{"id":1428,"date":"2011-12-28T08:29:09","date_gmt":"2011-12-28T08:29:09","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1428"},"modified":"2011-12-28T08:29:09","modified_gmt":"2011-12-28T08:29:09","slug":"chalkidiki-2003","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1428","title":{"rendered":"Chalkidiki (2003)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">17. September (Mittwoch)<\/span><\/p>\n<p>Von Frankfurt (250 Kilometer von Trier) nach Saloniki. Sp\u00e4te Ankunft, im Dunkeln Fahrt (ca. eine Stunde) nach Dionysos Beach, eine aus dem Nichts entstandene Urlaubssiedlung mit Apartmenth\u00e4usern. Schwierigkeiten mit der griechischen Gewohnheit, den Seitenstreifen mitzubenutzen, auch wenn er nicht ganz breit genug ist f\u00fcr eine komplette Fahrspur und jederzeit ein unerwartetes Hindernis auftauchen kann. Jedenfalls wird man von hinten angeblinkt, wenn man, nicht B\u00f6ses ahnend, auf der normalen Spur f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Frankfurt kurz vor dem Abflug ein St\u00fcck eines Zahns verloren \u2013 keine gro\u00dfartigen Aussichten f\u00fcr die n\u00e4chste Woche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">18. September (Donnerstag)<\/span><\/p>\n<p>Gang zum Strand und dann Fahrt nach Nea Moudania, der n\u00e4chsten Kleinstadt. Erstaunlicherweise \u00fcberall noch bl\u00fchende Str\u00e4ucher, auch am Rand der sonst wenig einladenden Stra\u00dfe. Am Haus B\u00e4ume mit harten, r\u00f6tlichen Fr\u00fcchten, vielleicht Granat\u00e4pfeln. Fr\u00fchst\u00fcck in einem Caf\u00e9 unmittelbar am Meer, mit Blick auf das sich in ganz kleinen Wellen kr\u00e4uselnde Wasser, auf dem sich die Sonnenstrahlen brechen. Im Caf\u00e9 und am Strand fast nur Griechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend Fahrt \u00fcber die Halbinsel Kassandra. Die Kassandra ist eine von drei parallel zueinander liegenden Halbinseln, die wie Finger ins Meer ragen. Die zweite ist Sithonia, die dritte wird fast ausschlie\u00dflich von der M\u00f6nchsrepublik des Bergs Athos eingenommen. Betreten verboten. Der Name Kassandra ist nicht von der mythologischen Gestalt abgeleitet, sondern von Kassandros, dem K\u00f6nig von Mazedonien und Gemahl Salonikas, der Schwester Alexander des Gro\u00dfen, nach der Saloniki benannt ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Keine spektakul\u00e4re Landschaft, aber immer sch\u00f6ner Blick, wenn von der H\u00f6he Blick aufs Meer frei wird. Halt in Nea Fokea und dort vergebliche Suche nach einer H\u00f6hlenkapelle, in der sich angeblich der Apostel Paulus versteckt gehalten hat. Sogar im Ort selbst mehrmals vergeblich gefragt. Ort liegt rechts der Landstra\u00dfe, durch diese vom Meer getrennt. Eher nichtssagend, wohl aber ein sch\u00f6ner Brunnen und eine neobyzantinische Kirche auf einer kleinen Anh\u00f6he. Sch\u00f6nerer Teil des Ortes direkt am Meer, mit altem Wehrturm, kleiner byzantinischer Kirche und weiterem Geb\u00e4ude unbekannter Funktion, alle aus demselben, unregelm\u00e4\u00dfigen Stein und mit wenigen, winzigen Fenster\u00f6ffnungen. An der Kirche, wie oft, zwei Fahnen, die griechische, deren Farben angeblich f\u00fcr Himmel und Meer stehen, tats\u00e4chlich aber bayerisch sind, und die viel typischere gelbe Fahne von Byzanz mit schwarzem Doppeladler. Nur kleine Anlegstelle f\u00fcr Fischerboote, klein und in vielen Farben, die deshalb im seichten Wasser liegen und im Wasser hin und her schaukeln. Ganz klares Wasser, man kann den Grund bestens erkennen: mal Kies, mal Sand, mal Algen, mal Steine. Die Wasseroberfl\u00e4che in verschiedenen Farben, von dunkelblau bis t\u00fcrkis. Kuriose, niedrige Palmen mit k\u00fcrbisf\u00f6rmigen St\u00e4mmen.