{"id":8687,"date":"2016-10-26T13:25:19","date_gmt":"2016-10-26T11:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=8687"},"modified":"2016-10-30T13:10:47","modified_gmt":"2016-10-30T12:10:47","slug":"timisoara-2016","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/pregonero.de\/?page_id=8687","title":{"rendered":"Timi\u015foara (2016)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">7. Oktober (Freitag)<\/span><\/p>\n<p>Auf dem Flugzeug der irischen Fluglinie steht ein Werbespruch, der einem englischen Satzmuster entspricht, in Gro\u00dfbuchstaben: modlin jest ok. Ich versuche, einen Zusammenhang mit <em>maudlin<\/em> und mit <em>jest<\/em> herzustellen, kann aber den Satz beim besten Willen nicht entziffern. Dann stellt sich heraus, dass es nicht Englisch, sondern Polnisch ist, Teil einer Werbeaktion f\u00fcr ein neues Flugziel in Polen.<\/p>\n<p>Die meisten Flugg\u00e4ste sind Rum\u00e4nen. Man bekommt eine erste Kostprobe des Rum\u00e4nischen, auch in den Ansagen der Flugbegleiter. Man versteht so gut wie gar nichts, und der Klang erinnert eher an eine slawische Sprache. Tats\u00e4chlich wurde der immer wieder bezweifelte romanische Ursprung des Rum\u00e4nischen erst im 19. Jahrhundert nachgewiesen. Auch erst im 19. Jahrhundert fand der Wechsel vom kyrillischen Alphabet zum lateinischen statt.<\/p>\n<p>In Timi\u015foara ist es tr\u00fcb, aber es regnet wenigstens nicht. Der Flughafen sieht sehr verlassen aus. Es stehen nur am Rande ein paar Flugzeuge herum, aber au\u00dfer uns gibt es keinen Flugverkehr.<\/p>\n<p>Die Fahrkarten f\u00fcr den Bus in die Stadt kann man mit Euro bezahlen. Sie kosten 50 Cent! F\u00fcr 10 Kilometer! Der Bus ist etwas \u00e4lter, tut aber seine Dienste und bringt uns problemlos ans Ziel. Unterwegs herrscht Tristesse: Plattenbauten, Bauruinen, graubraune Stoppelfelder, eine gesichtslose Ebene, kaum Verkehr oder Menschen. Dazu passen die grauen Wolken.<\/p>\n<p>Als es auf die Stadt zugeht, wird es etwas lebendiger. Wir sehen, wie ein M\u00e4dchen mit zu beiden Seiten erhobenen Armen an einem Automaten steht und die hoch liegenden Kn\u00f6pfe bet\u00e4tigt. Hier kann man Wasserflaschen aufladen. Eine gro\u00dfe Flasche kostet ungef\u00e4hr 10 Cent.<\/p>\n<p>Der Bus l\u00e4sst uns am \u00e4u\u00dfersten Ende der Altstadt hinaus, an der Burgbastei. Mit dem Betreten der Innenstadt \u00e4ndert sich schlagartig die Szenerie: Man ist pl\u00f6tzlich mitten in Habsburg. Alles ist bestens restauriert. Auf den ersten Blick jedenfalls.<\/p>\n<p>Der Weg zum Hotel f\u00fchrt uns zuf\u00e4llig \u00fcber die drei wichtigsten Pl\u00e4tze der Innenstadt, benannt nach Freiheit, Einheit, Sieg, einer sch\u00f6ner als der andere und alle ziemlich gro\u00df, mit sehr unterschiedlicher Bebauung.<\/p>\n<p>Zuerst kommt die <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Unirii<\/em> mit dem Dom, dann kommt die <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Libert<\/em><em>\u0103<\/em><em>\u021b<\/em><em>i<\/em>, ein alter Paradeplatz, dann kommt die langgestreckt <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Victorie<\/em> mit der Oper. Wir wissen inzwischen, welche Lautwert &lt;\u0163&gt; hat und dass <em>pia\u0163a<\/em> wie <em>piazza<\/em> ausgesprochen wird. Das Rum\u00e4nische hat eine Vielzahl diakritischer Zeichen, aber es ist nicht so leicht, herauszubekommen, wof\u00fcr sie stehen.<\/p>\n<p>Unterwegs machen wir an der Touristeninformation Halt. Eine Frau, die sehr gut Deutsch spricht, gibt uns einen Stadtplan und weist auf einen besonderen Markt hin, der am Sonntag stattfindet. Sie zeigt uns auch, wo wir Geld umtauschen k\u00f6nnen. Das machen wir sofort. Es ist alles v\u00f6llig unproblematisch. Grob gesprochen ist das Verh\u00e4ltnis zum Euro 4:1, und das macht das Ausrechnen einfach. Irgendwann sind in Rum\u00e4nien ein paar Nullen gestrichen worden, und auf manchen Preisschildern tauchen noch die alten Zahlen auf. Aber Verwechslungen kann es nicht geben. Die rum\u00e4nische W\u00e4hrung ist nach dem L\u00f6wen benannt, Leu im Singular und Lei im Plural.