{"id":11974,"date":"2025-06-17T19:40:18","date_gmt":"2025-06-17T17:40:18","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11974"},"modified":"2025-06-25T05:27:16","modified_gmt":"2025-06-25T03:27:16","slug":"ljubljana-2025","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=11974","title":{"rendered":"Ljubljana (2025)"},"content":{"rendered":"\n<p>5. Juni (Donnerstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Hat Slowenien einen Zugang zum Meer? Gar nicht mal so leicht zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eins ist klar: Man wei\u00df verdammt wenig \u00fcber dieses Land im Herzen Europas. Das soll sich \u00e4ndern in den n\u00e4chsten Tagen. Dazu muss man aber erst mal dahinkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein, gelinde gesagt, gespr\u00e4chiger Taxifahrer bringt uns zur Bushaltestelle, und von dort geht es bequem mit dem Bus zum Flughafen. Zwischendurch gibt es noch eine freundliche Begr\u00fc\u00dfung durch den Freund, dem wir den Tipp mit dem Bus zu verdanken haben. Der nimmt ihn jeden Morgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einen Tipp gibt es kurz vor der Ankunft durch eine freundliche Mitfahrerin: Eine Haltstelle weiter fahren! So steigen wir direkt am Flughafengel\u00e4nde aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Abflugsteig befindet sich am \u00e4u\u00dfersten Ende des Flughafens. Hier ist noch kein Mensch, und es gibt weder Caf\u00e9s noch L\u00e4den in dem ganzen l\u00e4nglichen Gang.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Flug wird aufgerufen als Flug nach Ljubljana auf Englisch, aber nach Laibach auf Deutsch. Das ist in \u00d6sterreich auch weiterhin der offizielle Name von Ljubljana. Und geschichtlich die Form der ersten schriftlichen Erw\u00e4hnung der Stadt im Mittelalter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Flugnummer hei\u00dft auf Deutsch LG 5-6-8-1, auf Franz\u00f6sisch&nbsp; LG 56-81.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir steigen in eine bunt bemalte Propellermaschine ein. Alles p\u00fcnktlich zur Abfahrt bereit, aber dann kommt eine Durchsage, dass sich der Abflug verz\u00f6gert, und prompt erscheinen ein paar Techniker an Bord. Ob wir vielleicht gar nicht fliegen und erst auf eine neue Maschine warten m\u00fcssen? Nach zwanzig Minuten gehen die Techniker von Bord. Muss man beunruhigt sein? Wohl nicht, die Techniker l\u00e4cheln, genauso wie die Stewardessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Start nehmen wir unendlich lange Anlauf und kommen dabei an dem gro\u00dfen Cargo-Flughafen vorbei. Ich erfahre, dass in diesen Flugzeugen auch Pferde und Pferdemist transportiert werden. Muss guter D\u00fcnger sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich erfahre, dass, entgegen der Intuition, der Start im Flugzeug gef\u00e4hrlicher ist als die Landung. Bei uns geht aber beides gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des Flugs wissen schon ein bisschen mehr \u00fcber Slowenien als vorher. Der Name der Stadt Ljubljana ist vom Namen des Flusses abgeleitet, der <em>Ljubjanica<\/em>. Dass der Name so etwas wie \u201aLiebende\u2018 bedeutet, von <em><u>ljubiti<\/u><\/em>, \u201alieben\u2018, abgeleitet, ist wohl eine nachtr\u00e4gliche, historisch unzutreffende Erkl\u00e4rung. Dazu passt die Schreibweise des Landes als S<strong>love<\/strong>nia. Funktioniert sowieso nur im Englischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche St\u00e4dte gibt es noch au\u00dfer Ljubljana? Ich kenne sonst nur noch Maribor. Das liegt an der Bahnstrecke von Zagreb nach Triest, und hat von daher einen Standortvorteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen gewissen Anspruch auf Ruhm hat auch noch, wie ich aus sicherer Quelle erfahre, eine Stadt namens Novo Mesto. Sie ist n\u00e4mlich die Heimatstadt der Ehefrau des Pr\u00e4sidenten eines gro\u00dfen Landes. Novo Mesto bedeutet ganz einfach \u201aNeustadt\u2018, also letztlich dasselbe wie Newton, Nowgorod oder Neuville.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ljubljanica m\u00fcndet, noch im Stadtgebiet von Ljubljana, in die Save. Die verbindet gleich drei Hauptst\u00e4dte miteinander: Belgrad, Zagreb, Ljubljana.<\/p>\n\n\n\n<p>Slowenien hat eine lange Grenze mit Kroatien und auch eine lange mit \u00d6sterreich, dazu eine kurze mit Ungarn und eine ganz kurze mit Italien. Klagenfurt, Zagreb und Triest liegen in Grenzn\u00e4he.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zerfall Jugoslawiens hat man sich ganz betont dem restlichen Europa zugewandt und von den Teilrepubliken Jugoslawiens abgewandt. Slowenien hat auch schon 2007 den Euro eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Slowenien hat gerade mal die Fl\u00e4che von Sachsen-Anhalt und gerade mal zwei Millionen Einwohner. Ist daran gemessen aber eine gute Sportnation: Basketball, Reiten, Skifahren und nat\u00fcrlich der Radsport. Vor allem sind die Slowenen aber begeisterte Kletterer. Natur steht hier \u00fcberall ganz gro\u00df im Kurs.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann f\u00e4llt uns die Flagge Sloweniens ins Auge, eine Trikolore mit den franz\u00f6sischen Farben, aber horizontal, wie die von Holland, aber mit anderer Anordnung der Farben. Im Wappen sieht man eine Burg und drei Wellen f\u00fcr die Fl\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat Slowenien nun Zugang zum Meer oder nicht? Ja und nein. Auf der Karte ist es kaum zu erkennen, aber zwischen Triest und Kroatien gibt es einen kurzen K\u00fcstenstreifen, gerade mal 49 Kilometer lang. Aber hat man auch Zugang zum Meer? Dar\u00fcber gibt es einen Rechtsstreit mit Kroatien. W\u00e4hrend sich Slowenien auf ein Gesetz beruft, das dem Land einen Zugang zum Meer gew\u00e4hrt, beruft sich Kroatien auf eine internationale Regelung, nach der das Gew\u00e4sser bis zur italienischen Grenze ganz zu Kroatien geh\u00f6rt. Ein Gericht hat Slowenien Recht gegeben, aber Kroatien ist in die Berufung gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einzelne W\u00f6rter aus dem Slowenischen kann man gut aus dem Russischen ableiten, vor allem g\u00e4ngige Substantive und Zahlen: <em>most<\/em> = Br\u00fccke, <em>polje<\/em> = Feld, <em>reka<\/em> = Fluss, <em>cerkev<\/em> = Kirche, <em>gora<\/em> = Berg, = <em>dva<\/em> = zwei, <em>tri<\/em> = drei. Auch <em>grad<\/em> taucht auf, das wir aus <em>Stalingrad<\/em> oder <em>Wolgograd<\/em> kennen und auf Russisch \u201aStadt\u2018 bedeutet. Hier hei\u00dft es \u201aBurg\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Kopfschmerzen bereitet die Aussprache: Wie spricht man <em>trg<\/em> aus, das Wort f\u00fcr \u201aMarkt\u2018 oder \u201aMarktplatz\u2018? Unser Apartment ist am <em>Vodnikov trg<\/em>. Dem Reisef\u00fchrer zufolge wird Krka, ein St\u00e4dtename, Gurk ausgesprochen. Oder ist das nur der alte deutsche Name des Ortes?<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Anflug auf Ljubljana best\u00e4tigt sich gleich ein Charakteristikum von Slowenien: Alles ist gr\u00fcn. Und gebirgig. Selbst die Landepiste ist auf zwei Seiten von W\u00e4ldern begrenzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Flughafen geht alles ganz schnell. Die Koffer sind schon vor uns da! Hermanita hat gerade noch Zeit, mich auf ein wei\u00dfes Pferd aufmerksam zu machen, das hier auf einem Sockel in der Ankunftshalle steht. Ein Verweis auf die Lipizzaner. Die sind hier ebenso wichtig wie in \u00d6sterreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Flughafen ist erstaunlicherweise nicht nach Jo\u017ee Ple\u010dnik benannt, dem allgegenw\u00e4rtigen Architekten, dem wir in den n\u00e4chsten Tagen auf Schritt und Tritt begegnen werden, sondern nach Jo\u017ee Pu\u010dnik, einem Regimekritiker, der unter Tito sieben Jahre im Gef\u00e4ngnis sa\u00df und sp\u00e4ter im Exil war. Er konnte seiner eigenen Trauung nicht beiwohnen und wurde von seinem Bruder vertreten. 1989 kehrte er zur\u00fcck und wurde Vorsitzender einer sozialdemokratischen Partei. Obwohl er nie allerh\u00f6chste Staats\u00e4mter belegte, gilt er hier als \u201eVater der Unabh\u00e4ngigkeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen ist es warm, bew\u00f6lkt, etwas schw\u00fcl. Der Bus kommt vorzeitig, so als ob er nur auf uns gewartet h\u00e4tte. Der Preis f\u00fcr die Fahrt ins Zentrum betr\u00e4gt gerade mal 3,30 \u20ac pro Person.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht z\u00fcgig \u00fcber eine moderne Autobahn, mit gr\u00fcnen Hinweisschildern, wie in \u00d6sterreich. Dann kommt eine Abbiegung auf eine breite, verkehrsreiche Stra\u00dfe, die ins Zentrum f\u00fchrt. Die Bauten erinnern an selige sozialistische Architekturvorlieben, aber die Gesch\u00e4fte sind durch und durch \u201ewestlich\u201c. Wir sehen Hinweisschilder auf <em>Lidl<\/em>, <em>K\u00e4rcher<\/em> und <em>DM<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Busbahnhof reiht sich auf den Bussteigen ein ganzes Heer von Fernbussen auf, die in alle Teile des Landes und auch ins Ausland fahren, sogar nach Dortmund!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Busbahnhof ist in einem sch\u00f6nen, ehrw\u00fcrdigen Geb\u00e4ude untergebracht. Wie kommt man von hier in die Innenstadt? Mit dem Taxi? Die junge Frau hinter dem Schalter sch\u00fcttelt den Kopf: zu Fu\u00df. Einfach immer geradeaus. Nebenbei erkl\u00e4rt sie mir noch mit einem L\u00e4cheln, wie man <em>trg<\/em> ausspricht. So was wie <em>terg<\/em> oder <em>tirg<\/em>, mit einem kaum anklingenden Vokal.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Busbahnhof aus f\u00fchrt uns Hermanita Richtung Innenstadt und dann \u00fcber die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone zum Ziel. Sehr h\u00fcbsch hier, von den ersten Metern an hat man eine ganz andere Atmosph\u00e4re als auf der gro\u00dfen Einfallsstra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Von weitem sehen wir die doppelten T\u00fcrme einer Kirche und hoch oben auf dem Berg die Burg.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita sieht an verschiedenen Stellen den Drachen, das Wappentier Ljubljanas. Geht auf eine Legende zur\u00fcck. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen durch die <em>Mala ulica<\/em>, die ihren Namen sehr zu Recht tr\u00e4gt: \u201aKleine Stra\u00dfe\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen wir auf einer Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke \u00fcber den Fluss, nicht gerade ein rei\u00dfender Strom und vermutlich kanalisiert, aber h\u00fcbsch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>An der gegen\u00fcberliegenden H\u00e4userwand steht <em>Vodnikov trg<\/em>. Wir sind da! Aber wo ist unser Haus? Da geht gerade vor uns ein gro\u00dfes h\u00f6lzernes Tor auf. Das ist es!<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas verloren stehen wir in der Durchfahrt zu einem Innenhof. Die Beschreibung war ganz sch\u00f6n kompliziert. Prompt kommt ein junger Mann und zeigt uns den Weg. Dann geht es eine Treppe rauf und \u00fcber einen Gang in einen Flur. Wohin jetzt? Links scheint nicht zu stimmen. Also rechts. Dort befindet sich eine T\u00fcr mit einem Zahlenschloss. Wir geben die Zahl ein, aber es tut sich nichts. Dann dr\u00fccken wir einfach in der gegen\u00fcberliegenden Wohnung die Klinke runter, und die T\u00fcr geht auf! Das Apartment ist nicht verschlossen. Die Zahlenschl\u00f6sser sind f\u00fcr die T\u00fcren, die sich f\u00fcr uns von selbst ge\u00f6ffnet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Orientierung, Koffer auspacken, und dann geht es schon los. Wir machen einen kleinen Spaziergang, auf gut Gl\u00fcck. Der erste Eindruck ist positiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Direkt vor dem Haus ist der Marktplatz. Die meisten St\u00e4nde haben schon eingepackt, aber an einigen gibt es noch Obst und Gem\u00fcse.<\/p>\n\n\n\n<p>An einem Getr\u00e4nkeautomaten kann man Milch ziehen. Die wird in verschiedenen Sprachen beworben, auch auf Deutsch: <em>Frische Kuhmilch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir fragen kurz bei der Touristeninformation nach. Die befindet sich am Fluss, auf dieser Seite, gegen\u00fcber einer Br\u00fccke und einem langgezogenen Laubengang. Das ist die Verl\u00e4ngerung der Markthalle. Die doppelt\u00fcrmige Kirche, die wir vorher gesehen haben, ist die Kathedrale. St. Nikolas. An der Eingangst\u00fcr ein modernes Bronzerelief mit lauter Nikol\u00e4usen.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas schwierig gestaltet sich die Suche nach einem Supermarkt. Es gibt reichlich Stra\u00dfencaf\u00e9s. Andenkenl\u00e4den, Juweliere,&nbsp; Verkaufsst\u00e4nde, Eisdielen, aber keinen Lebensmittelladen. &nbsp;Radwege gibt es reichlich, auch Briefk\u00e4sten gibt es an jeder Ecke, ebenso wie moderne Bronzeskulpturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann taucht am Ende doch ein kleiner Lebensmittelladen auf, mit einem passenden Namen: <em>Mercator<\/em>. Hier decken wir uns mit dem N\u00f6tigsten ein. An der Kasse lernen wir dann auch, wie man auf Slowenisch Danke sagt: <em>Hvala<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg sind wir an einem modernen Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude vorbeigekommen, an dem <em>Sigmund Freud University<\/em> steht. Auf Englisch. Sie ist eine Zweigstelle der Wiener Universit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann lassen wir uns in einem Stra\u00dfencaf\u00e9 nieder, direkt am Fluss. Es gibt Erdinger Wei\u00dfbier, mit dem passenden Glas, und ein Union und ein La\u0161ko. Beide werden in Slowenien, in derselben Stadt gebraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kellner ist heftig t\u00e4towiert, ebenso wie die jungen Frauen am Nebentisch. Die rauchen E-Zigaretten. Man sieht kaum jemanden mit gew\u00f6hnlichen Zigaretten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Passanten, vor allem die Frauen, sind gut gekleidet, mit schicken Kleidern und Schuhen. Die Promenade ist breit und wird auch reichlich von Radfahrern genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite des Flusses h\u00f6rte man viel Englisch, hier fast ausschlie\u00dflich Slowenisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt eine ganze Gruppe beleibter M\u00e4nner mit roten Trikots und Radfahrerhosen. Sie sprechen eine andere Sprache. H\u00f6rt sich ganz entfernt nach Schwedisch an, aber identifizieren kann ich sie nicht. Auf Anfrage erfahre ich: Es ist Norwegisch!