{"id":1423,"date":"2011-12-28T08:23:55","date_gmt":"2011-12-28T08:23:55","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1423"},"modified":"2011-12-28T08:23:55","modified_gmt":"2011-12-28T08:23:55","slug":"exmoor-2005","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1423","title":{"rendered":"Exmoor (2005)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">17. September (Samstag)<\/span><\/p>\n<p>Zu fr\u00fch wach, zu fr\u00fch aufgestanden, zu fr\u00fch am Flughafen, so fr\u00fch, dass ich noch fr\u00fcheren Flug nach London erwischt h\u00e4tte! Flug mit unbekannter Fluggesellschaft (nur GB und Benelux) in Propellermaschine mit Platz f\u00fcr 50 nach <em>London City Airport<\/em>. Ganz klare Sicht beim Anflug: Br\u00fccken, \u00d6ldepots, Schiffe, Fu\u00dfballfelder, sogar Radfahrer und Jogger deutlich zu erkennen, aber keine Sehensw\u00fcrdigkeiten \u2013 die liegen alle weiter westlich. City Airport wirbt mit dem Slogan \u201cThe only airport in London\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Flug Lekt\u00fcre: \u201cI have picked some flowers\u201d = unklar, ob es Blumen derselben Sorte oder verschiedene Sorten sind. In anderen Sprachen wird differenziert. \u201eFlights of the Earls\u201c habe ich mir immer als Flucht einer ganzen Gruppe von Grafen vorgestellt, jetzt lese ich, dass es nur zwei waren. Auch dieser Unterschied wird, im Gegensatz zu anderen Sprachen, nicht grammatikalisiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>St. Patrick, der irische Schutzpatron, war Engl\u00e4nder und sein Namensfest wurde von einem Waliser festgelegt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>City Airport klein und modern, alles geht schnell. Aber es gibt keine Anbindung an die U-Bahn &#8211; noch nicht: Ein Plakat verk\u00fcndet, im Dezember 2005 werde es soweit sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Shuttle Bus zur U-Bahn kostet 3\u00a3, Fahrt dauert gerade mal 10 Minuten. U-Bahn von <em>Canning Town<\/em> nach <em>Waterloo<\/em> kostet 2.80\u00a3. Eine Station ist heute gesperrt, und per Lautsprecher werden die Kunden, die <em>customers<\/em> \u2013 ausgesprochen mit dem Vokal von <em>push<\/em> &#8211; um Verst\u00e4ndnis gebeten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Fahrt zum Bahnhof handele ich mir einen Ohrwurm ein, den ich den ganzen Tag nicht mehr los werde: \u201eWaterloo Station\u201c von den Kinks.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die notorisch schnellen Londoner Rolltreppen geht es zur U-Bahn. Alles ist modern und sauber. Die meisten der neun Stationen auf dem Weg nach Waterloo sind mir unbekannt. In Waterloo habe ich noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Zuges. Dies ist der ber\u00fchmte renovierte Bahnhof, den ich schon einmal bei einer Stadtf\u00fchrung besichtigt habe. Von hier aus startet der Eurostar, und von hier aus geht es in den englischen Westen. Ein Photomotiv in Form eines Kiosks, der <em>A Piece of Cake<\/em> hei\u00dft. Die Kamera ist im Koffer, aber durch Zufall finde ich sie sofort. Im Zug nach Exeter, sagt man mir, gibt es ein Bistro, aber mir wird empfohlen, mich hier zu versorgen. Das sei besser und billiger. Die Tchibo-Regenjacke bew\u00e4hrt sich, nicht als Regenschutz, sondern wegen der vielen Taschen, in der <em>scone<\/em> und <em>pastry<\/em> verschwinden, damit ich noch eine Hand f\u00fcr den Kaffee frei habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch im Zug ist alles modern und sauber. Alles \u00f6ffnet und schlie\u00dft sich auf Knopfdruck. Es ist eine dreist\u00fcndige Fahrt ohne Vorkommnisse durch nichtssagende Landschaft. Die \u00c4hren, die in Deutschland in Form von R\u00e4dern auf den Feldern liegen, stehen hier in Form von Pfeilern auf den Feldern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Exeter erfahre ich, dass mein Hotel in den <em>outskirts<\/em> ist und dass man am besten mit dem Taxi dorthin kommt. In der N\u00e4he ist ein Taxi-Shop, und sofort wird jemand herbeitelephoniert. Also bin ich heute mit dem Auto nach Luxemburg, mit dem Flugzeug nach London, mit dem Bus nach Canning, mit der U-Bahn nach Waterloo, mit dem Zug nach Exeter und mit dem Taxi zum Hotel gefahren \u2013 sechs Transportmittel!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Taxifahrer mit der sanften Stimme findet mein Englisch gut und\u00a0 erz\u00e4hlt von Stadtf\u00fchrungen, die t\u00e4glich stattfinden und gratis sind. Dennoch verbessert sich meine Stimmung nicht angesichts des langen Weges. Das Reiseb\u00fcro scheint eine eigenwillige Vorstellung von \u201ezentraler Lage\u201c zu haben. Der Taxifahrer sagt, als ich von der Wanderung in Exmoor erz\u00e4hle: \u201eBut that\u2019s in North Devon\u201c, so als wenn das abenteuerlich, gef\u00e4hrlich, extravagant oder unerreichbar weit weg w\u00e4re.\u00a0 Schlie\u00dflich geht es an einem kleinen Bahnhof vorbei, Pinhoe, und ich merke zu meinem Entsetzen, dass das die letzte Haltestelle des Zugs vor Exeter war. Ich h\u00e4tte hier aussteigen k\u00f6nnen! Es geh noch ein St\u00fcck die Landsra\u00dfe und dann einen Weg entlang zum Hotel. Dort angekommen, bin ich um 10\u00a3 \u00e4rmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Rezeption versichert man mir, es gebe Busse ins Zentrum. Also geht es fast postwendend wieder zur\u00fcck. Die Busse haben Buchstaben statt Zahlen. Meiner ist der B. Die Frage des Busfahrers \u201eSingle?\u201c \u00fcberfordert mich \u2013 ich bin allein auf weiter Flur &#8211; dass ich ja sage, obwohl ich nachher zur\u00fcckfahre. Im Bus bin ich, um 3 Uhr am Samstag Nachmittag, der einzige, bis zu meiner \u00dcberraschung ein Ausl\u00e4nder einsteigt, hier, in einem b\u00fcrgerlichen Vorort in der englischen Provinz. Er spricht (per Handy) in einer schwer zu identifizierenden Sprache. Ich tippe auf T\u00fcrkisch, und es ist T\u00fcrkisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Stadt ist es rappelvoll. Erster Eindruck eher entt\u00e4uschend: Das Tor zu einer normannischen Burg, ein kurioser, ganz niedriger gew\u00f6lbter Durchgang neben einer Kirche, 2-3 sch\u00f6ne kleine Kirchen, ein Kaffeehaus im Tudorstil, aber kein sch\u00f6nes Ensemble. F\u00fcr alles entsch\u00e4digt aber die Kathedrale mit einer sch\u00f6nen Fassade und einem \u00fcberw\u00e4ltigenden Inneneindruck. Zwei m\u00e4chtige normannische T\u00fcrme stehen am Ende des Querhauses (!), der Rest ist neuer, aber alles f\u00fcgt sich harmonisch zusammen. Nicht sehr hoch, aber lang, mit einer breiten, mit mehreren Skulpturenreihen geschm\u00fcckten Fassade, ein langgestrecktes L\u00e4ngsschiff mit dem (angeblich) l\u00e4ngsten durchgehenden gotischen Gew\u00f6lbe der Welt. Sehr sch\u00f6n, Schmuck durch architektonische Elemente, vor allem durch eine Vielzahl von W\u00fclsten an den S\u00e4ulen und durch eine Vielzahl von sehr dekorativen Schlusssteinen. Einer der restaurierten Schlusssteine zeigt die Szene der Ermordung Beckets. An der Nordseite des L\u00e4ngsschiffs eine ungew\u00f6hnliche Skulptur mit 12 musizierenden Engeln, alle mit anderen Instrumenten. Pr\u00e4chtiger Lettner und Schnitzaltar trennen Chor von Gemeinde. Dar\u00fcber Orgel, die mit ihren Pfeifen architektonische Formen aufnimmt und gut passt, aber den Blick auf den Chor versperrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor dem Lettner zur Anschauung die Kopie einer Ikone, die einen von zwei Grundtypen repr\u00e4sentiert: Jesus weist mit einer Hand auf aufgeschlagenes Buch und konkrete Textstelle, Daumen und Mittelfinger der anderen Hand sind aneinander gedr\u00fcckt. Das bedeutet die Verbindung von Welt (Daumen) mit irdischem Jesus (Mittelfinger). 1. Finger ist Gottvater, 2. Finger Hl. Geist, 4. Finger Himmlischer Jesus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach in die Stadt und Weintrauben und K\u00e4se f\u00fcr den Abend gekauft und nach Briefmarken, Postkarten und Plastikbesteck gesucht \u2013 am Ende erfolgreich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck mit dem K, den ich zuf\u00e4llig irgendwo sehe, der aber eine andere Route als der B nimmt und mich irgendwo in Pinhoe herausl\u00e4sst. Ziellos durch den Ort gewandert, niemanden getroffen au\u00dfer einem Jungen, der mich glatt in die falsche Richtung schickt. Immer m\u00fcder werdend am Ende zuf\u00e4llig auf den Bahnhof gesto\u00dfen und mich noch gerade bis zum Hotel geschleppt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend Dokumentarfilm \u00fcber Selbstportraits gesehen, bei der Verbindungen zwischen Michelangelo und Rembrandt (der nur 50 Jahre nach dessen Tod geboren wurde) hergestellt werden. Beide waren d\u00fcster-pessimistisch und sahen sich allein gelassen, obwohl sie gefeiert wurden und der Gesellschaft gaben, was diese w\u00fcnschte. Rembrandt hat sich selbst \u00fcber 100 Mal portraitiert, auch als Zeuge in biblischen Szenen, z.B. bei der Kreuzigung. Auch von Gogh wird erw\u00e4hnt, der hier von Goff ausgesprochen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zitat aus der <em>Times<\/em>: \u201cGermany is incapable of electing a strong and radical leader\u201d! (S. 41)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute allein f\u00fcr den Transport im Lande ausgegeben: 3.00\u00a3 + 2.80\u00a3 + 10.00\u00a3 + 1.50 \u00a3 + 1.50\u00a3 = 18.80\u00a3!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Hotel hei\u00dft <em>Gipsy Hotel<\/em>, in der Stadt gibt es Modekleidung der Marke <em>Gypsy<\/em>. Britisches vs. Amerikanisches Englisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit einem Fernsehbericht \u00fcber das VW-Werk in Dresden im Rahmen der Berichterstattung \u00fcber die Bundestagswahlen wird Hitler erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das englische Buch, das die meisten Neudrucke erfahren hat, ist nicht die Bibel und auch nicht Shakespeare oder Agatha Christie, sondern <em>The<\/em> <em>Complete Angler<\/em>, jedenfalls dem <em>Rough Guide<\/em> zufolge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">18. September (Sonntag)<\/span><\/p>\n<p>Der Trainer von Charlton Athletics sagt im Interview: \u201cThey\u2019re hard to beat and that wasn\u2019t always the case\u201d, mit <em>beat<\/em> als <em>bate<\/em> und <em>case<\/em> als <em>kise<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck gibt es in einem gro\u00dfem, nicht sehr einladenden Raum, in dessen Ecke Plastikst\u00fchle gestapelt sind, was den Reiz des \u00fcppigen Fr\u00fchst\u00fccks erheblich reduziert. Au\u00dferdem gibt es Selbstbedienung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Hotel bin ich der einzige Ausl\u00e4nder. Selbst die Bedienung ist einheimisch. F\u00fcr den kontinentalen Gast ist es immer wieder ein komischer Anblick, wenn ergraute Herren im Gesch\u00e4ftsanzug Cornflakes essen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der B verkehrt sonntags nicht, deshalb muss ich den K nehmen. Der Busfahrer sagt, ich k\u00f6nne zur\u00fcck auch mit dem T fahren. In seiner Aussprache reimt sich T auf K.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Bus ist rappelvoll, haupts\u00e4chlich mit M\u00fcttern mit Kleinkindern, alle offensichtlich unterwegs zum Sonntagseinkauf ins Stadtzentrum. Im Bus gibt es ein elektronisches Laufband mit lokalen Informationen und sogar Stellenanzeigen \u00f6ffentlicher Arbeitgeber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Morgen F\u00fchrung durch \u201edas Herz von Exeter\u201c mit internationaler Beteiligung: Kanadier, Amerikaner, Norweger, eine Spanierin und eine Neuseel\u00e4nderin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Name der Stadt geht zur\u00fcck auf das vorr\u00f6mische <em>Eska<\/em>, was \u201aWasser\u2019 oder \u201aQuelle\u2019 hei\u00dft. Die R\u00f6mer nannten es <em>Eska Dumnoniorum<\/em>. Nach dem Abzug der R\u00f6mer verf\u00e4llt die Stadt und wird erst unter Alfred wieder aufgebaut und erh\u00e4lt den Namen <em>Esca Castrum<\/em> &gt; <em>Exeter<\/em>. Langer Widerstand gegen die Normannen, Stadt wehrt sich am l\u00e4ngsten, und William befestigt die Stadt gegen die Aufr\u00fchrer und schickt seine Frau als Aufpasserin hin. Wird durch Wollhandel zur florierenden Stadt, bis zum Niedergang in der Zeit der Industriellen Revolution. Es fehlt Kohle, um den Manufakturen im Norden Konkurrenz machen zu k\u00f6nnen. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt stark zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Westfront, die Schaufront der Kathedrale, ist eine sp\u00e4tere (aber noch mittelalterliche) Hinzuf\u00fcgung, die dritte Phase des Baus, nach den normannischen T\u00fcrmen und der Hauptkonstruktion im <em>Decorated Style<\/em> (XIII-XIV). Der Umbau mit Gew\u00f6lbe wurde unter Bischof Grandison beendet, bei seinem Tod (1369) hatte die Kathedrale fast das heutige Aussehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der unterschiedliche Erhaltungszustand der Figuren an der Westfront erkl\u00e4rt sich auch aus unterschiedlichen Gesteinsarten: Zun\u00e4chst wurde vor allem Beer Stone verwendet, ein sehr weicher Stein aus Beer, einem Ort in der N\u00e4he von Exeter, sp\u00e4ter der h\u00e4rtere Bath Stone.