<\/p>\n<p>Das Hotel liegt gerade au\u00dferhalb der Altstadt, hinter einer Br\u00fccke \u00fcber die Bega. Es ist modern und funktional, ohne landestypische Bez\u00fcge. Es k\u00f6nnte auch in anderen L\u00e4ndern stehen.<\/p>\n<p>Es wird schon Abend, und als wir uns auf den Weg in die Altstadt machen, erlaubt uns die gro\u00dfe Fensterfront des Hotels einen Blick auf ein Naturspektakel: Der Abendhimmel im Zwielicht, hinten ein Streifen Abendrot, und vorne ein gewaltiger Schwarm schwarzer V\u00f6gel. Sie fliegen scheinbar wild in alle Richtungen, und man wei\u00df nicht so recht, welches Ziel sie haben. Wir vermuten, dass sie aus k\u00e4lteren Regionen kommen und nicht in w\u00e4rmere aufbrechen, k\u00f6nnen uns aber bis zum Ende der Reise nicht einigen, welche V\u00f6gel es sind: Kr\u00e4hen oder Stare.<\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude der <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Victorie<\/em> sind inzwischen erleuchtet, vor allem die Oper am anderen Ende des Platzes. Man hat vor die barocke Fassade einen m\u00e4chtigen, wei\u00dfen Triumphbogen gesetzt, architektonisch zweifelhaft, aber am Abend entfaltet er seine Wirkung.<\/p>\n<p>Nach kurzer Suche landen wir im <em>Timi<\/em><em>\u0219<\/em><em>oreana<\/em>, benannt nach der lokalen Biersorte, einem rustikalen Kellerlokal mit deftiger, einheimischer K\u00fcche. Es ist voll und laut an den Holztischen, und an den W\u00e4nden steht ein Sammelsurium von Dinge, darunter Musikinstrumenten, deren Bezug zu dem Lokal f\u00fcr den Fremden nicht zu erkennen ist.<\/p>\n<p>Es gibt eine Art Schlachtplatte, alles Schweinefleisch in allen Variationen. Dazu gibt es <em>m\u0103m\u0103lig\u0103<\/em>, und das geh\u00f6rt in Rum\u00e4nien dazu wie bei uns die Kartoffel, ein Maisbrei, der in der Form eines Kn\u00f6dels serviert wird. Die <em>m\u0103m\u0103lig\u0103<\/em>, heute Beilage, war vorher oft Hauptnahrung f\u00fcr die arme Bev\u00f6lkerung, wenn es an Brot mangelte. Das Bier aus eigenem Haus ist leicht und eher nichtssagend im Geschmack, aber es l\u00e4sst sich trinken. Als die Rechnung kommt, m\u00fcssen wir zweimal rechnen, so billig ist das Ganze.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">8. Oktober (Samstag)<\/span><\/p>\n<p>Wolkenloser Himmel und Sonne! Wir haben es doch richtig gemacht mit der Auswahl des Reiseziels.<\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck ist nichtssagend und im Vergleich zu dem Abendessen teuer. Die Bedienung sieht und verst\u00e4ndnislos an, als wir gleich den zweiten Kaffee bestellen, als wir den ersten bekommen. Sie muss mehrmals nachfragen, um sicher zu sein, was wir meinen.<\/p>\n<p>Am anderen Ende der <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Victorie <\/em>treffen wir unseren Stadtf\u00fchrer, einen jungen Rum\u00e4nen, der in Deutschland aufgewachsen ist. Dass er sich redlich bem\u00fcht, ist das einzige, was man ihm zugutehalten kann. Er wei\u00df wenig und redet viel von seinem Start-up-Unternehmen und davon, wie er vorgehen will, aber man bekommt kein Bild von der Stadt und ihrer Geschichte, obwohl wir einen l\u00e4ngeren historischen Vortrag \u00fcber uns ergehen lassen m\u00fcssen. Zu allem \u00dcbel hat er daf\u00fcr den schattigen Platz vor einem historischen Geb\u00e4ude ausgew\u00e4hlt, statt uns die Sonne genie\u00dfen zu lassen. Am Ende der gut zwei Stunden haben wir es nicht leicht, ihn mit ein paar verbindlichen Worten loszuwerden.