<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite des Flusses sieht man durch die Zweige nur ganz schemenhaft ein Emblem. Sieht wie Aldi aus. Aber darunter steht Hofer. Hermanita wei\u00df die Antwort: Es ist Aldi. Der hei\u00dft in \u00d6sterreich auch Hofer. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem R\u00fcckweg kommen wir dann noch an einem <em>Spar<\/em> vorbei und entdecken eine B\u00e4ckerei gleich unten neben der Pforte in unserem Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Juni (Freitag)<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita hat schon einen fr\u00fchen Rundgang gemacht. Die meisten Br\u00fccken sind Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccken, aber es gibt auch eine Autobr\u00fccke im Zentrum. Die Innenstadt ist mit Poldern abgeschirmt. Auf dem Markt schon wieder ein riesiges Angebot an Obst und Gem\u00fcse aus einheimischem Anbau, darunter auch Aprikosen und Erdbeeren. Vor dem Marionettentheater, ganz bei uns in der N\u00e4he, stand schon eine Schlange.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem ist ihr aufgefallen, dass man hier gar keine E-Bikes sieht. &nbsp;Und sie hat irgendwo das Schild <em>Karitas<\/em> entdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Fr\u00fchst\u00fcck entdeckt sie lachende Gesichter, die hier in die Stuhllehnen eingeritzt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zum Treffpunkt f\u00fcr den Stadtrundgang kommen wir an einem weiteren Marktplatz vorbei. Hier werden freitags unter dem Motto <em>Odprta Kuhna<\/em>, \u201aOffene K\u00fcche\u2018, an Essst\u00e4nden Speisen aller Art angeboten: Paella und Falafel, slowenische Wurst, slowenische Teigtaschen, Spanferkel, Burek, Focaccia, koreanische, japanische, indische Gerichte. Man isst im Stehen. Vor dem Markt ein Spruchband mit dem Wort f\u00fcr <em>Guten Appetit<\/em> in einer Unzahl von Sprachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wimmelt auf den Stra\u00dfen nur so von Menschen, Einheimischen und Touristen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00fchrung startet p\u00fcnktlich. Unsere F\u00fchrerin, Natascha, ist eine vollschlanke Frau mit Damenbart, die ihre Sache ausgezeichnet macht. Sie spricht flie\u00dfend Deutsch, war vor kurzem auf einer l\u00e4ngeren Reise durch Deutschland. Unter den G\u00e4sten sind neben Deutschen auch \u00d6sterreicher und Schweizer.<\/p>\n\n\n\n<p>Der legend\u00e4re Teil der Stadtgeschichte kn\u00fcpft an den Argonauten-Mythos an und l\u00e4sst Jason bei seiner Flucht mit dem Goldenen Vlies Station in Ljubljana machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt lag urspr\u00fcnglich, in der Vorgeschichte, weiter s\u00fcdlich, am Schutz eines Sees, an einer durch den Bernsteinhandel bedeutenden Stelle. Aber dann drang das Wasser des Sees durch den Karstboden in den Untergrund ein, und man siedelte, um 3.500 v. Chr., hierher \u00fcber. Hier gab es Schutz durch Burg und Fluss.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Moor in der Umgebung hat man das, wie es hei\u00dft, \u00e4lteste Rad der Welt gefunden, zusammen mit einer Achse. Es muss sich also um das Rad irgendeines Gef\u00e4hrts gehandelt haben. Das Rad wird nur alle zehn Jahre f\u00fcr wenige Tage ausgestellt.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 600 v. Chr. wurde die Gegend von Kelten besiedelt. Dann kamen die R\u00f6mer. Die blieben bis 451. Nahmen dann aber Rei\u00dfaus angesichts der Hunnen und gr\u00fcndeten eine neue Stadt im heutigen Kroatiens.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Hunnen folgten die Awaren. Die sprachen eine Turksprache. Ob im Zusammenhang damit dann auch eine slawische Sprache hierherkam, verstehe ich nicht ganz.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die Awaren wurden die Bayern um Hilfe angerufen. Die machten die Einf\u00fchrung des Christentums zur Bedingung, und wo sie einmal hier waren, blieben sie auch gleich. Die Stadt kam dann bald zum Reich Karls des Gro\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter war Slowenien dann als Herzogtum Krain Teil des Habsburgerreichs. Wenn es so geblieben w\u00e4re, w\u00e4re Slowenien heute das 10. Bundesland \u00d6sterreichs.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem 1. Weltkrieg kam Slowenien zum K\u00f6nigreich Jugoslawien, nach dem 2. Weltkrieg zur Republik Jugoslawien. Seit 1991 ist man unabh\u00e4ngig. Klein, aber zufrieden, Man habe die Alpen, das Meer und die Pannonische Tiefebene. Das sei doch schon was.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erf\u00e4hrt man noch \u2013 an einem sonnigen Tag wie heute fast unvorstellbar \u2013 dass Ljubljana 190 Tage pro Jahr Nebel hat. Die beiden Fl\u00fcsse und die Berge sorgen daf\u00fcr. Die warme Luft unten trifft auf die kalte Luft von oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Tour de Force durch die Geschichte des Landes setzen wir uns in Bewegung. W\u00e4hrend der Erkl\u00e4rungen von Natascha habe ich Gelegenheit, auf ein paar Besonderheiten ihres Deutschs zu achten. Sie spricht von <em>Kinderheit<\/em>, z\u00f6gert zwischen <em>das Antwort <\/em>und <em>der Antwort<\/em>, und baut S\u00e4tze wie <em>Das unsere Kinder kennen nicht<\/em>. Verstehen tut man praktisch alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir \u00fcberqueren die dreisp\u00e4nnige Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke, Tromostovje, und kommen auf den unregelm\u00e4\u00dfigen, etwa dreieckig angelegten Hauptplatz von Ljubljana, den Pre\u0161erenplatz, nach dem Erdbeben von 1895 neu gestaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor uns das Urban\u010d, das erste Kaufhaus der Stadt, im Stil der Wiener Sezession, neben uns die Hauptapotheke, dahinter das vornehmste Hotel der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat \u201enur\u201c vier Sterne, da es kein Schwimmbad hat, zur Zeit seiner Errichtung war das noch nicht angesagt. Jetzt kann man kein Schwimmbad mehr anlegen, da das Haus unter Denkmalschutz steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier steigen die offiziellen G\u00e4ste der Stadt ab. Kohl, Genscher, Ute Lemper haben hier schon gewohnt und auch Kurz, der \u00f6sterreichische Bundeskanzler. Dessen Name l\u00f6ste hier viel Vergn\u00fcgen aus, denn <em>kurac<\/em> ist im Slowenischen ein ziemlich derbes Wort f\u00fcr \u201aPenis\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der Br\u00fccke steht das Denkmal f\u00fcr Pre\u0161eren, den slowenischen Nationaldichter. Er absolvierte ein Jurastudium, hatte aber keine Lust auf die Juristerei und verlegte sich aufs Dichten. Und auf das Leben eines Boh\u00e8me mit viel Vergn\u00fcgen und wenig Arbeit. Als Weltb\u00fcrger fand er in dem provinziellen Ljubljana aber keinen Anklang und vereinsamte. Seine gro\u00dfe Liebe, Julija, wollte nichts von ihm wissen. Ihren Namen hatte er in dem Akrostichon eines Gedichts verewigt. Um ihr n\u00e4her zu kommen, machte er ihrer Haush\u00e4lterin Avancen. Mit ihr hatte er drei uneheliche Kinder. Sie verlie\u00df ihn aber dann. Er starb an Leberzirrhose.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgeschlossen wird der Platz von der Franziskaner-Kirche Mari\u00e4 Verk\u00fcndigung, ein fr\u00fchbarocker Bau, in Rosa gefasst. Die Fassade geht auf den Platz hinaus, mit den beiden T\u00fcrmen im Osten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Name <a>Ple\u010dnik<\/a>, dem wir in den n\u00e4chsten Tagen immer wieder begegnen werden, f\u00e4llt hier zum ersten Mal, im Zusammenhang mit der Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke, der Tromostovje. Ple\u010dnik bekam den Auftrag, die existierende Br\u00fccke zu erweitern. \u00dcber die ging der ganze Verkehr von einer Seite der Ljubljanica zu anderen, einschlie\u00dflich Stra\u00dfenbahn. Bei der wachsenden Bev\u00f6lkerung war sie dem nicht mehr gewachsen. <a>Ple\u010dnik<\/a> erweiterte die Br\u00fccke nicht, sondern f\u00fcgte zwei weitere hinzu, die aber nicht gerade verlaufen wie die alte Br\u00fccke, sondern schr\u00e4g auf das andere Ufer f\u00fchren. Er stattete die beiden neuen Br\u00fccken mit einer&nbsp; Br\u00fcstung mit lauter kleinen S\u00e4ulen aus. Zur Abrundung des optischen Eindrucks entfernte der die Br\u00fcstung der mittleren Br\u00fccke und stattete sie mit derselben Br\u00fcstung wie die neuen aus. Die Br\u00fcstung der alten Br\u00fccke, darauf legte er immer besonderen Wert, wurde dann an einer anderen Br\u00fccke wiederverwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen von hier eine schmale Stra\u00dfe runter, die vom Pre\u0161eren-Platz ausgeht. Ganz am Anfang der Stra\u00dfe ein Haus, das fr\u00fcher einen Laden beherbergte. Der wurde von der Mutter Julijas betrieben, einer gesch\u00e4ftst\u00fcchtigen Witwe, die alles tat, um Julija nicht in den Armen Pre\u0161erens zu sehen, des nichtsnutzigen Dichters. Sie machte aus dem Einzelhandel eine ganze Ladenkette und wurde steinreich. An der Fassade des Hauses ist heute eine B\u00fcste Julijas angebracht. Ihr Blick geht auf den Platz, dahin, wo das Denkmal von Pre\u0161eren steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von hier aus geht es zum Kongressplatz. Der Platz hat seinen Namen vom Kongress der Heiligen Allianz, der hier 1821 stattfand, zwischen \u00d6sterreich, Russland und Preu\u00dfen, dem Laibacher Kongress. Sp\u00e4ter spielte der Platz eine Rolle, als 1918 nach einer Demonstration auf diesem Platz die Unabh\u00e4ngigkeit von \u00d6sterreich und die Gr\u00fcndung des Staates der Slowenen, Kroaten und Serben ausgerufen wurde. Dann hielt Tito hier eine Rede vom Balkon des Universit\u00e4tsgeb\u00e4udes. Und schlie\u00dflich markierte 1988 eine Demonstration den Beginn der slowenischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diesem Platz stand urspr\u00fcnglich ein Kapuzinerkloster. Das wurde von den Franzosen plattgemacht. An seiner Stelle trat ein Park mit Kastanienb\u00e4umen. Die wiederum wurden von Ple\u010dnik bei der Neugestaltung des Platzes durch die heutigen Platanen ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande des Platzes wird eine B\u00fchne aufgebaut, f\u00fcr das in K\u00fcrze beginnenden Ljubljana-Festival. Es wird jedes Jahr mit <em>Carmina Burana<\/em> eingeweiht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen zur Schusterbr\u00fccke. Warum ist die so breit? Weil hier fr\u00fcher die Metzger ihre Verkaufsst\u00e4nde hatten. Die Fleischabf\u00e4lle konnten dabei praktischerweise gleich in der Ljubljanica entsorgt werden. Das stie\u00df K\u00f6nig Leopold b\u00f6se auf, als er eines Tages im August Ljubljana besuchte. Der Gestank und die Fliegen und das blutgetr\u00e4nkte Wasser waren ihm zuwider. Er veranlasste die Metzger, ihre St\u00e4nde abzubauen und weiter flussabw\u00e4rts aufzubauen. Daf\u00fcr bekamen sie auch ein Entgelt. Die Metzger machten ein doppeltes Gesch\u00e4ft, da sie ihre St\u00e4nde jetzt an die Schuster&nbsp;verkauften.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen in eine schmale Gasse im Zentrum. Dort zeigt uns Natascha, dass man an den Bauten gut ablesen kann, dass es urspr\u00fcnglich eine Begrenzung auf dreiachsige H\u00e4user gab. Zwischen denen mussten Luftl\u00f6cher gelassen werden, damit das Feuer bei einem Brand nicht auf die Nachbarh\u00e4user \u00fcbergreifen konnte. Als die Luftl\u00f6cher mit dem Aufkommen der Bauten aus Stein nicht mehr ben\u00f6tigt wurden, kauften findige Hausbesitzer die Nachbarh\u00e4user und bauten die Luftl\u00f6cher zu, so dass ein gr\u00f6\u00dferes Haus entstand. Das kann man an den Fassaden noch gut ablesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Fenster eines Hauses ist halb ge\u00f6ffnet, und zwar schr\u00e4g nach unten. Sieht kurios aus. Durch diese besondere \u00d6ffnung treten die Seitenscheiben des Fensters aus der Fassade hervor, schlie\u00dfen nicht mit ihr ab. Das hatte einen ganz praktischen Zweck. Auf diese Weise hatte man mehr Sonne. Die Sonne kam nicht nur von vorne, sondern auch von der Seite. Das nutzt man f\u00fcr Reifung der Blaubeeren. Aus denen wird ein bekannter \u00f6rtlicher Lik\u00f6r gemacht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erreichen wir das Rathaus mit seiner originellen Fassade mit Balkon. Davor der Fl\u00fcsse-Brunnen. Allegorische Figuren repr\u00e4sentieren die drei Fl\u00fcsse des Landes Krain, Save, Ljubljanica und Krka. Der Brunnen hat einen dreieckigen Grundriss, in Form des Dreiblatts des alten Stadtsiegels.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der italienische K\u00fcnstler, Francesco Roba, stellte die Fl\u00fcsse als m\u00e4nnliche Wesen dar. Im Italienischen ist, wie im Deutschen, das Wort <em>Fluss<\/em> Maskulinum. Im Slowenischen ist <em>Fluss<\/em> aber Femininum. In der Vorstellung der Slowenen m\u00fcssten die Fl\u00fcsse durch weibliche Allegorien dargestellt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Land Krain war urspr\u00fcnglich eine Mark des Herzogtums K\u00e4rnten, wurde dann als Markgrafschaft selbst\u00e4ndig und schlie\u00dflich als eigenst\u00e4ndiges Herzogtum Teil des K\u00f6nigreichs \u00d6sterreich-Ungarn.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In das Atrium des Rathauses will Natascha nicht mit uns gehen. Zu viele moderne Eingriffe, das sei nichts.