{"id":1444,"date":"2011-12-28T08:45:02","date_gmt":"2011-12-28T08:45:02","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1444"},"modified":"2011-12-28T08:49:37","modified_gmt":"2011-12-28T08:49:37","slug":"burgund-2004","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1444","title":{"rendered":"Burgund (2002)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">18. Mai (Samstag)<\/span><\/p>\n<p>Bei immer schlechter werdendem Wetter \u00fcber Metz und Nancy und vorbei an Domremy (Frage: Was war eigentlich genau die Anklage gegen Jeanne d\u2019Arc?) nach Dijon, etwas weiter als gedacht (380 km).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sch\u00e4biges, fast unauffindbares Hotel in Bahnhofsn\u00e4he, aber Zentrum zu Fu\u00df zu erreichen. \u00dcber gro\u00dfen, verkehrsreichen <em>Place Darcy<\/em> und\u00a0 kleinen, verkehrsberuhigten <em>Place Rude<\/em> (benannt nach einem in den n\u00e4chsten Tagen immer wieder auftauchenden K\u00fcnstler der Romantik, der die kleine Statue des unbekleideten, den Trester tretenden Winzerjungen f\u00fcr den Brunnen in der Platzmitte geschaffen hat) in die <em>Rue des Forges<\/em>, die mittelalterliche, unregelm\u00e4\u00dfig verlaufende Hauptstra\u00dfe, die zur Kirche <em>Notre Dame<\/em>, der Pfarrkirche der B\u00fcrger, f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Interessante, au\u00dfergew\u00f6hnliche Fassade mit zwei ganz horizontalen Stockwerken \u00fcber dem Eingang und gro\u00dfen (falschen) Wasserspeiern (XIX), die abwechselnd Tiere und Menschen als Repr\u00e4sentanten menschlicher Untugenden darstellen. Portalskulpturen in der Revolution zerst\u00f6rt. An der Au\u00dfenseite des n\u00f6rdlichen Seitenschiffs die Darstellung einer Eule, eines Steinmetzzeichens, das zum heimlichen Symbol von Dijon geworden ist und das einen Wunsch in Erf\u00fcllung gehen l\u00e4sst, wenn man es, mit der linken Hand (!), ber\u00fchrt. Die Eingeborenen tun das im Vorbeigehen so unwillk\u00fcrlich, dass die Stelle ganz blank gewetzt ist.<\/p>\n<p>Bei Strebepfeilern, in die die Strebeb\u00f6gen auslaufen, ist unten etwa ein halber Meter ausgespart, um Platz zu gewinnen. Pfeiler dr\u00fccken von oben auf B\u00f6gen, um zu verhindern, dass sie nach oben platzen.<\/p>\n<p>Am S\u00fcdturm Glocke mit popul\u00e4rer pfeifenrauchender Skulptur des <em>Jacquemart<\/em>, von Philipp dem K\u00fchnen aus Flandern \u201emitgebracht\u201c und dann durch \u201eKinder\u201c erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Im Innern eine Wandmalerei, von einem Japaner restauriert, mit der Darstellung der Kreuzigung, bei der der Christus fehlt \u2013 man nimmt an, dass dort ein Kruzifix angebracht war. \u00dcber dem der beiden Verbrecher (bei Matth\u00e4us und Markus: Rebellen, auf spanisch: Diebe!), der nicht bereut, schwebt eine kleine Teufelin! Frauen-Power.<\/p>\n<p>Im s\u00fcdlichen Seitenschiff Schwarze Madonna, die Dijon auf wundersame Weise vor zwei Invasionen bewahrt hat: Schweizer (XVI)und, nat\u00fcrlich, Deutsche (XX). Dunkelt trotz verschiedener Restaurierungen immer wieder nach. Sehr strenges, l\u00e4ngliches Gesicht mit langer Nase, alles andere als sch\u00f6n. Kind verschwunden, H\u00e4nde abgeschlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verkehrverein in altem Wohnhaus in der Innenstadt (XV) untergebracht, dem <em>Hotel Chambellan<\/em> (in mehren Prospekten und auf Schildern falsch mit \u201aHotel\u2019 \u00fcbersetzt), Haus mit sch\u00f6nem, engem, unregelm\u00e4\u00dfigem Innenhof mit h\u00f6lzerner Galerie und rundem, in die Ecke eingezwungenen Turm, in den eine Wendeltreppe f\u00fchrt. Die l\u00e4uft in der Mitte in die Figur eines Winzers aus, aus dessen Korb die Rippen des Gew\u00f6lbes zu flie\u00dfen scheinen. An einer Fenstereinfassung drei Schnecken, h\u00e4ufig verwendetes Dekorationsmotiv. Heute gibt es infolge der Pestizide keine Schnecken in Burgund mehr \u2013 sie m\u00fcssen aus Osteuropa eingef\u00fchrt werden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seitdem Offenheit als Lernziel propagiert wird, sind Studenten nicht mehr offen, halten sich aber daf\u00fcr. Beispiel: Senioren unter den Studenten, die von den meisten geschnitten, jedenfalls nicht aktiv integriert werden. Die Studenten, die sich am meisten um sie k\u00fcmmern, sind wahrscheinlich gerade die, die wenig Aufhebens darum machen, eher aus ganz traditionellen Vorstellungen von Freundlichkeit auf sie zugehen und sich gar nicht f\u00fcr besonders offen halten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">19. Mai (Pfingstsonntag)<\/span><\/p>\n<p>Anstelle der abgerissenen Burg monumentales Post- und Telegrafenamt (XIX), an dem kein Briefkasten zu finden war! Burg hatte an Bedeutung verloren, nachdem Ludwig XIV. die Grafschaft Burgund erobert hatte und Dijon keine Grenzstadt mehr war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rue du Bourg verbindet