{"id":12211,"date":"2026-02-13T04:22:15","date_gmt":"2026-02-13T03:22:15","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=12211"},"modified":"2026-02-17T06:52:34","modified_gmt":"2026-02-17T05:52:34","slug":"castellon-2026","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=12211","title":{"rendered":"Castell\u00f3n (2026)"},"content":{"rendered":"\n<p>6. Februar (Freitag)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Castell\u00f3n tambi\u00e9n existe<\/em> oder so \u00e4hnlich lautet ein Ausspruch, der auf die (vermeintliche) Normalit\u00e4t, die Durchschnittlichkeit, die Profillosigkeit von Castell\u00f3n verweist, die es selbst in Spanien so unbekannt machen, dass man Zweifel an seiner Existenz haben k\u00f6nnte. Castell\u00f3n ist also wohl so was wie das spanische Bielefeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier wird Valenciano gesprochen, ein Dialekt des Katalanischen, wobei <em>gesprochen<\/em> nicht zu w\u00f6rtlich genommen werden sollte. Auf der Stra\u00dfe, in den Gesch\u00e4ften, in der Kirche h\u00f6rt man nur kastilisches Spanisch, aber viele Schilder sind zweisprachig und einige Inschriften nur auf Valenciano. Man versteht nicht immer alles, aber es macht Spa\u00df, sich daran zu versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Vermieterin, In\u00e9s, spricht auch kein Valenciano, genauso wenig wie ihre Tochter, die am Nachmittag kurz zu Besuch kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>In\u00e9s ist Argentinierin, lebt aber schon seit 43 Jahren in Spanien, zuerst in C\u00f3rdoba, sp\u00e4ter dann in Castell\u00f3n. Sie f\u00fchlt sich immer noch ganz als Argentiniern, ist in den vielen Jahren immer wieder nach Hause gereist, und im Flur h\u00e4ngt an der Wand eine argentinische Fahne.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollte eigentlich nicht nach Spanien, aber ihr chilenischer Verlobter und sp\u00e4tere Ehemann hat ihr die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder du kommst mit, oder wir sind geschiedene Leute. Sie ist ihm dann am Ende nachgefolgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen ist sie 93 und Uroma! Stolz erz\u00e4hlt sie von ihren Enkeln und deren Partnern. Ich verliere irgendwann die Orientierung, aber einer ist Koch in einem Hotel in Madrid, einer ist Pilot (bei Ryan Air) und einer ist Ingenieur und hat hier den Flughafen gebaut. Der Madrilene lebt mit seiner Frau in der Sierra. Da ist es ihr zu kalt, sie&nbsp; bevorzugt Castell\u00f3n.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag erz\u00e4hlt sie mir dann auch von ihrem Sohn, der erst auf Nachfrage auftaucht. Der ist auch Koch und betreibt ein spanisches Lokal irgendwo in Mittelamerika. Wo genau hat sie vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie selbst hat ihr Leben lang gearbeitet und Geld an die Seite gelegt, so lange, bis sie sich diese Wohnung kaufen konnte, im 11. Stock gelegen, mit Blick auf das H\u00e4usermeer und auf die aufgehende Sonne im Osten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich sie nach dem Weg ins Zentrum frage, sagt sie ganz bestimmt: Wir sind im Zentrum. Ganz stimmt das nicht, aber der Weg ist viel k\u00fcrzer, als es im Internet aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich um die Ecke ist ein Platz, die <em>Plaza Fadrell<\/em>. Hier steht die Statue eines Landarbeiters mit Hacke, und an einem Brunnen sind sehr&nbsp; valencianisch aussehende, bunte Kacheln angebracht, die vermutlich Szenen aus den D\u00f6rfern der Provinz darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Bar bekomme ich einen Kaffee mit Toast f\u00fcr unschlagbare 2,45 \u20ac. So wird mein Vorrat an Euros doch noch bis Mittwoch reichen.<\/p>\n\n\n\n<p>An dem gleich angrenzenden Platz mit dem merkw\u00fcrdigen Namen <em>Na Violant<\/em> wiederum Kacheln, diesmal ganze Szenen aus der Geschichte Castell\u00f3ns darstellend. Im Zentrum die Verleihung der Stadtrechte durch Jaime I. im 13. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist sonnig und warm, wenn auch nicht so warm, wie es die erste elektronische Anzeige haben will: 26\u00b0. Da scheinen mir die 17\u00b0 auf einer sp\u00e4teren Anzeige realistischer. Immerhin: Sp\u00e4ter strahlt die Sonne so sehr, dass eine Frau in einem Stra\u00dfencaf\u00e9 bei den Markthallen ihren Regenschirm als Sonnenschirm aufspannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg ins Zentrum f\u00e4llt mein Blick auf die Anzeigen im Schaufenster eines Immobilienmaklers: gro\u00dfe Wohnungen, zentral, oft mit zwei B\u00e4dern, f\u00fcr 150.000 bis 250.000 \u20ac. Gibt es da irgendwo einen Haken?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme am Theater vorbei, von 1892, zweist\u00f6ckig, neoklassisch, mit Arkaden im unteren Stockwerk. Auf dem Platz davor, der <em>Pla\u00e7a de la Pau<\/em>, ein sch\u00f6ner gl\u00e4serner Pavillon im Jugendstil.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur ein paar Meter weiter, an der <em>Puerta del Sol,<\/em> ein Geb\u00e4ude, gelb gefasst, mit Balkonen und Balustraden in den unterschiedlichen Stockwerken,&nbsp; das wie ein Rathaus aussieht, aber keins ist. Es ist das ehemalige Casino, heute Sitz der Rotarier und an der Seite, eines Gartenrestaurants. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Eindruck von Castell\u00f3n ist ausgesprochen positiv, die Innenstadt ist mehr als ansehnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme zu den Markthallen. Die werden gegenw\u00e4rtig renoviert, drinnen sieht man ein paar Handwerker. Entlang der Markthallen an zwei Seiten Stra\u00dfencaf\u00e9s, beinahe voll besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber eine Blumenwand, in die das Wort Castell\u00f3n eingelassen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben eine Plakatwand, die auf die bevorstehenden Karnevalsz\u00fcge hinweist, mit genauem Verlauf und genauen Zeiten. Dar\u00fcber steht <em>Carnestoltes 2026<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann er\u00f6ffnet sich vor einem der zentralste und sch\u00f6nste Platz Castell\u00f3ns, die <em>Pla\u00e7a Mayor<\/em>. An einer L\u00e4ngsseite die andere Flanke der Markthallen, an einer Querseite die Kathedrale und gegen\u00fcber das Rathaus, und in der