{"id":5468,"date":"2014-07-21T08:13:42","date_gmt":"2014-07-21T06:13:42","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?p=5468"},"modified":"2020-06-17T18:28:30","modified_gmt":"2020-06-17T16:28:30","slug":"mozart-effekt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/pregonero.de\/?p=5468","title":{"rendered":"Mozart-Effekt"},"content":{"rendered":"<p>Der Mozart-Effekt: Paradebeispiel f\u00fcr fragw\u00fcrdige Forschung und die fragw\u00fcrdige Wiedergabe von Forschungsergebnissen an die \u00d6ffentlichkeit. Und eine \u00d6ffentlichkeit, die diese Ergebnisse mit religi\u00f6ser Inbrunst aufnimmt: Mozart-Musik, so hie\u00df es, verbessere die kognitiven Leistungen von Studenten. Das hatten Frances Rauscher und Gordon Shaw von der University of California in einem Experiment &#8220;nachgewiesen&#8221;. Es wurde kolportiert, klassische Musik mache Kinder kreativer, intelligenter und geistig ges\u00fcnder. Auf einer wilden Begeisterungswelle versorgten ehrgeizige Eltern ihre Babys mit klassischer Musik, und der Gouverneur von Georgia versprach, jedes Baby von Seiten des Staates mit einer CD mit klassischer Musik auszustatten. Den Skeptikern wollte, wie immer, niemand mehr zuh\u00f6ren. Die machten darauf aufmerksam, dass a) der Effekt nach einer Viertelstunde wieder verpufft war, dass b) jede Musik diesen Zweck erf\u00fcllte und dass c) \u00fcberhaupt jede geistige Anregung diesen Zweck erf\u00fcllte. Es musste nicht Mozart sein, es konnte auch Stephen King sein. Die Legende verbreitete sich trotzdem. Dass Musik irgendwie das Gehirn beeinflusst, steht (fast) au\u00dfer Frage, die Frage ist nur: wie? Und wie kann man das nachweisen? Wenn Kinder, die ein Instrument spielen, bessere Sprachleistungen erbringen als Kinder, die kein Instrument spielen, muss das nicht am Musikunterricht liegen. Vielleicht haben \u00fcberdurchschnittlich sprachbegabte Kinder einfach mehr Interesse an Musik. Oder vielleicht sind Eltern, die ihre Kinder ein Instrument erlernen lassen, einfach wohlhabender und gebildeter als andere Eltern und f\u00f6rdern ihre Kinder mehr. Es besteht also eine Korrelation, kein Kausalzusammenhang zwischen den beiden Ph\u00e4nomenen. Ob sich Musik auf den IQ oder \u00fcberhaupt auf andere F\u00e4higkeiten oder die Pers\u00f6nlichkeit auswirkt, ist schwer nachzuweisen. Dazu m\u00fcsste man eine repr\u00e4sentative Gruppe von Kindern aus allen sozialen Schichten haben und sie viele Jahre lang beobachten. Man m\u00fcsste also eine L\u00e4ngsschnittstudie machen. Man k\u00f6nnte dann per Los entscheiden, welche Kinder Kunst- und welche Kinder Musikunterricht bekommen und k\u00f6nnte dann sehen, welcher der Kinder den besseren Schulabschluss bekommen. Aber das machen erfahrungsgem\u00e4\u00df weder Eltern noch Kinder mit, und f\u00fcr die Forscher ist es eine zeit- und kostenintensive Angelegenheit. Man k\u00f6nnte auch versuchen, herauszufinden, ob sich Musik auf die sozialen F\u00e4higkeiten der Kinder auswirkt. Werden Kinder durch Musik emphatischer, friedlicher, kooperativer? Sch\u00f6n w\u00e4r&#8217;s. Immerhin berichten viele Musiklehrer, dass sich die Atmosph\u00e4re in der Klasse schlagartig \u00e4ndert, wenn der Musikunterricht beginnt und auch ausgewiesene Rabauken ihre Instrumente mit Sorgfalt behandeln. Auch das beruht aber zun\u00e4chst einmal nur auf Beobachtungen. Stichhaltige Nachweise gibt es kaum. Man sollte Musik um der Musik willen aus\u00fcben, nicht um irgendwelcher Nebeneffekte willen. (Dr\u00f6sser, Christoph: &#8220;Machen T\u00f6ne schlau?&#8221;, in: <em>Die Zeit <\/em>26\/2014: 31-32)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mozart-Effekt: Paradebeispiel f\u00fcr fragw\u00fcrdige Forschung und die fragw\u00fcrdige Wiedergabe von Forschungsergebnissen an die \u00d6ffentlichkeit. 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