{"id":2475,"date":"2012-01-22T20:51:55","date_gmt":"2012-01-22T19:51:55","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=2475"},"modified":"2012-01-22T20:56:05","modified_gmt":"2012-01-22T19:56:05","slug":"uppsala-2012","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=2475","title":{"rendered":"Uppsala (2012)"},"content":{"rendered":"<p>1. Januar (Sonntag)<br \/>\nLautes Vogelgezwitscher von allen Seiten, als ich am fr\u00fchen Morgen das Haus verlasse. Die glauben sich schon im Fr\u00fchling, die Optimisten, so mild ist es.<\/p>\n<p>Im Bus ist au\u00dfer mir nur eine alte Dame. Der Busfahrer gr\u00fc\u00dft freundlich, w\u00fcnscht ein frohes neues Jahr und entschuldigt sich f\u00fcr den gestiegenen Preis: 5 Cent mehr. Als die Dame aussteigt, fragt er mich nach meinem Reiseziel. Schweden? Das wundert ihn. Er hat vermutlich mit den Kanarischen Inseln gerechnet. Aber so ein sch\u00f6ner Winterurlaub sei auch nicht zu verachten. Er denkt vermutlich an Schnee und Skifahren. Ich lasse ihn in dem Glauben. Warum sollte er sich auch vorstellen, dass ich in einen Ort reise, wo das Wetter auch nicht viel anders als hier ist, nur, um mir ein paar verstaubte B\u00fccher anzusehen?<\/p>\n<p>Als ich aussteige, treffe ich auf einen Haufen junger Leute, trinkend und rauchend, auf dem Heimweg von der Silvesterfeier. Am Bahnhof ist alles geschlossen, Zeitungskiosk und B\u00e4ckerei. Das hatte ich nicht auf der Rechnung.<br \/>\nNur ein H\u00e4uflein Passagiere im Zug. Im dem anderen, der Regionalbahn auf dem Nebengleis, sind nur zwei.<\/p>\n<p>Statt Zeitung lese ich im Zug Gedichte von Tomas Transtr\u00f6mer, dem Nobelpreistr\u00e4ger. Sonderbar. R\u00e4tselhaft. Verwirrend. Meilensteine begeben sich auf Wanderschaft, Ziegen fressen Feuer, Schatten falten die Erde. Der Titel scheint Programm zu sein: Den stora g\u00e5tan &#8211; Das gro\u00dfe R\u00e4tsel. Schatten kommen h\u00e4ufig vor, und Wand und Wind. Aber auch Fliegen, Welse, Fr\u00f6sche, Ziegen. Einige der Gedichte sind Haikus, und einige hat er passenderweise einem Freund zum Beginn der Neujahrs geschickt. Der Freund war Direktor eines Jugendgef\u00e4ngnisses, und viele der Haikus \u201espielen\u201c dort. Erst als ich das gelesen habe, kommt zumindest ein Schimmer von Verst\u00e4ndnis auf.<\/p>\n<p>In Koblenz bekomme ich Zeitung und Kaffee und stelle mich dann so bl\u00f6d an, dass ich den Zug verpasse. Gegen Aufpreis und mit dem Bus ab Bonn gibt es eine Alternative, und in dem \u00fcbersichtlichen Flughafen von K\u00f6ln geht alles so schnell, dass noch Zeit f\u00fcr Zeitungslekt\u00fcre bleibt. Als Entdeckung des Jahres bezeichnet ein Redakteur eine im British Medical Journal publizierte Studie zu der Behauptung, man m\u00fcsse viel Wasser trinken, mindestens 1,5 Liter pro Tag. Das sei gut f\u00fcr Niere und Gehirn. Dummes Zeug, sagt die Studie, dahinter stecke eine Kampagne eines franz\u00f6sischen Nahrungsmittelkonzerns, der mehrere Wassersorten vertreibt.<\/p>\n<p>Im Kongress und im Senat der USA ist jeder zweite Abgeordnete Million\u00e4r. Kann man ein politisches System in einer noch k\u00fcrzeren Nachricht zusammenfassen?<\/p>\n<p>Uli Hoene\u00df, so hei\u00dft es, habe im Oberhausener Centro nur deshalb einen Bayern-Fanshop installiert \u2013 und trotz roter Zahlen aufrechterhalten \u2013 um Rudi Assauer einen solchen vor die Nase zu setzen.<\/p>\n<p>\u201eWir pr\u00fcfen gerade, wie viele von ihnen noch leben.\u201c \u2013 \u201eIm Traum bin ich Fu\u00dfg\u00e4nger.\u201c \u2013 \u201eSie ist ein Auslaufmodell.\u201c Drei Zitate des vergangenen Jahres, die sich nicht aufgrund ihres Inhalts erkl\u00e4ren, sondern nur, wenn der Kontext bekannt ist: Sie erschienen mit Bezug auf die \u00fcber 9000 \u00fcber Hundertj\u00e4hrigen, die in Griechenland weiterhin Rente vom Staat erhielten, gesagt von Wolfgang Sch\u00e4uble, gesagt \u00fcber die Atomkraft.<\/p>\n<p>In der Tora gibt es in jedem f\u00fcnfzigsten Jahr einen vollkommenen Schuldenerlass und in jedem siebtem Jahr einen kleinen Schuldenerlass. Das ist eine gute Idee, hat aber nicht funktioniert. Die Schuldner haben die Vertr\u00e4ge so gedeichselt, dass die Tilgung genau im dem Jahr f\u00e4llig geworden w\u00e4re, in dem der Schuldenerlass gew\u00e4hrt wurde. Das wiederum haben die Gl\u00e4ubiger durchschaut und Kredite verweigert. Weil es keine Kredite gab, sind die Bauern pleite gegangen und konnten ihr Saatgut nicht mehr vorfinanzieren. Die gesamte Wirtschaft kam zum Erliegen. Die gerechte Idee hatte ungerechte Verh\u00e4ltnisse hervorgebracht.<\/p>\n<p>Im Flugzeug mache ich eine ern\u00fcchternde Entdeckung: In Uppsala sind viele Sehensw\u00fcrdigkeiten den gesamten Winter \u00fcber geschlossen. Das h\u00e4tte ich mir vorher \u00fcberlegen sollen.<\/p>\n<p>In Arlanda, am Flughafen, mache ich eine weitere Entdeckung, die ich nicht auf der Rechnung hatte: kurze Tage. Es ist halb vier und schon dunkel. Sp\u00e4ter will ich es genauer wissen und suche die astronomischen Daten heraus, f\u00fcr den 1. Januar. Sonnenaufgang: Trier: 8.28, Uppsala: 8.46; Sonnenuntergang: Trier: 16.44, Uppsala: 14.55!<br \/>\nAm Flughafen wird man auf gro\u00dfen, bunten Plakaten von Stockholmer Gr\u00f6\u00dfen in ihrer Heimatstadt begr\u00fc\u00dft: von Carl Milles, dem Bildhauer, Lena Philipsson, einer S\u00e4ngerin, Margareta van den Bosch, einer Designerin von H&amp;M, Thomas Brolin, dem Fu\u00dfballspieler, Dag Hammarskj\u00f6ld (von dem ich immer dachte, er w\u00e4re Norweger), einem gewissen Povel Ramel, der als \u201eWortzauberer\u201c vorgestellt wird, und Abba, mit einem Bild aus den goldenen Tagen, auf dem die Frauen noch ganz passabel aussehen, aber die Kleidung der M\u00e4nner im Nachhinein erst in ihrer ganzen L\u00e4cherlichkeit erscheint.<\/p>\n<p>Von hier aus geht es mit dem Zug weiter. Ich sitze kaum und schon sind wir da. Uppsala ist n\u00e4her am Flughafen als Stockholm. Ich hatte mit einer Stunde gerechnet, auch weil die Karte stolze 14 \u20ac gekostet hat.<\/p>\n<p>In Uppsala ist es kalt und es schneit. Auf einem Stadtplan finde ich die Stra\u00dfe des Hotels und mache mich zu Fu\u00df auf den Weg. Scheint nicht so weit zu sein. Es geht die breite Kungsgatan entlang. Man hat das Gef\u00fchl, in einer Gro\u00dfstadt zu sein. Tats\u00e4chlich ist Uppsala die viertgr\u00f6\u00dfte Stadt Schwedens. Es gibt keine richtige M\u00f6glichkeit, abzubiegen, und allm\u00e4hlich komme ich in ein Industriegebiet. Es wird immer k\u00e4lter, oder mir wird immer k\u00e4lter, der Schnee bl\u00e4st mir ins Gesicht, es ist stockdunkel, und kaum jemand auf der Stra\u00dfe. Die R\u00e4der des Koffers rollen nicht mehr, daf\u00fcr komme ich ins Schliddern. An einer Bushaltestelle steht jemand, den ich nach dem Weg frage. Keine Ahnung. Noch nie geh\u00f6rt. Dann kann mir jemand aber wenigstens die grobe Richtung sagen. Ich komme in ein Wohngebiet. Hohe, breite H\u00e4user mit breiten Balkonen, fast alle mit Weihnachtsbeleuchtung: sehr dezent, keine Farben, keine Rentiere. Auch in den Fenstern sch\u00f6ner, einfacher Schmuck in Form von Sternen oder stilisierten B\u00e4umen. Das hat eine geradezu beruhigende Wirkung auf mich. Und au\u00dferdem sch\u00fctzen die H\u00e4user vor der K\u00e4lte. Dann stehe ich pl\u00f6tzlich doch auf der Stra\u00dfe, die ich gesucht habe. Ich nehme die Reservierung heraus, um die Hausnummer des Hotels zu suchen und merke, dass ich auf der falschen Stra\u00dfe bin. Ich habe Kungs\u00e4ngsgatan mit Kungs\u00e4ngtorg verwechselt. Weiter geht\u2019s. Dann kommt mir ein Mann mit rundem Kopf entgegen, der mir in klarster Diktion und mit hilfreichen Gesten ganz genau den Weg beschreibt. Als ich ihn anspreche und um Entschuldigung bitte, sagt er \u201eAbsolut\u201c, als ich mich bedanke, sagt er \u201eS\u00e5 lite.