{"id":1467,"date":"2011-12-28T16:42:53","date_gmt":"2011-12-28T15:42:53","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1467"},"modified":"2011-12-28T16:42:53","modified_gmt":"2011-12-28T15:42:53","slug":"tansania-2006","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1467","title":{"rendered":"Tansania (2006)"},"content":{"rendered":"<p>13. August (Sonntag)<br \/>\nUm Punkt 6 Uhr geht es los zum Flughafen, mit ziemlichem Reisefieber, als wenn es eine Reise in die Ungewissheit w\u00e4re.<\/p>\n<p>Am Flughafen gibt es Franz\u00f6sisch f\u00fcr Anf\u00e4nger, Caf\u00e9 au lait + Croissant. Hier wird schon, obwohl es noch nicht einmal 7 Uhr ist, Bier bestellt.<\/p>\n<p>Das Einchecken geht, trotz der Aufregung um den gerade vereitelten Anschlag in England, v\u00f6llig unproblematisch. Im letzten Moment habe ich noch die getragene W\u00e4sche einschlie\u00dflich eines Pullovers sowie alle Toilettenartikel in den Koffer umgepackt. Das sollte sich r\u00e4chen.<\/p>\n<p>Auf dem kurzen Flug von D\u00fcsseldorf nach Amsterdam gibt es vern\u00fcnftigerweise keinen Kaffee, sondern Orangensaft und einen sehr leckeren Keks. Beim Anflug auf Amsterdam sieht man unten Windr\u00e4der, die entlang eines Flusses wie Kreuzwegstationen aussehen.<\/p>\n<p>Mir fallen W\u00f6rter aus dem Jargon der Kirchenarchitektur ein: Wimperg, Fiale, Dreipass. Hier ist es v\u00f6llig unerheblich, ob die W\u00f6rter fremd oder einheimisch sind. Man versteht sie deshalb weder besser noch schlechter. Auch die scheinbare Transparenz von Dreipass ist nicht hilfreich.<\/p>\n<p>Von Amsterdam nach Kilimandscharo geht es mit Versp\u00e4tung. Die Koffer m\u00fcssen, der offiziellen Erkl\u00e4rung zufolge, besonders gut gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Der Flug dauert acht Stunden. Die Wolken sehen wie eine Schneew\u00fcste aus. In der Ferne erkenne ich klar zwei weitere Flugzeuge. Sie scheinen aufeinander los zu fliegen.<\/p>\n<p>Neben mir \u00f6sterreichische Frauen, die ihren Ehem\u00e4nnern folgen, die den Kilimandscharo bestiegen haben. Jetzt soll es gemeinsam auf Safari gehen, aber ihr Flug ist gestern wegen \u201aMaschinenschaden\u2019 schlichtweg abgesagt worden, und jetzt hat die Safari bereits begonnen. Sie erz\u00e4hlen, dass die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit beim Besteigen des Berges die H\u00f6henluft sei. Einer habe 300 Meter vor dem Gipfel aufgeben m\u00fcssen. Eine \u00d6sterreicherin bittet eine andere, ihr die schworze Toschn zu geben.<\/p>\n<p>Im Flugzeug gibt es Filme mit Untertiteln auf Englisch, Franz\u00f6sisch, Spanisch, Niederl\u00e4ndisch, Russisch, Japanisch, Chinesisch und Hindi, nicht aber auf Deutsch!<\/p>\n<p>Der Flughafen Kilimandscharo erinnert an die DDR und an Kuba. Eine unendliche Schlange an der Passkontrolle bewegt sich mit gletscherartiger Langsamkeit, aber gl\u00fccklicherweise habe ich ein Visum und brauche mich nicht erst noch in diese Schlange zu stellen. \u00dcber dem Kontrollh\u00e4uschen steht Wageni, \u201aAusl\u00e4nder\u2019, \u201aBesucher\u2019.<\/p>\n<p>Bei der Gep\u00e4ckausgabe geht es auch wie in Kuba zu. Es gibt nur zwei B\u00e4nder, und dennoch ist nicht klar, auf welchem Band unser Gep\u00e4ck ankommt. Au\u00dfer Passagieren machen sich auch uniformierte Flughafenangestellte an dem Gep\u00e4ck zu schaffen. Das Gep\u00e4ck dreht eine Runde nach der anderen, und man hat den Eindruck, dass es gar nicht weniger wird, und die sich um das Band dr\u00e4ngenden Passagiere auch nicht. Als sich die Sache dann doch langsam lichtet, f\u00fchrt kein Weg mehr an der Erkenntnis vorbei, dass mein Gep\u00e4ck nicht mitgekommen ist. Inzwischen sind diejenigen, die in der Visumsschlange standen, l\u00e4ngst alle durch. F\u00fcr mich dagegen geht es jetzt an die Schlange am Lost Luggage Schalter. Die bewegt sich \u00fcberhaupt nicht. Man muss ein kompliziertes Formular mit dreifachem Durchschlag ausf\u00fcllen. Nachdem eine Stunde vergangen ist, gehe ich aus der Schlange heraus und mit der Erlaubnis von zwei Wachposten durch die Kontrolle, um dem drau\u00dfen wartenden Fahrer Bescheid zu sagen, dass es noch etwas dauert. Als ich mich wieder an alter Stelle in die etwas un\u00fcbersichtliche Schlange einreihen will, werde ich von einem Engl\u00e4nder unsanft beschimpft und stelle mich ans Ende der Schlange. Als ich dann endlich dran bin, habe ich Gelegenheit, die afrikanische B\u00fcrokratie kennen zu lernen. Der Beamte h\u00e4lt mein Formular in der Hand, tut aber nichts damit, sondern wendet sich um und mischt sich andere Gespr\u00e4che ein. Als er sich dann zu mir wendet, erfolgt erst ein umst\u00e4ndliches Begr\u00fc\u00dfungsritual. Man sollte erwarten, dass er selbst auch langsam Lust hat, nach Hause zu kommen. Dann geht es, immer zwischen den modernen Computern und den uralten Formularen hin und her pendelnd, an die Bearbeitung meines Falls. Das alles geschieht mit geradezu provozierender Langsamkeit, auch bei dem komplizierten Vorgang der Abtrennung der Durchschl\u00e4ge, aber am Ende mit Erfolg. Der Koffer soll gebracht werden, sobald er ankommt.<\/p>\n<p>Der Fahrer des Zentrums wartet im Vorraum mit gr\u00f6\u00dfter Geduld. Wir gehen vor den Flughafen. Es ist stockdunkel. Am Auto warten drei meiner neuen Kollegen, auch Teilnehmer des Sprachkurses, Silje und K\u00f8re aus Norwegen und Marianne aus Holland. Die Norweger sind schon seit einem halben Jahr in Tansania, in Bagamoyo an der K\u00fcste, die Holl\u00e4nderin war im demselben Flugzeug wie ich.<\/p>\n<p>Es geht in einem Affenzahn \u00fcber die holprige und unbeleuchtete Stra\u00dfe, trotz der vielen Fu\u00dfg\u00e4nger am Stra\u00dfenrand. Schon wieder eine Parallele zu Kuba. Wo diese Leute denn hinwollten, will ich wissen. Die wohnten hier, in den Vierteln am Rande der Landstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Zu meiner \u00dcberraschung wird links gefahren, aber da sonst keine Autos unterwegs sind, habe ich erst die vage Bef\u00fcrchtung, der Fahrer habe die falsche Seite erwischt.<\/p>\n<p>Der Fahrer hei\u00dft Alex. Ob das sein richtiger Name sei, will ich wissen, oder ob er ihn nur f\u00fcr die Fremden benutze. Nein, so hei\u00dfe er wirklich. Das sei ein ganz g\u00e4ngiger Name in Tansania.<\/p>\n<p>Nach einer knappen halben Stunde kommen wir am Zentrum an. Es ist umz\u00e4unt und bewacht. Die Rezeption ist noch offen, und wir werden freundlich in Empfang genommen. Mit der Schubkarre werden unsere Koffer, soweit vorhanden, \u00fcber einen schmalen Kiesweg zu den H\u00e4usern transportiert, kleinen, wei\u00df get\u00fcnchten, einst\u00f6ckigen H\u00e4user, die in unregelm\u00e4\u00dfiger Reihe mit etwas Abstand vom Weg stehen. Drinnen ist es eher spartanisch, ein kleiner Raum mit einem Stuhl, einer Schreibplatte, einem Nachttisch und dem Bett, alles ganz einfach, und, im Kontrast dazu, einem gro\u00dfen, geradezu elegant aussehenden wei\u00dfen Moskitonetz. Da ich nicht viel auszupacken habe, bin ich bald wieder in dem schlecht beleuchteten Essraum, in dem es auch noch Essensreste gibt. K\u00f8re schl\u00e4gt beherzt zu, ich begn\u00fcge mich mit einem kalten Bier aus der durch einen Vorhang abgetrennten privaten Bar, in der ich durch die Vermittlung eines Tansaniers, der auf dem Barhocker sitzt und mich gleich nach der WM fragt, mit Dollars bezahlen kann. Das Bier, Safari, schmeckt hervorragend. K\u00f8re spricht von den vielen kulturellen Unterschieden, mit denen sie sich im letzten halben Jahr auseinandersetzen mussten. Als Beispiel f\u00fchrt er an, dass man in Afrika offensichtlich nicht wegsehen m\u00fcsse, wenn der Blick eines anderen einem begegnet. Er f\u00fchrt als Beispiel an, dass sie nicht mehr an den sch\u00f6nen Strand vor ihrem Haus in Bagamoyo gingen, weil die Leute ihnen unentwegt nachstarrten. Die ganze Theorie muss er noch w\u00e4hrend der n\u00e4chsten Tage wieder verwerfen. Da muss es wohl ein Missverst\u00e4ndnis gegeben haben. Menschen anstarren ist keineswegs akzeptiert. Er hat hier wohl einen Sonderfall, in dem diese Regel aufgehoben ist, zur Regel gemacht. Warum die Regel hier nicht gilt, ist auf den zweiten Blick ganz klar: Eine hellblonde, langhaarige  junge Frau im Bikini muss den Einheimischen wie eine Fata Morgana vorkommen. Wie dem auch sei, die ersten freundschaftlichen Kontakte sind gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Am Ende des Biers geht es ins Haus und, ohne Z\u00e4hneputzen und ohne Kleidung, ins Bett.<\/p>\n<p>14. August (Montag)<br \/>\nDie Dusche am Morgen ist ein Genuss, obwohl das Wasser in alle Richtungen aus dem Duschkopf l\u00e4uft. Das Z\u00e4hneputzen f\u00e4llt aus, und es geht in die getragenen Klamotten.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck gibt es eine Vorstellung des Zentrums und eine offizielle Er\u00f6ffnung. Neben dem Sprachkurs beginnen am selben Tag noch zwei andere Kurse, Financial Management und Forest Management. Die meisten Teilnehmer sind Afrikaner. Das Zentrum ist eine NGO unter d\u00e4nischer Leitung und jetzt genau 30 Jahre alt. Genau in dem Moment, als von dem Notstromaggregat des Zentrums die Rede ist, gehen die Lichter aus.<\/p>\n<p>Im Sprachkurs sind wir ungef\u00e4hr 15. Alle haben eine germanische Muttersprache, D\u00e4nen, Norweger, Holl\u00e4nder, Engl\u00e4nder, Amerikaner, kein einziger Franzose, Italiener, Spanier. Obwohl wir alle offiziell Anf\u00e4nger sind, haben alle Vorkenntnisse. Ich komme in die untere Gruppe mit der Holl\u00e4nderin von gestern Abend, mit einer amerikanischen \u00c4rztin, Maggie, und einer d\u00e4nischen Musiklehrerin, Lisbeth, einer jungen Frau mit einer sagenhaften Auffassungsgabe. Unsere Lehrerin ist Mama Lois, eine kleine, \u00e4ltere, energische Dame. Am ersten Tag gibt es nur Begr\u00fc\u00dfungen, aber die in allen Variationen.<\/p>\n<p>Es herrscht allgemeine \u00dcberraschung, dass ich den Kurs nur so mache, ohne praktischen Bedarf. Das ist eine Reaktion, die mir in den n\u00e4chsten Wochen immer wieder begegnen wird, manchmal mit einem Ton, als habe man es mit einem bunten Hund, manchmal mit einem Ton, als h\u00e4tte man es mit einem Verwirrten zu tun. Hier ist der Ton aber durch und durch freundlich. Ich bin aber tats\u00e4chlich der einzige. Alle anderen sind nach Afrika gekommen, um hier zu arbeiten, oder arbeiten bereits hier, im weitesten Sinne als Entwicklungshelfer. Als bemerkenswertester Fall darunter Steve und Dyan, Amerikaner, die mit ihren vier Kindern, darunter einem angenommenen afrikanischen Kind, hier sind. Sie sind schon seit f\u00fcnf Jahren in Afrika und sind gerade erst von \u00c4thiopien nach Tansania umgezogen.<\/p>\n<p>Irgendwer gibt mir den Tipp, dass zu der Bar auch ein Laden geh\u00f6rt. In Wirklichkeit ist es ein Metallgestell, in dem einige Artikel des t\u00e4glichen Bedarfs eingeschossen sind. Mit mehr Gesten als Worten gelingt es mir, dem M\u00e4dchen an der Bar klar zu machen, dass ich Zahnpasta brauche. Die zaubert sie dann auch aus dem Gestell hervor, und danach sogar eine Zahnb\u00fcrste. Ich laufe sofort in das Haus und putze mir mit Inbrunst die Z\u00e4hne.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter geht es \u00fcber das Gel\u00e4nde. Es hat einen Computerraum, eine W\u00e4scherei, eine kleine Bibliothek usw.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis unter den Lernenden ist von vornherein gut. Ich empfinde alle als offen, engagiert und gleichzeitig kritisch. Am Nachmittag gibt Steve uns in kleiner Runde beim Bier Einblick in einige afrikanische Besonderheiten. \u00c4thiopien ist das einzige Land, das einen Sieg \u00fcber eine Kolonialmacht, Italien, landete und danach unabh\u00e4ngig war. Die paradoxe Folge heute: schlechte Fremdsprachenkenntnisse. Auch in Tansania sind die Englischkenntnisse schlechter als in Kenia. Auch das ist die etwas paradoxe Folge der Fremdsprachenpolitik, die auf Suaheli als einigendem Band setze und es zur Pflicht in allen Schulen machte. Deshalb ist Englisch f\u00fcr viele erst die dritte Sprache nach der Stammessprache und Suaheli, w\u00e4hrend in Kenia Englisch die Stelle von Suaheli einnimmt. Daf\u00fcr ist Kenia weiterhin viel st\u00e4rker vom Stammesdenken beherrscht, w\u00e4hrend in Tansania ein Gef\u00fchl nationaler Identit\u00e4t ausgebildet wurde, ohne die Stammesloyalit\u00e4t zu unterdr\u00fccken. Das Bildungsniveau in Tansania ist niedrig, auch das ironisch, denn Nyerere war selbst Lehrer und legte auf Bildung allergr\u00f6\u00dften Wert. Aber die Verstaatlichung der durchaus qualit\u00e4tsvollen kolonialen Schulen war kontraproduktiv. Die Auslese in den afrikanischen Schulen ist knallhart. In \u00c4thiopien werden nur 3% von den Abiturienten eines Jahrgangs, die selbst ja schon eine Auslese sind, zum Studium zugelassen. Selbst, wenn man zu den besten 10% geh\u00f6rt, ist man weg vom Fenster. Das ist eine strengere Auswahl als bei den Eliteschulen in Europa oder den USA.<\/p>\n<p>Nach Safari probiere ich heute Serengeti, auch ein gutes Bier, und Tusker, das nach dem Elefanten benannt ist, der einen der Besitzer der Brauerei get\u00f6tet hat!