ehemaligen Burgbezirk mit Wohnviertel und war Stra\u00dfe der Metzger, die ihre Abf\u00e4lle immer lustig in den (inzwischen unterirdischen) Fluss warfen, was allerlei Streit zwischen der m\u00e4chtige Metzgergilde und der um Hygiene bem\u00fchten Stadtverwaltung verursachte. In der n\u00e4chsten Stra\u00dfe mehrere sch\u00f6ne B\u00fcrgerh\u00e4user, die den (nicht im modernen Sinne) \u201eParlamentariern\u201c geh\u00f6rten, den Angeh\u00f6rigen des Gerichtshofs von Burgund, der lange in Dijon seinen Sitz hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch hier, auf dem Platz vor dem Palais, ein <em>Caf\u00e9 Gourmand<\/em>. M\u00fcssten die Franzosen das nicht besser wissen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Herzogspalast ist identisch mit Palast der St\u00e4nde (Palais des Etats), heute teils Museum, teils Rathaus. Palast von Mansart umgebaut und mit klassizistischer Fassade und Vorplatz in Form eines von Pavillons mit gleicher Geschossh\u00f6he und gleichem Stein gebildeten Halbkreises versehen. In der Mitte des Platzes, <em>Place de la Lib\u00e9ration<\/em> (Wovon? Wof\u00fcr?), urspr\u00fcnglich Statue Ludwig XIV.<\/p>\n<p>Zugang zum Palast \u00fcber eine pr\u00e4chtige barocke, durch Absatz in zwei Teile geteilte Treppe, von Gilbert angelegt, mit schwarz-goldenen Gittern wie in Nancy, die Antwort der St\u00e4nde auf den Umbau des anderen Teils des Palasts durch den K\u00f6nig. Treppe, quer zum Eingang befindlich, wurde, genau wie in Br\u00fchl, sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgt, wohl um trockenen Fu\u00dfes in den Palast zu kommen, aber auch, um zunehmenden Verkehr auf der Stra\u00dfe vor dem Palast (<em>Rue de la Libert\u00e9<\/em>) nicht zu behindern.<\/p>\n<p>Bei Palastf\u00fchrung Schwierigkeiten durch Verwechslung von <em>paint<\/em> mit <em>pain<\/em> und von <em>cloche<\/em> mit <em>clochard<\/em> bei der Beschreibung eines Gem\u00e4ldes im Saal der burgundischen St\u00e4nde. Wo ist denn da ein Clochard?<\/p>\n<p>In einem der R\u00e4ume des Palasts das Bild eines aus Dijon stammenden Mitautors der Amerikanischen Verfassung, nach dem alle amerikanischen Touristen fragen.<\/p>\n<p>\u00c4lterer Teil des Palasts im Flamboyantstil (d.h. mit flammen\u00e4hnlichen Linien \u00fcber Fenster\u00f6ffnungen). Am hinteren Eingang Schild, das Herz\u00f6ge nennt, die hier geboren wurden:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Johann ohne Furcht\/Jean sans Peur (1371)<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Philipp der Gute\/Philippe le Bon (1396): erkennt Heinrich V. als K\u00f6nig von Frankreich an, schlie\u00dft dann aber Frieden mit Karl VII. und bekommt Namur, Brabant, Limburg, Luxemburg, Holland usw.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Karl der K\u00fchne\/Charles le T\u00e9meraire, Sohn Philipps (1433): erstrebt einheitliches zentrales K\u00f6nigreich Burgund unter Einschluss Lothringens, stirbt in Schlacht von Nancy; verheiratet Tochter Maria mit Maximilian &gt; Burgund wird franz\u00f6sisch, Rest geht an Habsburg!<\/p>\n<p>Im Palast Hochzeitsurkunde von Gustave Eiffel, der hier geheiratet hat. Seine Mutter stammt wirklich aus der Eifel. Ihr deutscher Name wurde dann durch den Namen ihrer Heimatregion ersetzt und orthographisch und phonologisch angeglichen.<\/p>\n<p>Mittelalterliche K\u00fcche des Palasts mit sechs verschiedenen \u00d6fen, an denen jeweils ein ganzer Ochse gebraten werden konnte, zwecks Versorgung der bis zu 200 G\u00e4ste. \u00d6fen um einen zentralen Raum mit Abzugsluke gruppiert und jeder mit eigener Abzugsluke versehen. Isabel von Portugal, die Gattin Philipps des Guten, f\u00fchrte das Wort <em>Menu<\/em>, abgeleitet vom portugiesischen Wort f\u00fcr \u201aDetail\u2019 (d.h. detaillierte Auff\u00fchrung der Speisenfolge) ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dijon gallisch-r\u00f6mischen Ursprungs, im Mittelalter stark von Ordensbewegungen (Benediktiner und Zisterzienser) gepr\u00e4gt. Dann als Herzogtum Vorl\u00e4ufer eines modernen Europa mit Belgien, Niederlande, Lothringen usw. Dijon in dieser Zeit Hauptstadt, aber nicht Residenzstadt (Br\u00fcssel). Nach Aufstand der B\u00fcrger von Beaune Parlament nach Dijon verlegt. Im 19. Jahrhundert nach Pariser Vorbild neugestaltet, z.B. durch <em>Place Darcy<\/em> mit <em>Hotel de Cloche<\/em>. Darcy wirkte zusammen mit Eiffel darauf hin, dass Dijon an Eisenbahnlinie Paris-Lyon angeschlossen wurde. Heute mit Reisezeit von 1.40 mit dem TGV fast Vorort von Paris. Universit\u00e4t mit 30.000 Studenten und fast allen Fachrichtungen. Heute wichtige Industriestadt, vor allem lebensmittelverarbeitende Industrie, keine Schwerindustrie. Kein Weinanbau, Dijon Hauptstadt von Burgund, aber nicht des Burgunders (<em>capital<\/em> <em>de la Bourgogne, pas du Bourgogne<\/em>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dijon hat drei Spezialit\u00e4ten: Gew\u00fcrzbrot (<em>Pain d\u2019\u00e9pice<\/em>, vielleicht so etwas wie Lebkuchen), Johannesbeerschnaps (<em>Cassis<\/em>) und Senf. Der Johannisbeerschnaps ist die Grundlage f\u00fcr Kir, dessen verschiedene Varianten, z. B. Kir Royale, sich aus dem Getr\u00e4nk ergibt, mit dem es, etwa im Verh\u00e4ltnis 1:2, gemischt wird, z.B. Sekt. Die urspr\u00fcngliche Variante ist die mit Wei\u00dfwein. Den Herrn Kir, Erfinder des Getr\u00e4nks, gab es tats\u00e4chlich, und er stammte aus Dijon! Es war der Kanonikus F\u00e9lix Kir, ein popul\u00e4rer B\u00fcrgermeister Dijons. Auch Senf gibt es vielen Varianten, z. B. mit Wei\u00dfwein, auch mit dem Namen Dijon, aber der echte ist der mit Essig. Senfk\u00f6rner gibt es in Frankreich nicht, sie werden aus Kanada importiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Eingang des <em>Place Darcy<\/em> Skulptur eines Eisb\u00e4ren von Pompon, einem Sch\u00fcler Henry Moores (?), der sich auf in Bewegung befindliche Tiere spezialisiert hat. Sehr einfache, glatte Formen.<\/p>\n<p>Viele Fachwerkh\u00e4user, renoviert, aber nicht auf sch\u00f6n gemacht, mit Balken in der Form des Andreaskreuzes, angeblich ein Verweis auf Patron der Region und des Ordens des Goldenen Vlies.<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfe Stephen Li\u00e9geard ist benannt nach einem Freund Daudets, der nach seiner \u00dcbersiedlung in den S\u00fcden der C\u00f4te d\u2019Azur ihren Namen gab, in Anlehnung an die C\u00f4te d\u2019Or seiner Heimat. Nur: Was hat die \u00fcberhaupt mit K\u00fcste zu tun? Seine Initialen auch in einer Kartusche \u00fcber dem Eingang eines Hauses mit sp\u00e4tgotischer Fassade in der <em>Rue des<\/em> <em>Forges<\/em>. Daneben ein Haus im Stil der franz\u00f6sischen Renaissance, nach italienischem Modell, aber mit franz\u00f6sischem Dekor: alle m\u00f6glichen antiken Motive, aber auch Grotesken und typisch burgundische Weinranken.<\/p>\n<p>An der Apsis von <em>Notre Dame<\/em> ein renoviertes mittelalterliches Fachwerkhaus (in dem Szenen von <em>Cyrano de Bergerac<\/em> gedreht wurden) mit einer Katze und einer Eule auf dem Dach und verschiedenen Reliefs im Holzfries, darunter Kopf mit herausgestreckter Zunge, ein Verweis auf den angeblich typischen Charakter der Burgunder als L\u00e4sterm\u00e4uler. Gleich daneben ein Adelspalast, das <em>Hotel Vog\u00fc\u00e9<\/em>, mit den typisch burgundischen glasierten farbigen Dachziegeln, die geometrische Muster bilden. Architektur, die drei Epochen (XIII, XV, XVII) und drei St\u00e4nde (Klerus, B\u00fcrger, Adel) vertritt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Theater, auf der Achse des Palasts, steht an der Stelle der abgerissenen <em>Sainte<\/em> <em>Chapelle<\/em>. Diese war urspr\u00fcnglich der Sitz des Ordens des Goldenen Vlies.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Prospekt hei\u00dft es \u201eunter der Herrschaft des Hl. Ludwig errichtet\u201c. Da w\u00fcrden wir sagen \u201eunter der Herrschaft Ludwig des Heiligen errichtet\u201c. Frage: Ist der identisch mit Ludwig dem Frommen?<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">20. Mai (Pfingstmontag)<\/span><\/p>\n<p>Richtung S\u00fcden nach Beaune, an Weinfeldern der C\u00f4te de Nuits und der C\u00f4te de Beaune vorbei, die zusammen die C\u00f4te d\u2019Or bilden. Verwirrung aufgrund der vielen Bezeichnungen: <em>clos<\/em>, <em>climat<\/em>, <em>domain<\/em>, <em>chateaux<\/em>. Angebaut wird hier vor allem die Rebsorte Pinot Noir (Rotwein), dagegen im Norden, in Chablis, die Rebsorte Chardonnay (Wei\u00dfwein). Weiter im S\u00fcden Beaujolais, das weingeographisch noch zu Burgund geh\u00f6rt und eher den typischen Karaffenwein produziert. Fast alle franz\u00f6sischen Spitzenweine (<em>Grand Crus<\/em>) werden an der C\u00f4te d\u2019Or produziert. Auf dem Etikett steht nur der Name des <em>climats<\/em>, gefolgt von <em>Grand Cru<\/em>, z.B. <em>Chambertin Grand Cru<\/em> (ein Lieblingswein Napoleons). Die zweite Klasse bilden die <em>Premier Crus<\/em>, was auf den Etiketten zwischen dem Namen des Ortes und dem des <em>climats<\/em> steht, z.B. <em>Gevrey-Chambertin Premier Cru Clos Saint-Jacques. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gerade noch rechtzeitig vor gro\u00dfem Besucherandrang im Hospiz angekommen. Ber\u00fchmtes farbiges Dach von au\u00dfen nicht zu sehen. Statt dessen graues Schieferdach, das keine Begehrlichkeiten weckt. Unter diesem Dach wichtigster Raum des Hospiz, langgestreckter Raum mit l\u00e4ngs ausgerichteten Nischen zu beiden Seiten, in denen die mit leuchtend roten Bez\u00fcgen und Vorh\u00e4ngen versehenen Betten stehen. Davor das Zinngeschirr ausgestellt, das jedem zugeteilt wurde. Auf dem Boden die Initialen des Stifters und seiner Frau, verbunden durch das Wort <em>seule<\/em>, mit dem er sagen wollte, dass seine Gedanken (angeblich) nur bei ihr seien. Alle blicken in Richtung der durch eine h\u00f6lzerne Schranke abgetrennten Kapelle. Das Polyptychon von Roger von der Weiden, naheliegenderweise ein J\u00fcngstes Gericht, das urspr\u00fcnglich hier stand, ist jetzt in einem besonderen, lichtgesch\u00fctzten Raum unterbebracht. Als Besonderheit gibt es eine gro\u00dfe Lupe, die alle paar Minuten ihre Position wechselt und Details erkennen l\u00e4sst, die einem sonst entgehen, z. B. die Struktur des Gewandes Jesu und seine langen, hochgestellten Zehen mit schmutzigen Zehenn\u00e4geln. In den anderen S\u00e4len Versorgung f\u00fcr Kranke, f\u00fcr die u.a. ein gro\u00dfer pers\u00f6nlicher Napf f\u00fcr den Aderlass bereit gestellt wurde.