{"id":11986,"date":"2025-07-09T07:31:44","date_gmt":"2025-07-09T05:31:44","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?p=11986"},"modified":"2025-07-09T07:38:02","modified_gmt":"2025-07-09T05:38:02","slug":"der-burgermeister-von-wesel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/pregonero.de\/?p=11986","title":{"rendered":"Der B\u00fcrgermeister von Wesel"},"content":{"rendered":"&#8220;Wie hei\u00dft der B\u00fcrgermeister von Weeeesel?&#8221; So riefen wir es als\nKinder in den T\u00e4lern gegen die Bergw\u00e4nde, in der Hoffnung, vom Echo die\nrichtige Antwort zu bekommen: &#8220;Eeeesel!&#8221;\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nDie Marketing-Abteilung der Stadt hat sich das zu eigen gemacht und den Esel\nzu einer Art Symbol-Trier f\u00fcr Wesel erhoben. \u00dcberall im Stadtzentrum stehen\nbunt bemalte Esel. Die k\u00f6nnen von Firmen oder von B\u00fcrgern erworben und nach\neigenem Geschmack gestaltet werden. In der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone sind u.a. ein\nSchuhgesch\u00e4ft, eine Eisdiele und der Weltladen mit einem Esel vertreten.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nDas eigentliche Wappentier Wesels ist aber nicht der Esel, sondern ein\nschwer identifizierbares Tier, das immer gleich in dreifacher Ausf\u00fchrung\nerscheint. Ein Jaguar? Kaum vorzustellen, die waren zu der Zeit, als Wappen\naufkamen, in Europa vermutlich noch gar nicht bekannt. Es stellt sich heraus,\ndass es der Wiesel ist, Wir haben es mit einem &#8220;sprechenden Wappen&#8221;\nzu tun, wie bei dem Eimer in Emmerich, dem Pfau in Pfauen oder dem B\u00e4ren in\nBerlin. Hier spielt nur die lautliche \u00c4hnlichkeit eine Rolle.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nWesel war in der Vergangenheit eine bedeutende Handelsstadt. Erkennen kann\nman das an dem pr\u00e4chtigen Dom, mit dessen Bau die Stadt auf ihren Reichtum\nhinwies. Schon die Tatsache, dass er Dom hei\u00dft, ist bezeichnend.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nDie Kirche, sp\u00e4tgotisch, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Das urspr\u00fcngliche\nPatrozinium, Willibrord, wurde beibehalten, auch als die Kirche evangelisch\nwurde. Willibrord, der angels\u00e4chsische Missionar und Gr\u00fcnder des Bistums\nUtrecht, wird meist mit dem Kloster Echternach in Verbindung gebracht, das er\nebenfalls gr\u00fcndete. In Echternach wurde er nach eigenem Wunsch begraben, und\ndort wurde er auch als erstes als Heiliger verehrt.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nInnen f\u00e4llt die Orientierung, im wahrsten Sinne des Wortes, schwer, denn man\nbetritt die Kirche von der Seite, und den Osten hat man, vor die Apsis, eine\nm\u00e4chtige Orgel aufgestellt. Der moderne Altar steht davor.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nDer Dom ist f\u00fcnfschiffig und hat ein aufwendig gestaltetes Ziergew\u00f6lbe. an\neiner durch ein Gitter abgetrennten Kapelle gibt es ein sch\u00f6nes Relief mit\nposaunenden Engeln.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nIn der Kirche eine Stadtdarstellung von 1572, mit dem latinisierten Namen\nvon Wesel, Vesalia. Eine komplette Stadtmauer umschlie\u00dft die Stadt, und eine\nDoppelbr\u00fccke f\u00fchrt \u00fcber den Festungsgraben und die Lippe in die Stadt. Die\nLippe flie\u00dft direkt vor der Stadtmauer her. Ob das historisch richtig ist, wei\u00df\nman nicht, aber es sieht h\u00fcbsch aus. Auf jeden Fall hat Wesel seiner Lage an\nLippe und Rhein seine Entwicklung zur Handelsstadt zu verdanken.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nAuf schwarz-wei\u00df Photos sieht man die Zerst\u00f6rung der Stadt nach dem 2.\nWeltkrieg. Die Stadt war von den Preu\u00dfen zu einer Festung ausgebaut worden, und\ndie alliierten Bombardements haben sie in Schutt und Asche gelegt. Als Teil des\nHerzogtums Kleve war Wesel schon im 17. Jahrhundert zu Preu\u00dfen gekommen.