<\/p>\n<p>Die Norweger erz\u00e4hlen von den Schwierigkeiten, afrikanische Freunde zu gewinnen. Alle sind freundlich, aber die meisten wegen des Geldes, und k\u00f6nnen dabei sehr aufdringlich werden. Sie haben Freundschaft geschlossen mit einer Kollegin, die offen und freundlich, aber nicht aufdringlich war, und diese Kollegin wird jetzt von den anderen Kollegen ausgegrenzt, weil sie es geschafft hat, Freundschaft mit den Wei\u00dfen zu schlie\u00dfen. Auch ihre Erfahrungen in der Schule sind zweischneidig: Als sie merkten,  dass man mit Freundlichkeit nichts erreicht, traten sie viel autorit\u00e4rer auf, entgegen ihrer eigenen Vorliebe, und hatten Erfolg. Sie erz\u00e4hlen, das Schulessen sei so schlecht, weder nahrhaft noch abwechslungsreich \u2013 immer Bohnen und Reis &#8211; dass die Sch\u00fcler, die w\u00e4hrend der Ferien aus finanziellen Gr\u00fcnden in der Schule bleiben mussten, sich der Schulziege bem\u00e4chtigten und sie schlachteten. In ihrem Haus in Bagamoyo haben sie bereits Ratten, K\u00e4fer, Fr\u00f6sche, einen Skorpion und eine Schlange gehabt. Die Schlange wurde in einer aufsehenerregenden Szene von einem Nachbarn mittels eines Kn\u00fcppels vertrieben. Den Ratten suchten sie mit einer afrikanischen Rattenfalle beizukommen, aber die funktionierte nicht. Dann brachte sie aus dem Heimaturlaub eine norwegische Rattenfalle mit, und die funktionierte. Interessant ihre Beschreibung ihrer eigenen Reaktionen angesichts des Todes eines Sch\u00fclers. Sie waren dabei, als der Mutter die Nachricht \u00fcberbracht wurde, und schockiert dar\u00fcber, dass die v\u00f6llig verst\u00f6rte Mutter weniger den Tod ihres Sohnes, den Verlust eines Menschen, zu beklagen schien als das Zusammenbrechen einer Zukunftsinvestition. Mit der Zeit wurde ihr Verst\u00e4ndnis aber immer gr\u00f6\u00dfer: Arme Familien k\u00f6nnen sich oft nur den Schulbesuch eines Kindes leisten, und das Kind ist dann der Hoffnungstr\u00e4ger f\u00fcr die gesamte Familie, auch f\u00fcr die anderen Kinder. Wenn es eine vern\u00fcnftige Arbeit findet, wird er die Eltern im Alter versorgen und seine Geschwister auch irgendwo unterbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>15. August (Dienstag)<br \/>\nAm Morgen noch mal in dieselben Klamotten, aber am Vormittag kommt das Gep\u00e4ck. Inzwischen scheint das ganze Zentrum davon zu wissen.<\/p>\n<p>Suaheli ist schwierig, aber sonnenklar, und hat viele einfache, aber auch leicht zu verwechselnde W\u00f6rter. Wenn es drauf ankommt, fallen mir selbst die einfachsten W\u00f6rter nicht ein. Als ich den Koffer abhole und Danke sagen will, sage ich Nein.<\/p>\n<p>Beim Essen probiere ich mein Suaheli an einem Afrikaner aus, aber es klappt nicht. Es stellt sich heraus, dass er aus Uganda ist und gar kein Suaheli spricht. Die Kurse f\u00fcr die Afrikaner werden auf Englisch gehalten. Daf\u00fcr zeigt er mir Ugali, die Nationalspeise nicht nur Tansanias, sondern, wie er betont, ganz Ostafrikas. Es ist aus Mais gemacht und sieht aus wie Kartoffelp\u00fcree.<\/p>\n<p>Suaheli hat herrliche, kindlich klingende W\u00f6rter wie mimi, sisi, kuku, dada und kaka. Schlaf gut hei\u00dft Lala salama. Sch\u00f6n ist auch der Wiedererkennungswert bei safari, daktari, rafiki, mambo.<\/p>\n<p>Mama Lois spricht Marianne und Maggie mit Mama an, die j\u00fcngere Lisbeth mit Dada.<\/p>\n<p>Wir alle sind f\u00fcr die Afrikaner wazungu, Wei\u00dfe, Europ\u00e4er, Fremde, Touristen, eigentlich \u201aUmherirrende\u2019.<\/p>\n<p>Als wir am Nachmittag Interviews machen m\u00fcssen, merkt man schmerzlich, wie wenig man sagen kann.<\/p>\n<p>Wir sollten froh sein, wird uns gesagt, dass wie nicht vor einem Monat gekommen seien. Da sei es richtig kalt gewesen, jetzt werde es langsam w\u00e4rmer. Tats\u00e4chlich ist es tags\u00fcber, au\u00dfer in der direkten Sonne, nicht sonderlich warm, aber der Unterschied zwischen Tag und Nacht ist gering. Man kann aber problemlos mit T-Shirt oder kurz\u00e4rmeligem Hemd drau\u00dfen sitzen.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Speisesaal h\u00e4ngt ein riesiges Spinnengewebe, vor dem die Leute stehen bleiben. Aus der Ferne fragt man sich, was sie sich da wohl ansehen.<\/p>\n<p>Beim abendliche Bier h\u00f6rt man drau\u00dfen die Fr\u00f6sche quaken, und den Hahn h\u00f6rt man schon um vier Uhr morgens kr\u00e4hen.<\/p>\n<p>Am Abend lerne ich auch Allison und Carsten n\u00e4her kennen, ein s\u00fcdafrikanisch-deutsches Paar, das zu den besten Freunden neben den Norwegern werden sollte, und das, obwohl ich mich denkbar schlecht bei Allison einf\u00fchre, indem ich sie frage, ob ihre Muttersprache mit Suaheli verwandt sei, eine Frage, die sie mit Lachen quittiert und gar nicht mag \u2013 ihre Muttersprache ist Englisch.<\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde steht ein pr\u00e4chtiger Mangobaum, der jetzt allerdings keine Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Joanne, eine Engl\u00e4nderin aus dem Lake District, ist verzweifelt auf der Suche nach der Bezeichnung f\u00fcr ihren Beruf auf Suaheli: occupational therapist. W\u00fcrde mir auch keine deutsche Entsprechung einfallen: Besch\u00e4ftigungstherapeut? Sie hat ein Haus in Moshi, und die B\u00e4ume in ihrem Garten, wie sie nach einiger Zeit entdeckte, tragen alle Fr\u00fcchte, praktisch das ganze Jahr \u00fcber. Das Obst schmeckt sehr gut, auch die unwirklich aussehenden kleinen Bananen.<\/p>\n<p>Jedes Haus hat zwei Wohnungen und ist sehr hellh\u00f6rig. W\u00e4hrend der Nacht wird in der Nachbarwohnung ununterbrochen gesprochen, in einer unbekannten, afrikanischen Sprache. Und als im Morgengrauen jemand am Haus vorbei geht, glaube ich, jemand gehe mitten durchs Zimmer.<\/p>\n<p>Die afrikanischen Staaten akzeptierten, ganz pragmatisch, die von den Europ\u00e4ern gezogenen, teilweise v\u00f6llig willk\u00fcrlichen Grenzen zwischen den Staaten. Das wird von den Ethnologen, vor allem von den europ\u00e4ischen, beklagt, aber der Autor einer Geschichte Afrikas, die ich in der Freizeit lese, sagt, das sei eine kluge Entscheidung gewesen. Sonst g\u00e4be es jetzt statt 50 vielleicht Hunderte oder gar Tausende von Staaten.<\/p>\n<p>16. August (Mittwoch)<br \/>\nNach dem Fr\u00fchst\u00fcck, als ich aus dem Speisesaal komme, halten mich die Norweger an und deuten auf das Dach: Dort tummelt sich ein ganze Schar von Affen, ohne sich an uns zu st\u00f6ren. Sie sind klein und haben lange Schw\u00e4nze und schwarze Gesichter, die sich von dem beigefarbenen Fell absetzen. Meerkatzen, dachte ich, aber die, wird mir gesagt, gebe es nur in Madagaskar.<\/p>\n<p>Heute Vormittag gibt es wieder viel zu viel neuen Stoff, aber es ist genau das Material, das man braucht, um in Ans\u00e4tzen zu kommunizieren, mit Verben wie gehen, m\u00f6gen, trinken, lernen usw. Die Struktur ist sonnenklar, aber alles zu behalten oder gar zu produzieren ist eine andere Sache.<\/p>\n<p>In der Pause lese ich ein gefl\u00fcgeltes Wort, das die Afrikaner den Europ\u00e4ern entgegenhalten: Als ihr kamt, hattet ihr die Bibel und wir das Land. Bald danach hatten wir die Bibel \u2013 und ihr das Land.<\/p>\n<p>Heute gleich nach dem Unterricht mit dem Schulbus nach Arusha gefahren und nach einer halben Stunde wieder zur\u00fcck, einfach, um mal aus unserem Reservoir hinauszukommen. Der erste richtige Eindruck von Afrika. Es geht dieselbe Landstra\u00dfe entlang wie am Sonntag, nur in umgekehrter Richtung, durch erstaunlich gr\u00fcne, \u00fcppige Landschaft, mit B\u00e4umen mit leuchtenden roten Bl\u00fcten. Dahinter als Kontrast der nackte Gipfel des Mount Meru.<\/p>\n<p>In der Stadt, einer Mischung aus Kairo und Havanna, aber ohne deren Sehensw\u00fcrdigkeiten, fliegende H\u00e4ndler und bettelnde Kinder, aber l\u00e4ngst nicht so massiv, wie vom Reisef\u00fchrer angek\u00fcndigt. Eine v\u00f6llig nichtsagende Stadt, soweit man das auf den ersten Blick sagen kann.<\/p>\n<p>Der Kilimandscharo ist nicht zu sehen. Er verbirgt sich hinter den rauchartigen Wolken, von denen Moshi, die Stadt zu seinen F\u00fc\u00dfen\u201a ihren Namen hat: Es bedeutet \u201aRauch\u2019 auf Suaheli.<\/p>\n<p>Die Norweger erz\u00e4hlen am Abend, dass sie Christen und Moslems friedlich vereint an ihrer Schule haben, nur an der Kleidung, wenn \u00fcberhaupt, zu unterscheiden. Beide Religionen vermischen sich mit afrikanischen Elementen, vor allem mit dem Geisterglauben. Dem ist gar nicht so leicht beizukommen, jedenfalls nicht mit dem Argument, in Norwegen gebe es keine Geister: Dann habt ihr sie alle vertrieben!<\/p>\n<p>Der Himmel ist voller Sterne, und sie scheinen n\u00e4her zu sein als bei uns. Man ist ja wirklich den Sternen n\u00e4her, aber: Kann man das sehen?<\/p>\n<p>17. August (Donnerstag)<br \/>\nAuch heute wird im Unterricht der Fu\u00df nicht vom Gas genommen, und statt Recycling gibt es st\u00e4ndig neue Ware. Es gibt es klares Missverh\u00e4ltnis von Pr\u00e4sentation und Praxis.<\/p>\n<p>Die Struktur der Sprache kommt einem wie Arithmetik vor. Die Zahlen und Gleichungen benutzt man zum Kommunizieren.<\/p>\n<p>Bei den Zahlw\u00f6rtern kommen auf einmal<\/p>\n<p>vor, das bisher noch in keinem Wort vorkam. Es entspricht dem stimmlosen englischen Laut \u2013 der stimmhafte wird mit  wiedergegeben \u2013 und kommt wohl vorwiegend in W\u00f6rtern arabischen Ursprungs vor. Jedenfalls fallen die beiden Zahlw\u00f6rter, in denen es vorkommt, thelamini und thelathini, \u201adrei\u00dfig\u2019 bzw. \u201aachtzig\u2019, aus dem allgemeinen Muster heraus, das eher W\u00f6rter wie kumi oder sabini, \u201azehn\u2019 bzw. \u201asiebzig\u2019, aufweist.<\/p>\n<p>Die \u201cafrikanischen\u201d B\u00e4ume mit den besonders leuchtenden Bl\u00fcten sind Importe aus Europa. Auf dem Campus stehen andere B\u00e4ume, die viel \u201cafrikanischer\u201d aussehen. Die einen sehen aus wie Tannen, die statt Nadeln Bl\u00e4tter haben und die Arme sinken lassen, die anderen breiten jeweils mehrere \u00c4ste auf gleicher H\u00f6he horizontal aus, wie ein Schirm, so als w\u00fcssten sie, dass es ihre Aufgabe ist, Schatten zu spenden.<\/p>\n<p>Joanne erz\u00e4hlt von einem Masseur in der Klinik, der Today hei\u00dft, von einer Kollegin, die Happy hei\u00dft, und von einem Kollegen, der Hallelujah hei\u00dft.<\/p>\n<p>Die Norweger erz\u00e4hlen, dass sie gestern Abend auf dem Weg zur\u00fcck nach dem Abendessen eine Schlange gesehen und geh\u00f6rt haben. Die M\u00f6glichkeit, dass es sich um eine harmlose Schlange handeln k\u00f6nnte, wollen sie nicht gelten lassen.<\/p>\n<p>18. August (Freitag)<br \/>\nViele Frauen tragen lange bunte Kleider mit dazu passender Kopfbedeckung, einem Tuch, das auf unterschiedliche Art um den Kopf geschlungen wird. Die hellen Farben und die einfachen Muster machen das zu einer sch\u00f6nen und geschmackvollen Bekleidung. Dazu tr\u00e4gt man aber v\u00f6llig unpassende kurze Jacken westlichen Zuschnitts, was den Eindruck wieder zunichte macht.<\/p>\n<p>Irgendwo habe ich das Wort shuleni gesehen, und mag kaum glauben, dass es hei\u00dft, was es zu hei\u00dfen scheint. Es hei\u00dft wirklich \u201aSchule\u2019, sicher ein Lehnwort aus der deutschen Kolonialvergangenheit. Das \u2013ni ist eine angeh\u00e4ngte Pr\u00e4position, streng genommen eine Postposition, und bedeutet \u201aan\u2019, \u201ain\u2019, \u201abei\u2019. Die Struktur erinnert an das t\u00fcrkische \u00fcniversitesi.<\/p>\n<p>Am Nachmittag geht es in gro\u00dfer Runde um interkulturelle Unterschiede. Zwei fiktive Beispiele werden diskutiert: Ein Afrikaner kommt zu sp\u00e4t, und der Mzungu ist ver\u00e4rgert, und ein Afrikaner kommt \u00fcberhaupt nicht, und der Mzungu ist ver\u00e4rgert. Im ersten Fall gilt, dass alles, was noch innerhalb der Stunde ist, nicht als unp\u00fcnktlich angesehen wird, also z.B. 10.55, wenn 10.00 ausgemacht ist. Ein verl\u00e4ngertes akademisches Viertelst\u00fcndchen, sozusagen. Ist die Versp\u00e4tung noch gr\u00f6\u00dfer, muss immer unterstellt werden, dass es einen guten Grund daf\u00fcr gibt. Die Theorie h\u00f6rt sich gut an: Was ich im Moment tue, hat Vorrang, das andere kann warten. Wenn ich ein Gespr\u00e4ch mit einem Freund f\u00fchre oder einem Nachbarn helfe, dann ist die andere Vereinbarung, die ich habe, zweitrangig. Ich lebe in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, und mache mich nicht zum Sklaven von Pl\u00e4nen.<\/p>\n<p>Im zweiten Fall hat der Afrikaner dem Mzungu \u2013 allerdings nur z\u00f6gernd \u2013 zugesagt, ihn auf eine Tagung als Dolmetscher zu begleiten, ist aber am entsprechenden Tag nicht erschienen, weil er eine andere Verabredung hatte. Das hat er auch vorher schon gewusst, nicht aber sagen wollen, um den anderen nicht zu verletzen.<\/p>\n<p>Auch wenn man die Theorie akzeptiert, die nat\u00fcrlich auch ihre T\u00fccken hat (Wie steht es mit dem Recht des Wartenden?), f\u00fchren diese Unterschiede in der Auffassung zu Problemen, wie die vielen Beispiele unserer \u201cAfrikaner\u201d belegen: K\u00f8re erz\u00e4hlt, wie eine Person, die eine Ehrung erhalten sollte, die ganze Schule, Sch\u00fcler, Lehrer, Angestellte und G\u00e4ste, anderthalb Stunden in der stickigen Luft der Aula warten lie\u00df, um seine Ehrung entgegenzunehmen.<\/p>\n<p>Steve erz\u00e4hlt, dass bei einem Treffen, in dem es um Feedback ging, alles eitel Sonnenschein war, nzuri sana, auch auf mehrmalige Nachfrage. Sp\u00e4ter, als er l\u00e4ngst zu Hause war, bekam er dann einen Anruf, dass es ein Problem gebe, von jemandem, der bei der Feedbacksitzung dabei war. In der Sitzung wird das Problem aber nicht angesprochen. Man wahrt den guten Anschein. Er erz\u00e4hlt auch, dass man typischerweise mit einem Mitarbeiter eine Dreiviertelstunde \u00fcber Gott und die Welt reden kann, ohne dass ein Problem angesprochen wird. Erst dann, als es schon zum Aufbruch kommt, hei\u00dft es: Es gibt da ein Problem. Manchmal wird, bevor ein Problem angesprochen wird, auch die Verwandtschaft eingebunden: Irgendwer sagt dem Mzungu schon einmal, dass Soundso ein Problem habe, erst sp\u00e4ter wird das Problem dann auch von Soundso angesprochen. Bei Autofahrten ist die Auskunft auf die Frage nach der noch verbleibenden Entfernung immer \u201cnicht mehr weit\u201d, auch wenn es noch Stunden dauert und der Auskunftgebende das ganz genau wei\u00df.