{"id":1436,"date":"2011-12-28T08:36:41","date_gmt":"2011-12-28T08:36:41","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1436"},"modified":"2015-09-20T18:57:28","modified_gmt":"2015-09-20T16:57:28","slug":"athen-2003","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1436","title":{"rendered":"Athen (2003)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Samstag, den 8. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Kurzer Flug von Luxemburg nach Z\u00fcrich in winzigem, halbleerem Flugzeug. Im <em>Luxemburger<\/em> <em>Wort<\/em> ein Leserbrief einer jungen Amerikanerin, die &#8220;whose&#8221; mit &#8220;who&#8217;s&#8221; verwechselt. Im langweiligen Flughafen Z\u00fcrich f\u00fcr eine ganz normale Tasse Kaffee 2,90 bezahlt (Euro!). Im Z\u00fcrcher Flughafenbus auf zweisprachigen Anzeigen bequemere Transportm\u00f6glichkeiten, d.h. Busse mit Sitzpl\u00e4tzen, in Aussicht gestellt, deutsch &#8220;In K\u00fcrze&#8221;, englisch &#8220;In a few minutes&#8221;. Wieder etwas f\u00fcr die Fehlersammlung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Z\u00fcrich in vollgepacktem Flugzeug \u00fcber Innsbruck, Split, Dubrovnik direkt Richtung Bagdad nach Athen (1600 Kilometer). <em>Swissair Magazine<\/em> (3\/2003, S. 134) empfiehlt Wasser, Tee und Orangensaft und r\u00e4t von Alkohol und Koffein ab. Und dann sagen sie, Sprache beeinflusse das Denken nicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Athen mit neuem, ultramodernem, aber nicht unterscheidbarem Flughafen. Von dort unendliche Busfahrt im Stehen bis zum Syntagma-Platz. Neben mir zwei Amerikaner, die ununterbr\u03bfchen redeten, die meiste Zeit \u00fcber einen Dritten, der zwar ein netter Mensch sei, aber einem auf den Geist gehen k\u00f6nne, weil er ununterbrochen rede. Sie laut, mit ewigem &#8220;Okay&#8221; als Zeichen der Zustimmung oder sogar nur der Aufmerksamkeit (&#8220;He&#8217;s a nice guy&#8221;. &#8211; &#8220;Okay&#8221;.), und beide mit der merkw\u00fcrdigen, nach oben gehenden Intonation im Aussagesatz. Unterwegs Hinweistafel, wie viele Tage noch bis zu den Olympischen Spielen fehlen (531). Am Ende der neuen, modernen Stadtautobahn sofort das alte, chaotische Athen mit Schlagl\u00f6chern, Stau, Hupen, Durcheinander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Syntagma-Platz im Nieselregen erst Schwierigkeiten, ein Taxi zu finden, dann einen Taxifahrer, der nicht wusste, wo die Stra\u00dfe ist und absichtlich oder nicht Umwege fuhr &gt; 7 \u20ac f\u00fcr einen Weg, den man zur Not auch zu Fu\u00df machen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schule nur ein paar Minuten von der &#8220;Akademie&#8221; entfernt, der Universit\u00e4t (hier sitzt aber nur noch die Verwaltung). Dennoch hat man nicht das Gef\u00fchl, in der N\u00e4he des Zentrums zu sein, eher in ganz normalem Stadtviertel mit vielen kleinen Gesch\u00e4ften. Gro\u00dfe Wohnung direkt \u00fcber der Schule, ganz f\u00fcr mich allein. Dann Einkauf, da die Gesch\u00e4fte kurz darauf schlossen und die n\u00e4chsten beide Tage Feiertage sind. Supermarkt rappelvoll, lange in der Schlange gestanden. Dann vergeblich mit vollgepackten Taschen nach einer Telephonkarte gesucht. \u00dcberall vergeblich, die Begr\u00fcndung nicht verstanden. Dann noch zu einem Basar mit gebrauchten B\u00fcchern in der N\u00e4he des Universit\u00e4tsplatzes. Vorher mit fremder Hilfe beim dritten Versuch doch noch eine geeignete Telephonkarte gefunden. Gl\u00fccklicherweise haben die Kioske gro\u00dfz\u00fcgige \u00d6ffnungszeiten: 24 Stunden. Davon k\u00f6nnen wir in Deutschland nur tr\u00e4umen! Basar auch rappelvoll, bald v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann Schwierigkeiten mit der Sicherung, die bei jeder Gelegenheit heraussprang. Wohnung eiskalt, und Schwierigkeiten mit dem Telephon. Man muss zuerst aus dem Haus raus, dann eine freie Nummer w\u00e4hlen (7 Stellen), dann den Geheimcode eingeben (12 Stellen), dann die eigentliche Telephonnummer w\u00e4hlen (12 Stellen), nur um am Ende immer Besetztzeichen zu bekommen &#8211; oder keiner da oder Handy abgeschaltet, vorausgesetzt, man erinnert sich \u00fcberhaupt an die Vorwahl f\u00fcr das eigene Land. Dann immer wieder von vorne, manchmal Nachricht, diese Nummer existiere nicht, und schlie\u00dflich Abbruch mit der Empfehlung, man solle es doch lieber sp\u00e4ter versuchen. Dann zu Tode erschreckt, als mir beim Herausgehen aus dem Bad urpl\u00f6tzlich ein fremder Mann direkt gegen\u00fcberstand, in einer Entfernung von wenigen Zentimetern. Am ganzen K\u00f6rper zitternd und v\u00f6llig\u00a0 versch\u00fcchtert gemerkt, dass es mein eigenes Spiegelbild im Spiegel der Badezimmert\u00fcr war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann im Schlafzimmer wenigstens eine Klimaanlage und das Licht angemacht und T\u00fcr geschlossen, nach zehn Minuten geht mit einem Knall alles aus und es brennt nur noch ein Notlicht im Flur. Von jetzt an Weg zur Toilette und zum Telephon nur noch ertastet. Schlie\u00dflich bei einem der vielen Versuche doch noch durchgekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Sonntag, den 9. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen doch noch zu der freundlichen Leiterin der Schule durchgekommen, die sofort Abhilfe versprach und ihren Bruder vorbeischickte. Kommunikation mit ihm in zwei Sprachen: unverst\u00e4ndlichem Griechisch und unverst\u00e4ndlichem Englisch. Jedenfalls pr\u00fcfte er mit Kennermiene die Sicherungen und stellte fest, was ich auch schon ahnte. Die Sicherung des Boilers ist kaputt. Kein gro\u00dfer Erfolg mit einer ironischen Antwort auf die Frage, ob der K\u00fchlschrank funktioniere. Wenigstens funktionierten jetzt, bei ausgestelltem Boiler, zwei Teile der Klimaanlage. Schon ein Fortschritt, wenn auch keine W\u00e4rme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Aufw\u00e4rmen einen Spaziergang gemacht. Auch drau\u00dfen nicht gerade warm, aber w\u00e4rmer als im Haus. Zum Universit\u00e4tsplatz hinunter (dort f\u00fcr einen ganz normalen Tee 3,23 \u20ac bezahlt, noch teurer als in der Schweiz!), dann Richtung Syntagma, vorbei am noch geschlossenen &#8220;Grande Bretagne&#8221; (wird seit 2001 restauriert), das bescheiden behauptet, nach der Wiederer\u00f6ffnung werde es das einzige Hotel sein, das sechs Sterne bekommen w\u00fcrde, wenn es die g\u00e4be.\u00a0 Dann zur Touristeninformation, die noch genauso mickrig und mit ebenso mickrigen Angeboten und unfreundlichen Angestellten ausgestattet ist wie fr\u00fcher. Dann den Ermou hinunter, wegen des Karnevalssonntags (w\u00e4hrend bei uns schon die Fastenzeit begonnen hat)\u00a0 mit Essst\u00e4nden, Schaustellern, Musikgruppen, Verk\u00e4ufern usw. und verkleideten Kindern. Die Verkleidungen \u00e4hneln eher Theaterkost\u00fcmen, mit vielen als M\u00e4rchenprinzessinnen verkleideten M\u00e4dchen. Ansonsten viele Standardverkleidungen wie verr\u00fcckte H\u00fcte wie bei internationalen Fu\u00dfballspielen. Am Ende des Ermou die kleine, quadratische, unter Stra\u00dfenniveau liegende Kirche Kapnikarea wiedergesehen. Dann eine Ecke mit traditionell aussehenden Restaurants. Daneben Bauarbeiter an einer Baustelle, nicht die einzige, an der auch am Sonntag gearbeitet wird. Dann an den Markthallen vorbei (alles unver\u00e4ndert), an dem Platz vorbei, den ich\u00a0 bisher f\u00fcr den Omoniaplatz gehalten habe, der aber der Rathausplatz ist, dann weiter zu dem richtigen Omoniaplatz, auf dem an allen Enden und Ecken gebaut wird. In den Kiosken Zeitungen in einer fremden Sprache mit lateinischen Buchstaben. Nach langem R\u00e4tselraten gemerkt, dass es Albanisch sein muss. In der N\u00e4he ein Kiosk mit den typischen Fu\u00dfballaccessoires, vor allem Schals der beiden Rivalen: Olympiakos (die Roten) und Panathinaikos (die Gr\u00fcnen, mit Kleeblatt). Dann mit der modernen U-Bahn eine Station zur\u00fcck und zu Fu\u00df in die kalte Wohnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Montag, den 10. Marz <\/span><\/p>\n<p>Trotz Feiertag erster Unterricht, und zwar Einzelunterricht, da alle anderen mehr k\u00f6nnen. Am Vortag einen Blick ins Lehrbuch aus Trier geworfen, das mal wieder mit dem Thema Hochzeit beginnt. Kennen die kein anderes Thema? Dann Beginn des Unterrichts mit der Ank\u00fcndigung, das erste Thema sei &#8211; Hochzeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein paar St\u00fccke von Sesambrot bekommen, das gut schmeckt, aber doch so normal ist, dass man sich \u00fcber seinen Status als besonderes Brot f\u00fcr diesen Tag wundert. Nach dem Unterricht mit Lehrerin und einem deutschen Ehepaar (aus Bielefeld!) zum Philopappos, einem H\u00fcgel, wo an diesem Tag, keineswegs dem Rosenmontag, sondern dem &#8220;Reinen Montag&#8221;, dem Beginn der Fastenzeit, ein Fest stattfindet, mit Essst\u00e4nden, Musikgruppen und vor allem mit Drachensteigen, das weniger von Kindern als von den Gro\u00dfv\u00e4tern betrieben wird &#8211; mit ebensoviel Ernst und Begeisterung wie Geschick. Die Drachen sind Sechsecke und haben einen langen, d\u00fcnnen, flatternden Schwanz, die Kinder haben lediglich an einer kurzen Leine Ballons in Form eines Tiers &#8211; ein ganze Menage, vom Windhund bis zum Schwein. Am Eingang des H\u00fcgels ein Plakat, auf dem gegen die Schlie\u00dfung des H\u00fcgels aus arch\u00e4ologischen Gr\u00fcnden protestiert wird. Demn\u00e4chst soll Eintritt genommen werden. Auf dem Weg \u00fcber holprige Stra\u00dfen von der Aktion der Stadtverwaltung geh\u00f6rt, die ein B\u00fcrgertelephon einrichtete, bei dem man Schlagl\u00f6cher melden konnte, mit vollem Erfolg: Nach zwei Monaten gab es mehr als 3500 Meldungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Filme werden grunds\u00e4tzlich in der Originalversion gezeigt. Ich k\u00f6nnte mir also einen japanischen oder einen russischen Film mit griechischen Untertiteln ansehen. Pest und Cholera zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Dienstag, den 11. M\u00e4rz <\/span><\/p>\n<p>Um das Wasser laufen zu lassen, dr\u00fcckt man im Bad die Hebel nach unten. Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, man zieht sie unwillk\u00fcrlich nach oben. Sofort hielt ich das f\u00fcr eine nationale Besonderheit, aber als die Sekret\u00e4rin der Schule es heute probierte, hatte sie die gleichen Schwierigkeiten. Es ist also wohl nur eine Besonderheit dieser Wohnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend den Versuch gemacht, den Fernseher einzuschalten. Dazu muss man ein Ger\u00e4t, das wie ein Ventilator aussieht, anschlie\u00dfen. Dann kommen ein paar Sender zum Vorschein, nichts Aufregendes. Macht nichts, ist sowieso noch zu schwierig. Leider ist der Kanal, auf dem &#8220;Wer wird Million\u00e4r?&#8221; gesendet wird, nicht zu bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Arbeit am Computer mit unbekannten Hindernissen. Erst muss man von griechischen Buchstaben auf lateinische Buchstaben umschalten, dann muss man die griechischen Beschriftungen verstehen. Was hei\u00dft &#8220;Speichern&#8221;? Au\u00dferdem gibt es kein Fragezeichen und nat\u00fcrlich keine Umlaute, und das &lt;y&gt; hat mit dem &lt;z&gt; den Platz getauscht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Hausaufgabe ein Gedicht aufbekommen und das zum Anlass genommen, auch ein Gedicht auf Deutsch zu schreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Istanbul kommt von griechisch Ei\u03c2 thn polin, &#8216;in die Stadt&#8217;. Die lautliche Ver\u00e4nderung muss dann sp\u00e4testens eingetreten sein, als unter den T\u00fcrken das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung verloren ging.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Mittwoch, den 12. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Die griechischen Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen nicht bis 15 Uhr, sondern ab 15 Uhr. Dumme Frage. Aber wann sie danach wieder \u00f6ffnen, ist weiterhin ein R\u00e4tsel, jedenfalls waren die beiden Buchhandlungen gestern um kurz nach f\u00fcnf immer noch geschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ungl\u00fcckstag in Griechenland ist nicht Freitag, der 13. sondern Freitag, der 17. In Italien ist es Dienstag, der 13. (oder war es Freitag, der 17.?, jedenfalls eine Mischung der beiden anderen Vorstellungen). Laut einer griechischen Philologin soll es hier Dienstag, der 17. sein, weil an diesem Tag Konstantinopel in die H\u00e4nde der T\u00fcrken fiel. Kollektive T\u00e4uschung, die vermutlich ungern korrigiert wird. Diese Vorstellungen sind nat\u00fcrlich viel \u00e4lter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn jemand niest, sagt man &#8220;Geitse\u03c2\u201c und nennt irgendeine Zahl. Deren Quersumme ergibt dann einen Buchstaben, anhand dessen Stelle im Alphabet, z.B. 562 = 13 = N. Das ist der Anfangsbuchstabe des Namens eines Mannes oder einer Frau, die in diesem Moment an einen denkt. Ein paar Tage sp\u00e4ter h\u00f6re ich eine hervorragend Deutsch sprechende Griechin sagen: \u201eHabt ihr gesehen, wie die Katze genie\u00dft hat?&#8221; Das w\u00fcrden viele Deutsche falsch machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Donnerstag, den 13. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Autowerbung mit exakten Preisangaben, wie in Amerika.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Euro wird auf der zweiten Silbe betont. Die Scheine werden durch das &lt;Y&gt; als griechisch identifiziert. Die Cent hei\u00dfen weiterhin lepta, und so steht es auch auf der nationalen Seite der M\u00fcnzen. Auch Minuten hei\u00dfen lepta, aber Geld lefta. Die Kupferm\u00fcnzen haben Schiffe, die gro\u00dfen Silberm\u00fcnzen Eule und Stier aus der Mythologie, und die kleinen Silberm\u00fcnzen die B\u00fcsten bekannter Griechen der Neuzeit: Fereos (10), der Dichter der Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung und einer der Wortf\u00fchrer der Aufkl\u00e4rung, Kapodistrios, der charismatische erste Gouverneur des freien Griechenland, der u.a. auch (trotz anf\u00e4nglicher Ablehnung) die Kartoffel in Griechenland popul\u00e4r machte und nach dem auch die Universit\u00e4t benannt ist (20), und Venizelos (50), der langj\u00e4hrige, popul\u00e4re Ministerpr\u00e4sident, nach dem auch die Universit\u00e4tsstra\u00dfe und der Flughafen benannt sind!