\u201c<\/p>\n<p>Das Hotel sieht gem\u00fctlich aus, wei\u00df, zweist\u00f6ckig, mit erleuchteten Fenstern, und gar nicht wie ein Hotel, eher wie ein Wohnhaus. Und das war es wohl auch, ein Wohnhaus der Oberschicht aus dem 19. Jahrhundert. Der Eingang ist hinten. An der T\u00fcr ist ein Zettel f\u00fcr mich, mit dem Code, den ich brauche, um mir Zugang zu dem Haus zu verschaffen, und der Zimmernummer. Das Zimmer ist winzig klein, wie ein Schlauch. Es gibt keinen Schrank, aber es gibt Internetzugang! Und Informationen dar\u00fcber, wie man sich in der K\u00fcche das Fr\u00fchst\u00fcck zubereiten kann.<\/p>\n<p>2. Januar<br \/>\nRegen, Wolken, grauer Himmel, fast menschenleere Stra\u00dfen. Keine Umst\u00e4nde, unter denen sich eine Stadt von ihrer besten Seite zeigt.<\/p>\n<p>Uppsala liegt an einem Fluss, dem Fyris\u00e5n, und in der Provinz Uppland. Das hei\u00dft vermutlich \u201aOberland\u2018, und Uppsala bezeichnet urspr\u00fcnglich die S\u00e4le der K\u00f6nige oben, im alten Uppsala, dem Vorg\u00e4nger der heutigen Stadt. Der Fluss trennt die Stadt in zwei Teile, einen westlichen und einen \u00f6stlichen. Im westlichen herrschen traditionell Geist, Macht, Adel, im \u00f6stlichen Handwerk und Handel. Das merkt man auch heute noch. Die Einkaufsstra\u00dfen und Galerien befinden sich fast ausschlie\u00dflich hier, auf \u201emeiner\u201c Seite, im \u00f6stlichen Teil. Hier sind die Stra\u00dfen gerade, eben, breit, ganz anders als auf der anderen Seite. Der Fluss ist klein, aber wild. Aber das liegt nur daran, dass er an dieser Stelle gestaut ist.<\/p>\n<p>Zuerst geht es in den Dom, einen Backsteinbau mit zwei m\u00e4chtigen, quadratischen, oben spitz zulaufenden T\u00fcrmen. Er liegt sch\u00f6n, etwas erh\u00f6ht, entfernt an Erfurt erinnernd.<br \/>\nIm Narthex gibt es eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Doms. Man sieht den Dom von au\u00dfen auf vier Abbildungen aus vier Perioden: 1600, 1700, 1800, 2000. Man glaubt, vier verschieden Kirchen vor sich zu haben. Sehr fremd sieht der Dom auf dem Bild von 1800 aus, mit durchbrochenem Turmhelm, Fialen und Strebepfeilern, die keinen Zweck zu haben scheinen, als den, den Dom gotisch aussehen zu lassen. Auf dem Bild von 1700 ist davon nichts zu sehen, und die beiden T\u00fcrme haben \u00fcber den Quadraten einen stumpfen, barocken Turmaufsatz. Der Dachreiter im Osten, sonst \u00fcberall pr\u00e4sent, fehlt hier ganz.<\/p>\n<p>Die Kirche ist gro\u00df und dunkel. Es ist noch fr\u00fch, und ich bin der einzige au\u00dfer zwei professionellen Photographen, die Bilder vom Chor machen. Sp\u00e4ter, als ich in den Chorumgang komme, sehe ich dann noch eine Frau, in der Dunkelheit nicht so gut zu erkennen, aber sie scheint in Gebet oder Meditation versunken, und ich gehe in einigem Abstand an ihr vorbei. Ich sehe mir die Fenster im Osten an und das moderne Kreuz \u00fcber dem Altar. Dann f\u00e4llt mein Blick auf ein Schild, auf dem steht, man solle die Skulptur nicht ber\u00fchren. Welche Skulptur? Das Kreuz kann kaum gemeint sein, es h\u00e4ngt zu hoch, und sonst ist hier nichts zu sehen. Ich drehe mich um, und erschrecke: Die Skulptur ist die Frau! Warum erschrickt man? Keine Ahnung. Die Frau tr\u00e4gt ein Kopftuch und ein langes, graues, einfaches Gewand, fast bis zu den Kn\u00f6cheln. Sie stellt die Mutter Gottes dar, nach ihrer Wiederkunft auf die Erde. Sie steht unter dem Kreuz, in diesem Falle hinter dem Kreuz, wendet den Kopf aber zum Chor hin, Richtung Osten. Standort und Haltung sind Programm.<\/p>\n<p>Als ich mich von dem Schrecken erholt habe, sehe ich mir den Rest an. Es gibt drei gro\u00dfe Fenster, davon zwei als Rosetten, die die drei Aspekte Gottes darstellen, im Westen Gott als Sch\u00f6pfer (mit einem gelben Kreis umgeben von blauen Kreisen, f\u00fcr Sonne und Himmel), im S\u00fcden Gott als Mensch (mit Szenen aus dem Leben Jesu), im Norden Gott als Geist (mit farbigen Kreisen um die Taube im Zentrum herum).<br \/>\nDie ganze Kirche hat einen Kapellenkranz, von denen die erste links vom Eingang bunte Teppiche hat, die die Geschichte des Doms darstellen. Dar\u00fcber eine Wand von hellen Steinen mit einem dunklen, fast schwarzen Stein. Er hat noch die Farbe, die alle W\u00e4nde der Kirche vor der Restaurierung hatten.<\/p>\n<p>Gleich vor dieser Kapelle befindet das Grabmal von Linn\u00e9. Das ist bemerkenswert. Die Kirche verbeugt sich hier, wie mit Darwins Grab in der Westminster Abbey, vor der Wissenschaft. \u00dcber seinem Grab eine einfache, schwere Steinplatte, auf der nicht viel mehr als sein Name steht, in der latinisierten Form.<br \/>\nIn einer Kapelle im Chorumgang ein sch\u00f6ner Schnitzaltar, der, wie man liest, Szenen aus dem Leben von Anna und Joachim darstellt, sp\u00e4tmittelalterlich, aber mit sehr bewegten Figuren, geradezu dramatisch.<\/p>\n<p>In anderen Seitenkapellen befinden sich die Grabm\u00e4ler dreier wichtiger Schweden aus ganz unterschiedlichen Zeiten: S:t Erik, der Nationalheilige, von dem man streng genommen nicht einmal wei\u00df, ob er gelebt hat, Gustav Vasa, der \u201eVater der Nation\u201c und Swedenborg, der umstrittene Philosoph und Wissenschaftler. Gustav Vasa nimmt den zentralen Platz ein, mit einem gro\u00dfen Grabmal, liegend, zwischen zwei Frauen, in der Kapelle gleich hinter dem Altar. In einer benachbarten Kapelle ein silbernes Reliquienk\u00e4stchen mit den \u00dcberresten von S:t Erik, dessen \u00dcberf\u00fchrung hier nach Uppsala, wie ich sp\u00e4ter erfahre, der Stadt ihre eigentliche Bedeutung gab. Der Sarkophag Swedenborgs, aus erdfarbenem Porphyr, ohne Figuren, mit einer einfachen Inschrift, ist ganz im Westen.<\/p>\n<p>Ich gehe danach auch noch in die Schatzkammer. Da bin ich dann wirklich ganz alleine. Sie ist sch\u00f6n in einem der T\u00fcrme untergebracht, auf mehreren Etagen. Es gibt viele Messger\u00e4te und Messgew\u00e4nder, darunter die an langen St\u00f6cken befestigten Klingelbeutel, wie man sie noch von fr\u00fcher kennt, aber interessanter ist ein mittelalterliches Reliquienk\u00e4stchen, mit bemalten Emailplatten und fein ziselierten Fl\u00e4chen dazwischen. Dargestellt werden die Kreuzigung und dar\u00fcber ein auf einem Regenbogen thronender Christus. Die K\u00f6pfe der Figuren sind aufgesetzt, als Miniaturskulpturen, nicht gr\u00f6\u00dfer als eine Erdnuss, mit allen Gesichtsz\u00fcgen und mit B\u00e4rten unterschiedlicher Art. Ein Kopf fehlt, ein anderer ist wohl abgefallen und neu, aber schief, wieder aufgesetzt. Neben den Christusfiguren stehen zwei bekannte Abk\u00fcrzungen, beide mit einem in die \u201efalsche\u201c Richtung weisenden S, vermutlich einer alten Variante des Buchstabens: IHS und XPS. An der Seite befindet sich ein Loch f\u00fcr den Schl\u00fcssel zum \u00d6ffnen des Reliquiars. Daneben steht Petrus und h\u00e4lt in einer Hand einen Schl\u00fcssel, aber nur den Griff. Der Schl\u00fcssel wird vervollst\u00e4ndigt, wenn der eigentliche Schl\u00fcssel in das Reliquiar gesteckt wird.