<\/p>\n<p>Bestens zusammengefasst sind die Erfahrungen in diesem Zitat: \u201cIf you come to Africa and have no patience, you will get it. If you come to Africa and you have patience, you will lose it\u201d.<\/p>\n<p>Einige Unterschiede sind Unterschiede soziologischer Art, die als kulturelle Unterschiede daherkommen, z.B. der l\u00e4ssige und gro\u00dfz\u00fcgige Umgang mit der Zeit. Eine weitgehend agrarische Gesellschaft, in der morgen fr\u00fch pr\u00e4zise genug ist, kann sich ihn leisten, ein modernes Krankenhaus kann man auf dieser Basis nicht funktionieren, ja nicht einmal eine Schule. In Europa war das bis vor nicht allzu langer Zeit auch nicht anders als jetzt in Afrika.<\/p>\n<p>Ein kleiner Unterschied f\u00e4llt mir im Speisesaal auf: Die Afrikaner laden ihre Teller voll, so voll, dass nichts mehr draufpasst, obwohl es ein B\u00fcffet ist und man sich mehrmals bedienen kann.<\/p>\n<p>Beim Abendessen gibt es Fisch. K\u00f8re erkl\u00e4rt, das sei ein Fisch, eine Art Flussbarsch, nile perch, den man im Viktoriasee, trotz vieler Warnungen,  ausgesetzt habe, oder der sonst auf wundersame Weise sich seinen Weg in den See gebannt habe. Die Artenvielfalt hat sich seitdem radikal dezimiert, der Barsch, der bis zu 200 kg Gewicht erreicht, frisst sie alle auf.<\/p>\n<p>An der T\u00fcr zum Speisesaal will ich eine Afrikanerin vorlassen, was diese aber nicht zul\u00e4sst. Ich gehe durch und sage, eigentlich gelte doch \u201eLadies first\u201c, worauf sie sagt: \u201eWe\u2019re in Africa!\u201c<\/p>\n<p>Am Abend erz\u00e4hlt Allison, die S\u00fcdafrikanerin, sie identifiziere sich \u00fcberhaupt nicht mit dem, was am Nachmittag als \u201cafrikanisch\u201d vorgestellt wurde. Sie ist, trotz ihrer Herkunft und ihrer Hautfarbe, letztlich ein Mzungu.<\/p>\n<p>19. August 2006 (Samstag)<br \/>\nAm Morgen geht es mit dem Schulbus nach Arusha. Auf dem Weg kommen uns L\u00e4ufer entgegen. Es scheint sich um einen offiziellen Lauf zu handeln; die L\u00e4ufer haben Startnummern. Man l\u00e4uft am Stra\u00dfenrand, begleitet von Kleinbussen, in denen Trauben von Menschen sitzen und stehen.<\/p>\n<p>Man sieht auch, wie abgeerntete Bananenstauden von den shambas, den entlang der Stra\u00dfe gelegenen G\u00e4rten, weggetragen werden. Meine Frage, ob jetzt gerade die Erntezeit f\u00fcr Bananen sei, wird mit einem L\u00e4cheln beantwortet. Das ganze Jahr \u00fcber werden Bananen geerntet. Sie werden so gepflanzt, dass zu jeder Jahreszeit irgendwelche Stauden reif sind.<\/p>\n<p>In Arusha, wo es heute viel hektischer zugeht als am Donnerstag, ist mein erstes Ziel die lokale Touristeninformation. Hier gibt es wirklich gar nichts, und als ich meinen eigenen Reisef\u00fchrer hervorkrame, um wenigstens einen Stadtplan zu haben, dauert es eine ganze Zeit, bis das Declaration Museum, nach dem ich gefragt habe, identifiziert ist. Am Ende werde ich in die Nationale Touristeninformation geschickt, zwei H\u00e4user weiter.<\/p>\n<p>Dort gibt eine ganze Reihe von Faltbl\u00e4ttern zu kulturellen Ausfl\u00fcgen, aber was davon in Arusha ist und wann es stattfindet, ist alles andere als klar. Am Ende gelingt es doch irgendwie, f\u00fcr n\u00e4chsten Samstag eine Halbtagestour in ein Dorf zu buchen, wenn denn das Wort buchen hier angebracht ist. Jedes Mal, wenn der Photokopierer bet\u00e4tigt wird, geht in dem ohnehin schummrig beleuchteten Raum das Licht aus. Ich bekomme auf Nachfrage noch den Tipp, es im Caf\u00e9 Via Via zu versuchen.<\/p>\n<p>Das lohnt sich. Dies ist ein sch\u00f6n eingerichtetes Caf\u00e9 im Freien am Rande des Stadtzentrums, das einem Belgier aus Gent geh\u00f6rt. Hier gibt es Stadtrundg\u00e4nge \u2013 praktisch jederzeit. Etwas z\u00f6gernd angesichts dieser Effizienz frage ich nach, ob es eventuell auch heute m\u00f6glich sei. Ja, wenn Sie wollen, kann ich es sofort versuchen. Nach einem Anruf  hei\u00dft es, der F\u00fchrer werde in 3 Minuten zur Stelle sein. Der Belgier warnt mich: 3 Minuten bedeutet in Afrika nicht 3 Minuten. Darauf bin ich nat\u00fcrlich eingestellt, habe aber noch nicht einmal Zeit, mein Wasser auszutrinken und schon ist der F\u00fchrer zur Stelle. Es ist ein junger Mann aus Arusha, der gut Englisch spricht, und wie sich sp\u00e4ter herausstellt, auch flie\u00dfend Franz\u00f6sisch. Er sagt, er wolle sich profilieren, indem er auch eine zweite Fremdsprache lerne, um sp\u00e4ter bei gr\u00f6\u00dferen Tourismusorganisationen  zu arbeiten. Das Zeug dazu hat er alle male. Seine Muttersprache ist Chagga, aber Suaheli spricht er wie eine zweite Muttersprache. Er hat gro\u00dfes Vergn\u00fcgen an meinen unbeholfenen Versuchen, auch mal einen Satz auf Suaheli zu versuchen. Jedes Wort wird gefeiert. Die erste Frage, als er h\u00f6rt, dass ich aus Deutschland bin, ist die, ob bei uns alle Stra\u00dfen asphaltiert seien. Hier seien nur die Hauptsra\u00dfen asphaltiert.<\/p>\n<p>Wir befinden uns auf der zentralen Boma Road, an deren Ende das Via Via liegt und auch das Naturkundemuseum, das in der ehemaligen deutschen Zentrale ist, dem Boma. Der Name bedeutet einfach \u201aHaus\u2019 auf Maasai, also das war das Haus der Deutschen; zu einer Zeit, wo wohl kaum einer der Einheimischen in einem Haus wohnte, war das deutlich genug.<\/p>\n<p>Auf der Wiese vor dem Caf\u00e9 findet ein Musikwettbewerb f\u00fcr Schulen statt. Es ist die Ausscheidung f\u00fcr die nationalen Meisterschaften, und der Gewinner tritt dann im Ostafrikawettbewerb an. Mein Begleiter erkl\u00e4rt, Arusha und Umgebung seien besonders bekannt f\u00fcr den Hip Hop, w\u00e4hrend an der K\u00fcste Rap popul\u00e4rer sei.<\/p>\n<p>An einem Kreisverkehr am Ende der Boma Road steht der Clock Tower, ein bescheidener Turm mit einer Uhr, auch er aus der Kolonialzeit. Vermutlich war das eine Erneuerung zu einer Zeit, als sich kaum ein Afrikaner nach Uhrzeiten richtete. Bei der Gelegenheit lerne ich, dass Kreisverkehr, von den Engl\u00e4ndern eingef\u00fchrt, keeplefti hei\u00dft. Auf dem Rasen neben dem Clock Tower stehen Hinweisschilder mit Entfernungsangaben zu St\u00e4dten in ganz Afrika, und zwar deshalb, weil dies angeblich der Mittelpunkt Afrikas ist. Ganz stimmt das wohl nicht, aber wenn es zu der von den Engl\u00e4ndern geplanten Verbindung von Kairo nach Kapstatt gekommen w\u00e4re, die ihr ganzes Reich durchkreuzen sollte, w\u00e4re Arusha vielleicht wirklich auf halber Strecke gewesen. Die Spuren von deutscher und englischer Kolonisation finden ihre moderne Vollendung in dem Ziffernblatt auf der Uhr, die diesen Schriftzug tr\u00e4gt: Pepsi.<\/p>\n<p>Wir kommen dann an der ehemaligen deutschen Schule vorbei, die heute noch f\u00fcr hiesige Verh\u00e4ltnisse modern aussieht, ein ganzer Campus von niedrigen, einheitlichen Geb\u00e4uden, ein Ensemble, das durchaus freundlicher aussieht als ein durchschnittliches Schulgeb\u00e4ude in Deutschland. Damals diente die Schule der Unterweisung der deutschen Kinder, aber auch der Kinder der afrikanischen Oberschicht. Heute kann sie von jedem besucht werden.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber ist der Maasai Markt, einem Markt mit fast ausschlie\u00dflich touristischen Produkten. Die weise Regierung, erkl\u00e4rt mein Begleiter, hat den Maasai diesen Markt zugewiesen, um die H\u00e4ndler von der Stra\u00dfe zu bekommen.<\/p>\n<p>Wir \u00fcberqueren den Maura, einen kleinen Fluss, der Arusha in die \u201afeinere\u2018 Osth\u00e4lfte, in der auch die kommunalen Beh\u00f6rden sind, und die \u201apopul\u00e4rere\u2018 Westh\u00e4lfte trennt. Auf der anderen Seite auf einem \u00fcberdimensionalen Feld fu\u00dfballspielende Jungen, bestimmt an die 40, alle einem einzigen Ball nachjagend. Sowohl ein ebenerdiger Platz als auch ein Ball geh\u00f6ren wohl zu den Rarit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Etwas weiter hat wieder die Regierung in ihrer Weisheit gewirkt und den Landfl\u00fcchtlingen, die in der tr\u00fcgerischen Erwartung von Arbeit und Geld in die Stadt gekommen sind, kleine Parzellen zugewiesen, so etwas wie primitive Schreberg\u00e4rten, um sie vor Hunger und die anderen vor Kriminalit\u00e4t zu bewahren. Irgendwie hat man den Eindruck, dass das zwar die Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit ist.<\/p>\n<p>An einem Strauch pfl\u00fccken wir einen Sodomapfel, eine harte, kleine Frucht, wie eine Stachelbeere mit glatter Haut, so genannt, weil sie der Legende nach die erste Frucht war, die in Sodom nach der Zerst\u00f6rung wieder wuchs. Die Maasai benutzen sie f\u00fcr die Zahnpflege und gegen Zahnschmerzen.<\/p>\n<p>\u00dcberall sieht man Frauen, die Lasten auf dem Kopf ragen. Warum Frauen? Das sei Frauenarbeit, meint mein Begleiter.<\/p>\n<p>Dann erwartet mich eine \u00dcberraschung. Nach einer Abbiegung befinden wir uns auf einmal in einem indischen Viertel, in erster Linie an der Hautfarbe der Menschen und den Turbans der M\u00e4nner zu erkennen. Dort geht es in einen schiitischen Tempel. Mein Begleiter spricht mehrfach von goat, und ich erwarte irgendwelche merkw\u00fcrdigen Riten um ein geheiligtes Tier. Sp\u00e4ter kl\u00e4rt sich der Irrtum auf: nicht goat, sondern God ist gemeint.<\/p>\n<p>Vorsichtig wird die T\u00fcr ge\u00f6ffnet, eine Frau sieht uns argw\u00f6hnisch an, ruft dann einen Mann, und der wiederum ruft den Priester, einen mit dichtem, pechschwarzen Bart ausgestatteten und in einem schwarzwei\u00dfen Gewand gekleideten Mann. Der macht so ein ernstes Gesicht, dass ich glaube, dass wir abgewiesen werden, aber er l\u00e4sst uns hinein und erkl\u00e4rt alles bereitwillig, mit Hilfe eines Assistenten, der Englisch spricht und den \u00dcbersetzer macht.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns die H\u00e4nde reinigen, ein Tuch in Piratenmanier um den Kopf wickeln und die Schuhe ausziehen. Dann geht es in den Gebetsraum, wo man sich niederknien und den Boden k\u00fcssen muss. Im Altar liegt unter T\u00fcchern bedeckt das Buch, das f\u00fcr diesen Tempel oder diese Glaubensrichtung von zentraler Bedeutung ist. \u00dcber dem Altar h\u00e4ngt ein unglaublich kitschiges photo\u00e4hnliches Portrait des Guru, der dieses Buch verfasst hat oder besonders mit ihm in Verbindung gebracht wird. Es ist, wenn ich richtig verstehe, etwa 500 Jahre alt, eine Zahl, die von allen, auch denen, die es wissen, mit Ausdrucken der Bewunderung quittiert wird. Sp\u00e4ter bekommen wir das Buch sogar zu sehen. Es hat eine sch\u00f6ne, aber eher einfache Randverzierung und besteht sonst aus dicht geformtem Text in einer Punjabsprache. Jeden Tag wird am Vormittag und am fr\u00fchen Abend aus diesem Buch gelesen, jeweils f\u00fcr mehr als zwei Stunden. W\u00e4hrend dieser Zeit darf der Priester nicht aufstehen. Gl\u00fccklicherweise hat er einen Stellvertreter, der die Arbeit mit ihm teilt.<\/p>\n<p>Dann geht es in einen Nebenraum, in dem wir vor ein Bett gef\u00fchrt werden oder etwas, das so aussieht, mit d\u00fcnnen, wei\u00dfen T\u00fcchern und einem Vorhang. Ich halte meine \u00dcberraschung zur\u00fcck als ich erfahre, dass es das Bett f\u00fcr das Buch ist. Auf dem Kissen liegt eine Art Wedel, mit dem man dem Buch seinen Respekt erweist, wenn es gebettet wird.<\/p>\n<p>Auf Nachfrage erfahre ich von dem weiterhin sehr streng dreinblickenden Priester, dass seine Barttracht nicht von ungef\u00e4hr kommt. Sie ist eins von f\u00fcnf obligatorischen Accessoires des Priesters. Dazu geh\u00f6ren auch ein Armreif, den er uns zeigt, indem er den \u00c4rmel hochzieht, ein S\u00e4bel, den er aus dem Gewand hervorzieht und eine Art Lendenschurz, den er aber verborgen h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wieder im Gebetsraum wird ein wei\u00dfes Tuch \u00fcber einer Schale zur\u00fcckgeschlagen, und es kommt eine k\u00f6rnige, braune Masse zum Vorschein. Jedem wird eine Handvoll davon serviert. Es ist eine s\u00fc\u00dfliche Masse, die man in kleinen Portionen und unter Wahrung seiner Haltung verzehren muss, ohne so richtig zu wissen, was man dazu sagen soll. Ich nehme mir ein Beispiel an dem \u00dcbersetzer und esse direkt von der Serviette, ohne die Masse mit den Fingern zu ber\u00fchren, w\u00e4hrend mein Begleiter und der Priester mit den Fingern essen.<\/p>\n<p>Am Ausgang gibt es dann noch eine langatmige Erkl\u00e4rung zu einem eingerahmten Schriftst\u00fcck an der Wand, einer Art Chronik dieser Glaubensrichtung. Dort ist, in der Sprache des \u00dcbersetzers jedenfalls, von zehn G\u00f6ttern die Rede, von denen der zehnte der Gott dieses Tempels ist. Der Priester spricht aber von Guru, was doch wohl nicht dasselbe ist.<\/p>\n<p>Um eine Erfahrung reicher, geht es dann wieder auf die Stra\u00dfe, und bald folgt eine \u00dcberraschung anderer Art. Wir kommen auf einen Platz mit einem gro\u00dfen hallenartigen Geb\u00e4ude, dessen Zweck mir erst klar wird, als wir es betreten: Es ist ein riesiger westlicher Supermarkt der s\u00fcdafrikanischen Kette Shoprite. Die wenigen Kunden verlieren sich in der gro\u00dfen Halle. Die Preise hier kann sich kein normaler Mensch leisten.<\/p>\n<p>Das Gegenst\u00fcck dazu ist der Wochenmarkt von Arusha. Hier ist es eng und voll, St\u00e4nde und kleinere Gesch\u00e4fte dr\u00e4ngen sich aneinander und \u00fcberall wird man angesprochen. Es gibt alles, von Bananen bis zu Eimern, und die einzelnen St\u00e4nde sind den Produkten nach geordnet. Alles gibt es lose, oft in gro\u00dfen, oben offenen Leinens\u00e4cken angeboten, u.a. alle m\u00f6glichen Formen von Reis. Bei den Obstst\u00e4nden sind die Fr\u00fcchte schon s\u00e4uberlich aufget\u00fcrmt. Die Bananen sind noch ganz gr\u00fcn. An verschiedenen Ecken sitzen einzelne M\u00e4nner und bieten verschiedenfarbige gemahlene Substanzen in Gl\u00e4sern an. Das ist Naturmedizin.