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nAls Erinnerung an die Kriegszerst\u00f6rung ist in die Seitenwand ein Stein aus\nder Dresdner Frauenkirche eingelassen, die wiederum einen Stein des Weseler\nDoms hat. Auch eine zerst\u00f6rte Glocke aus der Matena-Kirche, die auf der\nStadtansicht von 1572 zusammen mit dem Dom hoch \u00fcber die Stadtmauer hinausragt,\nerinnert an den 2. Weltkrieg.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nAuf einem weiteren Photo sieht man die Br\u00fccke \u00fcber den Rhein, von den\ndeutschen Soldaten angesichts des Heranr\u00fcckens des Feindes zerst\u00f6rt, in der\ntr\u00fcgerischen Hoffnung, den Feind aufhalten zu k\u00f6nnen. Etwas weiter\nflussaufw\u00e4rts sieht man dann die Ponton-Br\u00fccke, \u00fcber die die Alliierten auf die\nrechte Rheinseite gelangten.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nNach dem Krieg wurde die Kirche mit Hilfe eines Dombauvereins und einer\nLotterie wiederaufgebaut, und zwar, wie es hei\u00dft, in einer R\u00fcckkehr zu dem\nurspr\u00fcnglichen sp\u00e4tgotischen Vorbild. Schon im 19. Jahrhundert war die\nbauf\u00e4llige Kirche aufwendig restauriert worden, und zwar, dem Zeitgeschmack\nentsprechend, im neugotischen Stil. Ich frage mich aber, woher man nach dem\nKrieg wusste, wie die Kirche urspr\u00fcnglich aussah.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nAu\u00dfen sieht man an einem Seitenportal ganz weit oben Willibrord, weiter\nunten, \u00fcber dem Eingangsportal, auf der einen Seite den Gro\u00dfen Kurf\u00fcrsten, auf\nder anderen den Kaiser, vermutlich Wilhelm I.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nSch\u00f6n gestaltet ist das Brautportal. Das erinnert daran, dass man urspr\u00fcnglich\nau\u00dferhalb der Kirche heiratete und dann in die Kirche einzog, so, wie man auch\nurspr\u00fcnglich au\u00dferhalb der Kirche getauft wurde.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nIn einer Au\u00dfenmauer des Doms ist ein Stein eingelassen der an Peter Minuit\nerinnert, dem Seefahrer, der Legende nach der Gr\u00fcnder von New York. Man wei\u00df\ninzwischen, dass das nicht stimmt, aber er war in den Anfangsjahren der Stadt,\nals sie noch Nieuw Amsterdam hei\u00df, wesentlich an der Entwicklung der Stadt\nbeteiligt. Der franz\u00f6sische Nachname ist das Indiz daf\u00fcr, dass seine Vorfahren Glaubensfl\u00fcchtlinge\nwaren. Wesel nahm auf verschiedenen L\u00e4ndern, vor allem aus Frankreich und den\nNiederlanden, Glaubensfl\u00fcchtlinge auf.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nNeben Minuit stammen auch Konrad Duden, Jan Hofer und Dieter Nuhr aus Wesel,\nund Hanns-Dieter H\u00fcsch und Udo Lindenberg haben gewisse Verbindungen mit Wesel.\nNach Duden wurde das hiesige Gymnasium benannt. Ob es auch eine Verbindung zu\nLombard gibt, auf den angeblich ein Relief in der Lambert-Stra\u00dfe hindeuten\nsoll, steht in den Sternen.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nGenauso rekonstruiert wie der Dom ist die wunderbare gotische Fassade des\nalten Rathauses. Sie ist auch sp\u00e4tgotisch, in einem fl\u00e4misch wirkenden Stil,\naber \u00e4lter als der Dom. Die Fassade ist sch\u00f6n gestaltet, mit schmalen Fenstern,\nallerlei T\u00fcrmchen und Fialen und Figuren aus der Ortsgeschichte in der\nBeletage. Unten ein Portal mit einer h\u00f6lzernen T\u00fcr und eine Freitreppe daneben.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nAn einem Platz sehen wir zwei moderne Bronzefiguren, an einem Brunnen\nsitzend, der eine lange und d\u00fcrr, der andere rundlich. Sie verk\u00f6rpern volkst\u00fcmliche\nTypen der Vergangenheit.