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Touristeninformation komme ich an dem Platz vorbei, an dem, der Legende nach, S:t Erik enthauptet wurde. Daneben steht eine gro\u00dfe, gusseiserne Pumpe. Das hat seinen Sinn. Nach der Enthauptung soll an dieser Stelle eine Quelle entsprungen sein, die Grundlage f\u00fcr die Wasserversorgung Uppsalas. Die Pumpe wurde dann installiert und mit der Quelle verbunden und sp\u00e4ter in das Wasserversorgungssystem der Stadt integriert. Kein Wunder, dass man eine solch gute Gabe einem Heiligen zuschrieb.<br \/>\nBei der Touristeninformation bekomme ich eine Karte, die auch die Stra\u00dfe des Hotels verzeichnet. Ich lag gestern gar nicht so schlecht. Ich h\u00e4tte nur die Parallelstra\u00dfe nehmen m\u00fcssen. Die Kungsgatan hat tats\u00e4chlich keine Verbindung zu dem Wohnviertel, in dem das Hotel liegt. Die Informationen hier sind ansonsten sehr d\u00fcrftig, aber ich muss einsehen, dass noch mehr geschlossen ist, als ich bef\u00fcrchtet habe.<\/p>\n<p>In einem kleinen, gem\u00fctlichen Caf\u00e9 mit niedriger Decke und kaum zehn Tischen bekomme ich eine hei\u00dfe und scharfe Gulaschsuppe, genau das Richtige. Das Caf\u00e9 ist voll mit altem Krempel, einer Uhr, einem Radio, einer Waage, Bildern, Vasen, getrockneten Blumen, dazu Weihnachtsschmuck und an der Wand ein Fischnetz.<\/p>\n<p>Von hier sind es nur ein paar Schritte bis zur Universit\u00e4t, einem quadratischen, klassizistischen Geb\u00e4ude mit mehreren Kuppeln, dem ich wenig abgewinnen kann. In der Halle steht man etwas verloren herum, und der Zugang zu den S\u00e4len ist geschlossen. \u00dcber dem Eingang zu dem zentralen Saal steht in goldenen Lettern: T\u00e4nka fritt \u00e4r stort, man t\u00e4nka r\u00e4tt \u00e4r st\u00f6rre.<\/p>\n<p>Hier befindet sich aber nicht, wie ich glaubte, die Bibliothek, die Carolina Rediviva. Die ist in einem anderen Geb\u00e4ude ganz in der N\u00e4he untergebracht.<\/p>\n<p>Als Tourist bekommt man nur Zugang zu dem Ausstellungsr\u00e4umen rund um den ber\u00fchmten Codex Argentus, die Silberbibel. Die Silberbibel ist Schwedens wertvollstes Buch und der \u00e4lteste erhaltene Text in einer germanischen Sprache \u00fcberhaupt, ausgerechnet in einer inzwischen ausgestorbenen Sprache. Die Silberbibel ist eine \u00dcbersetzung der vier Evangelien, eine \u00dcbersetzung aus dem Griechischen ins Gotische. Das erhaltene Exemplar ist eine Abschrift, aus dem 6. Jahrhundert, das Original aus dem 4. Jahrhundert ist nicht erhalten.<\/p>\n<p>Im Vorraum gibt es Informationen und Exponate rund um die Silberbibel und andere Schriftdokumente. Dazu geh\u00f6ren Gustav Adolfs Bibel, die erste vollst\u00e4ndige Bibel auf Schwedisch, und das \u00e4lteste \u00fcberhaupt erhaltene Dokument auf Schwedisch, kein religi\u00f6ser Text, sondern eine Pfandverschreibung, ein Hypothekenbrief (1338)!<br \/>\nAu\u00dferdem gibt es Abschriften, Faksimiles, Poster, Einb\u00e4nde und \u00dcbersetzungen der Silberbibel, darunter die japanische Ausgabe und die Kamera, mit der das erste Faksimile erzeugt wurde.<\/p>\n<p>In einer Vitrine gibt es B\u00fccher (sogar Comics) und Karten zu den Goten sowie die Nachbildung eines Runensteins, auf dem von Theoderich von Verona die Rede ist (der als Vorbild von Dietrich von Bern gilt). Zu dessen Zeit entstand die Abschrift.<br \/>\nVon Wulfila selbst ist wenig bekannt. Es gibt kaum Dokumente aus seiner Zeit, und die \u00e4lteste Abbildung entstand 1300 Jahre nach seinem Tod! Gesichert ist, dass er von Eusebius zum \u201eBischof der Christen im gotischen Land\u201c ernannt wurde, im Herrschaftsbereich der Westgoten zur Zeit des R\u00f6mischen Reichs. Von dort fl\u00fcchtete er vor religi\u00f6ser Verfolgung in ein Gebiet im heutigen Bulgarien, Moesia. Dort, im Exil, \u00fcbersetzte er die Bibel.<\/p>\n<p>Sein Bild in der Nachwelt ist starken Schwankungen unterworfen. Das hat teils ideologische Gr\u00fcnde: Augustinus und Athanasius polemisierten gegen ihn als Anh\u00e4nger des Arianismus. Der Name Wulfila bedeutet offensichtlich \u201akleiner Wolf\u2018, und es wird hier eine Verbindung zu einem Walt-Disney-Charakter hergestellt, dem Kleinen B\u00f6sen Wolf, der aber gar nicht b\u00f6se ist, sondern nur einen schlechten Ruf hat. Es gibt die schwedische Ausgabe des Comics mit diesem Titel: Lilla Styga Vargen.<\/p>\n<p>Wie ist das Buch nach Uppsala gekommen? Man wei\u00df, dass es im 16. Jahrhundert in Werden, in der Abtei, war. Es kam dann mit Rudolf II. nach Prag. Als Prag im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg von den Schweden erobert wurde, vermachte man es K\u00f6nigin Christina, die es wiederum, nach ihrer Abdankung und Konvertierung, ihrem Kaplan vermachte, einem Holl\u00e4nder. Der nahm es mit nach Holland, und dort wurde es von dem schwedischen Kanzler Magnus Gabriel de la Gordie f\u00fcr 500 Reichstaler, ganz rechtm\u00e4\u00dfig, erworben und der Universit\u00e4t Uppsala vermacht. Seit 1669 ist es hier.<\/p>\n<p>Die Bibel selbst wird in einem gesonderten, abgedunkelten Raum pr\u00e4sentiert, auf einem altar\u00e4hnlichen Podest, in drei Teilen: dem Buch selbst, dem davon abgetrennten Deckel und einer einzelnen Seite, die dar\u00fcber h\u00e4ngt und von beiden Seiten aus gesehen werden kann. Das Buch umfasst 187 (von urspr\u00fcnglich 326) Seiten. Eine weitere befindet sich ausgerechnet in Speyer!<\/p>\n<p>Lesen kann man nichts. Wulfila \u00fcbersetzte nicht nur, sondern schuf auch eine eigene Schrift, ein auf dem Griechischen basierendes Alphabet mit lateinischen Buchstaben und Runen! Der Text erscheint in sehr gleichm\u00e4\u00dfiger, s\u00e4uberlicher Schrift, bei der alle Buchstaben die gleiche H\u00f6he haben. Es werden, soweit man das sehen kann, nur Gro\u00dfbuchstaben verwendet, und der Abstand zwischen den W\u00f6rtern ist kaum auszumachen. Das Papier, angeblich violett, ist eher br\u00e4unlich, die Buchstaben silbern. Daher der Name.<\/p>\n<p>Auch der Buchdeckel, bestimmt sehr viel sp\u00e4ter entstanden, ist silbern, und hat auf der Vorderseite ein Relief mit einer nackten Frau. Ich verlasse die Carolina mit der \u00dcberlegung, welchen Bezug das wohl zu den Evangelien haben kann.<\/p>\n<p>Den Nachmittag verbringe ich in einer sehr gut ausgestatteten Buchhandlung. Sie ist einer der modernen Galerien untergebracht, die auch in jeder anderen europ\u00e4ischen Stadt stehen k\u00f6nnten, und hei\u00dft auch sogar Galleria. Der Eingang ist gleich bei McDonalds.