{"id":5020,"date":"2014-03-16T19:18:30","date_gmt":"2014-03-16T18:18:30","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=5020"},"modified":"2015-09-21T19:42:35","modified_gmt":"2015-09-21T17:42:35","slug":"fes-2014","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=5020","title":{"rendered":"Fes (2014)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">9. M\u00e4rz (Sonntag)<\/span><\/p>\n<p>Auf der Terrasse am Flughafen in Deutschland sitzen Leute drau\u00dfen in der Sonne und trinken Kaffee. Und das Mitte M\u00e4rz! Die Temperaturen in Deutschland sind in den letzten Tagen st\u00e4ndig gestiegen, in Marokko sind sie dramatisch gefallen.<\/p>\n<p>Auf\u00a0 dem Flug sind die deutschen Touristen in der Minderheit. Die meisten sind Marokkaner, oder Deutsche marokkanischen Ursprungs, die auf Heimatbesuch sind. Alle M\u00e4nner, ohne Ausnahme, tragen europ\u00e4ische Kleidung. Die meisten sind von uns nicht zu unterscheiden. Alle Frauen, mit einer Ausnahme, tragen Kopftuch. Die jungen Frauen tragen allerdings Hosen, die alten lange, bis auf den Boden herab reichende, formlose Kleider, die wie M\u00e4ntel aussehen.<\/p>\n<p>Im Flugzeug haben sich die alten marokkanischen Frauen einfach irgendwo hingesetzt. Wie fr\u00fcher im Bus in Marokko. Da gab es doch auch keine reservierten Pl\u00e4tze. Auf meinem Platz sitzt ein junger Deutscher, weil eine Marokkanerin auf seinem sitzt. Also setze ich mich einfach irgendwo hin. Bis jemand kommt und diesen Platz reklamiert. Auch an anderen Stellen beginnt ein reger Platztausch. Die marokkanischen Frauen sind unf\u00f6rmig und nicht gerade agil. Die Aktion dauert, und am Ende starten wir tats\u00e4chlich mit einer Viertelstunde Versp\u00e4tung. Das nutze ich im Nachhinein als Rechtfertigung f\u00fcr meinen deutschen Ordnungssinn, dem diese Anarchie widerspricht.<\/p>\n<p>Der junge Marokkaner neben mir, der gebrochen Deutsch spricht, f\u00e4ngt w\u00e4hrend des Flugs an zu beten. Ob es wegen der Turbulenzen ist? Vermutlich steht einfach die Gebetszeit an, aber ich sehe au\u00dfer ihm keinen beten. Ich habe noch nie eine Muslimin in der \u00d6ffentlichkeit beten sehen, M\u00e4nner aber oft. Das t\u00e4gliche Gebet f\u00e4llt f\u00fcnfmal am Tag an und ist eine der f\u00fcnf S\u00e4ulen des Islam, zusammen mit dem Ramadan, den Almosen, der Wallfahrt nach Mekka und dem Bekenntnis zu dem einen Gott. Ein einfacher Glauben. Was wohl auch den Erfolg des Islams zur Zeit seiner Verbreitung im fr\u00fchen Mittelalter ausmachte.<\/p>\n<p>Der Name <em>Marokko <\/em>kam erst im 16. Jahrhundert \u00fcber das Franz\u00f6sische zu uns und ist von <em>Marrakesch<\/em> abgeleitet, der damaligen Hauptstadt. Auf Arabisch hei\u00dft Marokko <em>Al-Mamlakah<\/em> <em>al Maghrebia<\/em>, \u201aMaghrebinisches K\u00f6nigreich\u2018. W\u00f6rtlich hei\u00dft <em>maghreb<\/em> einfach \u201aWesten\u2018. Marokko war das westliche Ende des vom Islam eroberten Territoriums.<\/p>\n<p>Marokko war einst mein erstes Reiseziel au\u00dferhalb von Europa. In einer Reisegruppe, mit dem Bus, \u00fcber Silvester. Mit den Stationen Tanger, Fes, Meknes, Marrakesch, Rabat. Lang, lang ist\u2019s her, 28 Jahre, aber mir sind noch eine ganze Menge Szenen in Erinnerung: die verwinkelte Medina von Fes, der Marktplatz von Marrakesch mit Gauklern, Schlangenbeschw\u00f6rern und dressierten Affen, das allgegenw\u00e4rtige Bild von Hassan II., dem damaligen K\u00f6nig, das Grabmonument von Mohammed V,. seinem Vater, in Rabat, die Moschee in Meknes, eine der ganz wenigen, \u00a0die man in Marokko besichtigen kann, die eleganten Stra\u00dfen mit wei\u00dfen Geb\u00e4uden in der Neustadt von Rabat, das Gerberviertel in Fes, h\u00e4ndchenhaltende M\u00e4nner (hier eine v\u00f6llig neutrale Freundschaftsgeste), einen ganz kurzen Blick in eine Medersa (die damals immer <em>madrassa<\/em> genannt wurde) eine Schule, mit auf dem Boden sitzenden Kindern, die Koranverse im Chor rezitierten, Hotelportiers und G\u00e4stef\u00fchrer in langen Gew\u00e4ndern und Fes, sprachgewandte junge Schlepper in der Medina, aggressiv bettelnde Kinder, die Wetterkarte, die den S\u00fcden Spaniens, Al-Andalus, als Teil Marokkos behandelte, die bunt gekleideten Berber, denen wir irgendwo im Gebirge einen Besuch abstatteten. Auch erinnern kann ich mich an einen jungen Kellner, der ein Jahr im Allg\u00e4u gearbeitet hatte, gut Deutsch sprach und jede Gelegenheit nutzte, es anzuwenden.<\/p>\n<p>Am meisten hallen die w\u00fctenden Rufe der Gerber in Fes wider. Wir wurden auf einen Platz gef\u00fchrt, von dem aus wir in die Senke mit den Arbeitern und den Bottichen hinabblicken konnten. Die Gerber schienen uns etwas zuzurufen. Es dauerte, bis wir verstanden, was die Rufe bedeuteten: Sie protestierten. Sie wollten nicht bei ihrer Arbeit beobachtet werden, wollten nicht, dass die Misere zum Photomotiv wurde. Sie wollten ihre W\u00fcrde behalten.<\/p>\n<p>Als ich im Flugzeug einmal den Blick von meiner Lekt\u00fcre hebe, sehe ich im Gang, vor einem der Wagen, die durch die Gegend geschoben werden, pl\u00f6tzlich eine fast furchteinfl\u00f6\u00dfende Figur, eine gro\u00dfe Frau mit schwarzem, weitem Gewand und breitem Schleier, ganz in Schwarz. Sie wendet mir den R\u00fccken zu. Es ist eine Figur wie Belphegor. Sp\u00e4ter, bei der Passkontrolle, sehe ich sie von vorne. Eine freundlich l\u00e4chelnde, junge Frau.<\/p>\n<p>Die Reise geht \u00fcber schneebedeckte Berge, vermutlich die Pyren\u00e4en. Dann kommt kurz Wasser in Sicht: die Meerenge von Gibraltar. Dann vegetationslose, graubraune Gebirgslandschaften. Das entspricht und widerspricht meinen Erinnerungen: Ich habe damals Marokko als ein erstaunlich gebirgiges und ein erstaunlich gr\u00fcnes Land erfahren. Geologisch sah es wie eine Fortsetzung von Andalusien aus.<\/p>\n<p>Dann kommen ein gr\u00fcnlicher See und ein Gebirgspfad, aber kaum Zeichen von Zivilisation, auch unmittelbar vor Fes noch nicht. Ganz kurz vor der Landung sieht man dann aber gr\u00fcne Felder und Olivenhaine, mit Olivenb\u00e4umen in Reihe und Glied.<\/p>\n<p>In Fes ist es bew\u00f6lkt und k\u00e4lter als in Deutschland. Es ist aber auch drei Stunden sp\u00e4ter. Die Passkontrolle ist modern, aber langwierig und umst\u00e4ndlich. Stempel werden auf Formulare und in Dokumente gedr\u00fcckt und geh\u00e4mmert. Die Hinweisschilder sind, wie auch die meisten an der Stra\u00dfe, zweisprachig.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen wartet ein vom Hotel engagierter Taxifahrer auf mich. Das Hotel liegt in der Medina und ist nicht leicht zu finden. Also bin ich auf Nummer Sicher gegangen.<\/p>\n<p>Mit einem Mal ist es stockdunkel, so um sieben Uhr. Die D\u00e4mmerung ist von ganz kurzer Dauer.<\/p>\n<p>Es geht \u00fcber eine ausgebaute Stra\u00dfe, an der gerade Bauarbeiten stattfinden, mit ziemlich viel Verkehr. Es ist Sonntagabend, die Leute kommen vom Picknick im Mittleren Atlas zur\u00fcck, erfahre ich. Der Mittlere Atlas trennt, grob gesprochen, die Gegend um Fes von der um Marrakesch. S\u00fcdlich davon liegt der Hohe Atlas und noch weiter s\u00fcdlich der Anti-Atlas. Was f\u00fcr ein wunderbarer Name! Im Norden liegt das Rif.<\/p>\n<p>Der Taxifahrer hat in der Schule Franz\u00f6sisch gelernt, Englisch nur durch den Kontakt mit den Touristen.<\/p>\n<p>Ich frage nach den Autos. Die meisten sind, wie erwartet, franz\u00f6sische und japanische Fabrikate, aber auch koreanische seien gut vertreten.<\/p>\n<p>Wir kommen durch die Neustadt, von den Franzosen angelegt, mit ein paar hypermodernen Bauten. Die Neustadt, sagt mir der Taxifahrer, sei heute \u201egeschlossen\u201c. Erst dann merke ich, dass er auf den Feiertag anspielt. Heute ist Sonntag. Die Medina ist freitags \u201egeschlossen\u201c.<\/p>\n<p>Im Arabischen hei\u00dft <em>medina<\/em> einfach \u201aStadt\u2018, aber die Europ\u00e4er haben das Wort \u00fcbernommen, um von der Altstadt zu sprechen, im Unterschied zur Neustadt. Ich erinnere mich auch an eine Unterscheidung, von der damals immer die Rede war: Medina und Kasbah, Gesch\u00e4ftsviertel bzw. Wohnviertel der Altstadt. W\u00f6rtlich hei\u00dft <em>kasbah<\/em> einfach \u201aBurg\u2018.<\/p>\n<p>Am Rande der Altstadt werde ich einem jungen Mann \u00fcbergeben, der mich zum Hotel f\u00fchrt. Mit ihm muss ich Franz\u00f6sisch sprechen. Wir gehen durch ein Tor, und mit einem Mal befindet man sich mitten im Orient.<\/p>\n<p>Durch ganz schmale, schummrig beleuchtete Gassen geht es zwischen hohen Hausw\u00e4nden hindurch kreuz und quer durch die Medina. Wir biegen ein Dutzendmal oder mehr ab. Einige Gassen sind wie ausgestorben, andere sehr belebt.<\/p>\n<p>Wir gehen schnellen Schrittes, und ich bekomme kaum mit, dass am Stra\u00dfenrand noch Waren verkauft werden, in einer Gasse auch T\u00f6pferwaren f\u00fcr Touristen.<\/p>\n<p>Dann stehen wir unvermittelt vor einem Hauseingang, dem Riad Tayba, dem Hotel. Riads sind alte, um einen Innenhof gebaute Patriziervillen, die heruntergekommen waren und jetzt f\u00fcr die Hotellerie renoviert worden sind. Sie liegen immer in der Medina.