{"id":1477,"date":"2011-12-28T19:07:10","date_gmt":"2011-12-28T18:07:10","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1477"},"modified":"2011-12-28T19:07:10","modified_gmt":"2011-12-28T18:07:10","slug":"istanbul-2006","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1477","title":{"rendered":"Istanbul (2006)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">20. M\u00e4rz (Montag)<\/span><\/p>\n<p>Als ich im Hotel in Istanbul (19.30 Ortszeit) ankomme, bin ich fast zw\u00f6lf Stunden unterwegs, obwohl der Flug gerade mal drei Student dauert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Reisezeit f\u00fcr Lekt\u00fcre genutzt: eine amerikanische Sammlung englischer <em>mondegreens<\/em> und ein Theaterst\u00fcck von Thomas Bernhard, <em>Heldenplatz<\/em>, eine wilde Polemik gegen Gott und die Welt, gegen Wiener und Grazer und Ober\u00f6sterreicher und \u00d6sterreicher \u00fcberhaupt, gegen Katholiken und Kommunisten, gegen Nationalsozialisten und Salonsozialisten, gegen Theaterleute und Politiker, gegen Deutsche, Engl\u00e4nder und Schweizer und gegen die deutsche Literatur, gegen das B\u00fcrgertum und deren Presse. Sehr provozierend und gut zu lesen, aber von keinem besonderen literarischen Wert. Dabei fing es gut an und schien eine psychologische Studie des j\u00fcdischen Professors zu werden, der sich das Leben genommen hat, aber diese bleibt im Ansatz stecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Flughafen neben einer Deutschen gesessen, die teils in Deutschland, teils in Istanbul wohnt und \u00fcber den immer schlechter werdenden Service einschlie\u00dflich des Essens bei der Lufthansa klagt. Die Stewardess liefert immerhin eine Erkl\u00e4rung: Personalabbau. Wo fr\u00fcher vier Stewardessen t\u00e4tig waren, sind es jetzt nur noch zwei. Das erkl\u00e4rt nat\u00fcrlich nicht das erb\u00e4rmlich schlechte Essen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Flughafen zuerst Geld aus dem Automaten holen wollen, dann aber lieber umgetauscht, um zu wissen, was das Geld wert ist. F\u00fcr 100 \u20ac gibt es 160 Lira. Das l\u00e4sst sich ganz gut rechnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drau\u00dfen d\u00e4mmert es schon, obwohl es gerade einmal halb sieben ist, und kurz darauf ist es stockdunkel. Am Flughafen gibt es Busse, die in die Innenstadt fahren, aber nicht nach Sultanahmet. Ich soll trotzdem mitfahren und von Aksaray aus ein Taxi nehmen. Im Bus sitzen erstaunlicherweise nur T\u00fcrken. Es geht langsam durch den dichten Verkehr. Als ich dann aussteige, bin der einzige, alle anderen fahren weiter. Ich stehe jetzt ziemlich verlassen allein mit Gep\u00e4ck auf der Busspur mitten auf einer vielbefahrenen, dunklen Stra\u00dfe und wei\u00df nicht, wie es weiter gehen soll, aber ein junger Mann mit Handy hilft mir unaufgefordert. Er macht einen Anruf, um zu erfahren, wo genau das Hotel liegt, winkt ein Taxi herbei, h\u00e4lt mir die T\u00fcr auf und nennt mir sogar den ungef\u00e4hren Fahrpreis. Darin t\u00e4uscht er sich allerdings gewaltig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt geht es los, so als wolle der Fahrer die verlorene Zeit aus dem Bus wieder rausholen, mit Dr\u00e4ngeln, Hupen, Fluchen, nah Auffahren, st\u00e4ndigem Spurenwechsel. \u00dcber die schlecht beleuchteten Stra\u00dfen huschen Menschen, die man manchmal erst im letzten Moment sieht. Ein Gef\u00fchl von Havanna. In der Ferne sieht man angestrahlte Moscheen mit ihren Minaretten und Kuppeln, Istanbul von seiner sch\u00f6nsten Seite. Jetzt merke ich, dass die vielstimmigen, lebhaften Dialoge, die man die ganze Zeit im Taxi h\u00f6rt, gar nicht aus dem Radio kommen. Der Fahrer hat vorne einen Bildschirm. Die Dialoge kommen aus dem Fernseher! Als jetzt auch noch das Handy klingelt und er mit links telephoniert, beginne ich mir zu w\u00fcnschen, wir w\u00fcrden ankommen. Die genaue Lage des Hotels ist unbekannt, aber gl\u00fccklicher weise stehen an allen Ecken Gruppen von M\u00e4nner, die nur darauf zu warten scheinen, gefragt zu werden, und irgendwie kommen wir dann wirklich n, auch wenn die zum Fragen heruntergekurbelte Fensterscheibe sich nicht mehr hochkurbeln l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Hotel, in einer Fu\u00dfg\u00e4ngerzone in der Altstadt gelegen, werde ich mit einem freundlichen \u201eGuten Abend!\u201c begr\u00fc\u00dft, noch bevor ich den Mund aufgemacht habe. Liegt es am deutschen Gesichtsausdruck? Vielleicht doch nicht. Der Mann an der Rezeption macht mich darauf aufmerksam, dass ich einen Voucher einer deutschen Reisegesellschaft in der Hand halte. Beim warten wird ein Erfrischungsgetr\u00e4nk und ein St\u00fcck Turkish Delight serviert, und ein Page steht bereit, um das Gep\u00e4ck aufs Zimmer zu tragen. Der Page scheint mich aber loswerden zu wollen, aus gutem Grund: Die Aufz\u00fcge sind so klein, dass wir nicht zusammen in einen reinpassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Auspacken h\u00f6rt man den immer wieder exotisch klingenden Gebetsaufruf des Muezzin. Nach dem Auspacken bleibe ich der Einfachheit halber zum Abendessen im Hotel. Das jedenfalls war die Intention. Auf einer gro\u00dfen Tafel steht das Menu, und der Kellner sagt mir, man k\u00f6nne mit Lira oder Euro zahlen. Dann f\u00fchrt er mich aber an einen verd\u00e4chtig niedrigen Tisch und muss erst das Licht anmachen, da sonst kein Gast da ist. In der Annahme, mir einen Gefallen zu tun, schaltet er den Fernseher auf einen deutschen Privatsender. Unabh\u00e4ngig davon, l\u00e4uft im Hintergrund die t\u00fcrkische Musik im Radio weiter. Bald kommt ein Bier, aber als immer noch nichts vom Essen zu sehen ist, als das zweie Bier kommt, frage ich doch mal vorsichtig nach. Essen? Nein, davon sei nicht die Rede gewesen. Das Restaurant sei unten. Ich verzichte auf einen weiteren Versuch und besorge mir ein richtig nahrhaftes Essen an einem Kiosk: Bier, Cracker und Erdn\u00fcsse. Es ist warm genug, um ohne Jacke \u00fcber die Stra\u00dfe zu gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Abendessen gibt es im Fernsehen \u201eWer wird Million\u00e4r?