<\/p>\n<p>Im Diktat in einem Wort (suggnwmh) vier Rechtschreibfehler gemacht. Das d\u00fcrfte un\u00fcbertreffbar sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Buchhandlung ein paar B\u00fccher gefunden, die in Ordnung sein k\u00f6nnen, u.a. die griechische Version des &#8220;Vorleser&#8221; und ein altes, wieder aufgelegtes Schulbuch von 1952. Aber kein vern\u00fcnftiges W\u00f6rterbuch gefunden und v\u00f6llig gescheitert bei dem Versuch, zu erkl\u00e4ren, was die Defizite der vorhandenen Lexika waren sowie bei dem Versuch, als Sch\u00fcler des Zentrums Rabatt zu bekommen. Danach eine Tiropitta und einen sehr s\u00fc\u00dfen Kaffee. Sehr unsicher beim Bestellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Unterricht zum ersten Mal an der Theke des Supermarkts etwas bestellt. Mann an der Fleischtheke hat zu allem \u00dcberfluss einen Sprachfehler. Resultat: Filet statt Hackfleisch bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend Einfall zur Illustration eines Problems von Sprachwandel: <em>coach<\/em> und <em>car<\/em> (alte W\u00f6rter f\u00fcr neue Sache) gegen\u00fcber <em>pizza<\/em> und <em>crepe<\/em> (neue W\u00f6rter, obwohl <em>pancake<\/em> vorhanden), und <em>ranzig<\/em> als Beispiel f\u00fcr extrem eingeschr\u00e4nkte Kollokation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trier hat einen griechischen Namen, Trebhroi, und ist unter diesem Namen wenigstens den Historikern bekannt. Die Form ist Plural, wie fr\u00fcher Athen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ostfriesen Griechenlands sind die pontioi, die Schwarzmeergriechen, Griechen in Russland, Bulgarien und der T\u00fcrkei, die seit Generationen eine zweisprachige Kultur pflegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle U-Bahn-Stationen und alle Stra\u00dfen sind \u201ezweisprachig\u201c ausgeschildert, ein bemerkenswerter Service f\u00fcr uns westliche \u201eAnalphabeten\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Freitag, den 14. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>In einem Gesch\u00e4ft nach einem Korkenzieher gefragt und positive Antwort bekommen. Darauf gesagt, in dem Falle h\u00e4tte ich gerne einen, und darauf die Antwort bekommen, der sei nicht zum Verkauf, das sei sein privater Korkenzieher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Kiosk einen falschen F\u00fcnfeuroschein zur\u00fcckbekommen. Die Kioskbesitzer haben eigene Ger\u00e4te zur Pr\u00fcfung. Immerhin endlich mal was verstanden, und den falschen F\u00fcnfer im Supermarkt losgeworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4fte sind grunds\u00e4tzlich montags und mittwochs nachmittags geschlossen. Daher die unverst\u00e4ndlichen Reaktionen auf meine Frage am Mittwoch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Abfall bringt man in gro\u00dfe Container am Stra\u00dfenrand, d.h. der gesamte Abfall, jedenfalls in diesem Haus,\u00a0 wird so entsorgt, wie bei uns Glas oder Papier.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fasten bedeutet in Griechenland, jedenfalls in der strengeren Version, auch Verzicht auf \u00d6l, auf Fisch und auf alle Milchprodukte. Im Supermarkt Gutscheine f\u00fcr einen Rabatt auf Jogurth bekommen. Ist das Absicht oder Zufall? Die Regeln werden durch einige herrliche Spitzfindigkeiten zurechtgebogen, die die Griechen nat\u00fcrlich nicht als Spitzfindigkeiten sehen: Milchschokolade ist verboten, aber Bitterschokolade ist erlaubt, weil sie keine Milch enth\u00e4lt, Fisch ist verboten, aber Tintenfische (und Meerestiere im allgemeinen?) sind erlaubt, weil sie kein Blut haben (oder, in einer anderen Version, weil sie keine F\u00fc\u00dfe haben!)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Briefk\u00e4sten sind d\u00fcnn ges\u00e4t und schwer zu identifizieren, von der Angabe von Leerungszeiten ganz zu schweigen. Und wir dachten immer, Deutschland sei die Servicew\u00fcste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das beherrschende innenpolitische Thema ist der Prozess gegen den &#8220;17. November&#8221;, einer (linksgerichteten) terroristischen Organisation, deren Anf\u00fchrer letztes Jahr gefasst wurden. Der 17. November, der Tag des Sturzes der Milit\u00e4rdiktatur, gilt allerdings auch dem offiziellen Griechenland als erinnerungsw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der &#8220;Krieg&#8221; um die Ersetzung der Katharevousa durch das Dimotiki wurde ausgel\u00f6st durch die Ver\u00f6ffentlichung von Andonis Matessis Roman <em>O Vassilikos<\/em>. &#8220;Es gibt nur vulg\u00e4re Leute, keine vulg\u00e4re Sprache&#8221;\u00a0 (Lorenzo Mavilli, Dichter und liberaler Politiker im Parlament) wurde zu einem Motto der Verfechter der Dimotiki, die dann erst in den Milit\u00e4rdiktatur zur Norm wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Griechen lieben das \/i\/: Man f\u00e4hrt nach Madridi, isst einen Jaurti, tr\u00e4gt einen Turbani und nimmt eine Aspirini. Und Locher hei\u00dft Tripitiri (mit drei verschiedenen Buchstaben f\u00fcr den Vokal geschrieben!)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Putzfrau der Schule ist Bulgarin. Jetzt kehren sich die Verh\u00e4ltnisse um, und die Griechen, die das Wort Gastarbeiter, mit deutlich negativen Untert\u00f6nen, \u00fcbernommen haben, haben jetzt selbst Gastarbeiter.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Samstag, den 15. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Panathinaikos ist traditionellerweise der &#8220;vornehmere&#8221;, Olympiakos der volkst\u00fcmlichere Verein. Olympiakos hat so viele Anh\u00e4nger, dass auch politischer Druck ausge\u00fcbt und der Staat zur \u00dcbernahme von Verbindlichkeiten des Vereins veranlasst werden kann! Der Pr\u00e4sident von Panathinaikos, Bardinogiannes, ist einer der reichsten M\u00e4nner Griechenlands (erstaunlicherweise ein Reeder), w\u00e4hrend der Pr\u00e4sident von Olympiakos haupts\u00e4chlich durch Gesch\u00e4fte in der Telekommunikation zu Reichtum gekommen ist. Er soll einst auch gute Beziehungen zur Stasi gehabt haben. Ein gabro\u03c2 (Sardelle?) ist ein Anh\u00e4nger von Olympiakos, ein bazeloV (hat eine entfernte Verbindung mit einem Kleeblatt) ein Anh\u00e4nger von Panathinaikos, beide wohl urspr\u00fcnglich Spottnamen der anderen Seite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Romeo und Julia am Parthenon: Mary Webber, eine englische Nanny in den Diensten des Palastes, verliebte sich in einen Arzt der griechischen Armee. Als ihre Eltern sich weigerten, die Zustimmung zur Ehe zu geben, kletterte sie auf das Ger\u00fcst des Parthenon und st\u00fcrzte sich die Akropolis hinunter. Als der Arzt davon h\u00f6rte, erschoss er sich. Die best\u00fcrzten Eltern verst\u00e4ndigten sich darauf, die beiden zusammen zu begraben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Apotheke hei\u00dft farmakeio, und eine apoqhkh ist ein Lagerraum (hier aber auch an einer Art Haushaltswarengesch\u00e4ft gesehen). Bisher noch keine Kaufh\u00e4user gesehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufstieg auf den Lykabettos, den Hausberg Athens, eher ein H\u00fcgel, aber h\u00f6her als die Akropolis und von seiner Beschaffenheit, mit schroffen Seiten und gro\u00dfen Felsbrocken, eher dem gleichend, was wir uns unter einem Berg vorstellen. Der Mythologie zufolge ist der Lykabettos entstanden, als Athene Marmorbl\u00f6cke vom Penteli zur Akropolis trug und, durch eine Kr\u00e4he erschreckt, einen fallen lie\u00df! Karge Spitze guckt aus einem gr\u00fcnen Kranz hervor: Kakteen zweierlei Art, die mit den rundlichen, fleischigen Bl\u00e4ttern und die mit den langen, spitz zulaufenden Bl\u00e4ttern (die so hart sind, dass die Leute ihre Namen einritzen k\u00f6nnen), B\u00fcsche mit gelben Bl\u00fcten (vielleicht Ginster) und B\u00fcsche mit violetten Bl\u00fcten (vielleicht Heidekraut) und d\u00fcnne B\u00e4ume mit kahlen St\u00e4mmen und verdorrten, br\u00e4unlichen Fruchth\u00fclsen, alles<\/p>\n<p>erstaunlich \u00fcppig. Auf halber H\u00f6he sch\u00f6ner Blick auf die auf der anderen Seite liegende Akropolis und dahinter aufs Meer. Oben auf der Aufsichtsplattform eine sch\u00f6ne, wei\u00dfe, quadratische Kapelle mit Kuppeln (geschlossen), fr\u00fcher, wie alle Kapellen auf Anh\u00f6hen, dem Propheten Elias geweiht, ein Glockenturm, eine gro\u00dfe griechische Flagge und (ziemlich unpassend) ein paar d\u00fcrre, vergammelte Fernseh- oder Telephonmasten. Nirgendwo Informationen oder Wegweiser. Auf dem R\u00fcckweg (andere Route) in der N\u00e4he eines Freilufttheaters einen bereits in voller Bl\u00fcte stehenden knorrigen Baum (vielleicht Kirsche) gesehen. Auf beiden Wegen die Standseilbahn noch nicht einmal gesehen. Die Erkl\u00e4rung: Sie verl\u00e4uft unterirdisch! Dann in einem anderen Stadtteil gelandet. Alles erinnert an Spanien: die Hauseing\u00e4nge, die B\u00fcrgersteige, die Flachd\u00e4cher, die vielen Markisen, Blendl\u00e4den und Balkons. Auch die Lotterieverk\u00e4ufer und die mit Maschinenpistolen bewaffneten Schutzleute erinnern an Spanien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann noch ins Zentrum gelaufen. In einem Viertel ein Beispiel der verfallenden alten H\u00e4user gesehen, von denen in den Lehrb\u00fcchern immer die Rede ist, einem zweist\u00f6ckigen Wohnhaus mit einer einst pr\u00e4chtigen Fassade, das jetzt als Lagerhalle dient. An der Omonia ausl\u00e4ndische Stra\u00dfenh\u00e4ndler, Osteurop\u00e4er, aber auch Asiaten (Pakistani?). Eine \u00e4ltere griechische Frau kickte eine leere Dose, die auf B\u00fcrgersteig lag, vehement zur Seite, ein Ausdruck dessen, was sie von diesen Ausl\u00e4ndern und ihrem Benehmen hielt. Erweckt heimatliche Gef\u00fchle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein griechischer Bauer oder Sch\u00e4fer, Spiros Louis, nahm auf Dr\u00e4ngen seiner Freunde wegen seiner starken Konstitution 1896 an den Olympischen Spielen teil, obwohl er kein Sportler war. Er lief den Marathon, hielt durch und &#8211; gewann! Die Zeit lag unter drei Stunden, und er hat weder vorher noch nachher jemals Sport getrieben! Er lebt in dem griechischen Ausdruck egine louiV \u201aer wurde Luis&#8217;, fort, mit dem man jemanden bezeichnet, der sich pl\u00f6tzlich aus dem Staub macht, gew\u00f6hnlich, um einer schwierigen Situation auszuweichen.\u00a0 Nach einer anderen, an Bahamontes erinnernden Version, war Louis Wassertr\u00e4ger, der das Laufen ohne Wasser geradezu als Vergn\u00fcgen empfand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Restauration des Parthenon dauert jetzt schon l\u00e4nger als ihr Bau! Die Restaurierung ist deshalb so schwierig, weil die Marmorbl\u00f6cke St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck auseinandergenommen und wieder zusammengef\u00fcgt werden m\u00fcssen, um die rostenden Eisenteile zu ersetzen, die bei der ersten Restaurierung statt der antiken Bronzeklammern eingesetzt wurden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Sonntag, den 16. M\u00e4rz 2003<\/span><\/p>\n<p>Artikel in der <em>Nea<\/em>: Mit der Kartoffel wurden zu Anfang in Deutschland nur Str\u00e4flinge\u00a0 ern\u00e4hrt, in Schottland lehnte man deren Verzehr ab mit der Begr\u00fcndung, sie f\u00e4nde keine Erw\u00e4hnung in der Bibel!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit der \u00e4ltesten, meist \u00fcberirdisch verlaufenden Metrolinie von Omonia aus (sch\u00f6ner Bahnsteig mit gro\u00dfen, farbigen, geschmackvollen Fliesen) f\u00fcr nur 60 Cent in einer halbst\u00fcndigen Fahrt in den Norden Athens, ins noch k\u00e4ltere Kifissia, das gerade wegen der k\u00fchleren Temperaturen privilegierter Wohnsitz der Privilegierten ist, was man schon bei der Ankunft an einer sch\u00f6n angelegten Allee sp\u00fcrt. Dort von in ein sehr sch\u00f6nes, rustikales Lokal, \u2019En Elladi, gef\u00fchrt worden, mit exzellentem Essen. Die Vorspeisen werden von einem Kellner in gro\u00dfer Zahl in ovalen Steingutgef\u00e4\u00dfen auf einem riesigen Tablett angeboten, von dem der Gast ausw\u00e4hlt, was sowohl praktisch als auch sch\u00f6n anzusehen ist. Es gab in Essig eingelegte Kr\u00e4uter, Rouladen in einer So\u00dfe aus Eiwei\u00df und Zitronen (Eins A), Tintenfisch und gebratene Auberginen mit F\u00fcllung (Eins A), dann Lammkeule aus dem Backofen und schlie\u00dflich Kazan Tipi, einen Nachtisch nach einem von den nach &#8220;kleinasiatischen Katastrophe&#8221; (1922) nach Griechenland gefl\u00fcchteten Griechen aus der T\u00fcrkei mitgebrachtem Rezept &#8211; hausgemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deutliche Parallelen in der Ausl\u00e4nderfrage zu Deutschland und anderen L\u00e4ndern, ungeachtet des klugen Spruchs &#8220;Die Albaner von heute sind die Griechen von gestern&#8221;: Unterscheidung zwischen &#8220;guten&#8221; und &#8220;schlechten&#8221; Ausl\u00e4ndern (Pakistanis &#8211; Albaner), Furcht vor der schieren Zahl der Einwanderer (ein Drittel aller Albaner lebt in Griechenland), Schuldzuweisungen (erh\u00f6hte Kriminalit\u00e4t), Kritik an Lebensformen (mehrere Familien teilen sich eine Wohnung), Unterbezahlung, Versuch, illegale Einwanderung in den Griff zu bekommen, indem man sie legal macht usw.