<\/p>\n<p>Die Eingangst\u00fcr ist unscheinbar und niedrig. Umso \u00fcberraschender ist der Eindruck, wenn man in den pr\u00e4chtigen Innenhof kommt. Dort befindet sich die improvisierte \u201eRezeption\u201c, und ich muss mich um Formalit\u00e4ten k\u00fcmmern, statt mir das Haus anzusehen. Wieder muss ein umst\u00e4ndliches und dazu schwer verst\u00e4ndliches Formular mit winziger Schrift ausgef\u00fcllt werden. Als ich fertig bin, habe ich so viele Fehler gemacht, dass ich noch mal von vorne anfangen muss.<\/p>\n<p>Der junge Mann, der mich auch vom Taxi abgeholt hat, macht heute wohl die Vertretung f\u00fcr den Besitzer. Er serviert mir einen hei\u00dfen Tee, der gleichzeitig s\u00fc\u00df und bitter schmeckt. Der Tee wird aus gro\u00dfer H\u00f6he aus einer silbernen Kanne in ein winziges Glas gesch\u00fcttet, in dem frische Minze liegt. Dazu gibt es Kokospl\u00e4tzchen. Mein Hunger ist aber gr\u00f6\u00dfer als meine Abneigung gegen Kokos, also bei\u00dfe ich kr\u00e4ftig rein.<\/p>\n<p>Jetzt will ich aber nur noch ins Bett. Der Mann begleitet mich auf das Zimmer und zeigt mir unterwegs noch die Terrasse. Das Zimmer ist winzig klein und ganz einfach, hat aber alles, was man braucht.<\/p>\n<p>Als ich gerade im Bett liege, klopft es an der T\u00fcr. Es ist immer noch ein Fehler in dem Formular. Die Zahl, die eingetragen werden muss, ist nicht die des Passes, sondern die, die die Beamten bei der Passkontrolle in den Pass hinein gestempelt haben.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">10. M\u00e4rz (Montag)<br \/>\n<\/span>Den Weckdienst \u00fcbernehmen die H\u00e4hne. Danach gibt kein Einschlafen mehr. Es ist gerade mal vier Uhr, aber erst drei Uhr marokkanischer Zeit. Und Fr\u00fchst\u00fcck gibt es erst um neun.<\/p>\n<p>Unter den Bettdecken ist es warm, aber im Zimmer ist es kalt. Eine Heizung gibt es nicht. Auf dem sch\u00f6nen, gefliesten Boden liegt ein schmaler L\u00e4ufer, der die K\u00e4lte der Fliesen etwas d\u00e4mmt.<\/p>\n<p>Das Zimmer hat sch\u00f6ne Messingbeschl\u00e4ge an T\u00fcren und Schr\u00e4nken, eine sehr sch\u00f6ne, polygonale Lampe mit farbigem Glas, einen sehr sch\u00f6nen Spiegel mit einer kunstvollen Einfassung. Auch im Bad ist ein Spiegel, mit einer Einfassung in<\/p>\n<p>Hufeisenbogen, der arabischsten aller Formen.<\/p>\n<p>Der Papierkorb ist aus Holz, wie der kleine Bruder eines Zubers, in denen man fr\u00fcher die W\u00e4sche wusch.<\/p>\n<p>Ich gehe nach unten und sehe mir den Innenhof an. Er muss urspr\u00fcnglich offen gewesen sein. Das Glasdach, das Licht und Luft hineinl\u00e4sst, ist eine Konzession an die Nutzung des Hauses als Hotel. Auf die Luft, die hereinkommt, im Sommer bestimmt eine Wohltat, k\u00f6nnte man im Moment aber ganz gut verzichten. Es ist ganz sch\u00f6n kalt.<\/p>\n<p>Die Decke wird getragen von vier Pfeilern, aus Halbs\u00e4ulen bestehend, in blau-wei\u00dfen Mosaikfliesen. Dar\u00fcber durchbrochene Kapitelle aus Stuck, und an den W\u00e4nden durchbrochene Holzpaneele.<\/p>\n<p>Auch der Boden und die unteren Teile der W\u00e4nde sind blau-wei\u00df, in unterschiedlichen Mustern. Die Sitzb\u00e4nke sind niedrig und, wie die Kissen, seidenbestickt, in Rot und Gold. Davor stehen ebenso niedrige, runde Tischchen aus Messing, sehr sch\u00f6n gearbeitet mit geometrischen Figuren. Ineinander verschlungene Quadrate und ein vielzackiger Stern, umgeben von floralen Mustern. Nicht ein Quadratzentimeter ist unbearbeitet.<\/p>\n<p>Beim Fr\u00fchst\u00fcck mache ich ein Photo von den sch\u00f6n pr\u00e4sentierten Sch\u00e4lchen und dem friedlichen Miteinander von Marmeladen und Oliven und komme so ins Gespr\u00e4ch mit einer franz\u00f6sischen Familie am Nachbartisch, Eltern und erwachsener Sohn. Wir sprechen Englisch, Franz\u00f6sisch und Deutsch durcheinander. Sie fahren heute mit dem Zug nach Meknes. Hier in Fes sind sie problemlos ohne F\u00fchrer zurechtgekommen. Das widerspricht dem, was mein Reisef\u00fchrer sagt und meiner Erinnerung an die labyrinthische Medina. Auch was Betteln, Schleppen und Klauen angeht, scheinen sie keine schlechten Erfahrungen gemacht zu haben.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck taucht Mekki auf. Mit ihm hatte ich per Mail das Abholen vom Flughafen vereinbart, und er wurde auch im Internet positiv erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Mekki bietet sofort an, mir einen F\u00fchrer zu besorgen und mich zur Bank zu begleiten. Wir machen uns gleich auf den Weg. Er ist nicht der Besitzer des Riads, sondern so eine Art Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Die Besitzerin ist Franz\u00f6sin.<\/p>\n<p>Wir kommen durch den schon sehr lebendigen Souk, den Markt, und zwar durch den Teil, wo vorwiegend Fleisch verkauft wird. Auf einer Art Baumstamm sitzen H\u00fchner, die seelenruhig darauf warten, im Kochtopf zu landen. Jedenfalls r\u00fchren sie sich nicht. Auch kr\u00e4hende H\u00e4hne sind dabei, vermutlich die, die mich am Morgen geweckt haben.<\/p>\n<p>Wir kommen bald an das Ende der Medina und das Blaue Tor. Hier gibt es Banken. Ich bin froh, dass Mekki mich begleitet hat, denn es gibt Probleme beim Geldabheben, aber in der zweiten Bank klappt es dann beim zweiten Anlauf doch. Das Umrechnen ist einfach: 10 Dirham = 1 Euro.<\/p>\n<p>Auf dem\u00a0 R\u00fcckweg sto\u00dfen wir in der Medina auf einen Esel, der Gasflaschen transportiert. Irgendwie m\u00fcssen die ganzen Waren ja in die Medina kommen. Esel sind da eine gute L\u00f6sung. Vermutlich seit Jahrhunderten g\u00e4ngige Praxis. Mekki zeigt mir noch einen unauff\u00e4lligen Kellereingang. Das sei die B\u00e4ckerei. Auch das Wei\u00dfbrot des Fr\u00fchst\u00fccks kommt hierher. Allerdings ist das typisch marokkanische Brot ganz anders, eine Art Fladen.<\/p>\n<p>Unterwegs lerne ich zwei n\u00fctzliche W\u00f6rter auf Arabisch: <em>wuacha<\/em>, \u201agut\u2018, und <em>safi<\/em>, \u201ain Ordnung\u2018.<\/p>\n<p>Als wir wieder im Hotel sind, stellt sich auch schon bald der F\u00fchrer ein. Ich mache von vornherein deutlich, dass ich nichts kaufen will und kann. Das Argument mit der Gep\u00e4ckbeschr\u00e4nkung im Flugzeug zieht. Auch Mekki hatte vorher schon versucht, mir \u00d6l anzubieten.<\/p>\n<p>Der F\u00fchrer kennt die Medina wie seine Westentasche, und deshalb bin ich froh, ihn dabei zu haben. Die Erkl\u00e4rungen sind allerdings mager und verlieren sich in Einzelheiten. Ein Bild von Fes entsteht nicht.<\/p>\n<p>Zuerst kommen wir wieder an das Blaue Tor, wo ich vorher schon mit Mekki war. Das Blaue Tor ist gr\u00fcn. Jedenfalls an der Stadtseite. An der Au\u00dfenseite ist es blau. Gr\u00fcn ist die Farbe des Islam, Blau die Farbe von Fes, so wie Ocker die Farbe von Marrakesch ist. In der Umgebung von Fes gibt es Phosphorvorr\u00e4te. Das ist der materielle Hintergrund f\u00fcr die Verbindung der Stadt zur Farbe. Das Tor sieht \u00e4lter aus als es ist. Es stammt, in dieser Form jedenfalls, vom Beginn der franz\u00f6sischen Herrschaft, vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Franzosen beriefen sich bei ihrem Einmarsch darauf, von Marokkanern zur Hilfe gerufen worden zu sein. Dies ist ein Muster, das sich in der Geschichte immer wieder wiederholt. Invasoren kommen nicht aus eigenem Interesse, sondern, um anderen zu helfen.<\/p>\n<p>Wir gehen unendlich lange Wege. Die Medina von Fes ist die gr\u00f6\u00dfte Marokkos. Und, wie es hei\u00dft, die weltweit gr\u00f6\u00dfte zusammenh\u00e4ngende autofreie Fl\u00e4che in einer Stadt. Das kann man sich gut vorstellen. Wieder, wie gestern, wechseln sich v\u00f6llig ausgestorben wirkende Gassen unvermittelt mit sehr lebendigen ab.<\/p>\n<p>Von Modernit\u00e4t ist hier kaum etwas zu sehen, bis auf ein paar St\u00e4nde, in denen industriell gefertigte Ware angeboten wird. Ansonsten ist der Gang durch die Medina wie eine R\u00fcckkehr ins Mittelalter. An Waren, Herstellung, Abl\u00e4ufen d\u00fcrfte sich seitdem kaum etwas ge\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p>Man sieht per Hand verschlossene Flaschen mit Wasser, die zum Verkauf angeboten werden. Was das wohl ist? Rosenwasser!<\/p>\n<p>Etwas weiter wird an Steinplatten gemei\u00dfelt. Was k\u00f6nnte das sein? Grabplatten! Sie sind wei\u00df, haben eine gr\u00fcne Umrandung und bekommen jetzt Verse und Friese verpasst. Die Mitte ist freigelassen f\u00fcr Namen und Daten der Toten.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes erreichen wir die Medersa Bou Inania, die Koranschule. Auch sie stammt aus dem Mittelalter, ist aber k\u00fcrzlich restauriert worden. Bis ins 20. Jahrhundert fungierte sie noch als Schule. Jetzt ist sie Monument, fungiert aber noch als Moschee. Deshalb darf man nur den Innenhof betreten.<\/p>\n<p>Den erreicht man durch einen sch\u00f6nen Torbogen. Der Boden ist aus Carrara-Marmor, die W\u00e4nde sind in ihrer ganzen H\u00f6he von den drei typischen Elementen der maurischen Tradition dekoriert: Fliesen, Stuck, Holz. Das erinnert an den Innenhof des Riads. Sowohl die Kacheln als auch das Holz \u2013 Zedernholz \u2013 tragen Inschriftenfriese mit Versen aus dem Koran. Sie sind in osmanischer Schrift, und mein F\u00fchrer sagt auf Nachfrage, das k\u00f6nne er nicht lesen. Er sagt es so, als w\u00e4re die Frage v\u00f6llig verr\u00fcckt. Was wohl seinen Grund hat. Ich habe eine viel zu enge Vorstellung von Arabisch und arabischer Schrift.<\/p>\n<p>Von einer Ecke des Innenhofs hat man einen Blick auf das Minarett, das zu der Medersa geh\u00f6rt, aber getrennt steht.