{"id":1432,"date":"2011-12-28T08:32:05","date_gmt":"2011-12-28T08:32:05","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1432"},"modified":"2011-12-28T08:32:05","modified_gmt":"2011-12-28T08:32:05","slug":"zypern-2003","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1432","title":{"rendered":"Zypern (2003)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">25. Dezember (Donnerstag)<\/span><\/p>\n<p>Viel zu fr\u00fch am Flughafen in D\u00fcsseldorf. Vor dem Abflug eine kleine Mahlzeit, bei der mir ein St\u00fcck eines Zahns herausbricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Durchleuchten des Gep\u00e4cks werden wir \u201efestgenommen\u201c und mit strengem Blick nach einem Messer in unserem Gep\u00e4ck gefragt. Wir wissen von nichts. Es ist ein Schweizer Taschenmesser, das noch von der letzten Reise im Gep\u00e4ck war. Wie Schwerverbrecher werden wir abgef\u00fchrt und m\u00fcssen das Messer in eine Box werfen, in der schon andere Hijacker ihre kriminellen Werkzeuge hinterlassen mussten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Knapp vier Stunden Flug, direkt von D\u00fcsseldorf nach Larnaca. In einer Brosch\u00fcre eine Werbeanzeige mit je einer Flasche <em>Scottish Whisky<\/em> und <em>Irish Whiskey<\/em> gefunden, ideal f\u00fcr einen anstehenden Vortrag. Bei Ankunft (eine Stunde Zeitverschiebung) bereits stockdunkel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Flughafen eine Werbung, die ortsgebunden ist: Auf einem Plakat sieht man eine braune T\u00fcte mit einem gro\u00dfen, gelben M und der Aufschrift: \u201eUnpack and relax\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Abholen des Autos scheitert erster Versuch, Griechisch zu sprechen an Zypriotin, die in Croydon geboren und aufgewachsen ist und Englisch schnell, idiomatisch und mit regionalem Akzent spricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auto wird auf Parkplatz \u00fcbergeben, ohne gr\u00f6\u00dfere M\u00fche um Freundlichkeit oder Erkl\u00e4rungen. Man h\u00e4tte schon gerne etwas \u00fcber Licht, Scheibenwischer, G\u00e4nge, Tank usw. erfahren. Laut Marta sind Mietwagenfahrer daran zu erkennen, dass sich pl\u00f6tzlich unmotiviert die Scheibenwischer in Bewegung setzen. Ich reihe mich ein. Links fahren, rechts sitzen und mit links schalten \u2013 am Anfang fuchtelt die linke Hand st\u00e4ndig im leeren Raum herum. Am allerschwersten, wie sich in den n\u00e4chsten Tagen erweist: rechts einsteigen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber eine ausgezeichnete Autobahn Richtung Tochni, dann auf einer guten Landstra\u00dfe weiter, von dort auf eine schlechte Landstra\u00dfe, von dort auf eine schmale, unbeleuchtete Dorfstra\u00dfe, die pl\u00f6tzlich &#8211; zu Ende ist. Wir stehen im Wald. Umdrehen ist angesagt, aber das ist leichter gesagt als getan: Wo ist der R\u00fcckw\u00e4rtsgang? Alle Versuche bringen uns immer nur ein kleines St\u00fcck weiter nach vorn, die Wiese hinunter. Pl\u00f6tzlich die Erleuchtung: ein Ring unter dem Schaltkn\u00fcppel muss nach oben gezogen werden. Zur\u00fcck in das Dorf, das wie ausgestorben wirkt. Hinweise auf die Apartments nirgends zu sehen. Dann taucht ein Mann auf, und ich mache den zweiten Versuch, Griechisch zu sprechen. Es ist ein Deutscher, und er wei\u00df den Weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber steile, in den Fels gehauene Stufen am Rande des Abgrunds geht es in der Dunkelheit nach oben, zum Lokal, dann, mit einem merkw\u00fcrdigen, wie sich sp\u00e4ter herausstellt schwachsinnigen Mann zur\u00fcck \u00fcber die Stufen und andere Stufen hinauf zum Apartment. Wieder Griechisch unn\u00f6tig, der Mann hat 28 Jahre in Australien gelebt und spricht perfekt klingendes, wenn auch wenig koh\u00e4rentes Englisch. Apartment sch\u00f6n, aber sehr rustikal, und unbeheizt. Ein kleiner Heizofen geht erst nach vielen Versuchen an, und die Klimaanlage funktioniert trotz gegenteiliger Beteuerung \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann wieder zur\u00fcck ins Lokal, Stufen runter, Stufen rauf. Zum Abendessen ein zyprisches Bier bestellt, Keo, das in einer riesigen Flasche serviert wird, mit einem merkw\u00fcrdigen Ma\u00df, das sich auch durch Umrechnung aus englischen Ma\u00dfen nicht erkl\u00e4rt: 0,63.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">26. Dezember (Freitag) <\/span><\/p>\n<p>Bei Licht erweist sich Tochni als Bergdorf mit H\u00e4hnen, Ziegen, Katzen und Hunden, Wellblechgaragen, auf zwei durch eine tief gelegene Stra\u00dfe getrennte Felsbl\u00f6cken gelegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim auf den europ\u00e4ischen Gast zugeschnittenem, aber bescheidenem Fr\u00fchst\u00fcck liegen die Oliven gleich neben der Marmelade.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Zypern aus sind es nur 70 Kilometer bis zur T\u00fcrkei, 100 Kilometer bis Syrien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fahrt \u00fcber die Autobahn nach Nikosia, nur ungef\u00e4hr 50 Kilometer entfernt. Hat 200.000 Einwohner, ein Drittel des (griechischen) Zypern. Bis zum Ende gelingt es uns nicht, herauszufinden, woher der Name Nikosia kommt, wenn die Zyprer es Leukosia nennen. Name kommt von Leukos, einem \u00e4gyptischen K\u00f6nig aus der Zeit, als Zypern zu \u00c4gypten geh\u00f6rte! Stadt bildet regelm\u00e4\u00dfiges Achteck, Ergebnis einer von den Venezianern angelegten Stadtmauer, die noch in Teilen besteht. Nikosia letzte geteilte Hauptstadt der Welt. An die Grenze kommt man ganz unverhofft, wenn man eine Einkaufsstra\u00dfe des Zentrums hinuntergeht. Unvermittelt taucht die Grenze auf. Quer zur Stra\u00dfe Stacheldraht, Sands\u00e4cke, Tonnen. Durch Guckl\u00f6cher kann man, auf einer Barrikade stehend, in den andern Teil sehen. Dort verfallene H\u00e4user und Ger\u00f6ll, zerschlagene Schaufensterscheiben und Reklameschilder. Das ist vermutlich gewollt, denn es handelt sich um griechisches Gebiet. Man hat die Grenze etwas vorgezogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Kirche, Pang\u00eda, eine orthodoxe Hochzeit gesehen. Viel Bewegung, Kinder laufen herum, M\u00e4nner verlassen die Kirche zwischendurch, um zu rauchen, Frauen sprechen ungeniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Zentrum eine Tafel, auf der die Tage bis zum Eintritt in die Europ\u00e4ische Union gez\u00e4hlt werden (z.Z. 120).