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Essen Spaziergang durch Kifissia, vorbei an einem Wohnhaus traditionellen Stils mit abgeflachtem Ziegeldach, vorbei an einem Kiosk mit einem internationalen Bestand an Zeitungen, vorbei an Orangenb\u00e4umen mit Fr\u00fcchten, vorbei an einem Museum f\u00fcr Naturgeschichte, das von einer der renommiertesten Familien Griechenlands, den Gulandri, gestiftet wurde, vorbei an riesigen Geb\u00e4uden, die wie die Hotels mitteleurop\u00e4ischer Kurorte aussehen und von denen eins Sitz der Eurobank ist, der Privatbank eines der reichsten M\u00e4nner Griechenlands, Latses, naheliegenderweise einem Reeder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Griechenland hat die relativ h\u00f6chste Zahl an Zeitungen und Zeitschriften weltweit. Da sich einige davon kaum tragen, gibt es Vermutungen, es handele sich um ein System der Geldw\u00e4sche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frauen behalten jetzt ihren eigenen Namen nach der Ehe. Bisher hatten sie den Namen des Mannes angenommen. Die unterschiedlichen Konventionen bei den Namen in den unterschiedlichen L\u00e4ndern haben miteinander gemeinsam, dass die Leute immer das, was in ihrem Land gilt, als normal und &#8220;richtig&#8221;, das andere als Abweichung ansehen. \u00c4hnlich bei der Frage, ob Filme \u00fcbersetzt werden sollen oder nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerpech: Als eine griechische Deutschlehrerin einmal im Unterricht von einer Kollegin mit einem viel st\u00e4rkeren Akzent vertreten wurde, sagten ihr die Sch\u00fcler, die Kollegin k\u00f6nne man viel besser verstehen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend mit dem Auto Richtung Nordosten zum Marathonsee, vorbei an der f\u00fcrstlichen, mit einer Steinmauer umgebenen Residenz des Reeders und Halt an der ebenso f\u00fcrstlichen Villa einer griechischen Freundin. Weiterfahrt mit Blick auf den schneebedeckten (!) Penteli, dem klassischen Steinbruch f\u00fcr das Athener Marmor. Entlang des Weges das blaue Band, das den Verlauf des Marathonlaufs markiert. Halt an einer schmalen Br\u00fccke am Marathonsee, einem k\u00fcnstlich angelegten Stausee zur Wasserversorgung Athens, dessen Wasserspiegel durch die Niederschl\u00e4ge der letzten zwei Jahre deutlich gestiegen ist, so sehr, dass das Kellergeschoss eines Hauses am Wasserrand im Wasser stand. Dunstige Atmosph\u00e4re und viel Vegetation am Rand des Sees, insgesamt eine &#8220;ungriechische&#8221; Szenerie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Griechen haben angeblich seit Einf\u00fchrung des Euro die h\u00f6chsten Preise bei den niedrigsten Geh\u00e4ltern. Kann sein. Bei der Kalkulation wird allerdings das Grundverm\u00f6gen verschwiegen. Man kann in Athen wohnen und sein Haus im Heimatdorf gewinnbringend als Ferienhaus oder anderswie vermieten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von einem Aussichtspunkt aus Blick auf Athen und den links davon liegenden Hymettos mit dem Kesariani-Kloster. Einige Bergh\u00e4nge kahl als Folge von Waldbr\u00e4nden, einmal durch einen Hubschrauberunfall, aber in den meisten F\u00e4llen durch Brandstiftung von Grundst\u00fccksspekulanten. Weiterfahrt nach Marathon und dort Fahrt bis an die im Bau befindliche Ruderstrecke (wo man den Eindruck haben muss, dass noch viel zu tun ist), bis an den H\u00fcgel, unter dem die Toten der Schlacht von Marathon begraben sind (und an dem der Marathonlauf vorbeif\u00fchrt) und bis direkt an den Strand, alles mit dem Auto!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg durch die fast unheimlich aufragenden Berge in der abendlichen Landschaft, vorbei an einem deutschen Soldatenfriedhof mit der unvermeidlichen Diskussion \u00fcber unser Desinteresse am Nationalsozialismus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nothalt an einem McDonalds, nicht zum Essen. Vern\u00fcnftigerweise gibt es in Griechenland die Regel, dass es verboten ist zu verbieten (das WC zu benutzen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Montag, den 17. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Als Athen 1834 Hauptstadt wurde, hatte es gerade einmal 6000 Einwohner! Die neue Stadt wurde f\u00fcr 50.000 Menschen geplant, hatte aber schon um die Jahrhundertwende doppelt so viele.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die griechische Kirche verdankt ihre Reputation ihrer Rolle in den Befreiungskriegen und der Tatsache, dass ihr die Erhaltung der griechische Sprache zu verdanken ist. Bis heute gibt es enge Beziehungen zur Politik, und jede Regierung wird durch den Erzbischof von Athen vereidigt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass der Parthenon nur noch eine Ruine ist, wird allgemein hingenommen (Zahn der Zeit), aber dabei wird vergessen, dass er erst seit 300 Jahren Ruine ist. Die entscheidende Kanonenkugel der Venezianer &#8211; ein Volltreffer &#8211; wurde ausgerechnet von einem Deutschen, einem Soldaten aus L\u00fcneburg, abgefeuert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Entfernung der Reliefs durch Elgin &#8211; zeitweilig waren mehr als 400 Arbeiter damit besch\u00e4ftigt &#8211; war legal, wurde von vielen Experten gutgehei\u00dfen und bewahrte die Reliefs vor dem Verfall &#8211; die am Ort gelassenen Skulpturen sind bis zur Unkenntlichkeit entstellt &#8211; und war f\u00fcr ihn alles andere als ein Gesch\u00e4ft. Sie wurde aber schon zu seiner Zeit auch scharf kritisiert (Byron, Humboldt, P\u00fcckler-Muskau): Tempelsch\u00e4ndung, Raub, rohe Zerst\u00f6rung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Dienstag, den 18. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>In Griechenland gibt es eine von der Kirche unterst\u00fctzte Bewegung, die <em>Harry Potter<\/em> als Teufelszeug verwirft und alles, was damit zu tun hat, am liebsten auf den Index setzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Entwurf von Schaubert und Kleanthes zur Anlage von Athen wurde kritisiert, weil er zu gro\u00df angelegt war. Der neue Entwurf von Klenze, der deren Ideen beibehielt, aber den Ma\u00dfstab verkleinerte, wurde dann bald kritisiert, weil er zu klein angelegt war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die beiden bekanntesten Griechen der 20. Jahrhunderts d\u00fcrften Maria Callas und Aristoteles Onassis sein. Aber wer ist die Nummer drei? Melina Merkuri? Andreas Papandreu? Mikis Theodorakis? Dimitris Mitropoulos? Kostas Kazanzakis? Kostas Gavras? Jedenfalls nicht Seferis und Elytis, obwohl beide den Nobelpreis f\u00fcr Literatur erhalten haben! Irgendwo gelesen, dass die griechische Literatur sich durch ihre Obsession, wahre Kunst von Kommerz zu unterscheiden, selbst ins Abseits stellt. Ob das stimmt, wei\u00df ich nicht, aber man k\u00f6nnte das auch f\u00fcr die deutsche Literatur sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Griechen halten ihre Kultur gerne f\u00fcr die Br\u00fccke zwischen Ost und West, westlicher Lebensstil und Standard, \u00f6stliche Haltung und Temperament, aber diese Vorstellung ist eher romantisch als wahr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Griechenland sind alle B\u00fccher f\u00fcr die Ausbildung, sowohl Schule als auch Universit\u00e4t, kostenlos!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Mittwoch, den 19. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Besichtigung des Zeustempels am Rand des Nationalgartens. Ein Gel\u00e4nde, das etwas unaufger\u00e4umt aussieht, \u00fcberall liegt und steht etwas herum: Felsbrocken, Mauerreste, Sockel, Sarkophage, dazu Zypressen, verschiedene Kiefern, niedrige Palmen, alle m\u00f6glichen B\u00fcsche, alles zerstreut in dem unebenen Gel\u00e4nde. Der eigentliche Tempelbezirk, abgesperrt, ein riesiges Rechteck, etwa ein Fu\u00dfballfeld, mit riesigen Marmors\u00e4ulen mit korinthischen Kapitellen, urspr\u00fcnglich \u00fcber einhundert, von denen noch gut ein Dutzend steht, davon zwei vereinzelt, die anderen in einer Gruppe. Dazwischen eine, die zerst\u00f6rt ist und am Boden liegt, aber am besten Dimensionen deutlich werden l\u00e4sst. Am Rande des Tempels steht unmotiviert ein mannshoher Pinienzapfen, wie ein \u00fcberdimensionaler Phallus. Lange Baugeschichte: schon im 6. Jh. v. Chr. begonnen, aber nicht abgeschlossen, da sie die Bewohner Athens geweigert haben sollen, einen Bau der Tyrannei, auch so einen pr\u00e4chtigen, nach deren Sturz zu vollenden. Im 2. Jh. v. Chr. weitergef\u00fchrt, dann wieder Baustopp, und erst im 2. Jh. n. Chr. (unter Hadrian) vollendet. Zerst\u00f6rung teils durch Nutzung als Steinbruch im Mittelalter, teils durch Erdbeben und Orkane. Von hier aus Blick auf die naheliegende Akropolis, deren Festungsmauern von hier aus wie Pappmach\u00e9 aussehen. Am Ausgang des Gel\u00e4ndes das m\u00e4chtiges Hadrianstor (in Restaurierung), das einst die Grenze zwischen &#8220;Altstadt&#8221; und &#8220;Neustadt&#8221; markierte. Auf dem Bogen steht zur einen Seite: &#8220;Dies ist Athen, die alte Stadt des Theseus&#8221; und auf der anderen &#8220;Dies ist die Stadt des Hadrian, nicht die des Theseus&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck \u00fcber die Plaka und den Ermou. Um viertel vor drei zum Mittagessen in einem Grillrestaurant, und l\u00e4ngst nicht der letzte. Wein bestellt man in Griechenland per Kilo: Ein Gyros, einen Bauernsalat und ein halbes Kilo Rotwein. Immer wieder sch\u00f6n. Daf\u00fcr 10 \u20ac bezahlt, angemessen, aber auch nicht sonderlich preiswert. Beim Wechselgeld fehlten f\u00fcnf Euro, was Zufall gewesen sein kann, aber man ist versucht, Absicht zu unterstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Taxifahrern, auch solchen, die schon Passagiere haben, ruft man durchs offene Fenster das Fahrziel zu. Der Taxifahrer kann einen dann, die Erlaubnis des anderen Passagiers vorausgesetzt, mitnehmen, wenn es in die gleiche Richtung geht. Der Fahrpreis verringert sich aber dadurch nicht! Sind wir in Ikaria also gar nicht \u00fcbers Ohr gehauen worden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Karagiogis ist der Held des gleichnamigen, traditionsreichen Schattentheaters, ein listiger Au\u00dfenseiter, der sich immer wieder durchzuschlagen versteht. Das Wort ist t\u00fcrkisch und bedeutet &#8216;Schwarzauge&#8217;, was metaphorische Bedeutung hat, etwa wie wenn es einem angesichts der gesellschaftlichen Misere schwarz vor Augen w\u00fcrde. Die Tradition war in Arabien und Nordafrika verbreitet (die einzige dramatische Form, die bei orthodoxen Mohammedanern erlaubt war) und kam \u00fcber die T\u00fcrkei nach Griechenland und wurde um typisch griechische Figuren und Themen erweitert. Die Schattentechnik stammte aus Java und war von arabischen H\u00e4ndlern von dort mitgebracht worden. Urspr\u00fcnglich machte der Karagiosisspieler alles alleine, die verschiedenen Stimmen, Effekte, Ger\u00e4usche, Lieder und spielte auch noch Instrumente, heute werden auch technische Hilfsmittel eingesetzt. Die verschiedenen Charaktere werden beim Auftritt durch bestimmte Lieder, die sie auch regional verorten, angek\u00fcndigt. Zuerst war das Karagiosis eine Art der preiswerten Familienunterhaltung, w\u00e4hrend der deutschen Besatzung wurde es auch zum (unangreifbaren) Instrument der politischen Opposition.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Donnerstag, den 20. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>In fachkundiger Begleitung Keramikos besichtigt. Gute \u00dcbersicht von der Stra\u00dfe aus \u00fcber das Ausgrabungsfeld, das weit unter dem heutigen Bodenniveau, auf dem Niveau des antiken Athen, liegt. Wichtige arch\u00e4ologische St\u00e4tte, aber weniger beachtet als Akropolis und Agora. Keramikos antiker Stadtteil. Name von ber\u00fchmten Athener T\u00f6pfern, die hier ihre Werkst\u00e4tten hatten. Name aber auch der eines antiken Helden, der dem Viertel wiederum den Namen gegeben haben kann, das den anderen europ\u00e4ischen Sprachen wiederum den Namen f\u00fcr Steingut gab. Im freigelegten, d.h. au\u00dferhalb der Stadtmauern gelegenen Teil, auch der Friedhof. Hier\u00a0 waren die beiden wichtigsten, mit T\u00fcrmen \u00fcberh\u00f6hten Stadttore Athens, das Heilige Tor (das Ende der Heiligen Stra\u00dfe, \u00fcber die man zu den Mysterienspielen nach Eleusis zog) und das Doppeltor (durch das man zu den Panathen\u00e4ischen Spielen in die Stadt zog). Durch die eine H\u00e4lfte des Doppeltors floss der Eridamos, dessen Flussbett noch deutlich zu erkennen ist. In dem Pflaster der Stadttore kann man noch deutlich Einlassungen f\u00fcr die Tore selbst sehen und sogar Spuren von R\u00e4dern. Zwischen den Toren das noch mit Pfeilerresten bezeichnete Pompeion (in dem der Festzug hergerichtet wurde). Neben den Toren die Reste eines Brunnens, der zur Versorgung der ankommenden Reisenden diente. Entlang der Stra\u00dfe der \u00f6ffentliche Friedhof, vom 9.Jh. bis in r\u00f6mische Zeit benutzt. Grabdenkm\u00e4ler von erstaunlicher Qualit\u00e4t und Vielfalt, eins mit einem skulptierten Stier, eins mit einem Relief, das einen Reiter im Kampf zeigt (Vorl\u00e4ufer der Georgsdarstellungen), eins mit einem Relief, das eine h\u00e4usliche Szene zeigt, in der eine Dienerin (stehend) ihrer Herrin (sitzend) ein Schmuckk\u00e4stchen reicht. Diese Grabmonumente aus der Zeit vor dem 4. Jh., als ein Dekret festlegte, dass Grabmonumente einfach zu sein h\u00e4tten. Die sp\u00e4teren Grabmonumente sind niedrige, runde, fast ununterscheidbare Stelen, in die der Name des Verstorbenen eingraviert ist. Sie stehen zu Dutzenden am Rande des Ausgrabungsfeldes, mit deutlich zu erkennenden Namen (die griechische Schrift hat sich in all der Zeit fast gar nicht ver\u00e4ndert!). Das Grabungsfeld liegt in einem unsch\u00f6nen Industrieviertel, dessen alter Gasometer jetzt f\u00fcr Kulturveranstaltungen und als Station eines lokalen Radiosenders genutzt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von hier aus \u00fcber die breite, jetzt autofreie, kopfsteingepflasterte Stra\u00dfe, die zwischen Philopappos und Akropolis verl\u00e4uft. Ma\u00dfnahme im Hinblick auf Olympische Spiele, und ein echter Gewinn f\u00fcr Athen. Weg f\u00fchrt vorbei an \u00fcberkuppelter Sternwarte, die aber verlegt werden musste, da es in Athen f\u00fcr die Beobachtung des Himmels immer zu hell ist, an Freiluftkino, am Areopag, dem Felsen, auf dem in der Antike Gericht gehalten wurde und wo sp\u00e4ter Paulus zu den Athenern gesprochen haben soll (Auszug aus Apostelgeschichte auf Steintafel).\u00a0 Von einem der (vielen) Stra\u00dfencaf\u00e9s aus Blick auf Thiseion und Apostelkirche. Im unteren Teil der Stra\u00dfe, die hier nach Dionysos Areopagit, dem ersten Sch\u00fcler des Paulus, benannt ist, auf der linken Seite das Odeon. Von Herodes Attikus (II), einem Athener, der in Rom Karriere gemacht hatte, im Andenken an seine Frau gestiftet. Durch Stoa mit dem weiter unter liegenden Dionysostheater verbunden. Rechts klassizistische Wohnh\u00e4user, meist dreistockig, jetzt meist Sitz von Botschaften oder Kulturinstituten. Links, am Ende der Stra\u00dfe, die Statue eines der allgegenw\u00e4rtigen griechischen Freiheitsk\u00e4mpfer, Makrygianni, der vor allem auf die Zusammenf\u00fchrung der verschiedenen Gruppen und die Koordination der Aufst\u00e4nde k\u00fcmmerte. An der neuen Metrostation ein zweist\u00f6ckiger, fast quadratischer Backsteinbau, von dem deutschen Architekten Weiler als Milit\u00e4rhospital konzipiert, jetzt Sitz eines Informationszentrums zur Akropolis (vor\u00fcbergehend geschlossen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Supermarkt Corned Beef gekauft, also ein Gericht mit englischem Namen, gemacht aus argentinischem Fleisch, vertrieben von einer holl\u00e4ndischen Firma. Gekauft in Griechenland. Von einem Deutschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Freitag, den 21. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Zur Erl\u00e4uterung von nicht gradierbaren Adjektiven: &#8220;Sind Sie katholisch? &#8211; Ja, sehr&#8221;. (Alternative: &#8220;Sind sie verheiratet?&#8221; &#8211; &#8220;Ja, sehr&#8221;).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Erl\u00e4uterung von Kollokationsbeschr\u00e4nkungen: *Fr\u00fchst\u00fcck kochen und *Hausaufgaben tun sind im Deutschen nicht zul\u00e4ssig, wohl aber im Englischen. Daf\u00fcr gibt es keine logischen Gr\u00fcnde, nur Konvention.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was gab es heute zum Essen? Erst eine Suppe (franz\u00f6sisch), dann\u00a0 Spaghetti (italienisch) mit Tomaten- (amerikanisch) So\u00dfe (franz\u00f6sisch), Wein (Latein) und zum Nachtisch (deutsch) Pudding (englisch). Ziemlich ern\u00fcchternde Bilanz, und das, obwohl ich Nachtisch (deutsch) statt Dessert (franz\u00f6sisch) gesagt habe. Wie gehen Fremdwortgegner damit um? Erst einmal verbl\u00fcfft, dann, indem sie einwenden, das seien ja keine Fremdw\u00f6rter, das w\u00fcrde ja jeder verstehen &#8211; ein Beweis daf\u00fcr, dass W\u00f6rter nicht an sich fremd sind, sondern nur als fremd empfunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen selbst nicht entscheiden, wann unser Ged\u00e4chtnis funktionieren soll. Manchmal sucht und sucht man nach einem Wort oder nach einem Namen, aber man kann sich beim besten Willen nicht erinnern. Ein paar Stunden sp\u00e4ter, wenn man den Versuch, sich zu erinnern, l\u00e4ngst aufgegeben hat, f\u00e4llt es einem pl\u00f6tzlich wieder ein, es kommt ungerufen. Das ist unstrittig. Das ist eben so, es ist selbstverst\u00e4ndlich, und Selbstverst\u00e4ndlichkeiten diskutiert man nicht. Man diskutiert, was strittig ist, ob man den M\u00fcll trennen soll, ob man LehrerInnen schreiben soll, ob die Steuern gesenkt werden sollen. Aber die Selbstverst\u00e4ndlichkeiten machen viel mehr aus, und sie sind nat\u00fcrlich gar keine Selbstverst\u00e4ndlichkeiten. Wenn man die Welt noch einmal von vorne beginnen w\u00fcrde, w\u00fcrde man dann dem Menschen ein Ged\u00e4chtnis geben, \u00fcber das er gar nicht verf\u00fcgen kann? Es w\u00e4re doch viel besser, einleuchtender, ja selbstverst\u00e4ndlich, ihm ein Ged\u00e4chtnis zu geben, das ihm jederzeit die Informationen gibt, die er braucht. Auf die jetzige Konstruktion w\u00fcrde so leicht niemand kommen. Dar\u00fcber, dass das so ist, wundert sich aber niemand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute an Karikatur erinnert, bei der zwei Besucher das Britische Museum verlassen und sagen: &#8220;I wonder why it&#8217;s called the British Museum&#8221;. Auch f\u00fcr Pragmatik zu gebrauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute im Zentrum gro\u00dfe, lebendige, laute Demonstration gegen Bombardierung Iraks, meist junge Leute. Gut ausger\u00fcstet mit all den Paraphernalia des Demonstrationsgesch\u00e4fts. Gesch\u00e4ftsleute im Zentrum machen mit und schlie\u00dfen bis f\u00fcnf Uhr, genauso wie Sehensw\u00fcrdigkeiten. Auf dem R\u00fcckweg der Demonstration ausgewichen und in einem feineren Viertel gelandet, das mir\u00a0 am Ende irgendwie bekannt vorkam, bis ich merkte, dass ich am Kolonaki war, dem Platz, an dem sich diejenigen treffen, die davon tr\u00e4umen, einen Sportwagen zu haben &#8211; und diejenigen, die wirklich einen haben. Dann in einer Odyssee fast auf dem Lykabettos gelandet. Beim Abstieg eine solch steile Stra\u00dfe, das man das Gleichgewicht verlor. Man glaubte, nur noch die Wahl zu haben, nach hinten oder nach vorne zu fallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus gegebenem Anlass an das &#8220;russische&#8221; St\u00fcck gedacht, in dem kein Wort Russisch gesprochen wurde, sondern ein v\u00f6llig bedeutungsfreies Kauderwelsch, das sich wie Russisch anh\u00f6rt. Genauso kommt man sich vor, wenn man die Griechen reden h\u00f6rt, mit dem einzigen Unterschied, dass von Zeit zu Zeit ein identifizierbares Wort erscheint: Bla bla bla bla Athen bla bla bla bla Taxi bla bla bla bla Metro. Erinnert auch an die Karikatur, in dem ein Hund die wortreiche Standpauke seines Herrchens h\u00f6rt (die in der ersten Sprachblase erscheint) und immer nur seinen Namen und &#8220;Knochen&#8221; versteht (was in der zweiten Sprechblase erscheint). Das russische St\u00fcck wiederum hat eine entfernte Verbindung mit den Hieroglyphen, die in der ptomolom\u00e4ischen Zeit auf \u00e4gyptischen Sarkophagen eingeritzt sind und keinerlei Bedeutung mehr haben, sondern nur noch um ihrer selbst willen existieren. Das <em>signifi\u00e9<\/em> hat sich aus der Zwangsgemeinschaft mit dem <em>signifiant<\/em> gel\u00f6st. Auf spielerische Weise auch im Kinderreim &#8220;Empompi&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute chaotischer Tag, an dessen Ende auch noch der Wohnungsschl\u00fcssel abbrach und im Schloss stecken blieb. Wieder waren die Handwerker umgehend zur Stelle. Vorbildlich!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Grillrestaurant gesehen, wie Wein f\u00fcr einen Kunden, der das Essen mit nach Hause nahm, aus einem Plastikbeh\u00e4lter mit einem Plastiktrichter in eine Plastikflasche abgef\u00fcllt wurde, die in ihrer fr\u00fcheren Existenz mal Mineralwasserflasche gewesen war. Bei der Bestellung die Kopfbewegung des Kellners &#8211; schr\u00e4g nach unten, aber nur ganz leicht &#8211; als Verneinung missverstanden. Ein Einzelfall? Glaube nicht. Dennoch ist es nicht das, was man sich vorstellt, wenn es im Reisef\u00fchrer hei\u00dft, Kopfsch\u00fctteln gelte in Griechenland als Zustimmung. Das wiederum empfinden die Griechen, einer kompetenten griechischen Gespr\u00e4chspartnerin zufolge, als Kommunikationsproblem mit den Bulgaren, bei denen Kopfsch\u00fctteln &#8211; oder das, was von den Griechen als solches wahrgenommen wird &#8211; als Zusage gilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Bier, das ausgeschenkt wird, ist fast ausschlie\u00dflich holl\u00e4ndisch, in den Lokalen normalerweise Amsel. Eine Kapitulationserkl\u00e4rung der deutschen Brauereiindustrie? Dabei gab es hier doch einmal einen bayerischen K\u00f6nig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was man kaum sieht, sind ausl\u00e4ndische Lokale (wenn man McDonalds usw. nicht mitrechnet), weder italienische noch chinesische noch sonst etwas. Die Griechen scheinen mit Souvlaki und &amp; Co. zufrieden zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Athen gibt einem ein gro\u00dfes Gef\u00fchl der Sicherheit. Man f\u00fcrchtet nicht um sein Portemonnaie, geschweige denn um sein Leben. Ungew\u00f6hnlich f\u00fcr eine solch gro\u00dfe Stadt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Samstag, den 22. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>P\u00fcnktlich zum Fr\u00fchlingsanfang wieder R\u00fcckgang der Temperaturen und dazu ein eisiger Wind, nachdem es einige Tage lang ganz angenehm war. Trotzdem, da es (noch) nicht regnete, zur Akropolis, um Theater und Odeon anzusehen. Dort aber vor verschlossenen T\u00fcren gestanden (keinerlei Hinweisschilder auf \u00d6ffnungszeiten, Wege oder Identit\u00e4t des Monuments) und mir dann eine Eintrittskarte f\u00fcr den gesamten Komplex der Akropolis andrehen lassen, die ich eigentlich gar nicht haben wollte. Dann doch noch einen Zugang gefunden (Zum Odeon kommt man nur durch das Theater!). Dort die Dummheit begangen, auf eine englische Frage auf Griechisch zu antworten, und pl\u00f6tzlich einen W\u00e4rter neben mir gehabt, der mich \u00fcber das Gel\u00e4nde begleitete und in einem v\u00f6llig unverst\u00e4ndlichen Redeschwall auf mich einredete. Selbst schuld! Mich damit begn\u00fcgt, die Fragen abwechselnd mit Ja und Nein zu beantworten. Nur verstanden, dass drei verschiedene, an der Farbe erkennbare Arten von Marmor zum Einsatz kamen und dass es in r\u00f6mischer Zeit ein Sonnensegel gegeben haben soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Dionysostheater, dem Vorbild der sp\u00e4teren antiken Theater, wurden die gro\u00dfen Dramen der Antike uraufgef\u00fchrt. Seit dem 6. Jh. v.Chr. gab es hier Theaterauff\u00fchrungen aus Anlass der Dionysien, zun\u00e4chst T\u00e4nze und Chorges\u00e4nge. Das Theater im eigentlichen Sinne entstand, als Thespis dem Chor einen Sprecher zur Seite stellte, einen Gegenspieler. Zuerst sa\u00dfen die Zuschauer einfach auf dem Berghang, dann begann man, Zuschauerr\u00e4nge auszuheben und Holzb\u00e4nke aufzustellen (V), dann wurden die Holzb\u00e4nke durch Steinb\u00e4nke ersetzt (IV). Die Zuschauer zahlten keinen Eintritt, sondern erhielten seit der klassischen Zeit sogar noch einen Obulus f\u00fcrs Kommen! Nachahmenswert. Heute ist knapp die H\u00e4lfte der R\u00e4nge erhalten, die urspr\u00fcnglich bis an den Felsen der Akropolis heranreichten. Soll Platz f\u00fcr 17.000 Zuschauer gehabt haben! In der unteren Reihe Ehrensessel aus Marmor f\u00fcr Priester, Promis und andere Privilegierte mit gemei\u00dfelten Armlehen und F\u00fc\u00dfen und dem eingeritzten Namen des Promis. Von den R\u00e4ngen aus Blick auf die in r\u00f6mischer Zeit angefertigten Reliefs auf der Vorderb\u00fchne. In r\u00f6mischer Zeit soll es auch eine hochfahrbare B\u00fchne gegeben haben. Nach Verbot der Auff\u00fchrungen, die als heidnisch galten, durch Theodosius (V) Verfall des Theaters, Wiederentdeckung erst in der Neuzeit (XVIII).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von hier aus \u00fcber die Stoa zum Odeon, das man nur von au\u00dfen besichtigen kann. Name stammt von Musikauff\u00fchrungen, die hier h\u00e4ufig stattfanden. Hat im Unterschied zu Dionysostheater steil aufsteigende R\u00e4nge. Platz f\u00fcr 5.000 Zuschauer. Von hier aus auf einem kleinen Pfad \u00fcber steile Stufen zur Plattform vor der Akropolis. Dort zehn Postkarten f\u00fcr einen Euro, was so g\u00fcnstig war, dass mir erst Zweifel aufkamen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von hier aus zum (alten) Olympiastadion, am Rand des Nationalparks gelegen. Hier ist die Besichtigung umsonst und man bekommt sogar noch eine informative Brosch\u00fcre dazu. Au\u00dferdem kann man hier auch trainieren, was zwei oder drei Verwegene auch tats\u00e4chlich trotz der Temperaturen taten. Stadion gr\u00f6\u00dfer, als es auf Photos wirkt, mit 44 durch einen Gang in der Mitte unterteilten und in 47 Bl\u00f6cke aufgeteilten Sitzreihen, mit einem Fassungsverm\u00f6gen von 60.000!\u00a0 Kontrast zwischen schwarzer Laufbahn und wei\u00dfen R\u00e4ngen, Hufeisenform, baumbestandene H\u00fcgel hinter den R\u00e4ngen: verdient den Namen Kalimarmaro. Am Eingang wie Grabdenkm\u00e4ler aussehende wei\u00dfe Steintafeln, auf denen die griechischen Olympiasieger verzeichnet sind. Als erster Name taucht der von Louis Spiros auf (dessen Nachname aber auf Griechisch etwas anders lautet), aber als Gewinner der Silbermedaille, was R\u00e4tsel aufgibt. Dann Erkl\u00e4rung: In der ersten Zeit gab es f\u00fcr den Sieger Silber, f\u00fcr den Zweiten Bronze und f\u00fcr den Dritten &#8211; nichts!\u00a0 Von Spiros hei\u00dft er, er habe die ihm angebotenen Siegpr\u00e4mien abgelehnt, wohl aber einen Karren angenommen, mit dem er das Wasser aus seinem Heimatdorf Maroussi nach Athen transportieren konnte, um es hier zu verkaufen. Selbst eine Runde auf der modern ausgelegten Laufbahn (Tartan?) gedreht, aber gem\u00fctlich gehend. Die Kurven sind sehr eng, so dass das Stadion f\u00fcr moderne Wettbewerbe nicht benutzt werden kann. Am Eingang zur Kurve und zur Geraden steht jeweils sinnigerweise eine Statue des Hermes mit Doppelantlitz. Die Spiele von 1896 fanden im Fr\u00fchjahr statt, mit der Er\u00f6ffnungsfeier am griechischen Nationalfeiertag (25. M\u00e4rz) &#8211; der K\u00e4lte trotzend? Schon Mitte des Jahrhunderts waren in Griechenland Olympischen Spiele abgehalten worden, aber nicht hier. F\u00fcr die ersten offiziellen Spiele kam es dann zur Wiederherrichtung des inzwischen v\u00f6llig verfallenen Stadions, mit Geldspenden aus der Bev\u00f6lkerung, aus dem Ausland (von den griechischen Botschaften eingeworben), vor allem aber der Spenden eines griechischen Kaufmanns aus \u00c4gypten, Giorgos Averof. Zur Errichtung der R\u00e4nge waren gleichzeitig 500 Arbeiter besch\u00e4ftigt, im Stadion und an drei Steinbr\u00fcchen. Die Bauleitung hatte Charles Perry. Da man mit der Errichtung der Marmorr\u00e4nge nicht rechtzeitig fertig wurde und ein Plan, die restlichen R\u00e4nge aus Stein zu bauen, verworfen wurde, wurden die restlichen R\u00e4nge aus Holz gebaut, das dann wei\u00df angestrichen wurde! Nach den Spielen wurden die Arbeiten dann fortgesetzt, und zur Zehnjahresfeier war das Stadion fertig. Die Wiederrichtung ist im wesentlichen ein Wiederaufbau des antiken Olympiastadions, unter Lykurg (IV), der zu der Zeit Stadtregent war, f\u00fcr die Panathen\u00e4ischen Wettbewerbe errichtet &#8211; daher der Name. Im Anfang nur der Wettbewerbsbereich paniert, die R\u00e4nge ergaben sich durch die gegen\u00fcberliegenden H\u00fcgel von selbst, dann Holzsitze, dann in sp\u00e4tr\u00f6mischer Zeit (II) Marmorsitze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann, nach kurzem Blick auf das Zappion, einem Ausstellungsgeb\u00e4ude, in dem der Vertrag \u00fcber den Beitritts Griechenlands zur EU unterzeichnet wurde, zur\u00fcck durch den von K\u00f6nigin Amalie angelegten Nationalpark, mit geschlungenen Wegen, einem k\u00fcnstlich angelegten Teich, in dem die Steine wei\u00df bemalt sind, so dass sie wie Eis aussehen, einem kleinen Tiergehege, in dem auch ein paar riesige Str\u00e4u\u00dfe vertreten sind, einer unendlichen Vielfalt von B\u00e4umen und kleinen h\u00f6lzernen Hinweisschildern, die einen immer im Kreis durch den Park zu schicken scheinen. Am Ende doch ein kleines, vor allem warmes Caf\u00e9 gefunden, in dem ich mir einen Platz gleich neben dem Heizk\u00f6rper sicherte. Beim Eintritt von einer \u00e4lteren Dame feindselig angesehen, von einem \u00e4lteren Herrn, der eigens aufstand, mit Verbeugung h\u00f6flichst begr\u00fc\u00dft worden. Zu dem stolzen Preis von 3,50 