\u201c auf T\u00fcrkisch. Die Fragen sind so lang, dass sie nur mit gro\u00dfer Not in die zwei Zeilen passen. In der Pause gibt es Werbung f\u00fcr Bosch, Bauhaus und Doktor Oetker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">21. M\u00e4rz (Dienstag)<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen von der Sonne geweckt. So fr\u00fch es abends dunkel wird, so fr\u00fch wird es morgens hell.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Bad eine unbekanntes, r\u00e4tselhaftes Piktogramm mit einem Wasserhahn und einem durchgestrichenen Eimer. Darunter ein vielsprachiger Zusatz: Den St\u00f6psel f\u00fcr die Badewanne gibt an der Rezeption.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Fernsehen die t\u00fcrkischen Teletubbies gesehen, die gerade die Zahl 4 lernten. Genau mein Niveau. Von der Methodik k\u00f6nnen sich die Lehrb\u00fccher eine Scheibe abschneiden. Die st\u00e4ndige Wiederholung in jeder denkbaren Variation, gesprochen und gesungen, einzeln und gemeinsam, isoliert und im Zusammenhang, Vorsprechen und Nachsprechen und die immer wieder neu aus dem Gras wachsende 4 als visuelle St\u00fctze sind das, was der Lerne braucht. Selbst das ist noch schwer genug, denn wenn die Teletubbies\u00a0 <em>eins &#8211; zwei<\/em> sagen, <em>bir \u2013 iki<\/em>, verstehe ich <em>birki<\/em>, als wenn es ein Wort w\u00e4re, und erst bei der x-ten Wiederholung wird mir klar, was es hei\u00dft. Aber immerhin: Es wird mir klar. Allerdings pr\u00e4gt sich mit den W\u00f6rtern leider auch die uns\u00e4gliche Melodie ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Opulentes Fr\u00fchst\u00fccksb\u00fcfett mit mehreren \u201eG\u00e4ngen\u201c und gro\u00dfer Auswahl, vor allem bei Oliven und Geb\u00e4ck, zwei Dingen, die offensichtlich keineswegs als unvereinbar gelten. Etwas, das wie Kaviar aussieht, erweist sich als Honig. Der schwimmt in einer Schale mit einem schwarzen Gebilde, den Waben &#8211; dem vermeintlichen Kaviar. Neben dem B\u00fcfett schwimmen auch ein paar Goldfische in einem Bassin. Ob sie auch Teil des Fr\u00fchst\u00fccks sind, wird nicht verraten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch hier, mitten im Touristenviertel, beim Fr\u00fchst\u00fcck haupts\u00e4chlich T\u00fcrken. Am Nebentisch vier grobschl\u00e4chtige M\u00e4nner mit kantigen Gesichtern, weiten Hosen und selbstgestrickten Pullovern, die aussehen, als k\u00e4men sie aus der zentralasiatischen Steppe. Was die wohl hier machen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn der abenteuerliche Versuch, etwas am PC in der Eingangshalle zu schreiben. Nicht einmal das Word Programm finde ich, eine Diskette verschwindet in einem Fach, f\u00fcr das sie nicht vorgesehen ist, &lt;\u00df&gt; und &lt;\u00e4&gt; gibt es nicht, und Punkt, Komma, &lt;\u00fc&gt;, &lt;\u00f6&gt; und &lt;z&gt; befinden sich an anderen Stellen. Au\u00dferdem \u00f6ffnet sich st\u00e4ndig die Eingangst\u00fcr gleiche neben dem PC und bringt Durchzug. Am Ende muss der Manager gerufen werden. Er schraubt den PC auf, rettet die Diskette, rettet die schon verloren geglaubte Datei, \u00fcbertr\u00e4gt sie auf einen anderen PC, der aber auch kein Diskettenlaufwerk hat und dessen CD-Rom-Laufwerk blockiert ist. Schlie\u00dflich schickt er mir die Datei als Anlage per E-Mail nach Hause (wo sie aber nie ankommt) und macht netterweise einen Ausdruck. Als ich den lese, merke ich ,dass ich kein einziges &lt;i&gt; geschrieben habe, sondern immer das an dessen Stelle befindliche t\u00fcrkische &lt;\u0131&gt;. W\u0131rkt \u0131rgendw\u0131e z\u0131eml\u0131ch b\u0131zarr &#8211; f\u0131nde \u0131ch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann ins Arch\u00e4ologische Museum, auch im Bereich des Topkap\u0131-Palasts gelegen und in Fu\u00dfentfernung vom Hotel. Es ist auf drei Geb\u00e4ude verteilt, von denen heute zwei ge\u00f6ffnet sind, auch so mehr als genug.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im ersten Geb\u00e4ude gleich hinter dem Eingang antike Inschriften aus aller Herren L\u00e4nder in Marmor, Alabaster und Kalkstein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann L\u00f6wen aus der Prozessionsstra\u00dfe in Babylon (VI BC), die das Ischtartor mit dem Tempel verband und 300 Meter lang war. Zu beiden Seiten L\u00f6wen im Halbrelief auf glasierten blauen Ziegelsteinen, etwa lebensgro\u00df, in Vorw\u00e4rtsbewegung, mit aufgerissenem Maul und aufgerissenen Augen und langem, gekr\u00fcmmten Steif, ganz raffiniert gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An allen Ecken riesige Reliefs, S\u00e4ulen, Statuen, \u00fcberw\u00e4ltigend in Gr\u00f6\u00dfe, zahl und Alter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinter einer Glasscheibe der Vertrag von Kadesch, eine der ber\u00fchmtesten Schriften \u00fcberhaupt, der \u00e4lteste Friedensvertrag der Welt (1269 BC), geschlossen zwischen \u00c4gyptern und Hethitern, geschrieben in Keilschrift auf Terrakotta-Tafeln und verfasst auf Akkadisch, der internationalen Gesch\u00e4ftssprache der Zeit. Von dem Vertrag gibt es drei Versionen, wobei die \u00e4gyptische von Ramses II \u201eeditiert\u201c wurde, damit der Anteil der \u00c4gypter am Zustandekommen des Friedens deutlicher wurde (der eigentlich nur die Folge einer gerade noch verhinderten Niederlage in einem Feldzug war).