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Platz um die Kathedrale, der <em>Cathedral Close<\/em>, war fr\u00fcher viel dichter bebaut. Spuren eines Giebels sind am normannischen Nordturm zu sehen. Die H\u00e4user schlossen sich also direkt an die Kathedrale an. Rechts und links des Turms am n\u00f6rdlichen Seitenschiff Ersatz mittelalterlicher Kragsteine (<em>corbels<\/em>) durch neue, einige aus den 30er, andere aus den 70er Jahren. Darunter befindet sich die Abbildung der Tochter des Steinmetzen (nicht sehr schmeichelhaft) sowie ein wie eine Katze aussehender Hund mit Pfeife und eine M\u00f6we, das erste eine Anspielung auf einen Hund aus Exeter, Butch, dessen Herrn ihm das Pfeife rauchen beibrachte und der zu nationaler Bekanntheit gelangte, das zweite eine Anspielung auf eine M\u00f6we, die regelm\u00e4\u00dfig vor Spielen auf dem Rasen des Stadions des <em>Exeter City Football Club<\/em> landete und als gutes Omen gesch\u00e4tzt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am <em>Cathedral Close<\/em> H\u00e4user der h\u00f6heren Klerus. (Bischofspalast unzug\u00e4nglich auf anderer Seite). Darunter Haus mit mit 612 Nieten beschlagener <em>Wicket<\/em> <em>door<\/em> und sch\u00f6nem Innenhof mit Glyzine (<em>wisteria<\/em>) an allen Seiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter den profanen Bauten <em>Mol\u2019s<\/em> <em>Coffee House<\/em> im Tudorstil, einem Haus eines Bilderrahmenmachers, der im Obergeschoss seine Werkstatt hatte. Als erster Auftrag fertig, war Bild so gro\u00df, dass er Schlitze in alle Fu\u00dfb\u00f6den machen musste, um Bild hinunter zu bekommen. Schlitze bis heute erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Royal Clarence<\/em> erstes Hotel am Ort und das erste in England, das das Wort <em>Hotel<\/em> im Namen f\u00fchrte (1769). Man hatte einen franz\u00f6sischen Hotelchef (<em>manager<\/em>) engagiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der <em>High Street<\/em> eine moderne Skulptur, sehr auff\u00e4llig, aber ohne Erkl\u00e4rung nichtssagend. Es ist eine Art kristallene Pyramide mit mehreren L\u00e4ngseinschnitten. In jedem L\u00e4ngsschnitt ist ein R\u00e4tsel angebracht, dessen L\u00f6sung sich auf einer gl\u00e4sernen Kugel am Fu\u00df des Einschnitts befindet, allerdings auf der R\u00fcckseite. Man kann sie lesen, weil sie sich unten im Glas der Einschnitts spiegelt. Die Skulptur ist eine Anspielung auf das ber\u00fchmte <em>Exeter Book<\/em>, ein mittelalterliches Buch mit Gedichten und R\u00e4tseln, das sich in der Sammlung von Bodley befand, die den Grundstock der ber\u00fchmten Oxforder <em>Bodleian Library<\/em> bildete. Er lie\u00df es als einziges Buch in Exeter zur\u00fcck, da es Fettflecken, Ringe und Einkerbungen aufwies. Man hatte es als Bierdeckel und Brettchen benutzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An dieser Stelle wird die High Street breiter. Dieser Teil wurde nach einem Bombenangriff 1942 stark zerst\u00f6rt und sp\u00e4ter nicht wieder aufgebaut. In dem hinteren, schmaleren Teil der High Street ein auf der Stirnwand eines Hauses angebrachtes Portrait in Renaissance-Manier: Hillyard, der Portraitmaler, Henrietta Ann, die Tochter Charles I., die im B\u00fcrgerkrieg hier in der Sicherheit der Provinz aufwuchs, und Bodley, der hier geboren wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der N\u00e4he zwei benachbarte gro\u00dfe Kaufmannsh\u00e4user, eins im Tudor-, eins in Stuartstil. Nur die Fassaden sind erhalten (und vermutlich stark restauriert), aber sie liefern eine sch\u00f6ne Gegen\u00fcberstellung der beiden Stile.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber das <em>Abbey<\/em>, ein Tudorhaus, das aber von 1913 stammt und von Boots, dem Besitzer der Kette, erbaut wurde, mit der Auflage, alles wie zur Tudorzeit zu machen. Es durften sogar nur Werkzeuge verwendet werden, die es damals schon gab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber die <em>Guildhall<\/em> (geschlossen), mit einem sch\u00f6nen, in einer zweiten Bauphase angef\u00fcgten steinernen Portikus (XVI), ein Haus, das sp\u00e4ter vom Stadtrat benutzt wurde und bis heute benutzt wird. Daneben <em>The Turk\u2019s Head<\/em>, heute Restaurant, fr\u00fcher Pub. Hier verkehrte Dickens, dessen Eltern aus Exeter stammten, und lie\u00df sich zu von der Kundschaft und den Gespr\u00e4chen inspirieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der N\u00e4he eine Stra\u00dfe, die man beim Vorbeigehen kaum wahrnimmt, schon gar nicht als Stra\u00dfe. Es ist aber die (angeblich) engste Stra\u00dfe der Welt, nicht mehr als ein sich langsam nach hinten erweiternder Durchgang zwischen zwei hohen Geb\u00e4uden, hat aber einen richtigen Stra\u00dfennamen, <em>Parliament Street<\/em>, angeblich ein Spottname aus der Zeit der <em>Reform Bill<\/em>, und ein offizielles Stra\u00dfenschild.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch das moderne Shopping Centre l\u00e4uft die <em>Waterbeer<\/em> <em>Street<\/em>, ein scheinbar transparenter Name, der aber mit verw\u00e4ssertem Bier nichts zu tun hat, sondern eine Verballhornung von <em>Waterbearer Street<\/em> ist. Hier liefen die Wassertr\u00e4ger entlang, die Wasser vom Fluss in die reichen Kaufmannsh\u00e4user trugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vom <em>Cathedral Close<\/em> geht die mittelalterliche <em>St. Martin\u2019s<\/em> <em>Lane<\/em> ab, in der ein altes Pub ist, das Drakes Lieblingslokal gewesen sein soll \u2013 und es nicht unterl\u00e4sst, damit zu werben. Er soll hier einmal so betrunken gewesen sein, dass er anschlie\u00dfend nur noch in Begleitung kommen durfte, eine milde Form des Lokalverbots. Was betrunken hei\u00dft, habe ich gestern auf einer Spruchkarte erfahren: \u201eYou are not drunk if you lie on the floor and do not have to hold on to it.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ausgang auf der anderen Seite des <em>Cathedral Close<\/em> eine kleine Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke, die ein bequemer B\u00fcrgermeister anbringen lie\u00df, der bei der allj\u00e4hrlichen Inspektion der Stadtmauer hier immer herunter und dann wieder hinauf musste. Daneben ein <em>touchstone<\/em>, den man beim Entritt in die Stadt ber\u00fchrte, um alle S\u00fcnden hinter sich zu lassen. Ritter durften auch das Schwert benutzen, um ihn \u201evon oben herab\u201c zu ber\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stadtf\u00fchrer ist ganz besch\u00e4mt und entschuldigt sich kleinlaut f\u00fcr auf dem ganzen <em>Cathedral Close <\/em>herumliegenden M\u00fcll, obwohl er pers\u00f6nlich nichts daf\u00fcr kann und obwohl es sooo schlimm nun auch wieder nicht ist. Es sind offenbar die Spuren von einem Treffen vorwiegend junger Leute, die gestern hier \u00fcberall sa\u00dfen (und lagen!), viele davon in Schwarz gekleidet, vielleicht <em>Gothic People<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Mittag ein Muffin mit Milchkaffee in einem Nichtraucherlokal, das seine Gesundheitsideologie \u00fcberall paradiert. Kommt mir eher kleinkariert als fortschrittlich vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den Briefk\u00e4sten verwirrt mich die Wahl zwischen <em>franked mail<\/em> und <em>stamped mail<\/em>. Was ist was, und wof\u00fcr gibt es \u00fcberhaupt die Unterscheidung?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Nachmittag Tour entlang der Stadtmauer mit \u00fcberforderter Stadtf\u00fchrerin, wieder mit internationaler Beteiligung: eine Russin, eine Belgierin, eine Neuseel\u00e4nderin. Die Stadtf\u00fchrerin wartet auf den Glockenschlag von der Kathedrale. Es ist wirklich nur ein Schlag. Die Glocke ist so schwer, dass man sie nicht l\u00e4uten kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von der Stadtmauer ist nur sporadisch etwas zu sehen. Sie soll r\u00f6misch sein. Es wurden verschiedene Gesteinsarten verwendet, Vulkangestein und zwei weitere, darunter eine r\u00f6tliche. In einem niedrigen Durchgang kann man die <em>herringbone<\/em> <em>technique<\/em> sehen, bei der zur St\u00e4rkung der Statik die Steine mal nach rechts, mal nach links ausgerichtet sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehrere T\u00fcrme der Stadtmauer wurden zu unterschiedlichen Zeiten als Gef\u00e4ngnis genutzt. Die Insassen wurden aber nicht ern\u00e4hrt, sondern lie\u00dfen, wie man auf einer Abbildung sieht, einen Schuh an einer Kordel aus dem Gef\u00e4ngnis herunter, in dem Freunde oder Wohlt\u00e4ter milde Gaben deponieren konnten, die dann mittels der Kordel in die Gef\u00e4ngniszelle gezogen wurden. Daher erkl\u00e4rt sich (angeblich) der Ausdruck <em>on a shoestring<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die am Vormittag schon bemerkten Ruinen in der N\u00e4he des <em>Cathedral Close<\/em> geh\u00f6ren nicht zu einem Kloster, sondern zu einem Armenhaus (<em>almshouse<\/em>!) mit Kapelle (XV). Es wurde im 2. Weltkrieg zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der N\u00e4he im Park ein uns\u00e4gliches heroisches Denkmal des 1. Weltkriegs, das alle wunderbar finden. Da zeigen sich Grenzen des interkulturell zu vermittelnden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das R\u00e4tsel mit dem <em>castle<\/em> l\u00f6st sich auf. Die Normannen f\u00fcgten zwei r\u00f6mischen Mauerabschnitten zwei weitere hinzu und schufen dadurch einen ummauerten Bezirk, und der hei\u00dft, etwas irref\u00fchrend, <em>castle<\/em>. Darin befanden sich mehrere Geb\u00e4ude, heute noch das inzwischen leerstehende ehemalige Geb\u00e4ude der <em>Assize Courts<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An einem Abhang an der Mauer Katakomben, die man gleich neben dem Friedhof errichtete, weil dieser von Grabr\u00e4ubern \u2013 <em>body snatchers<\/em> \u2013 heimgesucht wurde. Ein Bischof lie\u00df eine Trennmauer anbringen, die quer durch Friedhof und Katakomben lief und \u201eRechtgl\u00e4ubige\u201c von \u201eKetzern\u201c trennte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrt vorbei am Kai, der aber rechts liegen gelassen und nicht besichtigt wird. Den Fluss sieht man nur aus der Ferne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Weg weist die F\u00fchrerin auf eine Pflanze mit wolliger, wei\u00dfliche Bl\u00fcte hin Sie hei\u00dft <em>Old Man\u2019s Beard<\/em> (Waldrebe).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leider gleich an einer Schnellstra\u00dfe gelegen eine malerische Ecke. Hier steht ein beliebtes Postkartenmotiv, das <em>House That<\/em> Moved, ein unregelm\u00e4\u00dfiges Fachwerkhaus auf St\u00fctzen, das wegen des Verkehrs vor einigen Jahren auf Rollen von seinem urspr\u00fcnglichen Standort ein paar Meter entfernt hierher gebracht wurde. Gegen\u00fcber zwei H\u00e4user aus der Tudorzeit, daneben eine steinerne Stiege, die auf flachen Stufen einen verwinkelten Weg zwischen zwei H\u00e4usern nimmt. Daneben eine Kirche mit einer kleinen astronomischen Uhr und drei sehr weltlich aussehende Figuren, die sich beim Stundenschlag bewegen und jede vierte Stunde eine Glocke schlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der F\u00fchrung noch ausgiebig in einer Buchhandlung gest\u00f6bert, <em>Waterstone\u2019s<\/em>. Sehr gut, aber am Ende entschieden, den eigentlichen B\u00fccherkauf auf Bristol zu verlegen, um mir unn\u00f6tiges Gep\u00e4ck zu ersparen. Sollte sich als Fehler erweisen. So bleibt es am Ende bei einem Buch \u00fcber englische Ortsnamen, in dem ich zuf\u00e4llig etwas \u00fcber <em>Exmoor<\/em> finde. In geographischen Bezeichnungen \u2013 auch <em>Dartmoor<\/em>, <em>Yorkshire Moors<\/em> \u2013 bedeutet <em>moor<\/em> nicht unbedingt \u201aMoor\u2019 im engeren, modernen Sinne, sondern steht ganz allgemein f\u00fcr \u201a\u00d6dland\u2019, \u201anicht bebautes Land\u2019, ob Moor, Heide oder Marsch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich zur\u00fcckfahre, ist der Bus wieder voll, mit den gleichen M\u00fcttern mit Kleinkindern wie am Vormittag, aber diesmal mit vollgepackten Einkaufst\u00fcten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ende einer Fernsehsendung verabschieden sich die Moderatoren mit \u201eGood night.\u201c Es ist aber erst sieben Uhr abends.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Ank\u00fcndigung gesehen f\u00fcr eine Sendung, die <em>The Big Heist<\/em> hei\u00dft. Was hei\u00dft das?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Wahlberichterstattung aus Deutschland zeigt sich das englische Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr das deutsche Wahlsystem: Nur die Ergebnisse der beiden gro\u00dfen Parteien werden genannt, und das \u00e4ndert sich bis sp\u00e4t in den Abend nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">19. September (Montag)<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen erst in der Touristeninformation Instruktionen f\u00fcr die komplizierte Weiterfahrt nach Exmoor am Mittwoch eingeholt. Dort eine Karte mit dieser Zeichnung gesehen: Ein volles Kino mit einem lachenden Publikum, mitten unter ihnen ein junger Mann mit langem Gesicht. Titelzeile: \u201e I just realized that my English is not as good as I thought\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann F\u00fchrung in der Kathedrale mit ausgezeichneter, professioneller F\u00fchrerin. Sie erkl\u00e4rt, dass in den letzten Jahren immer mehr Deutsche diese Gegend Englands besuchen. Sie liefert auch gleich die Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese \u00fcberraschende Tendenz mit: Es liegt an der Verfilmung der Romane von Rosamond Pilcher!