<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude, vor dem wir frierend den geschichtlichen \u00dcberblick bekommen, ist das Hunyadi-Schloss, vermutlich das \u00e4lteste Geb\u00e4ude Timi\u015foaras. Das sieht man ihm aber nicht an, denn es wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. Der erste Bau stammt von jemandem, den man hier in Rum\u00e4nien nicht vermuten w\u00fcrde: Robert von Anjou. Der war ungarischer K\u00f6nig! Die ganze Region, das Banat, geh\u00f6rte \u00fcber tausend Jahre zu Ungarn. Seinen Namen hat das Geb\u00e4ude von einem Feldherrn, der sich im Kampf gegen die Osmanen auszeichnete. Die herrschten hier aber sp\u00e4ter doch 300 Jahre lang. Aber von ihrem Erbe ist so gut wie nichts erhalten. Jedenfalls bekommen wir nichts davon zu sehen. In dem Hunyadi-Schloss befindet sich das Banater Museum, aber das ist wegen Renovierung des Geb\u00e4udes geschlossen.<\/p>\n<p>Ein interessantes Detail erfahren wir dann doch noch: Der Name der Autofirma <em>Dacia<\/em> ist von <em>Dakien<\/em> abgeleitet, dem Namen der r\u00f6mischen Provinz, benannt nach den Dakern. Dakien wurde von Moesien, der anderen r\u00f6mischen Provinz, aus erobert, der Heimat der Thraker,\u00a0 die zum gro\u00dfen Teil s\u00fcdlich der Donau lag. Die Eroberung Dakiens geschah unter Hadrian, und nach dem sind hier Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze (aber nicht, wie ich dachte, auch der Flughafen) benannt. Man huldigt dem Eroberer.<\/p>\n<p>Unser Mann f\u00fchrt uns an verschiedene Stellen, die moderat interessant sind, eine (nicht mehr als solche fungierende) Synagoge, einem Innenhof mit einer alternativen Kneipenszene, einer expressionistischen Statue des Vork\u00e4mpfers der Revolution von 1990, einem Pfarrer der ungarisch-reformierten Gemeinde, einem Festungsdamm und am Ende zur Theresienbastei, dahin, wo der Bus vom Flughafen und gebracht hatte. Und er erkl\u00e4rt, dass die jetzt hier fahrenden Stra\u00dfenbahnen abgelegte Exemplare aus mehreren deutschen St\u00e4dten sind, unter anderem Karlsruhe, einer der Partnerst\u00e4dte Timi\u015foaras. Aber das ist alles sehr d\u00fcrftig und ungeordnet, und von der Oper, von der Bega, von der <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Victorie<\/em> (dem Ausgangspunkt der rum\u00e4nischen Revolution)<em> <\/em>ist \u00fcberhaupt nicht die Rede, genauso wenig wie von der Stra\u00dfenbeleuchtung, die Timi\u015foara als erste Stadt Europas \u00fcber das gesamte Stadtgebiet hatte. Bei den Kirchen begn\u00fcgt er sich mit einem kurzen Hinweis auf die Katherinenkirche als der sch\u00f6nsten Kirche Timi\u015foaras und auf die serbisch-orthodoxe Kirche, die der <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Unirii<\/em> merkw\u00fcrdig den R\u00fccken zuwendet, ihr sozusagen die kalte Schulter zeigt. Aber was f\u00fcr eine Bewandtnis das hat und wie sich die Kirchen der verschiedenen Konfessionen zueinander verhalten, bleibt unerw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Ein Halt ist vor einem modernen Geb\u00e4ude aus schmalen Glasscheiben und schmalen Eisenstreifen. Davor hat man einen Teil des alten Festungsdamms nachgebaut, zur Illustration. Timi\u015foara hatte vier Staud\u00e4mme. Die regelten die Wassermenge in den Verteidigungsgr\u00e4ben zwischen den Stadtmauern. Im Belagerungsfall wurden die Gr\u00e4ben mit Wasser aus der Bega \u00fcberflutet. Das kann man hier gut nachvollziehen. Allerdings bleiben die Erkl\u00e4rungen St\u00fcckwerk. Sp\u00e4ter wurden die D\u00e4mme auch zur Beseitigung von Abw\u00e4ssern genutzt.<\/p>\n<p>In dem modernen Geb\u00e4ude sitzen verschiedene internationale Firmen, die hier ihren telefonischen Kundenservice betreiben. Aus wirtschaftlichen Erw\u00e4gungen. Am Telefon meldet sich eine Petra Faber, von der man glaubt, dass sie in K\u00f6ln oder Berlin sitzt. In Wirklichkeit spricht man aber mit einer Rum\u00e4nin anderen Namens in Timi\u015foara.<\/p>\n<p>Interessant ist der Theresien-Taler, von dem er ein Exemplar hat, im Zusammenhang mit einer Karte, die die Ausdehnung des habsburgischen Reichs zeigt, nach der Eroberung des Banats von den Osmanen. Es ist keine \u00dcbertreibung, von einem Vorl\u00e4ufer des Euro zu sprechen. Er galt in Br\u00fcssel, Prag, Utrecht, Wien Mailand und war au\u00dferdem als Handelsm\u00fcnze weit \u00fcber Europa hinaus in Gebrauch.