gab es einen sehr starken, sehr guten Kaffee. Dann zur\u00fcck, am Sitz des Staatspr\u00e4sidenten und am Parlamentsgeb\u00e4ude vorbei. Die Garde, die am Denkmal des unbekannten Soldaten Wache h\u00e4lt, die Evzonen, sehen eher so aus, als h\u00e4tte man sie in die Kost\u00fcme von Ballettt\u00e4nzerinnen gesteckt, aber es sind harte Jungs, die darin stecken, Mitglieder einer speziell ausgebildeten Elitetruppe. Dass sie sich beim Wachwechsel auf dem engen B\u00fcrgersteig an einem Zeitungskiosk und amerikanischer Zigarettenwerbung vorbeidr\u00e4ngen m\u00fcssen, tr\u00e4gt allerdings auch nicht gerade zur Feierlichkeit bei. Das Parlamentsgeb\u00e4ude, urspr\u00fcnglich K\u00f6nigsschloss, mit einer schlichten, gelb gestrichenen Fassade, ist etwas zu breit geraten, um sch\u00f6n zu sein. Schinkel hatte urspr\u00fcnglich die auf den ersten Blick ziemlich verr\u00fcckte Idee, das Schloss auf die Akropolis zu setzen, aber der Vater des K\u00f6nigs lehnte entr\u00fcstet ab. Heute meinen viele Experten, das w\u00e4re gar nicht so schlecht gewesen und h\u00e4tte vielleicht zum Schutz der antiken St\u00e4tten beigetragen. Schinkel wollte den Tempelbezirk selbst ausdr\u00fccklich ausnehmen, und der Rest w\u00e4re ein Park geworden. Jetzt steht er, leicht erh\u00f6ht, an einem Platz, von dem man das &#8220;neue&#8221; Athen \u00fcberblicken kann, das Athen der gro\u00dfen Boulevards. Die gro\u00dfe Zahl der schnurgerade und oft parallel laufenden Stra\u00dfen zeigt, dass es sich um eine geplante Stadt handelt. Die Viertel \u00f6stlich der Akropolis sind die einzigen richtigen Ausnahmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entlang der ganzen Universit\u00e4tsstra\u00dfe h\u00f6rt man aus den offiziellen, fest installierten Lautsprechern, die offensichtlich daf\u00fcr benutzt werden d\u00fcrfen, die Aufrufe und Kundgebungen einer unsichtbaren Demonstration. Auf dem Antikriegsflugblatt einer kommunistischen Partei (mit Zusatz marxistisch-leninistisch) ist von der Schaffung eines amerikanischen Reichs die Rede, unter vielsagender Benutzung des deutschen Worts &#8220;Reich&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immer wieder verbl\u00fcffend die Allt\u00e4glichkeit wohlklingender Namen: Haushaltswaren Aristoteles.<\/p>\n<p>Klingt besser als Haushaltswaren Schmitz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An jeder Ecke gibt es Stra\u00dfenverk\u00e4ufer, die koulouria, Geb\u00e4ckkringel mit Sesam anbieten, manchmal etwas hart, aber gut schmeckend, sehr praktisch f\u00fcr die &#8220;laufende&#8221; Erledigung des Hungers. Ebenso allgegenw\u00e4rtig kleine Imbissstuben, in denen es die traditionellen Pasteten gibt. Die klassische F\u00fcllung ist K\u00e4se, wobei der in der kaseropita anders als ist als der in der tiropita (feta). Alternativen sind melopita (mit \u00c4pfeln), spanakopita (mit Spinat, mit oder ohne K\u00e4se), karidopita (mit Wallnuss). Besser als Hamburger oder Bratwurst, aber auch besser als belegte Br\u00f6tchen, weil es doch so etwas wie eine &#8220;richtige&#8221; Mahlzeit ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend ins Kino: &#8220;Catch me if you can&#8221;, durchschnittlicher Film, eine moderne K\u00f6penikiade, in typischer Manier von Hollywood aufgemotzt, mit nostalgischen Familiengef\u00fchlen, mit Integration des B\u00f6sewichts, mit Vater-Sohn-Komplex und abenteuerlichen Szenen. Im Kino geht es gleich mit dem Film los, ohne die l\u00e4stige Werbung und Vorschau. Daf\u00fcr geht mitten im Film das Licht an und es gibt eine Pause. Aber sogar w\u00e4hrend der Pause gibt es keine Werbung! Die Amerikanisierung ist nur so weit fortgeschritten, als auch hier der Besuchs des Kinos automatisch Hunger auf Popkorn auszul\u00f6sen scheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die drei klassizistischen Geb\u00e4ude an der Akademias, die Nationalbibliothek, die Universit\u00e4t und die Akademie, alle durch einen gemeinsamen Vorplatz miteinander verbunden und alle aus wei\u00dfem Marmor, sind ein gelungenes Ensemble. Vor der Akademie, wenig \u00fcberraschend, die Statuen von Sokrates und Aristoteles, vor der Universit\u00e4t die von Kapodistrias und Kanaris, auch nicht \u00fcberraschend, aber dann auch eine Statue, die, dem Reisef\u00fcher zufolge, Gladstone darstellen soll, und tats\u00e4chlich erscheint auf dem Sockel der Staue der Name Gladstone, nur: Was macht der hier? Und: Warum sollte er mit einem Stapel B\u00fccher unter seinen F\u00fc\u00dfen dargestellt werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stra\u00dfennamen werden h\u00e4ufiger ge\u00e4ndert, so dass das Stra\u00dfenschild nicht immer mit dem Namen der Stra\u00dfe auf dem Stadtplan \u00fcbereinstimmt. Dazu sind einige Stra\u00dfen unter ihrem popul\u00e4ren Namen besser bekannt als unter ihrem offiziellen, z.B. die Universit\u00e4tsstra\u00dfe. Dazu geh\u00f6rt auch Klafthmonos Square, der &#8220;Platz der Tr\u00e4nen&#8221;, auf dem fr\u00fcher (XIX-XX) entlassene Regierungsbeamte vor dem Innenministerium ihr Schicksal &#8220;beweinten&#8221; und auf Wiedereinstellung dr\u00e4ngten, oft erfolgreich, was zu vielen Regierungswechseln f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Reisef\u00fchrer hei\u00dft es, man verliere in Athen fast nie die Akropolis aus den Augen. Das stimmt aber wohl nur f\u00fcr die weitere Umgebung. In diesen Vierteln sieht man sie jedenfalls nicht (was ja auch eigentlich ganz normal ist). Entweder sind die Stra\u00dfen zu eng oder die Bauten zu hoch. Eher schon sieht man den Lykabettos, sowohl im Hellen als auch im Dunkeln ein sch\u00f6ner Anblick.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Sonntag, den 23. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Statt &#8220;mehr oder weniger&#8221; sagt man &#8220;weniger oder mehr&#8221;. Wenn man es umdreht, kommt dabei &#8220;sehr wenig&#8221; heraus, und das ist dann ja meistens doch nicht gemeint. Oder doch? Und statt &#8220;eine weitere Woche&#8221; sagt man &#8220;weitere eine Woche&#8221;. Wenn man es umdreht, kommt &#8220;eine andere Woche&#8221; dabei heraus. Und das ist wirklich etwas anderes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Reisef\u00fchrer hei\u00dft es, Athen habe im Gegensatz zu Saloniki keine Kontinuit\u00e4t, es g\u00e4be nur Antike und Neuzeit. Immerhin gibt es aber eine betr\u00e4chtliche Anzahl byzantinischer Kirchen. Dagegen ist aus der T\u00fcrkenzeit wenig erhalten. In der ehemaligen Basarmoschee ist jetzt das Museum f\u00fcr griechische Volkskunst untergebracht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ich bei dem F\u00fchrer im Dionysostheater auch verstanden habe, ist die Frage danach, aus welchem Teil in Deutschland ich komme. Dabei stellt sich heraus, dass Stuttgart in Griechenland die beste Antwort auf diese Frage ist, so wie D\u00fcsseldorf in Spanien. Keiner wei\u00df, wo Stuttgart liegt oder wie es ist, aber man &#8220;kennt&#8221; es, man identifiziert es, und das gen\u00fcgt. \u00c4hnlich haben Griechen in Deutschland nur die Wahl zwischen Saloniki und Athen, wenn sie nicht gerade aus Kreta stammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Spaziergang durch die Altstadt, der uns am Ende nach Anafiotika, ein kurioses Viertel am Nordhang der Akropolis f\u00fchrte. Kleine, wei\u00dfe H\u00e4user, wie man sie auf einer griechischen Insel erwarten w\u00fcrde, und tats\u00e4chlich siedelten sich hier einst \u00dcbersiedler aus der Kykladeninsel Anafi an, die als Arbeiter f\u00fcr den Aufbau des neuen Athen rekrutiert wurden. Alles ist dem Felsen angepasst, die H\u00e4user liegen alle auf unterschiedlichem Niveau, gerade da, wo der Felsen es zul\u00e4sst, und die schmalen Wege zwischen den H\u00e4usern sind direkt in den Fels gehauen, und genauso get\u00fcncht wie die H\u00e4user selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorher den Weg am S\u00fcdhang der Akropolis in anderer Richtung gemacht, durch den Tr\u00f6delmarkt in Thiseion und verfallenden H\u00e4usern in der Ermou nach Monastiraki, wo sich eine Filiale von McDonalds befindet, von deren zweiten Stock man den besten preiswerten Blick auf die Akropolis haben soll. Das teure Gegenst\u00fcck dazu ist Restaurant Dionysos am S\u00fcdhang der Akropolis. Dann in die Plaka, vorbei am r\u00f6mischen Forum mit dem Turm der vier Winde. Dann eine winzige orthodoxe Kirche gesehen, in einem dunklen, von Kerzenschein erleuchteten Kellergew\u00f6lbe, vollgestopft mit aller Art sakraler Instrumente und Ikonen und mit Fresken an den W\u00e4nden. Dann vorbei an einer pittoresken Ecke, die Schauplatz vieler griechischer Spielfilme ist, einer nach oben sich verj\u00fcngenden Treppe mit H\u00e4usern zu beiden Seiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer abenteuerlichen Aktion entfernten w\u00e4hrend der deutschen Besatzung zwei junge Griechen die deutsche Flagge auf der Akropolis und ersetzten sie durch die griechische, eine Heldentat, Teil des kollektiven Ged\u00e4chtnisses der Griechen. Einer von ihnen, Manolis Glezos, ein politisch aktiver Mann, der Europaparlamentsabgeordneter war und sich heute f\u00fcr Entsch\u00e4digungen f\u00fcr Griechen, die unter den Nazis gelitten haben, einsetzt, ist den meisten Griechen mit Namen bekannt. Paradoxerweise wurde er sp\u00e4ter als linker Aktivist politisch verfolgt und verbrachte insgesamt 14 Jahre seines Lebens im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>An gleicher Stelle auch heute eine griechische Flagge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dimension des Zeustempels auch daran zu erkennen, dass die beiden einzelnen und die zusammenstehenden S\u00e4ulen, wenn man von Syntagma kommt, so aussehen, als geh\u00f6rten sie zu zwei verschiedenen St\u00e4tten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die deutsche Aussprache von Trier klingt wie die griechische Aussprache von Troja, und wenn ein Grieche sagt, er wolle einen Deutschkurs in Trier besuchen, klingt das ziemlich merkw\u00fcrdig. In Deutschland klingt die Frage, ob man nicht einen guten Pathologen empfehlen k\u00f6nne, ziemlich bizarr, aber wenn ein Grieche das sagt, meint er damit das, was es im Griechischen bedeutet, n\u00e4mlich einen ganz normalen Allgemeinarzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Montag, den 24. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Heute einen Versuch mit einer Theatervorstellung gemacht, ein durchschlagender Misserfolg, was das Verstehen angeht, obwohl das St\u00fcck, <em>Zoo Story<\/em>, bekannt und die Sprache einfach ist. Eine der beiden Figuren sagt an einer Stelle &#8220;Den katalabainw tipota&#8221;. Dem konnte ich mich nur anschlie\u00dfen. Alternatives Theater in einer alten Lagerhalle in einem Szeneviertel nahe der Schule, \u00fcberwiegend junges Publikum. Einfache B\u00fchne mit Gitterwerk an drei Seiten, gegen das st\u00e4ndig B\u00e4lle geworfen oder F\u00e4uste geschlagen wurden, wenn man nicht gerade daran hochkletterte. Sehr laute, sehr dynamische, etwas \u00fcberkandidelte Inszenierung mit einem \u00fcberraschenden Effekt, als sich pl\u00f6tzlich auch die vierte Seite des Gitters schloss und einerseits die Schauspieler und andererseits die Zuschauer in einen K\u00e4fig sperrte. Nichts f\u00fcr Leute mit Klaustrophobie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Dienstag, den 25. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Griechischer Nationalfeiertag, in Erinnerung an &#8211; wen\u00a0 wundert&#8217;s? &#8211; die Befreiung von der t\u00fcrkischen Herrschaft. Unterricht trotz Feiertag. Praktischerweise f\u00e4llt der staatliche Feiertag mit dem religi\u00f6sen Feiertag der Verk\u00fcndigung zusammen. Zur Milit\u00e4rparade auf die Panepistimiou. Das \u00dcbliche, einschlie\u00dflich Milit\u00e4rmusik und Stechschritt, Fahnen schwenkender Kinder und einiger bedrohlich niedrig fliegender Formationen von D\u00fcsenflugzeugen, aber auch Frauen in Uniform sowie eine Einheit von Gebirgsj\u00e4gern, die mit Skiern bewaffnet waren und eine Einheit der Marine, die mit Sauerstoffflaschen bewaffnet waren. Der Milit\u00e4rdienst, f\u00fcr Jungen obligatorisch, dauert in Griechenland (noch) zwei Jahre.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend in die Stoa tou Bibliou, einer Passage mit Dutzenden von (heute geschlossenen) kleinen Buchhandlungen und einem Caf\u00e9. Dort, bei dem schlechtesten Service aller Zeiten, eine hervorragende Pita, die wie Quiche Lorraine aussah, aber griechisch schmeckte, mit pikantem K\u00e4se. Dazu ein Bier zu dem stolzen Preis von 5 \u20ac! Danach ins \u00c4geion, einem einfachen, traditionsreichen Caf\u00e9 in einem Kellergeschoss in der Universit\u00e4tsstra\u00dfe zu Kaffee und loukoumadeV, Geb\u00e4ckkringel mit Zimt und warmem Honig. Die Stra\u00dfen wie leergefegt, von Feier keine Rede. Der Tag wird eher zu Hause vor dem Fernseher verbracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Mittwoch, den 26. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Das Cello, hat mal jemand gesagt, ist ein unm\u00f6gliches Instrument. Oben quietscht es und unten brummt es. So \u00e4hnlich ist es mit Birnen. Sie sind entweder hart oder faul. Aber wenn man zuf\u00e4llig mal eine erwischt, die nicht mehr hart und noch nicht faul ist, ist es einfach ein Genuss. So muss es auch mit dem Cello sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die Metrostationen und die Wagen der Metro, einschlie\u00dflich der Lautsprecheransage, erinnern an Madrid.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt, wo ich einen Pullover gekauft habe, wird es pl\u00f6tzlich w\u00e4rmer. Sehr g\u00fcnstig f\u00fcr den heutigen Aufstieg auf die Akropolis. Makrygianni h\u00e4lt neben dem Schwert in der rechten Hand jetzt in der linken Hand eine griechische Fahne aus Plastik, \u00dcberbleibsel des gestrigen Nationalfeiertags.