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie f\u00fchrt uns zun\u00e4chst in einen Innenhof an der S\u00fcdseite, von wo aus man einen guten Blick auf den normannischen Turm hat. Hier befand sich das Kloster der Angelsachsen, in dem (vielleicht) Bonifatius erzogen wurde. Im Innenhof hat man an einige Restaurierungsarbeiten vorgenommen, die nicht ihren Beifall finden (und auch nicht zu Ende gef\u00fchrt wurden).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb des Innenhofs das Haus des Deans, des eigentlichen Hausherren der Kathedrale, ein Haus aus dem f\u00fcr diese Gegend typischen Sandstein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotz der verschiedenen m\u00fcndlichen und schriftlichen Erkl\u00e4rungen wird mir die fr\u00fche Geschichte der Kathedrale einfach nicht klar. Es fallen viele Namen, von denen mir einige unbekannt sind und von denen ich die anderen nicht richtig einordnen kann: Leofric (XI), Athelstan (X), Bischof Grandison (XIV).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Giebel der Kathedrale erschient die ungew\u00f6hnliche Statue eines jungen Petrus mit Fischernetz. Petrus ist der Schutzpatron der Kathedrale, deren Symbol zwei gekreuzte Schl\u00fcssel sind. Wenn man irgendwo in England auf ein Pub st\u00f6\u00dft, das <em>The Crossed Keys<\/em> hei\u00dft, kann man sicher sein, dass in der N\u00e4he eine Peterskirche ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Westfront verwittert, einige Figuren erneuert, z.B. die des Eroberers, andere weisen Farbreste auf. Deshalb und aufgrund der vielen erhaltenen Auftragsb\u00fccher k\u00f6nnen die urspr\u00fcnglichen Farben gut rekonstruiert werden. Zustand der Skulpturen beeintr\u00e4chtigt durch a) <em>bonfires<\/em>, die unmittelbar vor der Kathedrale veranstaltet wurden, b) Wind und Regen (kommen vorwiegend aus S\u00fcdwest), c) sauren Regen, d) Besch\u00e4digungen in den Religionskriegen. Da wundert man sich, dass \u00fcberhaupt noch etwas da ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Gew\u00f6lbe ist kein <em>fan-vaulting<\/em>, obwohl es so in einem F\u00fchrer steht. Es stammt aus einer fr\u00fcheren Epoche.\u00a0\u00a0 Nur ein kleines unter dem n\u00f6rdlichen Eingangstor ist <em>fan-vaulting<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Stein innen ist Purbeck Marble, ein im Gegensatz zum italienischen nicht polierter Marmor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Leute der West Country gelten als bequem und tr\u00e4ge. Dazu passend sind (angeblich) die Pfeiler der Kathedrale, deren Sockel so breit auslaufen, dass man sich drauf setzten konnte, lange bevor Kirchen bestuhlt waren. Auch den Seiten ein Gesims, auf das man sich setzen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schlusssteine (englisch <em>bosses<\/em>, weil sie oben sind!) durchziehen die gesamte L\u00e4nge des Hauptschiffs, es sind \u00fcber 100. Einer der Ritter, die Becket (urspr\u00fcnglich ein Spottname, von franz. <em>bec<\/em>, \u201aSchnabel\u2019 abgeleitet) ermordeten, kam aus Devon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im n\u00f6rdlichen Querschiff eine Holzt\u00fcr mit Loch. Tats\u00e4chlich ein Katzenloch: Die Kathedrale hielt sich lange Zeit ein Katze, um die Kirche m\u00e4usefrei zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Davor eine astronomische Uhr auf blauem Hintergrund, mit der Erde im Zentrum und drei konzentrischen Kreisen. Zeigt die Stunde, die Mondphase und, auf einem zweiten, sp\u00e4ter angebrachten Zifferblatt, die Minuten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daneben die Statue Northcotes, eines begabten, aber nicht genialen Malers, eines Sch\u00fclers von Reynolds. Da er sehr klein war, wurde er sitzend dargestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im s\u00fcdlichen Querschiff eine Grabplatte mit einer trauernden Jungfrau, bei deren Darstellung ein Fehler unterlaufen ist: Sie hat zwei linke Beine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Chorumgang mehrere Kapellen, darunter die Grabkapelle eines gewissen Hugh Oldham (XVI), einem bedeutenden Erzieher und Gr\u00fcnder der Manchester School. Er ist in vollem Ornat dargestellt, bunt gefasst. Unter seinem Kopfkissen guckt, auf die seiner Bedeutung entsprechende Gr\u00f6\u00dfe reduziert, ein Sch\u00fcler hervor. Mehrmals in der Kapelle taucht das Motiv der Eule auf, eine phonetische Anspielung auf Oldham.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter den Schlusssteinen im Chor auch eine Sirene! Im Mittelalter mischte man fr\u00f6hlich durcheinander, so sie Kinder es tun, hier weltliche und geistige Motive.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Miserikordien sind von besonderem Wert, k\u00f6nnen aber nicht gesehen werden. Ausgestellt ist die eines Elefanten, mit Pferdeschwanz und Kuhbeinen, aber bestens als Elefant zu erkennen, obwohl nur nach H\u00f6rensagen geschaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im <em>Cathedral Shop<\/em> kaufe ich anschlie\u00dfend, sehr zum Vergn\u00fcgen der alten Dame an der Kasse, einen Aufkleber mit der Aufschrift: \u201e Dull women have immaculate houses\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend im <em>Cathedral Caf\u00e9<\/em> einen leckeren Tee mit <em>scone<\/em> f\u00fcr nur 1.95\u00a3!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wegen des guten Wetters aufs Museum verzichtet und statt dessen zum Kai gebummelt. Dabei teilweise den Weg von gestern nachgelaufen, aber diesmal die Eisenbr\u00fccke und den Fluss zu sehen bekommen. Die Eisenbr\u00fccke (XIX) wurde unter dem Protest der Leute gebaut, die heute gegen ihren Abriss protestieren w\u00fcrden. Gr\u00fcn gefasst, \u00fcberspannt sie in mehren B\u00f6gen die Stra\u00dfe, nicht, wie ich dachte, den Fluss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gegend um den Fluss war urspr\u00fcnglich die \u00e4rmste Gegend der Stadt, heute ein Vorzeigest\u00fcck, vor allem an solchen Tagen. Hier gibt es in den alten, renovierten Lagerh\u00e4usern alles, was der Tourist begehrt, aber doch keinen Rummel. Ich leiste mir ein (hervorragendes) Eis mit Rum und Rosinen, eine neuen Film f\u00fcr die Kamera und Tee auf einem kleinen Platz am Fluss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eSorry, I am not allowed to accept Scottish bills\u201c, sagt man mir, als ich den Film kaufe. Am Abend kann ich mein Geld aber im Supermarkt unterbringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Information Centre gibt es eine Film \u00fcber Exeter: Die R\u00f6mer verlie\u00dfen nach 20 Jahren Exeter wieder und zogen nach Wales weiter, jedenfalls die Legionen. Nach dem Niedergang nach Ende des R\u00f6merreichs wurde die Stadt unter Alfred wiederaufgebaut: <em>Gandy Street<\/em> und <em>St. Martin\u2019s Lane<\/em> entsprechen noch dessen Stadtplan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Stadt florierte durch den <em>Serge Trade<\/em>, hatte aber ein Problem: die Verkehrswege. Der Exe war stellenweise zu seicht, also wurde ein Kanal gebaut, und Topsham wurde zum Hafen von Exeter. Von da an hatte man Handelsbeziehungen zum ganzen westlichen Atlantik (Porto, Bilbao, La Rochelle usw.), wo man Wein bekam,\u00a0 und sp\u00e4ter nach Amerika, wo man Tabak und Zucker bekam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Niedergang der Industrie wurde Exeter zu einem Modeort f\u00fcr pensionierte Kapit\u00e4ne und \u00fcberlebte so: Die wachsende Stadt stellte Diener, Kaufleute, \u00c4rzte, Waren, die von diesen gefragt wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach ins Kino: <em>Pride and Prejudice<\/em>, eine sch\u00f6ne Romanverfilmung mit Figuren, die trotz ihrer vornehmen Stellung auch mal ganz w\u00f6rtlich Dreck am Stecken haben, wenn sie \u00fcber den Hof laufen, auf dem auch H\u00fchner und Schweine zu Hause sind, und die in H\u00e4usern leben, die, wenn auch vornehm, nicht von abbl\u00e4tterndem Putz verschont bleiben.\u00a0 Sehr sch\u00f6n der Ball, bei dem es nicht vornehm-reserviert, sondern laut und fr\u00f6hlich zugeht und bei dem gesprungen und geklatscht wird. Auch sch\u00f6ne Landschaftsaufnahmen, aber nicht kitschig, da oft eher d\u00fcster-melancholisch, unbewegt und ohne unterlegte Musik. Die Mutter nicht ganz die Nervens\u00e4ge, die sie sein sollte, der Vater sch\u00f6n kauzig und sehr verst\u00e4ndnisvoll, aber irgendwie merkw\u00fcrdig und etwas zu alt, die T\u00f6chter oft, ihrem Alter entsprechend, durchaus kindlich, Darcy kaum ein \u00fcberzeugender B\u00f6sewicht: Er sieht nicht b\u00f6se aus, sondern wie ein Schauspieler, der versucht, b\u00f6se auszusehen.\u00a0 Bewegende Szene, als j\u00fcngere Schwester den von \u00e4lterer Schwester verworfenen Bewerber, einen Pedanten und Schw\u00e4tzer, zu deren Entsetzen akzeptiert: \u201eI have no choice\u201c.\u00a0 Dies mag nicht der Traumprinz sein, aber angesichts meines Alters und meiner Mittellosigkeit ist das meine Chance (Sp\u00e4ter einmal in einem anderen Zusammenhang geh\u00f6rt: Bei Jane Austen scheint es um Liebe zu gehen, aber tats\u00e4chlich geht es um Geld). Bei allen Vorz\u00fcgen fragt man sich am Ende, warum man sich solche Filme ansieht: Die Handlung ist d\u00fcrftig, die Dialoge sind trivial, und das kaschiert der Film zwar, solange man im Kino sitzt, aber dann bleibt ein etwas fahler Nachgeschmack.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">20. September (Dienstag)<\/span><\/p>\n<p>Erste Regentropfen in dem Moment, in dem ich das Hotel verlasse, und als ich an der Haltestelle bin, regnet es in Str\u00f6men. Dort auf eine nette Frau getroffen, die mir, da der B nicht kommt, die Abk\u00fcrzung zur Haltestelle des K zeigt und ein paar Informationen gibt: Bei <em>Debenhams<\/em> gibt es ein Caf\u00e9 mit gutem Ausblick und schlechtem Kaffee, die riesige Baustelle im Zentrum ist eine <em>Redevelopment area<\/em>, wo man arch\u00e4ologische Funde gemacht und H\u00e4user abgerissen hat, die den Blick auf die Kathedrale verstellten. Nebenbei identifiziert sie einen Aussprachefehler von mir \u2013 <em>maritime<\/em> \u2013 und korrigiert ihn stillschweigend.\u00a0 Sie erw\u00e4hnt auch das unterirdische Wasserreservoir, eine der Attraktionen Exeters, das aber im Moment wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen ist, und gibt mir einen wertvollen Tipp: Ich soll am n\u00e4chsten Tag mit dem Zug zum Bahnhof fahren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterwegs versucht, ein Photo von <em>Bitsa this &#8230;Bitsa that<\/em> zu machen, aus dem fahrenden Bus. Als wir im Zentrum ankommen, hat es aufgeh\u00f6rt zu regnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Informationszentrum der <em>Redevelopment Area<\/em> ein Schild: \u201cTo aid orientation, the location in which <em>you are stood<\/em> .. will eventually become an important link between \u2026\u201d [Exeter City Council]. H\u00e4tte ich in jedem Sch\u00fcleraufsatz angestrichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Suche nach Notizbl\u00f6cken komme ich im an einer kleinen Kirche vorbei, die mitten im modernen Einkaufszentrum liegt, auf tieferem Niveau, wie die Kirchen in Athen. Es ist <em>St. Pancras<\/em>, eine einschiffige, einfache Kirche mir einer sch\u00f6nen, schlichten Holzdecke in der Form eines umgekehrten Schiffskiels. In der Mauer eine Auslassung, in der liturgische Ger\u00e4te gewaschen wurden. Das Inventar stammt z.T. aus der abgebrochen Kirche <em>All Hallows<\/em>: eine sch\u00f6ne, schlichte Holzkanzel, ein paar Grabplatten und ein zylindrisches Taufbecken. Sehr sch\u00f6ne Atmosph\u00e4re. In der Wand eine Treppe, abenteuerlich eng und gewunden, die fr\u00fcher zum Lettner f\u00fchrte. Warum man dazu eine Treppe ben\u00f6tigte, wird nicht erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend noch mal durch die Stadt gegangen, um Photos zu machen. Die Figuren der Kathedrale sind so angeordnet: unten Engel, Mitte K\u00f6nige, oben M\u00f6nche, Apostel, M\u00e4rtyrer. Mir f\u00e4llt auf, dass alle Apostel B\u00e4rte haben au\u00dfer Johannes und Simon, lange, struppige B\u00e4rte, Jesus aber einen sauber geschnittenen Kinnbart! Die Beine der K\u00f6nige sind gekreuzt oder \u00fcbereinandergeschlagen, vielleicht Symbol ihrer Teilnahme an Kreuzz\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das <em>Royal Clarence<\/em> hie\u00df fr\u00fcher einfach <em>The Hotel<\/em> \u2013 da es kein anderes gab, bedurfte es keines Namenszusatzes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mol\u2019s Coffee House<\/em> ist kein Kaffeehaus und war wohl auch nie eins. Als Thomas Mol, der Namensgeber, hier wohnte (XVI), war der Kaffee noch gar nicht nach England gelangt. Vermutlich diente es sp\u00e4ter als Handelshaus, in dem Kaffee bestellen konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Eckhaus der <em>St. Martin\u2019s Lane<\/em> ist ein 500 Jahre altes Haus, das jetzt eine Buchhandlung beherbergt. Es ist das Resultat der Zusammenlegung von zwei fr\u00fcher getrennten, dreist\u00f6ckigen H\u00e4usern. Sie hatten fr\u00fcher \u201eGarderoben\u201c, eine fr\u00fche Form von Toilette, die in die hintere Wand eingelassen waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Exeter wurde als unmittelbarer Vergeltungsschlag f\u00fcr die Bombardierung L\u00fcbecks bombardiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Name <em>Rougemont Castle<\/em> bezieht sich auf die erh\u00f6hte Position und den roten Sandstein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Mittag belebt sich der <em>Cathedral Close<\/em>, Sch\u00fcler und Gesch\u00e4ftsleute sitzen auf B\u00e4nken, Mauern und Rasen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <em>Queen Street<\/em> ist eine gerade, etwas breitere Stra\u00dfe, die von der High Street abgeht. Auf einem Geb\u00e4ude hoch \u00fcber der Stra\u00dfe eine Staue von Queen Victoria, nach der die Stra\u00dfe benannt ist, ausnahmsweise als jugendliche, schlanke Erscheinung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Passenderweise befindet sich hier auch das <em>Prince Albert Memorial Museum<\/em>, passenderweise in einem viktorianischen Geb\u00e4ude untergebracht. Beachtliches Sammelsurium mit etwas veralteter Pr\u00e4sentation, alles vorhanden vom ausgestopften B\u00e4ren \u00fcber Standuhren bis zu Mumien und Faustkeilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Devon in Altsteinzeit am \u00e4u\u00dfersten Rand der bewohnten Welt. Zwischen Eiszeiten nur sporadisch bewohnt. Aus dieser Zeit Faustkeile, multifunktional: Holz hacken, Fleisch schneiden, L\u00f6cher graben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach letzter Eiszeit (ab 8000) siedeln sich J\u00e4ger an, in Jungsteinzeit Bauern aus Europa. Aus dieser Zeit (Zeit der monumentalen <em>Burial grounds<\/em>) Waren, die \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Entfernungen ausgetauscht wurden, z.B. Keramikgef\u00e4\u00dfe aus Cornwall (aus nur dort vorhandenem Mineral). Gr\u00fcnde ungekl\u00e4rt: Prestige? Praktischer Nutzen? Geschenktausch?