<\/p>\n<p>Dann kommen wir zum Fu\u00dfballstadion, und auch hier werden wir nach ein paar erkl\u00e4renden Worten durch das alte, verbeulte Tor gelassen. Das Stadion hat immerhin einen Rasenplatz und Zuschauerr\u00e4nge, aber keine Sitzpl\u00e4tze. Es ist nach einem Scheich benannt, der hier wohl als M\u00e4zen aufgetreten ist. Kein arabischer Scheich, und keiner, der die Funktion eines Scheichs innehat, sondern ein Kaufmann aus der muslimischen K\u00fcstenregion Tansanias, der den Titel als Ehrenbezeichnung tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>An einer Kreuzung mit Kreisverkehr steht das Freiheitsmonument, mit einer Spitze in der Mitte und bunten Bildern an den Seiten, die in r\u00fchrend einfachem Stil und mit naiver Fortschrittsgl\u00e4ubigkeit die Erfolgsgeschichte der ujamaa, des tansanischen Sozialismus erz\u00e4hlen, von der gemeinsamen Feldarbeit mit Hacke \u00fcber genossenschaftliche Versammlungen bis zu dem mit einem zufriedenen L\u00e4cheln auf dem Traktor sitzenden Bauern.<\/p>\n<p>Wir kommen am Arusha Declaration Museum vorbei, das ich mir sp\u00e4ter noch ansehen will, und kommen zu dem riesigen, schwer bewachten, modernen internationalen Konferenzzentrum, in dem gegenw\u00e4rtig das Ruanda-Tribunal stattfindet.<\/p>\n<p>Dann geht es \u00fcber einen kleinen befestigten Weg f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger, an dessen Rand auf einmal in loser folge S\u00e4rge stehen, die meisten in hellen Farben oder in leuchtendem Wei\u00df bemalt. Die Erkl\u00e4rung: Auf der anderen Wegseite liegt, etwas zur\u00fcckversetzt, das kommunale Krankenhaus, und hier bieten die Bestattungsunternehmer gleich ihre Dienste an.<\/p>\n<p>Nach der R\u00fcckkehr ins Via Via m\u00f6chte ich noch ein mbege, Bananenbier, probieren, und frage meinen Begleiter, ob er mir Gesellschaft leisten will, ohne zu wissen, worauf ich mich dabei einlasse. Es geht durch die ganze Stadt zur\u00fcck und \u00fcber die Stra\u00dfe, die stolz als eine der Hauptstra\u00dfen Ostafrikas vorgestellt wird und Nairobi mit Moshi verbindet. Es ist die Landstra\u00dfe, an der auch unser Zentrum liegt. Dann geht es an einer Reihe selbstgebastelter H\u00e4user entlang, bis es pl\u00f6tzlich in einen Hauseingang hineingeht. H\u00e4tte ich nicht schon Vertrauen zu meinem Begleiter gefasst, h\u00e4tte ich mich nicht hier hineingetraut. Wir kommen in einen dunklen Raum, in dem lauter M\u00e4nner hinter dem Tresen stehen und Bananenbier aus gro\u00dfen Plastikbechern trinken. Im letzten Moment kann ich erreichen, dass wir eine Flasche bekommen, obwohl f\u00fcr die Einheimischen bestimmt das lose Getr\u00e4nk das Ma\u00df aller Dinge ist. Wir bleiben aus unerfindlichen Gr\u00fcnden nicht an der Theke, sondern ziehen uns in einen kargen Raum mit Lehmboden und einer Holzbank zur\u00fcck. Das gebietet wohl die Gastlichkeit. Wir nehmen das Bier auch nicht einfach mit. Es wird uns in diesem Raum \u201eserviert\u201c. Es schmeckt zwar irgendwie fruchtig, aber kaum nach Bananen, eher vielleicht nach \u00c4pfeln, und hat \u00fcberhaupt etwas von Cidre. Das Bananenbier ist von der Marke Raha, und das hei\u00dft \u201agl\u00fccklich\u2019. Ob der Name gerechtfertigt ist, wei\u00df ich nicht, aber am Ende des Bieres, als uns der Gespr\u00e4chsstoff ausgeht, singen wir jedenfalls zusammen Kinderlieder auf Suaheli.<\/p>\n<p>Dennoch habe ich noch die Energie, mir das Declaration Museum anzusehen. Mein Begleiter bringt mich dorthin und verabschiedet sich dann.<\/p>\n<p>Man sieht Beispiele f\u00fcr die Naturmedizin der Maasai, die, nach jahrhunderterlanger Anwendung, von den Kolonialherren unterdr\u00fcckt wurde, von den Deutschen v\u00f6llig verboten, von diplomatischeren Briten nur dann erlaubt, wenn kein Hexenzauber im Spiel war und wenn es keine Toten gab. Wie man das eine kontrollieren und das andere verhindern konnte, wird nicht erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Die Maasai sind traditionellerweise Nomaden, aber die Beh\u00f6rden, auch die afrikanischen, haben immer Druck ausge\u00fcbt, um sie sesshaft zu machen, teils mit Erfolg.<\/p>\n<p>Besonderen Wert hat bei den Maasai der Perlenschmuck. Er identifiziert Status und Alter. M\u00e4nner legen au\u00dferdem gr\u00f6\u00dften Wert auf die Frisur und verbringen Wochen vor dem Spiegel, wenn sie sich f\u00fcr einen besonderen Anlass vorbereiten.<\/p>\n<p>K\u00fche werden gehalten, aber selten geschlachtet. Sie gelten als Statussymbol und als Absicherung f\u00fcr wirtschaftlich schwere Zeiten.<\/p>\n<p>All Stammbezeichnungen, nicht nur die der Maasai, beginnen mit wa-, das den Plural markiert: Wagogo, Wahakonde, Wasakuma, Wamaasai.<\/p>\n<p>In Bildern und einigen Exemplaren wird die Keramik aus Ikombe am Viktoriasee vorgesellt, das sich auf diesem Gebiet einen besonderen Namen gemacht hat. Das Feuer wird mit Bananenbl\u00e4ttern entfacht und erst am Nachmittag entz\u00fcndet, da dann die Winde g\u00fcnstiger sind. Die Keramik wird bei niedriger Temperatur, 600-700\u00b0, gebrannt und wird dadurch por\u00f6s und h\u00e4lt das Wasser kalt.<\/p>\n<p>Die Geschichte im engeren Sinne beginnt erst mit den Kolonialherren. Vasco da Gama erreichte 1494 die K\u00fcste, und es wurden portugiesische Handelsst\u00fctzpunkt gegr\u00fcndet. Dadurch kam man aber in Konflikt mit den Arabern, und es entstanden portugiesische Befestigungen.<\/p>\n<p>In Vertr\u00e4gen im 19. Jahrhundert wurde Ostafrika zwischen Briten und Deutschen aufgeteilt. Dabei kamen Ruanda und Burundi zu Deutschland, Sansibar wurde an die Engl\u00e4nder abgetreten. Nach dem ersten Weltkrieg kam Deutsch-Ostafrika zu  Belgien, dann zu Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Der letzte Teil des kleinen Museums, das nicht die durch den Reisef\u00fchrer geweckten Erwartungen erf\u00fcllt, besch\u00e4ftigt sich mit der j\u00fcngeren Geschichte seit der Unabh\u00e4ngigkeit. Er ist eine Hommage an Nyerere, der hier immer mit dem Titel \u201aLehrer\u2019 genannt wird: Mwalimu Nyerere.<\/p>\n<p>Als er 1961 von der Konferenz zur\u00fcckkehrte, auf der ihm die Unabh\u00e4ngigkeit zugesichert wurde, wurde sein Pass konfisziert. Nyerere wurde erst Premierminister und war dann 24 Jahre lang Pr\u00e4sident. 1964 erreichte er die Union mit Sansibar, und 1967 erfolgte die Erkl\u00e4rung von Arusha, nach der das Museum benannt ist. Sie propagierte einen Sozialismus ohne Blockzugeh\u00f6rigkeit und die Verstaatlichung von Banken und Betrieben. In einer symboltr\u00e4chtigen Aktion schloss sich Nyerere einem Volksmarsch zur Unterst\u00fctzung der Erkl\u00e4rung \u00fcber 212 Kilometer an. 1978 trat er in den Krieg mit Idi Amis Uganda ein, das in Tansania einmarschiert war. Uganda war ausgerechnet das Land, in dem Nyerere studiert hatte, am University College in Kampala.<\/p>\n<p>Nach dem Kauf von ein paar Ansichtskarten in dem Museumsshop gehe ich noch ein bisschen durchs Zentrum. Drei bettelnden Jungen in dreckigen, zerlumpten Kleidern gebe ich 1.000 Schilling \u2013 ausdr\u00fccklich f\u00fcr alle zusammen. Tats\u00e4chlich ziehen sie damit ab.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Taxifahrt will der Fahrer 15.000 Schilling. Ich fordere 12.000, wir einigen uns auf 13.000. Dann meint er am Ende aber doch, die Fahrt sei 15.000 wert gewesen, und ich bin zu m\u00fcde, um Widerstand zu leisten, selbst dann, als er nur 3.000 zur\u00fcckgeben kann \u2013 eine alte Strategie \u2013 und ich am Ende 17.00 bezahle. Daf\u00fcr war die Fahrt wirklich sehr angenehm. Der Taxifahrer besteht darauf, Suaheli zu sprechen und macht das mit so gro\u00dfer Geduld und so gro\u00dfem Geschick, dass es wirklich klappt. Und f\u00fcr eine Taxifahrt plus Unterricht sind 17.000 nicht zu viel. Eine Sache bleibt allerdings offen: Wir sind gleich alt, aber er ist drei Jahre sp\u00e4ter geboren. Entweder hakt es hier bei der Arithmetik oder bei der Sprache.<\/p>\n<p>20. August (Sonntag)<br \/>\nEin deutscher Entwicklungshelfer, der in einem entfernt gelegenen Winkel Tansanias arbeitet und an einem anderen Kurs teilnimmt, gibt mir ein St\u00fcck Jatrophaseife. Jatropha ist ein Pflanze, die als St\u00fctzpflanze f\u00fcr Vanille dient. Sie hat viele Vorteile: Sie w\u00e4chst praktisch auf jedem Boden und wird nicht von Tieren angefressen. Nur hat man sie bisher nicht genutzt. Jetzt hat man entdeckt, dass sie \u00f6lhaltige Fr\u00fcchte tr\u00e4gt, aus denen sich u.a. Seife herstellen l\u00e4sst. Und das wird jetzt von verschiedenen Entwicklungshilfeprojekten vorangetrieben, indem Fabriken aufgebaut werden, in denen Afrikaner in Arbeit und Brot kommen. Die sch\u00f6n in Bananenbl\u00e4ttern verpackte, nicht parf\u00fcmierte Seife soll dann in Touristenl\u00e4den verkauft und auch exportiert werden. Aus dem \u00d6l k\u00f6nnen auch Hautpflegemittel entwickelt werden. Das Fernziel besteht darin, aus der Pflanze Diesel\u00f6l zu entwickeln.<\/p>\n<p>Nach meinen bisherigen Beobachtungen sind die Ostafrikaner, au\u00dfer den auf die Touristen angesetzten fliegenden H\u00e4ndlern und anderen Kletten, eher scheu und haben mit dem Stereotyp des extrovertierten oder gar h\u00fcpfenden und singenden Neger wirklich gar nichts gemein.<\/p>\n<p>Am Morgen merke ich, dass ich mir am Vortag einen Sonnenbrand geholt habe. Dabei war die Sonne gar nicht so stark, oder wirkte jedenfalls nicht so. Von allen Seiten wird Aloe empfohlen, und Silje bringt, angesichts meiner Verst\u00e4ndnislosigkeit, kurz sp\u00e4ter gleich welche mit. Es hat eine wohltuende und bald auch lindernde Wirkung. Die Schwarzen, so best\u00e4tigt uns ein Afrikaner, bekommen nie Sonnenbrand.<\/p>\n<p>21. August (Montag)<br \/>\nDie Bezeichnung der Wochentage auf Suaheli basiert, bis auf Donnerstag und Freitag, auf Zahlen. Man z\u00e4hlt praktisch durch, \u201aerster Tag\u2019, \u201azweiter Tag\u2019, usw., beginnt dabei aber nicht mit dem Montag, sondern mit dem Samstag, so dass der Montag der dritte Tag ist. Der f\u00fcnfte Tag, im Russischen der Freitag und im Griechischen der Donnerstag, ist hier also der Mittwoch! Zur weiteren Verwirrung tr\u00e4gt bei, dass Samstag und Sonntag, trotz der islamisch orientierten sprachlichen Hervorhebung von Donnerstag und Freitag, das Wochenende sind.<\/p>\n<p>Auch hier im Zentrum werden die Tassen und Kannen f\u00fcr den Tee in K\u00f6rben auf dem Kopf getragen, manchmal mit einer Hand zur Sicherung der Last am oberen Rand des Korbs.<\/p>\n<p>Dyan und Steve erz\u00e4hlen von \u00c4thiopien und seinen bestens erhaltenen mittelalterlichen Burgen sowie von einem ganzen Ensemble von in den Fels gehauenen, unterirdischen, miteinander verbundenen Kirchen. Ich muss sie stoppen, um nicht auf der Stelle ins Reiseb\u00fcro zu laufen und einen Flug nach \u00c4thiopien zu buchen.<\/p>\n<p>Die Medikamente gegen Malaria haben solche Nebeneffekte (und sind au\u00dferdem so teuer), dass viel \u00c4rzte von ihnen abraten, gerade wenn man lange Zeit in Afrika verbringt. Die Norweger haben sie abgesetzt, nachdem ihnen die Haare ausfielen.<\/p>\n<p>Der Indische Ozean ist salzhaltiger als der Atlantik, und man kann sich ganz gem\u00fctlich auf dem Wasser treiben lassen. Er ist auch ruhiger und w\u00e4rmer, auch da, wo die beiden Meere, wie in S\u00fcdafrika, aufeinandertreffen.<\/p>\n<p>Die Bantus waren mit ihrer auf Landwirtschaft basierenden Lebensweise so erfolgreich, dass es rasch zu Bev\u00f6lkerungswachstum und dann zu Bev\u00f6lkerungs\u00fcberschuss und Landknappheit kam. So breiteten sie sich rasch von ihrem Stammland, vermutlich dem heutigen Kamerun, \u00fcber weite Teile Zentral- und S\u00fcdafrikas aus.<\/p>\n<p>Kurioser kultureller Unterschied: Ich hoffe, dass die Affen n\u00e4her kommen, um ein Photos zu machen, die Afrikaner verscheuchen sie.<\/p>\n<p>22. August (Dienstag)<br \/>\nVon der Geschichte des Inlands Tansanias ist herzlich wenig bekannt, anders als von der K\u00fcste und von Sansibar. Dar\u00fcber gibt es Aufzeichnungen von Griechen, R\u00f6mern, \u00c4gyptern, Persern und Arabern. Die Handelst\u00e4dte an der K\u00fcste entstanden wegen der Monsunwinde, die die H\u00e4ndler zwangen, vor Ort zu bleiben, bis die Winde die Richtung wechselten und die Heimkehr erm\u00f6glichten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kamen sogar Malayen und Indonesier nach Ostafrika. Diese brachten Bananen und Kokosn\u00fcsse mit.<\/p>\n<p>Sprichwort der Haya, im Reisef\u00fchrer gefunden: \u201aA child that does not travel praises its mother\u2019s cooking\u2019.<\/p>\n<p>Das Wort mtu f\u00fcr \u201aMensch\u2019 (Plural watu) ist wohl mit Bantu verwandt, das auch einfach \u201aMensch\u2019 hei\u00dft.<\/p>\n<p>Die Tutsi haben, wie die Normannen in England, die Sprache der Eroberten, der Hutu, \u00fcbernommen. Sie selbst sind nach K\u00f6rperbau und Lebensweise eher mit den Maasai verwandt, die eine kuschitische Sprache sprechen.<\/p>\n<p>Das Christentum wurde genau dann ins \u201aunverdorbene\u2019 Afrika verpflanzt, als es in Europa im 19. Jahrhundert an Wirkkraft einb\u00fcsste und unter Kritik geriet, genauso wie sp\u00e4ter die \u201areine\u2019 Lehre des Marxismus nach Afrika exportiert wurde, nachdem in Europa ihre Durchsetzung gescheitert war.<\/p>\n<p>Im Zuge von Lom\u00e9 (und den Folgeabkommen) pumpt die westliche Welt 13 Milliarden j\u00e4hrlich in Projekte in Afrika. H\u00f6rt sich gewaltig an, aber die EU alleine pumpt 195 Milliarden j\u00e4hrlich in ihre eigenen strukturschwachen Gebiete.<\/p>\n<p>Nyerere gelang ein unblutiger \u00dcbergang in die Unabh\u00e4ngigkeit, aber sein \u00f6konomisches Erbe war eine B\u00fcrde f\u00fcr Tansania. Die Politik der ujamaa (\u201aZusammenhalt\u2019, \u201aSolidarit\u00e4t\u2019), das \u00f6konomische Kernst\u00fcck des Konzepts des unabh\u00e4ngigen Sozialismus, scheiterte: Menschen wurden aus ihren angestammten D\u00f6rfern in zentrale kollektive D\u00f6rfer \u00fcberf\u00fchrt. Die Folge: Korruption und Verlust des vorher produktiven Landes.