<\/p>\n<p>Der Stifter ist Nicolas Rolin, der Kanzler des Herzogs, der das Hospiz als Reue in Auftrag gab, mit dem Ziel, die Armen so gut zu versorgen, wie sie es verdienen. Sein Entschluss soll durch die schlechte, kriegsbedingte Lage entstanden sein. Dass er haupts\u00e4chlich allen zeigen wollte, was ein toller Kerl er war, ist nicht \u00fcberliefert. Schlie\u00dflich konnten in diesem Saal gerade mal gut 30 Menschen versorgt werden, und daf\u00fcr nahm er alle m\u00f6gliche Hilfe in Anspruch, z. B. die des Herzogs, seine W\u00e4lder abholzen zu d\u00fcrfen. Heute findet hier jedes Jahr im November eine weltbekannte, \u00fcberdimensionale Versteigerung von Wein statt. Das Hospiz steht seit 1443 unversehrt da.<\/p>\n<p>Die Kr\u00f6nung des Hospiz ist das tiefe, mit bunten Ziegeln bedeckte Dach auf der Innenseite, das den Fl\u00fcgel bedeckt, in dem K\u00fcche und Apotheke untergebracht sind. Neben den bunten Ziegeln hat es noch schm\u00fcckende Einfassungen in Blei, eine Unzahl von Wetterfahnen und h\u00f6lzerne Mansarden mit ihren eigenen Figuren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Beaune au\u00dferdem die Stadtmauern und die Basilika gesehen, mit einer riesigen, sich \u00fcber zwei komplette Joche erstreckenden Vorhalle, \u00fcber deren Funktion wir nichts wissen. Au\u00dferdem das (etwas entt\u00e4uschende) Weinmuseum, in dem man die Entwicklung der Form der Weinflasche, im Prinzip von bauchig bis schlank, sehen konnte, sowie antike Statuen, die bereits das Motiv Wein enthalten. Die gr\u00f6\u00dfte Kuriosit\u00e4t, die Tradition, die Weinf\u00e4sser mit schmalen h\u00f6lzernen Ringen zu beschlagen, blieb uns verschlossen, weil wir die Erkl\u00e4rung nicht verstanden (in der u.a. <em>foret<\/em> in der Bedeutung von \u201aBohrer\u2019 auftauchte).<\/p>\n<p>In diesem Haus residierten die Herz\u00f6ge, wenn sie mal nach Beaune kamen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg in der Mittagshitze Halt in Vougeot, der Heimat der ber\u00fchmten <em>Chevaliers<\/em> <em>du Tastevin<\/em>, einer Bruderschaft von Winzern, Kennern, Wirten und H\u00e4ndlern, die hier allj\u00e4hrlich die burgundischen Weine testen \u2013 ohne die Identit\u00e4t des Weines, dessen Etikett verborgen bleibt, zu kennen. Man besichtigt die Keller (\u00fcberirdisch, da Boden zu hart), die G\u00e4rkeller und die Quelle des Schlosses. Dabei vier \u00fcberdimensionale Weinpressen,\u00a0 mit horizontalen, h\u00f6lzernen Schrauben, die von jeweils sechs Mann bewegt werden mussten, um ihrerseits einen m\u00e4chtigen Querbalken niederzudr\u00fccken, der auf die Traubenmasse dr\u00fcckt. Unten l\u00e4uft dann der Saft in riesige Bottiche. Irgendwie stellt man sich die Herstellung von Spitzenweinen anders vor. Man sieht zwei unterschiedliche Beh\u00e4lter f\u00fcr die Weinlese, von denen einer f\u00fcr die C\u00f4te de Nuits, der andere f\u00fcr die C\u00f4te de Beaune typisch ist. Einer wird quer auf der Schulter, der andere l\u00e4ngs auf dem R\u00fccken getragen. Mit dem ersten einen Versuch gemacht. Er war auch ohne Inhalt (bis zu 40 kg!) unbequem genug.\u00a0 Leider keine Weinproben im Angebot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Nachmittag statt Weinprobe ins Kunstmuseum von Dijon, einem breit gestreuten Angebot durch die europ\u00e4ische Kunstgeschichte, mit vielen interessanten, aber wenigen erstklassigen Werken. Wichtigster Grund f\u00fcr den Besuch des Museums ist die <em>Salle des<\/em> <em>Gardes<\/em> mit den Sarkophagen Philipps des K\u00fchnen (von Claus Sluter u.a.) und Johanns ohne Furcht (von Juan de la Huerta u.a.). Beide Sarkophage verbl\u00fcffend \u00e4hnlich: Unter den liegenden Figuren der Toten ein Trauerzug von Dutzenden von M\u00f6nchen und M\u00e4nnern des herzoglichen Gefolges, alle mit unterschiedlichen Gesten oder Ausdr\u00fccken der Trauer. Der Unterschied zwischen den beiden Sarkophagen ist in den Arkaden, hinter denen die Trauernden sich befinden, mit elaborierten, sp\u00e4tgotischen Formen beim j\u00fcngeren Sarkophag. Die Sarkophage waren urspr\u00fcnglich in der Kartause von Champmol vor den Toren Dijons. Dabei weniger \u00fcberraschend, dass diese in der Revolution aufgel\u00f6st wurde, als der differenzierte Umgang mit den Kunstwerken: Sowohl die