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die T\u00fcrken kamen erst im 16. Jh., kurz nach dem Bau der Stadtmauern durch die Venezianer. Auf einem offenen Platz eine Moschee, die man auch als Nichtgl\u00e4ubiger betreten darf. Schon die Vorhalle mit Teppichen ausgelegt. Gl\u00e4ubige, wie immer, sehr leger, einige knien, aber andere sitzen, hocken oder lehnen zwanglos an einem Pfeiler, einige beten, andere lesen, andere tun gar nichts. Alle zur Seite gewandt, nicht zur Apsis. Geb\u00e4ude ist ehemalige christliche Kirche, mit Rosette, klassizistischen Fenstern, ornamentalem Portal. Auf dem gro\u00dfen Platz das nachtr\u00e4glich errichtete gro\u00dfe Minarett, das den niedrigen, l\u00e4nglichen Kirchenbau um das Dreifache \u00fcberragt. Am Portal eine Apologie des Islam, mit der Versicherung, mit Gewalt habe er nichts zu tun. Im \u00fcbrigen habe Marx Recht gehabt mit der Behauptung, Religion sei Opium f\u00fcr das Volk, nur gelte das nicht f\u00fcr den Islam!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Caf\u00e9 Erodos gegen\u00fcber auf der Terrasse einen Kaffee getrunken. Aus dem Lautsprecher kommt \u201eWhite Christmas\u201c, passt wie Faust aufs Auge zu dem Minarett, zum sonnigen Wetter und zum dem alten Haus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Stra\u00dfe und auf Balkonen verbl\u00fcffenderweise \u00fcberall asiatische Immigranten, wahrscheinlich Inder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor dem Erzbisch\u00f6flichen Palast eine Kolossalstatue von Makarios in vollem Ornat. F\u00fchrte Volksbefragung durch (1950), nach der angeblich 96% den Anschluss an Griechenland und die Beendigung der englischen Herrschaft wollten. (Aber: Listen lagen in Kirchen aus und Abstimmung war nicht geheim!). Stimmte sp\u00e4ter, als GB nachgab, den Vertr\u00e4gen zur Selbstbestimmung Zyperns zu, obwohl Zypern selbst nicht an den Verhandlungen (TR, GR, GB) beteiligt worden war. Wurde Pr\u00e4sident. Wurde von EOKA, die f\u00fcr Vereinigung mit GR war, bek\u00e4mpft. Versuchte, sich zwischen verschiedenen Interessensgruppen \u2013 EOKA, T\u00fcrken, Kommunisten, TR, GR, USA, SU durchzulavieren. Besteht auf Selbst\u00e4ndigkeit, als Athen auf Vereinigung dr\u00e4ngt, aber fl\u00fcchtet nach Staatsstreich des Milit\u00e4rs in Griechenland (1967). T\u00fcrkei interveniert, um Vereinigung zu verhindern. Makarios kehrt nach Sturz der Milit\u00e4rjunta zur\u00fcck, kann aber nichts mehr ausrichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde des Erzbisch\u00f6flichen Palastes die Kathedrale St. Johannis, klein (nur ca. 100 Sitzpl\u00e4tze), einschiffig, gew\u00f6lbt, au\u00dfer den Fensterlaibungen nicht eine leere Stelle. Gew\u00f6lbe mit Fresken (XVIII) auf dunklem Untergrund. Ikonosthase vergoldet mit zahlreichen Bildern in hellen Farben. Ausstattung: Kerzenleuchter \u00fcberall, eine Standuhr (!), eine frei schwebend an der Wand h\u00e4ngende Kanzel, zu der es keinen sichtbaren Zugang gibt, und vergoldete Figuren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch das bis auf zwei oder drei proppevolle Restaurants (lauter Einheimische) wie ausgestorben wirkende restaurierte Touristenviertel (2. Weihnachtstag ist Feiertag) zum Paphos-Tor und zum Sperrgebiet der UNO. Auf dem R\u00fcckweg gewitterartiger Regen, der aber bald schon wieder vorbei ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Tochni in den Supermarkt, um Wasser zu kaufen. Erst im allerletzten Moment gemerkt, dass die Plastikflasche mit der klaren Fl\u00fcssigkeit, die wir in der Hand hielten, kein Wasser war, sondern Essig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fahne der \u201eT\u00fcrkischen Republik Zypern\u201c sieht der der T\u00fcrkei zum Verwechseln \u00e4hnlich, genauso wie die der \u201eRepublik Zypern\u201c der Griechenlands.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">27. Dezember (Samstag)<\/span><\/p>\n<p>Ohne erkennbaren Anlass an Oscar Wildes Aphorismus \u201eThe only true fiction is autobiography\u201c gedacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange geschlafen, Einkauf im Supermarkt. Dorf wirkt am Werktag genauso ausgestorben wie am Feiertag. Ein paar alte M\u00e4nner im Kafeneion, eine alte Frau, ganz in Schwarz, mit Ziege auf der Stra\u00dfe &#8211; das ist alles.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor dem Apartment ein Baum mit B\u00fcndeln von kleinen, gelben, runden Fr\u00fcchten \u2013 nicht zu identifizieren, jedenfalls nicht mit unseren botanischen Kenntnissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach ganz kurzer Fahrt erste Station in Chirokit\u00eda, einer vorgeschichtlichen Siedlung. Auf dem Parkplatz nur Autos mit rotem Kennzeichen, d.h. Leihwagen, d.h. Touristen (die Eingeborenen haben, wie in GB, hinten gelb, vorne wei\u00df, auch die doppelten gelben Linien am Stra\u00dfenrand in Innenst\u00e4dten sind britisches Erbe).