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schrift kam durch den Handel in das bis dahin schriftlose Anatolien, und zwar durch die Assyrer, die die Keilschrift kannten. Anatolien hatte Gold und Silber, aber kein Zinn, das zum Herstellen von Bronze ben\u00f6tigt wurden. Darin erkannten die Assyrer ihre Gesch\u00e4ftschancen und errichteten Handelskolonien in Anatolien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daneben viele andere Tafeln mit Inschriften, die die Entwicklung der Keilschrift zeigen, aber nur f\u00fcr Besucher mit guten Augen geeignet sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An einer Wand das riesige Basaltrelief eines hethitischen K\u00f6nigs, der in Anwesenheit eines Gottes betet, die H\u00e4nde nach oben und senkrecht vor das Gesicht haltend.\u00a0 Der K\u00f6nig, Warpalas, in Lebensgr\u00f6\u00dfe dargestellt, steht ehrf\u00fcrchtig vor dem noch viel gr\u00f6\u00dferen Gott, Tarhunza, einer Art R\u00fcbezahl, mit breiten Waden und Unterarmen. Der Gott tr\u00e4gt am G\u00fcrtel eine volles B\u00fcndel runder Weintrauben. Beide haben eckige, sauber getrimmte und kunstvoll gedrechselte B\u00e4rte und aufgebl\u00e4hte Nasenfl\u00fcgel, vermutlich feste Bestandteile des Sch\u00f6nheitsideals der Zeit (8 BC).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im gegen\u00fcberliegenden Geb\u00e4ude gleich am Eingang die Statue des Halbgottes Bes, einem Wesen von unbeschreiblicher Kraft, der mit angespanntem Bizeps mit den H\u00e4nden einen gefangenen L\u00f6wen mit dem Kopf nach unten h\u00e4lt. Zwischen den Beinen prangt ein riesiges Loch. Das fehlende Teil der Statue soll urspr\u00fcnglich gezeigt haben, dass sie Manneskraft des Halbgottes ebenso beeindruckend war wie sein Bizeps.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In zwei eigenen, abgedunkelten R\u00e4umen das ber\u00fchmteste St\u00fcck des Museums, der sog. Alexandersarg, eigentlich viel mehr als das, n\u00e4mlich die Ausstattung einer ganzen Nekropole.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1887 wurden von einem Bauern entdeckt. In Sidon, Arch\u00e4ologen finden zwei unterirdische Grabkammern mit 18 Sarkophagen, einige nach Istanbul, jeder mehrer Tonnen anthropomorphe\u00a0 Sarkophage in \u00e4gyptischem Stil und griechischen Stil, andere in Kastenform mit Kriegs- und Alltagsszenen an den Seiten, sehr gut erhalten. Auch Details gut erkennbar, z.B. zwei Zentauren, deren hochspringende Pferde sich ineinander verkeilt haben und die jetzt mit Speeren aufeinander losgehen. Beide Zentauren haben ganz moderne K\u00f6pfe, k\u00f6nnten in jeder Talkshow auftreten ohne aufzufallen, der eine mit welligem, der andere mit lockigem Haar und Bart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andere Sarkophage fast ohne bildliche Darstellungen, ganz einfach aussehend, ohne es zu sein. Bei einem zieht sich ein geometrisches und florales Muster um alle vier Seiten des Sarkophags, selbst die \u00c4dern der Bl\u00e4tter sind genauestes ausgestaltet, und das Dach des Sarkophags hat Ziegelsteine, die von Zierb\u00e4ndern zusammengehalten werden und oben und unten in kleinen Fialen auslaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Alexandersarkophag selbst geh\u00f6rte nicht, wie fr\u00fcher angenommen, Alexander selbst, sondern einem von ihm eingesetzten Stadtk\u00f6nig von Sidon. Er war urspr\u00fcnglich farbig gefasst, was noch gut zu erkennen ist, und die Krieger hielten tats\u00e4chlich silberne Speere, \u00c4xte und Schilder in der Hand, die aber alle die Beute von Grabr\u00e4ubern wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schlachtenszenen sind sehr realistisch, und wahrscheinlich sollten die Szenen eine bestimmte historische Schlacht darstellen, vermutlich die von Issus, aber tats\u00e4chlich handelt es sich um reine Propaganda. Die Perser werden \u00fcberwiegend als Gefallene, Get\u00f6tete, Unterlegene und erschrocken Dreinblickende dargestellt, die nur reagieren k\u00f6nnen, obwohl sie in der Mehrheit sind, die Griechen agierend und unerschrocken. Es liegt aber auch ein get\u00f6teter Grieche am Boden. Man musste ja auch darstellen, dass man es mit einem ernsthaften Gegner zu tun hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Perser sind an ihrer Kleidung, vor allem an ihrer Kopfbedeckung zu erkennen, die wie die Hauben der Frauen im XIX, durch ein Band unter dem Kinn festgehalten werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich mich in eine Ecke setze um Notizen zu machen, wird es pl\u00f6tzlich laut und eine ganze Horde von Kindern betritt mit einer ganzen Reihe von Lehrern die Museum. Es geht ausgesprochen lebhaft, aber auch sehr diszipliniert zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Sonne lockt mich wieder nach drau\u00dfen., Ein Touristenpolizist, der f\u00fcr diese Aufgabe sehr stark bewaffnet ist, antwortet auf meine Frage nach einer Stra\u00dfenbahn nach Emin\u00f6n\u00fc, dahin k\u00f6nne man auch gut zu Fu\u00df gehen, ein guter Tipp nach dem Museum. Ich komme an einem Schild vorbei, auf dem das Wort M\u00fcd\u00fcrl\u00fcg\u00fc steht, so als wolle es die t\u00fcrkische Vorliebe f\u00fcr das \u00fc dokumentieren. Es geht \u00fcber eine belebte Stra\u00dfe mit vielen Gesch\u00e4ften, immer der Stra\u00dfenbahn entlang. An einem der kleinen L\u00e4den kaufe ich eine kleine Flasche Wasser, und als der Verk\u00e4ufer den Preis nennt, Vier, glaube ich sofort, \u00fcber den Tisch gezogen zu werden, bekomme dann aber einen Haufen Wechselgeld f\u00fcr meine F\u00fcnfliraschein. 