<br \/>\nAm Ende komme ich mit zwei B\u00fcchern heraus, obwohl ich zwanzig in der Hand gehabt, aber, zum Teil von der Sprache, zum Teil vom Preis abgeschreckt, wieder zur\u00fcckgelegt habe. Es bleiben \u00fcbrig Michel aus L\u00f6nneberga von Astrid Lindgren und ein popul\u00e4rwissenschaftliches Buch zu Alltagsfragen. Astrid Lindgrens Held hei\u00dft im Schwedischen aber gar nicht Michel, sondern Emil. Die deutschen Verleger entschieden sich f\u00fcr eine Namens\u00e4nderung, weil Emil bei uns schon durch Emil und die Detektive \u201ebesetzt\u201c war. Das popul\u00e4rwissenschaftliche Buch hei\u00dft F\u00e5r hackspettar huvudv\u00e4rk? Das Titelbild hilft bei der Entzifferung: Kriegen Spechte Kopfschmerzen? Das ist zwar nicht, wie der Einband verhei\u00dft, \u201eeine Frage, die ich mir schon immer gestellt habe\u201c, genauso wenig wie die meisten anderen, aber interessant ist es allemal. Man lernt, dass Spinnen, obwohl sie, je nach Art, 2, 3 oder 4 Paar Augen haben, kaum sehen k\u00f6nnen, dass K\u00e4ngurus schwimmen k\u00f6nnen (auch mit dem Jungen im Beutel), dass Fingern\u00e4gel im Winter langsamer wachsen als im Sommer, dass man von Sekt schneller betrunken wird als von \u201estillem\u201c Wein \u2013 eine Versuchsgruppe hatte nach einer gewissen Zeit doppelt so viel Alkohol im Blut als die Kontrollgruppe &#8211; und dass hei\u00dfer Kaffee, wenn man ihn ins Gefrierfach stellt, schneller gefriert als warmer Kaffee. Das wusste, erf\u00e4hrt man mit Bewunderung, schon Aristoteles, obwohl er noch kein Gefrierfach hatte. Sp\u00e4ter merke ich, dass das Buch eine \u00dcbersetzung aus dem Englischen ist. Der Titel des Originals fragt, ob eine Kuh treppauf, aber nicht treppab gehen kann. Ja, ist die Antwort. So ist es. Spechte bekommen \u00fcbrigens keine Kopfschmerzen.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg durch die dunklen Stra\u00dfen kaufe ich in einem Antiquariat noch f\u00fcr einen Spottpreis ein Buch \u00fcber ber\u00fchmte Mordf\u00e4lle der Geschichte, darunter Marylin Monroe, Dag Hammarskj\u00f6ld, Sacco und Vanzetti. Der Titel ist Programm, denn dass es sich um \u201eMordf\u00e4lle\u201c handelt, ist ja erst zu beweisen.<\/p>\n<p>3. Januar (Dienstag)<br \/>\nIn der K\u00fcche des Hotels, wo man sich selbst versorgen kann, sind alle Schrankt\u00fcren zweisprachig beschriftet: kniv ist verwandt mit Englisch knife, gaffel mit Deutsch Gabel, sked mit keinem von beiden. Das ist ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr die \u201eZwischenstellung\u201c des Schwedischen. Das gilt auch f\u00fcr honung, mit dem gleichen Stamm, aber einer anderen Endung als im Deutschen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Selbstversorger \u2013 man kann das Hotel auch als Jugendherberge buchen \u2013 ist alles vorhanden, Ger\u00e4tschaften aller Art. Man vertraut dabei auf die Ehrlichkeit der G\u00e4ste. Hier k\u00f6nnte man sich eine komplette K\u00fcchenausstattung zusammenklauen.<br \/>\nEs gibt Stuten, aber keine Marmelade. Das kommt mir ein bisschen merkw\u00fcrdig vor, bis ich merke, dass es doch Marmelade gibt. Sie ist im K\u00fchlschrank. In Tuben.<\/p>\n<p>Besseres Wetter: trocken, klarer Himmel, und sogar etwas Sonne. Aber man muss aufpassen, es ist glatt, besonders auf dem Kopfsteinpflaster am Fluss.<br \/>\nErwartungsvoll gehe ich zum Gustavianum, das von vielen Reisenden, auch solchen, die es zuf\u00e4llig entdeckt haben, als einer der H\u00f6hepunkte ihres Besuchs in Uppsala bezeichnet wird. Es liegt ganz in der N\u00e4he der Kathedrale, in einem gro\u00dfen Geb\u00e4ude mit einer Kugel auf dem Dach. Alles sehr sch\u00f6n, aber: geschlossen! Davon wusste weder das Faltblatt des Museums noch die Touristeninformation etwas. Vielleicht habe ich Gl\u00fcck: Am Donnerstag soll wieder ge\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Ich gehe in die gleich in der N\u00e4he liegende Dreifaltigkeitskirche, noch ein Backsteinbau, au\u00dfen ziemlich st\u00e4mmig. Innen hat sie drei ganz schmale Schiffe und sch\u00f6n bemalte Gew\u00f6lbe.<\/p>\n<p>Das steinerne Altarbild zeigt eine ungew\u00f6hnliche Abendmahlszene, mit einem stehenden Jesus und Aposteln, die wechselweise stehen und sitzen. Johannes tr\u00e4gt langes, wallendes Haar und ist in sich versunken. Sein Gegenpart auf der anderen Seite von Jesus hat, im Gegensatz zu allen anderen, kurzgeschorenes Haar und scheint eher kritisch zuzuh\u00f6ren. Er sieht aus wie ein Gelehrter aus der Zeit der Entstehung des Altarbildes, Anfang des 20. Jahrhunderts. Jesus h\u00e4lt den Wein in der Hand. Das Brot liegt auf einem Teller auf dem Tisch. Es sieht aus wie Kn\u00e4ckebrot. Oder bilde ich mir das nur ein? Ich z\u00e4hle elf Apostel, aber dann stellt sich heraus, dass der zw\u00f6lfte, im Gegensatz zu allen anderen Figuren, die im Vollrelief erscheinen, nur schemenhaft erscheint und sich von der Szene abwendet. Zu den zwei Seiten des Abendmahls zwei Figuren, ein Professor und eine unbekannte Frau aus dem Volk. Sie stehen stellvertretend f\u00fcr die zwei Funktionen der Kirche, Universit\u00e4tskirche und Gemeindekirche.<\/p>\n<p>Im n\u00f6rdlichen Querschiff eine Marienkapelle mit mittelalterlichen Fresken, von denen die untere Reihe noch ganz gut zu erkennen ist. Man sieht Maria und Josef mit dem Kind bei Anna und Joachim, den Kindermord in Bethlehem (mit einer Frau, die sich sch\u00fctzend \u00fcber ein Kind beug, aber nicht wie die Mutter, sondern wie die Oma aussieht), die Flucht auf einem Esel, der etwas zu lang geraten ist und dann eine Szene mit Jesus und zwei M\u00e4nnern an einem gedeckten Tisch. Es scheint Fisch zu geben. Ist es die Szene mit den J\u00fcngern in Emmaus? Aber waren dann nicht drei J\u00fcnger? Dann sehe ich, dass einer unter dem Tisch liegt und Jesus die F\u00fc\u00dfe k\u00fcsst. Oder ist es der ungl\u00e4ubige Thomas, der die Wundmale pr\u00fcfen will?<\/p>\n<p>Da es heute heller ist, gehe ich noch einmal kurz in den Dom. Die Fenster kommen heute besser zur Geltung, und die ganze Atmosph\u00e4re ist freundlicher. Als ich im Chorumgang bin, spricht mich eine Frau, die hier wohl \u201edazugeh\u00f6rt\u201c, auf Schwedisch an, aber ich verstehe nichts, und es geht auf Englisch weiter. Sie beklagt, wie die Statue im Chorumgang, die mich gestern erschreckt hat, von den Besuchern behandelt wird. Sie schieben ihre Kopfbedeckung zur Seite, nehmen sie in den Arm, um sich mit ihr photographieren zu lassen, und zweimal ist ihr sogar ein Schnurrbart angemalt worden. Die Frau weist mich au\u00dferdem auf einen kleinen Vogel hin, der auch zu der Skulptur geh\u00f6rt. Er sitzt auf dem Gitter der Kapelle, in deren Richtung Maria blickt.<\/p>\n<p>Ich muss immer noch Zeit schinden, da das Upplandsmuseum erst um 12 Uhr \u00f6ffnet. Es ist ziemlich kalt und auch nicht mehr so klar. An der Stelle des Museums, dort wo das Wasser des Fyris\u00e5n gestaut ist, macht ein Schild darauf aufmerksam, dass es nicht nur eine Fischtreppe, sondern auch eine Bibertreppe gibt, h\u00f6lzerne Stufen, \u00fcber die die Biber den Wasserfall \u00fcberwinden k\u00f6nnen.\u00a0 Die kann ich aber nicht finden. W\u00e4hrend ich noch \u00fcberlege, ob es so eine gute Idee ist, den Bibern ausgerechnet Stufen aus Holz anzubieten, \u00f6ffnet das Museum.<\/p>\n<p>Hier sind fast nur Kinder, aber man fragt sich, warum. Sowohl das Thema als auch die Pr\u00e4sentation ist etwas f\u00fcr Erwachsene. Der Name des Museums ist etwas irref\u00fchrend. Es handelt sich eher um ein Stadtmuseum.<\/p>\n<p>In einem Seitenfl\u00fcgel gibt es eine Ausstellung zur Universit\u00e4t. Man sieht ein Bild, wie Studenten im Mittelalter nach Paris ziehen, um dort zu studieren. Das war aufwendig und kostspielig, und viele verzichteten darauf, wodurch das Bildungsniveau in Schweden niedrig war. Also wurde eine Universit\u00e4t gegr\u00fcndet (1447), die \u00e4lteste Skandinaviens. Die Vorlesungen wurden im Haus des Domkapitels abgehalten, und die Studenten wohnten in Studentenholmen, genau dort, wo jetzt das Museum ist.<\/p>\n<p>Der Unibetrieb kam im 16. Jahrhundert ganz zum Erliegen, wurde dann aber wiederbelebt, und 1595 gab es wieder 70 Studenten. \u00dcberschaubar.