<\/p>\n<p>Nach der F\u00fchrung fahren wir mit dem Taxi in das Fabrikviertel. Das ist nicht nur eins, sondern hei\u00dft auch so. Es wurde von den Habsburgern angelegt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die alten Fabriken zu nah an den W\u00e4llen des neu angelegten Verteidigungsrings lagen.<\/p>\n<p>Wir machen einen vergeblichen Anlauf in einem Musikgesch\u00e4ft und dann einen vergeblichen Anlauf bei der Brauerei. Alles verriegelt und verschlossen. Die Brauerei ist erstaunlicherweise das \u00e4lteste Geb\u00e4ude aus der Habsburgerzeit. Die Habsburger haben sich wohl gedacht, wenn die Leute schon mal was zu trinken haben, werden sie nicht so unzufrieden sein.<\/p>\n<p>Es lohnt sich wirklich, hierhergekommen zu sein. Das Fabrikviertel hat etwas Authentisches. Die Geb\u00e4ude sind vernachl\u00e4ssigt, aber nicht heruntergekommen, sie haben keine sch\u00f6nen Fassaden, aber die k\u00fcndigen von dem ehemaligen Wohlstand. Hier wurde Tuch, Ziegel, Papier, Draht und Seide hergestellt. Nach den Fabriken kam das Wohnviertel hinzu.<\/p>\n<p>Auf der Pia\u0163a Traian, einem offenen Platz im Zentrum des Fabrikviertels, findet eine Art Gesangsgottesdienst statt, mit sch\u00f6nen Stimmen und banalen Melodien. Wenn wir das Plakat richtig deuten, handelt es sich um ein Erntedankfest, und zwar das der serbisch-orthodoxen Kirche.<\/p>\n<p>Etwas weiter kommen wir zu einem Markt, der eine fast unheimliche \u00c4hnlichkeit mit dem hat, auf dem wir bei der F\u00fchrung waren. Aber es ist ein anderer. Es fehlt hier auch der Blumenmarkt, den wir vorher gesehen hatten. Aber Obst und Gem\u00fcse sehen wunderbar aus. Darunter riesige Menge gro\u00dfer Kohlk\u00f6pfe, teils eingelegt.<\/p>\n<p>Wir gehen ins Zentrum des Fabrikviertels zur\u00fcck und nach einigem Z\u00f6gern in das im Jugendstil eingerichtete <em>Leonardo da Vinci<\/em>, obwohl das nicht sehr rum\u00e4nisch wirkt und obwohl wir dort die einzigen G\u00e4ste sind. Das sieht jedenfalls so aus. Sp\u00e4ter merken wir, dass in einem Kellerraum jede Menge Rum\u00e4nen sitzen. Hier oben kommen aber erst sp\u00e4ter ein paar G\u00e4ste hinzu.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall ist es die richtige Entscheidung. Wir bekommen die typisch rum\u00e4nische Suppe, <em>ciorb\u0103<\/em>, in breiten Sch\u00fcsseln serviert. Eine der Suppen hat\u00a0 Kutteln und schmeckt stark nach Knoblauch. Danach gibt es <strong><em>s\u0103rm\u0103lu\u021b<\/em><\/strong><strong><em>e<\/em><\/strong><strong>,<\/strong> die Krautwickel, die wir gestern verpasst haben. Die entdecken wir erst gar nicht, da sie sich in einem Keramiktopf unter den Fleischst\u00fccken verbergen. Auch hier gibt es wieder \u00a0<em>m\u0103m\u0103lig\u0103<\/em>, aber die schmecken viel besser als gestern. Au\u00dfer dem etwas kalten, s\u00fcffigen Hauswein gibt es noch <em>palinka<\/em>, den traditionelle Pflaumenschnaps, auf Kosten des Hauses, von dem freundlichen Kellner serviert. Und dann gibt es Nachtisch in enormen Portionen: <em>clatite banatene<\/em> (d.h. nach Banater Art) und <em>tiatei de cas<\/em>, Palatschinken, der allerdings unter einer enormen Schicht aus Baiser verschwindet, eine Familienportion, und s\u00fc\u00dfe Nudeln mit N\u00fcssen und Honig, beides sehr s\u00fc\u00df. Das Essen ist wieder so billig, dass wir zweimal hinschauen m\u00fcssen, als die Rechnung kommt.<\/p>\n<p>Zwischen den G\u00e4ngen werfen wir immer wieder einen Blick auf die Speisekarte: <em>ro\u015fie<\/em> entpuppt sich als \u201aTomate\u2018, und <em>muschi<\/em> als \u201aPilze\u2018.<\/p>\n<p>Wir fahren mit der Stra\u00dfenbahn zur\u00fcck und sehen uns im Zentrum in einer Buchhandlung um. Die ist richtig gem\u00fctlich, mit niedrigen Decken und B\u00fcchern an allen Seiten. Ins Auge fallen mir <em>\u015ei camera secretelor<\/em> und <em>\u015ei piatra filosofal\u00e3<\/em> sowie <em>Eu sunt<\/em> <em>Zlatan<\/em>. In der Buchhandlung finden wir auch zum ersten Mal Ansichtskarten, aber wir ergattern bis zur Abfahrt keine Briefmarken. Die haben hier Seltenheitswert.