<\/p>\n<p>Sansibar musste die Union mit Tanganjika z\u00e4hneknirschend hinnehmen, da man sich durch die Art der Erk\u00e4mpfung der Unabh\u00e4ngigkeit selbst geschw\u00e4cht und international isoliert hatte: Die Unabh\u00e4ngigkeit wurde mit einem grausamen Massaker an der arabischen und indischen Minorit\u00e4t erfochten. Nur ein winziger Teil der nichtafrikanischen Bev\u00f6lkerung blieb in Sansibar, und es setzte ein \u00f6konomischer Niedergang ein.<\/p>\n<p>Die Kultur der Suaheli, eine Mischung aus arabischen, muslimischen und persischen Elementen, entstand, als die Perser im 10. Jahrhundert nach Ostafrika kamen und sich mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung vermischten.<\/p>\n<p>Die Frage nach der Quelle des Nils, immer schon, seit der Antike, Gegenstand  von Spekulationen, wurde im 19. Jahrhundert Gegenstand der Kontroverse zwischen den gemeinsam reisenden britischen Entdeckern Burton und Speke. Speke behielt recht mit seiner Behauptung, der Nil entspringe dem Viktoriasee, w\u00e4hrend Burton daran festhielt, es m\u00fcsse der Tanganjikasee sein. Irgendwann galt die Frage als endg\u00fcltig beantwortet. Andererseits argumentieren einige, dass zwar der Nil tats\u00e4chlich aus dem Viktoriasee komme, es aber auch zwei Fl\u00fcsse gebe, die in den Viktoriasee m\u00fcnden. Man k\u00f6nnte also auch sagen, einer der beiden sei die Quelle des Nils. Aber welcher? Letztlich wird hier aus der geographischen Frage eine linguistische. Letztlich ist eben alles Sprache.<\/p>\n<p>Der erste Europ\u00e4er, der den Kilimandscharo sah, war ein Deutscher. Als er von einem schneebedeckten Berg in der N\u00e4he des \u00c4quators berichtete, glaubte ihm zu Hause kein Mensch.<\/p>\n<p>Am Abend kommt Steve, nachdem ich am Nachmittag eine Klasse frustriert habe ausfallen lassen, und fragt mich, ob alles in Ordnung sei. Dabei ist er gar nicht in meiner Gruppe. Er muss einen sechsten Sinn haben. Ich sage ihm, wahrheitsgem\u00e4\u00df, es ginge jetzt schon deshalb besser, weil er gefragt habe.<\/p>\n<p>Wenn nachts der Strom ausf\u00e4llt, wird der Generator nicht angestellt. Man tastet sich dann im Dunkel zur Toilette.<\/p>\n<p>Es gibt zwei Arten von Nash\u00f6rnern, die im Englischen White Rhinoceros (Breitmaulnashorn) und Black Rhinoceros (Spitzmaulnashorn) hei\u00dfen. Merkw\u00fcrdig, denn beide haben das gleiche, gr\u00e4uliche Fell. Die Erkl\u00e4rung: das white f\u00fcr das Breitmaulnashorn ist eine falsche \u00dcbersetzung von Afrikaans wijd, \u201abreit\u2019, und da die eine Art nun mal White Rhinoceros hie\u00df, nannte man die andern eben Black Rhinoceros.<\/p>\n<p>Die F\u00e4rbung der Zebras scheint nicht gerade eine ideale Tarnung zu sein, ist es aber doch: Wenn ganze Herden sich in Bewegung setzen, kann der Verfolger kaum ein Tier von dem anderen unterscheiden. Au\u00dferdem soll es sie Tsetsefliegen verwirren.<\/p>\n<p>23. August (Mittwoch)<br \/>\nHeute den Unterricht geschw\u00e4nzt und statt dessen mit dem Bus nach Moshi gefahren. Man stellt sich an den Stra\u00dfenrand und hofft, dass irgendwann ein richtiger Bus h\u00e4lt. Das passiert dann auch tats\u00e4chlich. Die Fahrt dauert anderthalb Stunden. Das Fahrgeld und das Wechselgeld werden dann von den Passagieren durch die Reihen an den Schaffner weitergegeben. Der faltet nach nationaler Sitte seine Scheine der L\u00e4nge nach einmal und legt sie dann \u00fcbereinander.<\/p>\n<p>Im Bus gibt es eine Reihe mit einem und eine mit zwei Sitzen, aber dazwischen gibt es auch Sperrsitze, und als der Bus sich langsam f\u00fcllt, werden die runtergeklappt und aus drei Sitzen wird eine provisorische Bank, und auf der nehmen nicht etwa vier, sondern f\u00fcnf Passagiere Platz. Bemerkenswert die v\u00f6llige Abwesenheit westlicher H\u00f6flichkeitsformeln. Man fragt grunds\u00e4tzlich nicht, ob noch frei ist, auch wenn man dem anderen dabei ganz eng auf die Pelle r\u00fcckt. Wenn Platz da ist, setzt man sich.<\/p>\n<p>Die Gegend ist karg, es gibt weite Ebenen, und die abgeernteten Maisfelder sehen trostlos aus. Der Kilimandscharo liegt in einer Dunst- und Wolkenschicht. Wenn man nicht gezielt sucht, kann man ihn glatt \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Die M\u00e4nner sind meist westlich gekleidet, die meisten leger, einige elegant. Nur einige alte M\u00e4nner tragen eine traditionelle, runde und oben abgeflachte Kopfbedeckung.<\/p>\n<p>Vor mir setzt sich eine uralte Maasai-Frau mit geschorenem Sch\u00e4del und langen, baumelnden Ohrl\u00e4ppchen, durch deren L\u00f6cher ganze Schmuckb\u00e4nder gesteckt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Fahrt habe ich Zeit, ein paar Dinge zu rekapitulieren, die ich von unseren \u201eAfrikanern\u201c geh\u00f6rt habe: Korruption ist demnach unvermeidlich. Sie ist f\u00fcr den Afrikaner, wenn er davon profitieren und Geld kassieren kann, die Chance seines Lebens. Sie zu wahren, ist aus praktischen und sogar aus moralischen Gr\u00fcnden geboten. Wenn er sie nicht nutzt, l\u00e4sst er damit seine engsten Angeh\u00f6rigen, aber auch die weitere Sippschaft und die Nachbarschaft, bei hochrangigen Politikern sogar seinen Stamm im Stich. Er w\u00fcrde sich an ihnen regelrecht schuldig machen.<\/p>\n<p>Ebenso \u00fcberraschend f\u00fcr den Mzungu: Sparen, Vorsorge sind so gut wie unm\u00f6glich. Man ist immer f\u00fcr mehr Menschen als nur f\u00fcr sich selbst verantwortlich, und es gibt immer jemanden, der in Not ist. Wenn ich mehr erwirtschafte, als ich f\u00fcr heute brauche, wird der \u00dcberschuss sofort von jemandem in Anspruch genommen. F\u00fcr mich selbst kann ich nichts f\u00fcr die Zukunft aufbauen. Also lehne ich mich zur\u00fcck und genie\u00dfe den Rest des Tages. Eine einleuchtende, geradezu rationale Erkl\u00e4rung von Faulheit.<\/p>\n<p>Moshi ist eine kleine, ruhigere Version von Arusha. Zu sehen gibt es so gut wie gar nichts.<\/p>\n<p>Auf einer steil ansteigenden Stra\u00dfe etwas au\u00dferhalb des Zentrums liegt ein sehr sch\u00f6nes Mzungu-Caf\u00e9. Dort bekomme ich Kaffee, Kuchen, Wasser und zwei Anrufe auf einem Handy f\u00fcr zusammen 2.000 Schilling, $1,60. Nach einigem Hin und Her kann ich f\u00fcr den Nachmittag die Besichtigung einer Kaffeefarm vereinbaren.<\/p>\n<p>Bis dahin bummele ich ein bisschen durch die Stadt und mache Photos von drei kleinen Schulkindern, von zwei jungen M\u00e4dchen, von einem Bus am gesch\u00e4ftigen Busbahnhof und von einem der vielen N\u00e4her, die am Stra\u00dfenrand sitzen und ihre Dienste anbieten, einem der wenigen pittoresken Motive der Stadt. Die Bitte, ob man ein Photo machen darf, wird teils versch\u00e4mt, teils begeistert gew\u00e4hrt und teils versch\u00e4mt, teils entschieden verwehrt.<\/p>\n<p>Auf dem hiesigen Markt sitzen die Frauen unter riesigen westlichen Regenschirmen, die zu Sonnenschirmen umgewidmet worden sind.<\/p>\n<p>Inmitten all der Armut sieht man eine nicht zu vernachl\u00e4ssigende Minderheit mit Handys.<\/p>\n<p>Ein blinder Bettler bekommt auch von den Einheimischen Geld zugesteckt.<\/p>\n<p>Vereinzelte W\u00f6rter kann ich jetzt identifizieren, gesprochen und geschrieben, und an einer H\u00e4user wand verstehe ich ein Hinweisschild sogar ganz: Rangi ya Nyumba \u2013 Farben f\u00fcr das Haus.<\/p>\n<p>Ein Hinweisschuld zu einer Zahnklinik enth\u00e4lt das Wort Zahanti \u2013 ob das die korrupte Version von Zahnarzt ist?<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfennamen sind englisch: High Street, School Street, Hill Street. Warum, wei\u00df der Geier. Wahrscheinlaich hat es vor der englischen Kolonialzeit keine Stra\u00dfennamen gegeben.<\/p>\n<p>Zeitungsverk\u00e4ufer auf der Stra\u00dfe bieten aktuelle tansanische und veraltete westliche Zeitungen an. Das sind die, die in den Flugzeugen \u00fcbrig bleiben und so in den \u201eHandel\u201c gelangen.<\/p>\n<p>Dann geht es mit dem Taxi zur Makoa-Farm, \u00fcber die Hauptstra\u00dfe, dann \u00fcber eine gewundene, einsame Landstra\u00dfe. Unterwegs kommen uns Pickups entgegen, die bis zum letzten Winkel mit Schulkindern beladen sind \u2013 stehend. Sie winken uns fr\u00f6hlich, geradezu begeistert, zu. Wir machen auch einmal Halt, um ein Photo vom Kilimandscharo zu machen, den man von hier aus besser, wenn auch immer noch nicht gut sehen kann.<\/p>\n<p>Dann geht es \u00fcber einen holprigen Weg aus Lehm mit Steinen und tiefen Schlagl\u00f6chern, den man normalerweise allenfalls mit dem Traktor befahren w\u00fcrde. Der Taxifahrer bringt mich bis ans Ende des befahrbaren Weges. Von dort aus muss ich zu Fu\u00df weiter. Vorher hat er aber noch Gelegenheit, sich \u00fcber den Mzungu zu belustigen, der die Pflanzen rechts der Weges nicht kennt: Kaffee.<\/p>\n<p>Erst nach der Besichtigung stellt sich heraus, dass ich auf der falschen Farm gelandet bin. Die aus den Reisef\u00fchrer hat einen \u00e4hnlichen Namen, Makuru-Farm, hat aber die Besichtigungen wegen mangelnder Nachfrage eingestellt. Umso erstaunlicher, dass es hier klappt. Die Frau, die mich begr\u00fc\u00dft und mir zwei Angestellte zur Seite gibt, ist eine deutsche Tier\u00e4rztin, die Besitzerin der Farm. Das wei\u00df ich aber nicht und wir sprechen Englisch miteinander.<\/p>\n<p>Mit dem nur Suaheli sprechenden Kaffeepfl\u00fccker und einer Angestellten, die in Amerika gelebt hat und flie\u00dfend Englisch spricht, geht es \u00fcber die Plantage. Erst sehen wir zwei ganz junge Maribus mit flauschigem Gefieder, die reglos unter einem Baum sitzen und die ich zuerst f\u00fcr Skulpturen halte, dann sehen wir noch ein paar andere Tiere, u.a. ein Wildschwein und ein Warzenschwein, die in einem Stall gehalten werden.<\/p>\n<p>Dann kommen die Kaffeestr\u00e4ucher, in Reih und Glied wie Rebst\u00f6cke auf einem Weinfeld gepflanzt. Zwischen den Reihen ist genug Platz, um mit dem Traktor das Unkraut zu beseitigen, aber die Beeren werden von Hand gepfl\u00fcckt. Die Beeren h\u00e4tte ich genauso wenig wie die Str\u00e4ucher identifizieren k\u00f6nnen. Sie sind gr\u00fcn bis rot, und enthalten die eigentlichen Kaffeebohnen, und zwar jeweils zwei. Um daran zu kommen, muss man die Beeren aus der Schale l\u00f6sen, eine Arbeit, bei der ich mich zur Belustigung der beiden Begleiter ziemlich ungeschickt anstelle. Sie helfen mir aber, bis es endlich klappt. Die Bohnen sind glitschig und s\u00fc\u00df. Wegen der S\u00fc\u00dfe sind sie auch bei Kindern und Affen beliebt.<\/p>\n<p>Im ersten Jahr tragen die Str\u00e4ucher wei\u00dfe Bl\u00fcten, aber noch keine Fr\u00fcchte. Ab dem 2. Jahr tragen sie dann auch Fr\u00fcchte, und im 4. Jahr sind sie ungef\u00e4hr mannshoch. Es gibt zwei Arten, solche, die die Zweige auseinander breiten und solche, die die Zweige wie sch\u00fctzend um die Beeren legen. Diese sind ertragreicher. Die \u00e4lteren Str\u00e4ucher, mit Zweigen voller roter Beeren, sehen richtig sch\u00f6n aus. Sie haben mehrere Ernten pro Jahr, achtmal und teils noch \u00f6fter, wie mit Stolz vermeldet wird. Die Ernteweit beginnt im M\u00e4rz, mitten in der Regenzeit, und geht bis etwa Oktober. Die Arbeit beginnt fr\u00fch am Morgen, wenn es noch k\u00fchl ist. Jetzt, am Nachmittag, ist kein Pfl\u00fccker mehr aktiv. Die Arbeit wird nach Akkord bezahlt. Es gibt ganze Heere von Pfl\u00fcckern, die von Farm zu Farm wandern. Auf dieser Farm werden bis zu 500 Pfl\u00fccker gleichzeitig eingesetzt.<\/p>\n<p>Neben Kilimandscharo sind in Tansania Iringa, Arusha und Bukoba bekannt f\u00fcr den Kaffeeanbau, in anderen Regionen gibt es keinen Kaffee, z.B. in Tanga, wo es daf\u00fcr Kokosn\u00fcsse gibt.<\/p>\n<p>Am Rande der Kaffeeplantagen stehen auch Mangob\u00e4ume und Avocadob\u00e4ume. Beide stehen jetzt in Bl\u00fcte, tragen aber keine Fr\u00fcchte.<\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzerin hat ein halbes Jahr in Vermont gelebt, und zwar im Winter. Als sie ankam, war es 20\u00b0 warm, und sie vermeldete nach Hause, es sei sehr kalt. Dann wurde es richtig kalt, und ihr fehlten die Worte, um diese unvorstellbare K\u00e4lte zu beschreiben. Der Eindruck hat sich ihr f\u00fcr immer ins Ged\u00e4chtnis geschrieben. Wenn sie heute gefragt wird, ob sie nicht einmal den Kilimandscharo besteigen wolle, sagt sie ganz klar nein. Sie habe genug Schnee f\u00fcr ihr ganzes Leben gehabt.<\/p>\n<p>Interkulturelle Kommunikation: Mir wird gesagt, so viel Regen wie dieses Jahr habe es schon lange nicht mehr gegeben, und ich stelle die offensichtlich bl\u00f6de Frage, ob das gut oder schlecht sei: Gut nat\u00fcrlich! Auch in regenreichen Jahren ist Bew\u00e4sserung n\u00f6tig, und man zeigt mir mit Stolz die primitive Vorrichtung.<\/p>\n<p>Als wir zur\u00fcckkehren, zeigt sich der Kilimandscharo von seiner besseren Seite, aber mit dem klassischen Photo hat es immer noch wenig gemein.<\/p>\n<p>Zum Schluss geht es in die Fabrik. Auch hier ist jetzt Stillstand, aber man kann eine steinerne Rutsche sehen, auf der die Kaffeebohnen mit hohem Wasserdruck hinuntergetrieben werden, wobei die schwereren, und das hei\u00dft wohl die besseren, durch ein Sieb in eine tiefer gelegene Rinne fallen. Man sieht auch steinerne Tr\u00f6ge, in denen die Bohnen mehrere Tage in Wasser gelagert werden, damit sie die s\u00fc\u00dfe Schicht absto\u00dfen. Zu Schluss sieht man die fertigen, gr\u00e4ulichen, unger\u00f6steten Kaffeebohnen in groben S\u00e4cken. Hier in Tansania isst man sie auch. Sie werden in einer Pfanne gebraten.