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bronzezeit: Begr\u00e4bnis in Urnen in <em>Burial grounds<\/em>. Gefallen an Luxusg\u00fctern entwickelt sich, z.B. fein gearbeitet Goldaarmb\u00e4nder (k\u00f6nnten in einem modernen Juwelierladen liegen) und verzierte Becher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>R\u00f6mer setzten von Deutschland aus zur Eroberung Englands an (43), erreichten dann Devon (55-75). R\u00f6mische Stra\u00dfenanlage noch gut am modernen Stadtplan zu erkennen: High Street ist Nord-S\u00fcd-Achse, Queen Street ist Verl\u00e4ngerung der n\u00f6rdlichen Stadtmauer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Afrika war bis 7.000 viel nasser als heute. \u00c4hnliche Techniken von Nil bis Niger, auch sp\u00e4ter Verbindungen von \u00c4gypten bis S\u00fcdafrika, aber kein Export der Pharaonenkultur. Warum nur?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Glass gibt es schon seit 3.000 Jahren! Es ist dekorativ und funktional, haltbar und br\u00fcchig, durchsichtig und farbig, und war bis zur Industriellen Revolution ein Luxusgut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei grundlegende Herstellungsverfahren: Kieselerde (Sand, Feuerstein, Quarz) oder alkalische Erde (mit Soda, Pottasche). Zur St\u00e4rkung konnte Kalk, zur Erh\u00f6hung des Gewichts Blei hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Brenn\u00f6fen oft kuppelf\u00f6rmig (um Hitze nach unten zu leiten) und mit mehreren \u00d6ffnungen (um verschiedene Arbeiten ohne Unterbrechung bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Exponate belegen vielf\u00e4ltige Verwendung: Tintenglas, Bierkrug, Medaillon, Vase, Briefbeschwerer, Weinglas, \u00d6llampe, Blasebalg und (dekoratives) Objekt in Form eines Horns (<em>bugle<\/em>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erste Techniken in Westasien, ab 4. Jh. BC Techniken mehr oder weniger bekannt und unver\u00e4ndert bis Industrielle Revolution. Wichtige Zentren Venedig (vor allem Luxusglas), in Frankreich (vor allem f\u00fcr Fenster), in Dolomiten und in B\u00f6hmen. Gelangte nach China erst im 17. Jh.!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Venedig: Fabrikation (XIII) nach Murano verlegt, wegen Brandgefahr! Fast Monopolstellung: geographische Lage + Seemacht. Besonderes Merkmal: Durch Hinzuf\u00fcgung von Substanzen wurde Kristall entf\u00e4rbt. Verboten, im Ausland zu arbeiten und Geheimnisse der Herstellung zu verraten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Niedergang, als weniger erlesene Formen aus Deutschland und B\u00f6hmen mit Gravierungen in Mode kamen: biblische Szenen, Jagdszenen, Landschaften.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem war das Glas weniger zerbrechlich, weil Pottasche statt Soda verwendet wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis weit in die Neuzeit (XVII) tranken oft alle aus einem Glas. Dann erforderte die neue Etikette, f\u00fcr jeden ein Glas zu haben, und einheitliche Formen und Gedecke wurden zur Norm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurios: Karaffe mit St\u00f6psel f\u00fcr Bier (laut Aufschrift), dagegen fr\u00fchere Weinflaschen in der Form heutiger Bierflaschen. Jetzige Form relativ neu. Wein gibt es erst seit relativ kurzer Zeit in Flaschen (XVII), fr\u00fcher nur in F\u00e4ssern und Schl\u00e4uchen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufschrift auf einem Glas: \u201cIf ye cant be aisy, be as aisy as ye can!\u201d (XIX)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kleine, aber feine Uhrensammlung mit Information zur Zeitmessung: Zeitsysteme waren lange unterschiedlich, es galten lokale Zeiten, erst 1850 wurde GMT eingef\u00fchrt und erst 1880 obligatorisch. Exeter war 14 Minuten hinter London, was nach der Einf\u00fchrung der Eisenbahn f\u00fcr Verwirrung sorgte. Die Z\u00fcge verkehrten nach Londoner Zeit, es gab zwei Fahrpl\u00e4ne mit unterschiedlichen Zeiten und einige Bahnh\u00f6fe hatten Uhren mit zwei Minutenzeigern. Exeter schloss sich erst nach langem Widerstand der einheitlichen Zeit an!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1884 wurden auf internationaler Konferenz 24 Zeitzonen eingef\u00fchrt. 1958 ersetzt Atomzeit astronomische Zeit und sp\u00e4ter GMT. Diese ist zehn Sekunden hinter Atomzeit. Warum? Die Messger\u00e4te waren genauer als die Erde selbst, die langsamer wird!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Existiert Zeit? Newton sagt ja, Einstein nein. F\u00fcr Newton gab es eine absolute Zeit, verschieden von der gew\u00f6hnlichen Zeit und nicht messbar, sie ist das Beh\u00e4ltnis, in dem das Universum sich befindet, und existiert unabh\u00e4ngig vom physischen Universum und hat kein Anfang und Ende. F\u00fcr Einstein ist die Zeit relativ, mit Beginn der Zeit beginnt das Universum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Bewusstsein von Zeit ist relativ: Wenn es langweilig ist, scheint die Zeit langsam zu vergehen, wenn es interessant ist, schnell. Daf\u00fcr gibt es keine wissenschaftliche Erkl\u00e4rung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>L\u00e4nge- und Breitengrade gab es schon bei Ptolem\u00e4us, aber erst seit der Neuzeit wurden sie praktisch genutzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mechanische Uhren gab es schon seit dem Hochmittelalter, aber erst Jahrhunderte sp\u00e4ter ersetzten sie gro\u00dffl\u00e4chig die Sonnenuhren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Zentrum des Museums, im Foyer, mit Galerien auf allen vier Seiten, eine ausgestopfte Giraffe, mit den F\u00fc\u00dfen im ersten und dem Kopf im zweiten Stockwerk. Giraffen haben vier M\u00e4gen, und das und eine gute Sicht und die H\u00f6he sind ihre St\u00e4rken. Der L\u00f6we ist ihr wichtigster Feind, und eine liegende Giraffe ist schwach, deshalb schl\u00e4ft sie im Stehen. Die Herden werden manchmal von Bullen angef\u00fchrt, aber es gibt auch einzelne Bullen und Bullenherden \u2013 genau wie bei uns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sch\u00f6ner Museumsteil \u00fcber die Entwicklung Exeters, mit nachgebauten H\u00e4usern und Gesch\u00e4ften und vielen originalen Teilen aus Kirchen und Wohnh\u00e4usern. Exeter wurde von Alfred wiedergegr\u00fcndet, als Teil eines Netzwerks befestigter St\u00e4dte gegen die Wikinger. Stadt wuchs schnell und war bei der Eroberung durch die Normannen die sechstgr\u00f6\u00dfte Stadt Englands, mit 2.000 Einwohnern! Das M\u00fcnster wurde zur Kathedrale, als Leofric (XI) seinen Sitz hierher verlegte. Dann Neubau einer Kathedrale (XII) &gt; M\u00fcnster wird zur Pfarrkirche (sp\u00e4ter, XIX, abgerissen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf ITV die 20 besten Werbungen der letzten 50 Jahre. An erste Stelle eine Werbung mit Mars-Menschen. Schwer nachzuempfinden, wenn man es nicht miterlebt hat. Nat\u00fcrlich auch dabei die mit den Badet\u00fcchern auf Mallorca. Kurios eine Werbung, in der nacheinander ein Hund, eine Katze und eine Maus ein Zimmer betreten und sich friedlich nebeneinander an den Ofen legen. Zum Schluss scheint die Katze der Maus einen Kuss zu geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">21. September (Mittwoch)<\/span><\/p>\n<p>In Ruhe alles zusammengepackt und zum Bahnhof gegangen, bei strahlendem Sonnenschein. Unbewachter Bahnhof mit allem, was man erwarten kann, au\u00dfer dem, woran mir jetzt am meisten gelegen w\u00e4re, einer Sitzgelegenheit. Es gibt klare, \u00fcbersichtliche Informationstafeln mit\u00a0 Adressen und Telephonnummern, eine elektronische Anzeige der n\u00e4chsten Z\u00fcge, einen beleuchteten Lageplan und ein Funktelephon, \u00fcber das man 24 Stunden am Tag Informationen bekommt oder Notf\u00e4lle melden kann. Ganz wie in Trier S\u00fcd!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Gegenrichtung wird ein Zug angek\u00fcndigt, dessen Endbahnhof, Waterloo, hier, in \u201eLondon Waterloo\u201c, auf der letzten Silbe betont wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Exeter geht es \u00fcber Taunton (Zug) und Minehead (Bus) nach Holnicote (Taxi). Dabei geht es von Devon nach Somerset. Besichtigungen fallen wegen des Gep\u00e4cks flach, und Taunton scheint ohnehin eher nichtsagend zu sein. In Minehead bekomme ich in einem kleinen Lokal ein Moussaka, die ihren Namen nicht verdient.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterwegs lese ich \u00fcber eine Inszenierung des <em>Nathan<\/em> in London. Auch hier geht es nicht ohne Erw\u00e4hnung Hitlers.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Buch \u00fcber Ortsnamen gefunden: George Stephenson war ein Ingenieur, der eine Lampe erfand. Diese Lampe wurde nach ihm <em>George\u2019s<\/em> oder <em>Geordie\u2019s<\/em> genannt. Dann wurde der Name der Lampe auch auf die Leute ausgedehnt, die sie bei der Arbeit benutzen, n\u00e4mlich die Bergleute aus Newcastle. Schlie\u00dflich griff der Name auf die Menschen aus Newcastle allgemein und die der Umgehung \u00fcber. So kamen die Menschen aus Tyneside zu dem Namen <em>Geordies<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unbedingt nachschlagen, in welcher Umgebung &lt;u&gt; weiterhin \/u\/ ausgesprochen wird: <em>full<\/em>, <em>bull<\/em>, <em>pull<\/em>, <em>bush<\/em>, <em>push, butcher<\/em>, <em>put<\/em>, <em>pulpit<\/em>, <em>cushion<\/em>, aber: <em>dull<\/em>, <em>hush, cut<\/em>. Gibt es da eine Regelm\u00e4\u00dfigkeit?