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neolithische Siedlung kennt zwei Phasen, eine ab 7. Jahrtausend, eine ab 5. Jahrtausend. Was man jetzt sieht, ist wohl aus der zweiten Phase: die Grundmauern von vielen kleinen Rundh\u00e4usern, merkw\u00fcrdigerweise in den Berg gebaut. Die andere, ungesch\u00fctzte Seite hatte eine Mauer. Mehrere Rundbauten zusammen waren ein Wohnkomplex, da die Bauten unterschiedliche Funktionen hatten: Feuerstelle, Arbeitsraum (Getreideverarbeitung), Wohnraum. Die Mauern waren aus (hellen) Steinen der umliegenden Berge, (dunklen) Steinen aus dem naheliegenden Fluss und luftgetrockneten Lehmziegeln, zusammengehalten von einer Art M\u00f6rtel. Die D\u00e4cher aus Holz und Stroh waren wahrscheinlich flach, nicht gew\u00f6lbt, wie man es auf den Abbildungen sieht (das hatte man wegen der Erdverschiebungen und verschiedener Experimente geglaubt). Nahrung gab es durch Sammeln, Anbau und Jagd \u2013 das komplette Programm. Die Toten wurden in einer Grube des Wohnhauses in embryonaler Stellung begraben \u2013 einige mit Grabbeigaben, darunter Halsketten, die mit einer Platte verschlossen wurden. Dann lebte man fr\u00f6hlich in der Pr\u00e4senz der Toten weiter. Der Zugang zur Siedlung war durch ein kompliziertes System aus Treppen (in die Begrenzungsmauern eingelassen) und durch Wachposten kontrolliert. Die Bauten erforderten genaue Planung und Koordination. Wie die Menschen darauf kamen und warum sie nicht einfach ausgestorben sind als untauglich zum \u00dcberleben wie andere Tiere ist mir weiterhin ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterfahrt nach Larnaca. Vor der Stadt (fr\u00fcher mit dem Meer verbunden) die Moschee Hala Sultan Tekke (<em>hala<\/em> = \u201aSchwester der Vaters\u2019, <em>teke<\/em> = \u201aKloster\u2019). Sehr sch\u00f6n in einem kleinen Palmenhain am Ufer des Salzsees gelegen. Hier st\u00fcrzte beim Arabereinfall eine Frau, der \u00dcberlieferung nach die Tante Mohammeds, vom Pferd und brach sich das Genick. Sofort kamen drei Steinplatten mit g\u00f6ttlicher Kraft aus Mekka herangeflogen. Unter diesen Steinplatten liegt sie heute noch in einem Nebenraum der Moschee begraben. Das Innere der Moschee, wie oft, eher entt\u00e4uschend. Eine h\u00f6lzerne Kanzel f\u00fcr den Imam, ein paar Medaillons mit den Namen einiger Kalifen in kufischer Schrift, sonst nichts au\u00dfer Teppichen. Trotzdem erz\u00e4hlt man uns, es handele sich um das viertwichtigste Heiligtum des Islam \u2013 wie \u00fcberall. Untergeschoss quadratisch, dann achteckiges Obergeschoss, dar\u00fcber die Kuppel. Hinter der Moschee ein paar kuriose wei\u00dfe Grabstelen und Blick auf den See und dessen Flamingos. Vor der Moschee ein alter, stoppelb\u00e4rtiger Mann, der mit Freundlichkeit und gebrannten N\u00fcssen fremden M\u00e4nnern das Geld aus der Tasche zieht und fremden Frauen unaufgefordert stachelige K\u00fcsse auf die Backen dr\u00fcckt \u2013 nicht jedermanns Sache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Innenstadt lange Parkplatzsuche in den engen, verstopften Stra\u00dfen. Dann Kaffee in einem Lokal vor der Lazaruskirche im Zentrum. Dann, an noch einer Moschee vorbei, zum t\u00fcrkischen Fort (samstags geschlossen) mit einer Wehrmauer zum Meer und einem sch\u00f6nen, venezianisch anmutenden Handelshaus mit Fassade zur Seite. Erster Blick aufs Meer entt\u00e4uschend: dunkler, flacher Strand voller Ger\u00f6ll und Blick auf die Kr\u00e4ne des nahegelegenen Hafens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann \u00fcber lange, breite, gesichtslose Uferpromenade mit den typischen Einrichtungen des modernen Massentourismus. Dort, in einem hohen Neubau, v\u00f6llig deplaziert, das Rathaus, in dessen Untergeschoss Pizza Hut und Kentucky Fried Chicken untergebracht sind. Danach, immer noch an der Strandpromenade, aber etwas nach hinten versetzt, sch\u00f6ne, restaurierte, alte Lagerh\u00e4user, in denen ein arch\u00e4ologisches Museum und ein Kunstmuseum untergebracht sind (samstags geschlossen). Dann zur\u00fcck zur Lazaruskirche, einer ehemaligen katholischen Klosterkirche (Reste des Kreuzgangs noch erhalten), die dann, unter den T\u00fcrken, als der Katholizismus verboten wurde, an die orthodoxe Kirche ging! Aus hellem Sandstein mit sch\u00f6nem Glockenturm mit reichen, an Plateresco erinnernden Reliefs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Kirche eine Gruppe von Touristen mit unbekannter Sprache. Auf Nachfrage herausgefunden, dass es Ungarisch war!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Schaufenster ein Schachspiel, in dem nicht Schwarz gegen Wei\u00df, sondern Christen gegen Mohren k\u00e4mpfen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Stadtrand von Larnaca die nicht unerheblichen Reste eines t\u00fcrkischen Aqu\u00e4dukts auf m\u00e4chtigen Pfeilern. Erst oben sieht man den kleinen Wasserkanal, der in keinem Verh\u00e4ltnis zu der monumentalen Konstruktion steht, aber ihr eigentlicher Zweck ist. Immerhin wurde so die ganze Stadt in einem wasserarmen Land mit Wasser versorgt &#8211; bis ins 20. Jahrhundert!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">28. Dezember (Sonntag)<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen vom Sprechgesang des Popen aus der Kirche geweckt &#8211; \u00fcber Au\u00dfenlautsprecher auf den Dorfplatz \u00fcbertragen. Als Entsch\u00e4digung wenigstens gutes Wetter. Klarer Himmel, Pullover reicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fahrt nach Paphos, einer der \u00e4ltesten europ\u00e4ischen Siedlungen, das schon seit dem 4. Jh. v.Chr. Neu-Paphos hei\u00dft! K\u00f6nig Nikokies (?) errichtete es an der Stelle von Alt-Paphos.\u00a0 Als erste Stadt in Zypern nach dem hippodamischen System errichtet \u2013 was immer das sein mag. Wurde dann ins Ptolem\u00e4erreich integriert und gewann Bedeutung durch Lage auf dem Weg von Alexandria zur \u00c4g\u00e4is und durch Metallvorkommen im Hinterland. Wurde Hauptstadt Zyperns. Mehrmals durch Erdbeben zerst\u00f6rt. Dann wieder Bl\u00fcte in r\u00f6mischer Zeit. Aus dieser Zeit Odeon, Agora, Villen, Mosaike.