<\/p>\n<p>Zum Abschied bekomme ich von der deutschen Besitzerin, deren Ehemann, ebenfalls deutscher Tierarzt, im Hintergrund telephoniert und nach einem Hufschmied sucht, noch ein Glas Fruchtsaft. Diesmal unterhalten wir uns aber auf Deutsch. Mir wird empfohlen, nicht zur\u00fcck zur Hauptsra\u00dfe zu laufen &#8211; das sei zu weit \u2013 sondern den Daladala zu nehmen. Mit deren Existenz bin ich schon aus Arusha vertraut, habe aber noch keinen bestiegen. Es sind Kleinbusse, von Privatunternehmern betrieben, bei denen die Regel gilt: Nicht die Zahl der Pl\u00e4tze bestimmt die Zahl der Passagiere; es fahren so viele Passagiere mit, wie reinpassen. Der Name soll sich von Dollar ableiten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Landstra\u00dfe geht es aber erst einmal zu Fu\u00df. Auf dem Weg kommen mir Schulkinder in kleineren und gr\u00f6\u00dferen Gruppen entgegen, die mir, ungeachtet der Tageszeit, fr\u00f6hlich \u201eGood morning\u201c zurufen. Ich antworte ebenso gutgelaunt \u201eGood morning\u201c.<\/p>\n<p>Dann warte ich an der Landstra\u00dfe auf den Daladala zur Hauptstra\u00dfe. Noch nirgendwo hatte ich so sehr das Gef\u00fchl, in Afrika angekommen zu sein. Von der anderen Stra\u00dfenseite, an der sich an einigen Holzverschl\u00e4ge einige \u201eGesch\u00e4fte\u201c befinden, werde ich neugierig oder versch\u00e4mt be\u00e4ugt. Einen Mzungu, der sich einfach an die Stra\u00dfe stellt, um auf den Daladala zu warten, sieht man hier vermutlich nur alle paar Jahre. An der anderen Stra\u00dfenseite stehen auch Bauern mit Holz- und Maisb\u00fcndel, die den haltenden Daladala nicht besteigen k\u00f6nnen, weil sie nicht reinpassen. An meiner Haltestelle spreche ich mit ein paar ebenfalls wartenden Jungen. Als ich dann den Daladala besteige, bin ich endg\u00fcltig in Afrika angekommen. Ich bin Gespr\u00e4chsgegensand und Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr den ganzen Bus. Alle meine Antworten werden eifrig kommentiert. Ich erz\u00e4hle, dass es im Deutschen auch das Wort Schule gibt. Das erregt gro\u00dfe Freude und eifrige Kommentare. Man scheint das entweder f\u00fcr eine wundersame F\u00fcgung zu halten oder eine r\u00e4tselhafte Anleihe des Deutschen beim Suaheli. Auf die naheliegende Erkl\u00e4rung, dass es sich um ein \u00dcberbleibsel der deutschen Kolonialherrschaft handelt, scheint keiner zu kommen. Endg\u00fcltige Begeisterung bricht aus, als mir eine Frau eine Begr\u00fc\u00dfung auf Chagga beibringt, und ich es im dritten Anlauf schaffe, sie nachzusprechen. Ein M\u00e4dchen neben mir, das sch\u00fcchtern wirkt und leise spricht, l\u00e4sst sich dennoch die Gelegenheit nicht entgehen, ihr Englisch zu praktizieren, auch nach ein paar Anlaufschwierigkeiten. Sie spricht wirklich ziemlich gut. Und ich erfahre, dass Suaheli ihre Muttersprache ist, die bisher einzige, die ich gefragt habe, die nicht noch eine weitere Stammessprache spricht.<\/p>\n<p>Als der Daladala an der Hauptsra\u00dfe ankommt, werde ich sofort von zwei jungen M\u00e4nnern im Empfang genommen, die mich von beiden Seiten am Arm festhalten, mich mit my friend anreden und wissen wollen, wohin die Reise geht. Ich habe \u00fcbelste Vorahnungen, dass ich entf\u00fchrt oder ausgeraubt oder \u00fcberlistet werden soll, aber sie bringen mich nur \u00fcber die Stra\u00dfe zum richtigen Bus.<\/p>\n<p>Dort wird es immer voller, und wieder errege ich Aufsehen, als ich f\u00fcr eine Frau aufstehe. Sie wehrt sich erst, nimmt dann aber an. Bald danach werden wieder Pl\u00e4tze frei. Ich gebe eine Runde eiskaltes Wasser aus, das an den Haltestellen von fliegenden H\u00e4ndlern angeboten wird und zwinge meinen Nachbarn wieder ein paar S\u00e4tze Suaheli auf. Als der Platz neben mir frei wird, setzt sich ein junger Mann, der die Unterhaltung verfolgt hat, neben mich. Er selbst hat in der Armee, in der chinesische Ausbilder t\u00e4tig sind, Chinesisch gelernt und hat Interesse an allem, was mit Sprache zu tun hat. Sein Englisch ist ausgezeichnet. Er arbeitet als Ingenieur in den Tansanit-Bergwerken, die man in der Ferne sieht, und ist nach einer mehrt\u00e4gigen Schicht jetzt auf dem Weg nach Moshi, wo er zuhause ist und mehrere freie Tage genie\u00dfen kann. Der Tansanitabbau ist eine der umstrittensten Wirtschaftszweige Tansanias. Die Arbeitsbedingungen, die Gefahren und die Umweltsch\u00e4den werden heftig kritisiert. Aber von all dem wei\u00df ich zu dem Zeitpunkt nichts und kann den Berichten unvorbelastet zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>In Arusha angekommen, muss ich dann noch ein Taxi nach Hause nehmen. Der Taxifahrer f\u00e4hrt zuerst zur Tankstelle, wie sein Kollege dieser Tage und wie auch zwei Busse. Da scheint System dahinter zu stecken. Man kann sich einen vollen Tank nicht leisten und muss erst auftanken, wenn man eine l\u00e4ngere Fahrt vor sich hat.<\/p>\n<p>24. August (Donnerstag)<br \/>\nZum Abendessen gibt es gekochte Bananen. Da sind die gr\u00fcnen. Sie schmecken nicht sonderlich nach Bananen und haben die Konsistenz von \u00c4pfeln. Keine kulinarische Offenbarung.<\/p>\n<p>Manchmal, besonders in der Nacht, h\u00f6rt man in der Ferne die Stimme des Muezzin. Ansonsten ist das muslimische Leben kaum pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Auch die als Lehrerin ausgebildete, verwestlichte Mama Lois glaubt felsenfest an Geister. Sie ist gleichzeitig aber Christin. Wenn du ein guter Christ bist, h\u00e4ltst du die Geister von dir fern.<\/p>\n<p>Das Suaheli hat f\u00fcr unsere Ohren witzig klingende Ableitungen, vor allem Reduplikationen wie barabara, takataka, und pilipili  &#8211; Stra\u00dfe, Abfall, Paprika. Es gibt phonotaktisch zwei Sorten von W\u00f6rtern, solche mit einer ganz simplen Silbenstruktur wie sana, kabisa oder hakika und solche mit einer komplizierteren Silbenstruktur wie chungwa, nchi oder mswaki.<\/p>\n<p>25. August (Freitag)<br \/>\nIm Unterricht machen wir heute Interviews mit Afrikanern, die im Zentrum arbeiten. Die Antworten gleichen sich. Alle haben 2 oder 3 Kinder, alle haben Haustiere, eine Kuh oder Ziege und H\u00fchner, und alle hei\u00dfen Gertrud und Julius und nicht, wie im Lehrbuch, Neema und Musa. Der Mann von der W\u00e4scherei ist genauso alt wie ich, sieht aber aus, als k\u00f6nne er mein Vater sein.<\/p>\n<p>Obwohl die Uhrzeit afrikanisch ist, also um sechs Uhr morgens beginnend, stehen alle Uhren auf westlicher Zeit. Es gibt keine Suaheli-Uhren.<\/p>\n<p>Die Bantusprachen breiteten sich mir der Migration der Bantus in ganz Zentral- und S\u00fcdafrika aus, mit einer homogenen Ost- und einer diversifizierten, weil isoliert lebenden Westgruppe. Bestimme Gebiete blieben aber der (jetzt) kleineren Gruppe der Khoisansprachen z. B. Zentraltansania und die Kernzonen des \u00e4quatorialen Waldes. Die Erkl\u00e4rung ist einfach: Diese Gebiete waren f\u00fcr die bereits Landwirtschaft treibenden Bantu-V\u00f6lker ungeeignet. Aus demselben Grund blieben sie in S\u00fcdafrika \u00f6stlich des Kei. Auf dessen anderer Seite blieben die Hottentotten und die Buschm\u00e4nner (Khoikoi bzw. San). Die Hottentotten \u00fcbernahem von den Bantuv\u00f6lkern das Leben mit Rindern, die Bantu-V\u00f6lker \u00fcbernahmen von den Hottentotten die Klicklaute.<\/p>\n<p>Die Hauptstadt Tansanias ist nicht Daressalam, sondern Dodoma, ein entlegener Ort im Zentrum des Landes.<\/p>\n<p>Im Unterricht ist bisher noch kein einziger Relativsatz vorgekommen. Das k\u00f6nnte einfach daran liegen, dass dies ein Anf\u00e4ngerkurs ist. Oder daran, dass es das Suaheli keine Relativs\u00e4tze hat.<\/p>\n<p>Das neutrale Wort f\u00fcr Schwein ist nguruwe. Umgangssprachlich nennt man es auch mbuzi katoliki, \u201aKatholikenziege\u2019.<\/p>\n<p>Da die W\u00f6rter eine sehr regelm\u00e4\u00dfige Struktur haben, klingen S\u00e4tze manchmal wie Verse: Wana watoto wawili oder kula chakula cha mchana.<\/p>\n<p>Nach dem Unterricht geht es mit der gesamten Belegschaft auf eine nahegelegene Ranch. Hier werden erkrankte Tiere aufgep\u00e4ppelt, um dann wieder ausgesetzt zu werden. Oder ist es einfach eine Art Mini-Zoo? Genau ist das nicht zu erfahren. Da alle nach unserer Ankunft sofort auf die Terrasse st\u00fcrzen, bevor die zweite Ladung kommt, habe ich ein paar glorreiche Minuten f\u00fcr mich alleine in der Stille des kleinen Parks. In kleinen Gattern werden ein Affe, ein Maribu, ein Krokodil, eine Eule und ein Stachelschwein gehalten. Ringsherum Natur pur. Die Natur wirkt hier irgendwie \u201anat\u00fcrlicher\u2019 als bei uns, vielleicht wegen der \u201aunordentlichen\u2019 Vielfalt der Pflanzen in unmittelbarer Nachbarschaft: Ein gro\u00dfer Baum voller bunter Bl\u00fcten steht neben einem kahlen Baum, der wieder neben einer m\u00e4chtigen Palme, deren untere \u00c4ste traurig herabh\u00e4ngen, und die wiederum  neben einem stacheligen Baum, mit den \u00c4sten in der Vertikalen. In den B\u00e4umen klettern v\u00f6llig ger\u00e4uschlos spitznasige Affen herum, bis einer krachend auf dem Wellblechdach einer H\u00fctte landet. \u00dcber mir fliegen gro\u00dfe, schwarz-wei\u00dfe, nicht identifizierbare V\u00f6gel, die wie St\u00f6rche aussehen, hin und her, mit breiten Halmen quer im Schnabel. Die Eule dreht, scheinbar ohne jede Bewegung, den Kopf nach mir.<\/p>\n<p>Als Dyan und Steve mit den Kindern kommen, bringt ein junger W\u00e4rter Futter, und auf einmal st\u00fcrzen statt einem Stachelschwein mehr als zehn aus dem hinteren Teil des Gatters hervor. Dyan fragt den W\u00e4rter nach dem Affen, aber die Verst\u00e4ndigung klappt nicht. Dann stellt sich heraus, dass Affe nicht gleich Affe ist. Der Affe im K\u00e4fig ist kein kima, wohl aber die in den B\u00e4umen. Deshalb wusste der W\u00e4rter nicht, was sie meinte.<\/p>\n<p>Danach gibt es auf der Terrasse bis in die Dunkelheit hinein Bier zu Mzungu-Preisen und interessante Gespr\u00e4che \u00fcber Afrika, \u00fcber Armut, \u00fcber Arbeit.<\/p>\n<p>26. August (Samstag)<br \/>\nAm Morgen geht es mit dem Schulbus nach Arusha, und dann mit einem F\u00fchrer nach Ng\u2019iresi, einem sieben Kilometer entfernt liegenden Dorf an den H\u00e4ngen des Meru. Eigentlich kann von Dorf kaum die Rede sein, man sieht in erster Linie Felder.<\/p>\n<p>Der Meru war einmal h\u00f6her als der Kilimandscharo, verlor aber bei einem gewaltigen Ausbruch seine Spitze. Die Region profitiert davon, denn der Vulkanboden ist ausgesprochen ertragreich. Dazu kommt eine immerw\u00e4hrende  Feuchtigkeit durch den Westwind. Das sp\u00fcrt man jetzt am fr\u00fchen Vormittag noch. Man sieht es den Pflanzen geradezu an, dass es ihnen gut geht. Alles sprie\u00dft und gr\u00fcnt, alles kann mehrmals pro Jahr geerntet werden. Wir sehen Bohnen, Kartoffeln, Mais, Reis und \u00fcberall Bananenstauden. Die sind nicht sonderlich hoch, und es ist gar nicht so leicht, ein einen Baum zu finden, der Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. An den H\u00e4ngen wird terrassenf\u00f6rmig angebaut, und auf den gegen\u00fcberliegenden H\u00e4ngen ist der abgeholzte Wald aufgeforstet worden, all das mit Hilfe des Touristenprogramms, in dessen Rahmen ich diese F\u00fchrung mache. Auf den Feldern arbeiten Menschen aller Altersklassen mit Spitzhacken, meist in kleinen Gruppen.<\/p>\n<p>Durch einen Fehler lerne ich, dass es drei verschiedene W\u00f6rter f\u00fcr Reis gibt: mpunga (auf dem Feld), mchele (geerntet) und wali (auf dem Teller).<\/p>\n<p>\u00dcberall kommen uns Bauern und Kinder entgegen, die uns teils neugierig, teils argw\u00f6hnisch ansehen. Dies ist kein Touristendorf, und den ganzen Vormittag \u00fcber begegne ich keinem anderen Mzungu.<\/p>\n<p>An einer Biegung des Weges steht eine Feige, ein Parasitenbaum, der sich von oben auf einen anderen Baum setzt und dann langsam seine \u00c4ste nach unten treibt, bis er den Mutterbaum erstickt und seine eigenen Wurzeln in den Boden treiben kann. Das ist der heilige Baum der Maasai. Eine erstaunliche Wahl f\u00fcr einen heiligen Baum. An dem Baum werden einmal pro Jahr Opferrituale abgehalten. Singend und tanzend umkreist man den Baum drei Mal und hinterl\u00e4sst am Abend einen Teil eines geschlachteten Tieres. Wenn das am n\u00e4chsten Tag verschwunden ist, bedeutet es Gl\u00fcck f\u00fcr die Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Am Baum werden wir von einer ganzen Kinderschar umzingelt, die laut kreischend auseinander st\u00f6bt, als ich frage, ob ich ein Photo machen k\u00f6nne. Ich beruhige sie und sage radebrechend, dann w\u00fcrde ich eben ein Photo von dem Baum machen. Das l\u00f6st allgemeine ausgelassene Heiterkeit aus, aber sie sagen mir etwas, was ich nicht verstehe. Der F\u00fchrer \u00fcbersetzt, ich solle das Wort Baum nicht auf Suaheli, sondern auf Maasai sagen. Als ich das tue, nimmt das Lachen \u00fcberhaut kein Ende mehr.<\/p>\n<p>Hier wird auch kaum gebettelt, und wenn, dann nur verstohlen. Nur eine alte Frau, Holz auf dem Kopf tragend, sagt unverh\u00fcllt und in aller Deutlichkeit, Lete fedha- Gib Geld, als ich frage, ob ich ein Photo machen d\u00fcrfe. Sie bekommt ihr Geld, ich bekomme mein Photo.<\/p>\n<p>Wir gehen dann zur Schule, deren Geb\u00e4ude mit Hilfe des Touristenprogramms gebaut oder erweitert wurden. In einem winzigen Raum empf\u00e4ngt mich der Schulleiter. Das Gespr\u00e4ch ist nicht viel mehr als eine wiederholende Variation von Karibu \u2013Willkommen, dem vermutlich meistgebrauchten Wort in Suaheli. Ich darf mich auf dem Gel\u00e4nde umsehen. Einige \u00e4ltere Sch\u00fclerinnen, d.h. M\u00e4dchen um die 15, sind noch auf dem Gel\u00e4nde. Sie haben auch samstags Unterricht, weil  sie kurz vor einem Abschluss oder einer Pr\u00fcfung stehen. Sie sind gerade im Begriff zu gehen, aber ich kann mich noch ein bisschen mit ihnen unterhalten, halb Suaheli, halb Englisch.