{"id":4352,"date":"2013-11-03T15:45:37","date_gmt":"2013-11-03T14:45:37","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?p=4352"},"modified":"2020-06-17T18:54:50","modified_gmt":"2020-06-17T16:54:50","slug":"drei-grunde-fur-franzosisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/pregonero.de\/?p=4352","title":{"rendered":"Drei Gr\u00fcnde f\u00fcr Franz\u00f6sisch"},"content":{"rendered":"<p>Drei Gr\u00fcnde sprachen f\u00fcr das Erlernen des Franz\u00f6sischen: Nutzen, Bildung, Distinktion. N\u00fctzlich war es vor allem f\u00fcr H\u00e4ndler, die ihre Waren in anderen Teilen Europas verkaufen wollten. Schon im 14. Jahrhundert gab es B\u00fccher mit S\u00e4tzen und Ausdr\u00fccken f\u00fcr Alltagssituationen, f\u00fcr die Reise und f\u00fcr das Verkaufsgespr\u00e4ch. Ab dem Sp\u00e4tmittelalter wurde Franz\u00f6sisch auch zu Bildungszwecken gelernt. Und zwar wie Latein und durch Latein. Die Sprache der Beschreibung der fr\u00fchen Grammatiken war Latein! Franz\u00f6sisch diente aber vor allem auch dazu, sich von anderen zu unterscheiden. Mit Franz\u00f6sisch geh\u00f6rte man zu den Happy Few. Franz\u00f6sisch war ein Distinktionsmerkmal, das vor allem die Adeligen auszeichnete. Und das au\u00dferdem erlaubte, zu reden, ohne verstanden zu werden, wenn Diener anwesend waren! Die erste Schule, an der in Berlin (nach der Ausweisung der Hugenotten aus Frankreich) Franz\u00f6sisch gelehrt wurde, hie\u00df denn auch Coll\u00e8ge Royale Fran\u00e7ais. Es diente der Prinzenerziehung, aber allm\u00e4hlich gewann auch die obere B\u00fcrgerschicht Interesse daran. Die Lehrer waren Muttersprachler, aber keine ausgebildeten Sprachlehrer, so dass die Grammatik eine untergeordnete Rolle spielte. Das \u00e4nderte sich entscheidend erst, als Franz\u00f6sisch Schulfach wurde. Die Texte, die dabei verwendet wurden, hatten in der Regel keinen Bezug zu Frankreich, sondern zur klassischen Antike, zum Teil sogar zur deutschen Geschichte. Es konnte also sein, dass man einen franz\u00f6sischen Abituraufsatz \u00fcber einen deutschen F\u00fcrsten schreiben musste! Wenn es mal einen Bezug zu Frankreich gab, dann wurde meistens gestichelt. So wurde in einer Anekdote von einem franz\u00f6sischen Marquis berichtet, der so viel Zeit auf seine Toilette verwandte &#8211; franz\u00f6sische Dekadenz &#8211; dass er die Sonnenfinsternis dieses Tages verpasste und daraufhin eine sofortige Wiederholung des Schauspiels verlangte! Jetzt gab es keine Dialoge mehr, keine m\u00fcndliche Sprache, keine Alltagsszenen, jetzt ging es um Grammatik und auch darum, das Denken zu f\u00f6rdern. Denn Franz\u00f6sisch wurde vermarktet als besonders rationale Sprache, als Sprache, die die nat\u00fcrliche Ordnung der Dinge reflektierte (<em>la g\u00e9nie de la langue fran\u00e7aise<\/em>). Das war eins der Verkaufsargumente f\u00fcr das Franz\u00f6sische. Dazu kamen die Begeisterung f\u00fcr Aufkl\u00e4rung und, zumindest anfangs, die Franz\u00f6sische Revolution, f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, es dem Adel gleichzutun. Es gab aber auch gewichtige Gr\u00fcnde gegen das Franz\u00f6sische: die Vormachtstellung des Lateinischen und die neue Begeisterung f\u00fcr das Griechische (durch die griechische Befreiungsbewegung). Das Franz\u00f6sische, fand man, konnte man den Gouvernanten und Privatlehrern \u00fcberlassen. Au\u00dferdem entwickelte sich neben der Frankreichbegeisterung auch eine regelrechte Frankophobie, vor allem, als Frankreich zur Besatzungsmacht wurde. Auch der einflussreiche Pietismus stellte sich gegen das Franz\u00f6sische, die Kultur des Absolutismus und der dekadenten franz\u00f6sischen Aristokratie.\u00a0(Walter Kuhfu\u00df \u201eFranz\u00f6sischunterricht um 1800 in Preu\u00dfen \u2013 Von der Prinzenerziehung zum Schulfach\u201c)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Gr\u00fcnde sprachen f\u00fcr das Erlernen des Franz\u00f6sischen: Nutzen, Bildung, Distinktion. N\u00fctzlich war es vor allem f\u00fcr H\u00e4ndler, die ihre Waren in anderen Teilen Europas verkaufen wollten. Schon im 14. 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