{"id":1401,"date":"2011-12-28T07:59:01","date_gmt":"2011-12-28T07:59:01","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1401"},"modified":"2011-12-28T08:03:54","modified_gmt":"2011-12-28T08:03:54","slug":"kerry-2005","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1401","title":{"rendered":"Kerry (2005)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">25. August (Donnerstag)<\/span><\/p>\n<p>Unfreundliche Abfertigung beim Autoverleih: einsilbig, ungeduldig und im Kommando-Ton.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Citroen komfortabel, aber breit, immer wieder Probleme beim Absch\u00e4tzen des Abstandes nach links. Merkw\u00fcrdiges, tiefes Armaturenbrett, auf dem in einem breiten Display, eher einem Flugzeug angemessen, die Geschwindigkeit in Zahlen angezeigt wird. Vor sich hat man nur die Drehzahl, alle anderen Informationen, darunter der aktuelle Benzinverbrauch, in einem schlecht lesbaren Display in der Mitte. Au\u00dferdem geht Beleuchtung an, wenn kein Licht eingeschaltet ist, und aus, wenn eingeschaltet. Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch trockenen Fu\u00dfes ins Auto gekommen, aber bald f\u00e4ngt es an zu regnen, dann zu sch\u00fctten, wie nie mehr danach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch verschiedene Orte, darunter dem schmucken Macroom,<\/p>\n<p>Richtung Kinsale, das aber nicht ausgeschildert ist. Immer wieder auf Hinweise Richtung Bandon gesto\u00dfen, aber nie dorthin gelangt. An Kreuzungen sind entweder nur Orte angezeigt, die falsch sind, oder gar keine. Fahrt \u00fcber einige erstaunlich enge Stra\u00dfen. Die Einheimischen zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch dann die Geschwindigkeit nicht reduzieren, wenn sie einem an Stellen entgegenkommen, die gerade breit genug f\u00fcr ein Auto zu sein scheinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind erstaunlicherweise in km\/h angegeben. Die Entfernungen sind auf der Nationalstra\u00dfe in Kilometern, auf den Nebenstra\u00dfen in Meilen ausgewiesen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim \u00dcberholverbotsschild ist nur das \u00fcberholende Auto durchgestrichen. Nur ein Detail, aber es wirkt ganz anders.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Stra\u00dfenschild f\u00fcr Bauarbeiten (auf orangefarbenem Grund) zeigt einen dynamisch nach vorne gebeugten Bauarbeiter, der sogar Erde auf seiner Schaufel hat. Sieht aus der Distanz wie ein Eishockeyspieler aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann doch ein Schild Richtung Kinsale, einem h\u00fcbschen Ort mit gepflegten Fassaden. Im Zentrum ist es voll, aber es wird sehr vorsichtig gefahren. Bei der Touristeninformation Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Weg zur Unterkunft bekommen, und diese auch auf Anhieb gefunden, wenn auch mit einer kleinen Panne bei einem pl\u00f6tzlichen steilen Anstieg nach Abbiegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B&amp;B, durch Kleeblatt als \u201eapproved\u201c gekennzeichnet, hei\u00dft \u201eSeabreeze\u201c und liegt in der Featherbed Street auf einer Anh\u00f6he ein bisschen au\u00dferhalb des Zentrums. Junge, energische Vermieterin begr\u00fc\u00dft uns mit Handy in der Hand und einem Wortschwall, durch den wir \u00fcber die Bezahlungsmodalit\u00e4ten, \u00fcber Schwierigkeiten anderer Flugreisender, \u00fcber den Fu\u00dfweg ins Zentrum und \u00fcber die lokale Gastronomie aufgekl\u00e4rt und \u00fcber unsere Route und unsere Pl\u00e4ne befragt werden, bevor wir \u00fcberhaupt das Zimmer betreten haben. Als das geschieht, ist auch das Wasser f\u00fcr Tee und Kaffee schon hei\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kleines Zimmer mit winzigem Bad. Nach kurzer Pause zu Fu\u00df ins Zentrum &#8211; hinten herum &#8211; das in Zeit von nichts zu erreichen ist. Motive f\u00fcr Photos bieten sich von selbst an. Der Ort hat einen Hafen, liegt aber nicht am offenen Meer. Der Pier ist eher ein Kai. Von einem nachgebauten Schiffsbug aus kann man auf die Bucht sehen. Berge in der Ferne, ein Yachthafen davor, M\u00f6wen in H\u00fclle und F\u00fclle und in zwei Variationen. Auf der anderen Stra\u00dfenseite ein bemerkenswerter Garten mit \u00fcppiger, aber kontrollierter Vegetation, eine sch\u00f6ne Kombination zwischen Wildwuchs und Kultur. Erstaunlicherweise wachsen hier auch Palmen. Die Temperaturen sinken nie unter den Gefrierpunkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Spaziergang durch die Stadt. Im Zentrum der Markt mit einem quadratischen Geb\u00e4ude mit einer auch mit einem Fisch bekr\u00f6nten Laterne, in dem jetzt ein Museum untergebracht ist und in dem die Untersuchung \u00fcber das Schicksal der Lusitania, dem vor der K\u00fcste von den Deutschen gesprengten amerikanischen Passagierschiff, durchgef\u00fchrt wurden. Nur wenige Passagiere \u00fcberlebten, und der Gerichtssaal ist jetzt eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Opfer. Es ist immer noch umstritten, ob die Lusitania auch Munition an Bord f\u00fchrte und ob vorher eine Warnung ausgegeben wurde, aber der Vorfall beschleunigte den Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Zentrum zwei oder drei sehr sch\u00f6ne Stra\u00dfen mit H\u00e4usern mit sch\u00f6nen, abwechslungsreichen Fassaden, malerisch, ohne kitschig zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Briefk\u00e4sten sind in Irland nat\u00fcrlich gr\u00fcn, und sogar die \u201eenglischen\u201c Telephonh\u00e4uschen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den Toilettenh\u00e4uschen steht an einer Seite <em>Mn\u00e1<\/em>. Das bedeutet \u201aFrau\u2019! Gut, dass auch noch eine Abbildung \u00fcber die Bedeutung aufkl\u00e4rt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stadtkirche hat einen festungsartigen, sich nach oben verj\u00fcngenden Turm und an dessen Spitze keinen Hahn, sondern einen Fisch! Innen Messingplatten, Grabplatten und die obligatorischen Flaggen. Geb\u00e4ude wurde restauriert und gerade vor Einsturz bewahrt. Beim Eintritt ein Plakat: \u201eWe have to talk. God\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Etwas erh\u00f6ht, aber in eine H\u00e4userzeile integriert, liegt Desmond Castle, heute ein Weinmuseum. Die Informationen gibt es zweisprachig. Von den keltischen W\u00f6rtern ist eins bekannt: Familie = Clann!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend nach einigem Z\u00f6gern ganz fr\u00fch in eines der teueren Lokale gegangen, Hoby\u2019s, wo das Menu pro Person 25 \u20ac kostet, das aber jeden Cent wert ist. Schwerer chilenischer Rotwein, ein Cabernet Sauvignon der Marke Lazo, und sehr leckeres, ganz frisches, noch warmes, selbstgemachtes Sodabrot. Als Vorspeise gef\u00fcllte Champignons bzw. Pat\u00e9 in Portweinsauce, die s\u00fc\u00dflich und fast so wie die Sauce zum Dessert aussah und schmeckte. Als Hauptgericht mit Hackfleisch gef\u00fcllte H\u00e4hnchenbrust mit erstaunlich gut schmeckenden Kartoffeln und mit Gem\u00fcse. Als Nachtisch, in Abwesenheit der Creme brul\u00e9e, Mousse au chocolat.<\/p>\n<p>Beim Verlassen des Lokals geblendet \u2013 es ist noch heller Tag. Auch die Gesch\u00e4fte sind noch ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">26. August (Freitag)<\/span><\/p>\n<p>Am Vormittag Stadtrundgang. Der findet bei jedem Wetter statt, bei Regen wird man mit Schirmen ausgestattet, und \u201eon desperate days\u201c findet er bei Tea und Scones drinnen statt. Das geht auch, denn er besteht weitgehend aus Erkl\u00e4rungen und l\u00e4sst die Innenstadt fast au\u00dfen vor. Etwas einseitig, trotzdem interessant.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele der G\u00e4ste Amerikaner. Der F\u00fchrer bemerkt, dass viele bei der Suche nach ihren Vorfahren folgende irische Besonderheit beachten m\u00fcssen: Frauen nahmen bei der Heirat den Namen des Ehemannes an, wurden dann aber wieder unter ihrem M\u00e4dchennamen begraben!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Name Kinsale ist nicht englisch, sondern englische Adaptation des keltischen Worts f\u00fcr Old Head of Sea, dem Namen des \u00e4u\u00dfersten Ausl\u00e4ufers der hufeneisenf\u00f6rmigen Landzunge. Diese gesch\u00fctzte Lage an der M\u00fcndung des Bandon die Besonderheit Kinsales.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>War urspr\u00fcnglich Fischerdorf, bekam unter Edward III. Stadtrechte. Lag urspr\u00fcnglich auf schmalem Streifen zwischen doppelter Stadtmauer, \u00e4u\u00dfere Mauer an der K\u00fcste. Stra\u00dfenverlauf zeichnet noch heute Verlauf der gewundenen K\u00fcste nach. Alles andere ist dem Meer abgerungenes Land: Marktplatz und Kirche lagen urspr\u00fcnglich direkt am Wasser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Entdeckung Amerikas neue Bedeutung als letzte Versorgungsstation f\u00fcr Reise. Kinsale hatte Hafen, Mauer und eine Reputation f\u00fcr Qualit\u00e4t der F\u00e4sser (urspr\u00fcngliche starke Bewaldung in der Umgebung fast verschwunden). F\u00e4sser waren wichtig f\u00fcr Transport von Wein und sp\u00e4ter (als man es in F\u00e4ssern lagern konnte) Bier zur Versorgung der Mannschaft: Menge belief sich auf eine Gallone Bier pro Mann und Tag! Spezialit\u00e4t der Gegend <em>buttered eggs<\/em>, Eier, die durch die Behandlung mit Butter \u201eluftdicht\u201c verschlossen wurden und bis zu drei Monate hielten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wichtigstes Datum 1601, Schlacht von Kinsale: Spanien wandte sich nach der Niederlage der (ersten) Armada wieder gegen England und verb\u00fcndete sich mit Iren, um in Irland eine Bastion zur sp\u00e4teren Eroberung Englands errichten zu k\u00f6nnen. England beherrschte Irland, nicht aber Ulster, wohin