<br \/>\nB\u00fccher gab es zu Anfang nicht. Alles basierte auf Mitschriften. Auf einem Bild aus der Zeit sieht das allerdings anders aus. Da sitzen die Studenten (mit Zylindern!) auf St\u00fchlen und h\u00f6ren zu. B\u00e4nke oder Tische gibt es nicht.<\/p>\n<p>Neue Impulse f\u00fcr die Universit\u00e4t gab es nach der Reformation. 1630 gab es schon 1000 Studenten! Im 18. Jahrhundert hatte Uppsala 10% Adelige und 20% Bauerns\u00f6hne, eine international hohe Zahl. 1970 hatte Uppsala 20000 Studenten, heute 40000.<br \/>\nIn der Zeit nach der Reformation gab es auch eine Erneuerung beim Erwerb des Bachelor-Titels. Die Arbeit musste eine neue Erkenntnis enthalten. Sie wurde von dem Professor geschrieben, und der Student musste sie in einer Befragung verteidigen!<\/p>\n<p>Als Ausweis des Studentenlebens au\u00dferhalb der Uni sind Spielkarten ausgestellt (mit Wildschwein, Clown und Kuckuck), Studentenm\u00fctzen, Bilder von Streichen, die man mit Frischlingen spielte, und ein Originalrezept f\u00fcr Punsch, mit genauen Angaben, nebst Gl\u00e4sern und einer Sch\u00fcssel: 6,5 dl Arrak, 1,95 l Wasser, 3,3 dl Zitronensaft, 640 g Zucker.<br \/>\nDann gibt es ein Bild von einem Studentenaufmarsch 1850, bei dem die Fahnen verschiedener skandinavischer L\u00e4nder mitgef\u00fchrt werden. Was das bedeutet, verstehe ich nicht.<\/p>\n<p>Eine Wachspuppe stellt eine ganz besondere Person dar: Betty Pettersson, die erste Studentin Uppsalas. Sie tr\u00e4gt lange, graue Kleider. Sie schloss ihr Studium ab und wurde dann Lehrerin.<\/p>\n<p>Strindberg studierte auch in Uppsala und attackierte das Studentenleben mit seinen Ritualen und die romantischen Vorstellungen. Zu dieser Zeit gab es auch radikalere Studentenorganisationen, die sich vor allem gegen die Ungewissheit wehrten, die die Studenten im Abschlussexamen erwartete.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bildeten sich die f\u00fcr Uppsala charakteristischen Nationen heraus, Studentenclubs, die zum Teil eigene H\u00e4user zur Unterbringung der Mitglieder hatten.<br \/>\nDann sind zwei Studentenbuden ausgestellt, eine von 1840, eine von 1930. Der Unterschied ist verbl\u00fcffend, wenn auch beide klein sind und eine \u00e4hnliche Einrichtung haben. Aber der Fortschritt ist un\u00fcbersehbar, vor allem die Qualit\u00e4t der M\u00f6bel und des Lichts ist ungleich besser in der neueren Studentenbude. Zu den Ausstattungsst\u00fccken der alten Studentenbude geh\u00f6ren eine Waschsch\u00fcssel (sp\u00e4ter gab es daf\u00fcr vermutlich getrennte Badezimmer), eine Pfeife, Streusalz f\u00fcr die Tinte, eine Kerze und ein Henkelmann. Man wurde nicht, wie in Deutschland, von der Wirtin bekocht, sondern holte sich das Essen von ausw\u00e4rts. Einen Schrank gibt es in beiden Buden nicht. In der alten gibt es eine Truhe, die sowohl f\u00fcr die Aufbewahrung als auch f\u00fcr den Transport diente.<\/p>\n<p>Dann gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt selbst. F\u00fcr die Entstehung der Stadt an dieser Stelle scheint es zwei Gr\u00fcnde zu geben, die sich allerdings widersprechen (aber vielleicht f\u00fcr verschiedene Epochen gelten). Erstens befand sich hier der k\u00f6nigliche Hafen, und zwar schon im fr\u00fchen Mittelalter. Das lockte die Bauern aus der Umgebung an, und das wiederum Handwerker und Kaufleute. Das Umland hat sehr fruchtbaren Boden, und die Bauern produzierten mehr, als sie selbst verbrauchen konnten. Der zweite Grund ist die Landhebung. Als Folge davon bildete sich hier eine Furt, und man konnte den Fluss zu Fu\u00df durchqueren. Das wiederum lockte viele an, vor allem Reisende.<\/p>\n<p>Dieser Ort hie\u00df nicht Uppsala, sondern Aros, ein altschwedisches Wort f\u00fcr \u00e4mynning, \u201aFlussm\u00fcndung\u2018. Welche M\u00fcndung gemeint ist, wird mir aber nicht klar.<br \/>\nDann kommt das entscheidende Ereignis in der Geschichte Uppsalas. Der Dom brannte ab (1245). Das geschah nicht in Uppsala, sondern in Uppsala, also nicht in dem Ort, der Aros hie\u00df, sondern in dem Ort, der damals schon Uppsala hie\u00df und wo sich die K\u00f6nigsgr\u00e4ber befanden. Man beschloss, den neuen Dom in Aros, dem gr\u00f6\u00dferen, dynamischeren Ort zu bauen. Man sandte eine Delegation zum Papst, und der gab die Erlaubnis, aber unter der Bedingung, dass der Name der alten Bischofsstadt auf die neue \u00fcbertragen werden musste. In einer feierlichen Prozession werden die Gebeine des Hl. Erik \u00fcberf\u00fchrt, und Uppsala wird zur geistigen Mitte Schwedens.<\/p>\n<p>Der Dombau lockt noch mehr Handwerker an, und Uppsala wird zu einer \u201erichtigen\u201c Stadt. Davon zeugen auch hier gepr\u00e4gte M\u00fcnzen (XIII).<\/p>\n<p>Der Dom hatte jahrhundertelang einen T\u00fcrmer. Hier wird sein wichtigstes Instrument ausgestellt, ein Horn, ein riesiges, l\u00e4ngliches Instrument. Nachts blies der T\u00fcrmer, um anzuzeigen, dass er wach ist. Tags\u00fcber rief er die Stundenzahl aus. Wenn es irgendwo brannte, hielt er ein Licht aus dem Turm, das in die Richtung zeigte, wo der Brand war.<br \/>\nGustav Vasa studierte auch in Uppsala, aber es wird von ihm gesagt, dass er dem Studium nicht viel abgewinnen konnte. Man sieht ein Bild \u2013 viel sp\u00e4ter entstanden \u2013 auf dem er das Lateinbuch mit einem Dolch durchbohrt und ein paar unfl\u00e4tige Ausdr\u00fccke von sich gibt.<br \/>\nWie das einfache Volk lebte, zeigt eine niedrige Blockh\u00fctte, aus einem Zimmer bestehend. Die Feuerstelle ist in der Mitte, auf das Bett oben gelangt man \u00fcber eine niedrige Leiter, und an der Seite steht ein Brett, das man zur Nahrungsaufnahme auf die Knie legte. Tische gab es nicht.<\/p>\n<p>Geradezu luxuri\u00f6s sehen dagegen einige Gesellenst\u00fccke aus, die in einer Vitrine pr\u00e4sentiert werden: ein gro\u00dfformatiges Buch mit dekorativem Einband, eine bauchige Laterne, aus Glas, mit Bleiverglasungen, eine geschnitzte Truhe.<\/p>\n<p>Dann kommen ein paar Dokumente zu Linn\u00e9, unter anderem das Faksimile einer Doppelseite seiner ber\u00fchmten Schrift, einer Systematik, die alles, vom Mensch bis zum Weichtier erfasste. Linn\u00e9 war als Lehrer sehr beliebt. Er unterrichtete nicht nur im H\u00f6rsaal, sondern auch in freier Natur. Er sammelte alles. Nicht nur er selbst sammelte, sondern auch \u201eApostel\u201c, die er aussandte und die ihm Pflanzen und Samen aus aller Herren L\u00e4nder zukommen lie\u00dfen. Seine Einteilung der lebenden Welt, heute nicht unumstritten, beruht auf sexuellen Kriterien. Von Staubbl\u00e4ttern und Stempel ist die Rede.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg werde ich von jemandem nach etwas gefragt und will schon sagen, dass ich mich nicht auskenne, als er seine Frage wiederholt: Systembolaget. Das verstehe ich sogar und kann es auch beantworten: Gleich gegen\u00fcber!<br \/>\nAm Abend treffe ich im Fr\u00fchst\u00fccksraum auf einen netten Schweden. Nachdem wir zwei S\u00e4tze auf Schwedisch gewechselt haben und er erf\u00e4hrt, dass ich aus Deutschland komme, geht die Konversation auf Deutsch weiter.<\/p>\n<p>4. Januar (Mittwoch)<br \/>\nHeute wache ich sp\u00e4ter auf und teile den Fr\u00fchst\u00fccksraum mit einem m\u00e4chtigen Hund und Schweden, die sich abgesprochen haben m\u00fcssen, um mir zu beweisen, dass Schl\u00fcrfen in Schweden kein Tabu ist.