<\/p>\n<p>Wir unterhalten uns auf den langen Wegen \u00fcber Gott und die Welt. Dabei erfahre ich unter anderem, dass das Arabische einen Dual hat, mit eigenen Formen bei den Nomen. Und dass man im S\u00fcden Marokkos eher auf Tee, im Norden eher auf Kaffee steht.<\/p>\n<p>Der F\u00fchrer selbst spricht unaufgefordert sehr positiv \u00fcber Deutschland. Wie so viele Menschen aus armen L\u00e4ndern setzt er ganz auf Modernit\u00e4t, auf Fortschritt, auf Wohlstand. Und das repr\u00e4sentiert Deutschland. Analog dazu ist Norditalien gut, S\u00fcditalien schlecht. \u00c4hnlich ist es bei Frankreich. Marokko ist f\u00fcr afrikanische Verh\u00e4ltnisse sehr entwickelt, sagt er, aber eben nur f\u00fcr afrikanische. Es gibt aber ausl\u00e4ndische Unternehmen, die jetzt in Marokko ihre eigenen Werke aufbauen, vor allem, wegen der g\u00fcnstigen Lage, in Tanger.<\/p>\n<p>Als wir dann einem Mann mit einer Trainingsjacke mit Schalke-Emblem begegnen, \u00f6ffnet sich eine ganz andere T\u00fcr, und die ist nicht mehr zu schlie\u00dfen: Fu\u00dfball. Mein F\u00fchrer hat eine unglaubliche Fu\u00dfballkenntnis und kann Namen, Paarungen, Spieler, Ergebnisse aus allen L\u00e4ndern und Zeiten auf Anhieb nennen. Auch da ist er oft auf Seiten Deutschlands, aber nicht, wenn es gegen afrikanische Mannschaften geht. Bei der WM, wenn es f\u00fcr Deutschland gegen Ghana geht, steht er nat\u00fcrlich auf Seiten Ghanas. Afrikanische Solidarit\u00e4t, und das in Marokko, das uns nicht gerade als typisch afrikanisch gilt und eine wichtige Ausrichtung auf Europa hat.<\/p>\n<p>Wir kommen durch den Souk f\u00fcr Holzwaren und den Souk f\u00fcr Kupferwaren. Hier wird nicht nur verkauft, sondern auch hergestellt. Das rhythmische H\u00e4mmern und die Werbespr\u00fcche der Verk\u00e4ufer bilden den akustischen Hintergrund. Die Holzerzeugnisse, B\u00e4nke und Sessel, sind teils gar nicht als solche zu erkennen. Sie sind von einem polsterartigen, gl\u00e4nzenden, wei\u00dfen Stoff \u00fcberzogen: Hochzeitsm\u00f6bel. Hier feiert der Kitsch fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd.<\/p>\n<p>Wir kommen dann in das \u00e4rmlich aussehende Andalusierviertel. Meinem F\u00fchrer zufolge ist es schon im 8. Jahrhundert von Einwanderern aus Andalusien gegr\u00fcndet worden. Ich hatte immer gedacht, die Reise w\u00e4re nur in die andere Richtung gegangen.<\/p>\n<p>\u00dcber verschlungene Wege kommen wir zum Gerberviertel. Die Art der Besichtigung hat sich seit damals ge\u00e4ndert. Man wird \u00fcber hohe, unregelm\u00e4\u00dfige Treppen auf eine Terrasse gef\u00fchrt, von der aus man aus einiger Distanz die Arbeiten beobachten kann. Man bekommt einen Strau\u00df Minze in die Hand gedr\u00fcckt. Die Minze soll man sich vor die Nase halten, wegen des Gestanks. Das scheint mir ziemlich \u00fcbertrieben. So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Die Arbeiter bekommen auch keine Minze. Aber vielleicht w\u00fcrde ich im Sommer bei Hitze anders reden.<\/p>\n<p>Ich werde einem anderen Mann \u00fcbergeben, der mich begleitet und gut Deutsch spricht. Er lebt in der N\u00e4he von Offenbach und verbringt die Zeit, wo bei seiner Arbeit, in einem Gem\u00fcsemarkt, die Flaute herrscht, hier in der Heimat.<\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlt mir, ich wei\u00df nicht, wie die Rede darauf kommt, von einer Reise nach \u00c4gypten. Dann folgt eine einzige Eloge auf \u00c4gypten. Das sei ein wunderbares Land, viel besser als Tunesien. Die Tunesier seien aufdringlich, die \u00c4gypter zur\u00fcckhaltend. \u00c4gypten gefalle ihm sogar besser als sein eigenes Land. Eine bemerkenswerte Aussage.<\/p>\n<p>Auch, wenn sich die Form der Besichtigung ge\u00e4ndert hat, die Arbeit der Gerber ist immer noch genau dieselbe. Sie stehen in den mannshohen Bottichen aus Ton, bis zu den Knien in die verschiedenen Fl\u00fcssigkeiten eingetaucht, in kurzen Hosen und ohne Handschuhe. Sie wenden die schweren Felle, tauchen sie ein, ziehen sie heraus, mit der Hand oder mit langen, h\u00f6lzernen St\u00e4ben. Auf einer Mauer sieht man gelbe Lederst\u00fccke in der Sonne trocknen.<\/p>\n<p>Die Funktionsweise verstehe ich nicht, aber man kann verschiedene Arbeitsschritte unterscheiden, teils an den Farben der Bottiche. Links sind die wei\u00dfen Kalkbottiche. Hier sind die Arbeiter besser gesch\u00fctzt, mit kompletter Arbeitsuniform und Handschuhen. Hier, in den Kalkf\u00e4ssern, werden Haare und Fleischreste gel\u00f6st und das Fell trennt sich vom Leder. Anschlie\u00dfend muss das Leder wieder entkalkt werden. Daf\u00fcr gibt es Wasserbottiche. Dann muss es \u201eweichgekocht\u201c werden und dann getrocknet, gegl\u00e4ttet und eingefettet, und erst am Ende steht der Prozess des F\u00e4rbens. Der kann, je nach Farbton, kompliziert sein und mehrere G\u00e4nge erfordern. Man sieht deutlich rote und gelbe Bottiche. Der Mann aus Offenbach erz\u00e4hlt mir, es w\u00fcrden nur Naturstoffe verwendet und er sagt auch etwas zu Materialien, die inzwischen verboten sind, aber ich kann ihn wegen seiner unorthodoxen Aussprache nicht gut verstehen. Jedenfalls werde jetzt infolge dieser \u00c4nderung f\u00fcr Gelb der teure Safran verwendet. Wenn ich ihn richtig verstehe, ist die Gerberei jetzt eine Kooperative, und die Leder d\u00fcrfen nicht oder nur an die H\u00e4ndler der Medina verkauft werden.<\/p>\n<p>Als ich dem Offenbacher am Ende ein Trinkgeld anbieten will, lehnt er h\u00f6flich ab. Er f\u00fchrt mich wieder hinunter. Der Weg f\u00fchrt durch eine Ladenstra\u00dfe. Er zeigt mir eine Lederjacke und h\u00e4lt ein Feuerzeug daran, offensichtlich Zeichen der Echtheit. Ich will nichts kaufen und fahre wieder das Argument der Gewichtsbeschr\u00e4nkung an, und wieder verf\u00e4ngt es.<\/p>\n<p>Unten nimmt mich mein F\u00fchrer wieder in Empfang. Er bringt mich noch zu der Place Nejjarine und entl\u00e4sst mich dort in das Holzmuseum.<\/p>\n<p>Das Schaust\u00fcck des Platzes ist ein sch\u00f6n dekorierter Brunnen mit einem Vordach aus Zedernholz. Etwas versetzt dahinter befindet sich die Fondouk Nejjarine, die ehemalige Herberge der Zimmerleute. Unten wurden Gesch\u00e4fte gemacht, oben wurde gewohnt. Mit Hilfe der UNESCO wurde der Bau zu dem Holzmuseum umgewidmet.<\/p>\n<p>Die Eingangshalle mit mehrst\u00f6ckigen Etagen und Gel\u00e4ndern aus geschnitztem Holz ist allein schon den Eintritt wert. Auf verschiedenen Etagen wird alles pr\u00e4sentiert, was mit Holz zu tun hat, von Baumst\u00e4mmen bis zu K\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Unten sieht man Gebrauchsgegenst\u00e4nde aus Holz: M\u00f6rser, Blaseb\u00e4lge, Waschbretter, Sch\u00f6pfl\u00f6ffel, Bottiche, Spiegeleinfassungen, Gestelle zum W\u00e4schetrocknen und eben K\u00e4mme. Viele von ihnen haben zwei Seiten, mit d\u00fcnnen Z\u00e4hnen auf der einen und dicken auf der anderen Seite.<\/p>\n<p>Oben kommen Berufsutensilien wie Spinnr\u00e4der, St\u00f6\u00dfel f\u00fcr Leder, \u00d6lpressen, Schaufeln f\u00fcr B\u00e4ckereien.<\/p>\n<p>Noch weiter oben gibt es skulptierte T\u00fcren, Blendl\u00e4den, Holzfriese, Paneelen, Trennw\u00e4nde. Viele Objekte sind j\u00fcnger, als man vermutet, vom Beginn des 20. Jahrhunderts, aber es gibt auch Exponate, die bis ins 14. Jahrhundert zur\u00fcckgehen. Unter einem steht: XIIX \u2013 XIX. Eine eigenwillige, aber einleuchtende Schreibweise.<\/p>\n<p>Dann gibt es Musikinstrumente: Trommeln, Leier, dickb\u00e4uchige Lauten, Leiern, ein offensichtlich typisch arabisches Musikinstrument namens Rhab, und Oboen, deren franz\u00f6sischer Name, <em>hautbois<\/em>, noch auf ihre Herstellung aus Holz hinweisen.<\/p>\n<p>Dann gibt es liturgische Ger\u00e4te, vor allem <em>chapelets<\/em>, Gebetsketten, unseren Rosenkr\u00e4nzen \u00e4hnlich. Ihre Form variiert von Orden zu Orden.<\/p>\n<p>Besonders interessant sind Holztafeln f\u00fcr den Unterricht, sog. Karraka. Die am Vortag gelernten Verse auf der Vorderseite werden ausgewischt, auf der R\u00fcckseite bleiben sie noch stehen, als Erinnerungshilfe. Dann wird eine Masse, <em>salsal<\/em>, auf die noch feuchte Oberfl\u00e4che aus wei\u00dflicher Tonerde der Vorderseite aufgetragen. Die Tafel wird in der Sonne getrocknet, und dann k\u00f6nnen mit einer besonderen Tinte, <em>smaq<\/em>, die neuen Verse aufgetragen werden.<\/p>\n<p>Dann kommt es zu einem bezeichnenden Missverst\u00e4ndnis: Ich lese etwas von <em>Minibar<\/em>. Der Wunsch ist Vater des Gedankens. Es ist aber tats\u00e4chlich <em>Minbar<\/em>. Das ist die Bezeichnung f\u00fcr den mit Treppen ausgestatteten Stuhl des Imams beim Freitagsgebet. Er wird w\u00e4hrend der Woche verschlossen gehalten, ganz in der N\u00e4he der Gebetsnische, und kommt nur zum Gebet zum Vorschein.<\/p>\n<p>Dann kommen noch Gesetzestafeln aus Holz, l\u00e4ngliche Holzst\u00e4be, in denen in kleiner Schrift vom Imam dekretierte Gesetze des Gewohnheitsrechts eingeschrieben sind. Es geht um ganz allt\u00e4gliche Fragen wie Bew\u00e4sserung, die Instandhaltung von Wegen, Regeln f\u00fcr Hochzeiten und Taufen und Ma\u00dfnahmen bei Zuwiderhandlung. Diese Tafeln wurden in Moscheen oder bewachten Getreidespeichern aufbewahrt und nur bei Bedarf hervorgeholt. Der Name f\u00fcr solche Getreidespeicher ist <em>agadir<\/em>. Daher der Name der Stadt.