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Riesiges Ausgrabungsfeld am Meeresrand, in dem man sich verliert und in dem man sich verlaufen kann. Mehrere Fu\u00dfbodenmosaike aus antiken Villen: eins mit Orpheus mit Leier im Zentrum und wilden Tieren um ihn herum, erstaunlich naturalistisch dargestellt: Hirsch, L\u00f6we, Stier, Wildschwein, B\u00e4r usw.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei gro\u00dfe H\u00e4user mit bis zu 70 R\u00e4umen, viele mit Mosaiken ausgestattet, waren Wohnsitz hochrangiger R\u00f6mer, vielleicht des Vizekonsuls: Haus des Theseus und Haus des Dionysos (nach Motiven auf den Mosaiken benannt). Im Haus des Dionysos auch ein tiefer gelegenes Mosaik aus viel \u00e4lterer Zeit. Einige Mosaike erinnern mit Schmuckb\u00e4ndern an den Seiten und mit geometrischen Motiven an die Trierer Mosaike, auch mit der Aufteilung in verschiedene Felder. Sehr sch\u00f6ne szenische Darstellungen, manchmal fast wie ein antiker Schnappschuss. Das erste Mosaik wurde erst 1962 entdeckt, von einem Bauern, der das Feld bearbeitete \u2013 wie im Bilderbuch. Auf dem weiten Gel\u00e4nde wird weiter gegraben. Au\u00dfer Mosaiken ein z.T. rekonstruiertes Odeon, ein Forum und ein verfallenes Kastell, mit einem sehr sch\u00f6nen, dem einzig erhaltenen Torbogen, der vor allem aus der Distanz reizvoll aussieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb des Grabungsfeldes ein t\u00fcrkisches Kastell gleich am Meer am Ende der Bucht, die auch heute noch von einem r\u00f6mischen Wellenbrecher gesch\u00fctzt wird! Davon profitieren heute die Jachten, fr\u00fcher war hier ein wichtiger Liegeplatz f\u00fcr die r\u00f6mischen Flotte, mit der wichtigste im \u00f6stlichen Mittelmeer. Von dem gut erhaltenen Kastell, dessen Dach man besteigen kann, sch\u00f6ner Blick auf das tiefblaue Meer, die sich darin brechenden Sonnenstrahlen und die Wellen, die sich an den riesigen Felsbrocken brechen, die das Kastell sch\u00fctzen. Das Kastell diente sp\u00e4ter auch als Salzlager und in der britischen Zeit als Gef\u00e4ngnis. In unmittelbarer N\u00e4he Reste des Vorg\u00e4ngerkastells, von den Lusignans gebaut und von den Venezianern, den n\u00e4chsten Besitzern, selbst zerst\u00f6rt wurde, nur um es nicht den T\u00fcrken \u00fcberlassen zu m\u00fcssen, gegen die sie es nicht verteidigen konnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Strandpromenade eine \u00e4u\u00dferst f\u00fcllige, nicht mehr ganz junge Frau mit halblanger Stretchhose und einem bunten T-Shirt und einer Handtasche mit dem Bildnis von Marilyn Monroe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Mittagsessen an der sehr touristischen, aber vorzeigbaren Strandpromenade, die einen halben Bogen bis zum Kastell schl\u00e4gt, von einer Chinesin bedient und\u00a0 von Briten umzingelt, bei denen jedes zweite Wort <em>Fish and Chips<\/em> ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb der Stadt die \u201eK\u00f6nigsgr\u00e4ber\u201c, eigentlich Gr\u00e4ber hochgestellter B\u00fcrger der Antike, denn K\u00f6nige gab es zu der Zeit nicht. Unterschiedliche Anlagen auf einem riesigen Terrain. Aufw\u00e4ndige unterirdische Gr\u00e4ber, manchmal aus mehreren Kammern bestehend, in einigen F\u00e4llen um einen S\u00e4ulenhof mit Metopen und Triglyphen herum gruppiert, in die\u00a0 eine Treppe hinunterf\u00fchrt. Jede Kammer hat mehrere Loculi, die eigentlichen Grabstellen. Alle Gr\u00e4ber ausgeraubt, und die wenige Keramik, die in neuer Zeit gefunden ist, ist in Museen gewandert. Trotzdem, auch wenn man sich die Pracht kaum vorstellen kann, erinnert die Anlage an das Tal der K\u00f6nige in Karnak.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gerade vor dem einsetzenden Regen wieder im Auto. R\u00fcckfahrt durch die Oberstadt mit Reihen klassizistischer H\u00e4user aus der englischen Zeit. Dann an einer der Sehensw\u00fcrdigkeiten abseits der Autobahn vorbeigefahren, erst im Nachhinein gemerkt, dass es sich um den \u201eFelsen der Aphrodite\u201c handelte, dem Ort, wo sie aus dem Meer erstanden sein soll. Hesiod spricht zwar von Zypern, aber von keinem bestimmten Ort, der Rest ist ein Beitrag der Tourismusindustrie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sagen bewundernd von einem besonders gelungenen Stofftier, es sehe aus wie ein echtes Tier, und von einem besondern putzigen echten Tier, es sehe aus, wie ein Stofftier. Es k\u00f6nnen auch ein M\u00e4dchen und eine Puppe oder echte und gemalte Trauben sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">29. Dezember (Montag)<\/span><\/p>\n<p>In <em>Wittgenstein\u2019s Poker<\/em> auf Russels Satz zur Sprachphilosophie \u201eDer K\u00f6nig von Frankreich hat eine Glatze\u201c gesto\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder nach Nikosia. Auf der Autobahn eine Abfahrt nach Dali, und bei der Anfahrt auf Nikosia eine \u00fcberdimensionale, in den Berghang integrierte Fahne der T\u00fcrkischen Republik Zypern, aus kilometerweiter Entfernung zu sehen. Nicht die geringste Erkl\u00e4rung, wie die da hinkommt. Aus Stoff? Aufgemalt? Eingemei\u00dfelt? Lichtprojektion? Fata Morgana?