Mitte ein sch\u00f6ner, zweischaliger Brunnen, dessen Wasser in der Sonne gl\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ganze Aufmerksamkeit lenkt aber der <em>Fadr\u00ed<\/em> auf sich, das Wahrzeichen Castell\u00f3ns, an einer Ecke des Platzes angesiedelt. Schon bevor ich auf den Eingang zusteuere, sprechen mich zwei M\u00e4nner an: vor\u00fcbergehend geschlossen. Auch hier wird renoviert. Das erspart mir den Aufstieg \u00fcber gut 200 Stufen bis ganz nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Fadr\u00ed<\/em>, auf das 15. Jahrhundert zur\u00fcckgehend,&nbsp; ist ein Glockenturm. Er geh\u00f6rt zur Kirche, steht aber isoliert, und das erkl\u00e4rt auch seinen Namen: <em>Fadr\u00ed<\/em> bedeutet \u201aJunggeselle\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Fadr\u00ed<\/em> ist achteckig, hat f\u00fcnf nach oben hin sich leicht verj\u00fcngende Stockwerke, mit Wasserspeiern und Schalll\u00f6chern im oberen Stockwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf hat man noch ein T\u00fcrmchen gesetzt, ein Wachturm. Von hier aus wurde das Meer beobachtet und auf die Gefahr m\u00f6glicherweise heranr\u00fcckender Piraten abgesucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche, Santa Mar\u00eda, ist ein Neubau aus dem 19. Jahrhundert, erbaut auf den Grundmauern der alten Kirche. Der Vorg\u00e4ngerbau wurde im Spanischen B\u00fcrgerkrieg zerst\u00f6rt. Die Gestaltung der Fassade ist ungew\u00f6hnlich, eher eklektisch, als neugotisch h\u00e4tte ich h\u00f6chstens ein paar Details identifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Innen der Eindruck auf den ersten Blick alles andere als berauschend. Wenn man l\u00e4nger hinguckt, gibt es aber ein paar sch\u00f6ne Details zu entdecken: ein achteckiges marmornes Taufbecken, ein an der Wand angebrachtes Wagenrad mit Schellen, ein paar sch\u00f6ne Messingleuchter, ein \u00d6lgem\u00e4lde von Josephs Tod in der Gegenwart von Maria und Jesus, eine apokryphe Szene, die in der Bibel nicht vorkommt. Da verschwindet er irgendwann einfach von der Bildfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Chor der (bescheidene) h\u00f6lzerne Bischofsthron. Die Kirche, eigentlich Pfarrkirche, wurde irgendwann in den Rang einer Ko-Kathedrale erhoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann \u00f6ffnet sich, ganz unerwartet, neben dem Chor die T\u00fcr zu einem Raum, der \u00fcberhaupt nicht einzuordnen ist. Wenn es ein Kloster w\u00e4re, w\u00fcrde man auf Kreuzgang tippen, aber dazu ist der Raum zu klein und hat \u00fcberhaupt keine religi\u00f6sen Bez\u00fcge. Er ist achteckig, mit sch\u00f6nen Arkaden, lichtdurchflutet und steht voller \u00fcppiger Pflanzen. Das wird zu einem der sch\u00f6nsten Photos der Tage in Castell\u00f3n. Als ich am n\u00e4chsten Tag noch mal in die Kirche komme, ist dieser r\u00e4tselhafte Raum verschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe raus und schnurstracks in die Touristeninformation. Vor mir ein deutscher Handwerker, der sich auf der Walz befindet. Er spricht Englisch mit der netten Frau hinter dem Tresen. Sie bedient mich anschlie\u00dfend mit viel Geduld und stattet mich mit vielen Materialien aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder auf der <em>Pla\u00e7a Mayor<\/em>, sehe ich mir das Rathaus an, das sch\u00f6nste Geb\u00e4ude des Platzes, klassizistisch-elegant, mit sechs Arkaden unten, einem Obergeschoss mit sechs hohen Fenstern und schmalen Balkonen und einem weiteren Geschoss mit niedrigen Fenstern, ganz oben eine Br\u00fcstung.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Dach wehen die Fahnen von Spanien, Valencia, Castell\u00f3n und der Europ\u00e4ischen Union. Castell\u00f3n ist neben Valencia und Alicante eine der drei Provinzen der <em>Comunidad Valenciana<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich nehme mir angesichts des guten Wetters vor, noch bis zum Hafen zu laufen. Sieht auf der Karte machbar aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht immer die schnurgerade verlaufende Avenida del Mar entlang. In ihrem ersten Teil k\u00f6nnte sie auch in jeder anderen spanischen Stadt stehen, ist aber sehr gepflegt und weist ein paar sehenswerte Geb\u00e4ude neben den vielen allt\u00e4glichen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele der Bauten haben sch\u00f6ne Kacheln mit den Hausnummern, darunter die A1.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gibt es den Sitz des Verteidigungsministeriums. Hat Valencia ein eigenes Verteidigungsministerium? In dem Fenster steht immer noch eine figurenreiche&nbsp; Weihnachtskrippe, und oben gibt es eine Ausstellung mit dem Titel <em>Star Wars<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber spiegeln sich die Geb\u00e4ude dieser Seite in der Glasfassade eines modernen Hauses.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann verbreitet sich die Avenida del Mar. Sie wird sechsspurig, aber es gibt gar nicht viel Autoverkehr. Die sechs Spuren sind au\u00dferdem getrennt durch breite Fu\u00dfwege und Radwege sowie eine breite Busspur in der Mitte. Dort verkehrt die Tram. Das Wort hat in der Touristeninformation f\u00fcr ein Missverst\u00e4ndnis gesorgt, denn hier bezeichnet es keine Stra\u00dfenbahn, sondern den Oberleitungsbus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg zieht sich hin. Etwas von der Stra\u00dfe entfernt, reiht sich ein Markt an den anderen, Baum\u00e4rkte, , M\u00f6belm\u00e4rkte, Lebensmittelm\u00e4rkte, darunter ein Lidl, der hier aber neben den Riesen ein Winzling ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Beine werden m\u00fcde, aber fragen kann man hier niemanden. Bis am Ende eine Joggerin auftaucht. Die halte ich unbarmherzig an. Sie erkl\u00e4rt mir mit einem gewinnenden L\u00e4cheln, dass der Weg zu Fu\u00df bis zum Hafen doch etwas weit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Also gehe ich zur\u00fcck zu einer futuristisch aussehenden Haltestelle der Tram. Der Bus l\u00e4sst nicht lange auf sich warten. Er hat einen Hybridantrieb und kommt fast lautlos angefahren. Er hat durchgehend, auch im Zentrum, seine eigene, breite Spur, wird nirgendwo aufgehalten. Der Fahrpreis betr\u00e4gt 1,05 \u20ac.