Sarkophage, obwohl von Monarchen, als auch zwei Retabel, obwohl religi\u00f6se Kunst, blieben erhalten. In den anderen S\u00e4len u.a. (nat\u00fcrlich) Rude vertreten, z. B. mit der Skulptur eines sitzenden Jungen, der mit einer Schildkr\u00f6te (?) spielt. Vertreten auch seine Frau (endlich mal wieder eine Frau als K\u00fcnstlerin), im klassizistischen Stil erzogen, nach einer Verbannung dann von Romantik beeinflusst. Sie schildert in einem Gem\u00e4lde eine Episode aus dem Leben Isabels von Portugal, die einem Aufstand in den Niederlanden zu entkommen sucht und auf ihrem Weg, mit ihrem Kind im Arm, in ihrer Kutsche von den Rebellen angehalten wird. Dann eine B\u00fcste Rameaus (in Dijon geboren, aber kaum pr\u00e4sent!), auf der er so aussieht wie Voltaire. Dann ein Polyptychon von der Leidensgeschichte der Hl. Margarethe, ein mittelalterlicher Horrorfilm in Vorwegnahme Hollywoods: Margarethe wird geschlagen, gefoltert, versengt, gehenkt und dann zur Sicherheit auch noch enthauptet, alles mit gro\u00dfem Erg\u00f6tzen, wenn auch etwas unbeholfen, dargestellt, mit Blut, das aus dem kopflosen K\u00f6rper schie\u00dft und vielen abgeschlagenen K\u00f6pfen daneben. Sch\u00f6n. Dann, f\u00fcr mich das wichtigste Werk, nicht wegen der Qualit\u00e4t, sondern wegen der Geschichte, ein Bild von der <em>Salle des Gardes<\/em>. An der linken Wand h\u00e4ngen neben- und \u00fcbereinander mehrere Gem\u00e4lde des Museums, die aber in Wirklichkeit nie in der <em>Salle des Gardes<\/em> hingen! Das Gem\u00e4lde verdichtet die Wirklichkeit, und gleichzeitig wirkt es auf diese Wirklichkeit ein, denn die <em>Salle des Gardes<\/em> wurde erst durch diese Bild richtig bekannt!<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">21. Mai (Dienstag)<\/span><\/p>\n<p>Das dem Artikel \u00e4hnelnde Wort in Ortsbezeichnungen wie <em>Plombi\u00e8res-l\u00e8s-Dijon<\/em> bedeutet, \u201abei\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange Anfahrt \u00fcber kurvenreiche Landstra\u00dfe und dann andere, v\u00f6llig einsame Landstra\u00dfe durch eine Landschaft, die mit der von gestern nichts zu tun hat, sondern wie der Teutoburger Wald aussieht: h\u00fcgelig, gr\u00fcn, waldreich. \u00dcberall auch typisch \u201edeutsche\u201c Feldblumen (Pusteblumen, Butterblumen, G\u00e4nsebl\u00fcmchen), aber auch ein Meer von gelben Bl\u00fcten, die einer kultivierten Pflanze zugeh\u00f6ren.\u00a0 Im Gegensatz zum Teuto sind die K\u00fche aber wei\u00df. Das sind die ber\u00fchmten Charolais-Rinder, gl\u00fcckliche K\u00fche, die noch nicht wissen, dass sie in winzigen Portionen auf dem Teller der Gourmets landen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fontenay, sehr sch\u00f6n gelegen, zwar nicht von der Revolution zerst\u00f6rt, da in Papierfabrik umgewandelt, aber doch nur als Skelett erhalten, also das Mauerwerk, aber keine Ausstattung. Anlage mit einer Vielzahl von Geb\u00e4uden, Schmiede, G\u00e4stehaus, Taubenschlag, B\u00e4ckerei, Schlafsaal, Skriptorium, Krankenlager, Kreuzgang und nat\u00fcrlich Kirche, alles nach bew\u00e4hrtem Muster angelegt. Von Bernhard selbst nach der Gr\u00fcndung von Clairvaux gegr\u00fcndet (XII) \u2013 seine Mutter stammte aus Fontenay. Wurde sp\u00e4ter, wie alle Zisterzienserkloster, Opfer seines eigenen Erfolgs. Wurde reich, weil es sich vornahm, arm zu sein, wurde dann das Ziel von Raub, aber auch von politischen Ambitionen. Gab das Recht, Abt zu bestimmen, an Staat ab, wurde dann von \u00c4bten geleitet, die keine Autorit\u00e4t mehr ausstrahlten, nicht im Kloster wohnten und nur noch an den Eintr\u00e4gen interessiert waren. Reichtum auch durch rigorose Durchsetzung des Fischereimonopols und Befreiung von Abgaben durch Ludwig den Frommen.<\/p>\n<p>Zisterzienserkl\u00f6ster waren autonom und verwalteten sich selbst, um quasi feudales Regiment wie in Cluny zu verhindern.<\/p>\n<p>Gesamtes Inventar von Revolution zu Staatsbesitz erkl\u00e4rt und ver\u00e4u\u00dfert. Gel\u00e4nde kam \u00fcber verschiedene Stationen an Montgolfiers, die bis 1903 erfolgreiche Papierfabrik betrieben. Dann von einem Nachfolger weitestgehend in urspr\u00fcnglichen Zustand zur\u00fcckversetzt. Wohngeb\u00e4ude der Laien\u00e4bte und Krankensaal heute noch privat bewohnt!<\/p>\n<p>Prinzip der Einfachheit schl\u00e4gt sich in strengen Regeln (nur eine Feuerstelle au\u00dfer K\u00fcche, Schlafen in Gemeinschaftssaal auf Stroh auf dem Boden, nichtgef\u00e4rbte Kutten, streng geregelter Tagesablauf), aber auch in Fehlen eines Turms, Fehlen fig\u00fcrlicher Ornamente, Fehlen von Glasfenstern nieder, Prinzip der Hinwendung zur Arbeit und der Selbstversorgung in Fischzucht, Weinbau (nur f\u00fcr eigenen Bedarf), Ackerbau, vor allem aber vorindustrieller Eisenverarbeitung.