<\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude sehen ordentlich aus, sind aber sehr d\u00fcrftig ausgestattet und nicht sehr gro\u00df. R\u00e4tselhaft, wie hier 1.200 Sch\u00fcler untergebracht werden k\u00f6nnen, selbst wenn die Klassen, wie ich erfahre, meistens 70-80 Sch\u00fcler haben. Wie bei uns an der Uni. Das Dorf selbst hat 4.000 Einwohner, davon nur 1.200 Erwachsene. Es k\u00f6nnen also gar nicht alle Kinder zur Schule gehen, zumal man wegen des Touristenprogramms sich auch noch verpflichtet hat, 20% aus den Nachbard\u00f6rfern aufzunehmen. Wie die hierher kommen, ist mir unklar. Wahrscheinlich zu Fu\u00df.<\/p>\n<p>Unterwegs frage ich meinen F\u00fchrer, ob er schon mal im Ausland war. Ja, dadurch, dass er f\u00fcr das Touristenministerium arbeitet, hat er einmal die Gelegenheit gehabt, nach Kenia und Uganda zu reisen. Und, wie war\u2019s? Ganz gut, aber: Die Kenianer seien echte Egoisten, nicht so wie die Tansanier, die immer zusammenhielten und an die Gemeinschaft d\u00e4chten. Die Ugander gingen so, sie seien zwischen den Kenianern und den Tansaniern.<\/p>\n<p>Danach geht es auf einen abgetrennten Platz, auf dem traditionelle Maasai-H\u00e4user stehen, aus Lehm, mit D\u00e4chern aus Bananenbl\u00e4ttern und Wellblech. Auch hier bew\u00e4hrt sich das Touristenprogramm von Arusha. Es kommen uns keine verkleideten und singenden Maasai entgegen und es werden auch keine Souvenirs verkauft, alles nimmt seinen normalen Gang.<\/p>\n<p>Ich werde in eins der H\u00e4user hineingef\u00fchrt. Drinnen sieht man zun\u00e4chst gar nichts, es ist stockdunkel und verqualmt. Als sich die Augen langsam erholen, erkennt man eine Feuerstelle mitten im Raum, an der Seite eine etwas erh\u00f6hte, durch Lattenroste abgetrennte Bettstelle, links auf einem Schemel ein paar T\u00f6pfe und Pfannen, und hinten und an der Seite, auch durch Lattenroste abgetrennt,  einen Bereich f\u00fcr Kuh und Ziege, die hier \u00fcbernachten. Erst dann bemerke ich zwei Personen, die Tochter, die sich an den T\u00f6pfen zu schaffen macht und die Mutter, die in geb\u00fcckter Haltung mit einem kurzstieligen Besen den nackten Lehmboden von Gr\u00e4sern und K\u00f6rnern s\u00e4ubert, indem sie sie ins Feuer schiebt. Trotz der einfachen Verh\u00e4ltnisse ist Sauberkeit offensichtlich ein wichtiger Wert. Als Lichtquelle und Qualmabzug stehen nur die Ritzen zwischen den Latten und zwei kleine Luken zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend kann ich noch ein Photo von der Tochter des Hauses machen, die sich, mit einem Hirtenstab bewaffnet, photogen an einer der Stangen in Position stellt, die das Dach abst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Dann geht es noch in das Gaus des Dorf\u00e4ltesten, ein verputztes Haus aus Stein, dessen Stube mit allem m\u00f6glichen europ\u00e4ischen Krimskrams aufgem\u00f6belt ist. Eine junge Frau, deren Identit\u00e4t geheim bleibt, serviert einen wunderbaren, starken, hei\u00dfen, schwarzen, s\u00fc\u00dfen Kaffee. Der F\u00fchrer spricht Maasai mit ihr und l\u00e4sst sich gelangweilt in einen Sessel fallen, ohne Anstalten zu machen, etwas \u00fcber das weitere Programm zu sagen. Am Ende erscheint der Dorf\u00e4lteste selbst und erz\u00e4hlt unter st\u00e4ndigem L\u00e4cheln und Vorzeigen seiner gefleckten Z\u00e4hne \u2013 ein Merkmal, das er mit vielen seiner Landsleute teilt \u2013 sowie vielen karibus, wie das durch das Touristenprogramm erwirtschaftete Geld verwaltet und kontrolliert wird. \u00dcber alles muss Buch gef\u00fchrt und der Dorfgemeinschaft und dem Ministerium Rechenschaft abgelegt werden. Damit sie beschlussf\u00e4hig ist, m\u00fcssen wenigstens 600 Menschen erscheinen! Er zeigt mir sogar die B\u00fccher, alte, abgegriffene und randvoll beschriebene Kladden, in denen in s\u00e4uberlich angeordneten Kolumnen jeder Betrag sorgf\u00e4ltig registriert ist. Dennoch h\u00f6rt sich sein Vortrag ein bisschen zu angestrengt nach Rechtfertigung an. Wo letztlich das Geld hingelangt, wei\u00df man wohl nicht. Dennoch verweigere ich nicht den kleinen Extrabeitrag, um den st\u00e4ndig, wenn auch nie ganz direkt, gebeten wird.<\/p>\n<p>Dann geht es wieder zur\u00fcck nach Arusha. Erst jetzt, wo ich mich daran gew\u00f6hnt habe, dass man keine echten Hungerleider sieht, wird mir klar, welche Armut die aus allen gerade verf\u00fcgbaren Materialien zusammengezimmerten Baracken am Stra\u00dfenrand darstellen. Etwas mulmig wird mir, als ich merke, dass Arusha mir jetzt, nach der R\u00fcckkehr aus dem Dorf, wie ein Hort der Zivilisation und des Wohlstands vorkommt.<\/p>\n<p>Am Nachmittag streife ich noch ein bisschen durch das Zentrum und kommt dabei auf den Friedhof. Der sieht auf den ersten Blick gar nicht so anders aus als die europ\u00e4ischen, nur verwildert. Dann kommt ein Mann auf mich zu und macht mich auf eine Besonderheit aufmerksam: Rechts liegen Christen, links Muslime, friedlich auf einem Friedhof vereint. Die christlichen Gr\u00e4ber haben einfache Kreuze aus Messing oder Holz, die muslimischen haben h\u00e4ufig Grabsteine in geschwungenen, arabisch inspirierten Formen. Sie scheinen, so jedenfalls mein Eindruck, besser ausgestattet zu sein.<\/p>\n<p>Nach einem Sandwich im Via Via, wo ich meinen F\u00fchrer von letzter Woche wiedersehe, geht es mit dem Taxi nach Hause. Mit dem Taxifahrer tausche ich dieselben Informationen aus wie mit dem letzter Woche, und siehe da \u2013 es geht schon besser, wenn auch stockend. Als wir ankommen, haben wir alle steckbrieflichen Informationen ausgetauscht: Alter, Beruf, Kinder, Wohnort, Herkunft, Religion, Tiere.<\/p>\n<p>27. August (Sonntag)<br \/>\nHeute zur Safari in den Nationalpark von Arusha. Obwohl die \u201aAusbeute\u2019 an Tieren am Ende bescheiden ist, haben wir eine gute Entscheidung gef\u00e4llt. Es ist eine authentische Erfahrung, vor allem, weil wir morgens zu Fu\u00df unterwegs sind und den ganzen Tag \u00fcber praktisch ganz alleine sind. Die sch\u00f6nste Erfahrung gleich zu Anfang, als wir zwischen einer Giraffenfamilie und einer B\u00fcffelherde hindurchmarschieren. An die Giraffen kommen wir bis auf wenige Meter heran. Die weiblichen Tiere sind kleiner und haben Haare auf den H\u00f6rnern. Die \u00e4lteren m\u00e4nnliche Tiere sind kahlk\u00f6pfig, weil sie die Haare in den K\u00e4mpfen verlieren!<\/p>\n<p>Erstaunlich, wie scheu die Tiere sind. Sie laufen zwar nicht weg, halten aber Abstand und halten uns st\u00e4ndig im Auge. Sie scheinen mindestens genauso viel Angst vor uns wie wir vor ihnen zu haben. Erstaunlich auch, welch friedvolle Atmosph\u00e4re herrscht. Es herrscht fast v\u00f6llige Stille, und die Tiere bewegen sich kaum.<\/p>\n<p>Die B\u00fcffelherde ist versetzt mit Warzenscheinen, zum beiderseitigen Vorteil: Die Warzenschweine sehen besser und k\u00f6nnen rechtzeitig warnen, die B\u00fcffel sch\u00fctzen die Warzenschweine bei Gefahr. Die B\u00fcffel sehen nicht anders aus als eine europ\u00e4ische Kuhherde. Fast ein bisschen \u201aentt\u00e4uschend\u2019 angesichts der Tatsche, dass sie als sehr gef\u00e4hrlich gelten. Zusammen mit den Nilpferden, dem Spitzmaulnashorn, den Leoparden und den Geparden bilden sie die h\u00f6chste Gefahrenstufe, noch \u00fcber den L\u00f6wen. Ein B\u00fcffel ist auch das einzige Tier, das unser F\u00fchrer jemals erschossen hat \u2013 zum Schutz eines tollk\u00fchnen japanischen Touristen.<\/p>\n<p>Wir steigen ein St\u00fcck den Meru hinauf. Hier sieht man ihn von der abgebrochen Seite, die er bei dem zweiten Vulkanausbruch verlor. Das ganze h\u00fcgelige Gel\u00e4nde, auf dem wir wandern, ist aus Lava und Ger\u00f6ll entstanden. Zwischen den beiden, erdgeschichtlich kurz hintereinander erfolgten Ausbr\u00fcchen, bildete der Meru einen perfekten Krater. Wie der Kilimandscharo gilt er als schlafender, nicht als erloschener Vulkan.<\/p>\n<p>Am Wegesrand sehen wir die abgestreifte Haut einer Python, silbrig gl\u00e4nzend. Die Python erstickt ihre Opfer, schluckt sie ganz hinunter und arbeitet dann wochenlang an der Verdauung.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kommen wir zu einem tosenden Wasserfall, der aus einer schmalen Aush\u00f6hlung im Felsen herunterst\u00fcrzt. Der Felsen ist Lavagestein, und die Steine, die wir auf dem Weg aufheben, sind ganz leicht.<\/p>\n<p>Eine Warzenschweinfamilie sieht hinter einem Geb\u00fcsch hervor, sehr photogen, schl\u00e4gt sich dann aber durch ein verd\u00e4chtiges Ger\u00e4usch in die B\u00fcsche, noch bevor ich auf den Ausl\u00f6ser dr\u00fccken kann.<\/p>\n<p>Bei der Mittagspause an einem See taucht auf einer Insel mitten in dem See pl\u00f6tzlich ein Nilpferd auf und l\u00e4sst sich langsam ins Wasser gleiten. Sp\u00e4ter taucht es noch ein paar Mal, Nase, Augen und Ohren \u00fcber der Wasserfl\u00e4che haltend, kurz auf.<\/p>\n<p>Am Nachmittag machen wir eine Runde mit dem Jeep durch den Park. Einmal \u201ablockiert\u2019 ein gelbgr\u00fcner Cham\u00e4leon den Weg, das angesichts der Gefahr zitternd auf der Stra\u00dfe stehen bleibt statt wegzulaufen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter sto\u00dfen wir auf Paviane, mitten auf dem Weg, darunter eine Mutter mit Kind auf dem R\u00fccken. Als sie den Jeep wahrnehmen, treten sie sofort die Flucht an. Nur ein alter Pavian trottet gem\u00e4chlich ein paar Meter weiter und gibt erst dann den Weg frei. Die anderen beobachten uns, hinter B\u00fcschen versteckt, aus ein paar Metern Distanz.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter sehen wir einen riesigen schwarzwei\u00dfen Affen mit langem schwarzen Schwanz, der durch die \u00c4ste eines hohen Baums klettert, Hunderte von Flamingos am Ufer eines Sees, in der Distanz eine gemischte Herde aus Zebras und B\u00fcffeln und immer wieder Giraffen, ganz aus der N\u00e4he.<\/p>\n<p>Am Abend sind wir erstaunt, wie ersch\u00f6pft wir sind, auch wohl von der Sonne, die hier mit dem Mzungu ihren Spa\u00df treibt: Sie wirkt viel st\u00e4rker als sie wirkt.<\/p>\n<p>28. August (Montag)<br \/>\nIm Laufe der ersten zwei Wochen ist es allm\u00e4hlich immer w\u00e4rmer geworden. Am Abend sagt jemand, es regne. Ungl\u00e4ubiges Staunen. Tats\u00e4chlich fallen ein paar Tropfen, und in der Nacht gibt es einen kr\u00e4ftigen Schauer, die ersten Vorboten der langsam einsetzenden Regenzeit.<\/p>\n<p>29. August (Dienstag)<br \/>\nViele W\u00f6rter \u00e4hneln sich, da die Silbenstruktur so einfach ist, wie zum Beispiel mbuga (Park), mboga (Gem\u00fcse) und mbogo (B\u00fcffel). Dieses Beispiel macht Schule, da wir mehrmals sagen, wir seien auf dem Markt gewesen und h\u00e4tten einen B\u00fcffel gekauft. Artikel k\u00f6nnten die Aussage eindeutig machen, aber Artikel gibt es in Suaheli nicht. Das hat die Sprache gemeinsam mit dem klassischen Latein, dem modernen Russisch und dem modernen T\u00fcrkisch, sowie vielen anderen Sprachen.<\/p>\n<p>Als am Nachmittag ein Film gezeigt wird und \u201ezum besseren Verst\u00e4ndnis\u201c vorher \u00fcber 100 W\u00f6rter \u201eeingef\u00fchrt\u201c werden, trete ich die Flucht an und setze mich in die Bibliothek. Danach geht es mit dem Schulbus nach Arusha. Unterwegs erfahre ich, was Imara kama simba hei\u00dft, der Werbeslogan, den ich schon so oft gesehen habe: Stark wie ein L\u00f6we.<\/p>\n<p>In Arusha spreche ich im Laufe des Abends mehr Suaheli als Englisch: im Bus mit einem M\u00e4dchen, das bei uns arbeitet, in der Stadt mit der Besitzerin eines Schreibwarengesch\u00e4fts und ihrer Tochter, im Via Via mit mehreren Kellnern und am Ende mit einem Taxifahrer, der praktisch \u00fcberhaupt kein Englisch spricht.<\/p>\n<p>Afrikanisches Paradox: In den Pickups, auf denen Schulkinder zu Dutzenden stehend transportiert werden, herrscht in der Fahrerkabine Anschnallpflicht.<\/p>\n<p>Europ\u00e4isches Paradox: Ein Pilot, der ein Klappmesser bei sich hat, wird von der Sicherheitskontrolle gestoppt und aufgefordert, das Messer abzugeben, damit es dem Piloten anvertraut werden k\u00f6nne. Daran \u00e4ndert sich auch nichts, als er sagt, er sei der Pilot.<\/p>\n<p>30. August (Mittwoch)<br \/>\nIch stelle dem Fortgeschrittenkurs eine fiktive zus\u00e4tzliche Hausaufgabe: F\u00fcnf W\u00f6rter auflisten, die auf Konsonant enden. Verbl\u00fcffte Reaktionen. Keinem kommt spontan ein einziges Wort in den Sinn, nur Steve sagt auf der Stelle Daressalam und vermerkt einen Treffer f\u00fcr sich. Er h\u00e4tte sich auch drei geben k\u00f6nnen. Au\u00dfer diesem Beispiel f\u00e4llt mir sp\u00e4ter noch rais ein, \u201aPr\u00e4sident\u2019, aber sonst nichts. Man h\u00f6rt auch, dass einige Sprecher unwillk\u00fcrlich eine Art Vokal anh\u00e4ngen, wenn ein Wort im Englischen auf Konsonant endet, so wie viele Italiener.<\/p>\n<p>Laut Steve gibt es in Tansania weniger wilde Tiere als in Kenia, weil die Engl\u00e4nder in Tansania gro\u00dfe Jagdreviere hatten, um ihren Bonzen eine Freizeitbesch\u00e4ftigung zu bieten, aber in Kenia die Naturparks aufbauten, um Touristen anzulocken.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem verbannten sie die Maasai aus der Serengeti, und ihren Viehherden folgten die wilden Tiere.<\/p>\n<p>Eine neue Gruppe amerikanischer G\u00e4ste ist eingetroffen. Sie begr\u00fc\u00dfen sich am morgen so laut, dass das ganze Zentrum davon Kenntnis nehmen muss, auch diejenigen, die noch schlafen.<\/p>\n<p>Beim Mittagessen bekomme ich die Best\u00e4tigung, dass man auf Tutaonana &#8211; Bis sp\u00e4ter! tats\u00e4chlich Asante antwortet: Danke!<\/p>\n<p>Am Abend tritt eine Gruppe mit Trommlern und T\u00e4nzerinnen auf. Lisbeth, selbst Musiklehrerin, mit besonderer Vorliebe f\u00fcr rhythmische Musik, ist begeistert, K\u00f8re, selbst Gitarrist und Schlagzeuger, sagt: \u201eI don\u2019t know how impressed I am\u201c. Ich teile das etwas ambivalente Gef\u00fchl: Die Musik ist mitrei\u00dfend, aber auch nicht sonderlich variationsreich, die Bewegungen sind elegant, aber l\u00e4ngst nicht bei allen T\u00e4nzerinnen.