<\/p>\n<p>Rosenkr\u00e4nze, Taufen, Orden: Bin ich hier richtig im Islam? \u00a0Das frage ich mich, als ich das Museum verlasse.<\/p>\n<p>Den langen Weg zur\u00fcck zum Blauen Tor finde ich tats\u00e4chlich ohne gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten. Es geht die meiste Zeit \u00fcber die Talaa Kebira, die \u201eHauptstra\u00dfe\u201c der Medina. Tats\u00e4chlich hei\u00dft <em>kebira<\/em> so etwas wie \u201agro\u00df\u2018 (womit vermutlich auch der Name \u00a0<em>Khedira<\/em> zusammenh\u00e4ngt).<\/p>\n<p>Sobald ich alleine bin, werde ich angesprochen als potenzieller Kunde, aber \u00fcberhaupt nicht aufdringlich. Und gef\u00e4hrlich wirkt hier \u00fcberhaupt nichts auf mich. Auch die bettelnden Kinder von damals tauchen nicht auf. Von meinem F\u00fchrer habe ich erfahren, dass es Unterricht von 8-12 und von 14-18 Uhr gibt, aber nur im Turnus. Jedes Kind hat nur ca. zwei Stunden Unterricht pro Tag. Das erkl\u00e4rt also ihre fehlende Pr\u00e4senz in der Medina nicht.<\/p>\n<p>In den engen Gassen wird jeder Quadratmeter zur Ausstellung der Waren genutzt. Sie h\u00e4ngen an T\u00fcren und Hausw\u00e4nden, an Ketten, F\u00e4den und B\u00fcgeln und baumeln \u00fcber einem in der Luft.<\/p>\n<p>Gelegentlich kommen mir M\u00e4nner mit Dschellaba entgegen, dem langen Kapuzenmantel. Sie tragen oft einfache, flache Strickm\u00fctzen, aber kein einziger tr\u00e4gt einen Fes. Dabei kommt der Name des Huts tats\u00e4chlich vom Namen der Stadt. Auch das hat etwas mit der F\u00e4rbertradition von Fes zu tun.<\/p>\n<p>Zum Essen gehe ich ins La Kasbah, direkt am Blauen Tor gelegen. Man sitzt auf einer erh\u00f6hten Terrasse und sieht durch ein Gitternetz auf das Tor. Es ist jetzt auch warm genug, um drau\u00dfen zu sitzen.<\/p>\n<p>An einem anderen Tisch sitzen zwei schlecht gekleidete Amerikanerinnen mit Schirmen ohne M\u00fctzen. Wogegen die sch\u00fctzen sollen, wei\u00df man nicht. Ich habe bisher noch keinen Sonnenstrahl entdeckt.<\/p>\n<p>Es gibt eine scharfe, sehr leckere Suppe, die nach Tomate schmeckt, nicht nach Tomate aussieht, aber Tomate ist. Auf Kosten des Hauses gibt es als Zugabe einen kleinen Teller mit Linsen, mit einem Teel\u00f6ffel serviert. Auch sehr lecker.<\/p>\n<p>Zum Hauptgang bestelle ich das unvermeidliche Couscous, das Nationalgericht Marokkos, und nicht nur Marokkos. Ich probiere es nicht zum ersten Mal, und auch diesmal kann ich nicht entdecken, was daran so lecker sein soll. Es wird ein riesiger Berg Couscous auf einem tiefen Teller serviert, garniert mit ged\u00fcnstetem Gem\u00fcse \u2013 M\u00f6hren, Kraut, Zwiebeln, Kichererbsen \u2013 und einer H\u00e4hnchenkeule. Das schmeckt ohne Couscous ganz gut.<\/p>\n<p>Alkohol gibt es nicht, und ich wei\u00df nicht, ob ich dar\u00fcber traurig oder froh sein soll.<\/p>\n<p>Als Nachtisch gibt es sehr leckere Mandarinen. Satt ist man danach f\u00fcr den ganzen Tag, und die Rechnung ist auch bezahlbar: 770 Dirham, 7,70 \u20ac.<\/p>\n<p>Die Geldscheine haben alle das Portrait von M6, Mohammed VI., dem K\u00f6nig, auf dem gro\u00dfe Hoffnungen ruhten, als er die Nachfolge seines Vaters, Hassan II., antrat. Die Hoffnungen scheinen sich nicht oder kaum erf\u00fcllt zu haben. Das betrifft vor allem die Stellung der Frau, die politische Mitbestimmung des Parlaments und des Volkes und die Aufarbeitung der Regierungszeit seines Vaters.<\/p>\n<p>M6 geh\u00f6rt der Dynastie der Alouiten an, die Marokko seit dem 17. Jahrhundert beherrscht. Sie waren \u201eAusl\u00e4nder\u201c, Araber, genauso wie ihre Vorg\u00e4nger, die Saadier. Die mittelalterlichen Dynastien, die Marokko beherrschten, waren dagegen \u201eEinheimische\u201c, Berber: Mereniden, Almohaden, Almoraviden. Hier in Fes ist oft von den Mereniden die Rede, w\u00e4hrend ich die Almoraviden und Almohaden eher aus Spanien kenne. Die Gr\u00fcnder von Marokko, die Idrissiden, waren dagegen wieder Araber.<\/p>\n<p>Am Anfang der Reise muss man vor allem versuchen, an Kleingeld zu kommen. Das ist hier Mangelware. Eintritt im Museum ist daf\u00fcr die beste Methode.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr bietet sich eine weitere M\u00f6glichkeit im Mus\u00e9e du Batha, dem Volkskundemuseum, von Mekki und vom Reisef\u00fchrer empfohlen. Es ist gar nicht so weit vom Blauen Tor. Das Museum h\u00e4lt allerdings nicht, was es verspricht.<\/p>\n<p>Es ist in einem alten Palast untergebracht, der sich zu allen Seiten eines rechteckigen Gartens erstreckt. In den schmalen, gangartigen Geb\u00e4uden stehen in Vitrinen alle m\u00f6glichen Objekte herum, mit knappen Beschriftungen und ohne jede Beschreibung.<\/p>\n<p>Interessant ist ein Becher, <em>mesure d\u2019aumone<\/em>, dessen Sinn sich mir nicht sofort entschlie\u00dft. Offensichtlich handelt es sich um einen Messbecher f\u00fcr Almosen, aber auch einen Messbecher f\u00fcr Korn. Die Almosen sind also Naturalien. Der Prophet selbst scheint die Ma\u00dfe vorgegeben zu haben. Diese Becher sehen aus, als w\u00e4ren sie aus Messing, sind aber aus Holz!<\/p>\n<p>An den W\u00e4nden h\u00e4ngen lange Teppiche, Berberteppiche, oder jedenfalls nach der Art der Berber gefertigte.<\/p>\n<p>Reichlich vertreten ist Keramik, allesamt in Blau und Wei\u00df. Es gibt gro\u00dfe Schalen, die eher so aussehen, als seien sie rein dekorativ, aber auch Suppensch\u00fcsseln, bei denen man das nicht so genau wei\u00df, und ganz praktische Dinge wie Tintenf\u00e4sser und Seifenspender.<\/p>\n<p>Der Garten ist ganz regelm\u00e4\u00dfig angelegt. Zwei Wege, einer l\u00e4ngs, einer quer, teilen ihn in vier gleiche Teile. Da, wo die Wege sich kreuzen, ist eine vierfache achteckige Verzierung in den Boden eingelassen, und in deren Zentrum nat\u00fcrlich ein Brunnen. Das sind Muster, wie ich sie auch in Indien mehrmals gesehen habe, vor allem im Taj Mahal. Immer wieder werde ich in diesen Tagen ausgerechnet an Indien erinnert.<\/p>\n<p>Die Pflanzen scheinen nach genau dem gegens\u00e4tzlichen Prinzip angelegt zu sein: von allem etwas, in bunter Mischung, gro\u00df und klein, krumm und gerade. Da gibt es Pappeln, Palmen, Zedern, Platanen, Myrten und eine riesige, gebogene Eiche, die zur Seite zu kippen scheint.<\/p>\n<p>Ich gehe noch mal zum Blauen Tor und kaufe unterwegs\u00a0 Ansichtskarten und Briefmarken. Die Briefmarken sind klein und sehr sch\u00f6n, alle mit unterschiedlichen Motiven, obwohl von gleichem Wert. Das Verfahren beim Kaufen ist umst\u00e4ndlich und langwierig, mit hochmodernen elektronischen Anzeigen, die eigentlich zu nichts gut sind. Die Briefmarken sind teuer, fast ein Euro pro St\u00fcck. Dann kaufe ich noch Wasser und wunderbare, gl\u00e4nzende Mandelpl\u00e4tzchen.<\/p>\n<p>Am Blauen Tor beobachte ich noch ein bisschen die Szenerie und mache ein Photo von au\u00dferhalb der Stadtmauer, auf dem man zwei Minarette sieht. Von einer alten Frau werde ich w\u00fctend zur\u00fcckgepfiffen, als ich in eine Gasse abbiegen will. Vielleicht ist es der Eingang zu ihrem Haus, ist aber als solcher nicht zu erkennen. Taxis mit tuckerndem Dieselmotor kommen und gehen, und vor dem Tor warten M\u00e4nner mit Handkarren auf Auftr\u00e4ge. Sie widmen sich dem Transport von Waren in die Medina.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg ins Riad biege ich dann einmal falsch ab und gelange zu einem Stadttor mit einem Kleidermarkt. Hier bin ich eindeutig falsch. Dann erwische ich aber den richtigen Weg. Kurz vor dem Riad begegne ich dem M\u00e4dchen, das dort das Fr\u00fchst\u00fcck serviert. Sie l\u00e4chelt mir unter ihrem Kopftuch freundlich zu.<\/p>\n<p>Erst am Abend im Riad nehme ich zum ersten Mal den Ruf des Muezzins wahr.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">11. Februar (Dienstag)<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen sind die H\u00fchner wieder schneller als der Muezzin. Doch der folgt bald darauf.<\/p>\n<p>Beim Warten auf das Fr\u00fchst\u00fcck f\u00e4llt mir das sch\u00f6ne Fenster des Raums auf: Holzsprossen trennen es in acht gr\u00f6\u00dfere und zehn kleinere Fl\u00e4chen auf. Die gr\u00f6\u00dferen Fl\u00e4chen sind leicht abgedunkelt, die kleinen sind farbig gefasst, in leuchtendem Gelb, Rot, Gr\u00fcn und Blau.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Familie fand Meknes nicht so sch\u00f6n wie Fes. Die deutsche Familie am Nachbartisch hat noch eine Reise in die W\u00fcste vor, aber es ist Regen angesagt, und die Sache k\u00f6nnte ins Wasser fallen. Sacken die Kamele dann im W\u00fcstensand ein?<\/p>\n<p>Hier ist Fes ist es heute zum ersten Mal sonnig und auch etwas w\u00e4rmer. Diesmal gehe ich \u00fcber die Talaa Seghira, die \u201eKleine Stra\u00dfe\u201c, durch die Medina. Ich will ein paar Sachen sehen, die ich am Vortag nicht gesehen habe. Das Problem ist, dass ich nicht wei\u00df, was ich gesehen habe. Die schwierige Orientierung, die fremden Namen, die \u00c4hnlichkeit der Sehensw\u00fcrdigkeiten und die wenig systematische Stadtf\u00fchrung haben f\u00fcr Verwirrung gesorgt.