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Grenz\u00fcbergang politische Propaganda gegen die \u201et\u00fcrkische Inhumanit\u00e4t\u201c, mit den typischen Bildern von Vermissten. Ohne gro\u00dfe Probleme (und ohne Geb\u00fchren) ein Tagesvisum f\u00fcr den Nordteil bekommen. Auf der anderen Seite erst verwirrt: keine Hinweiszeichen, keine Menschenmengen, denen man folgen k\u00f6nnte, nichts, was den Weg ins Zentrum verr\u00e4t. Auf gut Gl\u00fcck nach rechts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberall ziemliches Elend. Kinder in Lumpen, Hinterh\u00f6fe voller Ger\u00f6ll, primitivste Einrichtungen, verfallende H\u00e4user. Aber der erste Eindruck t\u00e4uscht, der Nordteil ist zwar \u00e4rmer, aber durchaus nicht verarmt. Nur sind wir hier gleich an der Zonengrenze, und die hier einst wohnenden Armenier und Griechen gingen nach der Teilung in den S\u00fcdteil, die T\u00fcrken weiter in den Norden, und das Viertel wurde von den \u00c4rmsten der Armen und von Fl\u00fcchtlingen in Besitz genommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiter von der Grenze entfernt normalisiert sich die Lage und der Nordteil erweist sich sogar als der sch\u00f6nere. H\u00f6hepunkt gleich als erstes: eine zu Beginn der T\u00fcrkenzeit errichtete, hervorragend restaurierte Herberge (XVI), B\u00fcy\u00fck Han, zweist\u00f6ckig um einen gro\u00dfen, quadratischen Innenhof angeordnet, mit weit ausholenden Arkaden in beiden Stockwerken und sich gegen\u00fcberliegenden Eingangstoren. In der Mitte ein \u00fcberkuppeltes, kleines Bauelement, dessen Funktion unklar bleibt (vielleicht fr\u00fcher f\u00fcr Ablutionen verwandt). In dieser Herberge wurden fr\u00fcher Reisende und Pilger aus der T\u00fcrkei und Zypern aufgenommen und versorgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vom B\u00fcy\u00fck Han kommt man in ein Viertel im Stadtzentrum, das in einer beliebigen Stadt in S\u00fcdfrankreich liegen k\u00f6nnte. Lauter Geb\u00e4ude aus der Zeit der Lusignans (XIV\u2013XV), die von den T\u00fcrken nicht zerst\u00f6rt, sondern umgewidmet wurden, in ein Bad, eine Bibliothek und nat\u00fcrlich in Moscheen, z.B. die Sophien-Kathedrale, eine riesige dreischiffige gotische Kirche, bei der einer der Turmst\u00fcmpfe als Minarett fortgesetzt wurde. Auch innen ist die Struktur der Kirche noch gut zu erkennen,\u00a0 aber der ganze Boden ist mit Teppichen ausgelegt, diagonal angeordnet, wohl um die Gebetsrichtung anzuzeigen. Unter einigen Teppichen zeigt ein Aufseher die Grabplatten mittelalterlicher Adeliger (und erl\u00e4sst nebenbei noch eine Doktrin zum Fu\u00dfball \u201eIn England, Liverpool &#8211; yes, Manchester United \u2013 no\u201c, der die englischen Besucher geflissentlich zustimmen). An einer der leuchtend wei\u00dfen S\u00e4ulen ein schwarzer Schriftzug in perfekter Kalligraphie, ein Kunstwerk, man kann und will es gar nicht verstehen. An anderen Pfeilern die t\u00fcrkische und die t\u00fcrkisch-zyprische Fahne!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einer Mittagspause auf dem Atat\u00fcrkplatz (trotz einiger bedrohlicher Wolken kann man im Pullover drau\u00dfen sitzen, irgendwo sehen wir sogar einen Touristen in Shorts) r\u00e4umt ein \u00fcbereifriger Kellner des Nachbarlokals unseren Tisch ab und verschwindet mit den Tellern im Nachbarhaus. Dann merkt er den Fehler und kommt mit den inzwischen sauberen Tellern wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Platz wird das Nebeneinander von Lebensstilen sinnf\u00e4llig: junge Frauen mit Kopftuch in weiten Kleidern und langen M\u00e4nteln neben geschminkten, modisch gekleideten, rauchenden jungen Frauen mit Handy.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach ins Mevlevi-Museum, dem Ort des ehemaligen Mevlevi-Klosters, dem Kloster eines Derwischordens, der von einem gewissen Mevlava Rumi (XIII) gegr\u00fcndet wurde. E stammte aus dem heutigen Afghanistan, wirkte aber vor allem von Konya aus. Er war Gelehrter, Mystiker und Dichter. Die Derwische verstehen sich als Alternative zum Islam und zu dessen \u201ematerialistischen Zielen\u201c! Die wichtigsten Maximen sind pers\u00f6nliche Bescheidenheit und radikale Gleichheit. Die T\u00e4nze dienen dazu, die Sorgen und Ambitionen des t\u00e4glichen Lebens zu vergessen. Die Ausbildung zum Derwisch dauert 1001 Tage. Eine zentrale Funktion hat das ritualisierte Essen, das in v\u00f6lligem Stillschweigen gemeinsam eingenommen wird, auf Kissen im Schneidersitz im Kreis sitzend. Das Essen beginnt und endet mit Salz. Wenn man trinken will, h\u00e4lt man ein St\u00fcck Brot mit der rechten Hand \u00fcber die linke Schulter. Das ist f\u00fcr einen Bediensteten das Signal, Wasser zu reichen, f\u00fcr die anderen, ihre Mahlzeit kurz zu unterbrechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier, in der Tekke, wurden Bed\u00fcrftige versorgt und gepflegt und die religi\u00f6sen, milit\u00e4rischen und politischen Eliten in den Freien K\u00fcnsten unterwiesen. Alles wurde mit Spenden und Stiftungen finanziert, u.a. durch einen reichen Kaufmann, der verf\u00fcgt hatte, das f\u00fcr jedes Gebet zu seinem Ged\u00e4chtnis, f\u00fcr jede Rezitation eines bestimmten Gedichts usw. dem Kloster eine bestimmte Menge Geld zukommen sollte, das aus dem Erl\u00f6s seiner L\u00e4ndereien stammte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem langen Gang unter sechs Kuppeln die mit T\u00fcchern verh\u00fcllten Sarkophage von mehr als einem Dutzend Derwischen. An jedem Sarkophag, immer am gleichen Ende, die Nachbildung der typischen zylinderf\u00f6rmigen Kopfbedeckung der Derwische, je nach Funktion unterschiedlich geformt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber der tiefer liegenden Tanzfl\u00e4che der Derwische ein Balkon, auf dem die Musiker sa\u00dfen. An der Wand ein mit Arabesken verzierter Vers aus dem wichtigsten Gedicht des Klosters.