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich steige im Zentrum irgendwo auf gut Gl\u00fcck aus. Dabei komme ich an den Rand des <em>Parque Ribalta<\/em> und das Monument, das <em>La Farola<\/em> hei\u00dft, eigentlich nichts anderes als eine alte (aufwendig gestaltete), gusseiserne Stra\u00dfenlaterne. Irgendwie gewinnt sie bei n\u00e4herem Hinsehen, auch deshalb, weil hinter ihr drei, vier sch\u00f6ne schmale, sehr unterschiedliche H\u00e4user stehen, die man grob gesprochen dem Jugendstil zuordnen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuf\u00e4llig sehe ich die Speisekarte vor einem Lokal, dem <em>Restaurante Zamorano<\/em>. Kurz entschlossen gehe ich rein. Ich brauche es nicht zu bereuen. Die Bedienung ist sehr freundlich, man kann bei den verschiedenen G\u00e4ngen ausw\u00e4hlen, und das Essen ist hervorragend. Es gibt ein dreig\u00e4ngiges Menu mit zwei Vorspeisen), einem Appetit-H\u00e4ppchen aus der K\u00fcche und Wein f\u00fcr unschlagbare 12,99 \u20ac! Als Vorspeisen gibt es R\u00fchrei mit Pilzen und Schinkenr\u00f6llchen mit Kartoffelsalat, als Hauptgericht <em>Secreto Ib\u00e9rico<\/em> und als Nachspeise Mandelt\u00f6rtchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sprachliche Kuriosit\u00e4t nehme ich noch ein Missverst\u00e4ndnis mit. Als ich die Kellnerin nach dem <em>almuerzo<\/em> frage und dabei das in S\u00fcdamerika g\u00e4ngige Wort benutze, ist die Kellnerin verwirrt. Ob ich <em>comida<\/em> meine. Ja. Sp\u00e4ter stellt sich heraus, dass man in dieser Gegend unter <em>almuerzo<\/em> was anderes versteht, n\u00e4mlich ein sp\u00e4tes, kr\u00e4ftiges Fr\u00fchst\u00fcck, das am Wochenende serviert wird, meist mit Wein oder Bier.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>7. Februar (Samstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Stra\u00dfe ist nach Manuel de Falla, dem Komponisten, benannt, dem Autor so wunderbarer Werke wie <em>El sombrero de tres picos<\/em>. Der scheint aber mit Castell\u00f3n nichts zu tun zu haben. Er wurde in C\u00e1diz geboren, lebte lange in Madrid und starb im Exil in Argentinien.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder ein sch\u00f6ner sonniger Tag, wenn auch nicht ganz so warm wie gestern.<\/p>\n\n\n\n<p>An der <em>Pla\u00e7a Fadrell<\/em>, wo ich diesmal in einer anderen Cafeteria einen Kaffee bekomme, fallen mir jetzt die Mandarinenb\u00e4umchen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch Zufall komme ich auf die Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Namen <em>Na Violant<\/em> f\u00fcr den benachbarten Platz. <em>Violant<\/em> ist die valencianische Form von <em>Yolanda<\/em>, und die w\u00f6rtliche Bedeutung von <em>Yolanda<\/em> ist \u201aviolett\u2018. Hier bezieht es sich auf die ungarische Prinzessin, die mit Jaime I., dem \u201eGr\u00fcnder\u201c von Castell\u00f3n, verheiratet war. Hier auf dem Platz steht eine B\u00fcste von ihr.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Theater an der <em>Pla\u00e7a de la Pau<\/em> f\u00e4llt mir eine Skulptur ins Auge, ein \u00fcberdimensionaler Bass, halb realistisch, halb surrealistisch. Seine Saiten sind mit einem LED-System ausger\u00fcstet und leuchten in der Dunkelheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum, gleich hinter der Touristeninformation, sehe ich jetzt auch die <em>Lonja<\/em> <em>del C\u00e1\u00f1amo<\/em>, ein kurioses rechteckiges, \u00fcber Eck gehendes Geb\u00e4ude mit zwei Stockwerken, die sich deutlich unterscheiden. Tats\u00e4chlich ist das obere sp\u00e4ter draufgesetzt worden. Unten eine offene Fassade mit zwei gro\u00dfen B\u00f6gen, oben eine geschlossene Fassade mit Malereien.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist es ein Kulturzentrum, fr\u00fcher war es die B\u00f6rse, an der der Hanf gehandelt wurde, einem der wirtschaftlichen Motoren von Castell\u00f3n. Aus dem Hanf, bei dem wir heute an Cannabis denken, wurden fr\u00fcher Seile hergestellt, aber aus der Pflanze wurde auch \u00d6l, Papier und Textilien gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der kleinen Passage zwischen Kirche und Touristeninformation stehen zwei Skulpturen, ein Engel und eine stillende Frau. Der Engel, ein Schutzengel mit Fl\u00fcgeln, breitet seine Arme aus und wirkt beinahe k\u00f6rperlos. Die stillende Frau, das Baby auf dem Arm, das sie an die entbl\u00f6\u00dfte Brust f\u00fchrt, ist das Gegenteil, ganz sinnlich. Der angewinkelte Oberschenkel l\u00e4sst die Details des Faltenwurfs ihres Kleides gut erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich suche das ehemalige Post- und Telegraphengeb\u00e4ude, das heute \u2013 Gott sei es geklagt \u2013 leer steht. Dabei ist es so ein sch\u00f6nes Geb\u00e4ude, aus unverputztem Ziegelstein, versetzt mit Keramikst\u00fcckchen, mit T\u00fcrmchen und Zinnen und den Emblemen der spanischen Post. Von der Seite fast genauso sch\u00f6n anzusehen wie von vorne.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem schmalen Streifen zwischen den Fahrspuren neben dem Postgeb\u00e4ude entdecke ich eine weitere Skulptur. Sieht auf den ersten Blick aus wie ein M\u00e4nnlein aus der Schokoladenwerbung, hat es aber in sich. Auf dem Kopf tr\u00e4gt die Figur drei B\u00fccher, und die zeichnen ihn als Denker aus. So hei\u00dft die Skulptur dann auch: <em>El Pensador<\/em>. Der Gesichtsausdruck ist nachdenklich, und vor die Stirn hat das M\u00e4nnlein den Zeigefinger, in Denkerpose gelegt. Aber wenn man sich die Figur von der anderen Seite ansieht, entdeckt man, im wahrsten Sinne des Wortes, eine andere Seite. Hier sieht man das M\u00e4nnlein mit einem offenen L\u00e4cheln und einem Herz auf einer Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich \u00fcber die gr\u00fcne Fu\u00dfg\u00e4ngerampel gehe, werde ich fast von einem unvorsichtigen Auto angefahren. Es ist ein Polizeiauto.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder genie\u00dfe ich die freundliche, gelassene Atmosph\u00e4re der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe ein Optikergesch\u00e4ft mit dem Namen <em>Gafas<\/em> (w\u00e4re in Amerika undenkbar) und eine Bar mit dem Namen <em>Barriga<\/em>. Auf einer Papiertonne steht&nbsp; <em>Tu papel es importante<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe des Nachmittags zieht es sich etwas zu, aber es bleibt warm.