\u00a0 Andere B\u00e4ume, vielleicht Espen, deren Bl\u00e4tter von Wind bewegt werden, zeigen abwechselnd die dunkle Oberseite und die helle Unterseite, die silbrig in der Sonne gl\u00e4nzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kaffeepause in Skioni, direkt am Meer. Neben uns Engl\u00e4nder, die ersten ausl\u00e4ndischen Touristen, die wir sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der R\u00fcckfahrt Halt in Nea Potidea, wo ein Kanal die Kassandra vom Kontinent trennt, eigentlich zu einer Insel macht. Kanal in der heutigen Form von 1930, aber schon in der Antike, von Strabo, erw\u00e4hnt. Im Freiheitskampf von Griechen ausgebaut, um T\u00fcrken Durchgang auf die Kassandra zu verwehren, aber von T\u00fcrken mit Schafswolle aufgef\u00fcllt, um \u00dcberquerung zu erm\u00f6glichen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Rand verschienene Reste einer m\u00e4chtigen Stadtmauer, besonders sch\u00f6n an einer Stelle, wo Stadtmauer zerfallen und ein riesiger Brocken spitz auf einem anderen steht und zu balancieren scheint, sich tats\u00e4chlich aber an einen anderen, von vorne unsichtbaren Brocken anlehnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An jeder Ecke eine Tankstelle, auff\u00e4llig viele, fast verd\u00e4chtig viele \u2013 entweder ist es das Gesch\u00e4ft des Jahrhunderts oder Geldw\u00e4sche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Namensbestandteil Nea wie in Nea Fokea und Nea Potidea und Nea Moudania sind Neugr\u00fcndungen griechischer Fl\u00fcchtlinge aus Kleinasien (1922).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum haben Frauen mehr Behaarung verloren als M\u00e4nner? Und warum ist das Schamhaar nicht verschwunden? Warum hat der Mensch \u00fcberhaupt die Behaarung verloren? Kann doch wohl kein evolution\u00e4rer Vorteil gewesen sein \u2013 bei der K\u00e4lte und ohne Kleidung (erst eine Million Jahre sp\u00e4ter eingef\u00fchrt!). Sind wir zwischendurch Amphibien gewesen (Schwimmh\u00e4ute zwischen den Fingern!) und haben, wie die Robben und Delphine, das Haar verloren, um schneller schwimmen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">19. September (Freitag)<\/span><\/p>\n<p>M\u00f6rderisch anstrengende Fahrt nach Meteora. Die als Autobahn ausgewiesene Stra\u00dfe wird pl\u00f6tzlich zu einer einspurigen Landstra\u00dfe mit viel Lastwagenverkehr.\u00a0 Gr\u00e4ssliche Ortsdurchfahrt durch Saloniki und Larissa, wo ein Traktor an einer Ampel, ganz rechts, pl\u00f6tzlich entschied, links abbiegen zu wollen und uns fast auf die Sch\u00fcppe nahm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Keine spektakul\u00e4re Strecke, au\u00dfer einer kurzen Strecke zwischen Saloniki und Larissa, wo es durch eine Schlucht ging. Strecke f\u00fchrt vorbei am in Wolken geh\u00fcllten Olymp und an einem von einer pr\u00e4chtigen, gut erhaltenen, wei\u00dfen Burg \u00fcberragten Ort, Platamonos. Von Zur\u00fcckgezogenheit und Einsamkeit keine Rede, auch nicht in Meteora, das gleich bei einer lebendigen Stadt, Kalabaka, liegt, wo es laut und chaotisch zugeht, mit zweispurig parkenden Autos und Touristenbussen in beiden Richtungen und Sch\u00fclergruppen, Touristengruppen und Einheimischen, die sich l\u00e4rmend durch die Stra\u00dfen dr\u00e4ngeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise auch kaum ein Anstieg des Gel\u00e4ndes, die gesamte Gebirgslandschaft steigt wie aus dem Nichts auf, die einzelnen Felsen steil in die H\u00f6he wachsend, isoliert von den anderen, oft mit ganz glatten W\u00e4nden, wie \u00fcberdimensionale Backenz\u00e4hne. Die (einleuchtende) geologische Erkl\u00e4rung: Die gesamte Ebene war einst Meer, und die Leerstellen zwischen den Felsen sind die L\u00fccken, die sich ein Fluss auf dem Weg ins Meer geschaffen hat. Hoch oben auf den Felsen die Kl\u00f6ster, eine r\u00e4tselhafte Erscheinung, man fragt sich, wie sie dahin gekommen sind, da sie ohne jede Verbindung nach unten sind. Die Erkl\u00e4rung: Die ersten M\u00f6nche sind mit Hilfe von Ger\u00fcsten hinaufgekommen (die L\u00f6cher in den Felsen zur Anbringung der Ger\u00fcste sind noch sichtbar), die dann durch Tretleitern ersetzt wurden und haben dann den Kontakt mit der Welt durch einen Korb, eigentlich ein gro\u00dfes, grobmaschiges Netz, aufrechterhalten. Mit dem Netz wurde mit einem Flaschenzug der Nachschub nach oben gezogen. Auch Neuank\u00f6mmlinge, denen die Tretleitern zu unheimlich waren, wurden im Netz nach oben gezogen, mit einem sich um sich selbst drehenden und jederzeit gegen die Felswand zu schlagen