<\/p>\n<p>In der Carolina habe ich Abbildungen von Photographien gesehen, die Ingmar Bergman in Uppsala gemacht hat, sieben Photos von den sieben Br\u00fccken Uppsalas. Ich lasse mich dadurch anstecken und gehe auch gleich vom Hotel zum Fyris\u00e5n runter und dann den Fluss bis hinter das Zentrum entlang. Das lohnt sich. Ich komme an ein paar sch\u00f6nen Ecken vorbei. Hier sieht Uppsala ein bisschen wie Gent aus.<\/p>\n<p>Hin und wieder begegnet man Radfahrern, obwohl es glatt ist. An den gusseisernen Gel\u00e4ndern am Fluss entlang reiht sich ein Fahrradst\u00e4nder an den anderen. W\u00e4hrend des Semesters muss es hier wie in M\u00fcnster zugehen.<\/p>\n<p>Das Wetter k\u00f6nnte schlechter gar nicht sein. Aber Klagen nutzt nichts. Wie Bergman mache ich Photos von den Br\u00fccken, obwohl Bergman sicher eine bessere Kamera und besseres Wetter hatte. Aber es lohnt sich dennoch. Die Br\u00fccken sind, wenn auch alle klein, sehr unterschiedlich, manche mit hohen Aufbauten, andere flach, manche farbig, andere farblos (Bergmans Photos sind schwarz-wei\u00df), einige nur f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger, andere auch f\u00fcr Autos. Sie sind so nah beieinander, dass man eine von der anderen aus photographieren kann. Am Ende habe ich etwas die Orientierung verloren und habe das Gef\u00fchl, dass es schon mehr als sieben Br\u00fccken sind. Die letzte Br\u00fccke, die Eddasp\u00e5ngen, wurde 1889 gebaut, erwies sich aber bald als zu klein, wurde durch eine andere Br\u00fccke ersetzt und selbst nach hinten versetzt. Dann folgt eine rote Br\u00fccke, dann eine rostfarbene. Sie wurde 1845 erbaut, nach einer Missernte, um den Leuten Arbeit zu geben. Sie ist die \u00e4lteste H\u00e4ngebr\u00fccke Schwedens.<\/p>\n<p>Ich gehe rauf zum Biotopia, bin aber zu fr\u00fch. Ich habe aber Gl\u00fcck, denn das Museumscaf\u00e9, Hugos Caf\u00e9, \u00f6ffnet eine Stunde vor dem Museum. Ich werde von einem unaufh\u00f6rlich auf Schwedisch auf mich einredenden Mann, vermutlich Hugo selbst, durch das Museum ins Caf\u00e9 mitgeschleift. Er l\u00e4sst sich durch mein verwirrtes Gesicht und meine einsilbigen Antworten nicht beeindrucken und bedient mich, indem er st\u00e4ndig weiter redet und gleichzeitig, unerm\u00fcdlich in Bewegung, das Caf\u00e9 \u00f6ffnet und alles ein-, an- und bereitstellt. Wenn er nicht spricht, pfeift er. Ich bekomme schwarzen Tee und die obligate kanelbulle.<\/p>\n<p>Dann macht das Museum auf. Es ist in erster Linie f\u00fcr Kinder gedacht und gemacht. Es riecht auch nach Kind. In Diaramen, die unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten durchspielen, sieht man verschiedene schwedische Landschaften mit den entsprechenden Tieren, deren Stimmen man aktivieren kann.<\/p>\n<p>Mein Blick f\u00e4llt auf etwas anderes, ein Plakat zum letzten Nobelpreistr\u00e4ger in Chemie, einem israelischen Forscher namens Shechtman. Es wird ein Tagebucheintrag von ihm pr\u00e4sentiert, in dem er drei Fragezeichen hinter eine Beobachtung gemacht hat. Die Tagebucheintragung stammt aus dem Jahre 1982. Shechtman hatte etwas entdeckt, was es gar nicht geben durfte. Es geht um Folgendes: Alle festen Materialien bestehen aus Kristallen und diese wiederum aus Atomen. Diese Atome bilden periodische Muster. Ein Atom ist immer von 4 oder von 6 Atomen umgeben. Shechtman fand Atome, die von 5 Atomen umgeben sind. Dabei ist die Distanz zu den einzelnen Atomen nicht die gleiche, und das konnte, der geltenden Lehre zufolge, gar nicht sein. Die m\u00fcssten eigentlich ineinander zusammenfallen. Jetzt gab es sie auf einmal doch. Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die aperiodischen Muster fand man in mathematischen Spielen mit Mosaiken, in denen es darum ging, unterschiedliche Formen zu finden, mit denen immer neue Muster entstehen konnten. Und in der Geschichte zur\u00fcckgehend fand man einen verbl\u00fcffenden Vorl\u00e4ufer: In arabischen Mosaiken des Mittelalters gibt es bereits solche unendlichen Mosaiken, die auf f\u00fcnf immer wieder verwendeten, unterschiedlichen Grundformen beruhen.<br \/>\nDann geht es zum Schloss. Es macht seinem Namen alle Ehre. Es ist geschlossen. Aber in dem Schloss befindet sich das Kunstmuseum, und das ist ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Das Schloss liegt erh\u00f6ht und blickt auf die Stadt hinunter. Es ist in blassrosa und langgestreckt und unregelm\u00e4\u00dfig, mit einem breiten Rundturm zur Stadtseite. Die unregelm\u00e4\u00dfige Form erkl\u00e4rt sich dadurch, dass nach verschiedenen Umbauphasen das Geld ausging und ein urspr\u00fcnglich geplanter Fl\u00fcgel nicht gebaut wurde.<\/p>\n<p>Unten gibt es moderne Werke. Alle bestehen aus Serien von Einzelbildern, von einer Handvoll bis zu \u00fcber vierzig. Das wird von den verschiedenen K\u00fcnstlern unterschiedlich gedeutet. Ganz zu Anfang gibt es eine Reihe von Gravierungen, die wie Photos aussehen (1998), von einem finnischen K\u00fcnstler namens Marko Lampiuso. Die Bilder zeigen immer die gleiche Szene, einen Wald. Auf den ersten Blick sieht man gar keinen Unterschied. Es ist so, als h\u00e4nge man ein Bild zehnmal hintereinander an die Wand. Auf den zweiten Blick sieht man die Unterschiede. Aus dem saftig gr\u00fcnen Wald ganz links wird allm\u00e4hlich ein nur noch mattgr\u00fcner Wald, der dann gr\u00e4ulich wird und am Ende geradezu verkohlt aussieht. Nur die Baumst\u00e4mme, immer noch an der gleichen Stelle, ragen aus dem schwarzen Boden in den Himmel.<\/p>\n<p>Thema der n\u00e4chsten Bilderserie, von Jacob Dahlgren (2004), ist der Baum. Mit ganz einfachen Mitteln \u2013 Strichen, Ovalen, Kreisen \u2013 stellt er 16 B\u00e4ume dar, oder, besser besagt, 16 Mal den Baum. Jeder Baum ist anders, immer in einer bestimmten Farbe \u2013 nicht nur gr\u00fcn und braun, auch violett und rosa und blau \u2013 und jedes Bild hat ein anderes Format, aber alle B\u00e4ume sind auf derselben waagerechten Achse. Man ist verbl\u00fcfft, dass eine Darstellung nichts mit der n\u00e4chsten gemeinsam haben kann und doch, genauso wie diese, eindeutig (jedenfalls in den meisten F\u00e4llen eindeutig) \u201aBaum\u2018 bedeutet.<br \/>\nDann kommt eine ganz andere \u201aGeschichte\u2018, im wahrsten Sinne des Wortes: 42 Radierungen von Sten Eklund (1970). Die einzelnen Bilder haben an sich nichts mit einander gemeinsam, aber geh\u00f6ren zu einer Geschichte, der von einem erfundenen Forscher namens Pal\u00e9en, der auf einer Expedition einen unbekannten Ort und die Spuren einer unbekannten Zivilisation, aber ohne jeden Hinweis auf Menschen, findet. Das stellen die Bilder dar: einen Schuppen, eine Laube, ein Gem\u00fcsebeet, bearbeitete Felsbrocken, Stehw\u00e4nde in der Landschaft, einen Steinbruch usw. Der Forscher nimmt Proben, zeichnet Karten und dokumentiert alles und kehrt nach Hause zur\u00fcck. Sp\u00e4ter kann er aber nie wieder den Weg zur\u00fcck zu diesem geheimnisvollen Ort finden.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Raum gibt es Ausstellungsst\u00fccke aus einer ehemaligen Keramikfabrik in Uppsala, Upsala-Ekeby. Die Fabrik hatte Ambitionen und stellte K\u00fcnstler f\u00fcr das Design ihrer Waren ein, war aber wirtschaftlich am Ende gegen die Konkurrenz der Fabriken mit Massenware nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig und wurde geschlossen. Man sieht ein paar gr\u00e4ssliche Einzelst\u00fccke, aber die sind die Ausnahme. Das meiste ist von einer schlichten Eleganz: schlanke, unregelm\u00e4\u00dfige, \u201aflie\u00dfende\u2018 Formen, einfache, gedeckte Farben, mit wei\u00dfen, schmalen Streifen als Verzierung, die sich gegen den Untergrund, gr\u00fcn, schwarz-braun, abheben.