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe durch den gro\u00dfz\u00fcgig angelegten <em>Parque<\/em> <em>Ribalta<\/em>, mit zugeschnittenen Hecken, riesigen B\u00e4umen, Keramikb\u00e4nken, einem Musikpavillon, &nbsp;einem Obelisken und zahlreichen Statuen. Der Park ist nach dem barocken Maler benannt, von dem man annahm, dass er in Castell\u00f3n geboren wurde. Leider erwies sich das im Laufe des 20. Jahrhunderts als unwahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sind kaum Leute unterwegs, und noch weniger sind es an dem angrenzenden riesigen&nbsp; Busbahnhof. Eine Informationsstelle ist nicht zu finden. An einem etwas d\u00fcsteren Eingang steht ausdr\u00fccklich, dass es nur Informationen zu Rum\u00e4nien gebe. Das ist nicht das erste Mal, dass hier Rum\u00e4nien auftaucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Also versuche ich es am Bahnhof, der liegt gleich dahinter. Hier bin ich vorgestern Abend nach einer langen Reise angekommen und stecken geblieben, weil der Taxifahrer, der an der Reihe war, sich weigerte, mich zu der Unterkunft zu fahren. Er habe lange genug in der Schlange gestanden und habe keine Lust auf so eine kurze Strecke.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bahnhofsgeb\u00e4ude ist ganz modern und riesengro\u00df, aber die Auskunftsstelle sieht eher etwas \u00e4rmlich aus. Die Frau hinter dem Schalter ist allerdings sehr freundlich. Hat aber schlechte Nachrichten f\u00fcr mich: Am Mittwoch wird gestreikt. Ich solle mir besser eine andere Transportm\u00f6glichkeit suchen, wenn ich zum Flughafen wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Unverrichteter Dinge trete ich den Heimweg an. Mit dem Bus in die Stadt und dann zu Fu\u00df nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche mein Gl\u00fcck in der Bar Angela, dem rum\u00e4nischen Lokal gegen\u00fcber der Unterkunft, und siehe da, an einem der Tische sitzt In\u00e9s mit einer Freundin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lokal ist klein und gut besetzt, aber ein Katzentisch ist noch frei. Ich bekomme Kohlrouladen und ein rum\u00e4nisches Bier. In Ordnung, aber nichts im Vergleich zu gestern.<\/p>\n\n\n\n<p>8. Februar (Sonntag)<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich aus dem Haus gehe, ist es kalt, aber &nbsp;sonnig.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der <em>Pla\u00e7a Fadrell<\/em> findet ein Markt statt. Das muss der <em>Mercado de la Toronja<\/em> sein, von dem ich was gelesen habe. Viele kleine St\u00e4nde, von Menschen betrieben, die das Obst selbst anbauen. Es gibt nur Zitrusfr\u00fcchte: Apfelsinen, Mandarinen, Pampelmusen, Limonen, Zitronen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verk\u00e4ufer bieten mir an, was zu probieren, aber ich entscheide mich f\u00fcr das Ungesunde: <em>Chocolate con churros<\/em>. Ich kaufe eine Portion und setzte mich auf eine Bank und beobachte das Markttreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg in die Stadt komme ich an einer Brunnenskulptur vorbei. Man sieht eine Frau, die, sich auf einen Oberschenkel st\u00fctzend, aus einem Brunnen Wasser sch\u00f6pft, so wie man das fr\u00fcher m\u00fchselig machen musste.&nbsp; Das Wasser l\u00e4uft sch\u00f6n \u00fcber den Rand des Kruges in den Brunnen, aber der Krug f\u00fcllt sich auf geheimnisvolle Weise immer wieder. Der Blick der Frau geht gedankenverloren in die Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann komme ich an der Statue von Jaime I.&nbsp; vorbei, hoch auf einem Sockel stehend, in mittelalterlicher K\u00f6nigstracht \u2013 oder dem, was das 19. Jahrhundert daf\u00fcr hielt. So \u00e4hnlich wurde bei uns Kaiser Barbarossa dargestellt. Jaime \u00fcberreicht mit strengem Blick und gebieterischer &nbsp;Geste seinen (unsichtbaren) Untertanen eine Schriftrolle,&nbsp; das Privileg zur Ansiedlung an diesem Ort.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme zu dem unterirdischen Luftschutzbunker, den ich besichtigen will. Die eiserne Klappe ist ge\u00f6ffnet, aber der Zugang nach unten ist gesperrt. Dabei habe ich doch gelesen, dass&nbsp; heute ab 10 Uhr ge\u00f6ffnet ist. Am Ende kommt eine Frau und sagt, es finde gerade eine F\u00fchrung statt. Sie bittet mich, um 11 Uhr wiederzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe weiter Richtung Innenstadt und komme dabei an einer Seitengasse vorbei, die <em>Papa Luna <\/em>hei\u00dft. Damit ist Papst Benedikt gemeint, der, der vom Konstanzer Konzil abgesetzt wurde , aber bis zu seinem Lebensende den Anspruch aufrechterhielt, der rechtm\u00e4\u00dfige Papst zu sein, auch noch, als er sich l\u00e4ngst nach Pe\u00f1\u00edscola, gar nicht weit von hier,&nbsp; zur\u00fcckgezogen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir kommen Leute mit sportlicher Kleidung und Startnummern entgegen. Ein Marathon? Nein, an den Trikots kann man es ablesen: Es findet die <em>Marcha contra el Cancer<\/em> satt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber einem Nebenportal der Kathedrale entdecke ich jetzt eine sch\u00f6ne, kleine, ganz hieratische Marienfigur. Jungfrau und Kind richten ihre Blicke streng auf den Betrachter.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird von Minute zu Minute w\u00e4rmer und sonniger. An den Markthallen angekommen sehe ich jetzt, dass an der Blumenwand, an der vorne <em>Castell\u00f3n<\/em> steht, hinten <em>Castell\u00f3<\/em> steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dahinter ein sch\u00f6ner Marmorbrunnen. Zwei Nymphen, nur ganz leicht mit einem Tuch bekleidet, halten, in t\u00e4nzerischer Haltung, die obere Brunnenschale.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders, auf Stra\u00dfenniveau, die Bronzefigur einer Frau, die gerade vom Einkauf kommt. Sie hat Brote in einem Korb und h\u00e4lt Fr\u00fcchte in der anderen Hand. Ihre Kleidung, eher schick als b\u00e4uerlich, ist genau gezeichnet. Man erkennt jeden Knopf des Mantels.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es wieder zu dem Luftschutzbunker. Jetzt kann man ihn besichtigen. Ich bin ganz alleine dort.