<\/p>\n<p>Gleich gegen\u00fcber der Buchhandlung befindet sich ein moderner Brunnen, in der Form eines Kubus. Auf allen vier Au\u00dfenseiten und auf der Oberseite erscheinen Vornamen, einer nach dem anderen, in gleichm\u00e4\u00dfiger Gr\u00f6\u00dfe, wohl willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlt und arrangiert. An den Seiten ein Mechanismus, mit dem man das Wasser regulieren kann, je nachdem, ob man sich waschen oder Wasser trinken will.<\/p>\n<p>Nur ein paar Meter weiter ist der Seiteneingang zum Theater. Zwei in Stein gemei\u00dfelte Inschriften in zwei Sprachen besagen, dass sich hier der Eingang zum Deutschen Theater befindet und der Eingang zum Ungarischen Theater. Timi\u015foara ist die einzige Stadt Europas, in dem regelm\u00e4\u00dfig Theater in drei Sprachen gespielt wird. Das hat auch zur Wahl von Timi\u015foara zur k\u00fcnftigen Kulturhauptstadt Europas gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Schilder <em>deschis<\/em> und <em>\u00eenchis<\/em> tauchen an den Gesch\u00e4ften immer wieder auf, und es ist nicht schwer zu erraten, dass sie \u201aoffen\u2018 und \u201ageschlossen\u2018 bedeuten. Aber es ist nicht auf den ersten Blick klar, dass <em>deschis<\/em> tats\u00e4chlich \u201aoffen\u2018 bedeutet und <em>\u00eenchis <\/em>\u201ageschlossen\u2018. H\u00e4tte auch umgekehrt sein k\u00f6nnen. Leicht zu erkennen sind die Namen der Wochentage: <em>Luni \u2013 Vineri 7.30-15.00, S\u00e2mb\u0103t\u0103 8.00-11.00. <\/em><\/p>\n<p>Beim Einbruch der D\u00e4mmerung, kurz vor Torschluss, gehen wir in ein Schuhgesch\u00e4ft an der <em>Pia\u0163a Liberta\u0163ii<\/em> und strapazieren damit die Geduld der Schuhverk\u00e4ufer. Sie beginnen mit den F\u00fc\u00dfen zu scharren, verst\u00e4ndlicherweise, als sie immer wieder in den Keller geschickt werden, um das linke Pendant zu dem Schuh zu holen, den wir ausgesucht haben. Aber sie fassen sich in Geduld, und bald sind wir auch fertig und verlassen mit zwei Paar Schuhen das Gesch\u00e4ft. Gute Ware, sehr preiswert. Am Ende bereuen wir nur, nicht noch mehr gekauft zu haben.<\/p>\n<p>Es ist schon dunkel, als wir aus dem Gesch\u00e4ft kommen. Wir gehen kurz in die Orthodoxe Kathedrale (die der rum\u00e4nischen, nicht die der serbischen Orthodoxen) am \u00e4u\u00dfersten Ende der <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Libert<\/em><em>\u0103<\/em><em>\u021b<\/em><em>i<\/em>, einem modernen Bau mit glasierten Keramikziegeln und vielen T\u00fcrmen auf dem Dach. Innen wirkt sie von der Ausstattung her eher griechisch, aber vom Raumeindruck her eher barock. Sitzgelegenheiten gibt es nicht. Die Gl\u00e4ubigen stehen w\u00e4hrend des Gottesdienstes.<\/p>\n<p>Erst jetzt f\u00e4llt uns, ebenfalls auf der <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Libert<\/em><em>\u0103<\/em><em>\u021b<\/em><em>i<\/em>, die r\u00f6mische W\u00f6lfin auf, die Romulus und Remus s\u00e4ugt, von einem hohen Sockel auf den Platz hinabblickend. Sie ist ein Geschenk der Stadt Rom und soll die gemeinsame lateinische Herkunft der beiden V\u00f6lker unterstreichen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">9. Oktober (Sonntag)<\/span><\/p>\n<p>Rum\u00e4nien hat nur ca. 20 Millionen Einwohner. Dar\u00fcber wundere ich mich jetzt schon zum zweiten Mal. Ich hatte zweimal so viel angenommen. Die Fl\u00e4che ist ziemlich genau die der alten Bundesrepublik. Eigentlich war Rum\u00e4nien nur halb so gro\u00df, profitierte aber von dem Interesse der Gro\u00dfm\u00e4chte, einen ordentlich Puffer zwischen Russland und dem Westen zu haben. Dadurch kam der gesamte westliche und n\u00f6rdliche Teil hinzu. Das vergr\u00f6\u00dferte Rum\u00e4nien entstand am 1. Dezember 1918, als das Banat und Siebenb\u00fcrgen zu Rum\u00e4nien kamen, nach einer Volksabstimmung. Der 1. Dezember ist der Nationalfeiertag Rum\u00e4niens. Sp\u00e4ter dann wurde ein weiterer neu erworbener Teil, Bessarabien, an die Sowjetunion abgetreten. Aus dem Gebiet wurde dann sp\u00e4ter der neue Staat Moldawien.