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen spricht sie vom aktuellen B\u00fcrgermeister, Zoran Jankovic. Der ist beliebt wegen seiner Freundlichkeit, seiner Zugewandtheit und vor allem deshalb, weil er so viel f\u00fcr Ljubljana getan hat, sagt sie. es habe zwar Korruptionsvorw\u00fcrfe gegen ihn gegeben, aber damit k\u00f6nne sie leben. Korrupt seien sowieso alle, aber solange er Gutes tue, die Stadt voranbringe, wichtige Neuerungen einf\u00fchre, sei das in Ordnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Slowenien hat, erfahren wir, das gr\u00f6\u00dfte S\u00fc\u00dfwasservorkommen Europas. Anfangs, als man gerade die staatliche Unabh\u00e4ngigkeit erlangt hatte, erteilte man Konzessionen f\u00fcr Wasserentnahme an drei L\u00e4nder, darunter Saudi-Arabien. Das Wasser wird in Flugzeugen von Slowenien nach Saudi-Arabien geschafft. Laut eines sp\u00e4teren Gesetzes darf es Konzessionen dieser Art jetzt nicht mehr geben. Das Wasser verbleibt bei den Slowenen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss kommen wir zum Glockenschlag am Marionettentheater an. Jeweils zur vollen Stunde treten zwei Gestalten aus slowenischen M\u00e4rchen, von Trompetenst\u00f6\u00dfen begleitet, aus der Mansarde hervor. Die beiden sind auch als Puppen im Puppentheater vertreten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Seilbahn auf die Burg bekommen wir die Karten in die Hand gedr\u00fcckt. Da will sie nicht mit uns rauffahren. Sie h\u00e4lt von der Modernisierung der Burg nichts. Die Restaurants seien gut, aber teuer. Die Burg lohne sich in erster Linie wegen der Aussicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Pause zu Hause, die ich dringender brauche als Hermanita, fahren wir auf die Burg rauf, mit einer hochmodernen Standseilbahn. In die Kabine passen ca. 40 Passagiere. Die Glasplatten des Dachs k\u00f6nnen schr\u00e4g ge\u00f6ffnet werden, so dass f\u00fcr Frischluftzufuhr gesorgt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Oben ist es nicht so schlimm, wie die F\u00fchrerin meinte. Man hat ein paar \u00e4ltere Teile gut eingef\u00fcgt in die moderne Umgestaltung. So kann man zwischen den Betonw\u00e4nden Teile des urspr\u00fcnglichen Felsens sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aussicht von der Aussichtsplattform ist sch\u00f6n, aber auf den ersten Blick k\u00f6nnen wir gar nichts erkennen. Allenfalls ein originelles, treppenf\u00f6rmiges Hochhaus, das wir am Tag der Ankunft gesehen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann merken wir, dass man von der Aussichtsplattform, auf der alle stehen, weniger von der Innenstadt sieht als von einem Fenster daneben. Jetzt erkennen wir die Kathedrale, den Marktplatz, die Markthallen. Den Fluss kann man nur erahnen. Wieder sieht man, wie gebirgig und wie gr\u00fcn es um die Stadt herum ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann die Kapelle besichtigen. Dort hat man Fresken bewahrt, die schwer zu datieren sind. Sie sehen ganz und gar nicht christlich aus, meiste sind es Wappen von Adelsfamilien, die abgebildet sind, alle mit deutschen Namen. Eine wundersch\u00f6ne, kleine Orgel steht auf der Empore.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kann man noch das ehemalige Gef\u00e4ngnis besichtigen. Winzige Zellen mit dicken Holzt\u00fcren und eisernen Gittern und Verschl\u00fcssen. Das Gef\u00e4ngnis wurde 1815 hier er\u00f6ffnet, als modernere Formen des Strafvollzugs aufkamen. Es wurde nach dem Erdbeben 1895 wieder geschlossen und dann 1915 als Lager f\u00fcr Kriegsgefangene wieder er\u00f6ffnet. Erst waren die meisten Gefangenen Serben, sp\u00e4ter dann Italiener.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Schaukasten sieht man Kn\u00f6pfe, kleine, sch\u00f6n gestaltete Kn\u00f6pfe, die von den Kriegsgefangenen hergestellt wurden. Dahinter das Material, aus dem sie hergestellt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir drehen noch eine Runde und fahren dann wieder runter. Unten gehen wir \u00fcber die Drachenbr\u00fccke, die einzige Br\u00fccke des Zentrums mit Autoverkehr. Die Br\u00fccke ist eine der ersten im Sezessionsstil errichteten Br\u00fccken \u00fcberhaupt. Vier bronzene Drachen an den Enden bewachen sie und schlagen mit den Fl\u00fcgeln, wenn eine Jungfrau vorbeikommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der anderen Seite aus sehen wir uns die Markthallen von hinten an. Nur von dieser Seite sieht man, dass sie zweist\u00f6ckig sind. Die Verkaufshallen befinden sich oben. Das untere Stockwerk ist wohl nur vom Fluss aus zu erreichen. Hier wurden die Waren vermutlich per Schiff angeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>An der zentralen Stelle, wo wohl fr\u00fcher ein Landesteg war, hat Ple\u010dnik, um eine besondere optische Wirkung zu erzielen, in den beiden Stockwerken unterschiedliche S\u00e4ulen angebracht, niedrigere, dickere in einem Stockwerk, schlankere, h\u00f6here in dem anderen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist viel los, es wimmelt nur so von Einheimischen und Touristen. Das Wetter l\u00e4dt aber wirklich zum Flanieren ein. Es ist sonnig und warm, 27\u00b0. Und der Himmel ist fast wolkenlos. Wir kommen zur dreisp\u00e4nnigen Br\u00fccke und fragen uns, wohin wohl die Treppen f\u00fchren, die unten zum Wasser hin verlaufen. Zum WC! Die Treppen waren urspr\u00fcnglich Gerberbr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen eine breite Einkaufsstra\u00dfe runter, auf der wir bisher noch&nbsp; nicht waren. An deren Ende st\u00f6\u00dft sie auf eine breite Stra\u00dfe mit Autos und Bussen. Von hier aus kann man den \u201eWolkenkratzer\u201c sehen, ein kompakt aussehender, quadratischer, zw\u00f6lfst\u00f6ckiger Bau, der damals, in den drei\u00dfiger Jahren, das h\u00f6chste Geb\u00e4ude S\u00fcdeuropas war. Es stimmt, auch wenn ich anfangs Zweifel angemeldet habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem R\u00fcckweg machen wir Halt bei <em>Spar<\/em> f\u00fcr einen kleinen Einkauf. Beim Ausgang merken wir, dass es hier gar keine Kassiererinnen gibt. Bei den Selbstbedienungskassen bleiben wir zweimal h\u00e4ngen, aber gl\u00fccklicherweise kommt beide Male sofort jemand heran, um zu helfen: Erst nimmt die Kasse unseren Zahlwunsch nicht entgegen, dann k\u00f6nnen wir nicht zahlen, weil wir die Artikel nach dem Scannen bereits eingepackt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen wollen wir uns erkundigen, ob am Sonntag ge\u00f6ffnet ist. Nein, sonntags geschlossen. <em>Nedelja<\/em>, das Wort f\u00fcr \u201aSonntag\u2018, ist ganz anders als im Russischen, bei den \u00fcbrigen Wochentagnamen l\u00e4sst sich die Verwandtschaft meist gut erkennen. In <em>nedelja<\/em> steckt das Wort f\u00fcr <em>Woche<\/em> drin, genauso wie in <em>ponedelnek<\/em>, Montag.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es an einem Stand am Fluss ein Eis zu dem stolzen Preis von 2,50 \u20ac pro Kugel. Schmeckt aber gut. Beim Bezahlen erfahren wir dann, wie man auf <em>Hvala<\/em> antwortet: <em>Prosim<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>7. Juni (Samstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Vodnik, der Namensgeber unseres Platzes, war ebenfalls Dichter. Au\u00dferdem Lehrer, Journalist und Linguist. Das waren vielseitige M\u00e4nner damals. Er hat wohl besondere Verdienste um die F\u00f6rderung des Slowenischen. Auf den Portr\u00e4ts sieht er aus wie einige unserer Romantiker wie Kleist oder Novalis. Kommt auch zeitlich gut hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den slowenischen Eurom\u00fcnzen begegnen uns die Lipizzaner und Pre\u0161eren und Ple\u010dnik. Der ist mit einem Entwurf f\u00fcr ein Parlamentsgeb\u00e4ude vertreten, der nie verwirklicht wurde. Originell, ein hoher, spitz zulaufender Turm, dem man das Parlamentsgeb\u00e4ude nicht ansieht. Auf der 1-Cent-M\u00fcnze ist ein Storch zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute steht als erstes die Bootsfahrt auf dem Programm. Bei herrlichem Sonnenschein geht es flussabw\u00e4rts unter den bereits bekannten Br\u00fccken her in gr\u00fcne Vororte. Je weiter man raus kommt, umso breiter und unregelm\u00e4\u00dfiger wird der Fluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter uns sitzt ein Ehepaar, das st\u00e4ndig quatscht, und zwar immer dann, wenn eine Erkl\u00e4rung kommt. In den Pausen sind sie still.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommen uns nur Paddelboote und andere Ausflugsschiffe entgegen, alle klein, alle mit wenigen Passagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ufer ist bestanden von Trauerweiden. Auch f\u00fcr die hat der unerm\u00fcdliche Ple\u010dnik gesorgt. Bei den kleinen S\u00e4ulen der dreisp\u00e4nnigen Br\u00fccke hat er die Bewohner von Ljubljana mit ins Boot genommen. Die haben die S\u00e4ulen glatt gerieben, so dass sie wie Marmor aussehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Bootstour machen wir an der Metzgerbr\u00fccke, die ganz modern ist und erst 2010 entstand, ein Photo von den monumentalen Figuren von Adam und Eva, \u00fcberlebensgro\u00df. Sie stammen von Jakov Brdar, einem anerkannten zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstler. Die Szene stellt vermutlich den Moment der Vertreibung aus dem Paradies dar. Adam hat voller Scham sein Gesicht mit einem Arm bedeckt, Eva sieht flehentlich gegen Himmel. Ihre K\u00f6rper sind nicht unversehrt, sie sind verwundet, verletzt, es fehlen Partien von Haut und Fleisch. Sie haben einen Preis f\u00fcr ihren Verrat zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Skulpturen passen zu den zahlreichen kleineren Skulpturen desselben K\u00fcnstlers von deformierten Wesen, alle entlang der Uferstra\u00dfe angebracht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht\u2019s zur Kathedrale. Deren Hauptfassade kann man leicht \u00fcbersehen, die befindet sich in einer schmalen Gasse. An der Eingangst\u00fcr wird in einem Bronzerelief die ganze Geschichte Sloweniens dargestellt. Man sieht Bodenfunde, Reiterheere, eine Taufe, die Burg und einen Bischof. Zum Verst\u00e4ndnis m\u00fcsste man eine Erkl\u00e4rung haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im S\u00fcden sind in die L\u00e4ngswand des Seitenschiffs mehrere Steinskulpturen in Nischen eingelassen, darunter ein Josef mit Kind auf dem Arm, eine eher seltene Darstellung, die uns im Laufe des Tages nochmal begegnen wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nebeneingang liegt hier, an der Einkaufsstra\u00dfe. Wieder gibt es ein modernes Bronzeportal. Oben sind die K\u00f6pfe der Bisch\u00f6fe der Kathedrale dargestellt. Bei der T\u00fcr \u00f6ffnet sich nur der untere Teil, man betritt die Kathedrale unter den K\u00f6pfen der Bisch\u00f6fe hindurch.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird Eintritt genommen: 3 \u20ac pro Person. Auf einem Aushang sieht man, wie h\u00e4ufig hier Messe gelesen wird: an Wochentagen sechsmal, an Feiertagen in der Woche siebenmal, an sonnt\u00e4glichen Feiertagen achtmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita sieht mit geschultem Blick, dass hier am Altar gerade \u201eabger\u00e4umt\u201c wird, der K\u00fcster tr\u00e4gt Kelch und andere Messger\u00e4te in die Sakristei. Es hat tats\u00e4chlich gerade eine Messe stattgefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche ist von einem italienischen Architekten nach dem Vorbild von <em>Il Ges\u00f9<\/em> errichtet worden, und es mangelt nicht an barocker Pracht. Man wei\u00df gar nicht, wohin man zuerst schauen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Westen eine pr\u00e4chtige Orgel, an der Vierung zwei weitere, farbige Orgeln, davon eine direkt \u00fcber der Kanzel. Wir fragen uns, wie man \u00fcberhaupt auf diese Orgelb\u00fchnen gelangen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Wand des n\u00f6rdlichen Seitenschiffs eine beleuchtete, gro\u00dfe Christusfigur am Kreuz. Daneben ein Photo, in Schwarz-Wei\u00df. Es stellt Gregorij Ro\u017eman dar, einen Bischof, der f\u00fcr seine kontroverse Rolle w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs bekannt ist. Er war \u00fcberzeugter Antikommunist und bek\u00e4mpfte sowohl die Nazis als auch die kommunistische Opposition im eigenen Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kuppel ist nachtr\u00e4glich eingebaut worden und ersetzt die urspr\u00fcngliche Scheinkuppel. Sie ist ganz mit farbenfrohen Fresken bemalt, ebenso wie das gesamte Mittelschiff. Man verrenkt sich den Hals, um die Motive zu erkennen. Zu meiner Entt\u00e4uschung finde ich keinen Nikolaus. In dem Zusammenhang erinnert mich Hermanita an das Getreidewunder, der bekanntesten Nikolauslegende.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch unter den vier Heiligen, deren Statuen in der Vierung stehen, ist kein Nikolaus zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz im Westen hat man einen Stein mit einem phantastischen Gesicht aus der alten Kathedrale in die Wand eingelassen. Das ist f\u00fcr mich beinahe das sch\u00f6nste St\u00fcck der Ausstattung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo wir gerade in der N\u00e4he sind, gehen wir noch ins Atrium des Rathauses, das Natascha uns vorenthalten hat. Es ist ganz sehenswert. Der Innenhof ist mit moderner Sgraffito-Technik geschm\u00fcckt. An einer Wand sieht man die Skizze des Stadtplans vom Ljubljana des 17. Jahrhunderts. Oben links in der Ecke hat der unbekannte K\u00fcnstler das Portr\u00e4t einer Frau angebracht. Er hat sie hinter Gitter gesperrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vorne neben dem Eingang sind Preise ausgestellt, die Ljubljana in den letzten Jahren bekommen hat. Besonders gef\u00e4llt mir der Preis f\u00fcr Ljubljana als \u201eGr\u00fcne Stadt\u201c, einer ganz feinen goldenen Figur. Aus den erhobenen Armen von Menschen wachsen \u00c4ste hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>An der gegen\u00fcberliegenden Wand h\u00e4ngt ein wunderbares modernes Gem\u00e4lde, das mit tollen Hell-Dunkel-Kontrasten das Konzert darstellt, eine Symphonie von Mahler, das zur zwanzigj\u00e4hrigen Wiederkehr der Staatsgr\u00fcndung von Slowenien auf dem Platz direkt hier vor dem Rathaus abgehalten wurde. Die Zuschauer und Musiker sieht man nur als kleine, helle Punkte vor dem dunklen Nachthimmel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es zum Kongressplatz. Hier suchen wir, am Ende erfolgreich, nach einer vergoldeten Statue. Sie stelle Emona dar, hei\u00dft es. Mit dem Namen verbindet sich die r\u00f6mische Geschichte Ljubljanas.