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bunker stammt aus der Zeit des Spanischen B\u00fcrgerkriegs. Castell\u00f3n geh\u00f6rte zum Hinterland der Republikaner, und obwohl es nicht im Zentrum der Feindseligkeiten stand, wurde es immer wieder angegriffen, insgesamt 43-mal, bis es 1938 in die H\u00e4nde der Faschisten fiel. Dies war eine neue Form der Kriegsf\u00fchrung, eine, die inzwischen Schule gemacht hat. Es ging darum, die Zivilbev\u00f6lkerung durch st\u00e4ndige Angriffe m\u00fcrbe zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab private und \u00f6ffentliche Luftschutzbunker. Dies ist einer der wenigen \u00f6ffentlichen, die nicht sp\u00e4ter zu Tiefgaragen oder \u00c4hnlichem umgebaut wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Bunker bot ca. 200 Personen Schutz. Er verl\u00e4uft nicht geradeaus, hat zwei oder drei Abbiegungen und teils auch unterschiedliches Niveau. Das ist, wie man erf\u00e4hrt, vorteilhaft, sowohl als Schutz vor Bomben als auch vor eindringendem Gas.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab immer zwei Eing\u00e4nge, auch das war absichtlich so gemacht. Vermutlich, um eine M\u00f6glichkeit offen zu lassen, wenn ein Eingang zugesch\u00fcttet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab immer wieder Gedr\u00e4nge und auch Reibereien beim Einstieg in den Bunker, so dass man sp\u00e4ter auch Wachposten anstellte, die im Zweifelsfalle f\u00fcr Ordnung sorgten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch von Latrinen ist die Rede, aber sehen tut man hier keine.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem der G\u00e4nge sieht man Figuren von einer Gruppe von Menschen, die hierher gefl\u00fcchtet waren, zwei Frauen, zwei Kinder, ein alter Mann mit Stock. Die mussten auch erst einmal die steilen Treppen hier runter kommen, ihren Platz finden und dann die Ungewissheit aushalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende eines anderen Ganges werden Photos und Filmszenen aus der Zeit gezeigt, vor allem von Menschen, die beim Sirenenklang \u00fcber die Stra\u00dfe rennen, um zum Luftschutzbunker zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt auch Einspielungen von Zeitzeugen, meist Frauen. Die berichten \u00fcber ihre gl\u00fcckliche Kindheit, die mit dem Ausbruch des Kriegs ein j\u00e4hes Ende fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Zeitzeuge berichtet von einer schwangeren Frau mit einem kleinen Kind, die durch einen Eingang in den Luftschutzbunker gelangte. Sie glaubte, ihr Mann w\u00e4re durch den anderen Eingang reingekommen, fand ihn hier aber nicht vor. Als sie dann wieder nach oben kamen, fanden sie den Mann tot auf der Stra\u00dfe liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Aufnahme sieht man einen Bomber mit Hakenkreuz. Nazi-Deutschland war, genauso wie das Italien Mussolinis, auf Seiten der Rechten im Einsatz und verhalf ihr zum Sieg. G\u00f6ring wird zitiert mit dem Satz, der Spanische B\u00fcrgerkrieg habe ihm eine gute Gelegenheit geboten, seine junge Luftwaffe auf die Probe zu stellen und f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Aufgaben zu r\u00fcsten.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den menschlichen Opfern gab es auch materielle Opfer: Fabriken, Eisenbahnlinien, Erd\u00f6ldepots. Dazu \u00fcber 200 zerst\u00f6rte und 200 besch\u00e4digte Privath\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Film h\u00f6rt man Zeitzeugen, die sagen, der Krieg sei die d\u00fcmmste, die verheerendste, die entsetzlichste, die absto\u00dfendste Sache auf der Welt. Wie wahr. Aber die Menschheit scheint nicht davon loszukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe am anderen Ende des Bunkers hinaus und sto\u00dfe direkt auf die <em>Marcha contra el C\u00e1ncer<\/em>. Es sind Hunderte, vielleicht Tausende unterwegs, einige laufen, aber die meisten gehen. Am Rande des <em>Parque Ribalta<\/em> werden sie von einer Trommlergruppe angetrieben, die mitrei\u00dfende, schnelle Rhythmen spielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n zu h\u00f6ren, aber es bedeutet auch, dass die Innenstadt f\u00fcr den Autoverkehr gesperrt ist. Das bedeutet f\u00fcr mich, dass ich nicht die Tram zum Hafen nehmen kann, hier jedenfalls nicht. Ich solle es au\u00dferhalb der Innenstadt versuchen, r\u00e4t mir ein Polizist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg sto\u00dfe ich auf eine Nachtw\u00e4chterstatue, auf den ersten Blick nichts Besonderes. Aber es lohnt sich, genauer hinzusehen, dann beginnt man, die ganzen Details zu sch\u00e4tzen: die Laterne, die neben ihm auf dem Boden steht, den Schl\u00fcsselbund, den der an einem G\u00fcrtel tr\u00e4gt, den anderen Schl\u00fcsselbund, den er an einer Schlaufe am Arm tr\u00e4gt, die zum Gru\u00df an die M\u00fctze gef\u00fchrten Finger, die Schn\u00fcrsenkel der Schuhe, die Lachfalten um die Augen herum.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann f\u00e4llt mein Blick auf ein Gesch\u00e4ft mit dem Namen P R N T S I S. Man erg\u00e4nzt die fehlenden Buchstaben unwillk\u00fcrlich. Ich gucke durch die Schaufensterscheibe, um herauszufinden, um was f\u00fcr ein Gesch\u00e4ft es sich handelt. Vermutlich eine B\u00e4ckerei.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann komme ich wieder zu der futuristischen Haltestelle auf der Avenida del Mar, und die Tram bringt mich nach Grau, dem Hafenviertel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz sch\u00f6ne, gelassene Atmosph\u00e4re, viel Betrieb in den Chiringuitos, die meist Fisch und Meeresfr\u00fcchte anbieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Jachten liegen dicht an dicht im Wasser, daneben Segelschiffe, alle ohne Segel, im Ruhezustand, dahinter sieht man die Hafenkr\u00e4ne.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Uferpromenade ein alter Leuchtturm, und auch hier verschiedene Bronzeskulpturen von Alltagsmenschen: eine Seemannsfrau, Kind auf dem Arm, winkt ihrem abfahrenden Mann hinterher, Kinder machen Bockspringen, ein Fischer wirft ein Netz aus, eine Fischersfrau flickt ein Netz. Auch hier die Details wirklich wunderbar ausgearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>An den Toiletten steht das Wort <em>Aseos<\/em>, so formal, dass es in der gesprochenen Sprache praktisch nicht vorkommt, genauso wie <em>Servicios<\/em>, das man auch oft liest.