<\/p>\n<p>In den Prospekten und auf Schildern fallen mir immer wieder Formen auf die <em>Parcul Central<\/em>, <em>Podul Traian<\/em>, <em>Spitalul Militar<\/em>, und das l\u00f6st bei mir eine Vermutung aus, die sich sp\u00e4ter best\u00e4tigt: Der rum\u00e4nische bestimmte Artikel ist enklitisch. Eine bemerkenswerte, zuf\u00e4llige (?) Parallele zum Schwedischen. Dazu geh\u00f6ren auch Formen wie <em>Univesitatea de Vest din Timi\u015foara<\/em> und <em>Cafeaua Verde <\/em>f\u00fcr die weiblichen Substantive. Der unbestimmte Artikel ist, wieder wie im Schwedischen, proklitisch.<\/p>\n<p>Heute gibt es ein besseres Fr\u00fchst\u00fcck als gestern, in einem leicht alternativ angehauchten Caf\u00e9 am Rande der <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Libert<\/em><em>\u0103<\/em><em>\u021b<\/em><em>i<\/em>, das wir gestern bei der F\u00fchrung entdeckt haben. Wieder zeigt sich, dass das Fr\u00fchst\u00fcck ein Luxus ist und im Vergleich zu den spottbilligen Vollmahlzeiten eher teuer. Die Sonne kommt raus und wir k\u00f6nnen sogar drau\u00dfen sitzen.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber steht \u00fcber einem Laden <em>Ceasornicare<\/em>. Wir wollen wissen, was das ist. Die Kellnerin hilft: Uhrmacherei.<\/p>\n<p>Das Caf\u00e9 selbst hei\u00dft <em>Cafeaua Verde<\/em> und hat ein Schild mit allen m\u00f6glichen Begriffen um den Namen herum: <em>entuziasm<\/em>, <em>satisfac\u0163ie<\/em> oder <em>pl\u0103cere<\/em> sind leicht zu entziffern, aber was bedeuten <em>dragoste<\/em>, <em>lini\u015fte<\/em> oder <em>bucurie<\/em>?<\/p>\n<p>Zwischendurch mache ich ein Photo von den Stra\u00dfenbahnen, die gleich an uns vorbeifahren, und von der S\u00e4ule des Platzes, die gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit der der <em>Pia<\/em><em>\u021b<\/em><em>a Unirii<\/em> hat. Die eine ist von der Dreifaltigkeit bekr\u00f6nt, die andere von einer Madonna, aber bei beiden sind wohl dieselben Heiligen abgebildet, darunter an f\u00fchrender Stelle Nepomuk. Den kennt man als Br\u00fcckenheiligen, aber er ist auch in einem weiteren Sinne f\u00fcr Wasser zust\u00e4ndig. Der Bezug zum Wasser ergibt sich hier in Timi\u015foara nicht durch einen Fluss, sondern durch die Sumpflandschaft, in der die Stadt nach deren Trockenlegung entstand. Immer wieder liest man von Geb\u00e4uden, die auf Eichenpf\u00e4hlen errichtet wurden.<\/p>\n<p>Wir fahren mit der Stra\u00dfenbahn in einen Au\u00dfenbezirk, da, wo der besondere Markt stattfindet. Der Fahrer steigt an der Haltestelle eigens aus, um uns den Weg zu zeigen. Das ist eine richtig sch\u00f6ne Geste.<\/p>\n<p>Mit uns steigt ein Ehepaar aus, das das gleiche Ziel hat. Sie haben sich \u201efein gemacht\u201c f\u00fcr die Gelegenheit. Sie sehen zwar \u201efein\u201c, aber auch sehr altmodisch aus. An der Kleidung kann man \u00fcberhaupt gut die relative Armut der Rum\u00e4nen ablesen: unansehnlich, abgetragen, weit.<\/p>\n<p>Wir folgen dem altmodisch gekleideten Ehepaar. An einer Kreuzung steht auf einem Wegweiser <em>Gr\u0103dina Zoologic\u0103<\/em>, ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr Metathese.<\/p>\n<p>Schon von weitem h\u00f6rt man Musik und Stimmen. Der Markt findet in einem Freilichtmuseum statt. \u00dcber das ganze Areal verteilt sind traditionelle H\u00e4user aus verschiedenen Teilen Rum\u00e4niens aufgebaut. Die \u00c4hnlichkeiten sind aber gr\u00f6\u00dfer als die Unterschiede. Neben einer Kirche, einem Bauernhof und dem Haus des B\u00fcrgermeisters, das gleichzeitig Amtshaus und Wohnsitz ist, gibt es fast ausschlie\u00dflich Privath\u00e4user. Die meisten sind heute mit Schindeln bedeckt, einige riedgedeckt. Die englischen Beschriftungen sind nicht immer leicht zu entschl\u00fcsseln, aber es h\u00f6rt sich so an, als w\u00e4ren die D\u00e4cher urspr\u00fcnglich mit Fellen gedeckt gewesen. Fast alle H\u00e4user haben au\u00dfen einen \u00fcberdachten Korridor. Das gibt ihnen eine besondere Note.