Vitrinen ausgestellt: eine Art Tunika mit langen \u00c4rmeln du Stehkragen, aus Schafswolle, ein Patchwork, ein Musterbuch der Webkunst des fr\u00fchen Mittelalters, dazu ein Schultertuch, ein Wollmantel und Wickelbinden f\u00fcr die Beine. Erhalten ist die lederne Messerscheide, aber nicht die Klinge. Eisen zersetzt sich im Moor.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der Besichtigung kann man noch auf den Turm steigen. In einem Zwischengeschoss gibt es Informationen \u00fcber Nachtw\u00e4chter und Turmw\u00e4chter. Ausgestellt sind Hellebarden und verschiedene Blasinstrumente, alle erstaunlich gro\u00df. Zun\u00e4chst gab es eine Art von der Stadt organisierter B\u00fcrgerwehr, jede Familie war in bestimmten Intervallen dran und musste nachts durch die Stra\u00dfen patrullieren. Sp\u00e4ter wurde eine Art Spezialtruppe ausgebildet, die diese Aufgabe \u00fcbernahmen. Das Amt des Turmw\u00e4rters beinhaltete ebenfalls Kontrolle, vor allem aber Warnung bei Br\u00e4nden. Zur Entwarnung wurde jede Stunde das Horn geblasen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann steigt man nach oben. Man steht auf dem Rathausturm, den wir schon gestern immer wieder gesehen haben, und von dort hat man einen Blick auf den Innenhafen gleich hier, den Au\u00dfenhafen in der Ferne, den Verkehrsplatz unter einem und die D\u00e4cher der H\u00e4user und die T\u00fcrme der Kirchen der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Besichtigung mache ich Pause in einem Lesecaf\u00e9 ganz in der N\u00e4he des Museums. Es gibt Milchkaffee und einen leckeren Crumble mit Eis.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe dann einmal ganz den Wall entlang, jetzt eine sch\u00f6ne, schattige Promenade, fr\u00fcher Teil der Verteidigungsanlage. Das erste Ziel ist der Wasserturm. Architektonisch klingt er an den Jugendstil an und dient noch heute als Wasserreservoir. Er wurde 1910 von einer Gelsenkirchener Firma errichtet und fasst 1000 cbm Wasser. Damals ersetzte er einen \u00e4lteren Wasserturm, der bei der 1885 nach der Kanalisation Emdens in Auftrag gegeben worden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt der Chinesentempel, der so hei\u00dft und so aussieht, aber kein Tempel ist, sondern eine Toilettenanlage. Jedenfalls als solche angelegt war. Scheint jetzt leer zu stehen. Schade. Daraus k\u00f6nnte man was machen. Die Besonderheit des Baus ist, dass hier alles rund ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt eine Bockwindm\u00fchle. Die steht auf dem Terrain einer einstigen Bastion. Man kann heute noch gut ermessen, welche Dimensionen sie hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg f\u00fchrt an einer Skulptur einer franz\u00f6sischen K\u00fcnstlerin vorbei, eine metallene Erdkugel, auf die in den verschiedensten Sprachen der Satz Wasser ist Leben eingraviert ist. Die Kugel hat zu zwei Seiten einen Ausguss, aber leider kommt kein Wasser raus.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich erreiche ich, fast am anderen Ende des Walls, die Kesselschleuse. Eine Besonderheit, denn hier werden vier \u201eFlussl\u00e4ufe\u201c gleichzeitig vereinigt<strong>, <\/strong>an der Kreuzung des Ems-Jade-Kanals mit dem Stadtgraben. Dabei wird ein H\u00f6henunterschied von \u00fcber zwei Meter \u00fcberwunden. Die Schleuse erm\u00f6glicht den Schiffsverkehr in vier Richtungen. Der \u201eKessel\u201c in der Mitte dient also nicht nur zur Angleichung der Wasserh\u00f6he, sondern auch als Wendem\u00f6glichkeit f\u00fcr die Schiffe. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe Gl\u00fcck, es wird gerade ein Tor geschlossen, und dann wird Wasser in den Kessel gelassen, damit er die gleiche H\u00f6he des Kanals erreicht. Und dann \u00f6ffnen sich die Tore, um ein kleines Schiff durchzulassen. Obwohl es eine kleine Schleuse ist, ist das Ganze ein echtes Spektakel, vor allem dann, wenn das Wasser an der Oberfl\u00e4che zu blubbernbeginnt und dann regelrechte Wirbel verursacht und dabei immer lauter wird. Toll, wie sich Menschen so was ausgedacht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir treffen uns im <em>Henri\u2019s<\/em>, dem Caf\u00e9 des Kunstmuseums. Es ist benannt nach Henri Nannen, der der Initiator des Kunstmuseums war und es dann zusammen mit seiner Frau auf die Beine stellte. Die Keimzelle des Museums war eine Malschule f\u00fcr Kinder. Die gibt es heute noch. Sie ist jetzt in einem eigenen Geb\u00e4ude untergebracht, dort, wo auch das Caf\u00e9 ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, es ist keine Uhr\u201c steht auf einem Schild am Eingang zum Caf\u00e9. Das bezieht sich auf zwei \u201eZeiger\u201c an der Fassade, die st\u00e4ndig in Bewegung sind und gelegentlich wie die Zeiger einer Uhr aussehen. Es ist aber keine Uhr, sondern ein kinetisches Kunstwerk, das nur willk\u00fcrlich vom Wind angetrieben wird. Es ist keine Elektrizit\u00e4t im Einsatz. Wir fragen uns, ob die Zeiger bei Windstille auch mal still stehen, und am n\u00e4chsten Tag sieht das einer der beiden anderen tats\u00e4chlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Henri Nannen war von 1949 an 31 Jahre lang Chefredakteur des Sterns, der eine Zeitlang die auflagenst\u00e4rkster Zeitschrift Deutschlands und sogar der Welt war. Als die Hitlertageb\u00fccher ver\u00f6ffentlicht wurden, 1983, war er bereits ausgeschieden. Nannen hat keineswegs Publizistik, sondern Kunstgeschichte studiert und von Beginn an Kunst gesammelt, ohne besonderen Schwerpunkt, einfach nach pers\u00f6nlicher Vorliebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sitzen gem\u00fctlich an einem Arm der Ems oder eines Kanals und erz\u00e4hlen. Hermanito ist mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und hat dabei auch den J\u00fcdischen Friedhof besichtigt. Hermanita ist wie ich den Wall entlang gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita bestellt einen Stachelbeerkuchen mit Baiser. \u201eIhhh\u201c, finden wir beide, was f\u00fcr eine Kombination! Und sind uns einig, das Stachelbeeren und Rhabarber zu den H\u00f6chststrafen unserer Kindheit geh\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanito erz\u00e4hlt von der Ausstellung im Kunstmuseum. Es geht um Stillleben, Stillleben der modernen Art. Begeistert zeigt er ein Photo von einem Bild von einer norddeutschen Landschaft mit einem breiten Himmel voller kleiner Wolken. Weniger angetan ist er von einigen \u201eInstallationen\u201c, in denen \u2013 scheinbar willk\u00fcrlich \u2013 jede Menge K\u00fcchengeschirr dicht gedr\u00e4ngt aufeinander gestapelt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanito schl\u00e4gt vor, ein Photo von uns dreien mit den Kanalspuckern zu machen. Wir kommen hin und bitten einen Passanten, das Photo von uns zu machen. Gerade in dem Moment, als das erledigt ist, f\u00e4ngt es sturzflutartig an zu regnen. Wir k\u00f6nnen uns im letzten Moment unter einen Sonnenschirm fl\u00fcchten, nur der arme Photograph wird f\u00fcr seine gute Tat komplett durchn\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Schauer vorbei ist, fliegen Stare zu Hunderten wie wild geworden um das Rathaus herum, ohne erkennbare Richtung. Sie besetzen die gesamte L\u00e4nge des Dachfirsts, sitzen dort wie auf einer Stange, dann