sich die Iren zur\u00fcckgezogen hatten. Die befeindeten O\u2019Neill und O`Donnell, nur auf Verteidigung spezialisiert, verb\u00fcndeten sich und bitten Spanien um Hilfe. Spanier aber landen am \u00e4u\u00dfersten S\u00fcdwestende Irlands, nicht, wie Iren vorgeschlagen hatten, in Galway &gt; Iren m\u00fcssen langen Marsch antreten, um sich mit Spaniern zu vereinigen, Engl\u00e4nder unter Mountjoy sind schneller als Spanier glaubten und sind schon zur Stelle, bevor Iren eintreffen, stellen sich zwischen Iren und Spanier, schlie\u00dfen Spanier ein und besiegen Iren. Wichtiger Moment in irischer Geschichte: Hat Flucht der Grafen zur Folge, Aufl\u00f6sung der Clans und die Plantation of Ireland, d.h. die Ansiedung von Protestanten im Norden. Kinsale wird durch zwei Forts gesichert, Charles Fort und James Fort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Kinsale landete auch James II mit franz\u00f6sischer Verst\u00e4rkung, um den Thron wiederzuerlangen, und aus Kinsale segelte er auch nach der verlorenen Schlacht endg\u00fcltig ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Desmond Castle, heute Weinmuseum, war urspr\u00fcnglich das Stadthaus der Fitzgeralds, dem dominierenden Clan von Munster, und das bedeutet auch sein Name. Sie wurden enteignet, nachdem sie in einer politischen Auseinandersetzung auf der falschen Seite gestanden hatten. Sp\u00e4ter war es dann Gef\u00e4ngnis, Suppenk\u00fcche und Kaserne. Zum Castle f\u00fchrt die Chairman\u2019s Lane, benannt nach den S\u00e4nftentr\u00e4gern! Darauf winzige H\u00e4user, die ironische Namen wie Giant\u2019s Castle haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den Erkl\u00e4rungen ist auch von Cobh die Rede, das Cove ausgesprochen wird. In der N\u00e4he davon gibt es einen Ort namens Ballycotton, und wir fragen uns, was das hei\u00dft, denn dem Wortbestandteil begegnet man immer wieder in Ortsnamen. Das Mineralwasser ist aus Ballygowan. \u00dcberhaupt gibt es abenteuerliche Ortsnamen wie Inchydoney, Timoleague oder Ballydehob, von denen klingen, als w\u00e4ren sie aus amerikanischen Eingeborenensprachen importiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach Spaziergang, an \u201eThe Spaniard\u201c vorbei, auf eine Anh\u00f6he ins Dorf Scilly, von der aus man einen wunderbaren Panoramablick aufs Meer hat: auf den rechts hinten ins Meer eintretenden Fluss, auf den Hafen, auf die sich dahinschl\u00e4ngelnde, unregelm\u00e4\u00dfige Bucht, die dann eine auf beiden Seiten von Festungen bestandene Meerenge bildet, und aufs offene Meer dahinter. Preisverd\u00e4chtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann zur Touristeninformation, nur um zu erfahren, dass die Bustour in die Umgebung ausf\u00e4llt. Schade. Statt dessen eine Hafenrundfahrt, bei der man von einem unbeholfen lesenden jungen Iren mit starkem Akzent \u00fcber die Gegend informiert wird. Es geht vorbei an dem Fischerdorf Scilly, das vermutlich, wie viele andere Namen, eine englische Adaptation des urspr\u00fcnglich keltischen Namens ist. Am Charles Fort vorbei aufs offene Meer, dann am James Fort vorbei in den Hafen zur\u00fcck, bis zur Br\u00fccke \u00fcber den Fluss. Beide Forts haben den Nachteil, dass sie niedriger liegen als die sie umgebenden H\u00fcgel. Dieser Schwachpunkt wurde bei den Belagerungen ausgenutzt.\u00a0 Die Torpedierung der Lusitania wird erw\u00e4hnt, nicht aber die Kontroverse ob ihrer Berechtigung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend zur Brauereibesichtigung, aber die f\u00e4llt aus etwas fadenscheinigen Gr\u00fcnden aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Zentrum ein Sportgesch\u00e4ft, dessen Namen auf die irische Aussprache anspielt: <em>D\u2019 Sports Shop<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der N\u00e4he ein Gesch\u00e4ft, in dem es <em>Hardware<\/em> in der alten Bedeutung gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend in gem\u00fctliche, lebendige Kneipe, die, laut Aufschrift, folgendes zu bieten hat: <em>Kitchen \u2013 Bar- Live Music (sometimes<\/em>). Wir sitzen in der \u201eBullshit Corner\u201c, essen H\u00e4hnchen und trinken, trotz allem, das lokale Lager. Bei der Bestellung verwechsle ich \u201ewedges\u201c mit \u201evegies\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einem Zuckerst\u00fcck eine irische Weisheit: \u201eNil aon leigheas ar an ngr\u00e1 ach p\u00f3sadh \u2013 The only cure for love is marriage\u201c.