<\/p>\n<p>Vor der Kirche, in der aktuell ein Gottesdienst stattfindet, steht ein Holzkreuz in einer ungew\u00f6hnlichen Form. Wir haben solche Kreuze hier schon mehrmals gesehen. Es ist leicht zur Seite geneigt, hat ein \u201eDach\u201c aus zwei Schenkeln eines gedachten Dreiecks, und vom Kreuz stehen unten zwei weitere, schr\u00e4g nach oben weisende Kreuze ab, die wie Kinderh\u00e4nde wirken, die winken. Neben dem Kreuz stehen zwei \u00fcberdachten \u201eH\u00e4uschen\u201c mit lauter d\u00fcnnen, brennenden Wachskerzen. Auf dem ersten Haus steht morti, auf dem zweiten vii.<\/p>\n<p>Aber die meisten Besucher haben heute keine Augen f\u00fcr die H\u00e4user. Man tummelt sich auf dem Markt. Und der ist der reinste Augenschmaus. W\u00fcrste und Fleischst\u00fccke h\u00e4ngen an den St\u00e4nden, dass es einen Vegetarier erschaudern l\u00e4sst. Das Obst und das Gem\u00fcse sehen genauso verlockend aus wie auf den anderen M\u00e4rkten, und bei beiden ist die eine oder andere Art dabei, die wir nicht identifizieren k\u00f6nnen. Dann gibt es St\u00e4nde mit Honig und mit Schnaps, Palinka einerseits, Raki andererseits. Wir kaufen ein paar Dinge, die leicht transportierbar sind und probieren Rosenmarmelade, die ein sch\u00fcchtern aussehender junger Mann am Ausgang des Areals verkauft. Leider k\u00f6nnen wir die im Flugzeug nicht mitnehmen.<\/p>\n<p>Au\u00dfer den Verkaufsst\u00e4nden gibt es Verzehrst\u00e4nde. Hier wird gegrillt und gebraten. Auff\u00e4llig durch die Art der Zubereitung sind die St\u00e4nde mit Baumkuchen und mit Krapfen. Der Baumkuchen wird auf Rollen in Bewegung gehalten, die Krapfen werden \u00fcber eine \u201eBahn\u201c mit kleinen Schaufeln automatisch durch das Frittierfett bewegt werden. Man kann f\u00f6rmlich sehen, wie sie gar werden.<\/p>\n<p>Wir langen bei Fleisch und Wurst mit Pommes zu und leisten uns dazu das eine oder andere Bier. Man kann herrlich drau\u00dfen unter den B\u00e4umen sitzen.<\/p>\n<p>Wir nehmen auch f\u00fcr den R\u00fcckweg wieder die Stra\u00dfenbahn. Unterwegs sinnieren wir dar\u00fcber, wie wenig die Rum\u00e4nen ihren schlechten Ruf als Gauner und Gewaltt\u00e4tige verdient haben. Hier geht alles mit rechten Dingen zu. Nie hat man das Gef\u00fchl, dass Gefahr lauert und nirgends wird man \u00fcber das Ohr gehauen. Auch die Taxifahrer sind redlich. Die Preise sind niedrig und die transparent, wie wir auch am n\u00e4chsten Tag auf dem Weg zum Flughafen erfahren, als der Fahrer unterwegs anh\u00e4lt und uns trotz nicht vorhandener Englischkenntnisse klar macht, dass jetzt eine neue Tarifzone au\u00dferhalb der Innenstadt beginnt.<\/p>\n<p>Im Zentrum \u201eerholen\u201c wir uns bei einem Kaffee. Bei der Lekt\u00fcre haben wir inzwischen festgestellt, dass die Banater Schwaben nichts mit den Siebenb\u00fcrger Sachsen zu tun haben. Die Banater Schwaben sind seit 300 Jahren in dieser Gegend (also im heutigen Rum\u00e4nien), die Siebenb\u00fcrger Sachsen seit 850 Jahren; Die Banater Schwaben waren tats\u00e4chlich Schwaben, die Siebenb\u00fcrger Sachsen waren keine Sachsen, die Banater Schwaben wurden von den Habsburgern geholt, die Siebenb\u00fcrger Sachsen von den Ungarn. Die Banater Schwaben kamen in der Mehrheit wahrscheinlich aus Ulm, sie kamen mit den Ulmer Schachteln hierher; die Siebenb\u00fcrger Sachsen kamen aus dem Rheinland, aus der Pfalz, aus Luxemburg, aus dem Elsass, aus anderen Gegenden, nur nicht aus Sachsen. Der Reisef\u00fchrer erkl\u00e4rt den missverst\u00e4ndlichen Namen damit, dass sie die Route \u00fcber Sachsen w\u00e4hlten. Eine einfachere Erkl\u00e4rung ist der Sprachwandel: <em>Sachsen<\/em> hatte seinerzeit vielleicht einfach eine breitere Bedeutung und schloss alle ein, die aus \u201edeutschen Landen\u201c stammten.