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Akropolis in der Geschichte in erster Linie Festung. Felsen f\u00e4llt an drei Seiten steil ab. Nur von Westen her zug\u00e4nglich. Plateau gro\u00df genug f\u00fcr eine Vielzahl von Bauten. Heute, nach gr\u00fcndlicher Restaurierung im Sinne eines &#8220;puren&#8221; Klassikverst\u00e4ndnisses, nur noch nacktes Gestein. Alles, was nicht ins Bild passte, wurde abgerissen (auch mit Hilfe deutscher Arch\u00e4ologen, die mit &#8220;deutscher&#8221; Gr\u00fcndlichkeit vorgingen). Kritisiert als &#8220;k\u00fcnstliches Ruinenfeld&#8221; mit isoliert herumstehenden Gro\u00dfbauten. Auf Abbildungen sieht man, dass Akropolis vor weniger als 200 Jahren noch lebendige Stadt, mit H\u00e4usern und G\u00e4rten und St\u00e4llen und mit Gassen, in denen sich Menschen und Tiere dr\u00e4ngten. Heute unvorstellbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wechselvolle Geschichte:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 schon in mykenischer Zeit besiedelt, auf h\u00f6chstem Punkt K\u00f6nigspalast, verf\u00e4llt nach dorischer Einwanderung (XI)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 danach, in der Zeit der herrschenden Adelssippen (VIII), nicht mehr Machtzentrum, sondern Heiligtum f\u00fcr verschiedene Gottheiten<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 dann Heraushebung der Athene aus Vielzahl der G\u00f6tter durch ersten monumentalen Tempel, zum Teil aus Holz (VI), dann, in der Zeit des Tyrannen Peisistratos und seiner S\u00f6hne, Abriss und Bau eines ganz aus Stein gebauten Tempels, au\u00dferdem Eingangstor und Tempel f\u00fcr Artemis<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zweimal gr\u00fcndlich zerst\u00f6rt, von Persern (als Athener sich mit Sack und Pack nach Salamis zur\u00fcckzogen) und von Herulern. Nach Perserkrieg blieb Ruine absichtlich erhalten. Fragmente der alten Bauten wurden in Festungsmauer eingef\u00fcgt, noch heute von Plaka aus zu sehen! Dann, unter Perikles, Errichtung der klassischen Bauten.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Parthenon in byzantinischer Zeit orthodoxe Kirche, unter den Franken lateinische Kirche, in t\u00fcrkischer Zeit Moschee und sp\u00e4ter Pulvermagazin, Propyl\u00e4en in byzantinischer Zeit Amtssitz des Bischofs, unter Venezianern Palast, in t\u00fcrkischer Zeit Sitz des Festungskommandanten, Erechtheion in t\u00fcrkischer Zeit Harem!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch vor den Propyl\u00e4en, links vom (heutigen) Eingang, Beule-Tor, ein festungsartiges Tor, viel j\u00fcnger als andere Bauten, errichtet vor dem Heruler-Einfall unter Valerian (III), Benannt nach dem franz. Arch\u00e4ologen, der es unter den t\u00fcrkischen Befestigungen entdeckte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Propyl\u00e4en &#8220;nur&#8221; ein Eingangstor, trotz gewaltiger Dimensionen und \u00c4hnlichkeit mit einem Tempel. Stellte alles in den Schatten, was es bis dahin gegeben hatte. Wird, wie Parthenon, den &#8220;Neueren&#8221; zugeschrieben, dagegen Nike-Tempel und Erechtheion eher &#8220;konservative&#8221; Bauten. Unterhalb des linken Seitenfl\u00fcgels Pfeilermonument, auf dem Viergespann stand. Dorische S\u00e4ulen (sechs auf jeder Seite) au\u00dfen, ionische S\u00e4ulen innen, die prachtvolle Kassettendecke trugen. Linker Seitenfl\u00fcgel diente als Pinakothek und als Rastst\u00e4tte f\u00fcr Ankommende. Rechter Seitenfl\u00fcgel wurde mit R\u00fccksicht auf Nike-Tempel kleiner gehalten. Erstaunlich, dass Asymmetrie in Kauf genommen wurde, aber auch erstaunlich, wie wenig Asymmetrie auff\u00e4llt. Propyl\u00e4en dienten u.a. als Vorbild f\u00fcr Brandenburger Tor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nike-Tempel hatte, im Gegensatz zu Parthenon, wirkliche Tempelfunktion. Der G\u00f6ttin Athene geweiht, im Tempel auf Kultbild als Siegesg\u00f6ttin, aber ohne Fl\u00fcgel dargestellt (um sie von der gefl\u00fcgelten Nike abzusetzen). Davor Altar, auf dem Opfer dargebracht wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Parthenon kein eigentlicher Tempel. Kein Opferaltar, Statue der Athene (aus Gold und Elfenbein) hatte eher Repr\u00e4sentationsfunktion. Auch Aufbewahrungsort f\u00fcr die Kasse des Seebundes (aus der die Bauten finanziert wurden). Fast der gesamte Bau aus Marmor vom Penteli. Ber\u00fchmte Kunstgriffe, um monumentalem Bau die Schwere zu nehmen:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 S\u00e4ulen haben mehr Kanneluren als \u00fcblich<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 S\u00e4ulen verj\u00fcngen sich nicht gleichm\u00e4\u00dfig, sondern sind bauchig wie Flasche, mit Schwerpunkt unter Mitte<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 S\u00e4ulen ganz leicht nach innen geneigt<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 alle waagerechten Linien leicht gekr\u00fcmmt (Kurvatur)<\/p>\n<p>Neben architektonischer Leistung reichster Skulpturenschmuck, sowohl an Au\u00dfenwand des Tempels als auch an Au\u00dfenwand der Cella: in den Metopen des (dorischen) Tempels Darstellung des Kampfs der G\u00f6tter gegen die Giganten, der Kentaurenschlacht, der Amazonenschlacht und der G\u00f6tterversammlung, am Fries der (ionischen) Cella Darstellung der Prozession der Panathen\u00e4ischen Feier, in zwei Richtungen losgehend und sich am Eingang vereinigend. In den Giebelfeldern Darstellung der Geburt der Athene und des Wettstreits zwischen Poseidon (Quelle) und Athene (\u00d6lbaum) um das Patronat Athens. Athene soll, weil auch Frauen w\u00e4hlen durften, die Mehrheit von einer Stimme gehabt haben, worauf man das Frauenwahlrecht abschaffte!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Auskunft einer Arch\u00e4ologin wurde der fatale Schuss auf die Akropolis doch nicht von einem Deutschen, sondern von einem Venezianer namens Morosini abgefeuert. Glaube ich gerne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinter dem Parthenon die Reste eines ionischen Rundtempels aus der Zeit Augustus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erechtheion unregelm\u00e4\u00dfiger Bau, eine Art Pantheon, allen \u00fcbrigen in Athen verehrten Gottheiten und Helden geweiht. Hier Kassettendecke noch erhalten. Ber\u00fchmtester Teil die sechs Karyatiden. Erechtheion war u.a. Vorbild f\u00fcr St. Pancras in London.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ausgang ein beeindruckender Blick auf Aeropag, Thiseion und Pnyx, den Ort der Vollversammlung der freien Athener B\u00fcrger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch hier bemerkenswerte Kontinuit\u00e4t: Die byzantinische Kirche hie\u00df Hagia Sophia, die lateinische Kirche war der Jungfrau Maria geweiht, beides Attribute der Athene!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immer wieder sch\u00f6n, hinter der griechischen Umschreibung (santouitV) ausl\u00e4ndische W\u00f6rter zu entdecken, besonders Eigennamen, am sch\u00f6nsten Oskar Ouailnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend nach Psirri, einem Stadtteil, der vorher einen etwas zweifelhaften Ruf hatte und jetzt generalsaniert wurde: Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen, Stra\u00dfencaf\u00e9s usw. Zum ersten Mal bei der Abendd\u00e4mmerung, wenn Athen am sch\u00f6nsten ist, drau\u00dfen gewesen. Auf dem R\u00fcckweg zuf\u00e4llig auf Agia Dinami gesto\u00dfen, von der vorher die Rede gewesen war, die winzige Kirche in der N\u00e4he des Syntagma-Platzes, die unter einem Hochhaus steht, das ihretwegen auf Stelzen gesetzt wurde!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Donnerstag, den 27. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>In Griechenland besteht Wahlpflicht. Wenn man ihr nicht nachkommt, droht eine Geldstrafe und Entzug des Personalausweises.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Hausaufgaben unsere wichtigsten Verblendungen genannt: Wir glauben, dass wir frei sind, wir glauben, die Welt sei so, wie wir sie wahrnehmen, wir glauben, anderen Zeiten \u00fcberlegen zu sein, wir glauben, dass wir selbst denken: &#8220;Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst, denn wenn das Denken Denken Denken w\u00e4re, das w\u00e4r\u2019 das Denken gar nicht mal so schwer&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine junge Franz\u00f6sin antwortet im Unterricht auf die Frage, wo es ihr bisher am besten gefallen habe, erstaunlich abgekl\u00e4rt: \u00dcberall. Sie habe bisher alle ihr Reisen genossen und \u00fcberall Sch\u00f6nes und Neues entdeckt. Bis dahin konnte ich ihr folgen. Dann kam der Zusatz, sie f\u00fchle sich immer da wohl, wo sie gerade sei. Uns weniger Gl\u00fccklichen geht es wie Freddy Quinn: &#8220;F\u00e4hrt ein wei\u00dfes Schiff nach Hongkong, hab&#8217; ich Sehnsucht nach der Ferne, aber dann in weiter Ferne, hab&#8217; ich Sehnsucht nach zu Haus'&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim griechischen Vokabular hat man wenig, auf das man zur\u00fcckgreifen kann, im Gegensatz z.B. zum Spanischlernen: <em>pasaporte<\/em>, aber <em>diabathrio<\/em>, <em>polic\u00eda<\/em>, aber astunomia, <em>interesante<\/em>, aber endiaferon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Freitag, den 28. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>In einer einfachen Grillstube drei M\u00e4nner beobachtet, die typisch griechische Vorspeisen bestellten, Feta und Taramosalata usw. Dazu gab es Coca-Cola. Typisch griechisches Getr\u00e4nk eben. Einer von ihnen hatte die H\u00f6flichkeit, immer aufzustehen, wenn das Handy klingelte. Er verlie\u00df dann das Lokal zum Telephonieren. Immerhin! (An Ausschalten war allerdings wohl nicht zu denken). Dagegen auf der Stra\u00dfe ein junger Mann, der seine Freundin fest umschlungen hatte und gleichzeitig telephonierte (nichts typisch Griechisches!). Beim Verlassen des Lokals hielt ich einem Mann, der Kisten trug, die T\u00fcr auf. Er hielt es nicht f\u00fcr n\u00f6tig, danke zu sagen. Kann mit den Leuten in Gesch\u00e4ften und Kiosken konkurrieren, die kaum ein Nein \u00fcber die Lippen bringen. Unwillk\u00fcrlich erinnert man sich an die merkw\u00fcrdige Entscheidung des IOC, die Olympischen Spiele 1996 an Atlanta zu geben, als Athen die logische Wahl gewesen w\u00e4re. Bei der Begr\u00fcndung hie\u00df es, die Amerikaner seien einfach viel freundlicher gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend zu einem Benefizkonzert f\u00fcr Asylanten ins Amerikanische Kolleg: ein paar bekannte Figuren der griechischen Musikszene (darunter eine Operns\u00e4ngerin, eine Rocks\u00e4ngerin, ein Folks\u00e4nger und ein Schnulzens\u00e4nger), die zum Teil alleine, zum Teil mit einem anderen Orchester, zum Teil mit ihrem eigenen Orchester auftraten, dazu ein paar Sch\u00fcler des Kollegs zur Ausstaffierung. Das Ganze ziemlich bunt zusammengew\u00fcrfelt, laut und schier unendlich. Ein paar sch\u00f6ne St\u00fccke eines dynamischen Orchesters aus Saloniki (mit Akkordeon und Xylophon, mit Fl\u00fcgel und Buzuki!), das traditionelle Musik modern spielte, besonders ein instrumentales St\u00fcck, das zum Schluss immer schneller wurde. Wunderbar. Das Kolleg in einem monumentalen Neo-Renaissancebau im Norden der Stadt untergebracht. Am Ausgang auf\u00a0 den Au\u00dfenminister aufmerksam gemacht worden, Papandreu, den Sohn von Andreas Papandreu. F\u00fcr die ziemlich lange R\u00fcckfahrt im Taxi den Spottpreis von 5 \u20ac bezahlt. Daf\u00fcr schalten sie in Deutschland kaum den Motor an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Motor geh\u00f6rt, wie Musik, zu den W\u00f6rtern, die auf der ersten oder auf der zweiten Silbe betont werden k\u00f6nnen. Betonung auf der zweiten Silbe in beiden F\u00e4llen h\u00f6here Stilebene, aber Betonung auf der ersten Silbe bei Motor viel st\u00e4rker akzeptiert (und bei Komposita die Norm) als bei Musik. Die &#8220;falsche&#8221; Betonung bei Musik k\u00f6nnte sich aber auf das Griechische berufen. Im Kreuzwortr\u00e4tsel auf <em>Bucht<\/em> gesto\u00dfen, das unterschiedlich ausgesprochen werden kann (vgl. <em>Knie<\/em>), je nach grammatischer Funktion: &#8220;Bucht die Fahrt an die Bucht!&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Hymettos musste nach dem Krieg aufgeforstet werden, da er von den Nazis v\u00f6llig abgeholzt worden war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Samstag, den 29. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Numismatisches Museum unweit der Universit\u00e4t im ehemaligen Wohnhaus Schliemanns.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Namensverwirrung: griechisches Pendant zu Heinrich ist Erico, und als Folge davon wird daraus im Englischen Eric Schliemann! Pr\u00e4chtiger Neorenaissance-Bau mit doppelst\u00f6ckiger Galerie zur Stra\u00dfe hin. Innen mit geometrischen Figuren und Motiven aus Pompeji, darunter auch die Swastika &#8211; in beiden Richtungen &#8211; in den sch\u00f6nen Deckenbemalungen und den Fu\u00dfbodenmosaiken. Schliemann, Tr\u00e4umer und Pragmatiker, Autodidakt und Autokrat, charismatisch und halsstarrig, besessen von seiner Idee. Kinder hie\u00dfen Agamemnon und Andromeda, Haus hie\u00df Iliou Melathron.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Urspr\u00fcngliche Transaktionen durch \u00dcberschuss an Materialien. Davon sprachliche Spuren in <em>Rupie<\/em> (von Sanskrit <em>rupa<\/em>) und <em>Kapital<\/em> (von lat. <em>capita<\/em>, Kopf eines Weidetiers) und einem hebr\u00e4ischen Wort. In \u00dcbergangszeit Wertangabe in Anlehnung an G\u00fcter: Bronzewaffe ist neun Ochsen wert (Homer).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00fcnzen meist aus Gold, Silber und Bronze, selten auch Bernstein. Kr\u00f6sus macht als erster Legierungen aus Gold und Silber. Bald nach Einf\u00fchrung von M\u00fcnzen auch F\u00e4lschungen, sowohl von Einzelnen als auch von Staaten. Bald drastische Strafma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00fcnzen wurden in der Antike in der Regel geh\u00e4mmert, nur wenige Beispiele (Italien, Spanien) f\u00fcr gegossene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erste M\u00fcnzen mit ikonographischen Motiven in der Zeit der Tyrannei des Peisistratos (VI): Gorgone, L\u00f6we, Amphore, Stierkopf. Zirkulierten kaum au\u00dfer Athen, Zeichen der innengerichteten Weltsicht der Tyrannei. Athene und Eule erscheinen in der Demokratie, in der Zeit des Kleisthenes. Motiv bleibt bis in christliche Zeit erhalten, wird Standard wie Schildkr\u00f6te in \u00c4gina und Fohlen in Korinth. Sp\u00e4ter auch \u00d6lzweig um Athene: Anerkennung der Hilfe der G\u00f6ttin bei Perserkriegen! In Krise (nach Sizilienexpedition), viel mehr Bronzem\u00fcnzen und Einschmelzen von sieben Statuen des Parthenon!