sind sie alle auf einmal wieder weg. Vielleicht finden sie in den hohen B\u00e4umen auf dem Vorplatz ihre Nachtruhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen in ein italienisches Lokal, in dem wir von einer Kurdin aus dem Irak bedient werden und ich die erste vegetarische Lasagne meines Lebens esse. Und wohl auch die letzte. Das M\u00e4dchen schafft es spielend, das alkoholfreie Weizen von dem mit Alkohol zu unterscheiden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita friert, was uns beiden ein R\u00e4tsel ist. Auf dem R\u00fcckweg sehe ich auf einer Anzeige, dass es 23,5\u00b0 warm ist.<\/p>\n\n\n\n<p>4. September (Mittwoch)<\/p>\n\n\n\n<p>Am Vormittag bleibt vor der R\u00fcckreise noch Zeit f\u00fcr einen kurzen Besuch im Kunstmuseum, das praktischerweise in der N\u00e4he des Bahnhofs liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Sonderausstellung geht es tats\u00e4chlich um Stillleben. Die habe ich immer im 17. und 18. Jahrhundert verortet, aber es gibt auch moderne. Um die geht es hier.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Stillleben galt lange als minderwertig gegen\u00fcber der Historienmalerei, der Portr\u00e4tmalerei, der Landschaftsmalerei und der religi\u00f6sen Malerei, aber es setzte sich durch als Dekoration in den H\u00e4usern wohlhabender Familien, vor allem in Holland und Spanien, oft versehen mit einer moralischen Botschaft, die ihren Ausdruck in Symbolen fand. Als Beispiel ist hier eine Vanitas aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt, mit Totenkopf, aufgeschlagener Bibel, Globus, Muschel und Glas.<\/p>\n\n\n\n<p>Solchen Botschaften fehlen in dem modernen Stillleben. Die Ausstellung hat viele Blumenarrangements, die es mir nicht so besonders angetan haben. Noch weniger die Blumenarrangements mit Keramik. Sch\u00f6n dagegen ein eher klassisches Stillleben mit Fuchsie, Buch und Tischtuch, alle wie zum Anfassen gemalt, das dadurch erweitert wird, das im Bild ein weiteres Bild an der Wand h\u00e4ngt, mit einer l\u00e4ndlichen Gegend mit einem Lehmweg, B\u00e4umen entlang des Weges, einem Bauernhaus, einem Bauern mit Sense im Vordergrund und einer Kirche ganz hinten. Hier spielt der Maler mit den Gattungen, verbindet Stillleben mit Genremalerei.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls gut gef\u00e4llt mir ein Bild ganz anderer Machart. Aus der Entfernung sieht man nur eine einzige schwarze Fl\u00e4che. Aus der N\u00e4he sieht man verschiedene Schattierungen von Schwarz und beginnt, das komplizierte Ge\u00e4st eines blattlosen Baums zu erkennen. Dieses Bild wurde am Computer entwickelt und beruht auf einer Vektorgraphik.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch wieder ganz anders, aber auch sehr sch\u00f6n sind zwei Bilder, die jeweils einen B\u00fccherstapel darstellen, breite B\u00e4nde mit bunten Einb\u00e4nden, mit dem R\u00fccken mal zur einen, mal zur anderen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht so toll finde ich ein Bild, das nichts anderes ist als die vergr\u00f6\u00dferte Version einer Quittung, einer modernen elektronischen Quittung, wie man sie jeden Tag sieht. Die Quittung, aus Antwerpen, best\u00e4tigt den Kauf von Blumen. Der Titel nimmt Bezug auf Breughel, aber was der mit der Quittung zu tun hat, ist nicht zu erkennen, au\u00dfer dass der Name Breughel als Eigenname auf der Quittung erscheint, vielleicht als Name des Inhabers des Gesch\u00e4fts.