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">27. August (Samstag)<\/span><\/p>\n<p>Fahrt an der S\u00fcdk\u00fcste entlang, durch sch\u00f6ne, aber zun\u00e4chst unspektakul\u00e4re Landschaft, wobei die K\u00fcste nur bisweilen in Sicht kommt. Erstes Ziel Clonakilty, der Geburtsort Michael Collins\u2019. Ebenso herausgeputzt wie Kinsale, aber alles an einer Stra\u00dfe gelegen. In der Presbyterian Church ist das Postamt untergebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Rauchverbot in Lokalen wird strikt gehandhabt, und seine Einhaltung wird mit etwas fragw\u00fcrdigen Methoden \u00fcberpr\u00fcft: Bei Zuwiderhandlung kann man die Beh\u00f6rden informieren, und die Telephonnummer wird auch gleich mitgeliefert. Die Schilder, die auf das Rauchverbot hinweisen, sagen in falschem Englisch: \u201eIt is illegal to smoke in this premises\u201c. Sp\u00e4ter finden wir auch mehrfach die korrigierte Version.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine moderne Skulptur von Michael Collins an der Ecke eines park\u00e4hnlichen Platzes, an dem er eine Zeitlang wohnte. Er wurde nur 32! Seine letzte Tagebuchaufzeichnung lautete: \u201eThe people are splendid\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>N\u00e4chster Halt, etwas abgelegen am Ende eines gewundenen Feldwegs, der Drombeg Stone Circle. Sch\u00f6n gelegen, abseits der Zivilisation, mit Blick auf umliegende Berge und Fernblick aufs Meer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr kleiner Kreis, was den Vorteil hat, dass er nicht so viele Besucher anzieht und gut erfassbar ist. 16 aufrechte Steine, davon zwei etwas h\u00f6here als Eingangspforte, und, denen gegen\u00fcber, ein flacher, ein ganz klein wenig au\u00dferhalb des Kreises positionierter Altarstein. In der Mitte wurde unter einer Platte die Asche eines jungen Mannes gefunden. Wir wundern uns, wie man wohl herausgefunden hat, dass es sich um einen jungen Mann handelt. Und was bedeutet die Asche?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinter dem Steinkreis die Fundamente von zwei H\u00fctten und, links davon, eine raffiniert geplante Kochstelle: Sie liegt gleich neben einer Quelle. Deren Wasser wird in ein rechteckiges Bassin geleitet, und dahinter befindet sich eine Feuerstelle, an der Steine erhitzt werden. Die erhitzten Steine werden dann ins Wasser gerollt, und das Fleisch wird in dem hei\u00dfen Wasser gedunstet. Man kann 300 Liter Wasser in 20 Minuten erhitzen und das Fleisch 3 Std. lang warm halten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann Fahrt \u00fcber immer aufregendere Landschaft bis zur Spitze der Halbinsel nach Mizen Head. Dort kommt dann das Meer voll in Sicht. Von oben blickt man auf Felsen, Gischt, H\u00fcgel, K\u00fche und t\u00fcrkisfarbenes Wasser hinunter. Die Stra\u00dfe m\u00fcndet in einen l\u00e4nglichen Platz, und man hat die S\u00fcdwestspitze Irlands erreicht \u2013 aber noch nicht ganz. Auf dem Platz befinden sich ein Museum, ein Caf\u00e9 und eine Schiffsschraube als Andenken an ein Schiffungl\u00fcck, das hier Anfang des 20. Jahrhunderts passierte. Ein Stein erz\u00e4hlt die bewegende Geschichte. In Sturm und Nebel zerschellte das Schiff an den Klippen. Die Matrosen versuchten, sich an Land zu k\u00e4mpfen und mussten sich mehrere Stunden an den Kippen festklammern. Dann wurden sie gerettet. Die einzige Frau an Bord, eine Stewardess, wurde sofort in ein Rettungsboot gehievt, aber genau in dem Moment kenterte das Schiff und begrub sie unter sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dem Informationszentrum erfahren wir, dass der Geruch, der bei der Anfahrt immer wieder zu bemerken war, der von Kamille war, einer hier g\u00e4ngigen wild wachsenden Pflanze.<\/p>\n<p>Wenn der Ausblick von diesem Platz schon beeindruckend ist, kommt der H\u00f6hepunkt erst jetzt. Nachdem man eine Sperre passiert hat \u2013 hier kostet die sch\u00f6ne Aussicht Geld \u2013 geht man \u00fcber einen schmalen Fu\u00dfweg und \u00fcber eine Br\u00fccke, die dramatisch auf halber H\u00f6he zwischen zwei Felsen h\u00e4ngt, bis an das \u00e4u\u00dferste Ende der Halbinsel, dem Schneidepunkt von S\u00fcdk\u00fcste und Westk\u00fcste, und sieht von dort aufs offene Meer \u2013 und das bei strahlendem Sonneschein. Gleichzeitig sieht man gleich gegen\u00fcber, zum greifen nahe, aber durch das Wasser getrennt, auf eine riesige Felswand, in der man die Gestalt eines \u00fcberdimensionalen Fisches zu sehen glaubt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann Weiterfahrt und Pause in Durrus, einem Stra\u00dfendorf, wo es in einem sch\u00e4bigen Pub erstaunliche Scones und Filterkaffee gibt, die man im Freien genie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Aussicht in Mizen Head, sollte man meinen, kann alles andere nur noch ein m\u00fcder Abklatsch sein, aber die Landschaft bis Killarney, durch Berg und Tal, mit atemberaubenden Panoramablicken, wildsch\u00f6ner Landschaft und dem Nebeneinader von dunklen Wolken und blauem Himmel, von Licht und Schatten, l\u00e4sst keine W\u00fcnsche an Natursch\u00f6nheit mehr offen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterwegs, an einer kleinen Haltebucht, die eine der gro\u00dfartigen Aussichten genie\u00dfen l\u00e4sst, treffen wir auf ein freundliches \u00e4lteres Ehepaar aus Donegal, das heftig Werbung macht f\u00fcr \u2013 Donegal.