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Platz findet sich etwas \u00fcberraschend ein riesiger Schiffsanker. Er erinnert daran, dass Jugoslawien 1954 durch die Abtretung der Zone B durch Italien den K\u00fcstenstreifen zur Adria bekam. Der wurde dann sp\u00e4ter zum Streitobjekt zwischen Slowenien und Kroatien.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen \u00fcber einen gro\u00dfen, in der Mitte leeren Platz mit n\u00fcchternen, grauen Gro\u00dfbauten sozialistischer Pr\u00e4gung zu drei Seiten. An einem der Geb\u00e4ude eine ganze Serie von heroischen Figuren, voller Pathos. Erst am n\u00e4chsten Tag erfahre ich, dass das das Parlamentsgeb\u00e4ude ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande des Platzes auf einer steinernen Empore ein einsamer Rufer, ein Mann mit Bart, der auf sein nicht vorhandenes Publikum einredet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es zu den etwas weiter, in einem ruhigen Viertel gelegenen Botschaften. Die deutsche und die amerikanische Botschaft befinden sich in unmittelbarer N\u00e4he voneinander, beide in villenartigen Geb\u00e4uden, die amerikanische nat\u00fcrlich gr\u00f6\u00dfer und prachtvoller.<\/p>\n\n\n\n<p>An dem Gitter vor der Deutschen Botschaft wird Werbung f\u00fcr Chemnitz gemacht, und im Innenhof steht ein Berliner B\u00e4r mit Lederhose und einem bunten Hemd, das aus vielen Einzelteilen besteht und wahrscheinlich f\u00fcr Vielfalt stehen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde zwischen den beiden Botschaften befindet sich ein Fachwerkhaus. Dort ist ein Kindergarten untergebracht. Der bestbewachte Kindergarten der Welt, hei\u00dft es hier.<\/p>\n\n\n\n<p>In der N\u00e4he gibt es ein wunderbares Gartencaf\u00e9, aber da wird gerade f\u00fcr eine Hochzeit eingedeckt. Wir gehen weiter und finden ein sch\u00f6nes Pl\u00e4tzchen unter Sonnenschirmen gegen\u00fcber der Oper. Hier gibt es Kaffee und Kuchen und Wasser. Als die Rechnung kommt, sind wir \u00fcberrascht. Das alles gibt es f\u00fcr 10,90 \u20ac.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Nebentisch eine junge Slowenin, die pausenlos spricht und in ihrem Freund einen bewundernswert geduldigen Zuh\u00f6rer hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Stra\u00dfenseite zieht eine Hare Krishna Prozession vorbei und dann eine Gruppe junger Frauen beim Junggesellenabschied.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich \u00f6ffnen sich die Fl\u00fcgel \u00fcber den hinteren Sitzen eines auf der anderen Stra\u00dfenseite parkenden Teslas. Zwei M\u00e4nner am Nebentisch lachen, als sie unsere \u00fcberraschten Gesichter sehen. Sie haben die Schl\u00fcsselgewalt \u00fcber das Auto.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen stadtausw\u00e4rts Richtung Ple\u010dnik-Haus. Es wird, sobald man die Innenstadt verl\u00e4sst, einsam und gr\u00fcn. Der Weg f\u00fchrt durch unbekannte schmale Gassen und an Schreberg\u00e4rten vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen wir zu einer Br\u00fccke \u00fcber den schmalen Kanal, der ganz Ljubljana umflie\u00dft. Die Br\u00fccke ist nat\u00fcrlich von Ple\u010dnik entworfen worden. Die Birken auf beiden Seiten der Br\u00fccke geh\u00f6ren auch zu dem Entwurf. Warum ist die Br\u00fccke so breit? Hier sollte nach Ple\u010dniks Vorstellungen der Markt stattfinden, mit Marktst\u00e4nden auf beiden Seiten. Daraus wurde aber nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen zu Ple\u010dniks Haus. Die F\u00fchrung beginnt in einer halben Stunde. Bis dahin k\u00f6nnen wir im Garten warten und uns auf Liegest\u00fchlen ausruhen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sehe ich mir meine Reisenotizen von 2015 an. Damals bin ich zum ersten Mal durch Slowenien gekommen. Der einzige Halt war in Kobarid. Das ist gerade mal 100 Kilometer von hier entfernt. Zu meinem Entsetzen lese ich, dass ich schon damals <em>Hvala<\/em> gelernt habe. Alles wieder vergessen. Schon damals konnte man hier mit Euro bezahlen, in Kroatien noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00fchrung beginnt an dem Modell des Hauses. Wir sind nur zu viert, au\u00dfer uns zwei M\u00e4nner, die untereinander Franz\u00f6sisch, aber auch sehr gut Englisch sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ple\u010dnik, Sohn eines Schreiners und in eine tief religi\u00f6se Familie hineingeboren, war ein schlechter Sch\u00fcler. Er verlie\u00df die Fachschule, an der er studierte, ohne Abschluss, machte dann eine Schreinerlehre in Graz. Dann ging er nach Wien. Dort entdeckte Otto Wagner sein Talent und f\u00f6rderte ihn. Er blieb zehn Jahre in Wien, wirkte dann zehn Jahre in Prag und erhielt dann einen Ruf an die neu gegr\u00fcndete Universit\u00e4t f\u00fcr Graphik und Design hier in Ljubljana, seiner Heimatstadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ple\u010dnik hatte einen Bruder, der Priester war, einen weiteren unverheirateten Bruder, und er selbst heiratete auch nie. Einzig seine Schwester gr\u00fcndete eine Familie, und einer ihrer S\u00f6hne sorgte nach Ple\u010dniks Tod daf\u00fcr, dass alles so erhalten blieb, wie es war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ple\u010dnik beabsichtigte, hier mit der ganzen Familie zu leben. Deshalb erweiterte er das Haus durch einen Turm, dann einen Anbau und dann durch einen weiteren Anbau. Der diente nur dazu, ihn vor neugierigen Blicken zu sch\u00fctzen. Alles um das Haus herum war pure Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Plan wurde nichts. Einzig einer seiner Br\u00fcder wohnte eine Zeitlang hier, zog dann aber fort, und Ple\u010dnik bewohnte das ganze Anwesen nur zusammen mit seiner Haush\u00e4lterin, er im Turm, sie im Anbau. Der Bruder, der sehr gesellig war und gerne mit seinen Freunden lustige Abende mit lauter Musik verbrachte, hielt es hier nicht lange aus. Ple\u010dnik war sehr eigen, hatte seine Macken und war alles andere als gesellig. Er legte Wert darauf, in Ruhe gelassen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>An dem Modell kann man die Anlage gut erkennen, und praktischerweise kann man die D\u00e4cher abnehmen und ins Innere gucken. Dabei kommt wunderbarerweise auch der Turm zum Vorschein, den wir drau\u00dfen gar nicht gesehen haben. Er ist halb in das Haus integriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon der kleine, lichte Empfangsraum spricht B\u00e4nde. Die Besucherbank ist aus Holz und schr\u00e4g, so dass die Besucher es nicht lange aushielten. Au\u00dferdem konnte man sie abschrecken, indem man das Glasdach bei Regen \u00f6ffnete und bei Hitze schloss.<\/p>\n\n\n\n<p>Ple\u010dnik war sehr fromm, und so sieht man schon hier im Empfangsraum ein gro\u00dfes Christuskreuz und eine gro\u00dfe Statue des Hl. Josefs, seines Namenpatrons, auch hier wieder mit dem Jesuskind auf dem Arm.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders eine gro\u00dfe antike Vase, die irgendwo in einer Ecke steht. Sie war ein Geschenk Titos, als Dank f\u00fcr einen Bau, den &nbsp;Ple\u010dnik auf dessen Urlaubsinsel errichtet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die antiken S\u00e4ulen, die den Raum zu st\u00fctzen scheinen, haben keinerlei statische Funktion. Sie stammen von einem anderen Projekt und sind hier einfach wiederverwendet worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen in die K\u00fcche. In der Ecke ein Waschbecken, auch das wiederverwendet. Es stammt von einem Friedhof und passt sich mit seiner ovalen Form nicht nur sehr gut hier ein, sondern hat auch noch einen christlichen Bezug, weil es die Form eines Fisches hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Boden und die Fensterb\u00e4nke des Raums sind aus einer Mischung aus Marmor, Granit und Zement gemacht. Das Material, das sich daraus ergibt, ist haltbar und strapazierf\u00e4hig, schwarz-wei\u00df-grau gemustert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier hat sich Ple\u010dnik einen Samowar einbauen lassen, damit er sich selbst Kaffee zubereiten konnte, ohne die Haush\u00e4lterin sehen zu m\u00fcssen. \u00dcber dem Samowar sind mehrere kupferne Kaffeetassen zu sehen, f\u00fcr t\u00fcrkischen Mokka.<\/p>\n\n\n\n<p>Ple\u010dnik verlor keine Zeit. Schon beim Fr\u00fchst\u00fcck begann er, zu arbeiten. Daf\u00fcr hatte er einen Stuhl entworfen, der sowohl eine ausklappbare Schreibplatte hatte als auch ein Fach unter dem Sitz, in dem Pl\u00e4ne aufbewahrt werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im n\u00e4chsten Stockwerk befindet sich in einem schmalen Raum eine Badewanne. Hier war fr\u00fcher das Schlafzimmer. An dem Boiler hat Ple\u010dnik, nachdem die Haush\u00e4lterin mal einen Fehler gemacht hatte, eine Schritt-f\u00fcr-Schritt-Anweisung hinterlassen, damit sich der Fehler nicht wiederholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanitas Frage, wie man das Badewasser aus der Badewanne bekam, kann unsere F\u00fchrerin nicht beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bett steht jetzt im Arbeitszimmer, damit man gleich an den Schreibtisch konnte, wenn man einen Gedankenblitz hatte. \u00dcber dem Bett eine Lampe, die man mittels einer Schnur weiter runterziehen konnte, wenn man im Bett arbeiten wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bett ist schmal und sicher f\u00fcr zwei Personen ungeeignet. Es gab wohl einmal eine Frau, die Ple\u010dnik Avancen machte, aber die wurde von ihm abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schreibtisch, mit allem, was darauf liegt, ist ein wunderbarer Anblick, k\u00f6nnte ein modernes Kunstwerk sein. Lampe, Tassen, Zollstock, Lineal, Dreieck, Pinsel, Fl\u00e4schchen, Tintenfass, B\u00fcrstchen. Dazu hat man als Erg\u00e4nzung Ple\u010dniks Zwicker, seinen Hut und ein Kreuz gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Schachtel liegen ordentlich nebeneinander jede Menge Bleistiftst\u00fcmpfe. Ple\u010dnik warf nichts weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem stehen auf dem Tisch mehrere Aschenbecher. Ple\u010dnik rauchte viel, filterlose Zigaretten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Schreibtisch liegt auch ein Tennisball. Keineswegs f\u00fcr Sport gedacht, denn Ple\u010dnik verachtete Sport. Der Tennisball war, wie einer der beiden anderen Besucher sofort err\u00e4t, zum Spielen mit dem Hund da.<\/p>\n\n\n\n<p>Im n\u00e4chsten Stock befindet sich Ple\u010dniks Atelier. Hier gibt es einen gro\u00dfen Schreibtisch mit St\u00fchlen f\u00fcr seine Sch\u00fcler und einem besonderen Stuhl f\u00fcr den Meister.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Tisch liegt eine Abhandlung \u00fcber Kunst: <em>Die Baukunst Konstantinopels<\/em>. Von Cornelius Gurlitt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine B\u00fcste von Ple\u010dnik ist das Werk einer Sch\u00fclerin, die er erwischt hatte, als sie w\u00e4hrend des Unterrichts eine Zeichnung von ihm anfertigte. Als Strafe musste sie die B\u00fcste fertigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oben steht das Modell eines Mausoleums, das Ple\u010dnik f\u00fcr Pre\u0161eren, den Nationaldichter, errichten wollte. Aus dem Projekt wurde nichts. In abgespeckter Form wurde daraus dann das Tempelchen f\u00fcr Tito, wof\u00fcr er sp\u00e4ter die antike Vase erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>An der breiten Fensterfront kann man hier erkennen, dass man sich in einem Turm befindet. Die Rundungen lassen besonders viel Licht in den Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss gehen wir in den Wintergarten runter, durch dessen Fenster man direkt in den Garten blickt. Der Boden besteht aus ganz unterschiedlichen Marmorplatten, der t\u00fcrlose Eingang ist nur eine \u00d6ffnung in der Wand. Bei den Fenstern wird in diesem Raum ein bestimmter Effekt erzielt, denn die feinen Holzstreben, die die vielen Glasscheiben zu tragen scheinen, sind tats\u00e4chlich nicht aus Holz, sondern aus Beton.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00fchrung endet hier, und wir sind froh, sie mitgemacht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzte Station f\u00fcr heute ist die Universit\u00e4tsbibliothek, genauer gesagt, deren Lesesaal. Den kann man nur Samstagnachmittag besichtigen. Die Fassade des Geb\u00e4udes ist sehr originell, mit roten Backsteinen oben und mit unregelm\u00e4\u00dfig angebrachten unregelm\u00e4\u00dfigen Steinen unten, die das Ganze wie ein Gewebe aussehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Lesesaal ist eine Entt\u00e4uschung. Oben sieht man B\u00fccherregale mit ziemlich unscheinbaren B\u00fcchern mit grauen und braunen Einb\u00e4nden. Man kann nicht oben rauf, erkennt kein System und steht etwas ratlos unten rum.<\/p>\n\n\n\n<p>Einzig der grandiose Aufgang zur Bibliothek mit einer s\u00e4ulenbestandenen Marmortreppe mit einem Spiel von Hell und Dunkel ist sehenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend gehen wir raus, um einen kleinen Einkauf zu machen. Sonntags sind die Gesch\u00e4fte alle geschlossen, bis auf ein paar B\u00e4ckereien.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zum Supermarkt kommen wir am B\u00fcgeleisenhaus vorbei. Das hat seinen Namen von seinem Vorg\u00e4nger, einem bei dem Erdbeben zerst\u00f6rten Bau. Nat\u00fcrlich war es Ple\u010dnik, der mit dem Neubau beauftragt wurde, und er lie\u00df sich eine originelle L\u00f6sung einfallen f\u00fcr das kleine Grundst\u00fcck zwischen zwei schr\u00e4g auf den Platz zulaufenden Stra\u00dfen. Der Bau, grau, mit viel Glas, verj\u00fcngt sich zum Platz hin, l\u00e4uft dann aber nicht spitz zu, sondern ist am Ende abgeflacht. An der L\u00e4ngsseite kann man am besten die unterschiedlichen Fensterreihen erkennen, die trotzdem ein sch\u00f6nes Ensemble bilden. Alles ist etwas unregelm\u00e4\u00dfig, und man kann gar nicht so leicht erkennen, ob es zwei oder drei Stockwerke gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl wir uns ein paar Lokale herausgesucht hatten, bleiben wir dann einfach an <em>Vodinokows Hram <\/em>h\u00e4ngen, einem Lokal gleich um die Ecke von unserer Unterkunft, mit Blick auf die&nbsp; Talstation der Standseilbahn und auf das Marionettentheater. Dort erscheinen zur vollen Stunden wieder, von Musik begleitet, die beiden Gestalten. Bei denen handelt es sich um Martin Krpan und Kobilica, seinem treuen Pferd. Martin Krpan ist Schmuggler von Beruf, er schmuggelt \u201eenglisches Salz\u201c, ein Euphemismus f\u00fcr Schie\u00dfpulver. Die beiden sind bekannt f\u00fcr ihre Geschicklichkeit und ihren Erfindungsreichtum. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage die Kellnerin nach der Bedeutung von <em>hram<\/em>, bekomme aber keine befriedigende Antwort. Sie sagt, es bedeute so was wie \u201aOrt der Zusammenkunft\u2018. Ich hatte auf \u201aTempel\u2018 getippt. Sp\u00e4ter sehe ich, dass es im Internet eine lebendige, sehr kontrovers gef\u00fchrte Diskussion \u00fcber die Bedeutung von <em>hram<\/em> gibt. Einige halten \u201aTempel\u2018 f\u00fcr richtig, andere lehnen es rundweg ab. In Slowenien gebe es sowieso keine Tempel. Ihre Eltern h\u00e4tten das Wort im Sinne von \u201aSpeisekammer\u2018 benutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sitzt hier sch\u00f6n, die Bedienung ist freundlich, alle sprechen Englisch, die Speisekarte ist viersprachig und Hermanita kann von ihrem Platz aus die beiden Figuren sehen, die zur vollen Stunde oben am Marionettentheater erscheinen, und die Gruppen, die auch jetzt noch in der Seilbahn von der Burg runterkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Essen ist hervorragend, auch wenn wir nicht sicher sind, ob Hermanita wirklich das bestellte Gericht, Wildragout, bekommen hat. Auf jeden Fall ist das Fleisch ganz zart. Sie bekommt dazu ein Radler, das auch so hei\u00dft und aus \u00d6sterreich kommt. Statt mit Zitronensaft ist es mit Grapefruitsaft gemacht. Ich bekomme Bier zu meiner hervorragenden Pilzsuppe und den Krainer W\u00fcrsten, mit slowenischen Kartoffeln serviert, einer Mischung aus Bratkartoffeln und Kartoffelp\u00fcree, eine Art Bratkartoffelstampf.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinterher gibt es noch einen Lik\u00f6r, den wir erst nicht identifizieren k\u00f6nnen. Es ist Walnusslik\u00f6r.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>8. Juni (Pfingstsonntag)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonne geht in Ljubljana 15 Minuten fr\u00fcher auf und 15 Minuten fr\u00fcher unter als zu Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bei uns, geben die Autokennzeichen auch hier Auskunft \u00fcber die Herkunft. LJ steht f\u00fcr Ljubljana, KR f\u00fcr Kranj (dem ehemaligen Krainburg), MB f\u00fcr Maribor.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser erster Weg f\u00fchrt uns zur Touristeninformation. Das M\u00e4dchen hinter dem Schalter hat keine Ahnung. Ihre Antwort gibt nur das wieder, was schon in meiner Frage steckte. Dann guckt sie im Internet nach, was ich auch schon nachgeguckt habe. Damit gebe ich mich nicht zufrieden. Sie fragt einen \u00e4lteren Kollegen. Der best\u00e4tigt: Das Nationalmuseum hat morgen, am Montag, ge\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich am Nachmittag noch mal nachfrage, bleibt mir das M\u00e4dchen wieder beide Antworten schuldig. Sie kann das au\u00dfergew\u00f6hnliche Hochhaus, von dem ich ihr ein Photo zeige, nicht identifizieren (fragt mich, wo ich das gesehen h\u00e4tte, als wenn man damit der Antwort n\u00e4her k\u00e4me) und kennt noch nicht einmal die beiden Gestalten, die st\u00fcndlich am Giebel des Marionettentheaters erscheinen. Sie kann wahrscheinlich nur Brosch\u00fcren verteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>An der dreisp\u00e4nnigen Br\u00fccke ist jetzt, am Morgen, noch nicht viel Betrieb, und wir k\u00f6nnen ganz ihre originelle Gestaltung auf uns wirken lassen. Der Blick durch die unz\u00e4hligen S\u00e4ulen hindurch auf beiden Seiten von allen drei Br\u00fccken hat was, ebenso wie die schr\u00e4g zulaufenden Seitenbr\u00fccken. Wenn man auf ihnen steht, glaubt man, sie seien gerade.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der Br\u00fccke steht das Denkmal f\u00fcr Pre\u0161eren. \u00dcber ihm schwebt eine nackte oder halbnackte Muse, die bei der Aufstellung des Denkmals einen kleinen Skandal verursachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen die Uferstra\u00dfe entlang, vorbei an jetzt schon vollbesetzten Lokalen, in denen junge Slowenen sich ein Brunch servieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Stadtausw\u00e4rts geht es zum Friedhof, \u017dale, wieder einmal auf den Spuren von Ple\u010dnik. Der Friedhof einer Pfarrei sollte zum Zentralfriedhof von Ljubljana umgestaltet werden, und man holte Ple\u010dnik, nachdem man mit dem Entwurf eines anderen Architekten nicht zufrieden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem Vortag macht sich Hermanita schon Gedanken dar\u00fcber, wie wir \u00fcber die Gleise kommen und hat genau austariert, welches der beste Weg ist. Ich w\u00e4re einfach auf gut Gl\u00fcck drauflosgegangen. Wir kommen dann auch tats\u00e4chlich auf dem k\u00fcrzesten Weg durch eine Unterf\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p>An deren Ende steht eins der Hochh\u00e4user, das wir von der Burg aus gesehen haben, das, das wie ein Drahtgeflecht aussieht. Von nahem sind die Fenster aber doch gr\u00f6\u00dfer als man von der Burg aus glaubt. Etwas weiter sieht man die Spitze des farbenfrohen treppenartigen Hochhauses.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist der Friedhof ausgeschildert, aber es ist nicht klar, ob wir den Hinweisen f\u00fcr Autos folgen sollen oder ob es einen besseren Fu\u00dfweg gibt. Der Routenplaner des Handys gibt uns zwischenzeitlich die Information: Heute geschlossen. Kann ein Friedhof an einem Tag geschlossen sein? Ich meine ja, Hermanita meint nein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssten auch an dem Stadion vorbeikommen, aber das zeigt sich nicht, obwohl es ausgeschildert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen wir hinter einem Kreisverkehr auf einen baumbestanden Weg, an dessen Ende man schon die Friedhofspforte sieht. Ge\u00f6ffnet!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen an und setzen uns erst einmal auf eine Bank. Hermanita meint, wir seien falsch hier, dies sei der Eingang zu dem alten Friedhof, nicht zu dem von Ple\u010dnik gestalteten. Die Hinweise sind alle nur auf Slowenisch und schwer zu entziffern, und die alten Frauen, die hier auftauchen, sprechen kein Englisch. Die Informationsstelle ist geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt ein Mann auf den Eingang zu. Ja, sagt er uns voller \u00dcberzeugung, dies sei der Haupteingang, und dies sei der von Ple\u010dnik gestaltete Teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Friedhof ist gro\u00df, die Wege sind symmetrisch angelegt, die Gr\u00e4ber sind klein und liegen eng beieinander, die Grabsteine sind sehr unterschiedlich. Unter den Namen fallen mir <em>Medved<\/em> auf, \u201aB\u00e4r\u2018, <em>Kovac<\/em>, \u201aSchuster\u2018 und <em>Novak<\/em>, \u201aNeuer\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Gr\u00e4ber haben K\u00f6rperbestattungen. Abseits der Hauptachse gibt es aber auch eine ganze Reihe von Urnengr\u00e4bern.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Gr\u00e4ber haben Grabplatten, andere Kies und wieder andere Blumenbeete, und einige haben eine Kombination von zweien. Das sieht ganz originell aus, wenn ein Grab diagonal durchschnitten ist, mit Blumen auf der einen und Kies auf der anderen Seite. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Den Hinweisen zufolge gibt es einen deutschen, einen \u00f6sterreichischen, einen italienischen, einen j\u00fcdischen und noch einen Teil, den wir nicht identifizieren k\u00f6nnen. Wir finden aber nur ein etwas pathetisches \u00f6sterreichisches Monument und ein paar deutsche Namen auf den Grabsteinen. Deutlich abgesetzt ist der italienische Teil, ein Soldatenfriedhof mit einheitlichen kleinen Kreuzen, ganz von Gr\u00e4sern \u00fcberwuchert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben inzwischen das Ende der Mittelachse erreicht, aber von Ple\u010dnik ist weit und breit nichts zu sehen. Dies ist ein Friedhof, den man ohne gro\u00dfen Kunstverstand anlegen kann und der auch nichts mit den Beschreibungen zu tun hat, die wir von dem Friedhof gelesen haben. Etwas verloren stehen wir in der Gegend herum. Da kommt Hermanita auf die gute Idee, eine Familie nach dem Weg zu fragen, indem sie auf die Photos aus dem Reisef\u00fchrer zeigt. Zur\u00fcck, hei\u00dft es, in die andere Richtung!<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir wieder an der Allee ankommen, sehen wir links von uns spielende Kinder vor einer wei\u00dfen Kirche. Und dann kommt der ganze von Ple\u010dnik gestaltete Komplex. Wir sind vorher daran vorbeigegangen. Hermanita hatte recht, wir waren auf dem alten Friedhof. An der Seite ist ein Eingang, aber der ist verschlossen, und dann kommen wir zum Haupteingang: Zu! Der Friedhof ist tats\u00e4chlich sonntags geschlossen! Montag w\u00e4re der richtige Tag gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen einmal ganz herum, man bekommt zumindest einen Eindruck. Das ganze gro\u00dfe Eingangsportal, ganz in Wei\u00df, mit vielen S\u00e4ulen und Durchblicken, ganz im Stil der italienischen Renaissance, sieht nicht wie der Eingang zu einem Friedhof aus. An der Seite ist es dann verspielter, da befinden sich originelle Steinmuster an den Fassaden und Bilder von Heiligen im Stil der Nazarener.<\/p>\n\n\n\n<p>Ple\u010dnik wollte einen Friedhof f\u00fcr alle machen, nicht nur f\u00fcr Christen, auch f\u00fcr Andersgl\u00e4ubige und auch f\u00fcr Atheisten und Selbstm\u00f6rder. F\u00fcr die verschiedenen Gruppen hat er jeweils eine eigene Kapelle gebaut. Schade, dass uns das alles entgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der R\u00fcckweg ist beschwerlich, es f\u00e4ngt an zu regnen und es ist schw\u00fcl, und das Ethnologische Museum, in dem wir vorher ein sch\u00f6nes Gartencaf\u00e9 gesehen haben, ist verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende kommen wir doch wieder an die Ljubljanica, an die Drachenbr\u00fccke. Dann geht es an der Uferpromenade entlang, wo wir am Ende ein sch\u00f6nes kleines Caf\u00e9 irgendwo im Souterrain finden. Hier sitzt man sch\u00f6n, und daf\u00fcr nehmen wir auch die gesalzenen Preise f\u00fcr Pfannkuchen mit Beeren, Tiramisu, Orangensaft und Kaffee in Kauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls bekommt man hier wenigstens eine Gegenleistung, nicht f\u00fcr die d\u00e4mliche Kurtaxe, die wir bei dem Vermieter hinterlassen m\u00fcssen, 3,13 \u20ac pro Person und Tag!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir nach Hause kommen, kann ich mich ganz auf Hermanita verlassen. Sie kennte beide Zahlencodes auswendig. Daf\u00fcr plagt sie sich noch mit dem Namen der Ljubljanica.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Nachmittag machen wir noch einen Bummel durch die Innenstadt und entdecken immer wieder Ecken, die wir noch nicht gesehen haben, obwohl sie ganz in der N\u00e4he sind. Hermanita f\u00fchrt uns zu einem dreieckigen Platz in der Altstadt, in dessen Mitte eine Herkulesstatue steht.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Stra\u00dfe, die von hier zur Burg rauff\u00fchrt, kann man vier H\u00e4user sehen, die sich von denen rechts und links von ihnen unterscheiden. Diese, noch auf das Mittelalter zur\u00fcckgehenden H\u00e4user sind giebelst\u00e4ndig, die barocken H\u00e4user daneben sind traufst\u00e4ndig. Wunderbar! Architekturgeschichte am konkreten Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas oberhalb die von Ple\u010dnik au\u00dfen umgestaltete Kirche St. Florian. Er lie\u00df den urspr\u00fcnglichen Eingang zumauern und \u00f6ffnete einen neuen Eingang am Ende einer Treppe mit den unvermeidlichen S\u00e4ulen. Am urspr\u00fcnglichen Eingang steht jetzt eine Statue von Nepomuk, ein Kreuz in der Hand haltend. Darunter ist die Szene dargestellt, wie er von grimmig aussehenden Soldaten kopf\u00fcber eine Br\u00fccke hinuntergest\u00fcrzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Mitte der kleinen Kreuzung hat der Mann, der f\u00fcr die Weihnachtsbeleuchtung von Ljubljana zust\u00e4ndig ist, einen Kronleuchter aufh\u00e4ngen lassen! Ein kurioses Bild.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der n\u00e4chsten Kirche, Jakobus, soll eine Marienstatue stehen. Von der ist aber zu Hermanitas gro\u00dfer Entt\u00e4uschung nur noch die S\u00e4ule da, ohne Maria. Die hat man vermutlich wegen Restaurierung vom Sockel geholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir setzen uns in ein Caf\u00e9 auf die Hauptstra\u00dfe der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, gleich in der N\u00e4he des Rathauses. Hier sitzt man sehr sch\u00f6n, hier herrscht keine Hektik, kein Betrieb. Wir recherchieren ein paar Sachen, wollen noch versuchen, irgendwann an die Stelle zu kommen, wo die Ljubljanica in die Save flie\u00dft. Und ich wollte gerne das Fohlenfleisch probieren, f\u00fcr das Ljubljana bekannt ist. Das scheint es aber nur an einem Imbissstand zu geben, und da gibt es nur Burger. Die Bewertungen im Internet schwanken zwischen \u00fcberschw\u00e4nglicher Begeisterung und sch\u00e4rfster Missbilligung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet erkl\u00e4rt auch, das <em>cesta<\/em>, das in vielen Stra\u00dfennamen vorkommt, auch \u201aStra\u00dfe\u2018 bedeutet, genauso wie <em>ulica<\/em>, die aber eher f\u00fcr st\u00e4dtische Stra\u00dfen gebraucht wird. Eine Parallele zu <em>road<\/em> und <em>street<\/em>. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita hat gesehen, dass in die winzige Gasse gegen\u00fcber immer wieder ganze Touristengruppen reingehen. Das macht neugierig. Die ganze Gasse runter l\u00e4uft eine schmale Rinne, in die lauter Menschenk\u00f6pfe eingef\u00fcgt sind, oben wenige, dann mehr, dann wieder wenige. Am oberen Ende ist ein kleiner Brunnen, von dem aus man Wasser durch die Rinne laufen lassen kann. Die Bedeutung der Skulptur als Symbol des menschlichen Lebens erschlie\u00dft sich uns nicht so ganz.<\/p>\n\n\n\n<p>Unten am Fluss ist wieder Gott wei\u00df was los, oben ruhiger und sch\u00f6ner gewesen. Aber die Leute gehen da hin, wo auch schon alle anderen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita achtet wieder auf alle m\u00f6glichen Details, die ich mir entgehen lassen w\u00fcrde, wie die unbequemen Hochst\u00fchle in einer Bar, die d\u00fcnnen, doch wohl unbequemen Sandalensohlen der eleganten Frauen, die Blumenk\u00e4sten, die so hoch an den H\u00e4userw\u00e4nden h\u00e4ngen, dass man sich fragt, wie die wohl gegossen werden k\u00f6nnen. Heute Morgen am Friedhof hat sie sich gefragt, wie die Gr\u00e4ber angesichts der gro\u00dfen Abmessung des Friedhofs gegossen werden k\u00f6nnen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem R\u00fcckweg essen wir an demselben Stand von gestern noch mal ein Eis. Die 2,50 \u20ac kommen uns inzwischen fast preiswert vor. Wir haben schon St\u00e4nde gesehen, wo die Kugel 3,10 \u20ac und sogar 3,60 \u20ac kostet.<\/p>\n\n\n\n<p>9. Juni (Montag)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfingstmontag ist hier kein Feiertag, wohl aber der Ostermontag.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Dom her gibt es jeden Morgen sch\u00f6nes Glockengel\u00e4ute, und wohl auch von einer anderen Kirche. Heute h\u00f6re ich auch einmal den Trompeter vom Marionettentheater.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Slowenien und die Slowakei gelegentlich verwechselt werden, wei\u00df man. Kein Wunder: Die Slowenen nennen ihre Sprache <em>sloven\u0161\u010dina<\/em>, die Slowaken bezeichnen ihre Sprache als <em>sloven\u010dina<\/em>, die slowakische Bezeichnung f\u00fcr das Slowenische ist <em>slovin\u010dina<\/em>, die slowenische Bezeichnung f\u00fcr das Slowakische ist <em>slova\u0161\u010dina<\/em>! Die Sprachen sind zwar miteinander verwandt, aber nicht so eng wie das Slowenische mit dem Kroatischen und das Slowakische mit dem Tschechischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als vor ein paar Jahren innerhalb von zwei Tagen die Ministerpr\u00e4sidenten beider L\u00e4nder zur\u00fccktraten, gab es allerhand Durcheinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita landet am Morgen einen Coup, in dem sie in einer Buchhandlung die slowenische Version eines Kinderbuchs findet, ein perfektes Geschenk f\u00fcr jemanden, der dieses Buch in allem m\u00f6glichen Sprachen sammelt. Auf Slowenisch hat sie es bestimmt noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wetter ist m\u00e4chtig umgeschlagen, \u00fcber Nacht. Die Sonne versteckt sich, und wir sind bei 15\u00b0. Ich bin mit Shorts und T-Shirt nicht sonderlich passend angezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht zum Nationalmuseum, w\u00e4hrend Hermanita zum Tivoli geht, dem gro\u00dfen Stadtpark.<\/p>\n\n\n\n<p>Um ins Nationalmuseum \u00fcberhaupt reinzukommen, drehe ich erst eine Runde um das riesige Geb\u00e4ude, da die Beschilderung unklar ist. Dann muss ich mich von einem G\u00e4rtner beschimpfen lassen, als ich auf der Suche nach dem Eingang ins Lapidarium gerate, das man angeblich gratis besichtigen kann und das in einem modernen Glasgeb\u00e4ude untergebracht ist. Dann kommt noch die wenig einladende Begr\u00fc\u00dfung durch das M\u00e4dchen an der Kasse. Aber es lohnt sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Eingang in die eigentlichen Ausstellungsr\u00e4ume trifft man in dem Gang auf ein Boot, einen Einbaum. Es ist neun Meter lang und, wie der Name sagt, aus einem einzigen Baumstamm gemacht. Dieses Boot stammt aus der sp\u00e4ten Bronzezeit, aus dem sp\u00e4ten 9. Jahrhundert vor Christus! Dieser Bootstyp hatte weite Verbreitung und wird \u00fcber die Jahrhunderte hinweg in fast gleicher Form immer wieder vorgefunden, bis ins Mittelalter hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt das ber\u00fchmteste Ausstellungsst\u00fcck des Museums. Man kann es leicht \u00fcbersehen, es wird in einer kleinen Vitrine in einer Ecke aufbewahrt. Es ist ein Musikinstrument, das \u00e4lteste der Welt, wie hier behauptet wird. Es ist zwischen 50.000 und 60.000 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Instrument handelt es sich um eine Fl\u00f6te, im Grunde nichts anderes als der Vorl\u00e4ufer unserer Blockfl\u00f6te. Nur ein Teil des Instruments ist erhalten. Man sieht zwei von urspr\u00fcnglich vier L\u00f6chern, drei oben, eins unten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Fl\u00f6te wurde vom Neandertaler hergestellt und verr\u00e4t bereits ein klares Verst\u00e4ndnis von Musik und Noten. Im Hintergrund erklingt Musik auf einem nachgebauten Instrument. Die erste Melodie klingt etwas eint\u00f6nig, aber gleichzeitig mysteri\u00f6s. Die zweite Melodie l\u00e4sst schon viel Variation erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst suche ich vergeblich nach Informationen \u00fcber das Material, aus dem die Fl\u00f6te gemacht wurde, dann finde ich sie doch noch. Die Fl\u00f6te, 1995 gefunden, wurde aus dem Oberschenkelknochen eines H\u00f6hlenb\u00e4ren gemacht!<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen H\u00e4mmer und \u00c4xte aus der Steinzeit. Die Stiele, die vermutlich aus Holz waren, sind nicht erhalten. Die Schneiden sind hier zu einem sch\u00f6nen Bild vereint, ganz viele, in der Form eines Parallelogramms. Wichtig ist, dass die Instrumente zum F\u00e4llen von B\u00e4umen verwendet wurden, was ein Hinweis auf Sesshaftigkeit ist. Wir befinden uns in der Jungsteinzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Bronzezeit kommen Waffen aus Bronze erst relativ sp\u00e4t auf. Die Waffen sind oft gleichf\u00f6rmig und in gro\u00dfer Zahl vorhanden. Interessant ist, dass die Fundstellen im Fluss ganz ungleichm\u00e4\u00dfig verteilt sind, mal gibt es viele an einer Stelle, dann lange gar keine. Daraus schlie\u00dft man, dass es sich um Kultst\u00e4tten handelte, in denen die Waffen geopfert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung von Eisen war ein gro\u00dfer Durchbruch in der Menschheitsgeschichte. Es war besser, haltbarer und h\u00e4rter als Holz, Quarz, Kupfer und Bronze. Allerdings war die Herstellung nicht einfach. Man ben\u00f6tigte daf\u00fcr eine Temperatur von sage und schreiben 1530 Grad.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den \u00e4ltesten Goldfunden ein besonders sch\u00f6nes Schmuckst\u00fcck, eine Art Diadem, sichelf\u00f6rmig. Die Durchbohrungen an den Enden zeigen, dass es getragen wurde. Das wertvolle Material und die vielen konzentrischen Kreise auf dem Schmuckst\u00fcck lassen vermuten, dass es in den Kontext der Sonnenanbetung geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen die \u00e4ltesten Nachweise von Schrift, eine Inschrift auf einer Situla, eingeritzt. Im Original kaum zu erkennen, aber man hat daneben auf einem Schild die Schrift wiedergegeben, und man kann tats\u00e4chlich einige Buchstaben erkennen! Es handelt sich also um eine alphabetische Schrift, um das ph\u00f6nizische Alphabet oder eine Variante davon. Was die Inschrift bedeutet, wei\u00df man nicht, vermutlich handelt es sich um zwei Eigennamen. Es war wohl eine Widmung von der Art \u201eVon Hinz f\u00fcr Kunz.\u201c Wir befinden uns im 3. bis 4. Jahrhundert vor Christus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt die R\u00f6merzeit, mit Fibeln, M\u00fcnzen, K\u00e4mmen, \u00d6ll\u00e4mpchen, Ringen, Spiegeln, Ohrringen und riesigen Eisenn\u00e4geln aus einem Stadttor. Die R\u00f6mer hatten hier eine komplette r\u00f6mische Stadt, mit Stadtmauer, Stadttoren, Cardo Maximus und Decumanus Maximus, Forum und dem schachbrettartigen Stra\u00dfenmuster. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erst jetzt wird mir klar, dass Emona, das Wort, das in den letzten Tagen immer wieder gefallen ist, ganz einfach der r\u00f6mische Name von Ljubljana ist. Die r\u00f6mische Stadt befand sich etwas au\u00dferhalb der heutigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Emona ist also nicht der Name der goldenen Statue. Die aber taucht hier auch auf. Sie zeigt einen Mann mit Toga, auf einem hohen Sockel stehend. Das war ein Grabdenkmal und stand, wie bei den R\u00f6mern \u00fcblich, am Wegesrand au\u00dferhalb der Stadt. Aber: Wo ist die Statue? Wo ist das Original?<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es Glaswaren aus der R\u00f6merzeit, erstaunlich viele. Das Glasblasen wurde im 1. Jahrhundert erfunden und verbreitete sich dann schnell. Hier gibt es erstaunlich gut erhaltene Gef\u00e4\u00dfe zu sehen, Teller, Sch\u00fcsseln, Gl\u00e4ser. Bei einigen fragt man sich, ob es Gebrauchsgegenst\u00e4nde waren oder Dekoration. Auf jeden Fall l\u00e4sst sich ein Geschmackswandel erkennen: Die fr\u00fchen Gef\u00e4\u00dfe sind bunt, in sp\u00e4teren Jahrhunderten setzt sich ein blasses Blaugr\u00fcn durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende erm\u00fcdete das R\u00f6mische Reich in den vielen K\u00e4mpfen gegen die Awaren, Araber, Perser und Slawen. Es kam zur Reichsteilung und zum Untergang des Westreichs. Auf das folgte das Frankenreich. Die Franken bekamen es mit den Magyaren, den Arabern, den Wikingern und den Slawen zu tun. Wie und woher die hierher kamen, ist mir immer noch nicht klar. Ausgestellt sind von den Slawen hergestellte, \u00e4u\u00dferst modern aussehende eiserne Zangen, Schl\u00fcssel, Hammer und Steigb\u00fcgel aus einem Hort aus dem 9. Jahrhundert. Damals gab es wohl einen Aufstand der Slawen gegen die Franken. Aus diesem Hort stammt auch verkohlter Weizen, der hier in einem Sch\u00e4lchen mit Weizenk\u00f6rnern pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss gibt es noch eine Kuriosit\u00e4t, ein kompliziertes Holzgestell, dem man seine Bestimmung nicht ansieht. Es ist eine Tierfalle. Sie wurde \u00fcber einer Mulde in der Erde angebracht. Wenn ein ausreichend schweres Tier sich darin verfing, \u00f6ffnete sich eine T\u00fcr und die Falle schnappte sich den Fu\u00df des Tieres. Wenn das Tier versuchte, sich zu befreien, geriet es nur noch tiefer in die Mulde. Nicht gerade tierfreundlich, aber als Erfindung sehr gelungen. Den Menschen war der eigene Hunger n\u00e4her als das Tierwohl. Diese Art von Falle hatte eine lange Verbreitung und blieb \u00fcber Jahrhunderte unver\u00e4ndert. Damit schlie\u00dft sich der Kreis zum Einbaum vom Anfang.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich treffe mich mit Hermanita in einem Caf\u00e9 am Kongressplatz. Wir bestellen einen Kakao und fragen uns, wie der sich wohl von der hei\u00dfen Schokolade unterscheidet, die weiter unten auf der Karte steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kellner sagt laut und vernehmlich <em>Dober dan<\/em>. Das entspricht russisch <em>Dobry den<\/em>. Im Polnischen ist die Reihenfolge umgekehrt: <em>Dzi\u00e9n dobry<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Musiker spricht uns auf Italienisch, ein Bettler auf Deutsch an.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst zum Kakao gibt es, wie bei jeder Bestellung, ungefragt ein Glas Wasser dazu, eine Sitte, die ich aus Griechenland kenne und Hermanita aus \u00d6sterreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kellner hat in seinem Portemonnaie Sch\u00e4chte f\u00fcr die M\u00fcnzen, wie sie fr\u00fcher die Schaffner gehabt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita ist zum Tivoli gegangen. Auch der war gar nicht so weit wie geglaubt. Ein weitl\u00e4ufiger Park mit einem See, der komplett von bl\u00fchenden Seerosen bedeckt war. An verschiedenen Stellen Bronzeskulpturen ber\u00fchmter Slowenen des 20. Jahrhunderts, teils stehend, teils auf Parkb\u00e4nken sitzend. Das Schl\u00f6sschen, in dem es auch eine sch\u00f6ne Ausstellung geben soll, war, dem Namen getreu, geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend geht\u2019s ins <em>Hi\u0161a pod gradom<\/em>, einem Lokal in einer Ecke, die wir noch gar nicht kennen, obwohl es gerade mal zehn Minuten entfernt ist. Gegen\u00fcber h\u00e4ssliche Hochh\u00e4user, aber vor der in einem h\u00fcbschen Haus untergebrachten Gastst\u00e4tte kann man sch\u00f6n sitzen. Es wird allm\u00e4hlich etwas w\u00e4rmer, und das Lokal f\u00fcllt sich, mit Einheimischen und Touristen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Salat und wieder Radler mit Grapefruit, diesmal aus heimischer Produktion. Und hervorragendes Wildschwein mit Preiselbeeren und Gem\u00fcse und \u0160trulki, Quarkstrudel, gerollt, eine typische Zutat der slowenischen K\u00fcche. Echt lecker.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita erz\u00e4hlt, dass es in Ljubljana auch eine Zeitlang so einen Krawalltourismus gegeben habe. Kann man sich gar nicht vorstellen. Hier ist alles so bieder und gesittet. Der Krawalltourismus hat sich woandershin verzogen, seitdem Ljubljana nicht mehr von Billigfluglinien angeflogen wird. Und, so darf man vermuten, seitdem es nicht mehr so billig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita wundert sich, wie sauber hier alles ist, kein Kaugummi, keine Kippen, keine Pommesschalen auf dem Boden. Das sei bei uns ganz anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erz\u00e4hle von meiner Jugoslawienreise aus l\u00e4ngst vergangenen Tagen, meiner ersten Auslandsreise \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>10. Juni (Dienstag)<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall auf den Stra\u00dfen stehen Container herum, in denen die Anwohner ihren M\u00fcll deponieren, s\u00e4uberlich geordnet nach Papier, Plastik, Glas, Biom\u00fcll und Restabfall. Diese Container gehen tief in die Erde, hei\u00dft es. Slowenien sei inzwischen bei einer Recycling-Quote von 68% angekommen. Und die M\u00fcllhalden meldeten Schwund an.