{"id":11362,"date":"2022-09-29T08:49:59","date_gmt":"2022-09-29T06:49:59","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?p=11362"},"modified":"2022-09-29T08:49:59","modified_gmt":"2022-09-29T06:49:59","slug":"der-untergang-des-romischen-reichs-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/pregonero.de\/?p=11362","title":{"rendered":"Der Untergang des R\u00f6mischen Reichs (3)"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Dommuseum nimmt sich im Rahmen der Ausstellung zum\nUntergang des R\u00f6mischen Reichs naheliegenderweise der Rolle des Christentums\nan. Die grobe interpretatorische Leitlinie: Bis ins 19. Jahrhundert wurde das\nChristentum eher f\u00fcr den Fall des R\u00f6mischen Reichs verantwortlich gemacht,\nheute sieht man in ihm eher ein unterst\u00fctzendes Element. Leuchtet mir ein.\nSchlie\u00dflich war es \u201enur\u201c eine neue Ideologie, die Strukturen blieben weitgehend\nbewahrt und das Christentum machte reichlich Anleihen bei der heidnischen\nTradition. Das wird in der Ausstellung immer wieder deutlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine Skulptur einer r\u00f6mischen Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin wird\neiner Madonna mit Kind gegen\u00fcbergestellt. Man w\u00fcrde nicht darauf kommen, dass\ndie beiden Skulpturen Jahrhunderte trennen und sie zwei verschiedenen\nGlaubenssystemen angeh\u00f6ren. Das Christentum \u00fcbernahm also das Bildrepertoire\nder Antike, wenn auch anfangs z\u00f6gerlich. Anfangs vermieden die Christen\nvollplastische Skulpturen, um sich von der heidnischen Tradition abzusetzen.\nErst um 1000 kamen Figuren wie diese Madonna auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch der gute Hirte hat heidnische Vorbilder. Er galt als\nSymbol der Philanthropie und des Gl\u00fccks, und wurde genauso dargestellt wie Jesus\nhier auf dem Relief, mit einem Schaf um die Schulter und anderen Schafen zu\nseinen F\u00fc\u00dfen. Auf diesem Relief erkennt man nur durch die Darstellung der\nVerf\u00fchrungsszene im Paradies auf der linken Seite, dass Jesus gemeint ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch bei Titeln und Organisationsformen machten die Christen\nAnleihen bei der Antike. Der Papst trug den Titel <em>Pontifex Maximus<\/em>, und\ndie Di\u00f6zesen waren identisch mit den r\u00f6mischen Provinzen. Auch der Kalender\nhatte heidnische Grundlagen. Das Fest der Geburt Christi verlegte man, entgegen\nder historischen Wahrscheinlichkeit, auf den 25. Dezember, den Tag des Sol\nInvictus. Als unter Konstantin der in regelm\u00e4\u00dfigen Intervallen stattfindende\nRuhetag eingef\u00fchrt wurde, w\u00e4hlte man den Sonntag, den Tag des Sonnengottes. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Abwendung von der heidnischen Tradition wird hier\nillustriert durch eine absichtlich zerst\u00f6rte Mars-Statue aus dem Altbachtal,\nmannshoch, ohne Kopf und ohne Emblem. Man sieht, dass die Statue aus den\nTeilst\u00fccken, in die man sie zerlegt hatte, sp\u00e4ter wieder zusammengesetzt wurde.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Neu im Christentum waren die Taufe, die Jenseitserwartung\n(die das Alte Testament <em>nicht<\/em> kennt) und die Wertsch\u00e4tzung jedes\neinzelnen Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Aus Xanten stammt der hier ausgestellte Grabstein, der\n\u00e4lteste erhaltene christliche Grabstein n\u00f6rdlich der Alpen (V). Wie auf\nweiteren Grabsteinen dient hier als Emblem das in einem Kreis eingelassene\nKreuz mit A&amp;O und mit dem <em>PX<\/em>, das sich um das Kreuz windet. <\/p>\n\n\n\n<p>Trier bekam den Untergang des R\u00f6mischen Reichs durch vier\nEroberungen und Zerst\u00f6rungen in der kurzen Zeitspanne von 410-435 zu sp\u00fcren.\nDie hinterlie\u00dfen im Dom eine dicke Schutt- und Staubschicht. Im 6. Jahrhundert\nwurde der Dom wiederaufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen wichtigen Teil der Ausstellung nehmen Bestattungen\nein. Es gab zwei Bestattungsarten: Bei der einen wurde der Leichnam auf\nHolzst\u00e4mme gebettet, bei der anderen handelte es sich um eine Gipsbettung.\nDavon sieht man hier ein eindrucksvolles Beispiel. Der Tote wurde in T\u00fccher\ngeh\u00fcllt und dann mit Gips \u00fcbergossen. Erinnert an die \u00e4gyptischen Mumien. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Toten wurden in reichen Gew\u00e4ndern bestattet, aber ohne\nSchuhe! Eine Ausnahme bilden die Kinder. Die hatten entweder Schuhe an oder\nihnen wurden Schuhe mitgegeben, die oben auf dem Sarg platziert wurden. Davon\nsieht man hier ein bewegendes Beispiel: Auf einem (rekonstruierten) Bleisarg\nstehen zwei unterschiedliche Kinderschuhe, sandalenartig, einer etwas gr\u00f6\u00dfer\nals der andere. <\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Bestatteten befinden sich viele junge Frauen.\nDavon legen zahlreiche Grabinschriften Zeugnis ab. Viele der jungen Frauen\nstarben im Kindbett. Sie wurden in der Regel mit dem Eintritt der\nZeugungsf\u00e4higkeit, mit 12-13 Jahren, verheiratet. <\/p>\n\n\n\n<p>Unter den zahlreichen Grabsteinen aus Trier befinden sich\nauch welche mit einer Inschrift in Griechisch und sogar ein paar zweisprachige.\nBei einem davon wird auf die Herkunft des Verstorbenen aufmerksam gemacht: Er\nstammte aus Antiochia Orantes, im heutigen Syrien! Trier muss eine\nkosmopolitische Stadt gewesen sein!<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zeit der Reichskrise wurde von den B\u00fcrgern absolute\nLoyalit\u00e4t gefordert. Die Opferverweigerungen durch die Christen galten als\nFrevel, als Schwerverbrechen. Das f\u00fchrte zu den Martyrien. Hier werden zwei Tonschalen\ngegen\u00fcbergestellt, mit eingeritzten Darstellungen. In einer ist ein gefesselter\nChrist dargestellt, der den L\u00f6wen zum Fra\u00df vorgeworfen wird, auf der anderen\nein heidnischer J\u00e4ger, der von L\u00f6wen angefallen wird. Verbl\u00fcffend \u00e4hnlich die\nbeiden Darstellungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach Konstantin verb\u00fcndete sich der Staat mit der Kirche.\nDas wird hier an einem besonders sch\u00f6nen Ausstellungsst\u00fcck illustriert, einer\nElfenbeintafel, auf der die \u00dcberf\u00fchrung von Reliquien in eine neu erbaute\nKirche zu sehen ist. Die Priester mit dem Reliquienk\u00e4stchen sitzen auf einem\nWagen, der Kaiser geht, Zeichen der Demut, dem Wagen voran. Vor der Kirche\nwartet die Kaiserin. Die Prozession ist figurenreich und dicht gedr\u00e4ngt. Oben\nschauen aus Fenstern und von einer Mauer zahlreiche Figuren dem Geschehen zu,\nund unten sind ein paar M\u00e4nner auf das Vordach der Kirche geklettert, um nichts\nzu verpassen!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine eigene Abteilung ist St. Maximin gewidmet, ein\nbesonders Beispiel f\u00fcr die jahrhundertelange Nutzung eines Baus in\nverschiedener Funktion. Urspr\u00fcnglich war es eine Grabst\u00e4tte. Man hat dort 1000\nBestattungen gefunden, meist von Menschen, die der sp\u00e4tr\u00f6mischen Elite\nangeh\u00f6rten. Entsprechend sind die Grabbeigaben: Riemenschnallen,\nG\u00fcrtelbeschl\u00e4ge, Fibeln, aus Buntmetall, Silber, Gold, Eisen, alles kunstvoll\ngestaltet, ebenso wie winzige Bronzepl\u00e4ttchen als Textilapplikationen. Daneben\nGlasphiolen und Goldf\u00e4den. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Eingang eine m\u00e4chtige Statue aus Lindenholz von Maximin,\nmit Bischofsstab und Mitra (XVIII). An seiner Seite ein B\u00e4r. Der B\u00e4r soll das\nLasttier des Maximin get\u00f6tet haben, um dann selbst das Gep\u00e4ck des Bischofs zu\ntragen!<\/p>\n\n\n\n<p>Maximin war ein Gegner des Arianismus und gew\u00e4hrte\nAthanasius Asyl in Trier. Er starb auf dem Weg nach Poitiers. Paulinus lie\u00df\nseine Gebeine nach Trier \u00fcberf\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Schluss ist das Grabmal des Paulinus selbst Gegenstand\nder Darstellung. Paulinus starb im Exil, weil er zun\u00e4chst im Streit um die\nNatur Christi auf der falschen Seite gestanden hatte. Nach seiner\nRehabilitierung wurde er dann nach Trier \u00fcberf\u00fchrt. In seinem Grab wurden\nerstaunliche Dinge gefunden, die hier ausgestellt sind, oft nur noch in Fetzen\noder in fadenscheinigen Stoffen vorhanden, darunter seidene B\u00e4nder, seidene\nKordeln, gelblicher Byssus (zum Einwickeln der Leiche) und Purpur als\nF\u00e4rbemittel. Diese Materialien zeugen von den wichtigen Handelsbeziehungen, die\nTrier, auch nach dem Ende des R\u00f6mischen Reichs, erhielt und die bis in den\nNahen Osten und nach China f\u00fchrten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Dommuseum nimmt sich im Rahmen der Ausstellung zum Untergang des R\u00f6mischen Reichs naheliegenderweise der Rolle des Christentums an. Die grobe interpretatorische Leitlinie: Bis ins 19. 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