{"id":4180,"date":"2013-09-17T16:13:12","date_gmt":"2013-09-17T14:13:12","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?p=4180"},"modified":"2020-06-17T18:59:28","modified_gmt":"2020-06-17T16:59:28","slug":"unfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/pregonero.de\/?p=4180","title":{"rendered":"Unfreiheit"},"content":{"rendered":"<p>Aus einem Radiovortrag, in dem es um Freiheit und Unfreiheit geht, nehme ich diese Gedanken mit: Wir k\u00f6nnen die Welt nie so wahrnehmen, wie sich wirklich ist. Unsere Wahrnehmung ist immer eine menschliche. Die Welt so zu sehen wie eine Heuschrecke oder ein Delphin bleibt uns versagt. Ganz abgesehen davon, dass wir nicht alles sehen und h\u00f6ren, was es gibt. Das menschliche Auge schlie\u00dft bestimmte Frequenzbereiche aus, genauso wie das menschliche Ohr. \u00a0Dennoch glauben wir, die Welt so zu sehen, wie sie ist, eine klare Form von Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung.\u00a0 Man kann diese Art der Unfreiheit auch f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von Bewusstsein und Sprache konstatieren. Es gibt viele Dinge, \u00fcber die wir nicht sprechen k\u00f6nnen. Um \u00fcber Musik zu sprechen oder \u00fcber unsere Gef\u00fchle, Passionen, Pl\u00e4ne fehlen uns oft die Worte. Wir k\u00f6nnen nicht sagen, was wirklich in uns ist, sondern nur, was immer schon gesagt wurde. Eine \u00e4hnliche Unfreiheit gibt es auch bei der Kommunikation. Durch unsere Sozialisation ist uns in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen, was man wann sagt. Wenn wir bei einer Begegnung mit einem Menschen all das sagen w\u00fcrden, was uns im Kopf herum geht, w\u00fcrde vermutlich alle Kommunikation zusammenbrechen. Auch f\u00fcr die Sprache selbst gilt das. Wir haben eine begrenzte Anzahl von Lauten, aus denen wir eine prinzipiell unbegrenzte Zahl von W\u00f6rtern bilden k\u00f6nnten. Das tun wir aber nicht. Die meisten dieser Kombinationen ergeben keine W\u00f6rter in unseren Sprachen. Die Anzahl der tats\u00e4chlich gebildeten W\u00f6rter ist vergleichsweise gering. Unfreiheit bestimmt unser Leben mehr als wir das wahrhaben wollen. Es beginnt, ganz w\u00f6rtlich, damit, dass wir immer schon in eine Welt hineingeboren werden und weder unsere Muttersprache noch unser Elternhaus noch unsere Kultur oder die Zeit, in der wir geboren werden, w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Die Existenz des Menschen verdankt sich nicht sich selbst (Heideggers \u201eGeworfensein\u201c). Das kontrastiert mit unserem Gef\u00fchl, frei zu sein. Wir haben das Gef\u00fchl, tun und lassen zu k\u00f6nnen, was wir wollen. Aber diese gew\u00f6hnliche Vorstellung verlagert das Prinzip der Freiheit nur, n\u00e4mlich auf den Willen. Der \u00e4u\u00dferen Handlungsfreiheit steht die innere Willensunfreiheit entgegen.\u00a0 Unser Wille ist schon da, wir k\u00f6nnen nicht entscheiden, was wir wollen. Man kann, Schopenhauer zufolge, etwas tun, wenn man es will, aber man kann es nicht wollen. Man kann zum Beispiel einem Armen Geld geben, aber\u00a0 eben nur, wenn man es will. Und wenn ich es wollte, dann w\u00e4re ich nicht mehr ich, sondern ein anderer Mensch. (Eckoldt, Matthias: \u201eWas macht uns wollen? Wie Freiheit durch Unfreiheit bedingt ist\u201c, in: <em>Aula<\/em>, SWR 2: 15\/09\/2013)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus einem Radiovortrag, in dem es um Freiheit und Unfreiheit geht, nehme ich diese Gedanken mit: Wir k\u00f6nnen die Welt nie so wahrnehmen, wie sich wirklich ist. Unsere Wahrnehmung ist immer eine menschliche. 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