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Himmel zieht sich langsam zu, pr\u00e4sentiert aber mit der Verbindung von hellen und dunklen Wolken und wolkenlosen Stellen einen sch\u00f6nen Anblick.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem R\u00fcckweg sitzen in der Tram zwei Frauen vor mir, die eine fremde Sprache sprechen. Ich bin mir nicht sicher, habe aber einen Verdacht, und die best\u00e4tigen ihn: Es ist Rum\u00e4nisch. Man muss etwas l\u00e4nger hinh\u00f6ren, um zu merken, dass es sich um eine romanische Sprache handelt, und darf sich nicht durch die slawischen Elemente verwirren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe in den Tagen hier Rum\u00e4nisch, Ukrainisch und Arabisch geh\u00f6rt, aber immer noch kein Valenciano.<\/p>\n\n\n\n<p>9. Februar (Montag)<\/p>\n\n\n\n<p>Am fr\u00fchen Morgen regnet es so heftig, dass ich davon wach werde. Die Wettervorhersage l\u00e4sst auch nichts Gutes vermuten. Aber als ich aus dem Haus gehe, hat es aufgeh\u00f6rt, zu regnen, und bald kommt die Sonne raus. Dann wird es doch noch ein ganz sch\u00f6ner Tag. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mache einen Spaziergang zur Bas\u00edlica de Santa Mar\u00eda del Lledo, der Patronin von Castell\u00f3n. Komme dabei durch eine weitere h\u00fcbsche, bisher unbekannte kleine Stra\u00dfe im Zentrum, und dann auf einen Platz, wo ein Jahrhundertbaum steht, der Ficus Centenario. Dessen Baumkrone ist so gro\u00df, dass sie fast den halben Platz bedeckt. Das Laub ist ganz dicht, der Stamm&nbsp; verzweigt sich schon einen Meter \u00fcber dem Boden, die Wurzeln liegen dicht \u00fcbereinander an der Oberfl\u00e4che, und von den \u00c4sten werden neue Verzweigungen nach unten getrieben, auf die sich der Baum auch aufst\u00fctzt. Er braucht keine k\u00fcnstlichen St\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Eingang des breiten Weges zur Basilika werden eindringlich die Vorschriften zur Benutzung von E-Rollern genannt und illustriert: nur eine Person, Mindestalter, H\u00f6chstgeschwindigkeit, keine Kopfh\u00f6rer, kein Handy, nur Radwege befahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fu\u00dfweg, von gestutzten Platanen begrenzt, f\u00fchrt schnurstracks zur Basilika hin, deren Turm man in der Ferne erahnen kann. Neben dem breiten Fu\u00dfweg ein ebenso breiter Fahrradweg, und nur eine Spur f\u00fcr Autos. Am Rand des Weges ein Park und ein Spielplatz und zahlreiche Stra\u00dfencaf\u00e9s. Da l\u00e4sst es sich gut spazieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der H\u00e4lfte der Strecke steht Tombatossals, ein Riese aus der Entstehungslegende von Castell\u00f3n. Die Figur ist \u00fcber 20 Meter hoch und besteht ganz und gar aus Eisenplatten, die mit dem Hammer bearbeitet wurden. Man erkennt ein paar Schlaufen, aber ob Tombatossals eine Uniform tr\u00e4gt oder ob das seine raue Haut ist, kann man nicht ausmachen. Er steht breitbeinig da und h\u00e4lt einen Felsbrocken zwischen den erhobenen Armen. Der Legende nach ist er einer von drei Giganten, die die Gr\u00fcndung Castell\u00f3ns erm\u00f6glichten. Seine Aufgabe war es, die Berge zu beseitigen und so ein Tal f\u00fcr die Ansiedlung zu schaffen. Dass die Legende ihren wahren Kern hat, sieht man, wenn man weiter Richtung Meer kommt und eine ganze Kette von nackten Bergen sieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein netter Marokkaner, der kaum Spanisch spricht, bietet an, ein Photo von mir vor dem Riesen zu machen. Nehme ich gerne an. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kommt noch eine Skulptur, das genaue Gegenteil des Riesen,&nbsp; konventionell, niedrig, aus Stein, einen Bauer darstellend, der mit seinem Ochsengespann das Feld pfl\u00fcgt. Die erschlie\u00dft sich mir erst \u00fcberhaupt nicht, aber sp\u00e4ter, in der Basilika, soll ich erfahren, was es damit auf sich hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Basilika, <em>Nuestra Se\u00f1ora del Lled\u00f3<\/em>, befindet sich auf einem breiten, von einem M\u00e4uerchen umgebenen Platz mit B\u00e4umen, Laternen und B\u00e4nken. Es ist warm genug, um sich einen Moment hinzusetzen und sich umzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Basilika, in ihrer heutigen Form im 18. Jahrhundert auf Vorg\u00e4ngerbauten errichtet, klassizistisch, in gedecktem Wei\u00df gehalten, hat einen mehrstufigen durchbrochenen Glockengiebel \u00fcber dem Eingang und eine mit glasierten blauen Kacheln verzierte Kuppel \u00fcber der Vierung. Das Eingangsportal, ganz im Stile der Renaissance, stammt noch aus der Vorg\u00e4ngerkirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Quer zur Kirche ein eckiges Geb\u00e4ude, m\u00f6glicherweise das Haus des Priors, verdeckt einen Teil der Fassade der Kirche. Sieht merkw\u00fcrdig aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Innen erschl\u00e4gt einen die barocke Pracht und die \u00dcberf\u00fclle der Ausstattung. Man muss Geduld haben, um das eine oder andere Detail zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6rt ein ganz ungew\u00f6hnliches Relief von Jesus in der Werkstatt mit seinem Vater, mit Werkzeugen und Erzeugnissen an der Wand h\u00e4ngend, irgendwie naiv dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt einen Petrus mit den Schl\u00fcsseln und einen Bartholom\u00e4us mit dem Messer, mit dem ihm die Haut abgezogen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder treffe ich auf das Ochsengespann, gleich zweimal, einmal aus Bronze, einmal aus Stein, beide in kleinerem Format. Was haben die hier zu suchen? Ganz einfach, ein Bauer hat, der Legende nach, im Jahre 1366 beim Pfl\u00fcgen die Statuette der Jungfrau gefunden. Die ist nur mickrige 6 Zentimeter gro\u00df und jetzt in der Nische am Altar kaum zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut erkennen kann man die vier P\u00e4pste, deren Portr\u00e4ts in den Seitenschiffen, nahe des Altars h\u00e4ngen, alle im selben Format, alle ohne k\u00fcnstlerischen Wert. Aber alle haben etwas mit dem heutigen Rang, der heutigen Geltung der Basilika zu tun: Pius IX., Johannes XXIII., Johannes Paul II., Benedikt XVI. Unter einem von ihnen ist die Kirche in den Rang einer Basilica minor erhoben worden. Tintinnabulum und Conopeum stehen als Zeugnis daf\u00fcr im Chor.