4 bedeutet in der traditionellen Diktion, die sich auf die alte W\u00e4hrung bezieht, 400, und das sind heute 40 Kuru\u015f, also nur ein Zehntel dessen, was ich glaubte, zahlen zu m\u00fcssen, nicht einmal eine halbe Lira, knapp 30 Cent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An einer Ampel steht ein Hinweis f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger, in dem das Wort Yaya\u2019ya vorkommt. Man muss eine Sprache einfach lieben, die W\u00f6rter wie Yaya\u2019ya hat. Sp\u00e4ter erfahr ich, dass es \u201af\u00fcr die Fu\u00dfg\u00e4nger\u2019 hei\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurz darauf komme ich schon nach Emin\u00f6n\u00fc, wo die F\u00e4hen und Schiffe durch den Bosporus abfahren. Die Taubenplage auf dem Platz vor der gegen\u00fcberliegenden Moschee wird noch forciert, indem alte Frauen f\u00fcr wenig Geld Taubenfutter verkaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie von selbst befinde ich mich auf einmal vor dem M\u0131s\u0131r Carc\u0131s\u0131, dem Gew\u00fcrzbasar, dem \u00c4gyptischen Basar. Die Gew\u00fcrze, in unendlichen Variationen und Farben, Basilikum, Rosmarin. Oregano, Minze, Safran, Curry, Chili, Pfeffer und viele andre, in kunstvoll errichteten Pyramiden aufgeschichtet, sind eine reine Augenweide.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwischen die Gew\u00fcrzst\u00e4nde haben sich l\u00e4ngst viele andere St\u00e4nde geschoben. An einem Stand wird ein Walnussgeb\u00e4ck als \u201eT\u00fcrkische Viagra\u201c angeboten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigentlich unterschiedet sich der Gew\u00fcrzbasar nicht wesentlich\u00a0 vom Gro\u00dfen Basar, ist aber voller und chaotischer, und auch hier hat sich der Basar \u00fcber die eigentliche Halle hinaus in die umliegenden Gassen ausgedehnt. M\u00e4nner mit Schubkarren, M\u00e4nner mit riesigen runden Tabletts auf dem Kopf und, am r\u00e4tselhaftesten, M\u00e4nner mit einer mobilen, von einem leise summenden Motor betriebenen Photokopiereinheit zw\u00e4ngen sich durch die Menge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb des Basars, auf dem gesch\u00fctzten, baumbestandenen\u00a0 Vorplatz einer weiteren Moschee, lasse ich mich gerne zu einem Kaffe \u00fcberreden, und nehme auch die Dienste des Schuhputzers an, aber erst, nachdem ich einen festen Preis ausgehandelt habe. Ich will ihm schon die Schule entgegen strecken, als er mir pl\u00f6tzlich Pantoffeln hinstellt und sich mit den Schuhen an den Rand des Platzes verzieht. Als ich den Kaffee bestellt habe, ist der Schuhputzer samt meiner Schuhe verschwunden, und ich sehe mich schon in Pantoffeln zum Hotel zur\u00fccklaufen, als er pl\u00f6tzlich wieder auftaucht und mir ein paar N\u00fcsse auf den Tisch legt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch mehr Gesch\u00e4fte gibt es auf dem steilen Weg zur S\u00fcleyman-Moschee, meistens Textilgesch\u00e4fte, ziemlich \u00e4rmlich aussehend. Hier floriert in erster Linie der Handel mit Kopft\u00fcchern, und die werden meistens von M\u00e4nnern verkauft \u2013 und gekauft.<\/p>\n<p>Eins kann man den Kopftuchverfechtern aber nicht absprechen: Die Frauen sehen damit wirklich unansehnlicher aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann pl\u00f6tzlich, fast ganz oben, zwei teure Gesch\u00e4fte mit modischer Kleidung und zwei mit Reizw\u00e4sche, ganz in der N\u00e4he der Moschee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Platz vor der Moschee gibt es Toilettenh\u00e4uschen, und wieder verwirren mich die Preise und ich zahle 500 statt der verlangten 50. Auch das sind gerade mal 30 Cent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann muss ich aber feststellen, dass ich\u00a0 den ganzen Weg umsonst gemacht habe, denn die Moschee, vor der ich stehe, ist nicht die S\u00fcleyman-Moschee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Weg nach unten sehe ich das Wort Kebab auf dem Wagen eines Kastanienverk\u00e4ufers: Kastane Kebab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unten auf dem Platz angekommen, g\u00f6nne ich mir einen Maiskolben, muss mich dann aber auf dem R\u00fcckweg fragen, was man mit einem angeknabberten Maiskolben macht. Papierk\u00f6rbe gibt es nicht, und man wirft kleineren Unrat zwar ohne Bedenken in die Schlagl\u00f6cher des B\u00fcrgersteigs, aber keine Maiskolben. Als ich endlich eine L\u00f6sung gefunden habe, kaufe ich mir an einem Stand eine Mandarine, und jetzt habe ich dasselbe Problem mit den Mandarinenschalen. Die landen am Ende im Papierkorb des Hotelzimmers. Beim Mandarinenverk\u00e4ufer bekomme ich auch einen frisch gepressten Orangensaft. Hervorragend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Heimweg habe ich angetreten, weil auch die zweite Moschee, die, die der Maiskolbenverk\u00e4ufer mir gezeigt hat, nicht die S\u00fcleyman-Moschee ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">22. M\u00e4rz (Mittwoch)<\/span><\/p>\n<p>Schon vor dem Fr\u00fchst\u00fcck raus, um ein paar Photos zu machen, von der Hohen Pforte und von einem Teppichgesch\u00e4ft, das sich an einer Seite als \u201eGallery\u201c, an der anderen als \u201eGalery\u201c annonciert.