<\/p>\n<p>Name wohl abgeleitet von <em>fontaine<\/em>, also genauso wie <em>Fountains Abbey<\/em> in Yorkshire. Englische Verbindung auch durch einen Bischof von Norwich, der sich in die N\u00e4he von Fontenay zur\u00fcckgezogen hatte (XII) und vielleicht sogar\u00a0 die Neubauten finanzierte, sowie durch Edward, der die gesamte Restaurierung bezahlte (XIV). Name wegen einer Quelle, aus dem der vorbeiflie\u00dfende Bach entspringt, der in die Brenne, die in die Yonne, die in die Seine, die in den Atlantik m\u00fcndet.<\/p>\n<p>Im Kloster wurden mehrere Filme, darunter <em>Die drei Musketiere<\/em> (1961) und Szenen aus <em>Cyrano de Bergerac<\/em> (1989) gedreht.<\/p>\n<p>Umfassungsmauer gab es urspr\u00fcnglich nicht. In dam abgelegenen Kloster gab es nichts zu holen. Dass sie sp\u00e4ter n\u00f6tig wurde (XIV), spricht auch f\u00fcr wachsenden Wohlstand.<\/p>\n<p>Pf\u00f6rtnerloge mit Hundezwinger mit einer Aussparung im Stein, damit Hund zu allen Seiten hin wachen konnte.<\/p>\n<p>Kirche in einem sehr kurzen Zeitraum gebaut (acht Jahre), von Papst Eugen III., selbst Zisterzienser, eingeweiht (der auch in Trier war und den Neubau von St. Paulin einweihte!). V\u00f6llig homogener Raum. Keinerlei\u00a0 Bauschmuck am Portal. Einfacher, gerader Abschluss im Osten. Seitenmauern ohne Triforium oder Empore. Vor dem Chorabschluss ein nicht sehr gut erhaltenes, im Boden des Mittelschiffs gefundenes Steinrelief (XIV), urspr\u00fcnglich Teil des Altars, in dem in zwei Reihen in Vierp\u00e4ssen biblische Szenen dargestellt werden, davon jeweils die erste, aus ungekl\u00e4rten Gr\u00fcnden, zerst\u00f6rt. Sch\u00f6n eine Szene, in der Ochse und Esel das Kind bewachen, w\u00e4hrend Maria und Josef schlafen. Davor ein Fu\u00dfboden (XIII) mit glasierten Kacheln, mit Sternen, Rosetten, Tieren, gelb auf rotem Hintergrund, entstanden, als die Regeln etwas gelockert wurden. Ebenfalls im Chor eine Madonna (XIII), in leicht geneigter Haltung, die das Kind zu sich gewandt hat und anl\u00e4chelt. Sehr genauer, nat\u00fcrlicher Faltenwurf, genaue K\u00f6rperkonturen und sehr nat\u00fcrliche Haltung.<\/p>\n<p>Am n\u00f6rdlichen Ende des (kaum \u00fcberstehenden) Querschiffs der Friedhof, am s\u00fcdlichen das Dormitorium. So konnte man direkt vom Schlafsaal in die Kirche \u2013 die Liturgie nahm bis zu sieben Stunden in Anspruch, angefangen um ein Uhr morgens. Saal mit sch\u00f6nem h\u00f6lzernem Dachstuhl mit gro\u00dfer Spannweite in Form eines umgekehrten Schiffbodens. Laienbr\u00fcder schliefen au\u00dferhalb der eigentlichen Klausur. Sie hatten weniger liturgische Verpflichtungen und mehr Zeit f\u00fcr k\u00f6rperliche Arbeit. Auf ihnen beruhte wirtschaftlicher Erfolg der Abtei.<\/p>\n<p>Sehr sch\u00f6ner, niedriger Kreuzgang mit in zwei kleiner Rundb\u00f6gen geteilte Rundb\u00f6gen mit Doppels\u00e4ulchen. Besonders sorgf\u00e4ltig ausgef\u00fchrter Zugang zum Kapitelsaal mit mehreren, hintereinaderliegenden, sich nach hinten verj\u00fcngenden Rundb\u00f6gen \u2013 sieht aus wie Schallwellen der (alten) Tagesschau.<\/p>\n<p>Am Rande des Kreuzgangs urspr\u00fcnglich ein Waschbecken, an dem zweimal t\u00e4glich eine rituelle Waschung vorgenommen wurde. Das war, was Hygiene angeht, alles. Zum Schlafen zog man sich einfach die Schuhe aus.<\/p>\n<p>Skriptorium zweischiffig wie Getreidespeicher in Cluny. Sehr niedrige S\u00e4ulen mit Gew\u00f6lbe mit sehr stark akzentuierten Rippen \u2013 sieht aus wie sorgf\u00e4ltig aufgeschnittene Lauchstange.<\/p>\n<p>Neben dem Skriptorium W\u00e4rmehalle. Neben dem Feuer Becken, in denen Tinte bewahrt wurde, damit sie nicht gefriert!<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Schmiede sieht aus wie Kirche, war aber eine regelrechte Fabrik, in der Erz eines nahegelegenen Bergs verarbeitet wurde. Sehr moderne Techniken, z.T. von Zisterziensern erfunden, z.B. hydraulisch betriebener Hammer und hydraulisch betriebene Gebl\u00e4se. Hydraulische Energie von k\u00fcnstlichem Wasserfall. Vorrichtungen wurden noch sp\u00e4ter von Papierfabrik genutzt.<\/p>\n<p>Krankensaal aus Hygienegr\u00fcnden abseits stehend. Gleich daneben Garten, in dem auch Heilpflanzen gezogen wurden.<\/p>\n<p>Am Forellenteich eine sp\u00e4ter angelegte, sch\u00f6ne Kaskade, in der das Wasser \u00fcber mehrere Steinstufen nach unten flie\u00dft. Wichtigkeit des Fischfangs spiegelt sich auch in Wappen und Emblem von Fontenay, in denen zwei Forellen zu sehen sind.