drohenden Korb, mit dem Knirschen der Winde und bei der schwindelerregenden H\u00f6he keine weise Entscheidung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00f6ster waren urspr\u00fcnglich Ableger der Kl\u00f6ster auf dem Athos, die Angriffen von Piraten ausgesetzt waren. Von den einst \u00fcber zwanzig Kl\u00f6stern bestehen heute noch sechs. Bereits vorher gab es einzelne Einsiedler, die sich in Felsenh\u00f6hlen zur\u00fcckzogen, sich aber zur Verrichtung des sonnt\u00e4glichen Gottesdienstes zusammenschlossen und eine erste keine Kirche, Doupiani, noch am Fu\u00df eines Felsens, bauten, die\u00a0 Vorform des sp\u00e4teren monastischen Lebens. Die erste richtige Klostergr\u00fcndung durch Athanasius (XIV), der heute im h\u00f6chsten, rangh\u00f6chsten und wichtigsten Kloster, dem Megalo Meteora begraben ist, und zwar im Narthex der Klosterkirche. Diese bis auf den letzten Winkel ausgemalt, mit biblischen Figuren und Figuren aus der Kirchengeschichte, fast alle mit Heiligenschein, in Medaillons, in Mannschaften, in szenischen Darstellungen. Allein in einer Apsis 49 gez\u00e4hlt. An einigen Figuren kuriose Darstellung primitiver Sandalen, die eigentlich nur aus Sohlen bestehen und mit ganz d\u00fcnnen B\u00e4ndern am Kn\u00f6chel befestigt sind. Im Zentrum eine riesige, achteckige Votivkrone mit acht byzantinischen Doppeladlern als Verbindungslied zwischen den acht Gliedern. In der Mitte der Krone ein schwerer, vielgliedriger Leuchter. Licht kommt nur sp\u00e4rlich aus den l\u00e4nglichen \u00d6ffnungen der Kuppel und aus den kleinen Fenstern an einer Seite (die andere Seite grenzt ans Kloster, ohne nat\u00fcrliches Licht). Im Gegensatz zu den bedeckten Farben der Freskos der Kirche ganz grelle Farben im Narthex. Hier wird das Leiden der M\u00e4rtyrer (der Ostkirche) dargestellt, phantasievoll, gen\u00fcsslich und mit Freude am Detail: Hier wird jemand \u00fcber zinnoberroten Flammen auf einem Lattenrost ger\u00f6stet, dort wird jemand geviertelt, hier wird jemand mit den F\u00fcssen nach unten, dort jemand mit dem Kopf nach unten gekreuzigt. Ein Soldat, der einem M\u00e4rtyrer bereits die Beine auf Kniel\u00e4nge verk\u00fcrzt hat, bohrt noch mal kr\u00e4ftig eine Lanze in den Oberschenkel. K\u00f6pfe werden abgeschlagen, dass das Blut nur so spritzt, M\u00e4rtyrer werden mit Wonne und Energie gesteinigt oder in Bottichen gar gekocht \u2013 Hollywood ohne Sex.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daneben die Klosterkirche mit einer riesigen ru\u00dfgeschw\u00e4rzten Abzugshaube und aller Art von K\u00fcchengeschirr aus Holz. Sehr sch\u00f6nes Refektorium mit Apsis mit monolithischem Stein als Tisch f\u00fcr Abt und zwei Beisitzern, an den W\u00e4nden Holztische, davon einer original (XVII), mit ausgedunkeltem, verzogenem Holz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch ein Knochenhaus, in dem Sch\u00e4del und Knochen sorgf\u00e4ltig aufeinandergestapelt und aufgereiht sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Eintritt ins Kloster m\u00fcssen Frauen in Hosen einen bereit gestellten Rock \u00fcberziehen, w\u00e4hrend kurze R\u00f6cke und Ausschnitte offensichtlich geduldet werden. Welches kleinliche Hirn hat sich das ausgedacht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle Ortsschilder und Wegweiser in zwei Alphabeten, und manche Verkehrsschilder sogar zweisprachig, griechisch und englisch. Das reicht aber immer noch nicht: Was bedeutet nur das immer wieder auftauchende\u00a0 Schild \u201eInterchange\u201c?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gibt es einen logischen Unterschied zwischen Austausch und Umtausch?