<\/p>\n<p>Dann weitere Versuche, t\u00fcrkischer Kollegin eine SMS zu schicken. Zwei Versuche schon umsonst: 0090 und 090. Jetzt 90?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Rezeption werde ich auf die Frage, wo ich einen Kamm kaufen kann, erstaunlicherweise auf den \u00c4gyptischen Basar verwiesen. Das Wort f\u00fcr \u201aKamm\u2019, <em>tarak<\/em>, habe ich vorsichtshalber vorher nachgeschlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Fr\u00fchst\u00fcck zu Hagia Eirene: \u0131mmer noch geschlossen, und immer noch kein Sch\u0131ld, dass sie geschlossen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Warten auf Stra\u00dfenbahn nach Emin\u00f6n\u00fc einen iranischen Englischlehrer kennen gelernt, dessen Muttersprache T\u00fcrkisch ist. Im Norden Irans gibt es eine t\u00fcrkischsprachige Minderheit! Er h\u00e4lt gar nichts von den Englischkenntnissen der T\u00fcrken. Sie seien tr\u00e4ge und unbegabt, und die Methoden seien von vorgestern: \u201eWenn wir so viele Touristen h\u00e4tten, w\u00fcrden wir besser sprechen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Emin\u00f6n\u00fc diesmal in einem weiten Bogen Anlauf zur Moschee genommen, die von unten gut sichtbar \u0131st, dann aber dem Blick entschwindet, eine Art Sitzriese. Aber diesmal klappt es. Ein steiler Weg f\u00fchrt an einer hohen Mauer entlang aus dem gesch\u00e4ftigen V\u0131ertel unterhalb der Moschee in den von erhabener Ruhe gepr\u00e4gten Bezirk der Moschee. Hier gibt es weder Schlepper noch H\u00e4ndler. Vielleicht \u0131st es nur zu fr\u00fch. Die Moschee gilt als die sch\u00f6nste Istanbuls. Wie sie in nur sieben Jahren gebaut werden konnte, ist mir ein R\u00e4tsel. Auch wenn damit nur der Rohbau gemeint sein sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Moscheew\u00e4rter, der sieht, dass ich Notizen mach, kommt auf mich zu. Ich erwarte einen R\u00fcffel, aber satt dessen bietet er mir an, mich zu setzen und weist auf einen kleinen erh\u00f6hten Sockel. Beim Herumsehen f\u00e4llt mir auf, dass die Zahl der Fenster an den beiden Stirnseiten 13 betr\u00e4gt. Ob das eine Bedeutung hat? In christlichen Kirchen w\u00fcrde man vermutlich die 12 vorziehen.<\/p>\n<p>Auffallend auch, dass die einzelnen Bauelemente auch in einer christlichen Kirche vertreten se\u0131n k\u00f6nnten, ja auch der gesamte Bau k\u00f6nnte vielleicht eine christliche Barockkirche sein, auch wenn die vermutlich keinen quadratischen Grundriss h\u00e4tte. Erst die Verzierungen und die nicht tragenden Teile geben dem Raum die typisch orientalische Atmosph\u00e4re. Dazu geh\u00f6ren auch die niedrig h\u00e4ngenden Lampen. Das soll daran liegen, dass die fr\u00fcher mit Kerzen best\u00fcckt waren und deren Qualm die Malereien in der Kuppel besch\u00e4d\u0131gt h\u00e4tten, h\u00e4tten sie h\u00f6her gehangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pr\u00e4gend f\u00fcr den Eindruck sind auch die farbig abgesetzten B\u00f6gen, d\u0131e den Hauptraum vom Rest trenne, mal in Grau und Wei\u00df, mal in Rot und Wei\u00df. Der gesamte Innenraum wird \u00fcber Geraden und Runden und Ecken von e\u0131nem Rundgang auf Geschossh\u00f6he durchzogen, der ein fein geschmiedetes Gel\u00e4nder hat und auf h\u00f6lzernen Konsolen zu ruhen scheint. Zwischen den Konsolen befindet sich, nur von unten zu sehen, jeweils eine kunstvoll gearbeitete Verzierung. Davon gibt es Dutzende, und die alleine entsprechen der Dekorat\u0131on, d\u0131e sonst vielleicht ein gesamtes Kirchengeb\u00e4ude vorwe\u0131st, und hier sind sie nur ein verschwindend kleiner Te\u0131l der Dekorat\u0131on, die man glatt \u00fcbersehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder drau\u00dfen sieht man im Innenhof die vier Minarette mit den insgesamt zehn Balkonen, Zahlen, die symbolisch interpretiert werden: sie stehen f\u00fcr S\u00fcleyman, den insgesamt zehnten und den vierten in Istanbul residierenden Sultan, den Erbauer und Namensgeber der Moschee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Umkreis der Moschee, zu der auch ein Hospiz, ein Krankenhaus und eine Schule geh\u00f6ren, auch die Grablege S\u00fcleymans und seiner M\u00e4tresse Roxana, die legend\u00e4ren Einfluss auf die Politik des Sultans hatte. Beide sind getrennt in achteckigen Kapellen begraben. Beim Sultan wird erstaunlicherweise gebetet, und ich trete bald meinen R\u00fcckzug an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg von der Moschee eine ganz in Schwarz, verh\u00fcllt wie eine Nonne gekleidete Frau gesehen, die die elegante Tragetasche einer Modefirma tr\u00e4gt \u2013 auch in Schwarz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann mache ich den Versuch, einen Kamm zu kaufen. Gesch\u00e4fte gibt es hier genug, aber sie scheinen alle nur Eimer, Zuber und W\u00e4scheklammern zu verkaufen. Schlie\u00dflich nehme ich allen meinen Mut zusammen und frage einen wie alle anderen m\u00fc\u00dfig vor dem Gesch\u00e4ft stehenden Mann: Kamm? Erst versteht er meine Frage gar