<\/p>\n<p>31. August (Donnerstag)<br \/>\nDie amerikanische \u00c4rztin, keine geborene Fremdsprachenlernerin, und die, die am meisten unter der unzureichenden Methode leidet, schreibt, als wir f\u00fcr eine Aktivit\u00e4t ein Wort unserer Wahl auf einen Zettel schreiben sollen, daktari, und macht dabei zwei Rechschreibfehler \u2013 beim Schreiben ihres eigenen Berufs.<\/p>\n<p>Warum beh\u00e4lt man einige W\u00f6rter auf Anhieb, w\u00e4hrend sich andere dem Behalten einfach entziehen? Trotz st\u00e4ndigen Wiederholens vergesse ich behalten (kumbuka), w\u00e4hrend ich vergessen (sahau) sofort behalte.<\/p>\n<p>Zu einer Art running gag ist donkey malaria geworden, die Standardentschuldigung, wenn man nicht zum Unterricht erscheint. Sie kommt und geht auf wundersame Art und Weise und wird auch zu einem wiederkehrenden Thema bei einem wunderbar einfachen, von Steve und Dyan initiierten und inszenierten kleinen Gesellschaftsspiel, dem H\u00f6hepunkt einer sch\u00f6nen, lustigen Abschiedsfeier am Abend, die bis in die fr\u00fchen Morgenstunden dauert: Man schreibt auf eine Karte eine Frage mit Warum? und auf eine andere Karte eine (davon v\u00f6llig unabh\u00e4ngige) Antwort mit Weil. Dann werden die Karten gemischt und jeweils eine Frage und Antwort zusammen vorgelesen.<\/p>\n<p>Interessante H\u00f6rverst\u00e4ndniserfahrung: saa kumi na bili, \u201azw\u00f6lf Uhr\u2019, verstehe ich auch nach mehrfacher Wiederholung nicht, obwohl ich es kenne und auch selbst sagen kann. Erstens wird durch Liaison alles zu einer einzigen Wortkette, deren Einzelteile nicht identifizierbar sind, zweitens wird das \/i\/ von kumi elidiert und ein neues, vermeintlich unbekanntes Element, kumna, entsteht.<\/p>\n<p>Carsten empfiehlt Ecuador als Einstiegsland zum Kennenlernen Lateinamerikas. Es habe nicht so dramatische, aber doch \u00e4hnliche Landschaften wie Peru und eine bessere Infrastruktur, es sei kleiner und habe eine sch\u00f6nere Hauptstadt und man habe nicht so sehr mit der H\u00f6henluft zu k\u00e4mpfen. Insgesamt favorisiert er S\u00fcdamerika gegen\u00fcber Mittelamerika und Mexiko. Die S\u00fcdamerikaner h\u00e4tten die richtige, gelassene Einstellung zum Leben und seien freundlicher.<\/p>\n<p>Kenia ist im Urteil unserer \u201aAfrikaner\u2019 wohlhabenden, aber auch gef\u00e4hrlicher als Tansania, und die Hautfarbe der Kenianer dunkler.<\/p>\n<p>1. September (Freitag)<br \/>\nDyan macht einen kurzen Diavortrag \u00fcber die Zeit hier, so professionell gemacht, mit Musik und \u00dcberblendungen, dass man eher von einem Film sprechen kann. Die privaten Szenen sind nett anzusehen, aber nicht mehr, aber die Szenen vom Markt sind beeindruckend und \u00e4u\u00dferst kunstvoll pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Am Nachmittag ist kein Unterricht mehr. Statt dessen fahre ich mit dem Schulbus ein letztes Mal nach Arusha, wo ich, mit Mariannes und Joannes Hilfe, Kinderb\u00fccher auf Suaheli und, einem Tipp Steves folgend, ein gutes Kaffeegesch\u00e4ft finde. Merkw\u00fcrdig: Mit jedem Besuch wird Arusha \u201esch\u00f6ner\u201c. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass eine junge Maasai (die zwei Kinder und einen entlaufenen Mann hat) mir sch\u00f6ne Augen macht, vermutlich ausschlie\u00dflich wegen meines Charmes.<\/p>\n<p>Carsten erz\u00e4hlt, dass Vietnam, ein klassisches Teeland, inzwischen der zweitgr\u00f6\u00dfte Kaffeeproduzent der Welt ist. Wie kommt das? Entwicklungshilfeorganisationen hatten die Idee, damit Vietnam wirtschaftlich auf die Spr\u00fcnge zu helfen, ohne aber zu bedenken, dass damit gleichzeitig der Wirtschaft der s\u00fcdamerikanischen Entwicklungsl\u00e4nder Schaden zugef\u00fcgt wird. Laut Carsten ein typisches Beispiel f\u00fcr die oft widerspr\u00fcchlichen Erfolge der Entwicklungshilfe. Ich erfahre weiterhin, dass der Kaffee, der in Vietnam angebaut wird, Arabica, nur der zweiten G\u00fcteklasse angeh\u00f6rt, anders als der hier in Tansania angebaute, Robusta.<\/p>\n<p>Bei der Wohnungssuche in Tansania, erz\u00e4hlen die Kollegen, gilt es, darauf zu achten, dass das Haus vern\u00fcnftige Wasserversorgung und Elektrizit\u00e4tsversorgung hat und dass es an den M\u00fcllabfuhr angeschlossen ist. Das ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, und wenn das nicht der Fall ist, bleibt man auf seinem M\u00fcll sitzen und muss ihn so entsorgen, wie viele Einheimische: einfach irgendwo hinkippen. Kurios auch ein Ger\u00e4t, das Marianne sich zugelegt hat und das f\u00fcr gleichm\u00e4\u00dfigen Strom sorgt, einen Voltregler, der den ungleichm\u00e4\u00dfig eintreffenden Strom so kanalisiert, dass nicht gleich alle Ger\u00e4te abst\u00fcrzen.<\/p>\n<p>2. September (Samstag)<br \/>\nNachdem sich am Morgen die letzten Kollegen verabschieden, bleibe ich f\u00fcr den Rest des Tages alleine im Zentrum, keine sch\u00f6ne Erfahrung, die aber durch die Begegnung mit zwei Amerikanern, denen ich unabh\u00e4ngig voneinander begegne, ertr\u00e4glich wird, einer Dozentin und einem Studenten aus der neu eingetroffenen Gruppe. Sie kommen von einem amerikanischen College \u2013 sie scheinen keinen Zweifel daran zu haben, dass alle Welt das College kennen muss, die Nennung des Namens reicht &#8211; und besuchen hier zun\u00e4chst einen Sprachkurs und bereisen dann das Land und f\u00fchren verschiedene Projekte durch. Bei der Gelegenheit lerne ich, dass ein College, College of Liberal Arts, im Gegensatz zu einer Universit\u00e4t f\u00fcr eine umgreifende Ausbildung sorgt und Fremdsprachen vorsieht auch f\u00fcr Studenten aus nichtphilologischen F\u00e4chern. Das Auslandssemester ist obligatorisch; f\u00fcr die Finanzierung sorgt das College. Man kann zwischen verschiedenen Optionen w\u00e4hlen. Das h\u00f6rt man nicht ganz ohne Neid. Die Dozentin hat selbst an einem College studiert und mehrere Jahre in Peru gelebt, der Student, gerade 21, ist in Indonesien geboren und in Indien zur Schule gegangen. Als wir uns verabschieden, habe ich den Eindruck, dass er sein halbes Leben darauf gewartet hat, jemanden wie mich zu treffen, dass dies der Beginn einer lebenslangen Freundschaft ist und dass genau wir zwei uns begegnen mussten, um die Welt aus den Angeln zu heben.<br \/>\nDie Dozentin sagt, ich h\u00e4tte keinen deutschen Akzent. Das klingt leicht vorwurfsvoll. Ihre deutschen Freunde h\u00e4tten alle einen starken deutschen Akzent, Auch das klingt leicht vorwurfsvoll und so, als spr\u00e4chen Amerikaner von Natur aus alle Fremdsprachen akzentfrei.<\/p>\n<p>Ich mache Photos von ein paar B\u00e4umen auf unserem Gel\u00e4nde, von einem pr\u00e4chtigen Mangobaum, der mitten im Zentrum steht, kurzst\u00e4mmig, mit dicht bewachsenen, gleichm\u00e4\u00dfigen \u00c4sten, und von einem Sausage Tree, einem Baum, beim dem die Fr\u00fcchte in dunklen, dicken H\u00fclsen l\u00e4nglich herunterh\u00e4ngen, wie W\u00fcrste. K\u00f8re hatte uns diese B\u00e4ume im Nationalpark bei der Safari gezeigt.<\/p>\n<p>Auf der Stra\u00dfe, die vom Zentrum auf die Hauptstra\u00dfe f\u00fchrt, machen sich zwei Jungen an einem Baum zu schaffen. Sie besorgen Brennholz und bedienen sich dabei einer von der Natur als Werkzeug bereitgestellten Astgabel. Erstaunlich, wie gut und schnell sie damit auch st\u00e4rkere \u00c4ste von dem Baum trennen. Da dies in ganz Tansania auf gro\u00dfer Skala passiert, droht die Abholung ganzer Gebiete, was wiederum die Wasserversorgung gef\u00e4hrdet. Deshalb gibt es hier den auf den ersten Blick etwas r\u00e4tselhaften Kurs in Forest Management. Die Entwicklungshelfer und Einheimischen lernen dabei, wie man die Menschen auf anderen Gebieten unterst\u00fctzen kann, um andererseits das unkontrollierte Abholzen zu unterbinden. Es geht nur, wenn man f\u00fcr sie etwas aufbaut oder ihnen hilft, etwas aufzubauen. Jedenfalls ist das Abholzen nicht gerade eine Best\u00e4tigung der romantischen Vorstellung, primitive V\u00f6lker lebten in Einklang mit der Natur.<\/p>\n<p>Am Flughafen gehen den ganzen Abend nur drei Fl\u00fcge ab. Ein europ\u00e4ischer Passagier tr\u00e4gt ein einfaches schwarzes T-Shirt mit einer wei\u00dfen Aufschrift: Mzungu. Viel besser als all der Kitsch, der hier verkauft wird.<\/p>\n<p>Der Flug wird durch eine Zwischenlandung in Daressalam noch l\u00e4nger. Als wir in Amsterdam aussteigen, st\u00fcrmt und regnet es. Jetzt wei\u00df man das Wetter der letzten drei Wochen erst richtig zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Sprache<br \/>\n1.\tBekannte W\u00f6rter: safari, serengeti, rafiki, taifa, malaika, kabila, rais, hatari, mamba, tembo, simba, hakuna matata<br \/>\n2.\tLehnw\u00f6rter: shule, chai, chenji, pesa, mvinyu (?), alhamisi, kiplefti<br \/>\n3.\tKaribu: welcome, near, about, answer to thanks, karibu kahava, Tankstellen<br \/>\n4.\tbarabara, takataka, pilipili hoho, lala salama<br \/>\n5.\tTime: saa moja, 1 o\u2019clock = 7 o\u2019clock<br \/>\n6.\tTutaonana : Asante, Kwaheri Asante<br \/>\n7.\tUna watoto wangapi, una myaka mingapi<br \/>\n8.\ttafadhali, na kadhalika, thelathini, thelamini<br \/>\n9.\tAffe nicht gleich Affe, Vogel kein Tier, kanga wichtig<br \/>\n10.\tJumatato etc, aber westliches Wochenende<br \/>\n11.\tProper names: Geoffrey, Gertrude, Agnes, Happy, Herrmann<br \/>\n12.\tMama mdogo (maternal, younger than mother), mama mkubwa (maternal, older than mother), and shangazi (paternal) all mean \u201aaunt\u2019 (cf. Russian Christian mother for godmother<br \/>\n13.\tMzungu: meaning not clear, but posibly \u2018those who err aroud\u2019, which would be an ironic comment on the 19th century European explorers, who saw themselves not as erring but as going straight towards a pre-determined destination such as Lake Victoria<br \/>\n14.\tReis: mpunga (Feld), mchele (geerntet), wali (Teller)<br \/>\n15.\tFinal consonants: Rais, Daressalam<br \/>\n16.\tAlliteration + rhythm &gt; reminiscent of poetry: Wana watoto wawili, kula chakula cha mchana<br \/>\n17.\tninajifunza kiswahili<br \/>\n18.\tsimama, kaa, ruka, tembea, kimia<br \/>\n19.\tujamaa, u-<br \/>\n20.\tTrying to translate When we came back, he was not there, I wrote Kama tulirudi, yeye hakuwa. Teacher deleted yeye as already being included in hakuwa, and then changed tulirudi into tuliporudi, thus including when in the form, as a result of which kama could also be deleted. What remainded was a two-word sentence, Tuliporudi hakuwa, the equivalent of an eight-word sentence in English!<\/p>\n<p>NINAJIFUNZA KISWAHILI = I LEARN SWAHILI<\/p>\n<p>NI\tNA \tJIFUNZA<br \/>\nU\tNA\tJIFUNZA<br \/>\nA\tNA\tJIFUNZA<br \/>\nTU\tNA\tJIFUNZA<br \/>\nM\tNA\tJIFUNZA<br \/>\nWA\tNA\tJIFUNZA<\/p>\n<p>NI\t\tJIFUNZA<br \/>\nNI\tNA\tJIFUNZA<br \/>\nNI\tTA\tJIFUNZA<br \/>\nNI\tME\tJIFUNZA<br \/>\nNI\tLI\tJIFUNZA<br \/>\nNI\t\tJIFUNZA<\/p>\n<p>NI\tNA \tJIFUNZA<br \/>\nNI\tNA\tFUNDISHA<br \/>\nNI\tNA\tSEMA<br \/>\nNI\tNA\tSOMA<br \/>\nNI\tNA\tPENDA<br \/>\nNI\tNA\tCHUKI<\/p>\n<p>NI\t\tJIFUNZA<br \/>\nU\tNA\tFUNDISHA<br \/>\nA\tTA\tSEMA<br \/>\nTU\tME\tSOMA<br \/>\nM\tLI\tPENDA<br \/>\nWA\t\tCHUKI<\/p>\n<p>Quotations:<br \/>\n&#8211;\tThe main countries of East Africa as far as this review is concerned are Tanzania, Kenya and Uganda. All three of them share one important feature: the presence of Swahili as a widely used lingua franca. Structurally within East African society this language is therefore somewhat parallel to Pidgin English in West Africa. However, while Pidgin English is almost totally without prestige, the same cannot be said of Swahili, which, together with English, is the official language in Kenya and Tanzania. (Gramley\/P\u00e4tzold 1992: 431).<br \/>\n&#8211;\tThe situation in Uganda is more ambiguous because of the ethnic rivalries between the large anti-Swahili Baganda population (approximately one sixth are Luganda native speakers and an additional almost one quarter speak Luganda as a second language) and the anti-Baganda sections of the population, who favour Swahili. (Gramley\/P\u00e4tzold 1992: 432).<br \/>\n&#8211;\tKenya and Tanzania are not \u2026 linguistic twins. After independence the position of English weakened in Tanzania as the country adopted a language policy which supported Swahili. (Gramley\/P\u00e4tzold 1992: 433).<br \/>\n&#8211;\tIn Tanzania school students use an interlanguage called Tanzingereza. (Gramley\/P\u00e4tzold 1992: 434).<br \/>\n&#8211;\tMany of the ethnic languages are closely related: over 90 per cent in Tanzania and over 75 per cent in Kenya speak the one or the other Bantu language. (Gramley\/P\u00e4tzold 1992: 434).<br \/>\n&#8211;\tAll English consonants except \uf02f\uf05a\uf02f have counterparts in Swahili, and some speakers do not differentiate between \uf02f\uf06c\uf02fand \uf02f\uf072\uf02f. (Gramley\/P\u00e4tzold 1992: 434).<br \/>\n&#8211;\tDifferences in L2 learning ability are apparently only felt in societies where L2 learning is treated as a problem rather than accepted as an everyday fact of life. (Cook 32001: 124)<\/p>\n<p>Sources<br \/>\n&#8211;\tGramley, Stephan\/P\u00e4tzold, Kurt-Michael: A Survey of Modern English. London and New York: Routledge, 1992.<br \/>\n&#8211;\tCook, Vivian: Second Language Learning and Language Teaching. New York: Hodder Arnold, 32001.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. August (Sonntag) Um Punkt 6 Uhr geht es los zum Flughafen, mit ziemlichem Reisefieber, als wenn es eine Reise in die Ungewissheit w\u00e4re. Am Flughafen gibt es Franz\u00f6sisch f\u00fcr Anf\u00e4nger, Caf\u00e9 au lait + Croissant. 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