<\/p>\n\n\n\n<p>Mich zieht in erster Linie ein Maler an, dem ein ganzer Saal gewidmet ist, Franz Radziwill. Seine Stillleben \u00e4hneln noch am meisten den alten aus den vergangenen Jahrhunderten, wie das von dem Ausstellungsplakat: eine Kanne, eine Birne, ein Buch und ein Keramiktopf auf einer Tischdecke, phantastisch gemacht in seiner Plastizit\u00e4t und den Einzelheiten, einem Knick in der Tischdecke, Druckflecken auf der Birne, Lichtreflexe und Schatten auf den Gef\u00e4\u00dfen, die unregelm\u00e4\u00dfigen Seiten in dem dicken Folianten.<\/p>\n\n\n\n<p>Radziwill ist auch interessant wegen seiner Karriere. Er stammte aus ganz einfachen Verh\u00e4ltnissen, machte eine Maurerlehre und war als Sanit\u00e4tssoldat im Einsatz, war politisch dem linken Spektrum zugeh\u00f6rig. Doch er wollte Karriere als Maler machen und nutzte die Situation 1933, als Professoren und Direktoren entlassen wurden, die dem Regime unliebsam waren. Er trat in die NSDAP ein und wurde Professor an der Kunstakademie in D\u00fcsseldorf. Dann kamen Bilder ans Licht, die er fr\u00fcher gemalt hatte, keine Stillleben, sondern wilde expressionistische Bilder, die ihm den Ruf als \u201eKulturbolschiwist\u201c eintrugen. Seine Kunst wurde als \u201eVerfallskunst\u201c diffamiert. 1935 wurde eine seiner Ausstellungen geschlossen, seine Werke wurden konfisziert, und schlie\u00dflich wurde er entlassen. Er hatte aber einflussreiche Freunde bei den Nazis, mit denen er seine Rehabilitierung erwirkte. Was dann folgte, zeigte die Widerspr\u00fcchlichkeit der Kulturpolitik der Nazis. An einigen Orten durfte er ausstellen, an anderen Orten wurden seine Ausstellungen verboten oder geschlossen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss kommt noch ein \u201eKnaller\u201c, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Stillleben auf einem Bildschirm, harmlos aussehend: auf einem steinernen Gesims, vor einem schwarzen Hintergrund, liegen ein K\u00fcrbis und eine Zucchini. Links davon h\u00e4ngt ein Wirsing an einer Kordel und dar\u00fcber ein Granatapfel. Das Bild ist unbewegt, ein echtes Stillleben. Dann saust von links mit gro\u00dfer Wucht ein Pfeil oder eine Granate durchs Bild, so schnell, dass man es nicht erkennen kann, und trennt den Granatapfel auf. Der explodiert, wird in zwei Teile geteilt, und der Inhalt zerbirst und tausend kleine rote Segmente fliegen durch die Luft und breiten sich, ganz langsam, in Zeitlupe, auf die anderen Gegenst\u00e4nde aus. Man glaubt nur Bluttropfen zu sehen. Eine Allegorie auf die zersetzende Gewalt des Krieges.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Abenteuer Emsradweg neigt sich dem Ende zu. Auf dem bequemen R\u00fcckweg mit der Bahn werden schon Alternativen f\u00fcr die n\u00e4chste Radtour angesprochen: Spreewald, S\u00fcdtirol, Ruhrtal.<\/p>\n\n\n\n<ol>\n<li>28. August (Mittwoch): H\u00f6velhof&nbsp; \u2013 Harsewinkel,&nbsp; 00-82 (= 82 km), 7.00-15.30 (= 8,5 Std.)<\/li>\n\n\n\n<li>29. August (Donnerstag): Harsewinkel &nbsp;\u2013 Greven, 82-166 (= 84 km), 8.45-14.45 (= 6 Std.)<\/li>\n\n\n\n<li>30. August (Freitag): Greven \u2013 Lingen:&nbsp; 166-256 (= 90 km), 8.30-17.00 (= 8,5 Std.)<\/li>\n\n\n\n<li>31. August (Samstag): Lingen \u2013 Haren: 256-320 (= 64 km) ,8.00-14.30 (= 6,5 Std.)<\/li>\n\n\n\n<li>1. September (Sonntag): Haren \u2013 Papenburg: 320-383 (= 63 km), 8.30-13.00 (= 4,5 Std.)<\/li>\n\n\n\n<li>2. September (Montag): Papenburg \u2013 Emden : 383-445 (= 62 km), 8.30-15.00 (= 6,5 Std.)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27. August (Dienstag) Dass Bad Ems nicht an der Ems liegt, sondern an der Lahn, wei\u00df ich noch von einer alten Radiosendung. Dass daf\u00fcr Rheine nicht am Rhein, sondern an der Ems liegt, wei\u00df ich auch noch von damals. 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