nicht, dann, als ich sie wiederhole, z\u00fcckt er einen Kamm, l\u00e4sst ihn aber sofort wieder verschwinden, denn er f\u00fcrchtet wohl, dass ich ihn bitten k\u00f6nnte, ihn auszuleihen. Dann versuche ich es mit Kamm wo?, aber das l\u00f6st einen Wortschwall aus und das Gespr\u00e4ch verl\u00e4uft im Sande. Ich ziehe ab, und als ich schon ein St\u00fcck die Stra\u00dfe hinunter gegangen bin, ruft er mich pl\u00f6tzlich zur\u00fcck. Er hat R\u00fccksprache mit seinem Gegen\u00fcber genommen. Jetzt f\u00fchrt er mich in sein Gesch\u00e4ft und zeigt mir eine Schachtel voller K\u00e4mme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg zum Hotel findet ein Schuhputzer es gut, dass ich mir die Schuhe habe putzen lassen. Trotz der Konkurrenz sind sie auch Verb\u00fcndete, wie die verschiedenen Anbieter eines Autos oder eines Putzmittels oder eines Parfums in der Industrie. Er will wissen, wie viel ich bezahlt habe: \u201eTwo\u201c \u2013 \u201eGood. Normal\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie in Spanien, wird der Verkehr hier von laut pfeifenden und wild gestikulierenden Verkehrspolizisten geregelt, deren Arbeit zum Verkehrfluss nichts beitr\u00e4gt, wohl aber zum L\u00e4rmpegel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Pause im Hotel am Abend noch einmal rausgegangen, nachdem ich im Reisef\u00fchrer gelesen habe, dass das Hotel ganz in der N\u00e4he der Hohen Pforte ist. Nach einigem Suchen stellt sich heraus, dass es ein Tor ist, an dem ich schon mehrmals vorbeigekommen bin, ein sch\u00f6n dekoriertes, gar nicht sonderlich hohes Tor, das den Eingang zur ehemaligen Residenz des Wesirs markierte. Das Tor hat ein elegant geschwungenes Vordach und darunter arabische Inschriften in Gold auf bordeauxrotem Grund. Zu beiden Seiten wird es flankiert von Brunnen, die ebenfalls von einem geschwungenen Vordach gesch\u00fctzt sind. Das Tor liegt gleich gegen\u00fcber der Mauer zum G\u00fclhane Palast, und an dieser Stelle, wo die Mauer eine scharfe Kurve macht, ist auf der Ecke ein achteckiger sch\u00f6ner Pavillon in die Mauer eingelassen. Von dort aus konnte der Sultan beobachten, wer so bei seinem Wesir verkehrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann lande ich noch ungewollt im G\u00fclhane Park, der wegen seiner schummrigen Beleuchtung und seiner B\u00e4ume und Lauben der ideale R\u00fcckzugsort f\u00fcr junge Liebespaare ist. Dann \u00f6ffnet sich pl\u00f6tzlich der Blick auf den Bosporus, und dann komme ich an verschiedenen Sehensw\u00fcrdigkeiten vorbei, \u00fcber die ich zuf\u00e4llig vorher im Reisef\u00fchrer gelesen habe, einer Statue des sitzenden Atat\u00fcrk, einem Teegarten und einer historischen S\u00e4ule, die etwas mit der Gr\u00fcndung von Byzanz zu tun haben soll. Dann komme ich am anderen Ende des Palasts wieder hinaus und will lieber \u00fcber befahrene Stra\u00dfen den R\u00fcckweg antreten, aber hier versperrt eine Eisenbahntrasse den Weg in die Altstadt. Also mache ich mich wieder auf den Weg in den Park und pl\u00f6tzlich taucht aus der Dunkelheit ein Soldat mit Maschinengewehr vor mir auf, der sich drohend vor mir aufbaut und gleich einen ebenso schwer bewaffneten Kameraden zu Hilfe ruft. Ich trete sofort den R\u00fcckzug an und finde diesmal den richtigen Eingang zum Park. Jetzt wirken bei der schwachen Beleuchtung die bizarren Formen der B\u00e4ume ziemlich gespenstisch, und ich bin froh, als ich wieder am anderen Ende herauskomme. Wieder in der Altstadt, gibt es zur Beruhigung einen leckeren D\u00f6ner auf die Hand f\u00fcr den sensationellen Preis von 2 Lira.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">23. M\u00e4rz (Donnerstag)<\/span><\/p>\n<p>Beim Fr\u00fchst\u00fcck in der Cafeteria der Uni hole ich mir zum Tee ein Geb\u00e4ck, das aussieht, als enthielte es Schokolade. Die Schokolade entpuppt sich als Spinat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Vorlesung und einem Gespr\u00e4ch mit der Chefin der Anglistik Ausflug zum Bosporus mit Tom und Ay\u015fem. Wieder geht es, wie letztes Jahr, nach Ortak\u00f6y. Ay\u015fem verzichtet diesmal auf die touristische Route und lenkt den Wagen ziemlich sicher durch den dichten Verkehr. Unterwegs erfahre ich, dass Marlowe, wie Peter, aus Canterbury stammte. Er geh\u00f6rte einer Ar konspirativen Vereinigung um Walter Raleigh an, die die herrschende Ideologie der Zeit in Frage stellte, vor allem religi\u00f6se Vorstellungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das der Uni am n\u00e4chsten gelegene Viertel hei\u00dft Yenibosna, \u201aNeu-Bosnien\u2019, dann kommen wir durch ein Viertel mit besonders unansehnlichen Hochh\u00e4usern, das Sirenevler hei\u00dft, \u201asch\u00f6ne H\u00e4user\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurz vor Ortak\u00f6y stehen wir vor einer roten Ampel, die die noch verbleibenden Sekunden der Wartezeit z\u00e4hlt. Man macht die erstaunliche Entdeckung, dass man gar nicht lange wartet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Ortak\u00f6y bekommen wir bei passablem Wetter in einem der Lokale gleich am Bosporus sitzend ein durchwachsenes Essen nach der Art der internationalen Durchschnittsk\u00fcche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann geht es mit einer F\u00e4hre zu dem auf einer winzigen Insel vor der asiatischen K\u00fcste gelegenen Leanderturm. Der hat gleich zwei Legenden aufzuweisen, eine \u00f6stliche und eine westliche. Die \u00f6stliche sieht die Insel als den Ort, an dem ein K\u00f6nig seine Tochter in Sicherheit brachte, nachdem geweissagt worden war, sie werde an einem Schlangenbiss sterben. Am Ende gelang es aber einem Verschw\u00f6rer, eine Schlange auf die Insel zu bringen. Der westlichen zufolge ist die Insel der Ort der Leandersage, die aber, den klassischen Autoren zufolge, nicht im Bosporus, sondern in den Dardanellen spielte. Der Name des Turms, K\u0131z Kulesi, \u201aM\u00e4dchenturm\u2019, spielt auf die \u00f6stliche Legende an. Au\u00dferhalb der Legende war die Insel eine Art Zollstation, schon in der Antike, und ein Leuchtturm im Mittelalter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unten gibt es ein vornehmes Restaurant, oben ein kleines Caf\u00e9, und auf den Zwischenstationen einen Souvenirladen, eine Touristeninformation und B\u00e4nke zum Ausruhen. Oben hat man einen guten \u00dcberblick \u00fcber das verwirrende Gef\u00fcge der verschiedenen Meeresteile und die Stadtbezirke. Die Neustadt sieht von hier aus v\u00f6llig zubetoniert aus, die Altstadt hochherrschaftlich, der asiatische Teil so, als w\u00e4ren die H\u00e4user, trotz dichter Bebauung, besser in die Landschaft integriert. Ob\u00a0 das auch nur im geringsten der Wirklichkeit entspricht, ist eine andere Frage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Kaffer erfahre ich das Ay\u015fem, die Einheimische, noch hier war. Au\u00dferdem erfahre ich, dass Englischdozenten, die Professoren werden wollen, Kenntnisse in einer weiteren Fremdsprache nachweisen m\u00fcssen, die zentral \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg geht es bei bewegt werdender See am Dolmabah\u00e7e-Palast vorbei und dann and der Galatasaray- Universit\u00e4t, in der viele F\u00e4cher auf Franz\u00f6sisch unterrichtet werden, so wie es die Bosporus Universit\u00e4t mit Englisch macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der R\u00fcckfahrt im Auto erfahre ich, dass 34 auf den Nummernschildern der Autos f\u00fcr Istanbul steht, 35 f\u00fcr Izmir. Sie sind alphabetisch durchnummeriert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend mache ich noch einen Spaziergang zum Eingangstor der Istanbul-Universit\u00e4t, von dem heute mehrmals die Rede war. Es liegt hinter dem Gro\u00dfen Basar und sieht tats\u00e4chlich so aus, als w\u00e4re es der Eingang zu einem Palast. Es hat drei Durchg\u00e4nge, der hohe mittlere mit einem Hufeisenbogen, die beiden \u00e4u\u00dferen mit einem Rundbogen, und ist an den Seiten von viereckigen T\u00fcrmen mit Zinnen flankiert. Oben in der Mitte hat es arabische Inschriften und dar\u00fcber in einem Medaillon die Buchstaben T.C. Am n\u00e4chsten Tag erfahre ich, dass das f\u00fcr T\u00fcrkische Republik steht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Imbissstand spendiere ich einer unaufdringlich bettelnden Frau und ihrer blinden Tochter einen D\u00f6ner. Am Ende stellt sich heraus, dass sie Bulgarin ist \u2013 das Osmanische Reich hatte weite Grenzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">24. M\u00e4rz (Freitag)<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen regnet es stark, dann ist es den ganzen Tag \u00fcber st\u00fcrmisch, wolkig und kalt \u2013 Novemberwetter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Uni spricht Derya, die Kollegin aus der Linguistik, von ihrer Vorleibe f\u00fcr die Istanbul-Universit\u00e4t, ihrer Universit\u00e4t. Die habe eine eher linkslastige Tradition und sei weniger abgehoben als die Bosporus-Universit\u00e4t. Sie sei zwar die \u00e4lteste, aber keineswegs die am besten ausgestattete Universit\u00e4t der T\u00fcrkei, und das mache sie sympathisch. In den 60er Jahren seien hier bei den Studentenrevolten nicht nur Steine, sondern auch Bomben geflogen, und es habe Exekutionen gegeben. Das alles sei noch Teil des kollektiven Ged\u00e4chtnisses der heutigen Studenten. Nichts davon war mir auch nur im Ansatz bekannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Mittagessen wetteifern die Kellner in der Cafeteria der Uni mit ihren spanischen Kollegen und r\u00e4umen ab, bevor man fertig ist. Unter scharfem Protest kann ich meinen Nachtisch noch retten, aber das Besteck ist weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Arbeit mit Esine und ihrem Mann nach Sultanahmet zum K\u00f6ftecisi. Auf dem Weg dahin lerne ich die Bedeutung weiterer Ortsnamen kennen: Bak\u0131rk\u00f6y ist das Kupferdorf, Atak\u00f6y das Vaterdorf, (vgl. Atat\u00fcrk), Ortak\u00f6y das Mitteldorf und Kadik\u00f6y das Richterdorf (wie bei uns der Kadi). Bahcelievler sind Gartenh\u00e4user. Durch die Analyse in ihre Bestandteile verlieren die langen Namen ihren Schrecken und sind besser zu behalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Shuttlebus, der uns von der Uni zur U-Bahn bringt, stellt Esine mir eine Englischstudentin vor. Sie hat ihr vorgeschlagen, sich f\u00fcr den Auslandsaufenthalt zu bewerben, weil sie besonders begabt und motiviert sei, aber ihr Vater erlaubt es ihr nicht.<\/p>\n<p>Es bedarf keine Worte, um zu merken was Esine davon h\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Fahr mit der U-Bahn sagt Esine vielsagend, hier habe man doch eine andere Klientel als auf der F\u00e4hre, ihrem tagt\u00e4glichen Transportmittel. Ihrer sch\u00f6nen Wohnung zuliebe nehmen sie eine anderthalbst\u00fcndige Anfahrt zum Arbeitsplatz in Kauf. Sie wundern sich, dass ich mich wundere, dass sie nicht mit dem Auto kommen. Das w\u00fcrde noch l\u00e4nger dauern, kein vern\u00fcnftiger Mensch fahre mit dem Auto. Am Nachmittag wunderte sich die deutsche Kollegin vom Auslandsamt, die sich wegen des dichten Verkehrs versp\u00e4tete, als ich fragte, ob immer mit dem Auto komme. Nat\u00fcrlich, dumme Frage, jeder komme mit dem Auto.