<\/p>\n<p>Oben befindet sich die Kunstsammlung der Universit\u00e4t. An einer Seite des Saals ein Teil einer einst riesigen, 400 m2 gro\u00dfen Altarwand aus Stuck aus einem der Vorg\u00e4ngerbauten des heutigen Schlosses.<\/p>\n<p>Die Sammlung entstammt dem Wunsch des Zeichenlehrers der Universit\u00e4t, richtiges Anschauungsmaterial zu haben, und das merkt man. Es gibt von allem etwas: Portraits, religi\u00f6se Malerei, Landschaften, Genremalerei. Es sind besonders viele Holl\u00e4nder vertreten. Mir gefallen zwei kleinere Bilde am besten, ein Doppelportrait von Petrus und Paulus von einem unbekannten deutschen Maler (XVI) und das Portrait eines Kapuzinerm\u00f6nchs eines, so vermute ich, schwedischen Malers (XVII). Das Bild von Petrus und Paulus ist eine Charakterstudie. Ihre K\u00f6pfe sind ganz nahe beieinander, und die nur angedeuteten Heiligenscheine \u00fcberkreuzen sich. Sie sind \u00e4hnlich und doch verschieden. Beide haben einen Bart, beide haben sch\u00fctteres Haar, beide blicken ernst in die gleiche Richtung, ein Blick voller Intensit\u00e4t, etwas herausfordernd, intellektuell. Es liegt so etwas wie Spannung in der Luft. Das Bild wirkt modern.<\/p>\n<p>Der Kapuzinerm\u00f6nch in seiner Zelle, in Meditation versunken, ist das Gegenst\u00fcck dazu. Die Atmosph\u00e4re ist nicht gerade heiter, aber gelassen, entspannt. Es dominiert das Braun, in allen m\u00f6glichen Schattierungen: die Kutte, die dicke, gestopfte Jacke, die Sandalen, die Fu\u00dfbodenfliesen, die T\u00fcr, das Schloss, der Rosenkranz, das Buch. Nur ganz vereinzelt gibt es rote Farbtupfer: die Ziegel hinter dem abbl\u00e4tternden Putz, die Blumen vor dem Marienaltar, das Tuch unter dem Marienaltar.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg komme ich an einer gem\u00fctlichen, kleinen Buchhandlung vorbei. Sie besteht nur aus einem Raum. An drei Seiten hohe, dicht best\u00fcckte Regale, mit der Kasse und einigen Tische mit aktuellen Angeboten im Zentrum. Ich sehe in verschiedene B\u00fccher rein und entscheide mich am Ende f\u00fcr einen Roman von Hakan Nesser und gegen Lisa Marklund und Jan Gillou. F\u00fcr den Roman von Nesser sprechen drei Dinge: Er ist kurz, es ist ein Briefroman, und Nesser ist aus Uppsala. Au\u00dferdem finde ich ein Buch \u00fcber gro\u00dfe Philosophen, die in Einzelkapiteln dargestellt werden.<\/p>\n<p>Am Abend kommt mir eine kuriose Parallele zwischen Uppsala und Budapest in den Sinn. Auch dort teilt der Fluss die Stadt in zwei sehr verschiedene Teile. Auch dort ist einer der beiden Teile h\u00fcgelig, der andere flach. Auch dort hatte die Stadt urspr\u00fcnglich einen anderen Standort. Auch dort wurde der Name des alten Orts auf den neuen \u00fcbertragen. Auch dort gibt es die Reliquien des Nationalheiligen.<\/p>\n<p>5. Januar (Donnerstag)<br \/>\nZu den Alltagph\u00e4nomenen, f\u00fcr die es weiterhin keine vern\u00fcnftige Erkl\u00e4rung gibt, geh\u00f6rt das G\u00e4hnen, jedenfalls meinem popul\u00e4rwissenschaftlichen Buch zufolge. Erkl\u00e4rungsversuche gibt es genug, darunter den Sauerstoffmangel, aber eine Reihe von Experimenten hat das nicht best\u00e4tigen k\u00f6nnen. Wodurch wird das G\u00e4hnen ausgel\u00f6st? Einer der Faktoren ist, dem Buch zufolge, Tristesse. Kommt mir komisch vor. Warum soll das G\u00e4hnen ausl\u00f6sen? Als ich das W\u00f6rterbuch zur Hilfe nehme, stellt sich heraus, dass tristesse im Schwedischen \u201aLangeweile\u2018 bedeutet.<\/p>\n<p>Ich mache mich auf den Weg zum Botanischen Garten, schon deshalb, weil es nicht viele Alternativen gibt, aber auch der Tradition gehorchend. Auch in G\u00f6teborg und Stockholm war ich im Botanischen Garten. Der von Uppsala liegt oben, noch hinter dem Schloss, und ist durch eine Stra\u00dfe in zwei Teile geteilt. Der Garten ist tats\u00e4chlich ge\u00f6ffnet, aber jetzt im Winter, ohne Laub, nicht sehr ansehnlich. Also gehe ich direkt zu der Orangerie. Geschlossen. Dann \u00fcber die Stra\u00dfe zum Gew\u00e4chshaus. Auch geschlossen. Davon wussten Touristeninformation, Faltblatt und Internetseite nichts.<\/p>\n<p>Da ich Zeit bis zur \u00d6ffnung des Gustavianums schinden muss, besorge ich Briefmarken. Post\u00e4mter gibt es in Schweden \u00fcberhaupt nicht mehr. An einem Kiosk gibt es nur Briefmarken f\u00fcr Schweden, aber gleich in der N\u00e4he werde ich f\u00fcndig im Pressbur\u00e5n, einer gute Einrichtung, die sich immer wieder bew\u00e4hrt. Die Marken sind sehr gro\u00df und haben ungew\u00f6hnliche Motive: Wollsachen. Von Handschuhen bis Socken. Eine Postkarte nach Deutschland kostet 120 Kronen, ca. 1,30 \u20ac, ein stolzer Preis.<\/p>\n<p>Auf dem Weg komme ich zuf\u00e4llig an dem Geb\u00e4ude in der S:t Persgatan vorbei, in dem, der Inschrift zufolge, der Stadtbrand von 1702 ausgebrochen ist. Die Ursache ist bis heute unbekannt. Das Feuer breitete sich von diesem Geb\u00e4ude, nahe am Fluss, gleich am Eingang zum Gesch\u00e4ftsviertel gelegen, in Windeseile aus. Windeseile im wahrsten Sinne des Wortes, denn der langanhaltende und dann in n\u00f6rdliche Richtung wechselnde Wind war verantwortlich f\u00fcr die Zerst\u00f6rung, die der Brand anrichtete. Das Feuer brach um Mitternacht aus, und am fr\u00fchen Morgen lag die ganze Stadt in Schutt und Asche, mit Ausnahme des heutigen Upplandmuseums, des Gustavianums und des dahinter liegenden Viertels. Der Brand war \u00fcber die Dombron und die Nyabrun, die beide aus Holz waren, auf die andere Flussseite \u00fcbergegangen und hatte auch den Dom, Schloss und Liebfrauenkirche in Mitleidenschaft gezogen. Die T\u00fcrme des Doms und das Dach fielen in sich zusammen.<\/p>\n<p>In einer Buchhandlung sehe ich ein Buch \u00fcber die 100 wichtigsten Schweden. Da will man doch wissen, wer das ist. Die Anordnung ist von unten nach oben, beginnend mit K\u00f6nigin Christina, die Nr. 100 ist, \u201enur\u201c Nr.100, noch hinter Sven-G\u00f6ran Erikkson, dem Fu\u00dfballtrainer. Der Name Erikkson ist, wenn auch in unterschiedlicher Schreibweise, gleich viermal vertreten. Am h\u00f6chsten von ihnen rangiert der Erfinder des Telefons, unter den ersten zehn. Von denen kenne ich alle au\u00dfer einem Bankier. Die ersten f\u00fcnf, in aufsteigender Reihenfolge, sind: Olof Palme, Alfred Nobel, Axel Oxenstierna, Astrid Lindgren und, der \u201estrenge Papa der Nation\u201c, Gustav Vasa.<\/p>\n<p>Auch die beiden M\u00e4nner von Abba haben es unter die ersten Hundert geschafft, auf 69 und 68. Bei der Namensfindung f\u00fcr die Gruppe stie\u00dfen sie auf ein Problem: Der Name Abba war bereits vergeben, f\u00fcr eine Fischkonservenfabrik. Die Verantwortlichen der Fabrik zeigten sich aber gro\u00dfz\u00fcgig und gestatteten der Gruppe, den Namen zu behalten. Man glaubte, es mit einer vor\u00fcbergehenden Erscheinung zu tun zu haben, die sich in ein paar Monaten ohnehin erledigt haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dann ist es Zeit f\u00fcr das Gustavianum, einem der besten Dinge, die Uppsala zu bieten hat. Das Gustavianum ist das Universit\u00e4tsmuseum. Es ist untergebracht in einem riesigen Geb\u00e4ude mit einer achteckigen, flachen Kuppel, auf der ein Globus thront, und liegt zwischen Universit\u00e4t und Dom. Diese Lage, so der Prospekt, dr\u00fccke perfekt die Position der Wissenschaft aus: zwischen Wissen und Glauben. Das stimmt. Wenn ich mich \u00fcber Schwarze L\u00f6chern und Hirnstr\u00f6me und Meerestiefen auslasse, dann muss ich an ihre Existenz glauben. Von Wissen kann keine Rede sein.