<\/p>\n<p>Am Abend geht es in die Oper: Turandot. Der Charme von Timi\u015foara liegt auch in den geringen Entfernungen. Gut f\u00fcnf Minuten nach Verlassen des Hotels stehen wir schon im Foyer des Theaters.<\/p>\n<p>Der Theatersaal wirkt kleiner als er ist. Er fasst immerhin 850 Zuschauer, wirkt aber gedr\u00e4ngt. Die Ausstattung ist neobyzantinisch.<\/p>\n<p>Wir haben einen Platz in der Loge. Das war uns beim Kauf gar nicht klar. Man hat aber einen guten Blick auf die B\u00fchne. Jedenfalls bis kurz vor Beginn ein \u00e4lteres Ehepaar erscheint, dessen weiblicher Part, mit stattlicher Statur, sich vor mir aufpflanzt und mir die Sicht verdeckt. Es geht aber noch.<\/p>\n<p>In der Loge nebenan sitzt ein stattlicher \u00e4lterer Herr, der mit einem Gru\u00dfwort und einem Photo im Programm erscheint. Er ist ein pensionierter S\u00e4nger und hat die Rolle des Prinzen Kalaf 250 Mal gesungen. W\u00e4hrend der gesamten Auff\u00fchrung macht er halblaute Kommentare und singt die Tenorpartien leise mit. Dabei macht er ausladende Gesten, so als w\u00fcrde er auf der B\u00fchne stehen.<\/p>\n<p>Es wird auf Italienisch gesungen, \u00dcbertitel gibt es auf Rum\u00e4nisch. Man versteht beides gleich schlecht. Bestimmte W\u00f6rter wiederholen sich oft: <em>iubire<\/em>, <em>dragoste<\/em>, <em>numele<\/em>, <em>via\u0163a<\/em>, <em>barb\u0103<\/em>, <em>b\u0103rbat<\/em> und, vor allem, <em>moarte<\/em>. Nicht alle verstehen sich von selbst. Erst sp\u00e4ter finde ich im W\u00f6rterbuch, dass <em>iubire<\/em> und <em>dragoste<\/em> beide \u201aLiebe\u2018 bedeuten und <em>b\u0103rbat<\/em> \u201aMann\u2018. Bei <em>numele<\/em> ist es ein bisschen schwieriger, denn die Form erscheint nicht im W\u00f6rterbuch. Es muss aber wohl eine Form von <em>nume<\/em> sein, \u201aName\u2018, vermutlich die mit dem enklitischen Artikel.<\/p>\n<p>Die Musik, das kann man auch als Laie nachempfinden, ist \u201eklassisch\u201c, aber \u201emodern\u201c. Es ist Puccinis letzte Oper, und Puccini wird ohnehin oft als jemand beschrieben, der an der Schwelle zur Moderne steht. Die Kl\u00e4nge sind ungew\u00f6hnlich und schaffen tats\u00e4chlich eine \u201echinesische\u201c Atmosph\u00e4re. Nur gegen Schluss schl\u00e4gt der italienische Belcanto noch mal zu, mit <em>Nessun dorma<\/em>. Da bleibt kein Auge trocken.<\/p>\n<p>Die Ausstattung, vor allem aber die Kost\u00fcme sind sehr, sehr aufw\u00e4ndig. Die Hofschranzen, die Diener, das Volk, der Kaiser, aber auch Turandot selbst \u2013 das sind alles schon \u00e4u\u00dferlich imposante Erscheinungen.<\/p>\n<p>Wie ist es mit der Handlung? Die Motive f\u00fcr die Grausamkeit Turandots liegen in der Vergangenheit. Das nimmt man einfach als gegeben hin. Alles l\u00e4uft auf die Bekehrung Turandots hin, die ja auch tats\u00e4chlich eintritt. Und doch gibt es einen \u201eKnick\u201c in der Handlung. Turandot wird durch ihre heimliche Rivalin, die selbstlose Li\u00f9, die Schau gestohlen, und mit deren Selbstt\u00f6tung hat das St\u00fcck seinen dramatischen H\u00f6hepunkt eigentlich erreicht. Als sich Li\u00f9 den Dolch in den Bauch sticht, setzt es einem einen Stich ins Herz. Dagegen muss alles abfallen, was danach kommt.<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise ist dies auch der Punkt, bis zu dem Puccini selbst komponiert hatte, und bei der Urauff\u00fchrung, unter Toscanini, war hier auch Schluss. Erst sp\u00e4ter wurde die Oper auf Grundlage der Manuskripte von Puccini vervollst\u00e4ndigt.<\/p>\n<p>Mit einem Absacker im Lloyd, dem ersten Haus der Stadt, gleich beim Theater gelegen, geht das Experiment erste Reise nach Rum\u00e4nien zu Ende. Mit dem festen Vorsatz, dass es nicht die letzte gewesen sein soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7. Oktober (Freitag) Auf dem Flugzeug der irischen Fluglinie steht ein Werbespruch, der einem englischen Satzmuster entspricht, in Gro\u00dfbuchstaben: modlin jest ok. 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