<\/p>\n<p>In der B\u00e4ckerei Ausstellung einiger Skulpturen, darunter einem Relief mit Wappen Kastiliens und einem merkw\u00fcrdigen sassanidischen Relief mit<\/p>\n<p>einem K\u00f6nig von katzenhaftem Aussehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einer Anh\u00f6he auf einem nicht allzu hohen Sockel die Bronzestatue von Vercingetorix mit wallendem Haar und einem langen Mantel, der sich auf sein Schwert st\u00fctzt und den Helm abgelegt hat. Sieht \u00fcberhaupt nicht wie ein gallischer Krieger aus. Inschrift mit Zitat aus <em>De Bello Gallico<\/em>, demzufolge die Gallier, wenn sie nur zusammenhielten und einen einzigen F\u00fchrer h\u00e4tten, der Welt das F\u00fcrchten lehren w\u00fcrden \u2013 gezielte politische Propaganda Napoleons III. und Erfindung einer franz\u00f6sischen Verhangenheit mit Hilfe von Geschichtsf\u00e4lschung. Viele Parallelen zu Arminius, nur dass dessen Monument viel gr\u00f6\u00dfer ist und er \u2013 leider \u2013 die Schlacht gewann. Vercingetorix wurde auf diesem Berg umzingelt, musste sich ergeben und wurde von C\u00e4sar erdrosselt. C\u00e4sar konnte beruhigt nach Rom zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist Bronze eine Legierung aus Kupfer und Zinn oder Zink? Gibt es \u00fcberhaupt etwas, was aus Zink gemacht wird?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum k\u00fcrzen die Franzosen <em>Pommes Frites<\/em> vorne, die Deutschen hinten? Hat das was mit der Struktur der Sprache zu tun?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach mehreren vergeblichen Anl\u00e4ufen die Quelle der Seine gefunden, ein ruhiger, idyllischer Ort an einer Waldlichtung, ein Ort, der gleichzeitig urspr\u00fcnglich und kultiviert wirkt: Die sehr verschiedenen Baumarten zugeh\u00f6rigen B\u00e4ume sind allzu gewollt unregelm\u00e4\u00dfig in die Gegend gestellt, wie das Wohnzimmer eines Ordnungsfanatikers, der es darauf anlegt, dass es nicht wie bei einem Ordnungsfanatiker aussieht. Dazu kommt die k\u00fcnstliche Grotte, die in den (k\u00fcnstlichen?) Felsen geschlagen ist, in dem die Seine entspringt. An der Quelle Bekanntschaft des ehemaligen W\u00e4rters der Anlage gemacht, der noch \u00e4lter war, n\u00e4mlich 100, als von uns (h\u00f6flich) gesch\u00e4tzt, n\u00e4mlich 80. Er wies auf die verschiedenen Quellen und den daraus resultierenden Plural des Namens hin (<em>Les sources de la Seine<\/em>). Im Umfeld der Quelle arch\u00e4ologische Grabungen, was nur auf den ersten Blick \u00fcberraschend ist, schlie\u00dflich beteten die Kelten Naturgottheiten an, und die cleveren R\u00f6mer unternahmen nichts, um sie davon abzubringen. Hier wurde u.a. eine Statue der G\u00f6ttin Sequena gefunden, die sich heute in Dijon befindet. In der Grotte die halb liegende Statue einer unbekleideten weiblichen Figur mit Weintrauben, vielleicht Sequena selbst. Das Ganze angelegt von dem allgegenw\u00e4rtigen Hausmann, nat\u00fcrlich unter Napoleon III.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl das Franz\u00f6sische auch drei Formeln f\u00fcr die Begr\u00fc\u00dfung hat, ist es nicht mit dem Spanischen deckungsgleich, da <em>Bon soir<\/em> viel sp\u00e4ter anf\u00e4ngt als <em>Buenas tardes<\/em> und deshalb <em>Bon jour<\/em> unendlich lange dauert. Wie sagt man eigentlich <em>Hallo<\/em>?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend Essen in einem piekfeinen Restaurant in der St.-Anna-Stra\u00dfe (!). Auf dem Weg dorthin an drei ganz nahe beieinanderliegenden Kirchen vorbei (St. B\u00e9nigne, ein alter Wallfahrtsort mit den Reliquien des Heiligen in der Krypta, St. Philibert, die Kirche der Winzer und St. Jean), von denen die dritte inzwischen umfunktioniert worden ist, sinnigerweise in ein Theater! Essen in dem mit Petroleumlampen beleuchteten, baumbestandenen Innenhof eines alten Geb\u00e4udes, mit der Reproduktion eines Gem\u00e4ldes an einer Wand, auf dem das Goldene Vlies erscheint, der einzige Hinweis, dass wir uns wirklich da befanden, wo wir eigentlich hin wollten, n\u00e4mlich in ein im Reisef\u00fchrer erw\u00e4hntes Lokal, das wohl inzwischen seinen Namen ge\u00e4ndert hat. F\u00fcr die hohen Preise muss man die typischen Rituale \u00fcber sich ergehen lassen, das Probieren des Weins, das Schn\u00fcffeln des Weinkellners am Korken, die dramatische Pr\u00e4sentnation des Essens durch das gleichzeitige, beidh\u00e4ndige Anheben der Haube auf beiden Tellern. Peinlich. Dazu die Unsicherheit, wie man sich benehmen soll. Vorab gab es pikante Geb\u00e4ckkringel (evtl. die in einem Reisf\u00fchrer erw\u00e4hnten <em>goug\u00e8res<\/em>) und eine Mousse. Isst man das nun zusammen oder getrennt, wartet man noch auf was oder f\u00e4ngt man einfach an, isst man das Geb\u00e4ck mit den Fingern oder mit Messer und Gabel, schneidet man es auf oder l\u00e4sst man es, wie es ist? Dazu die Frage, was man bestellen soll (die Speisekarte war auf englisch genauso mysteri\u00f6s wie auf franz\u00f6sisch). Originalton Marta: \u201eGibt es hier nichts Einfaches?\u201c Am Ende lauter regionaltypische Gerichte bestellt, nach der Devise: Da kann man nichts falsch machen. Allerdings sahen beide Vorspeisen, die ganz andere Namen hatten, verbl\u00fcffend \u00e4hnlich aus, im wirklichen Leben w\u00fcrde man das wohl S\u00fclze nennen. Hauptgericht mit winzigen Mengen, an dem die Beilagen das beste waren. Am leckersten war der Nachtisch, aber der schmeckte so sehr nach Karamell, das sie sich alles anderen h\u00e4tten sparen k\u00f6nnen. Beim n\u00e4chsten Mal mit Theo und Marlies gehen und sich von ihnen beraten lassen (und ohne Gegenwehr zu leisten, wenn sie die Rechnung \u00fcbernehmen wollen).