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aussehen einiger antiker Statuen nur bekannt durch Abbildung auf M\u00fcnzen, z.B. Phidias Zeusstatue in Olympia, aber: nicht zuverl\u00e4ssig. M\u00fcnzpr\u00e4ger wehrten sich, vor allem in der klassischen Zeit, dagegen, getreue Wiedergaben zu machen. Sie wollten ihren eigenen Stempel aufdr\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Flora und Fauna abgebildet, aber kann auch emblematisch sein! Pferde in Thessalien nehmen Bezug auf Poseidon, der dort verehrt wurde, Rehe und Bienen in Ephesos auf Artemis. Auch Wortspiele mit dem Namen der Stadt: Apfel (mhla) in Milos, Rose (rodo) in Rhodos, auf Selmos der Sellerie (selino)!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Versuch der Standardisierung durch Athen stie\u00df auf Widerstand, erst Alexander setzte Standardisierung durch. In dessen Zeit auch erstmals Portraits von Staatsm\u00e4nnern auf M\u00fcnzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tempel und Sehensw\u00fcrdigkeiten erst in r\u00f6mischer Zeit, als R\u00f6mer, um ein Gef\u00fchl von Autonomie zu vermitteln, eigene M\u00fcnzpr\u00e4gungen erlaubten. Nostalgischer R\u00fcckblick auf glorreiche Vergangenheit, Beschw\u00f6rung der kulturellen Leistungen &#8211; damals schon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Ausstellung einige sensationeller Schatzfunde, wie dem von Korinth mit \u00fcber 50 Goldm\u00fcnzen, der \u00fcber 25 Jahrhunderte unentdeckt blieb!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heutige gro\u00dfe Kollektionen gehen auf meist in ihrer Grundsubstanz auf bekannte private M\u00fcnzsammler zur\u00fcck, darunter Petrarca, Alfons V. von Arag\u00f3n, der Duc de Berry und Kaiser Maximilian.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend\u00a0 Ausgrabungsfunde in U-Bahn-Stationen angesehen. In Panepistimiou kleine Amphoren und Beh\u00e4lter aus Keramik, bemalt und unbemalt, eine mit kleeblattf\u00f6rmiger T\u00fclle. Auch merkw\u00fcrdige, in der Form an Bomben erinnernde kegelf\u00f6rmige Objekte aus Stein, die der Beschriftung zufolge zur Jagd eingesetzt wurden. Wie ist ein R\u00e4tsel. Auch zwei rechteckige flache Steins\u00e4rge, zu klein f\u00fcr einen K\u00f6rper, zu gro\u00df f\u00fcr eine Urne. Noch in R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Syntagma auch Gef\u00e4\u00dfe, z.T. viel gr\u00f6\u00dfer, aber interessanter eine hohe, lange Wand, ein freigelegter Teil des Bodens, auf dem die verschiedenen Kulturschichten abzulesen sind. Alles etwas unregelm\u00e4\u00dfig, aber grob ist die Entwicklung abzulesen. Unten Flussbett mit Teil der Kanalisation aus Zeit des Peisistratos (versorgte Athen mit Wasser von Hymettos). Dar\u00fcber ein Stra\u00dfenfundament, dann Sockel von Grabmonumenten und ein Grab mit Skelett. Dazwischen \u00fcberall verschiedene Mauerreste. Viertel war urspr\u00fcnglich au\u00dferhalb der Stadtmauern, daher die Gr\u00e4ber, wurde sp\u00e4ter nach Stadterweiterung zu privilegiertem Wohnviertel. Auch Tiergr\u00e4ber gefunden, ein Hund und Hund mit Pferd zusammen. In Hundegrab auch Nieten des Halsbands und zwei gl\u00e4serne Gef\u00e4\u00dfe mit Salben gefunden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange eine moderne Plastik gesucht, die in dem Bahnhof ist, Aiqrio (1999). Die L\u00f6sung: Man muss ein Schild &#8220;Bitte nicht betreten&#8221; ignorieren, um dahin zu kommen. In einem hellen, hohen Schacht h\u00e4ngen, von unten sichtbar, an unsichtbaren Bindf\u00e4den schwarze Leitern und schwarze, aufgespannte Regenschirme, die sich an der gl\u00e4nzenden Au\u00dfenschicht des Schachts gebrochen spiegeln und sich bei Einfahrt der Z\u00fcge bewegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der R\u00fcckfahrt in das Gedr\u00e4nge der sich aufl\u00f6senden Demonstration gekommen, worauf man in der U-Bahn bestens vorbereitet war. Aufseher und Lautsprecherdurchsagen verhindern gef\u00e4hrliches Nachdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man soll die Fahrkarte in der U-Bahn zwar bis zum Schluss aufbewahren, braucht sie aber nicht zum Verlassen der U-Bahn. Bedeutet das, dass man zwischendurch die U-Bahn verlassen und dann mit derselben Karte weiterfahren kann?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Mittagessen in dem kleinen Lokal in der N\u00e4he der Schule, Oi tria adelfia, gewesen, in das wir dieser Tage irrt\u00fcmlich geraten waren. Besser und freundlicher als die anderen. Erstaunlicherweise leisten es sich diese kleinen Familienbetriebe, die mpakalotaberneV, nur mittags zu \u00f6ffnen. Vielleicht ist abends die Nachfrage nicht so gro\u00df. Man geht eher mittags zum Essen, und wenn man abends geht, geht man in ein &#8220;richtiges&#8221; Restaurant. Oder es ist einfach die weise Entscheidung, nur so viel zu arbeiten wie n\u00f6tig?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Faustregel f\u00fcr Preise gilt: Vom Syntagma nach Kolonaki teuer, vom Syntagma in die Plaka mittlere Preislage, um Omonia billig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf Athens Erstem Friedhof liegen viele ber\u00fchmte Griechen begraben, deren Namen in den letzten Tagen auftauchten: Makrygiannis, Averoff, Benakis, Melina Merkuri, Papandreu und Lambrakis, der Politiker, dessen Mord Gegenstand des Romas und sp\u00e4ter des Films <em>Z<\/em> wurde. Au\u00dferdem das Grabmonument eines weiteren &#8220;Griechen&#8221;, Schliemann. Auf dem Friedhof auch die Bronzeskulptur einer Mutter, die ihr Kind an die Brust dr\u00fcckt, in Erinnerung an die \u00dcberlebenden der deutschen Besatzung. Nach der Bestattung wird in Griechenland nicht nur in ein Caf\u00e9 eingeladen, sondern den Trauerg\u00e4sten auch ein kleines Paket koliba mit nach Hause gegeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Artikel in <em>Nea<\/em>: Lord Byron, der Superstar der Romantik, lie\u00df sich immer nur mit dem linken Profil abbilden. Selbstdarstellung ist keine Erfindung von Michael Jackson.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den Fu\u00dfballtabellen f\u00fcr die Europameisterschaftsqualifikationsspiele taucht neben den \u00fcblichen L\u00e4ndernamen eine Abk\u00fcrzung auf FYROM, die man nicht so ohne weiteres entr\u00e4tseln kann. Stellt sich heraus als Kurzwort f\u00fcr \u201eFormer Yugoslavian Republic of Macedonia\u201c, das man wohl gepr\u00e4gt hat, um das Wort Mazedonien zu vermeiden. Warum Mazedonien nicht gleichzeitig die Bezeichnung einer griechischen Region und eines unabh\u00e4ngigen Landes k\u00f6nnen sein soll, bleibt mir r\u00e4tselhaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Sonntag, 30. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Der offizielle englische Namen der griechischen Post ist erstaunlicherweise Hellenic Post &#8211; steht so an Post\u00e4mtern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit einer Tiropitta auf der Hand in die Metrostation und auf dem Weg zum Fahrkartenautomaten die automatische Durchsage geh\u00f6rt: &#8220;Wir machen darauf aufmerksam, dass Essen, Rauchen und Trinken im gesamten Bereich der Metro verboten ist&#8221;. Erst ignoriert, dann kurzes Z\u00f6gern: Sollte das etwa mir gelten? Dann Zweifel, kann nicht sein. Dann Zweifel am Zweifel: Kann kein Zufall sein. Ich hatte die Durchsage vorher noch nie geh\u00f6rt, und sie kam nur auf Englisch. In der Athener Metro sitzt Big Brother.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch einmal hinaus nach Kiffisia, das bei besserem Wetter und mit mehr Volk auf der Stra\u00dfe ganz anders, mediterran, wirkte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erh\u00f6hten Preise wirken sich f\u00fcr die normalen Griechen, f\u00fcr diejenigen, die sich ohnehin keine gro\u00dfen Reisen leisten k\u00f6nnen, vor allem insofern aus, als das Essen im Lokal um die Ecke teurer und f\u00fcr einige unerschwinglich geworden ist, ein wichtiger Einschnitt in der Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Skala der Schulnoten geht von 1-20, mit 20 als Bestnote und 10 dem Minimum f\u00fcrs Bestehen, an der Universit\u00e4t von 1-10, mit 5 als Minimum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das Glas Wasser, das man unaufgefordert zum Kaffee bekommt, eine sch\u00f6ne Einrichtung, ein nettes Detail, eine Kuriosit\u00e4t am Rande, eine griechische Besonderheit, die man sch\u00e4tzt, aber kaum f\u00fcr wesentlich h\u00e4lt, f\u00fcr die Griechen ist das Glas Wasser ein unverzichtbarer Bestandteil des Service, der Lebensweise, eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, auf deren Fehlen im Ausland man nur mit Unverst\u00e4ndnis regieren kann. Beide haben recht. So zeigen sich auch an den Dingen, die wir positiv finden, die Grenzen unserer Verst\u00e4ndigungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei dem Versuch, tiropita zu \u00fcbersetzen, auf <em>Teigtaschen<\/em> gesto\u00dfen, und auch die schw\u00e4bischen Maultaschen werden nach demselben Prinzip gemacht, aber jede \u00dcbersetzung scheitert nat\u00fcrlich an der ganz anderen Stellung der Tiropita im Alltagsleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch wenn es wie die starken Verben das Partizip auf \u2013en bildet, d\u00fcrfte hauen ein schwaches Verb sein, da es den Stammvokal nicht ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Montag, den 31. M\u00e4rz<\/span><\/p>\n<p>Die Handfl\u00e4chen zweimal hintereinander kurz mit schr\u00e4g versetzten H\u00e4nden aneinander reiben, bedeutet &#8220;nichts&#8221;, &#8220;weg&#8221;, &#8220;Schluss&#8221;. Den nach vorne gerichteten Zeigefinger auf dem ebenfalls nach vorne gerichteten Daumen hin- und herreiben, bedeutet &#8220;wenig&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manche griechischen W\u00f6rter kehren als &#8220;Fremdw\u00f6rter&#8221; wieder ins Griechische zur\u00fcck, wie <em>Metropole<\/em>, das urspr\u00fcnglich einfach die Bezeichnung der Athener im Ausland f\u00fcr ihre &#8216;Mutterstadt&#8217; war und dann in erweiterter Bedeutung wiedereingef\u00fchrt wurde, wahrscheinlich aus dem Franz\u00f6sischen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Dienstag, den 1. April<\/span><\/p>\n<p>Heute entt\u00e4uschender Besuch des Byzantinischen Museums, das zwar ge\u00f6ffnet ist, dessen interessante Abteilungen aber alle geschlossen sind. Zu sehen mehrere Fresken (XIV), zum Teil ziemlich schlecht erhalten, die gar nicht &#8220;byzantinisch&#8221; aussahen, vor allem eine Grablegung, im Gegensatz zu den Tafelbildern, darunter das bekannte Bild eines streng blickenden Michael.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dutzende von Kreuzen, eisern, schwarz und ziemlich gro\u00df, daf\u00fcr, dass man sie um den Hals trug. Gedrungener und breiter als bei uns, oft mit nach au\u00dfen sich erweiternden Armen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend Ausgrabungen in der U-Bahn-Station Evangelismos: Teile einer Wasserleitung (VI) mit Rohren aus Ton, die kurioserweise mit einem dekorativen Band bemalt waren, mit Nummern und P\u00fcnktchen bezeichnet, die als Richtschnur f\u00fcr die Verlegung dienten und mit kleinen, verschlie\u00dfbaren Auslassungen, die der Kontrolle dienten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Augenbrauen scharf nach oben ziehen, so dass sich die Augen weit \u00f6ffnen, hei\u00dft offensichtlich &#8220;Nein&#8221;. Das schuf in einer Buchhandlung heute ein Kommunikationsproblem. Dies eine Variante zur Standardversion, bei der man den Mund nach rechts unten zieht, ohne einen Ton zu produzieren, so als wolle man emphatisch &#8220;Oxi&#8221; sagen, ohne es zu sagen. Das ist schon eher zu verstehen, wenn auch alles andere als eindeutig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Mittwoch, den 2. April<\/span><\/p>\n<p>An der U-Bahnstation Akropolis Haushaltsgef\u00e4\u00dfe, Webstuhlgewichte usw. Funde zum gro\u00dfen Teil aus &#8220;M\u00fcllhalden&#8221;: Nicht mehr gebrauchte Gef\u00e4\u00dfe wurden in Brunnen geworfen, nachdem diese ihre Funktion durch Wasserleitung verloren hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch gro\u00dfe, schwarzfigurige Amphoren, die urspr\u00fcnglich mit \u00d6l gef\u00fcllt waren. Aus Resten der Beschriftung als Preis f\u00fcr Gewinner der Panathen\u00e4ischen Spiele erkennbar. Zahl der Pr\u00e4mien zwischen 1 und 140, d.h. so viel, dass f\u00fcr den Privatgebrauch nicht n\u00f6tig &gt; Stiftungen an Weihest\u00e4tten, zum Teil weit entferne Weihest\u00e4tten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angesichts der vielen geschlossenen Museen auf kleinere Museen verlegt. Das Juwelenmuseum ist eigentlich eher ein Juweliersmuseum, n\u00e4mlich das von Ilias Lalaounis, eines ber\u00fchmten griechischen Juweliers, der in den Vierzigerjahren, &#8220;in dieser schweren Zeit f\u00fcr Griechenland&#8221;, Karriere machte, offensichtlich nicht zum Schaden seines Nachruhms. Er ist sp\u00e4ter auch Mitglied der Franz\u00f6sischen Akademie der K\u00fcnste geworden. Das Museum ist nicht zuletzt eine Verkaufsschau. Besuch fast \u00fcberfl\u00fcssig, aber zum ersten Mal \u00fcberhaupt au\u00dferhalb der Schule eine etwas l\u00e4ngere Konversation auf Griechisch gehabt. Opfer war eine Angestellte des Museums.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den chronischen Kleingeldmangel aus der Zeit der Drachmen haben die Griechen auch in den Euro gerettet. \u00dcberall wird man gefragt, ob man es nicht kleiner habe, so auch im Juweliermuseum, wo ein Zehneuroschein f\u00fcr den Eintritt von drei Euro zu gro\u00df war. Als ich dann meine letzten M\u00fcnzen zusammenkratzte, darunter auch Kupfer, um wenigstens einen Euro f\u00fcr die Metro zu behalten, schaute der Mann sogar ganz unverbl\u00fcmt in mein Portemonnaie. Als er auch noch die Finger ausstreckte, um hineinzugreifen, wies ich ihn, aus Mangel an sprachlichen Mitteln, sehr barsch mit &#8220;Oxi, oxi&#8221; zur\u00fcck. Pl\u00f6tzlich wich er zur\u00fcck, wurde freundlich und l\u00e4chelte sogar! Unvorstellbar! Nur so verschafft man sich Respekt. &#8220;When in Rome, do as the Romas do&#8221;. Alles andere wird als Zeichen der Schw\u00e4che verstanden. H\u00f6flichkeit ist etwas f\u00fcr westeurop\u00e4ische Weicheier.