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nAn der Fassade des neuen Rathauses sieht man das stilisierte Wappen der\nStadt mit den drei Wieseln. Dieses Rathaus ist bereits das dritte, denn es gab\nein weiteres, das in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone stand. Das wurde aber tats\u00e4chlich\nabgebrochen, nachdem der Kaufhof Interesse angemeldet hatte und genau diese\nParzelle wollte. Man gab dem Dr\u00e4ngen des Konzerns nach, mit dem Ergebnis, dass\nder Bau heute leer steht.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nDie ganze Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, vom Markt bis zum Berliner Tor, durchzieht ein\ngraues Band mit den Namen von St\u00e4dten, \u00fcber mehr als einen Kilometer. Es sind\nan die 200 St\u00e4dte. Man fragt sich, was diese St\u00e4dte wohl miteinander oder mit\nWesel zu tun haben: Unna, Hamm, M\u00fcnster, Roermond, Br\u00fcgge, L\u00fcneburg, Danzig,\nRiga, Visby. Es sind alles Hansest\u00e4dte!\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nEtwas abseits der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone ein Wandbild an einer H\u00e4userwand, mit dem\nTitel Hansestadt Wesel. Es stellt eine Szene aus der fr\u00fchen Neuzeit dar, mit\nzwei in Pelz geh\u00fcllten Kaufleuten, die Felle inspizieren. Hinter ihnen ein\ngotisch wirkendes Sprossenfenster, um sie herum S\u00e4cke, Kr\u00fcge, F\u00e4sser, K\u00f6rbe.\nDie Felle sind ein Hinweis darauf, dass der Tuchhandel die Basis des Reichtums\nvon Wesel war.\n\nIn einer Unterf\u00fchrung sehen wir den Fries eines abgerissenen Stadttors, des Klever Tors. Er stammt aus dem 18. Jahrhundert und stellt eine Huldigung an den Kurf\u00fcrsten dar. Der sitzt, gewandet wie ein R\u00f6mer, in der Mitte des Frieses auf einem Thron unter einem Baldachin und nimmt die Huldigungen des Volkes entgegen. Er tr\u00e4gt den Kurhut, die Bekr\u00f6nung der Kurf\u00fcrsten. Der sieht aus wie eine Krone, hat aber eine hermelinbesetzte Krempe anstelle eines Metallreifens. Wer die Figuren rechts und links des Kurf\u00fcrsten sind, ist schwer zu sagen, aber sie sehen aus wie ein Zitat aus der Antike, mit Soldaten und Bauern links und G\u00f6ttern und Helden rechts. So setzten sich die Preu\u00dfen in Szene.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\nDie letzte Sehensw\u00fcrdigkeit der Innenstadt ist ein erhaltenes Stadttor, das Berliner Tor. Aber wir bekommen es nicht zu sehen, denn es wird gerade restauriert. Man kann oben gerade noch zwei posaunenblasende, gefl\u00fcgelte Figuren erkennen, rechts und links des preu\u00dfischen Wappenschilds. Wir erfahren aber, dass auch hier die Antike zitiert wird, mit zwei \u00fcberlebensgro\u00dfen Statuen von Minerva und Herkules.\n\nAuf Photos sieht das erleuchtete Berliner Tor dem Brandenburger Tor sehr \u00e4hnlich. Das d\u00fcrfte auch ein Indiz f\u00fcr die ehemalige Bedeutung der Stadt sein.\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph -->\n\n<!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n\n<!-- \/wp:paragraph -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wie hei\u00dft der B\u00fcrgermeister von Weeeesel?&#8221; So riefen wir es als Kinder in den T\u00e4lern gegen die Bergw\u00e4nde, in der Hoffnung, vom Echo die richtige Antwort zu bekommen: &#8220;Eeeesel!&#8221; Die Marketing-Abteilung der Stadt hat sich das zu eigen gemacht und &hellip; <a href=\"http:\/\/pregonero.de\/?p=11986\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[696],"tags":[1908,2686,2684,2687],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11986"}],"collection":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11986"}],"version-history":[{"count":17,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12004,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11986\/revisions\/12004"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/pregonero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}