<\/p>\n<p>Erst in diesen Tagen haben wir bemerkt, dass nicht ganz Nordirland Nordirland ist. Der westliche Abschnitt, eben Donegal, erstreckt sich genau so weit, und sogar noch ein Zipfelchen weiter n\u00f6rdlich als Nordirland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gerade die letzte Teilstrecke auf dem Weg nach Killarney, die durch den Nationalpark f\u00fchrt, hat es in sich. Zwei Aussichtspunkte bleiben in Erinnerung: eine Kreuzung, an der es zum Gap of Dunloe geht, und der Ladies\u2019 View, von dem man von oben ins Tal und auf eine Seenplatte hinunterblickt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend Eintreffen in Killarney. Wieder finden wir unter kundiger Leitung das B&amp;B auf Anhieb. Hier ist die Landlady das Gegenteil der dynamischen Fiona aus Kinsale, aber auch sie versorgt uns mit Tipps f\u00fcrs Essen. Die gehen aber ins Leere, denn alle von ihr empfohlenen Lokale sind voll. Es ist Samstag Abend, und Killarney ist ein Touristennest. Hier ist, wie Fiona sagte, jedes zweite Haus B&amp;B. Diesmal ist das Essen nicht nur teuer, sondern unangemessen teuer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">28. August (Sonntag)<\/span><\/p>\n<p>Auch hier gibt es \u201eFull Irish\u201c zum Fr\u00fchst\u00fcck, und auch hier ist die Aushilfe Polin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fahrt nach Limerick durch eher eint\u00f6nige Umgebung, aber gegen Ende \u00fcber die einzige autobahn\u00e4hnliche Strecke. Bei der Anfahrt zweisprachige Hinweise auf den nahe liegenden Lough Gur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Limerick nahe der M\u00fcndung des Shannon gelegen. V\u00f6llig andere Stadt, eine Mischung aus Neu und Alt, etwas schmutzig, etwas verwahrlost, nicht sehr einladend, und am Sonntag Vormittag noch nicht ganz erwacht. Passend dazu ist auch der Himmel bedeckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Touristeninformation in ganz modernem Zentrum. Tour auf den Spuren von Frank McCourt gibt es am Nachmittag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kaffe bei McDonald\u2019s. \u201eI am loving it\u201c auf Servietten als Beispiel f\u00fcr die immer weiter vordringende Verlaufsform.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die schlechten Toiletten im modernen Shopping Centre geklagt und sp\u00e4ter erfahren, dass das Shopping Centre genau da steht, wo die erb\u00e4rmlichen Bruchbuden standen, in denen in <em>Angela\u2019s Ashes<\/em> die Kinder leben, denen es noch schlechter geht als den McCourts. Leicht schlechtes Gewissen aufgrund der eigenen Anspr\u00fcche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Nieselregen \u00fcber zwei Br\u00fccken zur Burg, vorbei an zwei Kirchen aus grauen Steinquadern. Dann wieder zur\u00fcck, um festzustellen, dass Burg viel n\u00e4her am Ausgangspunkt liegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drinnen Informationen zur Geschichte von Stadt und Burg, im Innenhof altes Kriegsger\u00e4t, und von den Bastionen Blick auf den Shannon und den am anderen Ufer liegenden Treaty Stone, den\u00a0 Stein, auf dem der unr\u00fchmliche Vertrag mit den Engl\u00e4ndern nach der Niederlage gegen William unterzeichnet worden sein soll. Heute hat man den Treaty Stone symbolisch versetzt und seine Inschriften entfernt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Name der Burg, St. John\u2019s Castle, bezieht sich auf den englischen K\u00f6nig. \u00c4lteste Teile der Burg gehen auf diese Zeit zur\u00fcck. Besonders das m\u00e4chtige Doppeltor, damals eine Neuerung, beeindruckend, vor allem von au\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stadt war im Mittelalter in zwei St\u00e4dte aufgeteilt, die irische und die englische, die beide befestigt waren, gegen \u00e4u\u00dfere Gegner, aber auch gegeneinander. Ohne es zu wissen, hatten wir die Grenze, die Br\u00fccke \u00fcber den Abbey, vorher \u00fcberschritten. Die Burg liegt in der englischen Stadt, und folgerichtig ist die in der N\u00e4he gelegene St. Mary\u2019s Cathedral (heute geschlossen, bekannt f\u00fcr ihre Miserikordien) die Kathedrale der Church of Ireland, also protestantisch. Die Trennung kam mit der Ankunft der Normannen, die mit der Befestigung die Iren drau\u00dfen halten wollten. Damit kehrte aber auch eine gewisse Stabilit\u00e4t ein. Bis dahin gab es st\u00e4ndige Auseinadersetzungen zwischen den Wikingern und den Iren und den Iren untereinander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>John in letzter Zeit durch Biographen rehabilitiert, aber in Irland durch grobes Benehmen nicht sonderlich beliebt, pflegte angeblich irische Stammesf\u00fcrsten am Bart zu zupfen. Gew\u00e4hrte Limerick aber bedeutende Freiheiten, u.a. das M\u00fcnzrecht, zum