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">20. September (Samstag)<\/span><\/p>\n<p>Fahrt ins Binnenland, mit Besichtigung der Ausgrabungen von Olynthos. Auf zwei H\u00fcgeln Siedlungen, eine systematisch angelegte, schachbrettartige Siedlung auf dem Nordh\u00fcgel, eine unregelm\u00e4\u00dfige, den nat\u00fcrlichen Gegebenheiten angepasste, \u00e4ltere Siedlung auf dem S\u00fcdh\u00fcgel. Von beiden nicht viel mehr als die Grundmauern erhalten. Die planierte, regelm\u00e4\u00dfige Siedlung des Nordh\u00fcgels dennoch in ihrer Systematik beeindruckend, mit geraden Wegen zwischen den H\u00e4usern, Kanalisation und Mosaiken, die zu den \u00e4ltesten \u00fcberhaupt erhaltenen der Antike geh\u00f6ren,\u00a0 in den wichtigsten R\u00e4umen, nicht aus geschnittenen Mosaiksteinchen wie sp\u00e4ter, sondern aus nat\u00fcrlichen Kieselsteinchen, meist wei\u00df oder grau, die in den Lehmboden gedr\u00fcckt sind und geometrische Muster bilden, aber auch Darstellungen von gefl\u00fcgelten Fabelwesen, die wilde Tiere attackieren. Die gesamte Anlage durch einen regelm\u00e4\u00dfigen, ganz gerade verlaufenden Damm von gleicher H\u00f6he in der Ferne gesch\u00fctzt, durch Erosion gebildet, aber wie von Menschenhand gemacht aussehend. Siedlung war das Resultat des Versuchs Philipps, Mazedonien, das mit Athen verb\u00fcndet war, durch Neuansiedlungen auf seine Seite zu ziehen, Daher die Erweiterung auf dem Nordh\u00fcgel, als mehr und mehr Menschen seiner Aufforderung folgten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann nach Polygyros, der Hauptstadt der Region, in dessen Museum (schwer zu finden) die Funde der Ausgrabungen ausgestellt sind, u.a. ein riesiger, gusseiserner (?) Kochtopf, mehrere Statuen unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe, die alle eins gemeinsam haben: Die Figuren raffen mit der einen Hand das Gewand in die H\u00f6he, so dass der Faltenwurf und das Untergewand zum Vorschein kommen, und mit der anderen, erhobenen Hand, das Gewand unter dem Hals zur Seite, so dass noch mehr \u201eBewegung\u201c in die Darstellung kommt. Daneben ein Steinblock mit einer Inschrift, einem Vertrag zwischen Philipp und den Bewohnern der Region zur Schaffung einer Allianz. Beide verpflichten sich, zur Sanktionierung der Allianz eine Stele in einem ihrer Heiligt\u00fcmer und eine weitere, gemeinsame Stele in Delphi zu errichten. Viele kleine Schmuckst\u00fcckchen mit winzigen Abbildungen von V\u00f6geln, auch kleine H\u00e4nde (Bedeutung r\u00e4tselhaft) kommen als Schmuckelemente an Halsketten vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann Weiterfahrt nach Taxiarchis (auf 1100 Meter H\u00f6he gelegen), keine Spur von Zivilisation weit und breit, kein Auto, kein Haus, kein Mensch, keine Elektroleitungen, nur die Stra\u00dfe selbst. In Taxiarchis, St\u00e4dtchen in Mittagsruhe (die bis sechs Uhr dauert) mit winzigen, steil abfallenden Stra\u00dfen, Schwierigkeit, wieder hinaus zu kommen, immer wieder am selben Platz gelandet. Am Ende rausgekommen, weil ich endlich einen Griechen, der mich am Arm packte und mir den Weg wies, verstanden habe: Er war stumm!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann nach Arnea, voller sch\u00f6n restaurierter H\u00e4user mit Holzbalkonen und farbig gestrichenen Fassaden, alle verschieden. Auf dem fast ausgestorbenen Platz einen Kaffee getrunken. Auf griechisch gegr\u00fc\u00dft, auf griechisch bestellt, auf griechisch nach Betrag gefragt und zur Antwort bekommen: \u201eTwo-fifty\u201c. Ist das Freundlichkeit oder ist es Herablassung, nach dem Muster: Griechisch ist schwer, ihr Ausl\u00e4nder schafft es nie, gebt euch erst gar keine M\u00fche? \u00dcberall Werbung f\u00fcr Honig, die lokale Spezialit\u00e4t, sogar Ouzo mit Honig gibt es. Lieber nicht probiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterfahrt mit Blick auf die dicht bewachsenen Berge, durch Stagira (500 Einwohner), das lange glaubte, die Heimat Aristoteles zu sein, dann aber erkennen musste (sich aber immer noch dagegen wehrt), dass das alte Stagira in Olympiada liegt, ein paar Kilometer weiter an der K\u00fcste. Dort auf zwei benachbarten H\u00fcgeln auf einer Halbinsel zwei Siedlungen mit spektakul\u00e4rem Blick auf die Buchten an der einen und auf den Strand mit dem dahinterliegenden Ort auf der anderen Seite. Man wundert sich, wie Aristoteles Naturwissenschaftler werden konnte und\u00a0 nicht Lyriker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg aus unbekannten Gr\u00fcnden von der Polizei angehalten und sofort wieder \u201efreigelassen\u201c worden, ohne Kontrolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der