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In <em>Holnicote House<\/em> ist alles bestens, auch wenn ich mich im Anfang sehr fremd f\u00fchle. Das Badezimmer hat sogar heizbare Handtuchstangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Nachmittag gibt es nach einer kurzen Begr\u00fc\u00dfung f\u00fcr die Neuank\u00f6mmlinge einen Spaziergang im Regen in das vorzeigbare Dorf Selworthy (lauter strohgedeckte H\u00e4user mit lehmgelbem Anstrich). Die kleine Kirche hat eine sch\u00f6ne Holzdecke und eine Sanduhr \u00fcber der Kanzel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Abendessen sitzt man an Tischen zu acht, gerade wie\u2019s kommt, ohne feste Sitzordnung. Das Essen ist hervorragend, vor allem das Huhn am ersten Tag, aber <em>gammon<\/em> und <em>spinakoppita<\/em> and den n\u00e4chsten Tagen sind auch nicht zu verachten, und die K\u00e4seplatte, die ich zum Abschluss gew\u00e4hlt habe, zieht die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. An unserem Tisch sitzt eine v\u00f6llig \u00fcberforderte, kleine, dicke, ungepflegte Frau, Susan, der es f\u00fcr diese Wanderungen an Beweglichkeit mangelt und die kaum in der Lage ist, ein Formular auszuf\u00fcllen, das alle anderen schon l\u00e4ngst abgegeben haben. Sie l\u00f6chert den ebenfalls an unserem Tisch sitzenden Leader, der ihr inzwischen ein zweites Formular besorgt hat, da sie das erste verloren hat,\u00a0 das dann aber wieder auftaucht und f\u00fcr noch mehr Verwirrung sorgt, mit allen m\u00f6glichen Fragen, die er schon beantwortet hat oder die \u00fcberfl\u00fcssig sind. It takes all sorts &#8230; Als die Rede auf Trier kommt, ist sie erstaunlicherweise die einzige, die es kennt. Erst glaube ich, sie habe mich vielleicht falsch verstanden, sie wei\u00df aber, dass Gloucester unsere Partnerstadt ist und empfiehlt mir, wenn ich mal dorthin k\u00e4me, unbedingt das in der N\u00e4he gelegene Tewkesbury zu besuchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt ausf\u00fchrliche Erkl\u00e4rungen zu den Wanderungen am n\u00e4chsten Tag. Man kann zwischen schwer, mittelschwer und leicht w\u00e4hlen. Die Distanzen h\u00f6ren sich harmlos an, aber man ist den ganzen Tag unterwegs. Ich w\u00e4hle den mittelschweren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend bestellt man die Marschverpflegung f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Mann kann zwischen <em>sandwich<\/em> und <em>bap<\/em> w\u00e4hlen. Nie geh\u00f6rt. Stellt sich als eine Art weiches Br\u00f6tchen heraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Laufe des Tages einen Taxifahrer getroffen, der in Berlin gearbeitet und eine s\u00e4chsische Freundin hat, einen Berufssoldaten, der in Ingolstadt stationiert war und einen Lehrer, der in Bad Kreuznach und K\u00f6ln Englisch unterrichtet hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach spreche ich mit den spanischen M\u00e4dchen (aus Bilbao und Santander), die hier arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">22. September (Donnerstag)<\/span><\/p>\n<p>Nach etwas weiterer Busfahrt geht es los, ca. 10.15. Die Wanderung f\u00fchrt durch sch\u00f6ne, aber nicht spektakul\u00e4re Landschaft, das ganze letzte St\u00fcck an einem sch\u00f6nen Fluss entlang, dem Barle. Am Ende bin ich trotz der relativ kurzen Distanz ziemlich ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Einkl\u00e4rungen unterwegs sind sehr d\u00fcrftig, ein paar S\u00e4tze zum <em>Caratacus Stone<\/em>, fast gar nichts zu den <em>Starr Steps<\/em>, und eine etwas haarspalterische Unterscheidung zwischen <em>fern<\/em> und <em>bracken<\/em>, von denen eins nur einen Stiel hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Grenzen zwischen den verschiedenen Landbesitzern sind gekennzeichnet durch einen aus Steinen geformten, inzwischen \u00fcberwachsenen Wall, auf dem Buchen gepflanzt werden. Die Wurzeln der Buchen treten stellenweise aus dem Wall heraus und haben bizarre Formen. Die W\u00e4lle sehen nat\u00fcrlich gewachsen aus, und wenn man die Erkl\u00e4rung nicht w\u00fcsste, w\u00fcrde man sich fragen, woher sie kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Endstation, Dulverton, bleibt Zeit f\u00fcr ein Pint bei besten Wetter im Freien. Vorher sehe ich an einem Caf\u00e9 das Schild \u201ePolite dogs welcome\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht zum ersten Mal in GB kommt die Rede auf Lidl, von dem die Engl\u00e4nder viel halten. \u201eI go to Germany every Saturday to do my shopping. I go to Lidl.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Vorstellung der Strecken des n\u00e4chsten Tags sagt Tony, einer der Leader, warum die Zahlen irref\u00fchrend sein k\u00f6nnen: H\u00f6henunterschiede werden nur dann als solche registriert, wenn sie mehr als zehn Fu\u00df betragen. Alles andere gilt als geradeaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">23. September (Freitag)<\/span><\/p>\n<p>Zweite Wanderung. Diesmal entschiede ich mich f\u00fcr die schwerere Tour, wie die meisten. Diesmal geht es ans Meer, und es gibt ein paar spektakul\u00e4re Ausblicke von unserem schmalen Pfad hoch \u00fcber dem Meer auf die Buchten (aber kein Vergleich mit Irlands S\u00fcdwesten).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ausgangspunkt ist eine ehemalige <em>coaching station<\/em> bei Culbone, wo die Pferde ausruhen konnten nach dem steilen Anstieg, ganz egal, von welcher Seite sie kamen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Culbone soll die kleinste englische Kirche haben. Schon wieder ein Superlativ. In der N\u00e4he schrieb Coleridge seinen \u201eKubla Khan\u201c, und es soll ein Mann aus Culbone gewesen sein, der seinen drogeninduzierten Schreibfluss unterbrach, als er an die T\u00fcr klopfte. Ich kann mich, als davon die Rede ist, kaum an die erste Zeile erinnern, aber im Laufe des Tages kehrt die Erinnerung ungewollt St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zur\u00fcck, und am Abend ist mindestens das halbe Gedicht wieder pr\u00e4sent. Und das ohne Drogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterwegs erfahre ich, dass <em>old bracken<\/em> (der braun wird) ein Wachstumshindernis f\u00fcr andere Pflanzen ist und rechtzeitig, d.h. bevor er braun ist, entsorgt werden muss, am besten durch Schafe, die allerdings den braun gewordenen nicht mehr essen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von einigen Stellen kann man, wenn man sich anstrengt, die K\u00fcste von Wales sehen, aber der Himmel kommt heute \u00fcber ein Hellgrau nicht hinaus, und die See ist noch dunkler. Wenigstens ist es trocken, was beim Aufbruch nicht zu erwarten war. Die Leute haben sogar Schutzbez\u00fcge f\u00fcr ihre Rucks\u00e4cke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwischendurch geht es bequem \u00fcber die Zufahrt zu einem Landgut (<em>estate), <\/em>der l\u00e4ngsten Zufahrt zu einem Haus im ganzen Land, mehr als drei Meilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An vielen Stellen sind die jungen Triebe der B\u00e4ume unten beschnitten, um sie gegen das Wild zu sch\u00fctzen, ein Vorgang, der <em>pollarding<\/em> genannt wird. Warum man die Triebe sch\u00fctzt, indem man sie abschneidet, wird nicht erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rob, ein sehr netter, ruhiger Mann aus Berkshire, der sich niemandem aufdr\u00e4ngt und doch immer zur Stelle ist, zeigt mir, was <em>gorse<\/em> ist, ein Wort, das ich Hunderte von Malen gelesen und nachgeschlagen (<em>Stechginster<\/em>), unter dem ich mir aber was ganz anderes vorgestellt habe. Es ist eine hohe Pflanze mit starken Stielen und mit harten Dornen. Es steht nicht vereinzelt in der Landschaft herum, sondern bildet Hecken. Sp\u00e4ter wird auch noch <em>honeysuckle<\/em> gezeigt, aber das w\u00fcrde ich heute schon nicht mehr erkennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir machen Halt an einer Quelle, an der, der Legende zufolge, auch Joseph von Arimath\u00e4a haltgemacht hat. Die Legende ist irgendwie verbunden mit der Theorie von Jesus als Ehemann Maria Magdalenas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine junge Engl\u00e4nderin erz\u00e4hlt mir, sie habe <em>Lorna Doone<\/em> dort angefangen zu lesen, wo es spielt, und in dem Moment, als in dem Buch ein <em>stote<\/em> (wohl eine Art Wiesel) erschient, sei auch vor ihren Augen ein <em>stote<\/em> aufgetaucht. Wie um ihre Geschichte zu best\u00e4tigen, erscheint sp\u00e4ter auch abseits unseres Weges tats\u00e4chlich ein <em>stote<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterwegs wird meine F\u00e4higkeit getestet, englische Akzente zu unterscheiden, und ich scheitere kl\u00e4glich. Joyce, eine aufgedrehte, wendige kugelrunde, \u00e4ltere Dame, ist Londonerin, klingt aber f\u00fcr mich wie Eddies Frau aus \u201eThe Archers\u201c und nicht wie Chris, unser Leader, der auch Londoner ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im letzten Teil des Weges kommen wir an einer einsam auf einem H\u00fcgel liegenden Kirche mit einem alten Friedhof vorbei, auf dem die Grabsteine noch die fr\u00fcher \u00fcblichen Totenk\u00f6pfe tragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Waldst\u00fcck w\u00e4chst am Abhang Rhododendron, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Es sind eher B\u00e4ume als Str\u00e4ucher. Er steht in dichten Reihen. Muss ein Spektakel sein, in der Zeit der Bl\u00fcte hier vorbei zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Weg sollen wir einen Fehler auf einem Schild finden: <em>wier<\/em> statt <em>weir<\/em>. Es hei\u00dft, der Fehler sei absichtlich gemacht worden. Warum, finde ich nicht heraus. Jedenfalls ist die richtige Schreibweise eine Ausnahme von der Regel, denn die hei\u00dft: \u201e&lt;i&gt; before &lt;e&gt; except after &lt;c&gt;\u201c: <em>believe<\/em>, <em>conceive<\/em>, etc.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ankunft ist in Lynmouth, einem Ort, der in den sp\u00e4ten 50er Jahren nationale Aufmerksamkeit erregte, als er \u00fcberflutet wurde, mit Autos und D\u00e4chern und B\u00e4umen, die einfach mitgerissen wurden und mit vielen Todesopfern. All das immer noch Teil des kollektiven Ged\u00e4chtnisses der Engl\u00e4nder. Heute sind davon keine Spuren mehr zu sehen. Alles ist wiederaufgebaut und man hat einen h\u00fcbschen Ort vor sich, der bestimmt sehenswert ist, aber nach der Anstrengung ist mir das Pint, das ich mir als Lynns Sherpa verdient habe, lieber als alle Besichtigungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Abendessen bekomme ich Tipps zu Bristol. Vor allem ein Name taucht st\u00e4ndig auf: Brunel, ein vorausblickender Ingenieur, der sowohl die H\u00e4ngebr\u00fccke in Clifton als auch das Passagierschiff <em>Great Britain<\/em> gebaut hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn die Engl\u00e4nder untereinander sprechen, kann ich der Konversation kaum folgen. Bei den Amerikanern ist es merkw\u00fcrdigerweise besser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">24. September (Samstag)<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen geht es im Sammeltaxi nach Taunton, ausgerechnet mit Susan (der ich am Ende sogar die Schuhe zubinden muss), und mit einem \u00e4lteren Kanadier aus Vancouver, einem der wenigen, mit dem ich noch kein Wort gesprochen habe. Er bricht von hier gleich zu seiner n\u00e4chsten Wanderung auf, seiner achten. Er erweist sich als sehr gespr\u00e4chig und gut \u00fcber die politische Lage in Europa informiert, und es entwickelt sich ein anregendes Gespr\u00e4ch \u00fcber Geschichte und Politik, Themen, die die Engl\u00e4nder eher meiden. In der ganzen Zeit bin ich nur von Rob (Sheffield) und Rob (Berkshire) auf die Bundestagswahlen angesprochen worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Hotel in Bristol ist gleich am Bahnhof, aber da kein Zimmer frei ist, mache ich mich gleich auf den Weg in die Stadt. Man merkt bald, dass Bristol nicht gerade als Englands Sch\u00f6nheitsk\u00f6nigin gilt. Beeindruckend auf der linken Seite St. Mary Redcliff, die nur eine Pfarrkirche ist, aber wie eine Kathedrale aussieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Hafengel\u00e4nde sieht besser aus, ein gro\u00dfes Areal an der ehemaligen Werft, die v\u00f6llig umgestaltet wurde, mit hochmodernen, zeltartigen Glaskonstruktionen zwischen alten, renovierten Lagerh\u00e4usern. Bei der Touristeninformation erfahre ich, dass ich die letzte Stadtf\u00fchrung des Jahres um 15 Minuten verpasst habe. Am Nachmittag gibt es aber noch eine F\u00fchrung durch das maritime Bristol. Vorher bleibt noch Zeit f\u00fcr einen Bummel auf die andere Flussseite, vorbei am Industriemuseum, und f\u00fcr eine kleine Bootsfahrt durch das Hafengel\u00e4nde. Als es losgeht, sind wir nur vier Erwachsene und zwei Kinder. Zuerst geht es den Avon hinunter, einen Fluss mit einer Besonderheit: Er hat die zweith\u00f6chste Tide aller Fl\u00fcsse (der erste ist in Kanada), was H\u00f6henunterschiede bis zu 12 Metern ausl\u00f6sen kann, ung\u00fcnstig f\u00fcr das Hafengebiet. Deshalb hat man den Fluss vor 200 Jahren umgeleitet und mit einem Wehr f\u00fcr einen konstanten Pegel gesorgt. Dieser Teil hei\u00dft deshalb <em>Floating harbour<\/em>. Bald geht es links ab in Richtung Altstadt, aber die erreicht man nicht, wie das fr\u00fcher der Fall war, denn man hat den Fluss unter die Erde verlegt, auch eine Entscheidung, die man heute wohl nicht mehr f\u00e4llen w\u00fcrde. Zur\u00fcck geht es an Hausbooten vorbei, fr\u00fcher Armenbehausungen, jetzt, wo sich die Makler ihrer angenommen haben, Modewohnungen f\u00fcr Neureiche. Dann geht es vorbei an zwei holl\u00e4ndischen Schiffen, die das Vorbild f\u00fcr die Handelsflotte von Bristol waren und an einem Schiff aus Hamburg, der <em>Thekla<\/em>, das fr\u00fcher Obst transportierte und jetzt als Nachtclub dient. Der Name wird von den Engl\u00e4ndern \u201eenglisch\u201c ausgesprochen, mit sog. <em>th<\/em> am Anfang. Alle Schiffe sind weiblich. \u201eShe was built in \u2026\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck geht es vorbei an der <em>Matthew<\/em>, einer modernen Replik des Schiffes, mit dem Cabot Neufundland (im Englischen auf der ersten Silbe betont!) erreichte. Dann vorbei am Vorzeigeobjekt Nummer Eins, Brunels <em>Great<\/em> <em>Britain<\/em>, dem ersten \u00fcberseeischen Passagierschiff, das vor der K\u00fcste der Falklands vor sich hin rostete, bevor es hierher gebracht und restauriert wurde. Als Brunel das Schiff entwarf, wurde er f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt. Man war \u00fcberzeugt, dass das Schiff sinken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach geht es zur Stadtf\u00fchrung. Hier bin ich der einzige Ausl\u00e4nder, obwohl Bristol am Wochenende bis zu 30.000 Besucher hat. Wir stehen auf dem Millennium Square, dem modernen Platz am Hafen. Am anderen Ende des Platzes wird noch gebaut, moderne Apartmenth\u00e4user. Man versucht, die Innenstadt wieder f\u00fcr Bewohner attraktiv zu machen. Das hat schon Erfolge gezeitigt, vor allem bei alten Leuten und bei ausw\u00e4rtigen Studenten, die nach dem Studium