<\/p>\n\n\n\n<p>Slowenien hat nach der Unabh\u00e4ngigkeit seine eigene W\u00e4hrung gehabt, den Tolar. Das ist das slowenische Wort f\u00fcr den Taler. Der l\u00f6ste den Dinar ab und wurde seinerseits nach nur 16 Jahren vom Euro abgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Einf\u00fchrung der Eurom\u00fcnzen gab es eine Auseinandersetzung mit \u00d6sterreich, allen voran mit K\u00e4rnten, in der Person von J\u00f6rg Haider. Der protestierte energisch gegen die Abbildung des F\u00fcrstensteins auf einer der M\u00fcnzen. Der F\u00fcrstenstein stehe f\u00fcr K\u00e4rnten und f\u00fcr nichts anderes.<\/p>\n\n\n\n<p>Keinen Protest gab es gegen den Lipizzaner auf einer anderen M\u00fcnze. Das Gest\u00fct Lipica befindet sich n\u00e4mlich in Slowenien. Die Lipizzaner sind von Geburt aus schwarz, das wei\u00dfe Fell bekommen sie erst nach ca. f\u00fcnf Jahren. Ihre st\u00e4mmige Statur haben sie \u201evon Natur aus\u201c, die Eleganz von den Araberpferden, mit denen sie gekreuzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita qu\u00e4lt der Anblick der verdorrten Pflanzen in dem Blumenkasten, an dem wir t\u00e4glich mehrmals vorbeikommen, wenn wir aus der Wohnung gehen oder zur\u00fcckkommen. Auf der Erde zwischen den Blumen stehen Aschenbecher, die gelegentlich geleert werden. Auch Kaffeebecher werden hier abgestellt. Auf dem Gel\u00e4nder uns gegen\u00fcber werden die Pflanzen gepflegt.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir machen uns auf den Weg zum Bahnhof. Heute steht der Tagesausflug nach Triest auf dem Programm.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Luft ist noch ein bisschen frisch, aber ganz angenehm. Im Laufe des Tages wird es immer w\u00e4rmer.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Metzgerbr\u00fccke, unweit von Adam und Eva, stehen auch ein Satyr und Prometheus, auch sie etwas \u201eangeschlagen\u201c. Sie repr\u00e4sentieren die beiden Seiten der menschlichen Natur, die zivilisierte und die animalische Seite des Menschen, Weisheit, Erfindungsgeist, Fortschritt und Sinnlichkeit, L\u00fcsternheit, Z\u00fcgellosigkeit. Nicht umsonst tr\u00e4gt der Satyr hier (und anderswo) einen Schwanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder, wie jetzt auch auf dem Weg zum Bahnhof, ist mir an Geb\u00e4uden das Wort <em>Lekarna<\/em> aufgefallen. Es bedeutet nicht \u201aArzt\u2018 oder \u201aArztpraxis\u2018, wie ich meinte, sondern \u201aApotheke\u2018. L\u00e4uft aber sprachlich auf dasselbe hinaus. Das polnische Wort f\u00fcr Arzt ist <em>lekarz<\/em>, das schwedische ist <em>l\u00e4kare<\/em>. H\u00e4ngen alle miteinander zusammen. Worauf man aber nicht ohne weiteres kommt: Auch unser Nachname <em>Lachmann<\/em> ist damit verwandt. Ein Lachmann war ein Arzt, eine Art Heilpraktiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zum Bahnhof bemerkt Hermanita, dass die Radfahrer hier keinen Helm tragen. Tats\u00e4chlich sehen wir so gut wie keinen mit Helm.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Bahnhof ist viel Betrieb und es&nbsp; herrscht ziemliches Durcheinander. Welcher Bus f\u00e4hrt wohin? Fahrpl\u00e4ne scheint es keine zu geben, jedenfalls f\u00fcr unser Busunternehmen nicht. Am Ende steigen wir in den richtigen Bus ein. Beim Einstieg muss man seinen Ausweis vorzeigen, aber der Kontrolleur begn\u00fcgt sich mit einem f\u00fcr uns beide.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht sofort auf die Autobahn. Die ist hervorragend, ganz ebenm\u00e4\u00dfige Fahrbahn, es geht z\u00fcgig, aber ohne Hektik voran. Eine Maut gibt es nicht, weder hier noch in Italien.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs blickt man auf die kahlen Berge in der Ferne und die tiefen, bewaldeten T\u00e4ler neben der Strecke.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann ruft Hermanita \u201eHier muss es doch Vieh geben!\u201c, und prompt erscheinen wei\u00dfe K\u00fche auf einer Weide am Wegesrand.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entfernung ist ca. 100 Kilometer. Die Grenze kommt erst sieben Kilometer vor <em>Triest<\/em>. Der italienische Name ist <em>Trieste<\/em>, der slowenische <em>Trst<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt pl\u00f6tzlich ganz unten das Meer in Sicht, die K\u00fcste, der Hafen, die Stadt. Sie sieht riesig aus, ist aber auch nicht gr\u00f6\u00dfer als Ljubljana, gut 200.000 Einwohner.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Bahnhof in Triest stehen wir etwas verloren herum. Nichts ausgeschildert. Wir versuchen uns zu orientieren, aber werden auf Nachfrage in eine andere Richtung geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen wir an den Canale Grande. An einer der Br\u00fccken sto\u00dfen wir auf die Statue von Joyce, die wir so gar nicht zu suchen brauchen. Joyce lebte lange in Triest, wo er sich als Englischlehrer durchschlug.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen wir direkt auf einen riesigen Platz zu, den wir f\u00fcr die <em>Piazza dell\u2019Unita d\u2019Italia<\/em> halten, der es aber gar nicht ist. Der ist offensichtlich noch gr\u00f6\u00dfer. Unglaublich. Schon hier, entlang des Canale Grande, steht eine Reihe von Pal\u00e4sten, einer pr\u00e4chtiger als der andere. Die meisten haben eine einheitliche Geschossh\u00f6he und Geschosszahl, vier gr\u00f6\u00dfere und eine kleinere oben Etage, vermutlich f\u00fcrs Personal.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Stirnseite des Platzes, auf den wir kommen, steht eine riesige katholischen Kirche und daneben die serbisch-orthodoxe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen wir zu der noch gr\u00f6\u00dferen <em>Piazza dell&#8217;Unit\u00e0 d&#8217;Italia<\/em>, mit dem immensen <em>Palazzo del Governo<\/em> an der Stirnseite. An der L\u00e4ngsseite das <em>Hotel Duchi d&#8217;Aosta<\/em>, an dessen Stelle schon in der Antike das <em>Hospitium Magnum<\/em> stand, ein Wohnquartier f\u00fcr r\u00f6mische Soldaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber ein ebenso gro\u00dfes Geb\u00e4ude, in dessen Erdgeschoss sich das <em>Caff\u00e8 dello Specchio<\/em> befindet. Hier kommt man hin in Triest, wenn man was auf sich h\u00e4lt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem <em>Palazzo del Governo<\/em> ein Brunnen mit vier Figuren und vier Fl\u00fcssen, die die vier Kontinente darstellen. Das Gesicht des Nils ist verh\u00fcllt, weil seine Quelle nicht bekannt war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was uns entgeht auf der Suche nach einer Flasche Wasser, ist der Supermarkt hier auf dem Platz. An solch exponierter Stelle darf er keine Werbung nach au\u00dfen machen und kann deshalb leicht \u00fcbersehen werden. Es ist ein weiterer Spar-Markt. Hier in Italien hei\u00dft die Kette <em>Despar<\/em>. Das entspricht dem urspr\u00fcnglichen holl\u00e4ndischen Namen, ein Anagramm aus der Devise der Kette. Das Emblem von Spar, eine stilisierte Tanne, r\u00fchrt daher, dass <em>spar<\/em> auf Holl\u00e4ndische \u201aTanne\u2018 bedeutet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser ganze Teil der Stadt, mit gro\u00dfen Pl\u00e4tzen und regelm\u00e4\u00dfig&nbsp;verlaufenden Stra\u00dfen, ist das Ergebnis einer Stadterweiterung unter Maria Theresia. Man legte die Salinen trocken und schuf so neuen Raum.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen in das Cavana-Viertel, in der Altstadt. Was <em>cavana<\/em> bedeutet, ist nicht so leicht rauszubekommen, es bezeichnet wohl eine typische venezianische Art des traditionellen Hausbaus und ist vermutlich mit den W\u00f6rtern f\u00fcr \u201aH\u00f6hle\u2018 verwandt, <em>caverna<\/em> und <em>cava<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier in der Altstadt geht man durch schmale, unregelm\u00e4\u00dfige Gassen, der Unterschied zur Theresianischen Stadt k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier setzen wir uns in ein einfaches Caf\u00e9. Es gibt Kaffee und Wasser. Dringend ben\u00f6tigt, denn Hermanita, gestern unterzuckert, ist heute ausgetrocknet. Danach geht es aber wieder besser.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kellnerin bekundet schon durch ihre Bewegungen ihre Unlust und schafft es, unsere Blicke und Gesten best\u00e4ndig zu ignorieren. Mit einigen der Stammg\u00e4ste, lauter Einheimische, wechselt sie ein paar Worte, w\u00e4hrend sie mit provozierender Langsamkeit Tassen und Gl\u00e4ser einsammelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir spazieren weiter die Gassen entlang und sehen unterwegs ein Schild, das ein ganz besonderes Eis bewirbt. Die Kugel kostet 6 \u20ac.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen kleine Lebensmittell\u00e4den mit sch\u00f6nen Auslagen und einem Schild, auf dem ich kein Wort verstehe: <em>Puzzone di Moena e Fontina.<\/em> Erst nach meiner R\u00fcckkehr gibt es die Erkl\u00e4rung: Moena und Fontina sind zwei Orte, die f\u00fcr ihren K\u00e4se bekannt sind, und <em>puzzone<\/em> hei\u00dft wohl so was wie \u201aStinkk\u00e4se\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Senegalesen, der gerade dabei ist, seinen Verkaufstand abzubauen, findet Hermanita einen G\u00fcrtel.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Senegalese weist uns auch den Weg zu der Statue, die wir suchen. Nur ein paar Meter weiter schreitet Italo Svevo durch die Altstadt seiner Heimatstadt, Buch in der Hand, Hut auf dem Kopf, so wie er es immer getan hat, denn seine Schritte gehen Richtung Bibliothek.<\/p>\n\n\n\n<p>Italo Svevo hie\u00df eigentlich Aron Hector Schmitz. Sein Vater stammte aus einer wohlhabenden j\u00fcdischen Familie aus \u00d6sterreich, seine Mutter aus einer ebenfalls wohlhabenden j\u00fcdischen Familie aus Triest. Mit 12 wurde er von seinem Vater in ein Internat nach Deutschland geschickt. Er sollte Kaufmann werden, und daf\u00fcr waren Deutschkenntnisse n\u00fctzlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Er versuchte sich sp\u00e4ter an der Schriftstellerei, hatte \u00fcberhaupt keinen Erfolg und war drauf und dran, aufzugeben. Dann lernte er hier in Triest Joyce kennen. Der war begeistert von seinen B\u00fcchern und animierte ihn, weiterzumachen. Und Svevo wurde zu einem der bekanntesten Schriftsteller seiner Zeit. Ich habe vor Jahren eine kuriose phantasiereiche Novelle von ihm gelesen, <em>Il cavalliere inexistente<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Er w\u00e4hlte den Namen <em>Italo Svevo<\/em>, um die beiden Leitlinien seines Lebens widerzugeben: Er war <em>Italiener<\/em> und <em>Schwabe<\/em>!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Statue steht an der <em>Piazza Attilo Hortis<\/em>, mit einem sch\u00f6nen kleinen Park mit exotischen B\u00e4umen. Die Namen des Platzes folgen der historischen Entwicklung: Die Franzosen benannten sie nach der siegreichen Schlacht von L\u00fctzen, die \u00d6sterreicher nach der siegreichen Schlacht von Leipzig, die Italiener nach Attilo Hortis, einem italienischen Politiker und Patrioten. Seine Statue steht in der Mitte des Platzes.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht rauf in wieder ein anderes Viertel. Hier ist es ganz ruhig. Die Kathedrale liegt erh\u00f6ht, so erh\u00f6ht, dass wir der Mittagshitze Tribut zollen m\u00fcssen und es nicht bis ganz nach oben schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg nach unten passieren wir einen r\u00f6mischer Torbogen, Teil der alten Stadtmauer. Sieht gut aus, man blickt durch ihn nach unten in das Stadtviertel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt eine gro\u00dfe barocke Kirche, etwas vernachl\u00e4ssigt, und gleich daneben eine sch\u00f6ne romanische Kirche, leider verschlossen. Sie wird jetzt von der protestantischen Gemeinde genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs habe ich Photos gemacht von <em>Pizze Piazze<\/em> und von der <em>Via del Figo<\/em>, dem Feigenweg. Hier sieht man sch\u00f6n die regelm\u00e4\u00dfige Korrespondenz von Italienisch und Spanisch: <em>forno<\/em> &gt; <em>horno<\/em>, <em>figlio<\/em> &gt; <em>hijo<\/em>, <em>figo<\/em> &gt; <em>higo<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Hafen liegen neben dem Kreuzschiff eine ganze Reihe von Segelbooten, und eins, mit durchsichtigen Segeln, l\u00e4uft gerade in den Hafen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier eine Filiale der Kette <em>Eataly<\/em>, kein sonderlich originelles, aber passendes Wortspiel. Es gibt genau die italienische Aussprache von <em>Italy<\/em> wieder, mit dem \/i\/ von <em>Miete<\/em> statt dem von <em>Mitte<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen auf die <em>Piazza della Borsa<\/em>, einem unregelm\u00e4\u00dfigen, gro\u00dfen Platz mit einem monumentalen Bau an einer Seite. Das ist nicht die B\u00f6rse, wie ich vermutet hatte, sondern die Handelskammer. Davor eine weitere Bronzestatue, wieder ein Schriftsteller. Er sitzt auf einer Bank vor dem Geb\u00e4ude und liest. Es ist Gabriele d\u2019Annunzio, eine der schillerndsten, umstrittensten, merkw\u00fcrdigen Figuren der italienischen Literatur.