R\u00fcckfahrt bietet das aus dem Mittagschlaf erwachte Arnea ein v\u00f6llig anderes Bild, es wimmelt von Leuten auf den Stra\u00dfen, auf den Pl\u00e4tzen, vor der Kirche und in den Lokalen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt immer auf die blutrote Sonne zu, mit scharfen Konturen vom Abendhimmel abgesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Wort f\u00fcr Wahrheit, <em>aleithia<\/em>, kommt vom Lethe, ist also die Aktion wider das Vergessen, die Wiederentdeckung dessen, was man schon immer wusste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">21. September (Sonntag)<\/span><\/p>\n<p>Ruhetag mit Kurzausflug nach Aphytos auf Kassandra, einem sch\u00f6nen, aber eindimensional touristischen Ort, hoch \u00fcber dem Meer auf einem zum Meer hin steil abfallenden Felsplateau gelegen. Dort Kaffee in einem Lokal mit Blick auf den tief liegenden, breiten Strand, mit schmalem Sandstreifen, der Rest bewachsen. Unten, durch zwei Heiniken zur Notl\u00f6sung veranlasst, Zuflucht in den B\u00fcschen gesucht und dabei gleich beim ersten Schritt im Sumpf eingesunken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberall merkw\u00fcrdige Abneigung, Kleingeld herauszur\u00fccken, vielleicht noch ein Erbe der chronischen M\u00fcnzenknappheit aus der Zeit der Drachmen. Wenn man einen Betrag von sechs Euro mit zehn bezahlt, wird man unweigerlich um einen Euro gebeten und bekommt dann einen Schein zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meer noch erstaunlich warm, jedenfalls wenn einmal der erste K\u00e4lteschock \u00fcberwunden ist. Sandstrand, aber der Einstieg ins Wasser (und der Ausstieg) \u00fcber eine Schwelle mit ziemlich gro\u00dfen Steinen, was einen ganz sch\u00f6n tollpatschig aussehen l\u00e4sst. Auch weiter raus ist es sehr flach, man muss aufpassen, nicht mit dem Bauch aufzulaufen. Wenn man sich auf den R\u00fccken legt, geht man merkw\u00fcrdigerweise nicht unter, kippt aber zur Seite. Erinnerung an ein witzigen Ausspruch st\u00fcrzt mich dennoch fast ins Verderben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend Spaziergang am Strand nach Nea Moudania, zur\u00fcck im Dunkel.\u00a0 Diesmal ein ganz feiner, unendlicher, horizontaler Streifen in sanftem Rot am Abendhimmel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hesiods <em>Theogonie<\/em> ist gleichzeitig Theologie und Theodizee, und auch, durch ihre Systematik, fast schon ein Schritt auf dem Weg zur rationalen Erkl\u00e4rung der Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn Thales das Wasser zum Ursprung allen Lebens erkl\u00e4rt, ist das eine Absage an die Mythologie und eine geradezu revolution\u00e4re Wende, die den Beginn der rationalen Erkl\u00e4rung der Welt bedeutet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Mythos von Pythagoras wird von drei Autoren auf drei verschiedene Weisen gedeutet: Bei Hesiod ist es die Rebellion gegen die g\u00f6ttliche Ordnung und Vernunft, bei \u00c4schylos ist es die Rebellion gegen die g\u00f6ttliche Tyrannei, bei Platon ist es das Symbol des technischen Fortschritts, der das Wohl des Menschen aus den Augen verloren hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Nacht von M\u00fccke im Zimmer und Grille vor dem Fenster unterhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">22. September (Montag)<\/span><\/p>\n<p>Fahrt nach Saloniki. Lange, breite aber nicht sonderlich sch\u00f6ne Promenade am Meer mit Blick auf die Hafenkr\u00e4ne in der Distanz. Stadt selbst von Meer und Promenade durch vielbefahrene Schnellstra\u00dfe getrennt. Auf der Meerseite monumentale Statue Alexander des Gro\u00dfen und, etwas weiter, der Wei\u00dfe Turm, das Wahrzeichen der Stadt, dessen Sch\u00f6nheit sich einem erst auf den zweiten Blick erschlie\u00dft, auch in dieser Hinsicht ganz wie Torre de Oro in Sevilla. Wei\u00dfer Turm hat ein Pendant in der befestigten Oberstadt, die man von hier aus in betr\u00e4chtlicher Entfernung sehen kann. Paradoxerweise ist Wei\u00dfer Turm, Stolz des Griechentums, vielleicht in der t\u00fcrkischen Zeit gebaut worden (Die Griechen ziehen die venezianische Zeit vor).