hier geblieben sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch auf dem Platz eine die Aufmerksamkeit auf sich ziehende silberne Kugel, in der das Planetarium untergebracht ist. Von au\u00dfen f\u00fchrt eine Treppe zur Kugel, aber nicht hinein. Es ist nur eine Attrappe. Der Eingang zum Planetarium befindet sich innerhalb des Geb\u00e4udes, neben dem es steht. Was die Funktion der Treppe ist, bleibt unklar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ende des Platzes die Bronzestatue eines gewissen Archibald Leach, besser bekannt als Cary Grant, in Bristol geboren. Auf zwei Parkb\u00e4nken sitzend zwei weitere Bronzestatuen, zwei weitere Bristonians: Tyndale, der Bibel\u00fcbersetzer, und Chatterton, ein Dichter, der schon mit 18 Selbstmord beging und dessen Gedichte dennoch bis heute gelesen werden, der eine in mittelalterlichem Gelehrtenhabit, der andere in romantischem Outfit und mit langen Haaren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch nach der Umleitung des Flusses war der Hafen irgendwann zu klein f\u00fcr die Handelschiffe und wurde vor die Stadt verlegt. Das wichtigste Importgut sind heute japanische Autos, daneben Holz und Kohle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Industriemuseum gegen\u00fcber ist in einer langgezogenen Eisenhalle am anderen Ufer untergebracht. Davor vier gro\u00dfe, graue dampfgetriebene Kr\u00e4ne, offensichtlich eine Seltenheit. Die Pl\u00e4ne, Geb\u00e4ude abzurei\u00dfen, werden von den Einheimischen nicht mit Begeisterung aufgenommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber <em>Pero\u2019s Bridge<\/em>, einer modernen Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke, einer Auslegerbr\u00fccke (<em>cantilever bridge<\/em>), die in Anspielung auf die Geschichte Bristols den Namen eines schwarzen Sklaven tr\u00e4gt,\u00a0 geht es auf die andere Seite, \u00fcber den Frome Richtung Altstadt. Am Zusammenfluss von Frome und Avon, da, wo vorher auch das Schiff abgebogen ist, die sitzende Bronzestatue Cabots, als Gigant mit rauen Gesichtsz\u00fcgen dargestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von hier aus Blick auf die andere Seite des Avon und den Stadtteil Redcliff, fr\u00fcher eine selbst\u00e4ndige Stadt. Das erkl\u00e4rt die Gr\u00f6\u00dfe der Kirche, sicher in Konkurrenz zu Bristol entstanden. Der Name erkl\u00e4rt sich aus den roten Sandsteinfelsen, auf die man von hier sehen kann. Man sieht auch noch die inzwischen zugemauerten Zug\u00e4nge zu den unterirdischen H\u00f6hlen, in den fr\u00fcher der Sandstein abgebaut wurde, vor allem f\u00fcr das ber\u00fchmte Bristol Glass. Erstaunlicherweise steht auf den Felsen eine Reihe georgianischer H\u00e4user.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von hier aus zum Queen Square, einem park\u00e4hnlichen, autofreien Platz mit georgianischen H\u00e4usern an allen Seiten. In einem haus lebte Woodes Rogers, ein <em>privateer<\/em>, also eine Art staatlich lizenzierter Seer\u00e4uber, der Alexander Selkirk von der Insel zur\u00fcckbrachte, auf der er gestrandet oder zur\u00fcckgelassen worden war und der Defoe zum Robinson Crusoe inspirierte. An diesem Platz befand sich auch das erste amerikanische Konsultat \u00fcberhaupt au\u00dferhalb Londons, ein Zeichen der fr\u00fcheren Bedeutung Bristols. Hier wohnte im 18. Jh. die feine Gesellschaft Bristols, bis es im 19. Jh. Mode wurde, in die Vororte zu ziehen, besonders nach Clifton, wo man fern vom Fluss war und Panoramablicke genie\u00dfen konnte. Nichts k\u00f6nnte sch\u00f6ner den wechselnden Zeitgeist illustrieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An einem lauten Platz die ehemaligen <em>Merchants<\/em> <em>Almshouses<\/em>, die im 2. Weltkrieg stark zerst\u00f6rt wurden und von denen nur noch zwei Fl\u00fcgel stehen. Die Kaufleute waren diejenigen, die das Leben Bristols bestimmten und die den B\u00fcrgermeister, den Sheriff und die Stadtr\u00e4te (<em>aldermen<\/em>) stellten. Merchant wurde man nicht einfach, sonder war es. Es handelte sich um einen geschlossenen Zirkel, in den man in der Regel nur durch Erbe eintrat, in Ausnahmef\u00e4llen, indem man sich einkaufte, oder in ganz seltenen F\u00e4llen, indem man als Lehrling angenommen wurde. Daneben gab es auch Ehrenmitglieder, aber in der Regel waren das nur Adlige.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann geht es durch die <em>King Street<\/em>, vorbei am <em>Old Vic<\/em>, dem \u00e4ltesten Theater Englands, in dem ohne Unterbrechung gespielt wird. 50 Kaufleute spendeten \u00a349 zur Gr\u00fcndung des Theaters und erhielten eine Scheibe, die ihnen lebenslangen freien Eintritt gew\u00e4hrte. Die Scheiben gibt es heute noch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der <em>King Street<\/em> zwei Pubs in sch\u00f6nen H\u00e4usern, <em>The<\/em> <em>Old Duke<\/em>, mit einem Bild Duke Ellingtons im Wirtshausschild, einem Pub, das fr\u00fcher <em>Duke of<\/em> <em>Wellington<\/em> hie\u00df und dann seinen Namen \u00e4nderte, als es zum Jazzclub wurde. Gegen\u00fcber in einem pr\u00e4chtigen Fachwerkhaus <em>The Llandogger Trow<\/em>, nach einem Ort in Wales und einer Art Schiff benannt, das fr\u00fcher Waren aus Wales hierher brachte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiter zur <em>Bristol Bridge<\/em>, deren Vorg\u00e4ngerin der Stadt ihren Namen gab: <em>Bridge-Stow<\/em>. Die heutige ist eine viktorianische Erweiterung einer \u00e4lteren Steinbr\u00fccke, die Gegenstand einer Revolte war: Es sollte nur solange eine Maut erhoben werden, bis die Kosten abgetragen waren, aber dann bleib die Maut doch bestehen, bis einer den Betreibern auf die Schliche kam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiter zum <em>St. Nicholas Market<\/em>, dem sch\u00f6nsten Teil Bristols, einem offenen, aber \u00fcberdachten Markt auf kleinen Stra\u00dfen des Zentrums. Just au\u00dferhalb des Markts, auf der <em>Corn Street<\/em>, der zentralen Stra\u00dfe dieses Viertels, eine Kirche, <em>Christ Church<\/em>, mit Figuren, die die Stunden schlagen. Bei einem von beiden hei\u00dft es Daumen dr\u00fccken, weil sein Hammer manchmal knapp an der Glocke vorbeischrammt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Etwas weiter ein viktorianisches Haus mit v\u00f6llig \u00fcberladener, wenn auch interessanter Fassade, mit umrankten, von Pferden bewachten Wappen, mit \u00fcberdimensionalen Figuren von Gorgonen, Putten und Musen, mit geschwungenen Balkonen und mit S\u00e4ulen und Pfeiler jeder Gr\u00f6\u00dfe. Heute Sitz von <em>Lloyds<\/em>. Im Vorg\u00e4ngerbau, dem Coaching Inn <em>The Bush<\/em>,\u00a0 war die Wahlkampfzentrale Burkes und die Wohnung von Dickens\u2019 Winkle aus <em>Pickwick Papers<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der <em>Corn Street<\/em> stehen an verschiedenen Stellen beinahe mannshohe eiserne N\u00e4gel, auf denen man fr\u00fcher Vertr\u00e4ge abschloss. Daher soll der Ausdruck <em>pay on the<\/em> <em>nail<\/em> kommen. Wahrscheinlich ist es eher umgekehrt: Die N\u00e4gel sind da, weil es den Ausdruck gibt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung endet auf dem <em>College Green<\/em>, dem Platz vor der Kathedrale. Hier hat man einen Baum in eine moderne Skulptur verwandelt, indem man Turnschuhe, viele verschiedene Paare, in die hohe \u00c4ste geh\u00e4ngt hat. Vom <em>College Green<\/em> geht die <em>Park Street<\/em>, steil ansteigend, zur Universit\u00e4t rauf, deren zentrales Geb\u00e4ude, ein zu stumpf geratener, sakral aussehender Turm, das Ende der Stra\u00dfe markiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich zur\u00fcckkomme, geht gerade die Br\u00fccke, mit der man wieder auf die andere Flussseite kommt, zu. Es ist eine alte Eisenbr\u00fccke, und\u00a0 sie wird nicht hochgezogen, sondern seitlich verschoben. Erstaunlicherweise geht es dabei, bis auf einen dumpfen Knall am Ende, v\u00f6llig ger\u00e4uschlos zu, ohne das geringste Quietschen und Knirschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt wird es h\u00f6chste Zeit f\u00fcrs Hotel. Da wartet eine b\u00f6se \u00dcberraschung auf mich: Man will meinen Voucher nicht akzeptieren. Ich sammle meine Koffer wieder ein und ziehe weiter. Das n\u00e4chste Hotel ist voll, beim \u00fcbern\u00e4chsten habe ich Gl\u00fcck. Erst glaube ich, dass es sogar billiger ist, aber dann wird mir klar, dass ich umrechnen muss. Man hat sich so sehr daran gew\u00f6hnt, bei den Reisen durch die Eurol\u00e4nder (E, I, F, GR, IRL, B, LUX) nicht umzurechnen, dass man das in GB leicht vergisst. Aber das macht einen Aufschlag von 50% aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt bin ich rechtschaffen m\u00fcde vom Wandern, aber auch hungrig. Als erstes versuche ich es am Bahnhof. Auf dem Weg dahin fragt mich jemand nach dem Weg zum Bahnhof, und ich kann Auskunft geben! Am Bahnhof gibt es nicht einen Kiosk, nicht ein Lokal. Merkw\u00fcrdig. Also geht es wieder in die andere Richtung, Richtung Stadt. Nach langer Suche lande ich in einem Lokal mit dem irref\u00fchrenden Namen <em>Pizza Express<\/em>. Keine \u00c4hnlichkeit mit <em>Pizza Hut<\/em> oder \u00e4hnlichen Etablissements, sondern ein gutes, eher teures Lokal im unwahrscheinlichsten Ambiente: ein gar nicht sehr gro\u00dfer, aber sehr hoher, \u00fcberkuppelter Quadratbau, vielleicht fr\u00fcher ein Handelshaus. Das Essen ist jeden Penny wert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend im Fernsehen Mark Lawson gesehen. Seine Stimme kenne ich seit Jahren aus dem Radio. Nat\u00fcrlich sieht er ganz anders aus, als ich ihn mir vorgestellt habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kuriose Parallelen GB \u2013 D: 1. Es wird mehr Wein und weniger Bier getrunken, und die Leute wollen nicht nur trinken, sondern auch verstehen, was sie da trinken (Tipp: Wenn man Zucker im Kaffee trinkt, soll man <em>Merlot<\/em> statt <em>Cabernet Sauvignon<\/em> trinken). 2. Klagen \u00fcber nachlassendes Interesse am Fu\u00dfball durch \u00dcberflutung mit Spielen im Fernsehen und durch Entzerrung der Spielpl\u00e4ne. 3. R\u00e4tselraten \u00fcber die Frage, warum so viele Studenten das Studium abbrechen. Und noch eine: Wie Kohl wurde Prescott im Wahlkampf handgreiflich, als jemand ihm ein Ei an den Kopf warf!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehrmals Schwierigkeiten, sogar schriftliche Texte zu verstehen, z. B. Instruktionen zur Regulierung von Temperatur und Wasserdruck in der Dusche: \u201eSwitch the end of the overide switch in the lower knob\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In beiden St\u00e4dten an vielen Stellen Hinweise, dass \u00dcberwachungskameras angebracht sind. Das hat vermutlich mehr abschreckende Wirkung als hohe Strafen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">18. September (Sonntag)<\/span><\/p>\n<p>Gleich am Morgen versucht, Buchung f\u00fcr R\u00fcckweg zu best\u00e4tigen. Alle M\u00f6glichkeiten probiert, mit einer Null, mit zwei Nullen, ohne Null, mit Landesvorwahl mit und mit Landesvorwahl ohne Nullen \u2013 alles falsch. An der Rezeption versucht man es auch, ebenfalls vergeblich, findet dann aber heraus, dass man mir eine falsche Nummer gegeben hat. Es fehlt eine Null am Ende. Ich versuche es vom Zimmer aus, und bekomme einen AB mit der Ansage, mein Anruf k\u00f6nne nicht entgegengenommen werden. Ohne Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Weg in die Stadt Photo von <em>Ye Shakespeare<\/em> gemacht, in der Stadt von den Turmschuhen, auf dem R\u00fcckweg von <em>Hole in the Wall<\/em>, zwischendurch von Chatterton, dem Dichter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann mit dem Bus nach Clifton, ein doch ein ganzes St\u00fcck au\u00dferhalb liegender Stadtteil (ca. 25 Minuten), eigentlich eine eigene Stadt. Im Bus ein buddhistischer M\u00f6nch in dem typischen orange-brauen Ornat und mit geschorenem Kopf und asiatischen Gesichtsz\u00fcgen. Als er aussteigt, sagt er in akzentfreiem Englisch: \u201eThanks, mate.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Clifton vom zentralen Park zu Fu\u00df zur H\u00e4ngebr\u00fccke. F\u00fcr den modernen Besucher ist die Br\u00fccke vielleicht weniger beeindruckend als der Blick in die darunter liegende Schlucht mit dem Avon, der allerdings wiederum durch die Br\u00fccke besonders akzentuiert wird. Es gibt ein kleines Observatorium oberhalb der Br\u00fccke, wo es eine <em>Camera obscura<\/em> gibt, eine wirklich obskure Einrichtung, die einem einen Eindruck von der Br\u00fccke aus der Vogelperspektive geben soll. Schon lohnender ein steil hinabf\u00fchrender, enger, in den Felsen gehauener Gang, der in eine Grotte ausl\u00e4uft, vor der sich eine Gitterplattform befindet, von der man auf die Br\u00fccke und in den Abgrund sehen kann. Nichts f\u00fcr klaustrophobisch veranlagte oder schwindlige Kandidaten. Auch der Gang \u00fcber die Br\u00fccke ist nicht ohne, aber da es anf\u00e4ngt zu regnen, als ich gerade mitten auf der Br\u00fccke bin, nehme ich das als Zeichen des Himmels und kehre um.