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Hinausgehen f\u00e4llt mir ein Opferstock auf, bei dem man seine Spende nur elektronisch leisten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem R\u00fcckweg mache ich Halt in einem Caf\u00e9 und vergesse beim Hinausgehen den wunderbaren Stadtplan, den ich in der Touristeninformation bekommen habe. Den soll ich noch schwer vermissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder im Zentrum angelangt entdecke ich beim Umkreisen der Kathedrale die Skulptur eines Malers, eines Hobbymalers, der oft an dieser Stelle stand und Geb\u00e4ude aus der Umgebung malte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er steht vor seiner Staffelei, auf der sieht man in Umrissen den Fadr\u00ed, zu seinen F\u00fc\u00dfen liegen Malutensilien. Ganz wunderbar ist der Kopf des Malers dargestellt, mit dichtem Haupthaar, einem buschigen Schn\u00e4uzer, Denkerfalten auf der Stirn und einem gewinnenden, freundlichen Gesichtsausdruck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls verstehe ich jetzt die andere Skulptur, ganz in der N\u00e4he, vor der <em>Lonja del C\u00e1namo<\/em>. Es ist eine Hand, die einen Ball umschlie\u00dft. Die Skulptur bezieht sich auf die <em>Pilota Valenciana<\/em>, einen in dieser Region beliebten Ballsport. Die Skulptur h\u00e4lt den Moment h\u00f6chster Konzentration fest, in dem der Ball, ein Lederball, etwas gr\u00f6\u00dfer als ein Tennisball, unmittelbar vor dem Wurf, fest umschlossen wird. Man sp\u00fcrt die Konzentration des Spielers f\u00f6rmlich, obwohl man nur eine Hand, von einem Lederriemen umg\u00fcrtet, sieht. In den letzten Tagen habe ich immer etwas ratlos vor dieser Skulptur gestanden, zumal die Hand aus irgendwelchen Gr\u00fcnden auf einer Wasseroberfl\u00e4che liegt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder genie\u00dfe ich beim Umherstreifen die sch\u00f6ne Atmosph\u00e4re der Stadt. Hier geht es gelassen zu, und trotzdem lebendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Platz vor der alten Post sind fast alle Pl\u00e4tze in den Stra\u00dfencaf\u00e9s besetzt. Einige der Tische haben als St\u00fctze ein altes Fahrrad. Auch eine Form von Recycling.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ebenfalls beliebter Platz und Treffpunkt, vor allem f\u00fcr Eltern mit Kindern, ist die <em>Plaza Huerto Sogueros<\/em>, obwohl die ihn begrenzenden Hochh\u00e4user keine Sch\u00f6nheit sind. Hier gibt es Kletterger\u00e4te f\u00fcr Kinder, und im Boden sind die Quadrate f\u00fcr das H\u00fcpfspiel Himmel und H\u00f6lle eingelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beherrscht wird der Platz aber von den hoch \u00fcber uns schwebenden, riesengro\u00dfen bunten H\u00e4nden, um ein Rad herum angebracht. Sie spielen an auf die Kinder, die hier, wo das Zentrum der Hanf-Herstellung war, die R\u00e4der in Bewegung hielten, w\u00e4hrend andere die Seile herstellten.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen habe ich mir f\u00fcr die Abfahrt am Mittwoch ein Busticket besorgt, da die Bahn weiterhin ein unsicherer Kantonist ist. Im Internet kursieren die verschiedensten Versionen \u00fcber den aktuellen Stand der Dinge, was den Streik betrifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Abfahrt des Busses ist von der <em>Pla\u00e7a Pa\u00eds Valenciana<\/em>. So steht es auf der Fahrkarte. Die Suche danach bringt mich in ganz andere Stadtviertel, mit breiten Stra\u00dfen, hohen H\u00e4usern und jeder Menge gro\u00dfer Pl\u00e4tze. Den Namen des Platzes kennt kein Mensch, im Internet taucht er nicht auf, und auf dem mir noch verbliebenen Stadtplan auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vergebliche Suche, das st\u00e4ndige Hin und Her, die Unkenntnis der Einheimischen zerm\u00fcrben und erm\u00fcden mich. Und eine definitive L\u00f6sung gibt es bis zum Schluss nicht. Wahrscheinlich ist der Platz umbenannt worden und hei\u00dft jetzt <em>Pla\u00e7a Nou d\u2019Octubre<\/em>, aber sicher ist sich da keiner. Hier gibt es zwar eine Bushaltestelle, aber laut Fahrplan fahren hier nur st\u00e4dtische Busse ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Unverrichteter Dinge mache ich mich auf den Heimweg. Dabei komme ich zuf\u00e4llig an einem kolumbianischen Lokal vorbei, <em>La Bodeguita<\/em>. Die Speisekarte ist vielf\u00e4ltig, aber ganz oben steht Die <em>Bandeja Paisa<\/em>, ein Gericht, das einer kulinarischen Tods\u00fcnde entspricht. Trotzdem oder gerade deshalb bestelle ich eine. Habe sie zum letzten Mal vor drei Jahren im <em>Eje Cafetero<\/em> in Kolumbien gegessen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lokal ist rappelvoll. Eine der Kellnerinnen stammt aus Medell\u00edn, die andere aus Ecuador. Und eine Kundin, mit der ich ins Gespr\u00e4ch komme, aus Pereira. Sie freut sich, dass ich es kenne.<\/p>\n\n\n\n<p>10. Februar (Dienstag)<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte Tag in Castell\u00f3n, mit einem sonnigen Vormittag und einem wolkigen Nachmittag und immer st\u00e4rker aufkommendem Wind.<\/p>\n\n\n\n<p>Den geplanten Ausflug nach Pe\u00f1\u00edscola lasse ich wegen der unsicheren Abfahrt morgen fallen und gehe stattdessen noch mal zum Bahnhof. Dabei kann ich testen, wie lange ich brauche und was der k\u00fcrzeste Weg ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande des <em>Parque Ribalta<\/em> komme ich an der Stierkampfarena vorbei. \u00dcber dem Eingang an dieser Seite steht <em>Sombra<\/em>. Das sind die gegen\u00fcber <em>Sol<\/em> begehrteren Pl\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande des Parks, seinen Blick auf die Stierkampfarena gerichtet, die sitzende Figur eines Stierkampfreporters, Stift in der Hand, Kamera einsatzbereit neben sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann, schon am Ende des Parks, ein ungew\u00f6hnlicher Anblick: Vor dem riesigen, modernen <em>Corte Ingl\u00e9s<\/em>, dem Kaufhaus mit einer gl\u00e4nzenden Fassade, das ehemalige Bahnhofsgeb\u00e4ude, niedrig, in einem einfachen klassischen Stil gehalten. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann komme ich ungeplant an der <em>Plaza del Pintor Sorolla<\/em> vorbei, nach der ich gestern so lange gesucht habe. Und die eine einzige Entt\u00e4uschung war. Der Name ist willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt, es gibt keinen Bezug zu dem Maler, zu seiner Biographie, zu seinem Schaffen, zu seinen wunderbar leichtf\u00fc\u00dfigen Landschaftsbildern und Genreszenen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz darauf kommt schon der modere Bahnhof in Sicht. Ich werde von einer sehr freundlichen jungen Frau bedient. Der Streik ist beendet, im Prinzip fahren die Z\u00fcge wieder, aber nicht alle Gewerkschaften, vor allem eine Gewerkschaft der Lokomotivf\u00fchrer, drohe weiter mit Arbeitsniederlegungen. Eine Garantie k\u00f6nne sie mir nicht geben. Es m\u00fcssten aber, selbst wenn gestreikt w\u00fcrde, nicht alle Z\u00fcge ausfallen. Ich solle es am besten m\u00f6glichst fr\u00fch versuchen. So werde ich es machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt widme ich mich den drei Dingen, die noch offen geblieben sind hier in Castell\u00f3n: dem Fluss, dem Strand und dem Parque del Meridiano.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob der Park sehenswert ist, wei\u00df ich nicht, aber er weist eine Besonderheit auf: Durch ihn verl\u00e4uft der Nullmeridian, der von Greenwich. Und da gerade ein Taxi vorf\u00e4hrt, beschlie\u00dfe ich, mit ihm anzufangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gestaltet sich aber schwierig. Der Taxifahrer wei\u00df nicht, wovon ich rede, verweist mich immer wieder auf den Parque Ribalta. Nein, der Parque del Meridiano liegt weiter au\u00dferhalb. Den kennt er nicht. Ich zeige auf den Abschnitt in der Brosch\u00fcre von Castell\u00f3n und versuche, zu erkl\u00e4ren, was ein L\u00e4ngengrad ist. Es nutzt alles nichts. Am Ende eiert er herum und sagt, das sei ein Sumpfgebiet voller B\u00e4ume, da k\u00f6nne man nicht hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe mich geschlagen. Und nehme mir den Fluss vor. Von hier aus sieht man vielversprechend in einiger Distanz eine markante, wei\u00dfe Schr\u00e4gseilbr\u00fccke. Sieht verdammt nach Fluss aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob der Fluss sehenswert ist, wei\u00df ich auch nicht, aber ich will ihn wegen seines Namens sehen: R\u00edo Seco.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme zu der Br\u00fccke und kann im Sonnenlicht ein paar sch\u00f6ne Photos von ihr machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie \u00fcberquert erst ein Fu\u00dfweg, dann einen asphaltierten Graben, aber der Fluss ist nicht zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe zur\u00fcck Richtung Bahnhof und frage einen Passanten nach dem Weg zum Fluss. Der weist in die Richtung der Br\u00fccke. Da h\u00e4tte ich aber keinen Fluss gesehen, bemerke ich. Er muss lachen. Nein, k\u00f6nne man auch nicht, der \u201eFluss\u201c f\u00fchre kein Wasser. Deshalb hei\u00dfe er eben <em>R\u00edo Seco<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Also soll es jetzt zum Strand gehen. Auf bew\u00e4hrte Weise nehme ich die Tram zum Hafen, biege jetzt aber links statt rechts ab. Nach einiger Zeit kommt man tats\u00e4chlich zum Strand. Hier steht auch das Planetarium, das mit seiner wei\u00dfen Kuppel wie eine Moschee aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine dichte Reihe von Palmen begrenzt den Strand zur Stra\u00dfe hin. Dann kommt ein langer, breiter Sandstrand, ohne Steine, ohne \u00c4ste, ohne Strandgut. Nur ein paar winzige Muscheln findet man hin und wieder. Das Wasser glitzert in der Sonne.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar junge Leute machen sich an einem Beachvolleyballfeld zum Spielen bereit, und in der Ferne sieht man eine Hundebesitzerin. Ansonsten ist es ganz einsam hier. Es gibt keinen Strandkiosk und keine Umkleidekabinen, nur Wasser und Sand und Palmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Horizont, wo der Strand eine Biegung macht, sieht man Hotelburgen und dahinter die schwarzen Berge.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe in den Ort zur\u00fcck und bestelle in einer lauten Cafeteria einen Kaffee und ein Geb\u00e4ck. Die freundliche Besitzerin zeigt mir, wo ich ein Taxi finden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs fallen mir die schmalen zweist\u00f6ckigen H\u00e4user auf, vermutlich alte Seemanns, mit dem R\u00fccken zum Meer gebaut. Hier l\u00e4sst es sich sicher gut leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Taxifahrer, den ich jetzt erwische, wei\u00df sofort Bescheid. Nat\u00fcrlich kenne er den <em>Parque del Meridiano. <\/em>Wir unterhalten uns angeregt und er setzt mich am Eingang des Parks ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier bin ich ganz alleine, auch die Portiersloge ist nicht besetzt. Es gibt eine lange Reihe von B\u00e4umen und eine ebenso lange Reihe von Picknicktischen. Der Park muss im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel sein.<\/p>\n\n\n\n<p>An einer S\u00e4ule ist genau die Stelle markiert, durch die der Nullmeridian verl\u00e4uft. Und nicht nur das. Er kreuzt sich auch hier mit dem 40. Breitengrad. Das ist zwar unspektakul\u00e4r, und die Linie ist ja ohnehin eine rein virtuelle, aber ich bin froh, am Ende der Reise doch noch hier gewesen zu sein. Und im Laufe der letzten Wochen am \u00c4quator, am Wendekreis des Steinbocks und am Nullmeridian gewesen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. Februar (Freitag) Castell\u00f3n tambi\u00e9n existe oder so \u00e4hnlich lautet ein Ausspruch, der auf die (vermeintliche) Normalit\u00e4t, die Durchschnittlichkeit, die Profillosigkeit von Castell\u00f3n verweist, die es selbst in Spanien so unbekannt machen, dass man Zweifel an seiner Existenz haben k\u00f6nnte. &hellip; <a href=\"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=12211\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/12211"}],"collection":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12211"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/12211\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12226,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/12211\/revisions\/12226"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12211"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}