<\/p>\n<p>Genauso wichtig wie die Besichtigungen sind aber die vielen kleinen Eindr\u00fccke, die man am Rande mitbekommt: Ich sehe einen Fischverk\u00e4ufer, der mit den Sardellen mit einer Schere die K\u00f6pfe abschneidet, einen Esel, der f\u00fcr die M\u00fcllabfuhr eingesetzt wird, einen Zwiebelverk\u00e4ufer, der die Zwiebeln auf seinem Handkarren mit Wasser bespritzt, einen Mann und eine Frau, beide alt, die ein schweres B\u00fcndel durch die Medina tragen, er auf dem R\u00fccken, sie auf dem Kopf, einen Packen gelber Seide am Wegesrand. An einer Koranschule, aus der die Stimmen von Kindern kommen, die Koranverse herunterleiern, steht eine arabische Inschrift zwischen den Zahlen 1949 \u2013 1368. Das ergibt nur Sinn, wenn man von rechts nach links liest.<\/p>\n<p>Was man besichtigen k\u00f6nnte, ist entweder nur Muslimen \u00a0zug\u00e4nglich oder wird renoviert. Man muss sich mit einem Blick von au\u00dfen begn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt auch die Universit\u00e4t. Vor der haben wir auch gestern gestanden, aber ich habe sie gar nicht als Universit\u00e4t wahrgenommen, denn sie wurde als Moschee pr\u00e4sentiert. Das war sie auch urspr\u00fcnglich und ist sie wohl auch immer noch, weshalb das Betreten nicht erlaubt ist. Ihr wei\u00dfes Minarett der Moschee ist eine der Orientierungspunkte in Fes, aber mitten in der Medina sieht man es meistens nicht.<\/p>\n<p>Die urspr\u00fcngliche Moschee war viel kleiner als die heutige und wurde, wenn man der Inschrift glauben darf, von einer Frau gegr\u00fcndet, Fatima al-Fihri, und zwar im 9. Jahrhundert!<\/p>\n<p>Die Moschee wurde dann immer weiter ausgebaut und entwickelte sich zu einem Zentrum der Wissenschaft, an der unter anderem Maimonides lehrte. Die Universit\u00e4t scheint den ersten europ\u00e4ischen Universit\u00e4ten noch voranzugehen. Irgendwo ist sogar von der ersten Universit\u00e4t der Welt die Rede! Das war die Zeit, als muslimische Reisende entsetzt von der Armut, der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit, dem Mangel an Hygiene und Komfort in Europa berichteten, der Dritten Welt des Hochmittelalters.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df die Universit\u00e4t \u2013 oder Moschee \u2013 heute ist, kann man an den vielen Toren ermessen, an denen man immer wieder vorbeikommt, wenn man durch die Medina geht, insgesamt vierzehn. Alle T\u00fcren sind verschlossen au\u00dfer dem Hauptportal. Hier kann man einen Blick in den Innenhof mit einem gro\u00dfen Brunnen im Zentrum werfen. Mehr sieht man nicht.<\/p>\n<p>Auch, wenn man die Universit\u00e4t nicht besichtigen kann, wird mir jetzt endlich ein Faktor aus der Geschichte von Fes klar: Die Frau, die die erste Moschee gr\u00fcndete, kam aus Kairouan, in Tunesien, und daher hat die Universit\u00e4t ihren Namen: Karouine! Die Fl\u00fcchtlinge aus Kairouan bildeten eine Stadt, die aus Andalusien eine andere. Sp\u00e4ter wurden die Stadtmauern eingerissen und die beiden St\u00e4dte vereinigt: Fes-el-Bali, das, was wir als Medina bezeichnen.<\/p>\n<p>Ich komme zur Place Seffarine, dem Kupferplatz. Die auf dem Boden sitzenden h\u00e4mmernden Arbeiter und die sich stapelnden Waren aus Kupfer und Messing ziehen die Blicke auf sich. Pfannen, T\u00f6pfe, Eimer, Teekessel, Weihrauchgef\u00e4\u00dfe, Zuckerdosen und Samoware kommen hier zur Herstellung. Es gibt eine Produktionslinie, an der jeder Arbeiter eine bestimmte Funktion \u00fcbernimmt, eine fr\u00fchindustrielle Arbeitsweise, die sich von den Handwerkern der anderen Viertel unterscheidet.<\/p>\n<p>Das Gegenst\u00fcck dazu bieten die Handwerker in Rue Mechatine, einer von der Place Seffarine abbiegenden Stra\u00dfe. Hier wird das Horn der Tiere vom Schlachthof verarbeitet, zu L\u00f6ffeln und Gabeln, aber auch zu Armreifen und Ringen. Es gibt allerdings nur noch einen einzigen Handwerker alten Stils hier. Er ist \u00fcber 80 Jahre alt und sitzt in seiner \u201eWerkstatt\u201c, die nichts anderes ist als eine Vertiefung in der Stadtmauer. Bei ihm kaufe ich einen Kamm in der Form einer Maus.<\/p>\n<p>Gleich an der Place Seffarine liegt der Eingang zur Bibliothek der Universit\u00e4t. Sie wurde von Sultan Abou Inane gegr\u00fcndet (XIV) und von Sultan Al Mansur erweitert (XVI). Hier wurden Werke von Averroes, von Ibn Khaldun und Ibn Al Khatib aufbewahrt. Der Bestand war so bedeutend, dass man die Bibliothek mit einem Kupferschloss absicherte, das vier Schl\u00f6sser hatte. Vier Bibliothekare hatten jeweils nur einen der Schl\u00fcssel. Das h\u00f6rt sich wie aus einem M\u00e4rchen an.<\/p>\n<p>Gleich neben der Bibliothek ist der Zugang zur Kisaria, ein eigens \u00fcberdachter Souk, der abends verschlossen wird, da hier besonders wertvolle Waren verkauft werden. Ich laufe durch die Kisaria und komme zu einem Geb\u00e4ude mit einem Turm, das aber kein Minarett ist. Es unterscheidet sich von einem Minarett dadurch, dass es keine Laterne hat. Die Funktion des Turms war es, die Mondphasen f\u00fcr den muslimischen Kalender zu beobachten und zu bestimmen. Im Ramadan wurde von diesem Turm aus auch die Zeit f\u00fcr die letzte Mahlzeit am Morgen vor dem Fasten angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Bis hierher habe ich die Orientierung bewahrt, aber jetzt komme ich irgendwie vom Wege ab. Immer wieder werde ich von Jungen verfolgt, die kaum abzusch\u00fctteln sind. Sie fangen sehr h\u00f6flich an, werden dann aber immer aggressiver. Irgendwie gelingt es ihnen, mich in ein ausgestorbenes Viertel zu treiben. Eine der g\u00e4ngigen Strategien lautet, die Gasse sei blockiert. Eine andere, man m\u00fcsse Eintritt bezahlen. Langsam wird mir doch etwas mulmig, aber dann sehe ich pl\u00f6tzlich in einiger Distanz wieder Lebenszeichen und bin kurz darauf in der Kebira.<\/p>\n<p>An dem Blauen Tor warte ich auf einen Fahrer, um die Tour de Fes zu machen. Ich setze mich in ein Caf\u00e9, auf die Terrasse, und bekomme einen Milchkaffee. Erst habe ich mich kaum getraut, danach zu fragen, weil alle anderen entweder Espresso oder Tee trinken. Der Kaffee ist hervorragend und kostet gerade mal 8 Dirham. Der Kellner freut sich \u00fcber das Lob. Die Caf\u00e9s sind in Marokko reine M\u00e4nnersache. Die meisten sitzen f\u00fcr sich allein und tun gar nichts. Bei uns w\u00fcrde man vermutlich Zeitung lesen, aber eine Zeitung bekomme ich hier erst am letzten Tag zu Gesicht.<\/p>\n<p>An einer H\u00e4userwand h\u00e4ngt ein gro\u00dfes Plakat, auf dem man in Fes willkommen gehei\u00dfen wird: \u201eL\u00e4chele, du bist in Fes.\u201c Das gibt es vielen verschiedenen Sprachen. Au\u00dfer den g\u00e4ngigen europ\u00e4ischen Sprachen einschl. Russisch und Griechisch sind auch Japanisch und Chinesisch vertreten. Und eine nicht identifizierbare Sprache, in der es \u201eSmile, you\u2019re katika Fes\u201c hei\u00dft.<\/p>\n<p>Fes war bis zum Beginn des franz\u00f6sischen Protektorats Hauptstadt Marokkos. Es verlor dann seinen Status als politische Hauptstadt an Rabat und seinen Status als wirtschaftliche Hauptstadt an Casablanca. Vorher war die Hauptstadt mehrmals zwischen Fes und Marrakesch gewechselt, mit Ausnahme einer Periode, als Meknes Hauptstadt war.<\/p>\n<p>Casablanca hie\u00df, als portugiesische Gr\u00fcndung, urspr\u00fcnglich Casa Branca. Die Stadt wurde durch das Erdbeben von 1755 zerst\u00f6rt und von den Saadiern mit dem arabischen Namen Dar-el-Beida wieder aufgebaut. Dann lie\u00dfen sich spanische H\u00e4ndler dort nieder und nannten die Stadt Casablanca.<\/p>\n<p>Der Fahrer ist auf die Minute p\u00fcnktlich. Es geht einmal ganz um Fes herum, auf einer sich windenden, st\u00e4ndig rauf und runter f\u00fchrenden Stra\u00dfe. Wir begegnen einmal einem Mann, der Bambusst\u00e4be auf einem Handkarren transportiert und seine liebe Not und M\u00fche hat, den abw\u00e4rts dr\u00e4ngenden Karren bei sich zu halten.<\/p>\n<p>Man sieht, wie gro\u00df die Stadt und wie gro\u00df die Medina ist, und man sieht auch die lange, hohe Stadtmauer, die sich um die ganze Medina zieht. Es gibt zwei Aussichtspunkte, von denen man das Gesamtbild bekommt, den Borj Nord und den Borj Sud, ehemalige Festungen auf den H\u00fcgeln um die Stadt herum. Von dort aus blickt man in den Talkessel, in dem Fes liegt. Die H\u00fcgel der Umgebung sind hoch und kahl auf der einen und fruchtbar auf der anderen Seite. Hier wachsen \u00d6lb\u00e4ume und Maisstauden. Der Blick vom Borj Sud ist ganz anders als der vom Borj Nord, vielleicht wegen des Stands der Sonne. Vom Borj Sud hat man jedenfalls einen sch\u00f6nen Blick zwischen erh\u00f6hten Teilen der Stadtmauer hindurch auf die gr\u00fcnen D\u00e4cher des Mausoleums.<\/p>\n<p>Der erste Halt ist aber am K\u00f6nigspalast. Auch der ist nat\u00fcrlich nicht zug\u00e4nglich, aber von der breiten Esplanade vor dem Palast kann man sich die prachtvolle Fassade ansehen. Sie hat sieben vergoldete Messingtore, in regelm\u00e4\u00dfiger Abfolge gro\u00df-klein-gro\u00df. \u00dcber den B\u00f6gen Mosaike, und dar\u00fcber Galerien mit niedrigen S\u00e4ulen und dar\u00fcber Vord\u00e4cher, wie das Dach selbst mit gr\u00fcnen, glasierten Kacheln abgedeckt.<\/p>\n<p>Der K\u00f6nigspalast liegt im Fes Djedid, der \u201aNeustadt\u2018 die aber fast so alt ist wie die Medina, Fes el Bali, und nichts mit der franz\u00f6sischen Neustadt zu tun hat. Hier liegt auch das J\u00fcdische Viertel.<\/p>\n<p>Wir kommen auf die Umgehungsstra\u00dfe und ich erfahre, dass die direkt nach Algerien f\u00fchrt. Dummerweise will ich wissen, wie weit das ist, aber das wei\u00df der Mann nicht. Er sch\u00e4tzt 500 km. Ich hatte gedacht, es w\u00e4re n\u00e4her, aber er scheint recht zu haben.