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann nach Clifton selbst, einem ganz vorzeigbarem Ort, und zum <em>Royal York Crescent<\/em>, dem gr\u00f6\u00dften seiner Art in England. Der Crescent ist allerdings so gro\u00df, dass man ihn, aus der N\u00e4he jedenfalls, nicht in seiner Gesamtheit sehen kann. Meist in wei\u00df oder wei\u00dfgelb gehaltene Fassaden, mit einem Balkon im zweiten und Mansarden \u00fcber dem dritten Stock, fr\u00fcher sicher f\u00fcrs Gesinde. Die H\u00e4user sind auch entgegen der englischen Tradition unterkellert, unter Ausnutzung der Hanglage. Keine Wohngegend f\u00fcr arme Leute, wie man auch an den Autos ablesen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu Fu\u00df zur\u00fcck in die Stadt, was auch nicht l\u00e4nger dauert als mit dem Bus, der einige Umwege f\u00e4hrt. Allerdings am \u201efalschen\u201c Ende ausgekommen und erst auf die andere Flussseite wechseln m\u00fcssen. Dann die ziemlich stark ansteigende <em>Park Street<\/em> hochgegangen, um zum <em>Georgian House<\/em> zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Haus wurde 1790 von dem Plantagenbesitzer John Pinney gebaut. Es ist au\u00dfen eher unscheinbar, und man sieht von vorne nur vier der sechs Stockwerke, da das Haus an einem Hang liegt. Innen stilvoll, aber ohne Extravaganzen. Das entsprach der Philosophie des Besitzers und der Schicht, der er angeh\u00f6rte. Es wurden nur lokale Handwerker beauftragt, nichts ist vergoldet, und die h\u00f6lzernen Teile \u2013 Fenstersprossen, Fensterl\u00e4den, T\u00fcrfassungen usw. &#8211; sind beige gefasst und nicht wei\u00df, was teurer gewesen w\u00e4re! Im Untergeschoss entpuppen sich r\u00e4tselhafte, in den Boden eingelassene Gitter als \u00d6ffnungen der Fu\u00dfbodenheizung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im ersten Obergeschoss ein sch\u00f6ner, gl\u00e4serner B\u00fccherschrank mit einem Kabinett f\u00fcr den Sammler mit \u00fcber 500 Schubladen. So etwas brauche ich auch! \u00dcber einem Kamin ein Bild mit der Darstellung von Ruinen. Es ist nicht gemalt, sondern aus Vogelfedern gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im zweiten Obergeschoss guter, wenn auch nicht sonderlich sch\u00f6ner Blick auf Hafengebiet und T\u00fcrme der Kathedrale. Im Schlafzimmer ein Himmelbett mit Gardinen und Bettbez\u00fcgen aus Baumwolle. Die wurde gegen Ende des 18. Jh. Mode in vornehmen H\u00e4usern und ersetzte Seide und Wolle und hatte den Vorteil, gewaschen werden zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine blinde Frau kommt ungest\u00fcm herein und st\u00fcrzt auf das Bett zu, um die Vorh\u00e4nge zu betasten. Sofort wird die Alarmanlage aktiviert. Ein M\u00e4dchen kommt von unten, um sie auszustellen und reagiert mit reservierter H\u00f6flichkeit, die beiden Begleiter, denen das peinlich ist, murmeln eine Entschuldigung, und die Blinde hat nichts besseres zu tun, als ihnen auch noch Vorw\u00fcrfe zu machen: \u201eHow am I to know?\u201c Dabei hatte sie selbst ungest\u00fcm die Absperrung zur Seite gerissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pinney war durch seinen Stiefvater zu einer Plantage in Westindien gekommen und galt als humanit\u00e4rer Sklavenhalter. Das geschah aber weniger aus N\u00e4chstenliebe als aus Kalk\u00fcl. Medizinische F\u00fcrsorge, vern\u00fcnftige Ern\u00e4hrung und ma\u00dfvolle Beanspruchung zeitigten bessere Ergebnisse als Vernachl\u00e4ssigung und exzessive Beanspruchung. Und gelegentliche Kleiderspenden und Geschenke hielten die Sklaven bei Laune und f\u00f6rderten das \u201eBetriebsklima\u201c, zum Vorteil des Sklavenhalters! Pinney war entsetzt, als er zum erstem Mal auf einem Sklavenmarkt war, tr\u00f6stete sich aber mit dem Gedanken, dass Gott sicher ein Zeichen senden w\u00fcrde, wenn dies nicht sein Wille w\u00e4re!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Verlassen des Hauses wird mir empfohlen, noch die <em>Red Lodge<\/em> zu besuchen, das elisabethanische Gegenst\u00fcck zum <em>Georgian House<\/em>. Das tue ich, ohne zu ahnen, wie weit mich das von den Buchhandlungen entfernen w\u00fcrde, die ich jetzt ganz in der N\u00e4he habe. Wieder geht es Stra\u00dfen rauf und runter. Die <em>Red Lodge<\/em> ist eigentlich nur der kl\u00e4gliche Rest eines riesengro\u00dfen Guts, das aus nicht genannten Gr\u00fcnden abgebrochen wurde (XIX). Original erhalten ist der <em>Old Oak Room<\/em> im ersten Obergeschoss, mit dunkler Holzpaneele an den W\u00e4nden und geschnitztem Eingangsbereich. Als Prunkst\u00fcck ein zweigeschossiger Kamin aus Bath Stone, mit einem Wappen und einer Kartusche und mit phantastischen Gestalten und floralen und geometrischen Motiven.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich herauskomme, werde ich schon zum zweiten Mal heute freundlich und aufgefordert angesprochen. \u201eAre you lost?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Weg in die Stadt komme ich an einem gro\u00dfen Geb\u00e4ude vorbei, an dem <em>Colston Hall<\/em> steht. Am Eingang stehen lauter alte M\u00e4nner in der Schlange. Merkw\u00fcrdig. Etwas sp\u00e4ter komme ich an einem gro\u00dfen Theatergeb\u00e4ude vorbei, und \u00fcber dem Eingang steht <em>Colston Hall<\/em>. Jetzt bin ich ganz verwirrt, da ich inzwischen ein ganzes St\u00fcck durch die Gegen geirrt bin, aber dann merke ich, dass ich vorher den Hintereingang gesehen habe. Die M\u00e4nner in der Schlange waren keine Besucher, sondern K\u00fcnstler. Heute findet ein Festival der M\u00e4nnerch\u00f6re statt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwie lande ich wieder am Hafen und muss zum B\u00fccherkauf wieder die Park Street rauf. Und ich dachte, ich h\u00e4tte die Wandertage hinter mir. <em>Waterstone\u2019s<\/em> ist eine einzige Entt\u00e4uschung, also muss ich zu <em>Blackwell\u2019s.<\/em> Auch das ist im doppelten Sinne schlecht sortiert. Unter \u201eDrama \u201e gibt es au\u00dfer Shakespeare fast gar nichts, und als ich nach Sprachwissenschaft frage, werde ich in die Fremdsprachenabteilung geschickt. Ich h\u00e4tte doch in Exeter zulangen sollen. Am Ende nehme ich ein modernes Drama mit (Carol Churchill), ein Buch \u00fcber Weihnachtstraditionen, ein Buch mit dummen Zitaten von Politikern und anderen Ber\u00fchmtheiten, ein Buch mit Erkl\u00e4rungen zur Herkunft von Redewendungen und ein Buch zur Sprachgeschichte (David Crystal).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Kathedrale entdecke ich, v\u00f6llig \u00fcberrascht, die Statue eines Inders, eines gewissen Rajar Roy (Verbindung zu Arundata Roy?), einem indischen Philosophen (XIX), der in Bristol lebte und starb. In all den Tagen habe ich immer wieder Inder gesehen, heute morgen gleich vier im Bus nach Clifton. Ob es da einen Zusammenhang gibt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An mehr als einen Pub Schilder gesehen, auf denen der geneigte Kunde in gro\u00dfen Lettern aufgefordert wird, f\u00fcr ein bevorstehendes Gro\u00dfereignis Pl\u00e4tze zu reservieren: Weihnachten! Das ist f\u00fcr mich noch ganz weit weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend n\u00e4chster Versuch, den Flug zu best\u00e4tigen. Ich werde verbunden, aber dort bin ich falsch. Dies sei nicht die Reservierung, sondern der Ticketverkauf. Die Reservierung hat eine andere Nummer. Ich w\u00e4hle sie und bekomme einen AB mit der Ansage, f\u00fcr heute sei geschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">26. September (Montag)<\/span><\/p>\n<p>Letzter Akt in der Farce um die Best\u00e4tigung des R\u00fcckflugs: Als ich endlich durchkomme und Namen und Flugnummer genannt habe, sagt man mir, alles sei in Ordnung, aber dies sei ein intereurop\u00e4ischer Flug und eine Best\u00e4tigung nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach fast zwei Stunden lang Notizen gemacht und dann bei herrlichem Sonnenschein in die Stadt. Jedenfalls glaube ich das, aber sobald ich aus dem Hotel komme, zieht die Sonne sich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie in Exeter ist auch in Bristol alles sehr gut ausgeschildert. Trotzdem ist die <em>Wesleyan Chapel<\/em>, die mitten im Einkaufszentrum liegt, schwer zu finden. Der schmale Zugang liegt zwischen zwei Gesch\u00e4ften, und die Kirche liegt zur\u00fcckversetzt. Durch einen sch\u00f6nen Innenhof, den man inmitten all der gesichtslosen Geb\u00e4ude hier har nicht erwartet, geht es in die \u201e\u00e4lteste Methodistenkirche Kirche der Welt\u201c. Hier gibt es einfache Holzb\u00e4nke, einfache Fenster ohne Buntglas,\u00a0 schmucklose Pfeiler mit ein paar Messingkerzenhaltern und ein doppelst\u00f6ckiges Podium mit einer gro\u00dfen Bibel. Sonst nichts: keine sakralen Ger\u00e4te, keine Farben, kein Bild, nicht einmal ein Kreuz, wohl aber eine laut tickende, gro\u00dfe Wanduhr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliches Licht kommt von der Kuppel in der Mitte, in der auch ein Fenster versteckt ist, von dem aus Wesley junge Prediger bei der \u201eArbeit\u201c beobachten konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wesley selbst sprach lieber vom <em>New Room<\/em> als von einer Kapelle oder gar einer Kirche. Er hielt sich immer in Bristol auf, wenn er nicht durch die Lande zog und predigte, vorzugsweise im Freien. Die Predigten wurden immer wieder durch von der <em>Church of England<\/em> zumindest geduldeten, wenn nicht angestifteten Randalierer unterbrochen, wobei es auch zu Gewaltanwendung kam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wesley selbst mochte den Namen <em>Methodisten<\/em> gar nicht.\u00a0 Er war urspr\u00fcnglich ein Spottname, den er und seine frommen Anh\u00e4nger sich in Oxford zuzogen, genauso wie <em>Bible Moths<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Obergeschoss einige pers\u00f6nliche Objekte Wesleys, das Bett, das Feuer fing und in dem er fast verbrannte, ein kurioser, aus dem hohlen Stamm einer Ulme gearbeiteter Sessel mit dunklem Lederbezug, usw. Daneben Fanartikel der Wesley-Gemeinde: Teekannen mit seinem Abbild oder seinen Ausspr\u00fcchen, die Kapelle oder Wesley (in Predigerpose) als bunte Keramikfiguren usw. Daneben ein Exemplar der Originalausgabe seiner <em>Explanatory<\/em> <em>Notes<\/em> und anderer seiner \u00fcber 200 Schriften, darunter ein Buch zur Medizin mit unkonventionellen Ratschl\u00e4gen: \u201e A roasted fig in ear as hot as may be\u201c wird bei Ohrenschmerzen empfohlen. Ob Wesley sich an seine eigenen Ratschl\u00e4ge hielt, ist nicht \u00fcberliefert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wesley predigte auch Sauberkeit, K\u00f6rperpflege, adrettem Aussehen: \u201eLet no-one ever see a ragged Methodist\u201c. Sicher auch ein \u201epolitisches\u201c Anliegen im Kampf um Anerkennung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach lange in der Stadt umhergeirrt, um \u201eCuriosities of Bristol\u201c zu finden, die ein Faltblatt der Touristeninformation ank\u00fcndigen. Schlie\u00dflich eine mysteri\u00f6se \u201everschleierte Frau\u201c, eine etwas verwitterte Skulptur an einer H\u00e4userfassade und <em>The Elephant<\/em> gefunden, ein Pub, dessen Geschichte angeblich an der Fassade steht, aber nicht zu finden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Suche aufgegeben und zur Kathedrale gegangen. Kunstgeschichtlich bedeutend als Hallenkirche, darin das beste Beispiel in England und Modell f\u00fcr viele europ\u00e4ischen Kirchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Hauptschiff wurde zwar erst im 19. Jahrhundert umgebaut, aber nach mittelalterlichen Pl\u00e4nen, so dass der Gesamteindruck einheitlich ist (Wie das Schiff urspr\u00fcnglich aussah und ob es \u00fcberhaupt bestand, wird nicht klar. War Bristol wie K\u00f6ln Jahrhunderte lang Baustelle?). Chor und Chorumgang sind original, d.h. stammen vom mittelalterlichen Umbau (XIV).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im s\u00fcdlichen Seitenschiff ein angels\u00e4chsischer Stein, beim Umbau gefunden, dem \u00e4ltesten Teil der Kirche \u00fcberhaupt. Jesus durchpfl\u00fcgt die H\u00f6lle, ein Kreuz in der Hand, eine Frau, wahrscheinlich Eva, zieht sich an dem Kreuz aus dem H\u00f6llenschlund.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im s\u00fcdlichen Querschiff flache, ausgetretene Stufen, die ins angrenzende Kloster f\u00fchrten. Das s\u00fcdliche Querschiff ist deshalb erheblich verk\u00fcrzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im s\u00fcdlichen Chorumgang ein Raum, der zu einer Kapelle f\u00fchrt und als Sakristei diente. Hier eine Nische f\u00fcr einen Ofen, in dem das Brot f\u00fcr die Hostien gebacken wurde, mit einem hinter einer Fiale versteckten Luftschacht! Dar\u00fcber die Skulptur eines Mannes mit weit aufgerissenem Mund.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Osten der typisch englische gerade Abschluss mit der <em>Lady Chapel<\/em>. Am Ende des n\u00f6rdlichen Seitenschiffs Bischofsgr\u00e4ber in sch\u00f6nen, sternenf\u00f6rmig umrahmten Nischen, darunter das des ersten Bischofs von Bristol (1542-1554), Paul Bush, der abgesetzt wurde, weil er verheiratet war. Dennoch hatte er danach bis zum Lebensende eine Pfarrei in Bourne und dennoch ist er hier begraben, und zwar ganz in der N\u00e4he seiner Ehefrau!