<\/p>\n<p>Der ber\u00fchmteste Raum des Gustavianum ist das Anatomische Theater, ganz oben im Geb\u00e4ude. Mich zieht es direkt dorthin. Es wurde initiiert und auch gleich entworfen von Olaus Rudbeck, einem schwedischen Universalgenie, der gleichzeitig Mediziner, Botaniker, Arch\u00e4ologe, Mathematiker und Musiker war. Er komponierte selbst und war Dirigent des k\u00f6niglichen Orchesters, unterwies Bergleute ebenso wie Instrumentenbauer, er entdeckte die Lymphgef\u00e4\u00dfe im menschlichen K\u00f6rper und machte wichtige Beitr\u00e4ge zur Arch\u00e4ologie. Er schuf auch den Botanischen Garten, f\u00fcr den sp\u00e4ter Linn\u00e9 bekannt wurde. Alfred Nobel ist einer seiner Nachfahren. Ich kannte seinen Namen aus der Sprachwissenschaft, wo er allerdings keinen guten Ruf genie\u00dft und meistens nur f\u00fcr seine abenteuerliche These zitiert wird, dass im Paradies Fl\u00e4misch gesprochen wurde.<\/p>\n<p>Das Anatomische Theater (1662) ist ein klug konzipierter Saal mit Vorbildern in Padua und Leiden. Der runde Saal weitet sich nach oben hin in immer gr\u00f6\u00dfer werdenden und steil aufsteigenden Reihen aus, die nicht, wie in den meisten H\u00f6rs\u00e4len, nur eine Seite einnehmen, sondern den ganzen Raum, so ungef\u00e4hr wie in einem antiken Amphitheater. Das erm\u00f6glichte, dass man von jeder Stelle aus das Geschehen unten im Saal, im Zentrum beobachten konnte. Hier wurden, v\u00f6llig revolution\u00e4r in dieser Zeit, Leichen seziert. Die Leiche wurde auf einen durch ein achteckiges Gitter abgesperrten Holztisch unten im Raum positioniert. Die Studenten sollten den menschlichen K\u00f6rper aus eigener Anschauung kennen lernen. Das war alles andere als unumstritten, und als Studienobjekte kamen nur die Leichen verurteilter und hingerichteter Verbrecher in Frage. Zuschauer dieser Vorf\u00fchrungen waren einerseits Studenten der Medizin, andererseits zahlende Besucher, die die akademische Veranstaltung als Spektakel erlebten.<\/p>\n<p>Die Besonderheit dieses Raums liegt darin, dass er direkt unter der Kuppel lag, so dass genug Licht eindrang, um alles gut sehen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDer schmucklose Raum ist beeindruckend, sowohl von unten, wo man ihn betritt, als auch von oben gesehen, und man verbeugt sich vor der Entschlossenheit, mit der sich hier fortschrittliches Denken Bahn bricht.<\/p>\n<p>Das Gustavianum hat ein zweites Schatzk\u00e4stchen, im ganz w\u00f6rtlichen Sinne, das Augsburger Kabinett. Es handelt sich um einen kunstvollen Schrank, der zum Aufbewahren und Vorzeigen aller m\u00f6glichen Kuriosit\u00e4ten diente, ein Art Museum im Schrank, ein bewegliches Kuriosit\u00e4tenkabinett. Der Schrank wurde in Augsburg hergestellt und den heranr\u00fcckenden schwedischen Truppen im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg \u201egeschenkt\u201c.<br \/>\nDer Schrank hat einen Unterbau und einen Aufbau, der wiederum von einer Art Muschelberg bekr\u00f6nt ist. Er ist aus Eiche, hat aber andere \u00e4u\u00dfere Schichten, vor allem aus Ebenholz. \u00dcberall gibt es F\u00e4cher, Schubladen, T\u00fcren, und dazwischen Mosaike, Bilder, Einlegearbeiten, Edelsteine, Muscheln. Ein versteckter Ausklapptisch diente zur Pr\u00e4sentation der Objekte.<\/p>\n<p>In mehreren Vitrinen ist ausgestellt, was der Schrank urspr\u00fcnglich alles enthielt: ein Schachspiel, ein selbstspielendes Musikinstrument, eine Art Klavier, mitsamt heimlichem Ausl\u00f6ser, wissenschaftliche Messger\u00e4te aus Messing, ein Apothekerschr\u00e4nkchen, die zusammengerollte Haut einer Boa Konstriktor, kunstvolle K\u00e4mme, ein Schreibpult, bestickte Kissen, ein russisches Holzkreuz, eine \u00e4gyptische Bestattungsstatue, chinesische Weint\u00e4sschen, eine t\u00fcrkische Lederflasche, ein Miniaturbuch, gerade mal so gro\u00df wie zwei Fingerkuppen, mit kunstvollem Buchdeckel, ein Diarama mit der Darstellung einer klassischen Liebesszene, eine Art Peep-Show f\u00fcr die Oberschicht, ein winziger Ring, innen und au\u00dfen bemalt mit Szenen von Golgota. Es \u00fcbersteigt schlichtweg das Fassungsverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch mehr sehenswertes als das Augsburger Kabinett. Dazu geh\u00f6rt ein Thermometer (aus Holz!) von Celsius. Auf dem hat er selbst die von ihm erfundene Skala eingeritzt. Er stammte aus Uppsala und hatte hier eine Professur inne. Den weltweiten Erfolg seiner Skala erlebte er nicht mehr. Er warb f\u00fcr sie mit dem einleuchtenden Argument, dass sie universal g\u00fcltig war und der Kommunikation zwischen Wissenschaftlern unterschiedlicher L\u00e4nder erleichterte.<br \/>\nAuch Linn\u00e9 ist vertreten, und zwar mit einer Systematik der Krankheiten. Er muss ein Ordnungsfanatiker gewesen sein. Man kennt ihn als Botaniker, aber er hatte offensichtlich auch eine Professur f\u00fcr Medizin.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n ein alter Doktorhut, gr\u00fcn, aus Leder, eine Mischung aus klassischem Doktorhut und Cowboyhut. Und eine auf wundersame Weise erhalten gebliebene Vorlesungsmitschrift aus der Zeit, als die Universit\u00e4t gerade gegr\u00fcndet worden war. Man kennt sogar den Verfasser, einen Studenten aus Gotland. Es handelt sich um ein dickes, gro\u00dfes Buch, mit einzeiligen Notizen, nat\u00fcrlich auf Latein, und Zeichnungen.<br \/>\nMan erf\u00e4hrt, dass in Schweden auch w\u00e4hrend der Gro\u00dfmachtzeit der universit\u00e4re Unterricht der mittelalterlichen Tradition folgte. Vorlesungen gab es viermal t\u00e4glich viermal pro Woche. B\u00fccher gab es nicht. Der Professor las langsam vor, so dass die Studenten mitschreiben konnten, und zwar Wort f\u00fcr Wort. Jedes Semester stand ein gro\u00dfer Autor im Mittelpunkt, und die Vorlesung war im Grunde eine kommentierte Zusammenfassung von dessen Werk. Gut, dass es mit dem Besuch des Gustavianums doch noch geklappt hat!<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg komme ich durch Lindormen, ein Viertel direkt am Fluss, in dem es noch Holzh\u00e4user der traditionellen Art gibt, in verschiedenen Farben. Auf einem Schild wird erkl\u00e4rt, die H\u00e4user seien fr\u00fcher alle rot gewesen, bis ein Verwaltungsakt im 19. Jahrhundert den Gebrauch von Rot f\u00fcr Fassaden zum Fluss oder zum Platz hin verbot. Man solle dezentere Farben benutzen.<\/p>\n<p>Als ich mich am n\u00e4chsten Morgen auf die R\u00fcckreise mache, geschieht das mit dem festen Vorsatz, dass eventuelle weitere Reisen nach Schweden nur noch im Sommer stattfinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Januar (Sonntag) Lautes Vogelgezwitscher von allen Seiten, als ich am fr\u00fchen Morgen das Haus verlasse. Die glauben sich schon im Fr\u00fchling, die Optimisten, so mild ist es. Im Bus ist au\u00dfer mir nur eine alte Dame. 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