ersten Mal in Irland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Burg zweimal durch Belagerungen im Zentrum der Gesichte, unter Cromwell und in der Glorreichen Revolution. In beiden F\u00e4llen stand Limerick auf der \u201efalschen\u201c Seite. Cromwells Schwiegersohn Ireton belagerte die Stadt sechs Monate lang und st\u00fcrmte dann die Festung, und nach der Niederlage von James in der Battle of the Boyne stand Limerick noch auf der Seite von James, als alle andere sich bereits ergeben hatten. Es kam zu einer langen Belagerung, die zun\u00e4chst, unter der F\u00fchrung des lokalen Helden Sarsfield abgewehrt werden konnte, aber im zweiten Jahr erfolgreich war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach zur St\u00e4rkung einen Burger gegessen, der paradoxerweise ausgerechnet beim Burger King nicht Burger, sondern Whopper hei\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach F\u00fchrung auf den Spuren von <em>Angela\u2019s Ashes<\/em>. F\u00fchrer einfacher Mann, der die McCourts pers\u00f6nlich kannte und kennt und betont, er mache die F\u00fchrung mit der ausdr\u00fccklichen Approbation von Frank. Er misst die Qualit\u00e4t des Roman an seinem Wahrheitsgehalts, und die ist hoch, denn er kann alles aus pers\u00f6nlicher Anschauung best\u00e4tigen: \u201eGenau so war\u2019s.\u201c Nachtr\u00e4glich beschleicht uns der Verdacht, dass er vielleicht sogar in dem Roman vorkommt, eventuell als eins der Kinder aus den \u201eSlums\u201c, bei denen der (wie er selbst sagt) etwas \u00e4ltere Frank einmal vor\u00fcbergehend unterkommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>10 Millionen Exemplare verkauft, aber Rezeption des Romans in Limerick durchaus gemischt: McCourt ist entweder geachteter Werbetr\u00e4ger f\u00fcr Limerick oder verachteter Nestbeschmutzer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der F\u00fchrung ist\u00a0 auch von dem legend\u00e4ren Cuchulain die Rede, der auf der zweiten, nicht, wie ich dachte, auf der dritten Silbe betont und ganz anders ausgesprochen wird, als ich dachte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An vielen Stationen des Romans vorbei, mit immer einer passenden Episode, oft witzig, manchmal ergreifend. Mehrere der H\u00e4user, in denen die McCourts wohnten, sind bereits abgerissen, in einem Fall sogar die ganze H\u00e4userzeile! Dagegen die \u00f6ffentlichen Geb\u00e4ude noch alle da: Kirche, Schule, Armenhaus (St. Vinzenz von Paul), Kneipe. Alles liegt nahe beieinander, und wir kommen \u00fcberhaupt nicht in die englische Stadt. Von der Burg oder der Kathedrale, den Vorzeigeobjekten des Tourismus,\u00a0 ist im Roman gar nicht die Rede.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als der Roman verfilmt wurde, regnete es, aber dem Regisseur gen\u00fcgte das nicht, und er lie\u00df die Feuerwehr auf ein Hochhaus klettern und es von dort herabregnen. Gibt es einen besseren Beleg daf\u00fcr, dass Kunst sich nicht mir der Wirklichkeit begn\u00fcgt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fchrer erkl\u00e4rt ohne jeden Neid, sogar mit Anerkennung, dass Frank McCourt jetzt, wenn er nach Limerick kommt, in einer renovierten Burg au\u00dferhalb Limericks, einem der teuersten Hotels Irlands, absteigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Titel des Romans hat nichts mit Zigarettenasche zu tun, sondern mit Asche der Leiche Angelas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der der Franziskanerkirche gegen\u00fcberliegenden Kneipe sind die Toilettent\u00fcren mit <em>Frank<\/em> und <em>Angela<\/em> gekennzeichnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Stadtf\u00fchrer entl\u00e4sst uns, ohne auch nur ein einziges Wort \u00fcber Limerick selbst und seine Geschichte gesagt zu haben. Wir machen uns auf die Suche nach dem Auto, haben aber nach all dem Hin und Her und Links und Rechts l\u00e4ngst die Orientierung verloren, aber die Ecke kommt uns vage bekannt vor. Wir entdecken ein Stra\u00dfenschild, und stellen fest, dass wir auf der richtigen Stra\u00dfe sind, blicken uns um, und stehen vor unserem Auto. Es ist so, als h\u00e4tte der Stadtf\u00fchrer uns zu unserem Auto gebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend, heute ist es nicht mehr so voll, geht es ins Murphy\u2019s, einer Kneipe mit Pub Food. Es ist viel Fisch auf der Karte, aber was finden l\u00e4sst sich allemal. Ich versuche das Stout von Murphy, muss aber einsehen, dass es mir genauso wenig schmeckt wie das von Guinness. Zu allem \u00dcbel ist das Gulasch auch noch mit Stout gemacht. Zum Ausgleich muss ich auf das Lager von Guinness, Harp, umsteigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">29. August (Montag)<\/span><\/p>\n<p>Den Warnungen der Reisef\u00fchrer zum Trotz den <em>Ring of Kerry<\/em> gefahren, <em>die<\/em> Touristenroute Irlands \u00fcberhaupt. Die