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Innenhof wei\u00dfe Stelen aus der Zeit der Ottomanen, kurioserweise mit barocken oder Rokoko-Schmuckelementen und arabischer Inschrift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Langes R\u00e4tseln, welche W\u00e4hrung hier gilt. Tats\u00e4chlich gibt es eigene Nordw\u00e4hrung. Die Preise liegen bei etwa 1,5 Millionen f\u00fcr einen Kaffee. Man kann aber auch mit S\u00fcdgeld bezahlen und bekommt auch S\u00fcdgeld als Wechselgeld. Die Geldscheine des S\u00fcdens scheinen die alten zu sein: sie sprechen einfach von \u201eZypern\u201c und sind dreisprachig (R\u00fcckseite: englisch).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch langes R\u00e4tseln, auf welcher Seite gefahren wird, denn die engen Altstadtstra\u00dfen sind alle Einbahnstra\u00dfen. Und es gibt genauso viele Autos mit Lenkung rechts wie mit Lenkung links. Erst am Ende k\u00f6nnen wir uns \u00fcberzeugen, dass\u00a0 auch hier links gefahren wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ladenbesitzer im Nordteil der Stadt scheinen alle Hassan Jussuff oder Mustafa Achmed zu hei\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paradox: Die T\u00fcrken benutzen das (griechische) Wort <em>Polis<\/em>, die Griechen nicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Innenhof im Armenviertel eine riesige Zeder mit kerzengeradem, glattem\u00a0 Stamm und einer wie am Rei\u00dfbrett entworfenen, ganz und gar regelm\u00e4\u00dfigen, dicht bewachsenen Krone. Sieht aus wie die B\u00e4ume, die wir in der Volksschule malten und die vom Lehrer getadelt wurden mit der Bemerkung, so s\u00e4hen keine B\u00e4ume aus. Beim \u00dcberschreiten der Grenze kommen uns Gruppen von M\u00e4nnern entgegen, die, seitdem die Grenze auch f\u00fcr Zyprer offen ist, in den S\u00fcdteil arbeiten gehen und abends wieder nach Hause zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die schon bekannte Strecke zur\u00fcck nach Tochni. Das Lokal, das zu unserem Apartment geh\u00f6rt, ist rustikal und sch\u00f6n. Man blickt auf den gegen\u00fcberliegenden Berghang, und in der Ferne sieht man das Meer, aber die Ausstattung ist getragen vom gleichen <em>horror vacui<\/em> wie die der Byzantinischen Kirchen. \u00dcberall h\u00e4ngen, liegen und stehen Werkzeuge und Accessoires aus alten Handwerksbetrieben (eigentlich ganz passend), dazwischen gewebte Teppiche, dann, eher unpassend, Dutzende von modernen Bildern aus Eigenproduktion aller erdenklichen Stilarten und Gr\u00f6\u00dfen, und dazu, v\u00f6llig unpassend, kitschiger Weihnachtsschmuck. Kontrastierend dazu stehen in den Ecken schwere Kerzenst\u00e4nder aus Messing (?) wie man sie in orthodoxen Kirchen findet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Essen ist gut und reichhaltig, am besten, wie immer die <em>mezedes<\/em>. Einige der griechischen Speisen, z.B. die <em>dolmades<\/em>, schmecken ganz anders als in den griechischen Restaurants in Deutschland. Es gibt auch einige verwegene Kombinationen wie Reis mit Spinat. Alles gibt es nat\u00fcrlich, getreu dem englischen Erbe, ungesalzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">30. Dezember (Dienstag)<\/span><\/p>\n<p>Rein physikalisch gesehen, ist es unsinnig zu sagen \u201eDie Sonne scheint\u201c. Nat\u00fcrlich tut sie das, was soll sie sonst tun?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wird erstaunlich zivilisiert gefahren, keine Raserei, keine Hupkonzerte, keine gewagten \u00dcberholman\u00f6ver, keine quietschenden Reifen. Auch das vermutlich ein englisches Erbe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Kalawassos das neolithische Pendant zu Chirokit\u00eda gesehen, im Prinzip dasselbe in Gr\u00fcn, aber mit einem hochmodernen Zeltdach \u00fcberspannt, das man von weitem sieht und das wie ein avantgardistischer Kirchenbau aussieht. Hier lebten nur ca. 150 Menschen. Das Verh\u00e4ltnis zur Nachbarsiedlung ist nicht bekannt. In einem Rundbau hat man Werkzeuge zur Herstellung von Ocker und in einem anderen ein r\u00e4tselhaftes Wandgem\u00e4lde mit Figuren mit erhobenen H\u00e4nden gefunden (davon aber nichts zu sehen). Die Siedlung wurde ohne Gewalteinwirkung aufgegeben, aus unbekannten Gr\u00fcnden. Vielleicht war es ihnen zu laut so nah an der Autobahn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entgegen den Planungen dann doch noch nach Lemessos (Limasol). Gesichtslose Stadt mit einer sch\u00f6nen Gasse mit Souvenirl\u00e4den, einem sch\u00f6nen Minarett an einer neugebauten Moschee, einer h\u00e4sslichen neobyzantinischen Kathedrale und einer Burg, in der Richard L\u00f6wenherz, der auf dem Weg ins heilige Land noch eben Zypern eroberte (von wem eigentlich?), Berengara von Navarra heiratete. Die Snackbar gegen\u00fcber hei\u00dft denn auch Heinrich und Berengara. In der Burg alle m\u00f6glichen Ausstellungsgegenst\u00e4nde, von R\u00fcstungen bis zu K\u00fcchenutensilien, nicht nur mittelalterliche. Am sch\u00f6nsten glasierte Keramikgef\u00e4\u00dfe (X-XII) mit sehr modernen Farben (lindgr\u00fcn) und Formen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Schmuckst\u00fcck der Stadt eine (vom Verkehr abgetrennte) breite, palmenbestandene Uferpromenade mit einer moderner Skulptur alle paar Meter. Sehr windig, so dass die Gischt uns ins Gesicht blies.