<\/p>\n<p>Das Benzin kostet 90 Dirham. Dabei hat Marokko selbst kein Erd\u00f6l. Entweder gibt es hier nicht so hohe Steuern auf das Benzin oder die arabischen Bruderstaaten helfen mit g\u00fcnstigen Preisen aus.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Halt ist, allerdings nur auf meinen ausdr\u00fccklichen Wunsch, der Friedhof. Hier herrscht ein Treiben wie auf einem Markt, jedenfalls am Eingang. Die Gr\u00e4ber liegen dicht gedr\u00e4ngt auf dem Abhang des H\u00fcgels, m\u00f6glicherweise auf Mekka ausgerichtet. Alle Grabsteine sind wei\u00df und unterscheiden sich kaum voneinander. In den Grabstein eingelassen sind dann die Grabplatten mit der gr\u00fcnen Einfassung, deren Produktion ich in der Medina gesehen habe.<\/p>\n<p>Dann kommt ein Halt in einer Keramikwerkstatt. Mir schwant nichts Gutes. Ich hatte, wenn auch nur in holprigem Franz\u00f6sisch, von vornherein klar gemacht, dass ich nichts kaufen will. Aber man verh\u00e4lt sich dezent, und am Ende, in der obligatorischen Verkaufshalle, wird kein Druck ausge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Die Besichtigung ist interessant. Und der F\u00fchrer, dem ich hier \u00fcbergeben werde, sehr freundlich. Er hat sofort einen deutschen Reisef\u00fchrer in meiner Tasche entdeckt und bringt dann bei Gelegenheit das eine oder andere deutsche Wort aus der T\u00f6pfersparte an den Mann.<\/p>\n<p>Der Grundstoff ist grauer Ton, aus der N\u00e4he von Fes. Der wird hier in einem losen Haufen an einer Wand gelagert. Er wird mit Wasser vermengt und dann mit nackten F\u00fc\u00dfen zu einer Masse gestampft. Dann wird die Masse an der Luft getrocknet. Und kommt dann zu dem T\u00f6pfer.<\/p>\n<p>Dem kann man bei der Arbeit an der mit dem Fu\u00df betriebenen T\u00f6pferscheibe beobachten. Ob wirklich alle Produkte hier noch so hergestellt werden? Jedenfalls behauptet das mein F\u00fchrer. Es entsteht gerade eine Tajine, die Sch\u00fcssel, die dem zweiten marokkanischen Nationalgericht neben dem Couscous ihren Namen gegeben hat. Als die Sache Form angenommen hat, teilt er mit einem hauchd\u00fcnnen Faden den Deckel vom Topf. Fertig!<\/p>\n<p>Die fertigen Produkte werden getrocknet und dann ein erstes Mal gebrannt. Dabei ver\u00e4ndert sich die Farbe. Dann wird glasiert und wieder gebrannt, und wieder ver\u00e4ndert sich die Farbe. Das hei\u00dft, es kommt eine andere Sache aus dem Ofen als man reingetan hat.<\/p>\n<p>Als wir vor dem Brennofen stehen, zeigt der F\u00fchrer mir eine braune Masse. Das ist der Brennstoff. Ich soll raten, was das ist. Keine Ahnung. Olivenkerne! Ein g\u00fcnstiger Brennstoff. Sie sind eigentlich Abfall und eignen sich dem Vernehmen nach besonders gut zum Brennen von Keramik.<\/p>\n<p>Dann kommt eine linguistische Frage: Was hei\u00dft Mosaik auf Arabisch? Vielleicht Mosaik? Nein. So was wie <em>zellij<\/em>. Mein F\u00fchrer muss es ein paarmal wiederholen, bis der Groschen f\u00e4llt: <em>azulejos<\/em>! Daher haben die Spanier das Wort!<\/p>\n<p>Wie die Mosaiken entstehen, ist unglaublich. Erst einmal werden die gerade hergestellten, glasierten und gebrannten Platten kaputt gemacht! Sie werden mit einem einfachen Hammer in eine Vielzahl von Formen, ganz kleinen Einheiten, zerschlagen. Das grenzt an ein Wunder.<\/p>\n<p>Der junge Mann, der das so kunstvoll macht, tr\u00e4gt ein BVB-Trikot, und sofort kommt wieder die Rede auf Fu\u00dfball. Mein F\u00fchrer erweist sich wiederum als echter Kenner. Er wei\u00df genau, wen Bayern von Dortmund gekauft hat und wen sie noch kaufen werden. Er selbst ist Anh\u00e4nger von Barca. Davor gebe es hier viele, Real Madrid dagegen kaum.<\/p>\n<p>Was kaputt ist, wird jetzt wieder zusammengesetzt. Darum k\u00fcmmert sich ein anderer, ein alter Mann mit Dschellaba. Er muss die Steinchen aber auf dem Kopf anordnen, mit der farblosen Seite nach oben, sieht also nicht, welches Muster entsteht. Das muss er alles im Ged\u00e4chtnis behalten. Ein falscher Stein, und mit etwas Pech ist das ganze Muster hin\u00fcber!<\/p>\n<p>Ich bin beeindruckt, als ich die Werkstatt verlasse. Ich bitte meinen Fahrer, mich im J\u00fcdischen Viertel herauszulassen. Da seien wir doch schon gewesen, meint er. Ich kann ihn aber \u00fcberzeugen, dass ich trotzdem noch mal dahin will.<\/p>\n<p>Auch hier gibt es allerhand Krempel zu kaufen. Aber es scheint mehr Verk\u00e4ufer als K\u00e4ufer zu geben. Die Verk\u00e4ufer sitzen meist reglos herum. Am besten haben es die M\u00f6belverk\u00e4ufer. Die machen es sich auf einem Sofa bequem und halten Siesta.<\/p>\n<p>Das J\u00fcdische Viertel scheint ein Viertel ohne Juden zu sein. Jedenfalls kann ich nichts J\u00fcdisches erkennen, und die Synagoge und den Friedhof finde ich nicht. An einem Gesch\u00e4ft sehe ich sogar ein Schild mit \u00d6ffnungszeiten f\u00fcr das Jahr und ge\u00e4nderten \u00d6ffnungszeiten f\u00fcr den Ramadan. An einer Stra\u00dfe sieht man eine ganze H\u00e4userreihe mit sch\u00f6nen Holzbalkonen. Die sind anders als in der Medina, aber ob die auf j\u00fcdisches Erbe schlie\u00dfen lassen?<\/p>\n<p>Auf vielen Umwegen und mit der Hilfe eines Mannes, der mich durch lauter verd\u00e4chtig aussehende Viertel f\u00fchrt, komme ich dann wieder auf den Weg nach unten. Der endet in einem sehr gepflegt angelegten Park, ein riesiger Kontrast zu dem Durcheinander des J\u00fcdischen Viertels. Es gibt eine kleine, k\u00fcnstlich angelegte Insel mit Palmen, einen Weg mit hohen Bambusb\u00e4umen und die Nachbildung eines Sch\u00f6pfrads, wie die Araber es schon im Mittelalter hatten. An dem See eine Gruppe von M\u00e4dchen, die hysterisch kreischen, wenn sie einen Wassertropfen abgekommen. Ein ebenso universales wie unerkl\u00e4rliches Ph\u00e4nomen der Spezies Weib.<\/p>\n<p>Unterwegs halte ich an einem Karren mit Datteln an. Sofort kommen drei M\u00e4nner auf mich gest\u00fcrzt. Ich erkundige mich nach dem Preis \u2013 10 Dirham pro Kilo \u2013 und mache meine Bestellung. Prompt wird eine Plastikt\u00fcte bereitgestellt und mit vollen H\u00e4nden gef\u00fcllt. Bald wird mir das unheimlich. Ich habe den Mut, einzuschreiten und zu fragen, wohin das f\u00fchren soll. Die M\u00e4nner sagen, sie h\u00e4tten \u201ezwei Kilo\u201c verstanden. Tats\u00e4chlich habe ich \u201eein Viertel\u201c gesagt. Das bekomme ich dann auch am Ende. Auch das ist nat\u00fcrlich noch viel zu viel. Auf dem weiteren Weg lasse ich Kinder und alte, am Wegesrand sitzende M\u00e4nner und Frauen in die T\u00fcte greifen. Keiner sagt nein. Datteln haben im Islam eine besondere Bedeutung, da der Prophet sie, zusammen mit Milch, als letzte Mahlzeit vor dem Fasten a\u00df. Sie wachsen nur an weiblichen Dattelpalmen. Von denen gibt es zwanzig auf eine m\u00e4nnliche. Die Dattelpalmen werden bis zu 200 Jahre alt und haben ihre fruchtbarste Zeit zwischen 30 und 100 Jahren. Dann produzieren sie zwei Zentner Datteln pro Jahr!<\/p>\n<p>Ziemlich ersch\u00f6pft suche ich dann ein im Reisef\u00fchrer empfohlenes Restaurant, etwas abseits, in der N\u00e4he der Post gelegen, nicht so leicht zu finden, da Stra\u00dfenschilder entweder nicht existieren oder auf Arabisch sind. Fragen hilft auch nicht immer. Am Ende hilft mir der Mann von der Post. Der spricht flie\u00dfend Franz\u00f6sisch und kennt auch die Stra\u00dfennamen.<\/p>\n<p>Das Restaurant ist zu dieser Zeit allerdings geschlossen. Ich kann mich aber kurz umsehen. Man kommt sich vor wie in einem Sultanspalast. Weiche, niedrige Sessel und Sofas unter einem \u00fcberkuppelten Dach, das Ganze schwach beleuchtet. Hier wird sozusagen im Liegen gegessen. Man l\u00e4sst mich auch einen Blick ins Menu werfen. Stolze Preise.<\/p>\n<p>Der Hunger treibt mich dann in eins der g\u00e4ngigen Lokale im Zentrum, Chez Hakim. Eine treue Imitation des La Kasbah vom Vortag: Menu, Preise, Terrasse, alles gleich, sogar die Tomatensuppe scheint von demselben Koch zubereitet. Beim Hauptgericht verzichte ich allerdings auf das Couscous und nehme das zweite Nationalgericht Marokkos, die Tajine. Die gibt es in allen m\u00f6glichen Variationen. Ich nehme Rindfleisch mit Pflaumen, mit Mandeln, Safran und Zimt serviert. Ausgezeichnet! Serviert wird in eben dieser Tajine, von der das Gericht seinen Namen hat und die ich vorher bei der Tour in der Keramikwerkstatt gesehen habe. Der spitz zulaufende Deckel wird mit einer dramatischen Geste entfernt und zum Vorschein kommt das Gericht.<\/p>\n<p>Beim Aufstieg auf die Terrasse habe ich mir eine ordentliche Beule eingefangen. Die hohen und unregelm\u00e4\u00dfigen Stufen fordern alle Aufmerksamkeit und es bleibt keine f\u00fcr Gefahren, die von oben lauern. Solche Stufen gibt es auch im Holzmuseum, im Riad und in dem Lokal von gestern.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">12. M\u00e4rz (Mittwoch)<\/span><\/p>\n<p>Warum gibt es in Marokko eigentlich keine r\u00f6mischen Baudenkm\u00e4ler? Schlie\u00dflich geh\u00f6rte Marokko ja wie ganz Nordafrika zum R\u00f6mischen Reich. Die Antwort ist ganz einfach: Gibt es. Und zwar in einem Ort mit dem nicht sehr arabisch klingenden Namen Volubilis, etwa zwischen Fes und Rabat gelegen. Auch Tanger scheint auf eine r\u00f6mische Gr\u00fcndung zur\u00fcckzugehen.