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">22. Mai (Mittwoch)<\/span><\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg Halt in Langres, der Geburtsstadt Diderots, mit dem College Diderot, der Buchhandlung Diderot, aber auch der Apotheke Diderot und der B\u00e4ckerei Diderot. Auf einem kleinen Platz nahe der Kathedrale eine sehenswerte Statue Diderots in l\u00e4ssiger Haltung, mit einer Hand einen Umhang oder Mantel zur\u00fcckschlagend, mit einigen offenen Kn\u00f6pfen an der Weste und nicht ganz gerade sitzenden Str\u00fcmpfen. Hinter ihm, auf dem Boden, B\u00fccher in einem Stapel und aneinandergelehnt, \u00fcber die der Umhang schleift. Auf dem Platz auch ein PC-Fachgesch\u00e4ft. Das h\u00e4tte ihm wahrscheinlich gefallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kathedrale mit einer monumentalen, ziemlich h\u00e4sslichen barocken Fassade, hinter der sich eine mittelalterliche Kirche verbirgt, noch romanisch in einigen Formen und mit einem gro\u00dfz\u00fcgigen Chorumgang. Die S\u00e4ulen des Hauptschiffe stehen zum Chor hin immer weiter auseinander, was den Eindruck der Weite erweckt, wenn man das Mittelschiff hinuntersieht. Im Seitenschiff eine androgyne Jeanne d\u2019Arc, wie sie heute von Calvin Klein kontraktiert w\u00fcrde, womit man wahrscheinlich das Problem l\u00f6ste, dass M\u00e4nnerkleidung f\u00fcr Frauen nicht gerade als schicklich galt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gut erhaltene, m\u00e4chtige Stadtmauer, die man erst beim Umfahren der Stadt mit dem Auto so richtig wahrnimmt. Stadttore aus verschiedenen Epochen, das \u00e4lteste r\u00f6misch.<\/p>\n<p>Sehr franz\u00f6sisch wirkende Stra\u00dfenz\u00fcge mit ziemlich guter Bausubstanz. Durch Zufall durch einen Eingang in einen Innenhof gekommen, in dem man die herrliche Renaissancefassade des zur Stra\u00dfe ganz unscheinbaren Hauses sehen konnte. Schon der schmale Durchgang zum Innenhof mit niedrigem, gew\u00f6lbten Dach, Wendeltreppe und Sprossenfenstern versetzt in eine andere Welt. Die Fassade dann ganz einfach, aber nicht streng. Zwei fast identische Stockwerke mit geteilten Fensterfassungen, zwischen den Fenstern S\u00e4ulen von zwei verschiedenen Ordnungen, zwischen den Stockwerken ein Fries mit Ornamenten und merkw\u00fcrdigen Skelettk\u00f6pfen von verschiedenen Tieren, Ochse, Widder, Schaf usw. An der rechten Seite ein Rundbogen \u00fcber dem Durchgang, vor der Fassade als Abtrennung eine niedrige durchbrochene Mauer aus dem gleichen Material, wahrscheinlich Sandstein. Offensichtlich bewohnt, mit v\u00f6llig verbeulten und h\u00e4sslichen Briefk\u00e4sten im Durchgang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwo eine <em>Rue Bezancon<\/em> gesehen. Alte Schreibweise oder ein Analphabet unter den Schildermachern?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann Halt in Contrex\u00e9ville und Vittel, deren gemeinsame Autobahnausfahrt immer schon Aufmerksamkeit erregte. Contrex\u00e9ville ein Kurort mit dem typischen, einst pr\u00e4chtigen, aber heruntergekommenen Casino und dem typischen runden Pavillon mit der Quelle, mit der deprimierenden Klientel und Atmosph\u00e4re eines Kurortes. Zu sehen gibt es einfach nichts. Der Regen tat sein \u00fcbriges. Wer kommt nur auf den Gedanken, solchen Orten in Reisef\u00fchrern einen Stern zu geben?\u00a0 Der einzige Lichtblick ein Italiener, der mit Charme, Geschick und vielen Worten eine Reisegruppe deutscher Senioren zu deren voller Zufriedenheit versorgte und mir, neben einem nichtssagenden Salat, das beste Quiche auftischte, das ich je gegessen habe. Au\u00dferdem bekamen wir, ganz wie wir ironisch vorhergesagt hatten, tats\u00e4chlich zu unserem Staunen Mineralwasser aus Vittel! Offensichtlich haben sie inzwischen den gleichen Besitzer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vittel ein wenig lebhafter, aber genauso langweilig. Am Rande des Kurparks die B\u00fcste eines Arztes namens Boulime (?). Ist die Krankheit nach ihm benannt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. Mai (Samstag) Bei immer schlechter werdendem Wetter \u00fcber Metz und Nancy und vorbei an Domremy (Frage: Was war eigentlich genau die Anklage gegen Jeanne d\u2019Arc?) nach Dijon, etwas weiter als gedacht (380 km). &nbsp; Sch\u00e4biges, fast unauffindbares Hotel in &hellip; <a href=\"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1444\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":1155,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1444"}],"collection":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1444"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1448,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1444\/revisions\/1448"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1155"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}