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Kastell von Lemessos tauchen in einer Beschriftung die griechischen W\u00f6rter f\u00fcr Gotik und Renaissance auf, eins als Lehn\u00fcbersetzung (Wiedergeburt), das andere als Lehnwort, wobei aber wohl die englische Schreibweise, nicht die Aussprache zugrunde gelegt wurde, weshalb es \uf067\uf06f\uf074\uf071\uf069\uf06b\uf06fV\uf020 hei\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">31. Dezember (Mittwoch)<\/span><\/p>\n<p>Am Ende fehlen wieder, meint man jedenfalls, ein-zwei Tage. Wir entscheiden uns gegen die spektakul\u00e4ren M\u00f6glichkeiten (Taxifahrt durch den Norden Zyperns, Wandern im Troodos-Gebirge) f\u00fcr die weniger spektakul\u00e4re Alternative: nach Nikosia ins Zypern-Museum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Endlich ein Erfolg bei der Verst\u00e4ndigung: eine Passantin, die wir nach dem Weg fragen, sagt, sie spreche kein Griechisch, versteht aber die Frage und erkl\u00e4rt uns den Weg besser als alle Einheimischen \u2013 auf Russisch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Museum veraltet und zu klein f\u00fcr all die Exponate, die es enth\u00e4lt, aber was es zu sehen gibt, ist vom feinsten, vor allem das Zuckerst\u00fcck des Museums, eine Gruppe von unz\u00e4hligen Terrakottafiguren (mehrere Hundert), in mehreren Reihen im Halbkreis aufgestellt, so wie urspr\u00fcnglich, um einen Altar gruppiert, gefunden.\u00a0 Einige nur handfl\u00e4chengro\u00df, andere mannshoch, die meisten stehend (viele in milit\u00e4rischer Haltung mit stramm angelegten Armen), einige auf Streitwagen, die meisten mit an Heinzelm\u00e4nnchen erinnernden Zipfelm\u00fctzen. Alle Figuren sind Votivfiguren, die von Kriegern als Dank f\u00fcr die unversehrte R\u00fcckkehr oder als Beschw\u00f6rung zuk\u00fcnftigen Kriegsgl\u00fccks gestiftet wurden, wobei die Gr\u00f6\u00dfe dem Einkommen entspricht. Die Einzelfiguren gelten nicht als k\u00fcnstlerisch besonders wertvoll, aber als Ensemble sind sie unschlagbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bestens repr\u00e4sentiert sind das Neolithikum und die Bronzezeit, die Exponate der Griechen- und R\u00f6merzeit eher unspektakul\u00e4r. Marmorfiguren gibt es gar nicht, da es keinen Marmor gibt. Statt dessen Kalkstein. Alle Exponate stammen aus Zypern!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In rauen Mengen kleine, kreuzf\u00f6rmige menschliche Figuren aus der Steinzeit, mit beiden Armen schnurgerade zur Seite ausgebreitet, aus glatt poliertem Stein. Einige fast quadratisch, andere l\u00e4nglich. Entwicklung gut abzulesen: Bei sp\u00e4teren Figuren sind H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe ausgebildet, bei noch sp\u00e4teren auch Gesichtsz\u00fcge. Eine Zwillingsfigur, bei der der \u201eQuerbalken\u201c des Kreuzes, also die ausgebreiteten H\u00e4nde der einen Figur, gleichzeitig der K\u00f6rper einer anderen Figur ist, rechts der Kopf, links die F\u00fc\u00dfe. Die Antwort auf die Frage, wozu diese Figuren dienten, gibt eine Figur selbst: Sie tr\u00e4gt eine Figur, quasi sich selbst, um den Hals. Es waren Amulette!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4lteste Schrifttafeln um 1500, Sprache nicht bekannt, Schrift nicht entziffert. Kein Wunder, wenn man die dicht aneinandergef\u00fcgten, keilf\u00f6rmigen, alle gleich aussehenden\u00a0 Schriftzeichen sieht. Interessant aber die Anordnung: Sieht nicht nach Auflistung von Gegenst\u00e4nden aus, eher nach Dichtung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Keramik in H\u00fclle und F\u00fclle. Gutes Anschauungsmaterial, um verschiedene Entwicklungsphasen zu erkennen:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 roter Grund, Verzierungen entweder gar nicht vorhanden oder eingeritzt, meist Striche oder Kreise, die ein Muster bilden (fr\u00fche Bronzezeit)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 wei\u00dfer Grund, bemalt, sp\u00e4ter auch zweifarbig (mittlere Bronzezeit)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 schwarzer Grund, rot bemalt, normalerweise Figuren rot, manchmal aber auch umgekehrt, als \u201eSchattenriss\u201c, d.h. die Umrisse werden (rot) gemalt und das, was ausgespart ist (schwarz), sind die Figuren (sp\u00e4te Bronzezeit)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unglaublich der Einfallsreichtum bei Trinkgef\u00e4\u00dfen: Kannen mit mehreren B\u00e4uchen, mit mehreren Ausg\u00fcssen, oder beidem, zoomorphe Trinkgef\u00e4\u00dfe, Trinkgef\u00e4\u00dfe, auf deren Schalenrand Tiere spazieren gehen, Miniaturkannen, die auf einem Schlangenk\u00f6rper aufgesetzt sind, ein auf den Innerrand einer Tasse skulptierter Frosch, der in die Tasse hineinzugleiten scheint. Alles ziemlich unpraktisch, aber phantasievoll. So auch ein Gef\u00e4\u00df aus mehreren halbkugeligen Schalen, die alle mit miteinander verbunden sind und einen weit nach oben gezogenen Henkel haben, der sich oben wieder zu einer Schale ausweitet, an deren Henkel sich eine menschliche Figur festh\u00e4lt, die in die Schale klettern will! Wer kommt auf so was?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch sehr sch\u00f6n: rotpolierte Keramikfiguren der fr\u00fchen Bronzezeit, die ganze Szenen des t\u00e4glichen Lebens darstellen, z. B. Bauern mit Ochsengespann beim Pfl\u00fcgen, flankiert von anderen, die mit einem Tuch (Sieb?) Saatgut bearbeiten (2000 v. Chr.!).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Menschliche (und auch tierische) Figuren meist ganz langgestreckt, mit \u00fcberlangen H\u00e4lsen, vielleicht ein Sch\u00f6nheitsideal der Zeit. Noch merkw\u00fcrdiger andere, in gro\u00dfer Zahl vorhandene, brettf\u00f6rmige (menschliche?) Figuren. Der K\u00f6rper ist ganz flach, bis auf die Br\u00fcste, die immer ausgebildet sind. Nase und Ohren durch Auslassungen, weitere Gesichtsz\u00fcge durch Einritzungen angedeutet. Die ganze \u201ePlatte\u201c dann mit eingravierten Verzierungen geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Herrliche Bronzefigur: zwei L\u00f6wen, antithetisch angeordnet, attackieren einen Stier (500 v. Chr.!) M\u00e4hne, angespannte Muskeln, hervorstehende Knochen und gewundener Schwanz in realistischem Detail.