<\/p>\n<p>Marokko ist, grob gesagt, zweimal so gro\u00df wie Deutschland und hat halb so viele Einwohner. Die Einwohner konzentrieren sich in zwei Stadtregionen, um Casablanca und um Rabat herum.<\/p>\n<p>Marokko ist sogar dreimal so gro\u00df wie Deutschland, wenn man die West-Sahara dazurechnet. Die hat man sich mit einer legend\u00e4ren Aktion einverleibt, dem Friedensmarsch, genau zu dem Zeitpunkt, als die letzten spanischen Truppen die Kolonie verlie\u00dfen. 250,000 unbewaffnete Marokkaner gingen mit dem Koran in der Hand \u00fcber die Grenze und lie\u00dfen sich in der West-Sahara nieder. Bald folgte das Milit\u00e4r. Die Sahauris fl\u00fcchteten in gro\u00dfen Zahlen nach Algerien. Der Konflikt ist immer noch nicht gel\u00f6st. Marokko sieht die West-Sahara als einen festen Bestandteil des Landes an, obwohl es keine richtige Legitimation gibt, was auch die internationale Gemeinschaft so sieht. Die Polisario agiert von Algerien aus, hat aber den bewaffneten Kampf so gut wie eingestellt. Immer wieder wird ein Referendum angek\u00fcndigt, aber nicht durchgef\u00fchrt. Die Frage ist: Wer darf abstimmen? \u00a0Die Verteidigung der West-Sahara kostet viel Geld, und Mauretanien, das sich zuerst an der Besatzung beteiligt hat, hat sich inzwischen aus der West-Sahara zur\u00fcckgezogen. Daraufhin hat sich Marokko auch dieses Gebiet einverleibt.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck will Mekki mich \u00fcberreden, hier im Riad zu Mittag oder zu Abend zu essen. Fatima, das M\u00e4dchen, das das Fr\u00fchst\u00fcck serviert, sei eine ausgezeichnete K\u00f6chin. Ich wei\u00df nicht, wie ich aus der Nummer herauskommen soll. Eigentlich will ich noch unbedingt das typische Gericht von Fes probieren, die Pastilla. Aber es stellt sich heraus, dass es die auch hier gibt. Also sage ich zu. Ich frage nach dem Preis. Ganz marokkanischer H\u00e4ndler, vermeidet er es, einen Preis zu nennen und sagt \u201eI\u2019ll make you a good price.\u201c \u00a0Wein kann er aber nicht auffahren. Er hat aber keine Einw\u00e4nde, wenn ich mir selbst eine Flasche besorge.<\/p>\n<p>Dann zeigt er mir ein Buch mit arabischer Kaligraphie. Man ist erstaunt, was man mit Buchstaben alles machen kann. Gr\u00f6\u00dfe, Form, Schwung der Buchstaben unterscheiden sich so, dass man ganz andere Bilder bekommt. Au\u00dferdem werden die Buchstaben oft zu Bildern zusammengef\u00fcgt, z.B. zu Schiffen. Es gebe eine iranische, eine irakische und zwei osmanische Traditionen. Deshalb ist es so schwer, die unterschiedlichen Texte zu entschl\u00fcsseln. Aber die Texte selbst treten hier wohl eher in den Hintergrund.<\/p>\n<p>Als ich das Riad verlasse, sto\u00dfe ich mir den Kopf an der niedrigen Haust\u00fcr, genau da, wo ich mir gestern schon eine Beule geholt habe. Drau\u00dfen ist es m\u00e4\u00dfig warm, aber sehr windig. Im Laufe des Tages steigen die Temperaturen wieder.<\/p>\n<p>Mit dem Taxi geht es in die Neustadt, kein leichtes Unterfangen, denn der Taxifahrer spricht kein Wort Franz\u00f6sisch. Mit Hilfe einer Karte und ein paar Gesten wird das grobe Ziel aber klar. Was allerdings \u00a0das Centre Artisanal ist, das ich suche, wei\u00df er nicht. Unterwegs h\u00e4lt er unvermittelt an. Eine Frau steigt zu und\u00a0 bald wieder aus. Als wir dann ins Zentrum kommen, spricht er einen Passanten an. Der wei\u00df, wo das Centre Artisanal ist und steigt gleich mit ein. Am Ende zahle ich den sensationellen Preis von 10 Dirham.<\/p>\n<p>Das Centre Artisanal entpuppt sich als eine Entt\u00e4uschung. Angeblich kann man hier Handwerkern bei der Arbeit zusehen, aber davon ist weit und breit nichts zu sehen. Es gibt nur eine Ausstellungshalle mit fertigen Produkten.<\/p>\n<p>Das Centre Artisanal liegt an einem sechsspurigen Boulevard mit einem breiten, palmenbestandenen Mittelstreifen. Ich gehe da ein St\u00fcck entlang und komme dabei an einem palastartigen Geb\u00e4ude vorbei: dem Polizeipr\u00e4sidium. Eine f\u00fcrstliche Herberge f\u00fcr die Bullen.<\/p>\n<p>Mit Afrika hat das allen nat\u00fcrlich wenig zu tun. Das ist franz\u00f6sisch. Aber einen kolonialen Charme wie bei der Neustadt von Rabat kann man hier bei den gesichtslosen B\u00fcrobauten nicht erkennen. Sp\u00e4ter muss ich umdenken, als Mekki mir von der franz\u00f6sischen Stadt vorschw\u00e4rmt. Wie sch\u00f6n es doch da sei. Die Marokkaner haben nat\u00fcrlich andere Augen als wir Touristen. F\u00fcr sie bedeutet die Neustadt Komfort, Modernit\u00e4t, sozialer Aufstieg. In der Medina wohnt man entweder unfreiwillig oder weil man schon immer dort gewohnt hat.<\/p>\n<p>Ich mache mich auf die Suche nach Carrefour, dem verhei\u00dfungsvollen Ort, an dem es Wein geben soll. Ich werde in die umgekehrte Richtung und vom dem Boulevard weggeschickt und komme in eine etwas lebendigeres, sch\u00f6neres Zentrum mit kleineren Stra\u00dfen. Dahin zu gelangen ist allerdings nicht leicht. Das \u00dcberqueren der Stra\u00dfe ist ein Abenteuer. Am\u00a0 besten wirken der entschlossene Blick und der ebenso entschlossene Gang.<\/p>\n<p>Im Zentrum reiht sich ein Gesch\u00e4ft an das andere, lauter moderne Gesch\u00e4fte, die Bed\u00fcrfnisse decken, die die Leute in der Medina gar nicht erst haben: Kontaktlinsen, Uhren, Handys, Plastikspielzeug, Schuhputzer und Banken, Banken, Banken.<\/p>\n<p>Dann komme ich an einer Parapharmacie vorbei und frage mich, was das wohl ist.<\/p>\n<p>Zu Carrefour ist es eine ganz sch\u00f6ne Strecke. Am Ende taucht es an einer gro\u00dfen Kreuzung auf, zwischen Burger King und McDonalds. Man betritt eine Shopping Mall, wie sie \u00fcberall in der Welt stehen k\u00f6nnte und wird mit lauter arabischer Musik empfangen. Carrefour befindet sich im Untergeschoss. In dem riesigen Laden verlieren sich ganz wenige Kunden. Ich mache mich auf die Suche nach den Weinregalen, habe aber keinen Erfolg. Also fange ich wieder von vorne an, diesmal ganz systematisch. Dann entdecke ich irgendwo ein paar Bierdosen. Alkoholfreies Bier. Und kein Wein zu sehen. Also frage ich einen Mann am Eingang. Der bittet mich, zu warten, kl\u00e4rt etwas mit einer Kollegin an der Kasse und bittet mich dann hinaus. Er begleitet mich ans Ende der Shopping Mall und deutet dann auf einen Eingang. Nochmals Carrefour, eine Sonderabteilung: <em>Cave<\/em> <em>alcool<\/em>, die \u201aAlkoholh\u00f6hle\u2018.<\/p>\n<p>Da gibt es reichlich Auswahl. Die ausl\u00e4ndischen Weine sind sehr teuer, die marokkanischen nicht. Ich kaufe eine Flasche Rotwein aus Meknes.<\/p>\n<p>Dann geht es mit dem Taxi zur\u00fcck. Der Taxifahrer muss erst noch die anderen Passagiere wegbringen, l\u00e4sst mich dann eine Zeitlang im Wagen sitzen und macht dann mit mir eine weite Runde, als ob er die Tour de Fes mit mir wiederholen wollte. Als ich schon den Glauben verloren habe, jemals wieder ans Ziel zu kommen, stehen wir pl\u00f6tzlich vor dem Blauen Tor.<\/p>\n<p>Dort trinke ich in dem Caf\u00e9 von gestern einen Kaffee. Ein anderer Kellner und gestiegene Preise. Aus 8 Dirhams sind 10 geworden. Eine Inflationsrate von 25%!<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck ins Riad sehe ich zum ersten Mal ein Schild, das an einem Durchgang in einer der Gassen h\u00e4ngt: <em>Not street<\/em>.<\/p>\n<p>Mekki hat mir ein Caf\u00e9 empfohlen, das <em>Caf\u00e9 Clock<\/em>, ganz in der N\u00e4he der Medersa Bou Inania, nicht weit vom Riad entfernt. Man geht von der Talaa Kebira ab in ein ganz enges \u00fcberdachtes G\u00e4sschen, mit Holzger\u00fcsten an den Lehmw\u00e4nden, und als man schon glaubt, hier kann es nicht sein, steht man vor dem Eingang.<\/p>\n<p>Das Caf\u00e9 bezeichnet sich als \u201eCrosscultural Caf\u00e9\u201c und erweist sich als echter Geheimtipp. Es werden Exkursionen, Einf\u00fchrungen in Kalligraphie, besondere Mahlzeiten und all so was angeboten. Es gibt auch einen zweist\u00fcndigen Einf\u00fchrungsunterricht in marokkanische Etikette und Sitten, verbunden mit dem Erlernen von wichtigen W\u00f6rtern und Ausdr\u00fccken, und ich versuche, mich gleich f\u00fcr morgen anzumelden, aber der Mann ist leider ausgebucht.<\/p>\n<p>Das Caf\u00e9 befindet sich\u00a0 in einem sch\u00f6nen, quadratischen, sehr hohen Innenhof mit quasi frei schwebender Terrasse ganz oben, kurz vor dem Oberlicht. Eine Skulptur aus Orgelpfeifen h\u00e4ngt fast in ganzer H\u00f6he von oben herunter.<\/p>\n<p>Die B\u00f6den und B\u00f6gen haben Fliesenmosaik, an den nackten W\u00e4nden h\u00e4ngen marokkanische Handtaschen, alte Photoapparate und Uhren aller Art: <em>The Clock Caf\u00e9<\/em>. Der Name nimmt vermutlich Bezug auf eine alte Uhr in der Talaa Kebira, die leider nicht mehr funktioniert. Urspr\u00fcnglich wurde sie wohl mit Wasser betrieben, aber wie das funktionierte, erschlie\u00dft sich heute nicht mehr. Es sind nur noch ein paar h\u00f6lzerne Stangen \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Ich bestelle einen Kaffee und einen Teller mit marokkanischen Pl\u00e4tzchen, eine bunte Mischung. Alle sehr gut, besonders eins mit einer Erdnusspaste zwischen Schokolade und eins mit Mandeln in einer Feige.<\/p>\n<p>Danach geht es ganz langsam, aber zielstrebig zur Medersa el Attarine. Sie ist gerade restauriert worden. Warum sie dieser Tage bei der Stadtf\u00fchrung ausgelassen wurde, verstehe ich nicht, aber inzwischen wei\u00df ich das wenigstens.