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Suche nach einer Buchhandlung gestaltet sich schwierig, aber am Ende werden wir in einer Galerie hier an <em>der Piazza della Borsa <\/em>f\u00fcndig. Oben steht jede Menge von B\u00fcchern von Svevo, aber nicht das Buch, das ich suche. Ein Verk\u00e4uferin f\u00fchrt mich nach unten, und da ist es: <em>La coscienza di Zeno<\/em>, Svevos bekanntestes Buch. Der Originaltitel ist zweideutig, denn <em>coscienza<\/em> kann sowohl \u201aGewissen\u2018 als auch \u201aBewusstsein\u2018 bedeuten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erholung gibt es bei Kaffee und Kuchen, in einem Caf\u00e9 mit Blick auf den Hafen. Anne entdeckt eine Spirale an der Decke mit lauter unterschiedlichen kleinen Kaffeetassen. In diesem Caf\u00e9 gibt es Kaffee von <em>Illy<\/em>. Erst nach meiner R\u00fcckkehr erfahre ich, dass das ein Familienunternehmen ist, das hier, in Triest, seinen Sitz hat und auch von hier stammt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Am Bahnhof steht eine Statue von Elisabetta. Das ist Sissy. Sie ist umgeben von Gestalten rechts und links, rechts Menschen aus dem Volk, mit Kindern, links wohl Sagengestalten. Das Monument wurde in der antideutschen Atmosph\u00e4re der Zeit nach dem 1. Weltkrieg vom Sockel genommen, auf dem es gerade ein paar Jahre gestanden hatte. Sissy hatte Triest unz\u00e4hlige Male besucht. Erst vor wenigen Jahren ist das Monument wieder an seine alte Stelle gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ljubljana kommen wir an einem Lokal vorbei, in das man schon wegen des Namens mal gehen sollte, Es hei\u00dft <em>Gostina Stari Tislerija<\/em>, also \u201aAlte Tischlerei\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>11. Juni (Mittwoch)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fragen uns, welche Figuren in unseren Tr\u00e4umen auftreten. Manchmal sind es klar identifizierbare Menschen mit Namen, ein Sohn oder eine Nachbarin. Manchmal sind es ber\u00fchmte Menschen, auch mit Namen, eine Fernsehansagerin oder ein Bischof. Und dann gibt es Personen, mit denen man im Traum vertraut ist, die aber keinen Namen haben und die man am n\u00e4chsten Morgen nicht benennen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe der Tage habe ich immer wieder Plakate gesehen, auf denen angesichts der israelischen Aggression in Gaza zum Befreiungskampf f\u00fcr Pal\u00e4stina aufgerufen wird. An einem Caf\u00e9 steht: <em>Svoboda Palestini<\/em> \u2013 <em>Free Palestine<\/em>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, am letzten Tag der Reise, geht es ins Stadtmuseum. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer modernen Mahler-Skulptur vorbei, die wir bisher immer \u00fcbersehen haben. Mahler hat mehrmals Konzerte in Ljubljana dirigiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann entdeckt Hermanita einen exotischen Baum mit auff\u00e4llig gro\u00dfen Bl\u00e4ttern und l\u00e4nglichen Schoten. Es handelt sich um einen Trompetenbaum. Oben sieht man seine wei\u00dfen Bl\u00fcten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In die Franziskaner-Kirche gehe ich alleine. Sie sieht \u00fcberhaupt nicht wie eine Franziskaner-Kirche aus, au\u00dfen nicht und innen erst recht nicht. Das liegt daran, dass sie urspr\u00fcnglich eine Augustinerkirche war.&nbsp;Seit 1784, als die Augustiner verbannt wurden, sitzen die Franziskaner hier.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist innen ziemlich duster, aber die Augen gew\u00f6hnen sich daran und es wird immer heller. Ein sch\u00f6nes, mattes Licht kommt von den Lampen, die an langen dreigliedrigen Ketten vor den Seitenalt\u00e4ren von der Decke herunterh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Laien nicht erkennbar ist die Kirche das Ergebnis eines Wettbewerbs zwischen einer italienischen und einer \u00f6sterreichischen Bautraditionen. Jedenfalls sind dem verschiedene Ver\u00e4nderungen geschuldet, darunter das mit bunten Fresken bemalte, ehemals wei\u00dfe Gew\u00f6lbe im Mittelschiff.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch au\u00dfen, vor allem an der Fassade, gab es zahlreiche Ver\u00e4nderungen. Und irgendwann kamen die beiden T\u00fcrme dazu, die hier ungew\u00f6hnlicherweise im Osten stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche schlie\u00dft im Osten gerade ab. Das liegt an den baulichen Vorgaben. Die Kirche st\u00f6\u00dft drau\u00dfen auf dem Platz auf das Loreto-Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>Man w\u00fcrde einen ganzen Tag brauchen, um sich die Statuen und die Gem\u00e4lde von Engeln und Heiligen in der Kirche anzusehen. Stellvertretend sehe ich mir ein Gem\u00e4lde in einer Seitenkapelle an, das den Hl. Franziskus beim Empfang der Stigmata durch den heranfliegenden Christus zeigt. Zu den Seiten des Gem\u00e4ldes die Statuen von Ludwig und Elisabeth, im klassischen Sinne, wei\u00df, ernsthaft, w\u00fcrdig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Franziskaner kamen schon 1233 nach Ljubljana. Sie lie\u00dfen sich in den Au\u00dfenbezirken der Stadt nieder. Erst 1221 war der Orden gegr\u00fcndet worden bzw. hatte die p\u00e4pstliche Genehmigung dazu erhalten, die ihm zun\u00e4chst verweigert worden war. Dem Papst war die Ordensregel zu streng! Noch zu Franziskus\u2018 Lebzeiten gab es Auseinandersetzungen \u00fcber die Interpretation der Ordensregel. Daraus resultierten die heute noch existierenden drei unabh\u00e4ngigen Orden, die Minoriten, die Franziskaner und die Kapuziner. Im Laufe der Jahrhunderte machte sich die Kirche gewisse Eigenheiten der Franziskaner zu eigen, darunter das Angelus-Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen wir zum Stadtmuseum.&nbsp;Hier geht es freundlicher zu als im Nationalmuseum.<\/p>\n\n\n\n<p>An die klassizistische Fassade erinnern innen nur noch die Treppen, Konsolen und Pfeiler der Eingangshalle. Alles andere ist modernisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung beginnt oben, mit einer originellen Einleitung. Man kommt in einen abgedunkelten Raum und glaubt, auf einen Bildschirm oder ein Gem\u00e4lde zu blicken. Tats\u00e4chlich sind die Statuen und Bilder echt, hintereinander und seitw\u00e4rts versetzt, so dass man fast alle auf einen Blick sehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich ausschlie\u00dflich um Personen, die dargestellt sind, alle haben was mit der Geschichte Sloweniens zu tun: Augustus, Papst Pius VI., Tito, der R\u00f6mer mit der Toga und nat\u00fcrlich Ple\u010dnik. Aber auch ein unbekanntes M\u00e4dchen mit einem V\u00f6gelchen ist vertreten, ebenso wie eine Schnitterin.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann taucht man in die Geschichte Ljubljanas ein. Zeugnisse f\u00fcr die Besiedlung des Moors in dieser Gegend sind schon 120.000 bis 40.000 Jahre alt. Danach bildeten sich W\u00e4lder aus, es wurde w\u00e4rmer, das Moor wurde zum See.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt das ber\u00fchmteste Ausstellungsst\u00fcck des Museums, das Rad. Dass es nur eine Kopie ist, macht nichts. Es ist etwas mehr als die H\u00e4lfte erhalten. Erstaunlicherweise hat es bereits Speichen. Die Achse ist aus einem St\u00fcck und ganz erhalten. Man kann auch als Laie sehen, dass die Erbauer erstaunliche F\u00e4higkeiten gehabt haben m\u00fcssen. Die dicken geschnitzten Enden der Achse passen perfekt in die Nabe des Rads. Es ist vielleicht nicht das \u00e4lteste Rad, aber die \u00e4lteste gut datierte Rad-Achsen-Kombination. Man sch\u00e4tzt sie auf 3.340 \u2013 3.030 vor Christus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der fr\u00fchen Bronzezeit ist der Helm einer vermutlich hochstehenden Person erhalten. Der Helm war eine Grabbeigabe. Neben dem Mann wurden in einer Urne die Reste seines einge\u00e4scherten Pferds begraben!<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr sch\u00f6n, ebenfalls aus der Bronzezeit, eine G\u00fcrtelschnalle, breit, aus Bronze. Man kann die Abbildungen in groben Z\u00fcgen erkennen: Man sieht einen J\u00e4ger mit Pfeil und Bogen auf einen vor ihm stehenden Hirsch zielen. Hinter ihm sein Hund in Lauerstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem Pergament sieht man die erste schriftliche Erw\u00e4hnung von Ljubljana, von 1112. Der Text spricht von einer Stelle <em>iuxta castrum Leibach. <\/em>Wenig sp\u00e4ter taucht die Stadt in einem anderen Dokument als <em>Luwigana<\/em> auf. Auch hier wird die Fiktion von der Bedeutung \u201aGeliebte\u2018 aufrechterhalten, aber in einer Schautafel gibt es einen Verweis auf lateinisch <em>aluviana<\/em>, \u201aSchwemmland\u2018. Eine viel \u00fcberzeugendere Herleitung des Namens.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1335 geh\u00f6rte Ljubljana zu Habsburg. Die Stadt hatte drei M\u00e4rkte und lag etwas abseits des Flusses.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei M\u00fcnzen, die man aus der Zeit gefunden und f\u00fcr echt gehalten hat, haben sich als F\u00e4lschungen erwiesen. Es wurde Blei statt Silber verwendet!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine mittelalterliche Gr\u00fcndung war auch die Kirche, die sp\u00e4ter zur Kathedrale wurde. Das Patrozinium, Nikolaus, war gut gew\u00e4hlt. Nikolaus ist der Patron der Fischer und Schiffer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein sch\u00f6nes Ausstellungsst\u00fcck aus der Neuzeit ist ein h\u00f6lzerner Rollstuhl, mit breiter Lehne und hohen R\u00e4dern. Der Rollstuhl wurde von einem der B\u00fcrger von Ljubljana, der an Gicht litt, f\u00fcr ihn selbst entworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das 18. Jahrhundert sah mit der Aufkl\u00e4rung auch die slowenische Erneuerung. Es wurde immer mehr auf Slowenisch publiziert, es entstanden Vereinigungen zur F\u00f6rderung des Slowenischen, man besch\u00e4ftigte sich mit der Geschichte der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 19. Jahrhundert machte man sich daran, das Flussbett zu vertiefen und die Gegend zu entw\u00e4ssern. Das rettete vermutlich die Stadt, indem es sie vor \u00dcberschwemmungen sch\u00fctzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Keinen Schutz gab es gegen das Erdbeben von 1895. Danach entstand eine neue Stadt und es begann das goldene Zeitalter des B\u00fcrgertums.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Treue zum Haus Habsburg verkehrte sich nach 1918 in ihr Gegenteil. Man sieht den monumentalen Kopf einer Statue von Franz-Joseph, mit dem charakteristischen Backenbart. Nach dem Krieg wurde die Statue gest\u00fcrzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommen Photos von Tito und der Befreiung von der deutschen und italienischen Herrschaft: <em>Long live Marshal Tito! <\/em>hei\u00dft es auf einem Banner.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Kriegszeit sind nebeneinander drei Objekte dargestellt, die f\u00fcr die Zeit stehen: in der Mitte eine Partisanenm\u00fctze, rechts die typische gestreifte Kopfbedeckung eines H\u00e4ftlings, der nach Dachau deportiert wurde, und links eine Milchkanne. In der wurden geheime Dokumente geschmuggelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Schluss der Ausstellung sieht man einen Zastava, einen Kleinwagen aus der Zeit der Republik Jugoslawien, der ab 1955 produziert wurde. Er \u00e4hnelt einem Fiat. <em>Zastava<\/em> bedeutet \u201aFahne\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Besichtigung gehen wir in das Museums-Caf\u00e9. Es gibt Kaffee und Kuchen, mit einem ordentlichen Schokoladenanteil am Kuchen. Wasser gibt es nicht nur unaufgefordert dazu, es wird sogar nachgesch\u00fcttet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Slowenen lieben krumme Preise. Eine Briefmarke kostet 2,06 \u20ac, ein Mitbringsel 10,11 \u20ac und die Kurtaxe 3,13 \u20ac.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita l\u00e4sst sich nicht lumpen und kauft mir eine Tasse mit Slowenien-Motiv. Eine bleibende Erinnerung an die Reise.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt erfahre ich in der Touristen-Information doch noch etwas zu dem besonderen Hochhaus, dem Situla-Tower. Es ist ein gemischtes Wohn-, B\u00fcro- und Gesch\u00e4ftshaus. Es erf\u00e4hrt seine besondere Wirkung durch die bronzefarbenen Aluminium-Platten an der Fassade, die man verschieben kann. Dadurch kann eine gleichzeitig wechselnde und gleichbleibende Wirkung erzielt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita f\u00fchrt uns noch einmal zu der Gasse mit der merkw\u00fcrdigen Skulptur mit den Menschenk\u00f6pfen, \u00fcber die das Wasser durch eine Rinne nach unten flie\u00dft. Oben gibt es ein Zitat von Rilke: &#8220;Dass es mir zum Beispiel niemals zu Bewusstsein gekommen ist, wie viele Gesichter es giebt. Es giebt eine Menge Menschen, aber noch&nbsp;viel mehr Gesichter, denn jeder Mensch hat mehrere. Da sind Leute, die tragen ein Gesicht jahrelang. Nat\u00fcrlich nutzt es sich ab, es wird schmutzig, es bricht in den Falten, es weitet sich aus wie Handschuhe, die man auf der Reise getragen hat.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hermanita hat einen Fris\u00f6r entdeckt. Dort gibt es ein originelles Angebot: einen Haarschnitt f\u00fcr 15 \u20ac in 15 Minuten. Sollte der Fris\u00f6r l\u00e4nger brauchen, bekommt man Rabatt!<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist aber zu voll, eine ganze Reihe von Kunden wartet noch darauf, an die Reihe zu kommen, und so ziehen wir weiter. Wir gehen zum Essen tats\u00e4chlich in die <em>Stara Tislerija<\/em>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sitzt man gesch\u00fctzt im Innenhof, abseits des Verkehrs und abseits der Menschenmengen im Zentrum. Neben uns in Blumenk\u00e4sten Lavendel, Paprika, Chili.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erfahren, dass <em>tislerija<\/em> nicht \u201aTischlerei\u2018 hei\u00dft, sondern so was wie \u201aH\u00fctte\u2018. Die Verbindung zum deutschen Wort <em>Tischler<\/em> d\u00fcrfte trotzdem da sein, durch das Holz. Hier an dieser H\u00fctte war urspr\u00fcnglich eine Rastst\u00e4tte f\u00fcr Reisende, mit einer Versorgungsstation f\u00fcr Pferde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bestellen einen Salat, Feldsalat mit Bohnen und Ei, mit K\u00fcrbiskern\u00f6l angemacht, Strjulki und Bograc, eine Art Eintopf, der in einem sch\u00f6nen Kupferkessel serviert wird. Bograc ist urspr\u00fcnglich der Name dieses Kessels. Das Gericht enth\u00e4lt Fleisch, Gem\u00fcse und Kartoffeln und ist ein Gedicht: saftig, zart, schmackhaft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reise geht ihrem Ende entgegen. Wir haben Gl\u00fcck, f\u00fcr&#8217;s Wochenende ist auch f\u00fcr Deutschland gutes Wetter angesagt, sonnig und warm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Juni (Donnerstag) Hat Slowenien einen Zugang zum Meer? Gar nicht mal so leicht zu sagen. Eins ist klar: Man wei\u00df verdammt wenig \u00fcber dieses Land im Herzen Europas. Das soll sich \u00e4ndern in den n\u00e4chsten Tagen. 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