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Prolog des Katalogs die unvermeidliche Polemik gegen die T\u00fcrken. Unter ihrer Herrschaft seien die Sch\u00e4tze nicht gesch\u00fctzt worden und ins Ausland gewandert (u.a. ins Metropolitan Museum). Nicht erw\u00e4hnt wird, dass gerade w\u00e4hrend der T\u00fcrkenherrschaft verf\u00fcgt wurde, mindesten ein Viertel der Sch\u00e4tze m\u00fcsse im Land bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr \u201eDr\u00fccken\u201c oder \u201eZiehen\u201c an T\u00fcren in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden gibt es ein nichtverbales Hinweisschild: ein Mann zieht, nach hinten gebeugt, mit aller Leibeskraft an einem Seil, oder dr\u00fcckt mit aller Leibeskraft, den Oberk\u00f6rper nach vorn gebeugt, mit beiden H\u00e4nden die T\u00fcr auf. Da braucht man nicht lange zu \u00fcberlegen, was was ist, wie bei \u201ePush\u201c oder \u201ePull\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vom Organisationskomitee ohne Stadtplan, aber mit \u00fcberragendem Orientierungssinn vom Museum zum n\u00e4chsten Punkt am andere Ende der Innenstadt gef\u00fchrt, einem Patrizierhaus (renoviert, aber so behutsam, dass man es nicht merkt), das einem Griechen geh\u00f6rte, Hadsigeorgakis Kornesios, der 30 Jahre lang Dragoman war, der h\u00f6chste Vertreter der Griechen w\u00e4hrend der T\u00fcrkenherrschaft, ein Posten, der im Laufe der Zeit immer wichtiger wurde. Das Haus zeugt von Reichtum und Stil. Eingang durch einen niedrigen Spitzbogen unter einem h\u00f6lzernen Erker f\u00fchrt in einen s\u00e4ulenbestanden Innenhof. Unten Wirtschaftsgeb\u00e4ude, Wohnr\u00e4ume oben. Gro\u00dfe Eingangshalle mit schwerer Holzdecke mit runden Balken und Sitzecke. In allen R\u00e4umen M\u00f6bel und Gebrauchsgegenst\u00e4nde aus der Zeit, Schlafzimmer mit Himmelbetten. Interessantester Teil der Ausstattung ein Kaffeeservice mit chinesischen Tassen aus wei\u00dfem Porzellan und Tablett, Zuckerdose und Tassenhalter (wie gro\u00dfe Eierbecher) aus punziertem Messing, mit Arabesken und geometrischen Ornamenten verziert. Auf dem Boden der Tassen als winzige goldene Verzierung Stern und Halbmond.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Prunkst\u00fcck der G\u00e4steraum mit stilvoll bemalter, farbiger und mit einem riesigen vergoldeten Stern in der Mitte verzierter Holzdecke. Auf einem zum K\u00e4lteschutz\u00a0 (oder hei\u00dft es W\u00e4rmeschutz?) leicht erh\u00f6hten Fu\u00dfboden in Hufeisenform an der Wand entlang laufende niedrige, aber noch zum \u201enormalen\u201c Sitzen geeignete gepolsterte Bank mit Kissen. In der Mitte ein Ofen und ein Kaffeeservice, an der vierten Wand eine Holzkonstruktion mit \u00d6ffnungen (vielleicht urspr\u00fcnglich ein Speiseaufzug), und nat\u00fcrlich \u00fcberall Teppiche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach zum Famagusta-Tor, dem besterhaltenen Tor der Stadtmauer, eher breit als hoch, an den Enden graduell niedriger werdend und in die niedrigere Stadtmauer \u00fcbergehend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann in das Labyrinth der Gassen an der Zonengrenze geraten, immer wieder bei demselben, immer strenger blickenden Wachposten mit MP gelandet. Leere und verfallende H\u00e4user, deren Fassaden man noch ansieht, dass hier fr\u00fcher ein \u201ebesseres\u201c Wohnviertel war. Atmosph\u00e4re furchteinfl\u00f6ssend, gl\u00fccklicherweise war es der \u201enationale Grilltag\u201c, so dass man alle paar Hundert Meter in und vor einer Lagerhalle auf eine Traube von Menschen mit Schnaps- und Biergl\u00e4sern traf, die and\u00e4chtig um einen Grill herumstanden, auf dem das Fleisch bei bei\u00dfendem, dunklen Rauch traktiert wurde, offensichtlich in dem Bem\u00fchen, es so schwarz wie m\u00f6glich zu kriegen. Pl\u00f6tzlich, als wir es schon fast aufgegeben haben, sind wir wieder mitten in der Einkaufsstra\u00dfe, einer anderen Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lehrer: \u201eHeinrich VIII. hatte zwei Frauen. Richtig oder falsch?\u201c Sch\u00fcler: \u201eRichtig.\u201c\u00a0 Lehrer. \u201eFalsch\u201c. Wer hat recht? Der Lehrer nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der \u201eHalbmond\u201c ist der Beleg daf\u00fcr, dass wir uns durch Sprache nicht in die Irre f\u00fchren lassen, wenn die au\u00dfersprachliche Wirklichkeit einen Hinweis enth\u00e4lt: Wir w\u00fcrden, wenn dazu aufgefordert, das Symbol zu zeichnen, keinen Halbmond zeichnen und ihn trotzdem so nennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">1. Januar (Donnerstag)<\/span><\/p>\n<p>Am letzten Tag vom niederprasselnden Regen geweckt, dann, beim Versuch, wieder einzuschlafen, vom Popen geweckt, der den Muezzins Konkurrenz machen zu wollen scheint \u2013 mit Erfolg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der R\u00fcckgabe des Autos beruhigt man uns mit der Versicherung, in Zypern sei man \u201enoch ehrlich\u201c. Das scheint sich bestens damit zu vertragen, dass man den Touristen das Geld aus der Tasche zu zieht: In der Cafeteria bezahle ich f\u00fcr einen Orangensaft 2,50 \u00a3, d.h. 5 \u20ac, d.h. 10 DM!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Jahr des Islam ist ein paar Tage k\u00fcrzer als das christliche, da es sich nicht nach der Sonne, sondern nach dem Mond richtet (deshalb ist der Ramadan auch jedes Jahr etwas fr\u00fcher), also werden sie sich irgendwann treffen, aber das dauert noch ein paar Tausend Jahre!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die R\u00fcckreise mit Zwischenlandungen in Paphos und M\u00fcnchen dauert insgesamt 14 Stunden, obwohl der Flug Zypern &#8211; Deutschland gerade mal dreieinhalb Stunden dauert. In M\u00fcnchen liegt Schnee, und man wei\u00df im Nachhinein das Wetter von Zypern zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25. Dezember (Donnerstag) Viel zu fr\u00fch am Flughafen in D\u00fcsseldorf. 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