<\/p>\n<p>Diese Medersa hat ihren Namen von dem nahegelegenen Gew\u00fcrzmarkt. Sie wurde von einem der Mereniden-Herrscher eigens f\u00fcr Sch\u00fcler von au\u00dferhalb der Stadt angelegt.<\/p>\n<p>Man wird durch ein kleines Holztor in den Innenhof gelassen. Und mit einem optischen Paukenschlag begr\u00fc\u00dft. Der Eindruck ist \u00fcberw\u00e4ltigend und wird noch dadurch gesteigert, dass ich ganz alleine bin. Danach kommt ein junges amerikanisches Paar und dann eine kleine gef\u00fchrte Gruppe, und alle reagieren mit einem Ruf des Erstaunens. B\u00f6gen, Gesimse, Konsolen, Friese, Inschriften, Arabesken \u2013 man wei\u00df nicht, wo man zuerst hinsehen soll. Vielleicht ist das sogar das Strukturprinzip. Bei christlichen Bauwerken gibt es eher einen \u201eHingucker\u201c, hier ist alles offen.<\/p>\n<p>Auch hier kann man wieder die drei Materialien unterscheiden, die diese Architektur ausmachen: Fliesen, Stuck, Holz. Inschriften aus dem Koran gibt es in allen drei Materialien. Von oben scheint die Sonne herein und wirft Licht und Schatten auf einzelne Teile.<\/p>\n<p>Ein Torbogen mit Stalaktitenmuster f\u00fchrt in den Gebetsraum mit einem pyramidenf\u00f6rmigen, holzgeschnitzten, hohen Dach und einer sch\u00f6n dekorierten Gebetsnische aus Stuck.<\/p>\n<p>Die Medersa wurde noch bis ins 20. Jahrhundert als Schule benutzt. Wie das genau funktionierte, kann man sich schlecht vorstellen. Man sieht nur den Innenhof und den Gebetsraum und keinerlei Ausstattung. Die Zimmer der Sch\u00fcler befanden sich wohl im nicht zug\u00e4nglichen ersten Stock.<\/p>\n<p>Dann mache ich mich auf die endlose Suche nach der Zaouia Moulay Idriss II., dem Mausoleum des Stadtgr\u00fcnders. Die Suche ist am Ende erfolgreich, aber nutzlos: Auch hier wird renoviert, und selbst der Schlitz in der Wand, durch den gl\u00e4ubige Muslime ihre Hand strecken, um in Kontakt mit dem Heiligen zu kommen, ist nicht zu sehen.<\/p>\n<p>Trotzdem lohnt es sich, denn man erf\u00e4hrt bei der Gelegenheit etwas von der Stadtgeschichte von Fes. Moulay Idriss II. gilt als der Stadtgr\u00fcnder und wird gleichzeitig wie ein Heiliger verehrt. Daher wurde sein Mausoleum, das erst nach Jahrhunderten wiederentdeckt wurde, zum Wallfahrtsort. Sein Vater ist der Namensgeber von Moulay Idriss, der heiligsten Stadt Marokkos, in der N\u00e4he von Meknes gelegen. Dort herrscht das ganze Jahr \u00fcber gro\u00dfer Andrang, denn Muslime, die siebenmal nach Moulay Idriss pilgern, m\u00fcssen nicht mehr nach Mekka pilgern. Das kommt vielen marokkanischen Muslimen entgegen, denn viele k\u00f6nnen sich eine Pilgerfahrt nach Mekka nicht leisten. Diese Reservepilgerfahrt wird allerdings von der muslimischen Orthodoxie nicht anerkannt.<\/p>\n<p>Moulay Idriss war ein direkter Nachkomme des Propheten. Er war, ein gutes Jahrhundert nach dessen Tod, nach dynastischen K\u00e4mpfen aus Arabien in den Westen gefl\u00fcchtet und lie\u00df sich in Volubilis nieder, das er zu seiner Residenz machte. Die islamisierten Berber riefen ihn zu ihrem F\u00fchrer auf. Er wurde von Anh\u00e4ngern der Gegenpartie vergiftet. Sein Sohn baute dann Fes zur Festung aus.<\/p>\n<p>Bei der langen Suche nach dem Mausoleum komme ich durch Teile der Medina, in denen ich noch nie gelandet bin, gleichzeitig aber immer wieder an bekannten Stellen vorbei. Unter anderem komme ich am Henna-Markt vorbei. Henna wurde bei freudigen Ereignissen aufgetragen, und zwar auf H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe! Es gibt auch eine Reihe anderer Kosmetika wie Rosenwasser und Walnussrinde. Die benutzte man als Zahnpasta. Mohnpulver wurde zum Schmuck auf Lippen und Backen aufgetragen.<\/p>\n<p>Der kr\u00f6nende Abschluss des Tages ist dann das Abendessen im Riad. Es gibt einen Salat aus M\u00f6hren, Kartoffeln, rote Beete und Eiern, alles in winzig kleine Quadrate geschnitten. Dann kommt die sehr gute Pastilla, ein Bl\u00e4tterteich mit einer F\u00fcllung aus Fleisch und Eiern, best\u00e4ubt mit einer Mischung aus Puderzucker und Zimt! Die bilden ein kunstvolles Muster aus Kreuzen auf dem runden Teig. Der marokkanische Wein, Ksar, schmeckt ausgezeichnet. Das Wort <em>ksar<\/em> bezeichnet ein befestigtes Dorf, vor allem das traditionelle Berberdorf mit H\u00e4usern aus Lehm.<\/p>\n<p>Von den Berbern habe ich in diesen Tagen bis auf ein paar bunte Berbergew\u00e4nde kaum etwas mitbekommen. Man trifft wohl eher in den Gebirgen, vom Rif bis zum Altas, auf sie. Sie sind ein Sonderfall in der Sprachgeschichte insofern, als sie sich trotz Islamisierung und jahrhundertelanger arabischer Herrschaft ihre Sprache erhalten haben. Bei einer solchen Konstellation, wenn die Eroberer die \u00fcberlegene Kultur sind, eine Schrift haben und Institutionen schaffen und au\u00dferdem ihre Religion durchsetzen, geht die Sprache der Einheimischen in der Regel verloren, obwohl es Ausnahmen gibt. Im Falle der Berber liegt es vielleicht daran, dass sie haupts\u00e4chlich in den D\u00f6rfern lebten oder daran, dass die arabischen Eroberer in der Minderheit waren.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">13. M\u00e4rz (Donnerstag)<\/span><\/p>\n<p>Am Morgen f\u00fchrt mir Mekki einen Wunderstab vor. Er zeigt mir eine sehr sch\u00f6ne Ausgabe des Korans mit farbigen Kreisen am Rande. In diese Kreise sind die Namen verschiedener Sprachen eingeschrieben: Englisch, Franz\u00f6sisch, Arabisch, Urdu usw. Er h\u00e4lt den Stab auf einen der Kreise und dann auf eine Koransure, und der Stift liest die Passage auf Englisch!<\/p>\n<p>Der Gang durch die Medina wird nie langweilig: Ein Metzger hantiert mit einer S\u00e4ge an einem Knochen herum, der Rosenwasserverk\u00e4ufer hat es sich zwischen den Flaschen bequem gemacht und d\u00f6st vor sich hin, Katzen balgen sich um Tierged\u00e4rm, ein deutscher Tourist f\u00fchrt zwei gro\u00dfe Hunde durch die Medina spazieren.<\/p>\n<p>An einem Buchladen sehe ich ein Schild mit dem unvermeidlichen Rechtschreibfehler: <em>Welcome. <\/em><em>Inside we have more english books<\/em>. Oben dr\u00fcber steht\u2019s richtig.<\/p>\n<p>Ich mache noch einen Versuch mit der Synagoge im J\u00fcdischen Viertel, und diesmal klappt es. Man betritt die Synagoge durch einen unscheinbaren Kellereingang. Sie liegt fensterlos im Untergeschoss. Man kann die Synagoge ohne Kopfbedeckung betreten. Warum, wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p>Es ist ein einfacher, zweischiffiger Raum. Von der Balkendecke h\u00e4ngen ganze Reihen von Lampen herab, einige aus Glas, andere aus Messing. Die Thora wird an der Seite aufbewahrt, hinter einem sch\u00f6nen, tiefroten Vorhang aus Samt mit goldenen Lettern und einer Krone, dem siebenarmigen Leuchter und dem Davidsstern.<\/p>\n<p>Eine Treppe f\u00fchrt in die Mikwe hinunter. Ein Aufpasser weist mir den Weg. Um sicherzustellen, dass ich verstanden habe, sagt er: <em>Haman<\/em>! Unten gibt es aber nichts zu sehen, au\u00dfer\u00a0 abgestandenem Wasser.<\/p>\n<p>Ich entrichte meinen Obolus und frage mich noch zum J\u00fcdischen Friedhof durch. Dort begr\u00fc\u00dft mich ein alter Mann auf Deutsch und schiebt dann ein paar v\u00f6llig unverst\u00e4ndliche Erkl\u00e4rungen auf Englisch hinterher. Die einzige W\u00f6rter, das ich verstehe, sind <em>Cholera<\/em> und <em>Rabbi<\/em>. Als ich ihm zehn Dirham in die Hand dr\u00fccke, sagt er: \u201eMehr!\u201c<\/p>\n<p>Er bleibt am Eingang stehen und ich gehe zu den Gr\u00e4bern hinunter. Ich bin hier ganz f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick sieht der Friedhof wie der muslimische aus, alle Grabsteine sind wei\u00df und abfallend auf einem H\u00fcgel angeordnet. Es gibt aber gr\u00f6\u00dfere Unterschiede zwischen Arm und Reich. Die Gr\u00e4ber der Armen scheinen anonym zu sein und haben alle die gleiche Form, eine l\u00e4ngliche Wulst, wie eine zusammengerollte Decke. Vielleicht sind die Inschriften nur verblasst, vielleicht handelt es sich hier aber auch um die Opfer der Cholera-Epidemie.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Gr\u00e4bern, die die Form von Sarkophagen haben. Die Inschriften verraten die Namen der Toten: Benjamin, Aaron, Yehuda, Jonathan, Salomon, Saul. Der g\u00e4ngigste Nachname ist Cohen. Alles sehr j\u00fcdisch. Es gibt aber auch kuriose Verbindungen wie Simon Sultan.<\/p>\n<p>Die Inschriften sind auf Hebr\u00e4isch, aber manchmal auch zweisprachig, mit Spanisch oder Franz\u00f6sisch als zweiter Sprache. Die j\u00fcngste Inschrift ist von 2011, die \u00e4lteste, die ich finden kann, ist von 1733. Sie ist auf einem pomp\u00f6sen, aber ziemlich heruntergekommenen Grabstein zu sehen, der einen L\u00f6wen abbildet. Das ist vermutlich das Grabmal des Rabbi, den der Mann am Eingang erw\u00e4hnt hat. \u00dcber einer eigenen Grabeshalle mit gro\u00dfen Grabm\u00e4lern stehen die Zahlen 5754 und 5732, vermutlich Jahreszahlen des j\u00fcdischen Kalenders.<\/p>\n<p>Dann geht es zur\u00fcck zum Riad. Es hei\u00dft Abschied nehmen von Fes. Das Ende einer Reise in die Vergangenheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. M\u00e4rz (Sonntag) Auf der Terrasse am Flughafen in Deutschland sitzen Leute drau\u00dfen in der Sonne und trinken Kaffee. 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