Bef\u00fcrchtungen sollten sich als gegenstandslos erweisen: Von Massenauflauf keine Spur. Au\u00dferdem folgt die Route einer gut ausgebauten Stra\u00dfe, auf der die paar Touristenbusse kein nennenswertes Hindernis darstellen. Man soll den Ring entgegen dem Uhrzeigersinn fahren, weil das alle tun und man sich Ausweichman\u00f6ver erspart, und weil man sich so die S\u00fcdk\u00fcste, den sch\u00f6neren Teil, f\u00fcr den Schluss der Fahrt aufspart. Auch das k\u00f6nnen wir nicht best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der <em>Ring of Kerry<\/em> ist der gebr\u00e4uchlich gewordene Name f\u00fcr die Rundfahrt \u00fcber die Halbinsel Iveragh, dem dritten von vier Fingern, die das Land nach Westen ins Meer streckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon bald bietet sich ein wunderbarer Blick aufs Meer, und, auf der anderen Seite der Stra\u00dfe, dort, wo das Auto steht, ein kristallklarer Bach, der rauschend die B\u00f6schung hinunterflie\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der H\u00e4lfte der Fahrt biegen wir von der Route ab und fahren nach Valentia Island, einer Insel, die mit dem Festland \u00fcber eine (allerdings am \u201efalschen\u201c Ende) liegende Br\u00fccke verbunden ist. Ein Umweg, der sich lohnt. An einem Ende der Insel liegt die \u201eHauptstadt\u201c Knightstown, am anderen eine Erh\u00f6hung, von der man einen, wie der Reisef\u00fchrer sagt, \u201eunvergesslichen Blick\u201c auf die Skellig Islands hat, kaum eine \u00dcbertreibung. Die zwei Inseln ragen wie Felsbl\u00f6cke aus dem Wasser, und gleich vor ihnen stehen wie abgeschnitten aussehende, schroff abfallende Klippen, die bis zum Ende mit sattem Gr\u00fcn bewachsen sind. Beide Inseln sind unbewohnt, aber auf einer gab es fr\u00fcher ein Kloster. Man kann bei gutem Wetter mit dem Boot um die Inseln herum fahren, aber auch dann passiert es, dass die Passagiere wegen pl\u00f6tzlichen Wetterumschwungs mit dem Hubschrauber gerettet werden m\u00fcssen. Wenn man sich umblickt, ist es manchmal schwer, zu unterscheiden, was Insel und was Festland ist, und wenn Festland, ob Iveragh oder eine andere Halbinsel. Jedenfalls glauben wir einen Landstreifen als Beara identifizieren zu k\u00f6nnen, die Halbinsel, die wir vorgestern von Mizenhead aus von der anderen Seite gesehen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir fahren nach Knightstown. Hier sieht die Landschaft wie an der deutschen Nordseek\u00fcste aus. Die Insel ist nur ca. 11&#215;3 Kilometer gro\u00df und war fr\u00fcher eine englische Enklave im schnell wieder \u201eirisch\u201c gewordenen Irland. Von hier aus wurde sp\u00e4ter das erste \u00dcberseekabel nach Amerika verlegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Knightstown verdankt seinen Namen den Fitzgeralds, den Herren von Kerry. Der Ort selbst besteht nur aus wenigen H\u00e4usern an der Strandpromenade und auf der Hauptstra\u00dfe. Dort gibt es in einem schmucken Caf\u00e9 mit Geranien und schweren gr\u00fcn gestrichenen gusseisernen St\u00fchlen und Tischen einen hervorragenden Kaffee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt befinden wir uns urpl\u00f6tzlich nach einem freiwillig-unfreiwilligen Umweg direkt an einem perfekten Badestrand, Ballynskellig: rauschendes Meer, das aber von einer gesch\u00fctzten Buch abgefangen wird, die einen feinen Sandstrand hat, aber an den Seiten von wilden, nackten Klippen und nach hinten von einem sanften H\u00fcgel begrenzt wird. Dazu heller Sonnenschein, angenehme, trockene Hitze und k\u00fchles, klares Wasser. Was will man mehr? Das Wasser ist kalt, aber als die Flut hereinkommt, st\u00fcrzen sich die Leute unbeirrt in die Fluten, und ich komme an meinem Geburtstag zu einem Bad im Atlantik, wenn auch nur bis Knieh\u00f6he. Hier, inmitten des Nichts, kann man sogar Ferien machen: Es gibt ein B&amp;B gleich auf dem den Strand begrenzenden H\u00fcgel. Man braucht wirklich nur die kleine Stra\u00dfe \u00fcberqueren und ist am Strand. Welcher Pauschalurlaub kann das bieten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pause in Waterville. Hier ballen sich wirklich zum ersten Mal die Reisebusse, aber wir gehen in die \u201efalsche\u201c Richtung und landen in einem ganz einfachen Caf\u00e9, wo sonst wohl nur die Einheimischen verkehren. Der Raum ist eher ein Kuriosit\u00e4tenkabinett, vollgestopft mit Krimskrams und Kitsch aller erdenklichen Art, von handgestrickten Puppen bis zu Werbung f\u00fcr Langnese (das hier HB hei\u00dft). Die Besitzerin spricht in kaum verst\u00e4ndlichem, breiten, irischen Englisch mit einer Gruppe von Besuchern aus Dublin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Weiterfahrt geht es von der Stra\u00dfe ab und \u00fcber einen Schotterweg zum Staigue Fort, einem Fort aus der Bronzezeit. Es handelt sich um eine kreisrunde Mauer, in die man durch