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Stadtseite eine unendliche Reihe von teuren Caf\u00e9s, bev\u00f6lkert von Sch\u00fclern und Studenten. Am Aristoteles-Platz (auch die Universit\u00e4t ist nach ihm benannt), von dem aus ein breiter Boulevard nach oben f\u00fchrt, noch mehr Caf\u00e9s. Quer dazu verl\u00e4uft die Egantia (hat nur den Namen gemeinsam mit einer ber\u00fchmten antiken Handelsstra\u00dfe, die n\u00f6rdlich von Saloniki verl\u00e4uft). Hier die Kathedrale St. Demetrius, dem lokalen Schutzpatron geweiht, eine f\u00fcr orthodoxe Kirchen untypisch gro\u00dfe, f\u00fcnfschiffige Basilika (wiederaufgebaut nach einem Brand am Beginn des 20. Jh.), mit dem Charme einer Wartehalle, aber einer riesigen antiken Krypta.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der N\u00e4he riesiges r\u00f6misches Ausgrabungsgel\u00e4nde, genau am Schnittpunkt zweier wichtiger Stra\u00dfen. Unterschiedliches Bodenniveau, mit B\u00f6gen, die zu einer unterirdischen Passage zu geh\u00f6ren scheinen. \u00d6ffnungszeiten, wie immer in Griechenland, v\u00f6llig unberechenbar: hier\u00a0 t\u00e4glich von 8.00-20.00! Die Rotunde ist dagegen montags geschlossen, das arch\u00e4ologische Museum vormittags und das byzantinische nachmittags auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Kathedrale Halt am T\u00fcrkischen Bad (1444). Saloniki wurde noch vor Konstantinopel t\u00fcrkisch und, wie ganz Mazedonien, erst 1912 griechisch! Trotzdem kurios zu lesen, dass Atat\u00fcrk hier geboren wurde! Saloniki auch die Stadt, in der Cicero im Exil war und in der der Apostel Paulus weilte, bevor er nach Korinth ging und von dort seine Thessalonicherbriefe schrieb. Auch Cyrill und Methodius stammen aus Saloniki!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>T\u00fcrkisches Bad mit drei verschiedenen W\u00e4rmestufen, wohl nach r\u00f6mischem Vorbild, wie auch hypokaustische Heizung, mit deren Dampf nicht nur das Wasser erhitzt, sondern auch durch den Austritt des Dampfes durch die hohlen Au\u00dfenmauern das Geb\u00e4ude geheizt wurde! Getrennte Teile mit getrennten Eing\u00e4ngen f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mittagessen in einem einfachen Lokal abseits der gro\u00dfen Terrassen. Gutes, preiswertes, wenig raffiniertes Essen mit der typischen Abwesenheit jeder Art von So\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Byzantinischen Museum, sehr modern, sehr gute Pr\u00e4sentation, sehr unfreundliches Personal, Frauenschmuck aus der christlichen Antike, getragen trotz des Einspruchs Johannes Chrysostomus, der dagegen wetterte und darin ein Hindernis auf dem Weg zur Rettung der Seele sah.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter den Gebrauchsgegenst\u00e4nden ein antikes Brettspiel, das wie Dame aussieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr sch\u00f6ne, gut erhaltene Grabm\u00e4ler aus der christlichen Antike, tonnengew\u00f6lbte Decken, fast wie ein Mausoleum, bunt bemalt mit Fr\u00fcchten, Fischen, Huhn usw. in der Tradition der Elysischen Felder, damit der Tote auf keine materiellen Gen\u00fcsse im Jenseits verzichten musste.\u00a0\u00a0 Friedh\u00f6fe lagen urspr\u00fcnglich au\u00dferhalb der St\u00e4dte, und Christen und Heiden wurden urspr\u00fcnglich nicht getrennt begraben. Nach Edikt Christen gestattet, bei den M\u00e4rtyrern, <em>ad santos<\/em>, bestattet zu werden. In der mittelbyzantinischen Periode dann Erlaubnis, Tote innerhalb der Stadt zu begraben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Exponate zur Geschichte des Ikonoklasmus, f\u00fcr den es nicht nur religi\u00f6se, sondern auch politische Gr\u00fcnde gab und der sich gegen den Besitz der Kl\u00f6ster wandte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Burgen lagen meist entlang der Stra\u00dfe Saloniki-Konstantinopel, darunter auch Platamonos, an der wir auf dem Weg nach Meteora vorbeigekommen waren. Wichtigste Phase des Burgenbaus (IX\/X) zur Sicherung des Reichs nach Niedergang durch Invasionen, Pest, Wirtschaftskrise. Danach Konsolidierung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann noch an der (geschlossenen) Rotunde vorbei und am Galeriusbogen, der jetzt isoliert an einem gro\u00dfen Platz steht. Auf alten Postkarten aber noch zu sehen, wie der Bogen in die nebenstehenden H\u00e4user integriert war und die Stra\u00dfenbahn unten durchfuhr. Reliefs, teilweise sehr verwittert, die die Gro\u00dftaten des Kaisers w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Verlassen der Stadt, wieder \u00fcber die Promenade am Meer, ein dichter Vogelschwarm \u00fcber einem kleinen Park, wild durcheinander fliegend, wild schreiend, ohne erkennbares Ziel oder erkennbare Absicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mineralwasser hei\u00dft <em>Metallwasser<\/em>, und da die Natur <em>Physik<\/em> hei\u00dft, hei\u00dft nat\u00fcrliches Mineralwasser <em>physisches Metallwasser<\/em>!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">23. September (Dienstag)<\/span><\/p>\n<p>Nach einiger \u00dcberlegung wegen der neuerlichen Autofahrt (150 Kilometer, zwei Stunden) doch Entschluss zur Fahrt nach Vergina, zwischen Saloniki und Athen, seit nicht allzu langer Zeit als das antike Aegae identifiziert, der Hauptstadt des antiken Mazedonien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb des Ortes auf einer Anh\u00f6he in den Ausl\u00e4ufern eines Gebirges die \u00dcberreste eines weitl\u00e4ufigen Palastes, Grundriss und Abwasserkan\u00e4le gut zu erkennen, sonst aber nur einzelne graue Steinquader und die heruntergefallenen S\u00e4ulentrommeln. Am Fu\u00dfe der Anh\u00f6he das antike Theater, ohne architektonische Verbindung zum Palast, man nimmt an, dass man von einer Terrasse des Palastes aus das Geschehen im Theater verfolgen konnte! Vom Theater nur die Konturen zu erkennen. Struktur an die nat\u00fcrlichen Gegebenheiten angepasst, in einen H\u00fcgel hineingebaut, mit h\u00f6heren Zuschauerr\u00e4ngen an der Seite, an der H\u00fcgel h\u00f6her ist. Hier im Theater geschah der aufsehenerregende Mord an Philipp, der sich selbst zum 13. Gott neben den olympischen G\u00f6ttern erhob und sich als solcher verehren lassen wollte. Diese Hybris soll das Motiv zu dem Anschlag gewesen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Philipps Grab in einem Tumulus am Rande des heutigen Ortes. Sowohl die Gesamtanlage als auch die Fundst\u00fccke, der Qualit\u00e4t, der Bedeutung und dem Erhaltungszustand nach, atemberaubend. Zwei goldene Truhen, auf der Oberseite mit dem eingravierten mazedonischen Stern dekoriert, enthielten die Knochen des einge\u00e4scherten K\u00f6rpers Philipps und einer jungen Frau, die ihm (angeblich) freiwillig in den Tod folgte und sich, mit einem goldenen Diadem geschm\u00fcckt, als Ausweis ehelicher Treue, den Flammen \u00fcbergab, um ihm in den Hades zu folgen. Die Truhen wiederum wurden in Marmorschreinen\u00a0 aufgebahrt, die in der Hauptkammer bzw. der Vorkammer des Grabs aufgestellt wurden, das mit einer gro\u00dfen, wei\u00dfen, mit S\u00e4ulen flankierten Doppelt\u00fcr geschlossen wurde und zu der eine Rampe hinunterf\u00fchrte. Das kann man noch heute <em>in situ<\/em> besichtigen und im D\u00e4mmerlicht des Grabs die Aura der antiken K\u00f6nigsgr\u00e4ber sp\u00fcren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den Grabbeigaben\u00a0 geh\u00f6rten immer Becher, Kr\u00fcge und andere Trinkgef\u00e4\u00dfe \u2013 die Toten waren immer durstig. Die Trinkgef\u00e4\u00dfe (hier in verbl\u00fcffender F\u00fclle ausgestellt) sehr stilvoll, mit glatten Oberfl\u00e4chen, erstaunlich modern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die M\u00e4nner gab es zus\u00e4tzlich Waffen und R\u00fcstung (ein sch\u00f6ner dunkler Brustpanzer ausgestellt), f\u00fcr die Frauen (man wollte Hades in sch\u00f6ner Aufmachung entgegentreten) Schmuck und Schminkutensilien, f\u00fcr Kinder Spielzeug (h\u00f6lzerne Pferde, Puppen aus Elfenbein usw.) und f\u00fcr Priester Statuszeichen \u2013 nichts Neues unter der Sonne. Au\u00dferdem alle bei der Trauerzeremonie verwandten Utensilien (Die Knochen wurden gewaschen!) dem Grab beigegeben \u2013 sie waren gleichzeitig unsauber und heilig. Es war wichtig, alles vor