{"id":10134,"date":"2018-10-03T14:56:28","date_gmt":"2018-10-03T12:56:28","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?p=10134"},"modified":"2018-10-03T14:56:28","modified_gmt":"2018-10-03T12:56:28","slug":"ganz-naturlich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/pregonero.de\/?p=10134","title":{"rendered":"Ganz nat\u00fcrlich?"},"content":{"rendered":"<p>In einem Radiovortrag geht es um das selbstst\u00e4ndige Lernen. Im &#8220;Stationenlernen&#8221;, einer Form des sog. &#8220;sch\u00fclerzentrierten Unterrichts&#8221;, bestimmen die Sch\u00fcler selbst \u00fcber das Tempo, die Reihenfolge und den Umfang ihrer Arbeit an den einzelnen Stationen. Der sch\u00fclerzentrierte Unterricht erfreut sich gro\u00dfer Beliebtheit, u.a. deshalb, weil er eine Form ist, der immer gr\u00f6\u00dferen Heterogenit\u00e4t der Schulklassen gerecht zu werden. Anleitungen f\u00fcr den sch\u00fclerzentrierten Unterricht finden sich oft in Ratgebern f\u00fcr Praktiker, von Praktikern geschrieben. Die Begr\u00fcndungen f\u00fcr die Unterrichtspraxis greifen aber oft zu kurz oder schlie\u00dfen die Theorie ganz aus und haben keinerlei empirische Grundlagen. Theorieanleihen werden gemacht bei popularisierten Darstellungen der Hirnforschung und nicht aus der Erziehungswissenschaft. Das Gehirn interessiere sich nur f\u00fcr pers\u00f6nlich Relevantes und lerne nur dann, wenn der Aufwand sich subjektiv lohne, hei\u00dft es. Die Lernumgebung m\u00fcssten pers\u00f6nliches Interesse wecken und einen Anschluss an die Lebenswelt der Lernenden herstellen. Der Rekurs auf die Hirnforschung dient also in erster Linie der Legitimation handlungsorientierter und sch\u00fcleraktivierender Lernformen. Wie sich Lernen tats\u00e4chlich vollzieht, wird dadurch aber nicht erkl\u00e4rt, und dass das Lernen selbst\u00e4ndig verlaufen soll und kann scheint keiner weiteren Begr\u00fcndung zu bed\u00fcrfen. Das selbst\u00e4ndige Lernen erscheint schlicht als nat\u00fcrliche Form des Lernens. Welche Belege haben wir aber, dass die Kinder, die die verschiedenen Stationen des Stationenlernens (zum Thema <em>Br\u00fccken<\/em>) durchlaufen haben, tats\u00e4chlich etwas gelernt haben? Die Kinder haben ihre Arbeitsauftr\u00e4ge erledigt und sie auf ihren Laufzetteln abgehakt. Ob die inhaltsbezogenen Kompetenzen, die der Lehrplan vorsieht, tats\u00e4chlich erworben wurde, wei\u00df man nicht. Die Kinder haben zwar ausgef\u00fcllte Arbeitsbl\u00e4tter in den H\u00e4nden und selbstgebastelte Br\u00fccken, aber haben sie etwas \u00fcber deren Konstruktionsprinzip verstanden? Haben sie Transferf\u00e4higkeiten entwickelt? So die Argumente einer Freiburger P\u00e4dagogin in dem Radiovortrag (Nicole Vidal: &#8220;Relevanz neurowissenschaftlichen Wissens f\u00fcr die p\u00e4dagogische Praxis und Theoriebildung&#8221;, in: <em>Aula<\/em><em>,<\/em> SWR 2: 30\/09\/2018).  Mir pers\u00f6nlich scheint hier ein zentrales Problem ber\u00fchrt zu sein, ein Problem, das nicht nur f\u00fcr den sch\u00fclerzentrierten Unterricht gilt, sondern auch f\u00fcr andere Lernformen: Lernerfolg wird vorausgesetzt, ohne Nachweise. Tun wird mit Lernen gleichgesetzt. Dass man sich mit etwas besch\u00e4ftigt, hei\u00dft aber noch lange nicht, dass dabei &#8220;etwas herauskommt&#8221;. Das wei\u00df jeder, der mal mit stupidem Flei\u00df seitenweise Fachliteratur gelesen hat oder jeder, der mal eine Seite Vokabeln gelernt hat. Ob und wann etwas &#8220;h\u00e4ngenbleibt&#8221;, wann es tats\u00e4chlich &#8220;Klick&#8221; macht, ist oft nicht einmal im Nachhinein zu entscheiden, geschweige denn, vorauszusagen. Lernen ist eine verdammt komplizierte Angelegenheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Radiovortrag geht es um das selbstst\u00e4ndige Lernen. 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