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach ins T\u00fcrkische Bad in der Plaka, die um diese Jahreszeit am fr\u00fchen Vormittag noch fast wie ein normales Stadtviertel wirkt und in der man sich, wie ich, pr\u00e4chtig verlaufen kann. An einer Stra\u00dfenecke sprie\u00dfen aus einem Autowrack Blumen, und drum herum steht aller m\u00f6glicher Abfall, zu sch\u00f6n geordnet, um Abfallhalde zu sein, zu &#8220;nat\u00fcrlich&#8221;, um eine Skulptur zu sein. Aber was bedeutet dann das Schild &#8220;Keep Athens clean&#8221; davor?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das T\u00fcrkische Bad ist eins von nur zwei erhaltenen Geb\u00e4uden aus der t\u00fcrkischen Zeit und das einzige von urspr\u00fcnglich drei t\u00fcrkischen B\u00e4dern von Athen. Das Geb\u00e4ude hat zwei Stockwerke und einen komplizierten Grundriss. Es gab bei den T\u00fcrken zwei Typen von B\u00e4dern, solche, bei denen gemeinsame R\u00e4ume f\u00fcr Frauen und M\u00e4nnern zu verschiedenen Zeiten benutzt wurden, und solche, bei denen zur gleichen Zeit in getrennten R\u00e4umen gebadet wurde. Dieses Bad geh\u00f6rte urspr\u00fcnglich zum ersten Typ und wurde dann zum zweiten Typ umgebaut. Das erkl\u00e4rt den komplizierten Grundriss. Eine Art Dreiteilung wie in der R\u00f6merzeit wurde beibehalten, aber das Frigidarium wurde zu einem Empfangs- und Umkleideraum umfunktioniert. Dann ging es \u00fcber warm nach hei\u00df, mit Temperaturen, die \u00fcber 40 Grad gehalten wurden, auch in den angrenzenden kleinen R\u00e4umen. Die Hitze wurde in einem Ofen produziert, der zwei Funktionen hatte, das Wasser zu erw\u00e4rmen und Hei\u00dfluft zu produzieren, die dann unter dem Boden hergeleitet wurde. In den R\u00e4umen B\u00e4nke und Fu\u00dfwaschbecken aus Marmor, in den \u00fcberkuppelten R\u00e4umen kommt das Licht durch kleine Rundungen in der Kuppel, was die R\u00e4ume mystisch erhellt. Die Reinigung hatte von jeher nicht nur hygienische, sondern auch spirituelle Bedeutung und auch rituelle (f\u00fcr Frauen vor der Verlobung und vor und nach der Hochzeit Pflicht). Auf Bildern sieht man hochhackige, stelzenartige Schuhe, die wohl getragen wurden, um den Kontakt mit dem hei\u00dfen Boden zu vermeiden. Man sieht Dienerinnen, auch schwarze, die Badeg\u00e4ste bedienen. Zum Baden geh\u00f6rte auch Massage und Musik, und das Bad war auch wichtiges Kommunikationszentrum, vor allem f\u00fcr die Frauen angesichts der sonst eingeschr\u00e4nkten Bewegungsfreiheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Caf\u00e9 f\u00fcr ein Croissant und einen Kaffee 5 \u20ac bezahlt, ein Preis, dessen Zusammensetzung R\u00e4tsel aufgibt: 3,50 plus 1,50. Wenn der Kaffee 3,50 kostet, ist das Croissant unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig billig und der Kaffee unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig teuer, wenn nicht, warum ist dann der Kaffee so viel billiger als woanders? Zum ersten Mal \u00fcberhaupt ohne Hilfe den Refrain eines Liedes verstanden: &#8220;Das Leben ist kurz&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend in das wunderbare, etwas verstaubte, sehr charmante Museum f\u00fcr Instrumente der Volksmusik, wo man die Instrumente nicht nur sehen, sondern auch h\u00f6ren kann! Das Klarino (Klarinette), bei uns ein klassisches Instrument, kam aus der T\u00fcrkei nach Griechenland (XIX) und machte mit Laute, Geige, Tamburin und Dulzf\u00f6te die klassische Besetzung einer Volksmusikgruppe aus. Beim Klarino wurden die Griffe der herk\u00f6mmlichen Volksmusik auf das neue Instrument \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Bogen, urspr\u00fcnglich aus Zentralasien, kam \u00fcber die Araber nach Byzanz (X). Das Instrument behielt den Namen Leier bei, obwohl es jetzt mit dem Bogen gespielt wurde. Die Leier hat drei Saiten. Sie werden aber nicht mit den Fingerspitzen auf den Steg hinuntergedr\u00fcckt, sondern mit den Fingern\u00e4geln gedr\u00fcckt. \u00dcberraschenderweise hat die Leier einen keltischen Klang. Die Schalmei klingt dagegen arabisch oder t\u00fcrkisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Untergeschoss alle m\u00f6glichen Idiophone, Glocken, Schellen, Rasseln, H\u00f6rner, Holzl\u00f6ffel, Wallnussschalenh\u00e4lften und kleine Gl\u00e4ser, die aneinandergeschlagen werden (eins auf dem Daumen, eins auf dem Mittelfinger), M\u00fcnzenkr\u00e4nze, die auf Karnevalskost\u00fcmen auf der Brust getragen werden usw. Glocken, auch am Hals von Weidevieh, hatten zuerst Funktion, b\u00f6se Geister zu vertreiben, dann praktische Funktionen (Tiere lokalisieren), aber auch \u00e4sthetische Funktion (wurden auf Instrumente der Hirten abgestimmt).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ausgang Daoli (Trommel), auf dem Festland klassisches Rhythmusinstrument der \u00e4lteren Volksmusik (\u00fcber Schulter getragen, mit zwei unterschiedlich starken St\u00f6cken geschlagen), das Gegenst\u00fcck zur Toumbeleki der Inseln (zwischen F\u00fcssen oder unter dem Arm eingeklemmt, mit den H\u00e4nden geschlagen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der N\u00e4he des Theaters vor Beginn des St\u00fccks einen Kaffee getrunken. Suche nach einem ruhigen Caf\u00e9 vergeblich. R\u00e4tselhaft, wie sich junge und \u00e4ltere Leute hier unterhalten, v\u00f6llig unbeeindruckt von der lauten Popmusik, die au\u00dferhalb des Caf\u00e9s wahrscheinlich keiner von ihnen h\u00f6ren w\u00fcrde. In der Friedhofsruhe deutscher Caf\u00e9s sehnt man sich nach s\u00fcdl\u00e4ndischem Leben, in s\u00fcdl\u00e4ndischen Caf\u00e9s sehnt man sich nach der Friedhofsruhe deutscher Caf\u00e9s.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der &#8220;Jungen B\u00fchne&#8221; des Nationaltheaters eine packende Auff\u00fchrung von Pirandellos <em>Sechs Personen<\/em> gesehen, eine Auff\u00fchrung mit immer neuen, verbl\u00fcffenden Licht- und Toneffekten, mit viel Bewegung und leisen und lauten T\u00f6nen. Pl\u00f6tzlich konnte es dunkel und ebenso pl\u00f6tzlich wieder hell werden, so grell, dass man geblendet wurde. Sch\u00fcsse knallen pl\u00f6tzlich in die Stille, Figuren verschwinden wie bei einem Zaubertrick, Handys klingeln, Statuen werden zu Figuren und Figuren werden zu Personen. Konnte man genie\u00dfen, auch ohne etwas zu verstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immer wieder die Frage, warum ich Griechisch lerne. Wenn man Englisch lernt, wird man das nie gefragt. Noch keine funktionierende Antwort gefunden: \u201cAus Interesse an Sprachen\u201d, \u201cWeil die Buchstaben so sch\u00f6n aussehen\u201d \u201cGriechenland ist die Wiege der europ\u00e4ischen Zivilisation\u201d \u201cNur so\u201d und \u201cAus Masochismus\u201d alle nicht sonderlich erfolgreich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Donnerstag, den 3. April<\/span><\/p>\n<p>Die Diskussion um die Tilgung der Religion aus dem Reisepass ist kein Streit, wie ich dachte,\u00a0 zwischen EU und Griechenland, sondern ein innergriechischer\u00a0 Streit. Es war ein Beschluss einer von der Regierung eingesetzten Kommission, der als Verwaltungsakt rechtskr\u00e4ftig wurde und dann auf Widerstand stie\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eleftherios Venizelos ist so bekannt, dass viele meinen, der Eleftherias Park sei nach ihm benannt, zumal in dem Park eine Statue von ihn steht. Ist er aber nicht. Der Name hei\u00dft ganz w\u00f6rtlich &#8220;Freiheitspark&#8221; und erinnert an die w\u00e4hrend der Diktatur von der Milit\u00e4rpolizei gefolterten Abweichler. Deren Zellen waren da angesiedelt, wo heute der Park ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Venizelos, in Kreta noch unter t\u00fcrkischer Herrschaft geboren,\u00a0 schafft als Premierminister stabile Grenzen zwischen Griechenland und T\u00fcrkei, veranlasst Bev\u00f6lkerungsaustausch, erreicht durch Kriegseintritt an Seite der Entente Gebietsvergr\u00f6\u00dferung (Thrakien, Dodekanes), leitet Reformen in Bildung und Landwirtschaft ein und errichtet Luftflotte. Charismatischer Politiker, auch von Gegnern anerkannt, nimmt aber zweimal Spaltung der Nation in Kauf, einmal (1915) durch Konflikt mit K\u00f6nig (K\u00f6nig geht ins Exil \u00a0&gt; dann Plebiszit &gt; R\u00fcckkehr des K\u00f6nigs &gt; Venizelos geht ins Exil, stiftet Revolte an &gt; K\u00f6nig geht ins Exil!), einmal (1935) durch Gr\u00fcndung\u00a0 einer provisorischer Regierung im Ausland und Staatsstreich. Geht am Ende des Lebens wieder selbst in Exil und stirbt dort. In seinem Museum ist u.a. das Unterhemd ausgestellt, das er bei einem Attentat auf ihn in Lyon trug (1920) und das zwei L\u00f6cher von Kugeln aufweist, und das Auto, in dem er bei einem weiteren Attentat sa\u00df (1933) und an dem auch die Einschl\u00e4ge der Kugeln zu sehen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute am sp\u00e4ten Nachmittag ziellos in der Gegend um die Akropolis herumgelaufen und dabei auf Agios Asomaton gesto\u00dfen, eine kleine Kirche, die ein gutes St\u00fcck unter dem heutigen Bodenniveau liegt und deshalb niedriger wirkt als sie ist. Zentraler, nach Westen ein wenig verl\u00e4ngerter Bau mit drei kurzen Apsen im Osten und kleiner, sechseckiger Kuppel. Innen str\u00f6mt Licht nur durch kleine runde Auslassungen in Kuppel und Querschiffw\u00e4nden, was Ikonen, Fresken (auf leuchtendem Goldhintergrund in den Apsen) und die allseits herabh\u00e4ngenden Leuchter besonders in Szene setzt, obwohl die Feierlichkeit etwas dadurch beeintr\u00e4chtigt wurde, dass ein B\u00fcgeleisen auf dem kleinen Tisch vor dem Ikonostat stand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann direkt an der Stoa vorbeigekommen und dann auf einem Fu\u00dfpfad, der wohl das Ende des ehemaligen Heiligen Weges gewesen sein muss, von unten an den Areopag gekommen, eine der sch\u00f6nsten Stellen des Zentrums, mit steil aufragenden Felsen und hohen B\u00e4umen. Auf den Aeropag geklettert. Dort guter \u00dcberblick und sch\u00f6ner Blick auf das Thiseion, das von Ferne her die Akropolis glatt ausstechen kann &#8211; aber so etwas kann wohl nur ein Barbar empfinden. Dann rechtzeitig wieder heruntergeklettert, um die Paare nicht zu st\u00f6ren, die hier den Sonnenuntergang erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute festgestellt, dass die Metrostation Panepistimiou einen zweiten Eingang hat, der viel g\u00fcnstiger f\u00fcr mich ist. Vier Wochen lang auf dem Hin- und R\u00fcckweg daran vorbeigelaufen und den entfernteren Eingang benutzt. Deutsche Organisation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne Sitte ist es, angesichts fehlender Speisekarten dem Koch in den Topf schauen zu k\u00f6nnen. Erleichtert die Auswahl und gibt heimisches Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Freitag, den 4. April<\/span><\/p>\n<p>Zwischen Akademias und Panepistimiou B\u00e4ume mit violetten Knospen, aus denen Ans\u00e4tze von Bl\u00e4ttern sprie\u00dfen. Ungew\u00f6hnlich &#8211; man glaubt zuerst, das Violette seien Bl\u00fcten &#8211; und ungew\u00f6hnlich sch\u00f6n, Sch\u00f6nheit noch akzentuiert durch die darunter stehenden Motorr\u00e4der.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Morgen ins Stadtmuseum, wo ich der einzige Besucher war, daf\u00fcr fast ein Dutzend Aufseher in den verschiedenen Abteilungen. Au\u00dfer M\u00f6beln des 19. Jh. und einem handgeschriebenen Exemplar der Verfassung von 1842 vor allem Gem\u00e4lde, darunter zweimal Byron, einmal ein bekanntes Portrait eines unbekannten Malers, einmal ein unbekanntes Bild mit Byron, griechisch gewandet, an einem Baum sitzend und den Blick in die Ferne auf die Akropolis gerichtet. Daneben haupts\u00e4chlich Stadtansichten (XIX): zwei Stadtmauern, mit fast allen H\u00e4usern innerhalb des ersten Rings und dem Hadrianstor noch au\u00dferhalb des zweiten Rings! H\u00e4user dichtgedr\u00e4ngt, mit vier schlanken Minaretten, die herausragen. Akropolis mit Frankenturm und einer verl\u00e4ngerten und erh\u00f6hten Festungsmauer, hinter der die klassischen Geb\u00e4ude fast verschwinden. Hirten am Lysistratos-Denkmal und Kamele am Hadrianstor. Oft mit volkst\u00fcmlichen Figuren ausstaffiert und nicht immer w\u00f6rtlich zu nehmen, aber bebaute Akropolis wiederholt sich zu oft, um Zufall zu sein. Unter den Gem\u00e4lden auch ein Turner, der sich durch die hellen, leuchtenden Farben abhebt. In einem Stadtmodell von 1842 sieht man noch die Moschee in der (ansonsten &#8220;ges\u00e4uberten&#8221;) Akropolis und den beginnenden Ausbau der Neustadt, vor allem zwei zirkelf\u00f6rmig von Omonia ausgehende Trassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Abendessen in einer nahegelegenen Taverne, bei der mal wieder die gemischten Vorspeisen das Beste waren, in ein Rembettiko-Lokal, untergebracht in den etwas schummrigen R\u00e4umen eines ehemaligen Wohnhauses. Gruppe auf einem winzigen Podium eingezw\u00e4ngt, tat Qualit\u00e4t aber keinen Abbruch. Sch\u00f6ne Musik, f\u00fcr das unge\u00fcbte Ohr vielleicht nicht sehr abwechslungsreich, immer etwas melancholisch, auch bei schnellen Rhythmen, eine Art griechischen Blues. Musiker sitzen alle w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung. Rembettiko wurde von den Fl\u00fcchtlingen aus Kleinasien mitgebracht, ist in seinem Ursprung auch mit Halbweltmilieu assoziiert. Erreichte in den Vierzigerjahren H\u00f6hepunkt ihrer Popularit\u00e4t, erlebt seit den Achtzigerjahren Renaissance.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Samstag, den 5. April<\/span><\/p>\n<p>Abfahrt in str\u00f6mendem Regen, wie es ihn in den ganzen vier Wochen nicht gegeben hat. Erleichtert die Abreise.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>____________________________________________________________________________________________<\/p>\n<p>Die Restauration des Parthenon dauert jetzt schon l\u00e4nger als sein Bau.<\/p>\n<p>Bei den Olympischen Spielen gab es f\u00fcr den ersten Platz Silber, f\u00fcr den Zweiten Bronze und f\u00fcr den dritten nichts.<\/p>\n<p>Spiro Louis gewann den Marathonlauf, obwohl er noch nie Sport getrieben hatte.<\/p>\n<p>Propyl\u00e4en waren in t\u00fcrkischer Zeit Sitz des Festungskommandanten, Erechtheion sein Harem.<\/p>\n<p>In der Metro \u00fcberwacht Big Brother die Fahrg\u00e4ste.<\/p>\n<p>Im Kino gibt es mitten im Film eine Pause.<\/p>\n<p>In antiken Theater zahlten die Zuschauer nicht, sondern bekamen sogar noch einen Obulus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, den 8. M\u00e4rz Kurzer Flug von Luxemburg nach Z\u00fcrich in winzigem, halbleerem Flugzeug. 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