den Augen der Welt zu verbergen, sonst konnte die Seele den Weg nicht finden. Den Toten wurde auch ein h\u00f6lzernes, mit Elfenbeinfiguren geschm\u00fccktes Sofa mitgegeben \u2013 man sollte es im Jenseits bequem haben. Holz verfallen, aber Elfenbein (musste importiert werden und ist Zeugnis der weitreichenden Handelsbeziehungen) erhalten, darunter ein M\u00e4nnerkopf, den man f\u00fcr ein Portrait Philipps h\u00e4lt und der die Grundlage der meistverbreiteten Abbildung ist. H\u00f6hepunkt der Kunstfertigkeit zwei goldene, ganz fein ziselierte\u00a0 Kr\u00e4nze, einer\u00a0 mit unz\u00e4hligen, kleinen Eichenbl\u00e4ttern und Eicheln, der andere mit feinen Bl\u00fcten, bei denen sogar die Staubf\u00e4den als hauchd\u00fcnne Dr\u00e4hte aus der Bl\u00fcte hervorwachsen. Ebenfalls bemerkenswert bemalte Grabstelen aus Marmor (?), deren Inschriften (griechische Namen) als Beleg daf\u00fcr angesehen werden, dass die Makedonier Griechen waren und keine Hellenisierung stattgefunden hat, wie subversive ausl\u00e4ndische Gelehrte manchmal behaupten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">24. September (Mittwoch)<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen nach Saloniki, um Rotunde und ihre ber\u00fchmten Mosaike zu sehen, doch welch tr\u00fcgerische Hoffnung: Rotunde wird renoviert, Mosaike sind (bis auf ganz wenige) ausgelagert, und innen verdecken \u00fcberall Ger\u00fcste die Sicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rotunde unter Galerius gebaut, entweder als Tempel oder als sein Mausoleum, dann Umbau zu christlicher Kirche unter Verl\u00e4ngerung nach Osten, um eine Apsis f\u00fcr den Chor zu schaffen. Dadurch Statik beeinflusst, und bei Erbeben Einsturz eines Teils der Rotunde. Wiederaufbau mit Erweiterung, Au\u00dfenmauer wird durchbrochen und in acht Arkaden aufgel\u00f6st und durch neue Au\u00dfenmauer mit gr\u00f6\u00dferem Durchmesser ersetzt. Dadurch entstehen acht Joche und eine Art Ambulatorium. Sp\u00e4ter (XVI) Umwandlung in Moschee, heute Museum. Hat sehr breite Mauern und breite Rundbogenfenster, beides an Trierer Basilika erinnernd. In einem Joch Mosaike schon wieder eingef\u00fcgt, zeigen abwechselnd Bl\u00fcten und einen Vogel, vielleicht Pelikan (sieht aber aus wie Gans mit Entenfedern). Vor dem Eingang ein unabh\u00e4ngiger Turm, auch einger\u00fcstet, vielleicht Glockenturm, vielleicht Minarett. Davor, unter einem Dach, das auf acht S\u00e4ulen ruht, achteckiger Brunnen (nicht einger\u00fcstet!) mit konkaven Beckenw\u00e4nden, vielleicht Taufbecken, vielleicht aber auch Brunnen zur rituellen Waschung aus der Zeit der Moschee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Markt neben der Rotunde an einem Stand nicht identifizierbare, gro\u00dfe, gelbe Fr\u00fcchte, die wir vorher schon einmal an einem Baum gesehen hatten, wie eine Kreuzung aus Pampelmusen, Zitronen und Apfelsinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann Fahrt zum Flughafen. Ein wie ein Malocher aussehender Grieche zieht, um sein Essen in einem Selbstbedienungsrestaurant zu bezahlen, ein dickes, zusammengerolltes B\u00fcndel von Geldscheinen aus der Hosentasche, darunter einen F\u00fcnfhunderter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. September (Mittwoch) Von Frankfurt (250 Kilometer von Trier) nach Saloniki. Sp\u00e4te Ankunft, im Dunkeln Fahrt (ca. eine Stunde) nach Dionysos Beach, eine aus dem Nichts entstandene Urlaubssiedlung mit Apartmenth\u00e4usern. Schwierigkeiten mit der griechischen Gewohnheit, den Seitenstreifen mitzubenutzen, auch wenn &hellip; <a href=\"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1428\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":1155,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1428"}],"collection":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1428"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1428\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1429,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1428\/revisions\/1429"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1155"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}