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im n\u00f6rdlichen Seitenschiff die \u00e4ltere <em>Lady Chapel<\/em>, fr\u00fcher eine eigene Kirche, mit schlanken S\u00e4ulen vor den Fenstern und kuriosen Skulpturen, darunter ein musizierendes Duo aus Widder und Affe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ende noch ins normannische Kapitelhaus, dem \u00e4ltesten Geb\u00e4udeteil, mit S\u00e4ulchen und geometrischen Mustern an drei Seiten. Sch\u00f6n. Das Kapitelhaus wurde 1831 von Bristoler \u201eMob\u201c gest\u00fcrmt, wobei die Fenster zu Bruch gingen. Sie wollten das Kapitelhaus und die ganze Kathedrale in Brand stecken. Warum, wird nicht gesagt. Das Datum deutet auf einen Zusammenhang mit der <em>Reform Bill<\/em> hin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann zur <em>Great Britain<\/em> auf der anderen Hafenseite. Die revolution\u00e4re Idee war, Stahl satt Holz zu verwenden. Ein erheblich gr\u00f6\u00dferes Schiff konnte gebaut werden (mehr als100 m lang!), und es gab mehr Stauraum, da die dicken Holzplanken durch d\u00fcnnere ersetzt werden konnten. Es gab erhebliche Zweifel an Brunels Pl\u00e4nen. Man bef\u00fcrchtete, das Schiff werde sinken oder in der Mitte durchbrechen. Aber das Schiff war ein Erfolg und erreichte ein Arbeitsleben von \u00fcber 80 Jahren (ca. 60 Jahre mehr als ein Holzschiff). Es fuhr erst nach Amerika, wurde dann, als der Goldboom ausbrach, umgebaut, um weniger Fracht und mehr Passagiere aufnehmen zu k\u00f6nnen und fuhr nach Australien. Es umschiffte in 23 Jahren 32 Mal die Erde!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stahl war f\u00fcr Brunel eine naheliegende L\u00f6sung, da er aus dem Eisenbahnbau kam. Neben dem Schiff plante er die H\u00e4ngebr\u00fccke in Clifton, die <em>Great Western Railway<\/em> (London \u2013 Bristol) und den Zielbahnhof in Bristol, das erste eigentliche Bahnhofsgeb\u00e4ude \u00fcberhaupt. Das Schiff war gewisserma\u00dfen als \u201eVerl\u00e4ngerung\u201c der <em>Great Western Railway<\/em> konzipiert: Die Passagiere nahmen in London den Zug, fuhren auf der von Brunel geplanten Strecke nach Bristol, stiegen in der von Brunel geplanten Bahnhofshalle aus und an dem von ihm erbauten Dock in den von ihm erbauten Ozeandampfer, der sie nach Amerika brachte!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man geht aufs Au\u00dfendeck, dann unter Deck, und am Ende \u201eunter Wasser\u201c, wo man den Rumpf des Schiffes und einen riesigen Propeller bewundern kann (5 m Durchmesser!), der das Schiff antreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oben sieht man erstaunlich leichte Masten. Auch das wurde vor dem Stapellauf (1843) kritisiert. Aber warum gab es \u00fcberhaupt Segel? F\u00fcr eine solch lange Reise mit einem solch langen Schiff konnte man nicht genug Kohle transportieren, wenn man nicht das ganze Schiff damit volladen wollte. Deshalb dachte sich Brunel die \u201eduale L\u00f6sung\u201c aus: Solange der Wind gut steht, wird gesegelt, wenn nicht, werden die Maschinen angeworfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Gebrauch von Stahl brachte zwei Probleme mit sich: Unkraut setzte sich am Rumpf fest, und die Kompassnadeln wurden beeintr\u00e4chtigt. Auch daf\u00fcr fand Brunel eine L\u00f6sung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ende lag die <em>Great Britain<\/em> vor den Falklands und drohte zu verrotten. Dann wurde sie in einer von einem Amerikaner initiierten Rettungsaktion hierher geschleppt und liegt jetzt genau da, wo sie auch gebaut wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter Deck sind die Kabinen so hergerichtet worden, wie sie damals aussahen. Einige durch Tageb\u00fccher belegte Ereignisse sind szenisch nachgestellt, z.B. die Entbindung eines Kinds auf der Reise. In der dritten Klasse sind die Kabinen so eng, dass zwischen den Betten nur einer stehen kann. In der ersten Klasse ist es nicht viel besser, aber hier sind nur zwei statt vier Betten. Aber auch hier sind die Kaj\u00fcten sehr kurz und vor allem sehr schmal. In der dritten Klasse gibt es keinen Sichtschutz \u2013 jeder Vor\u00fcberkommende kann hineinsehen, in der ersten Klasse sind die Kaj\u00fcten durch eine Holzwand von der Promenade abgetrennt. Der Speisesaal der ersten Klasse, der damals, wie das ganze Schiff, journalistisch eine Sensation war, ist original nachgebaut, mit bordeauxroten Samtbez\u00fcgen auf den Sitzen, S\u00e4ulen aus falschem Marmor (die das Stahlger\u00fcst verbergen) und einem dicken Teppichboden (der Unebenheiten im Boden verbirgt).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Kabine die Figur eines schwarzen Barbiers, der die Aufmerksamkeit aller in den abendlichen <em>Debating<\/em> <em>Societies<\/em> auf sich zog und f\u00fcr die Abschaffung der Sklaverei und die Todesstrafe f\u00fcr Jefferson Davis, den Pr\u00e4sidenten der S\u00fcdstaaten, eintrat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch Tageb\u00fccher bekannt das traurige Schicksal eines jungen Ehepaars: Der Mann hatte zuerst seine Braut in England zur\u00fcckgelassen, um in Australien Arbeit zu suchen, war dann zur\u00fcckgefahren, um sie zu holen. Sie hatten geheiratet und sich gemeinsam auf den Weg nach Australien zu machen, als die Frau nach wenigen Tagen erkrankte und bald darauf starb. Sie hatte in den Tagen zuvor immer \u00fcber Schmerzen geklagt, aber man hatte sie nicht ganz ernst genommen, da sie als hypochondrisch veranlagt galt. Die traurige Geschichte verbietet eigentlich die sehr praktische Frage, die sich mir stellt: Was machte man mit den Leichen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich das Schiff verlasse, f\u00e4hrt gleich vor mir eine F\u00e4hre ab. Die h\u00e4tte mir jetzt gute Dienste geleistet, denn sie f\u00e4hrt direkt zum n\u00e4chsten Ziel, nach Redcliff.\u00a0 Zu Fu\u00df ist es zwar auch nicht weit, aber die Beine werden immer schwerer und die F\u00fc\u00dfe tun weh.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Statt in die Kirche zuerst ins Caf\u00e9 der Kirche. Broccolisuppe mit Brot dazu Rotwein. Dann zur letzten Besichtigung des Tages.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kaufleute, die sich hier, gerade au\u00dferhalb der Stadtmauern, ansiedelten, taten dies, um die hohen Steuern zu vermeiden, mittelalterliche Steuerfl\u00fcchtlinge sozusagen. Gleichzeitig hatten sie die Werft in der N\u00e4he und die Innenstadt mit <em>Corn Exchange<\/em>, Banken und Kaffeeh\u00e4usern. Der Handel konzentrierte sich zun\u00e4chst auf Wales und den Kontinent und Mineralien und Agrarprodukte, sp\u00e4ter kamen Amerika und die Karibik und Wolle, Wein, Fisch, Felle, Korn und Sklaven hinzu. Der Sklavenhandel ist viel \u00e4lter als wir glauben, er florierte schon unter Wilhelm dem Eroberer, und von hier wurden damals Sklaven von und nach Irland transportiert. Die Sklavenhalter wurden nach der Abschaffung des Sklavenhandels gro\u00dfz\u00fcgig vom Staat entsch\u00e4digt, was wiederum der Wirtschaft nutzte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kirche betritt man von Norden durch eine ungew\u00f6hnliche sechseckige Vorhalle. Rechts dahinter am Eingang zu einer Kapelle ein Walfischknochen, der von Cabot aus Amerika mitgebracht worden sein soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In derselben Kapelle eine k\u00fcnstlerisch wenig wertvolle Statue Elisabeths I., die <em>St. Mary Redcliff<\/em> besuchte und sie zur \u201egoodliest and most famous parish church in England\u201c erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im n\u00f6rdlichen Querschiff hat man das <em>Chaotic Pendulum<\/em> installiert, eine moderne Konstruktion, bei der man sich auf den ersten Blick fragt, was sie in einer Kirche zu suchen hat: Wasser flie\u00dft in ein wagerechtes Rohr und am linken oder rechten Ende wieder hinaus, mal nach rechts, mal nach links. Es gibt keine wissenschaftliche Erkl\u00e4rung und keine M\u00f6glichkeit der Vorhersage, wann und wie oft es nach links oder nach rechts ausschl\u00e4gt. Das Pendel ist die Materie gewordene Version der Chaostheorie. Die Kirche nutzt dies clever als Beleg f\u00fcr die Grenze der wissenschaftlichen Erkenntnis und folglich (!) als Beleg f\u00fcr die Existenz Gottes!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am anderen Ende des n\u00f6rdlichen Querschiffs h\u00f6rt man Wasser rauschen, aber es regnet gar nicht. R\u00e4tselhaft. In der N\u00e4he ist die Grabstatue von Robert de Berkeley (XII), der der Gemeinde eine Wasserleitung, die \u00fcber sein Land verlief, vermachte und das Wasser von der 2km entfernten Quelle direkt zum H\u00fcgel vor der Kirche brachte. Gibt es die Leitung immer noch? Kommt das Rauschen daher?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im gegen\u00fcberliegenden Querschiff ein weiterer Stifter, William Canynges (XV), der gleich mit zwei Grabm\u00e4lern vertreten ist, einmal als Kaufmann, mit Geldbeutel um die Taille und Hund mit Knochen im Mund zu F\u00fc\u00dfen, einmal als Priester, in vollem Ornat. Er wurde nach dem Tod seiner Frau Priester, nachdem er vorher Kaufmann mit einer Flotte von 9 Schiffen und 800 Mann gewesen war sowie Parlamentsmitglied und B\u00fcrgermeister von Bristol. Komischweise liegt seine Frau neben ihm als Priester, nicht als Kaufmann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einem H\u00fcgel vor der Kirche eine kleine Grabplatte f\u00fcr die <em>Church Cat<\/em>. Warum sie so privilegiert begraben wurde, wird nicht erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dahinter, schr\u00e4g im H\u00fcgel steckend und aus ihm herausragend, ein merkw\u00fcrdiges rostfarbenes Eisenteil. Es ist ein St\u00fcck einer Stra\u00dfenbahnschiene, das bei einem Bombenangriff 1941 \u00fcber die anliegenden H\u00e4user in den Kirchhof geschleudert wurde und in der Erde stecken bleib! Bristol war im 2. Weltkrieg eine der am st\u00e4rksten bombardierten St\u00e4dte Englands, durch die Werft, den Bahnhof und die Flugzeugfabriken n\u00f6rdlich der Stadt &#8211; heute ist Bristol Sitz von British Aerospace &#8211; ein gesuchtes Ziel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der damals schon 300 Jahre alte Turm der Kirche st\u00fcrzte nach einem Brand (XV) ein. Dann blieb er ein Stumpf bis zum 19. Jh. Erst dann wagte man sich an den Wiederaufbau. Das erkl\u00e4rt vermutlich die unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige H\u00f6he: 100 Meter, der dritth\u00f6chste Turm des Landes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fch zur\u00fcck zum Hotel, mit Wein, K\u00e4se und Keksen. Das alles zu Zeitung, Radio und Fernsehen genossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nottingham Forest, ehemaliger Europapokalgewinner, ist nur noch in der <em>League One<\/em>, und das ist inzwischen die dritte Liga, Maldini macht sei 571. Spiel f\u00fcr Milan und \u00fcberholt Zoff, und Fergusson ist im 20. Jahr Trainer von Manchester United!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Start von ITV vor 50 Jahren lie\u00df die BBC Grace Archer, eine der popul\u00e4rsten Figuren aus den \u201eArchers\u201c, sterben, nur um ITV die Er\u00f6ffnungsfeier zu verderben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Russischen gibt es ein Wort f\u00fcr jemanden mit sechs Fingern, <em>angushtizaid<\/em>, im Indonesischen ein Wort f\u00fcr die unkontrollierte Angewohnheit, peinliche Dinge zusagen, <em>latha<\/em>, und im Japanischen ein Wort f\u00fcr eine Frau, die von hinten besser aussieht als von vorne, <em>bakku-shan<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Augustine of Hippo: \u201cGive me contingency and chastity \u2013 but not yet.\u201d (In \u201cQuote, Unquote\u201d geh\u00f6rt).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alte journalistische Regel: \u201cWhen in doubt, leave out\u201d.\u00a0 Neue Erweiterung der Regel: \u201cWhen stuck, make up.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mutter zu Sohn im Bus: \u201cYour face is dirty. Do you never wash?\u201d Ein perfekter jambischer Pentameter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">27. September (Dienstag) <\/span><\/p>\n<p>Es regnet und im Radio wird ein typischer Herbsttag angesagt. Zeit zur\u00fcckzufahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Bristol muss man die Fahrkarte vorzeigen, um \u00fcberhaupt aufs Bahnhofsgel\u00e4nde zu kommen. Jetzt verstehe ich auch, warum ich hier dieser Tage nicht\u00a0 zu essen gefunden habe: Alles befindet sich hinter der Sperre. Daf\u00fcr komme ich heute zu einem Fr\u00fchst\u00fcck in Form einer Waffel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Londoner U-Bahn wimmelt es von Gesch\u00e4ftsleuten, allerdings nur bis <em>Canary Wharf<\/em>, Margaret Thatchers Paradies f\u00fcrs Geldmachen. Danach bin ich der einzige Wei\u00dfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den Zeitungen ist jeden Tag ein <em>Sudoku<\/em>, ein Zahlenr\u00e4tsel japanischen Ursprungs. Es scheint die ganze Nation angesteckt zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am <em>City Airport<\/em> trinken erstaunlicherweise alle Wartenden wie auf Verabredung Bier. Ich lasse mich anstecken und trinke mein letztes englisches Bier: ein belgisches.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. September (Samstag) Zu fr\u00fch wach, zu fr\u00fch aufgestanden, zu fr\u00fch am Flughafen, so fr\u00fch, dass ich noch fr\u00fcheren Flug nach London erwischt h\u00e4tte! 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