ein niedriges und durch zus\u00e4tzliche Steine eigens noch einmal verengtes Tor gelangt. Innerhalb dieses Forts befanden sich die H\u00fctten und Ger\u00e4te und Vorr\u00e4te. Au\u00dfer durch die dicken Mauern war das Fort au\u00dfen durch einen Wall und einen Graben gesch\u00fctzt, dessen Verlauf man au\u00dfen noch gut erkennen kann, sowie durch seine Lage: Von dem sanft abfallenden H\u00fcgel hat man einen perfekten Fernblick aufs ca. 3 Kilometer entfernte Meer und kann den Feind kommen sehen. Beeindruckend der gute Zustand der Mauern, die Dimensionen (4 Meter breite und 6 Meter hohe Mauern und ein Durchmesser von 30 Metern), die geschickte Technik der Zusammenf\u00fcgung verschiedener Steine, vielleicht Granit und Schiefer, zu einem runden, regelm\u00e4\u00dfigen Ganzen, ohne M\u00f6rtel, und die Einf\u00fcgung von inneren Treppen durch negative Technik, d.h. durch Auslassen von Steinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg kommen wir, noch bevor wir die \u201eHauptstra\u00dfe\u201c wieder erreichen, an eine romantischen Bogenbr\u00fccke aus grauen Stein \u00fcber einem glasklaren Fl\u00fcsschen, ein Photomotiv, das man nicht auslassen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pause in Sneem bei ausgezeichnetem, hausgemachten Eis. Auch hier, wie in vielen Orten, sind die H\u00e4userfassaden in hellen und sehr verschiedenen Farben gestrichen, angeblich, damit die Fischer abends wieder nach Hause finden. F\u00fcr die Touristen ist aber auch gesorgt, mit einer Unzahl von Souvenirs und Postkarten. Mit deren Hilfe k\u00f6nnen wir erkennen, dass die Blumen, die wir heute immer wieder unterwegs am Wegesrand gesehen haben, mit glockenf\u00f6rmig nach unten h\u00e4ngenden, dunkelroten Bl\u00fcten, Fuchsien sind. Aber was sind die anderen, ebenso h\u00e4ufig vorkommenden Blumen mit karmesinroten Bl\u00fcten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Postkarten auf den Kontinent kosten 65 Cent, mehr als bei uns ein Brief.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie schon auf der anderen Strecke haben wir auch heute immer wieder Golfpl\u00e4tze gesehen, oder besser Schilder, die zu Golfpl\u00e4tzen f\u00fchren. Und nicht immer an den unsch\u00f6nsten Pl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann die Entscheidung getroffen, zum Gap of Dunloe zu fahren, ohne zu ahnen, worauf wir uns einlie\u00dfen, und ohne zu wissen, was es genau ist. Dann im irischen Schilderwald verloren gegangen, was im Nachhinein vielleicht ein Gl\u00fccksfall war, denn je sp\u00e4ter es wurde, umso weniger Autos waren unterwegs, und man kann um jedes Auto dankbar sein, dem man nicht ausweichen musste, zumal wir ohnehin, wie es schien, in die falsche Richtung fuhren und uns alle Autos von Killarney entgegenkamen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann jedenfalls den Pfeilen nach Black Valley gefolgt und dabei richtig gelegen. Sofort geht es \u00fcber eine steil abfallende, kurvenreiche Stra\u00dfe in bisher nicht bekannte Wildnis. Dass dennoch hin und wieder ein Haus auftaucht, mag man kaum glauben, aber die meisten sind \u201eFor Sale\u201c. Im Zwielicht der ganz allm\u00e4hlich hereinbrechenden D\u00e4mmerung entwickelt die Schlucht mit ihren schroffen Felsen ihre wahre Magie, aber es wird einem doch auch etwas bang ums Herz, ob man denn noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder hinauskommt. Und die Strecke ist bei Tageslicht schon nicht zu verachten. Das Gap, wird uns bald klar, ist keine bestimmte Stelle, sondern die Bezeichnung f\u00fcr die Schlucht selbst. Auf halber Strecke erkl\u00e4rt uns eine entgegnkommende Engl\u00e4nderin: Sie sind auf dem richtigen Weg, brauchen noch ca. 45 Minuten, es ist sehr steil, aber es lohnt sich. Sie sollte mit allem Recht behalten. Gegen Ende des Weges ist es an einer Stelle sogar so breit, dass wir f\u00fcr einen Moment anhalten k\u00f6nnen. Dort grasen Pferde, und bei der Ausfahrt aus der Schlucht wird uns klar, dass es die Pferde der Kutschen sind, die tags\u00fcber die Touristen durch die Schlucht bringen. Auch deshalb ist es gut, dass wir erst sp\u00e4t losgefahren sind. Ob wir jetzt auch im Black Valley gewesen sind, dem letzten Ort Irlands, der mit Elektrizit\u00e4t versorgt wurde, wissen wir nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wegen der vorangeschrittenen Zeit entscheiden wir, den Torc Wasserfall auf die n\u00e4chste Irlandreise zu verschieben. Am Abend gibt es gutes Essen in einem kleinen Lokal, in dem es kein Bier gibt, wohl aber Wein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25. August (Donnerstag) Unfreundliche Abfertigung beim Autoverleih: einsilbig, ungeduldig und im Kommando-Ton. &nbsp; Citroen komfortabel, aber breit, immer wieder Probleme beim Absch\u00e4tzen des Abstandes nach links. 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