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erfahre, dass schon Esines Gro\u00dfmuter, geschweige denn ihre Mutter, auf den Schleier verzichtet hat. F\u00fcr diese Generation sei es eine Befreiung und ein Zeichen von Modernit\u00e4t gewesen, den Zopf abzuschneiden, und Esine registriert mit Kopfsch\u00fctteln, dass die jungen Frauen jetzt wieder \u201efreiwillig\u201c dazu zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Esines Mann beklagt, dass er kaum noch zum Publizieren komme. Nach dem dreiw\u00f6chigen Urlaub im Fr\u00fchsommer geht es schon im Hochsommer mit der Summer School weiter, in der die durchgefallenen Studenten ihre Seminare wiederholen. Wenn er einmal zum Publizieren komme, tue er das lieber au Englisch als auf T\u00fcrkisch, nicht nur der gr\u00f6\u00dferen Reichweite wegen, sondern auch deshalb, weil das Wissenschaftst\u00fcrkisch gegenw\u00e4rtig einer S\u00e4uberung unterzogen werde, der die arabischen und osmanischen Elemente zum Opfer fielen, und mit der neuen Sprache k\u00f6nne er sich nicht anfreunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir beiden langen ordentlich zu, w\u00e4hrend Esine sich zur\u00fcckh\u00e4lt. F\u00fcr ist die Einladung keine Verpflichtung, sondern eine willkommene Gelegenheit, sich \u00fcber die st\u00e4ndigen Fastengebote seiner Frau hinwegzusetzen: \u201eWhenever I suggest we go out for a meal, I am told that we are on a diet.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">25. M\u00e4rz (Samstag)<\/span><\/p>\n<p>Mustafa Kemal Pascha Atat\u00fcrk hie\u00df weder Kemal noch Pascha noch Atat\u00fcrk, sondern einfach Mustafa. Feste Nachnamen nach westlichem Muster gab es noch nicht und wurden erst sp\u00e4ter von ihm selbst eingef\u00fchrt. Den Beinamen Kemal bekam er in der Milit\u00e4rakademie, die er gegen den Willen seiner Eltern besuchte, die ais ihm lieber einen Kaufmann gemacht h\u00e4tten. Den Beinamen Pascha, \u201aGeneral\u2019, bekam er im 1. Weltkrieg bei der Abwehr eines britisch-franz\u00f6sischen Angriffs auf Gallipoli, und Atat\u00fcrk sp\u00e4ter als Gr\u00fcnder der t\u00fcrkischen Republik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt, am Wochenende, sind beim Fr\u00fchst\u00fcck im Hotel nur noch Ausl\u00e4nder vertreten, Italiener, \u00d6sterreicher, Deutsche, Griechen. Ein Italiener tr\u00e4gt in dem fensterlosen Kellerraum eine Sonnenbrille und best\u00e4rkt mein Vorurteil gegen Sonnenbrillentr\u00e4ger. Und der Kellner mein Vorurteil gegen Kellner, die einem die Teller unter der Nase wegzeihen, bevor man fertig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Stra\u00dfenbahn ist es heute ziemlich leer, aber es ist nicht einfach, das Gep\u00e4ck \u00fcber das Drehkreuz zu bugsieren. In der U-Bahn wird es dagegen schnell voll. Mir gegen\u00fcber sitzt ein junger Mann, wie er t\u00fcrksicher nicht sein k\u00f6nnte: starkes Kinn, niedrige Stirn, tief liegende Augen, dichte Augenbrauen und strapazierf\u00e4higes Haar, das aussieht, als wenn es 200 Jahre\u00a0 halten w\u00fcrde. Tats\u00e4chlich sehen vermutlich wenige T\u00fcrken so aus, aber er entspricht meiner Vorstellung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Flughafen wird man gleich mit dem ganzen Gep\u00e4ck durchleuchtet. Nachdem ich mich aller Sachen entledigt und mich bis auf das N\u00f6tigste entkleidet habe, komme ich trotzdem nicht durch die Sicherheitskontrolle und muss noch mal durch, mit dem gleichen Ergebnis. Der Mann, der mich dann untersucht und auch nichts findet, sagt am Ende mit Kennermiene: \u201eShoes\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der ganzen Woche habe ich kaum einmal eins von den W\u00f6rtern und Ausdr\u00fccken anbringen k\u00f6nnen, die ich so m\u00fchsam gelernt habe. Wenn sich mal eine Gelegenheit bot, stellten sie sich nicht ein. Nicht einmal das Wort f\u00fcr Danke fiel mir ein, wenn es n\u00f6tig war, immer nur Entschuldigung. Das ist f\u00fcr mich ungewollt zum prototypischen Wort des T\u00fcrkischen geworden, und es stellte sich jederzeit ein, wie von selbst, nicht auf Knopfdruck, sondern ohne Knopfdruck. Mein Kopf macht nicht, was ich will. Er macht, was er will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. M\u00e4rz (Montag) Als ich im Hotel in Istanbul (19.30 Ortszeit) ankomme, bin ich fast zw\u00f6lf Stunden unterwegs, obwohl der Flug gerade mal drei Student dauert. &nbsp; Die Reisezeit f\u00fcr Lekt\u00fcre genutzt: eine amerikanische Sammlung englischer mondegreens und ein Theaterst\u00fcck &hellip; <a href=\"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=1477\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":1155,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1477"}],"collection":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1477"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1477\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1478,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1477\/revisions\/1478"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1155"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}