{"id":8650,"date":"2016-09-27T19:12:13","date_gmt":"2016-09-27T17:12:13","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?p=8650"},"modified":"2020-06-17T14:53:48","modified_gmt":"2020-06-17T12:53:48","slug":"nero-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/pregonero.de\/?p=8650","title":{"rendered":"Nero (2)"},"content":{"rendered":"<p>Nero folgte seinem Adoptivvater Claudius auf den Thron. Er wurde damit der 5. R\u00f6mische Kaiser. Er beging schon mit 30 Selbstmord. Mit seinem Tod ging eine \u00a0friedliche und f\u00fcr die einfachen Menschen gute Kaiserzeit zu Ende.<\/p>\n<p>Die Ausstellung zeigt nicht den \u201ewahren\u201c Nero, sondern das \u2013 oft verzerrte &#8211; Bild, das man sich im Laufe der Jahrhunderte von ihm gemacht hat. Nero war f\u00fcr die Nachwelt einerseits ein l\u00e4cherlicher M\u00f6chtegernk\u00fcnstler, andererseits der Inbegriff des B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Einer der Schwerpunkte der Ausstellung ist das Nachleben von Nero auf der B\u00fchne und im Film und im Buch. Gleich zu Anfang gibt es eine beeindruckende Menge von Werbeplakaten f\u00fcr Filme, die Nero zum Gegenstand haben, auch wenn er nicht immer im Titel erscheint<em>: Mio figlio Nerone<\/em>, <em>The History of Mankind<\/em>, <em>Le calde notte<\/em> <em>di Popea<\/em>. Auch einer der ersten Filme \u00fcberhaupt, ein Film, der nur eine L\u00e4nge von einer Minute hat, hatte Nero zum Thema. Es gibt sogar ein Brettspiel, das <em>Nero<\/em> hei\u00dft. Und dann gibt es nat\u00fcrlich <em>Quo vadis?<\/em> Das Buch, f\u00fcr das Sienkiewics den Nobelpreis bekam, gibt es hier in verschiedenen Ausgaben. Und Szenen aus dem Film mit Peter Ustinov. Der Film verbindet die legend\u00e4re Begegnung von Jesus und Petrus (\u201eQuo vadis, domine?\u201c) mit Motiven der Christenverfolgung. Viele der Filme sind billige Machwerke, aber es gab auch schon in den f\u00fcnfziger Jahren Filme, die sich kritisch mit dem eigenen Thema auseinandersetzten.<\/p>\n<p>Das negative Image geht schon auf die ersten Biographen zur\u00fcck. Der Mord an Britannicus, der Selbstmord Senecas, die Hinrichtung der Christen, der Brand Roms standen im Vordergrund. Flavius Josephus machte es sich zur Aufgabe, diese Vorstellung zu relativieren, aber das wirkte nicht nach. Die allererste Beschreibung Neros stammt von Sueton. Demnach war Nero eher sch\u00f6n als fein, hatte einen feisten Nacken und einen Schmerbauch. Die Beschreibung entstand aber erst sp\u00e4t nach Neros Tod.<\/p>\n<p>Mittelalterliche Auslegungen nahmen antike Quellen als Ausgangpunkt und schm\u00fcckten sie nach Belieben aus. Nero wird vor allem als L\u00fcstling dargestellt. Er soll Sex mit der Mutter und der Schwester gehabt und einen Mann zur Frau gehabt haben.<\/p>\n<p>In einem Tarotspiel sieht man eine Karte, auf der Nero beim Brand von Rom ein Kind in die Flammen wirft. Nero war, als der Brand ausbrach, allerdings gar nicht in Rom. Er hielt sich auf seinem Landsitz in Antium auf. Der Brand vernichtete ein Drittel Roms. Nero kam sofort zu Hilfe, \u00f6ffnete seine Privatg\u00e4rten als Notunterk\u00fcnfte, lie\u00df Lebensmittel herbeischaffen. Und sein eigener Palast wurde zerst\u00f6rt. Allerdings lie\u00df er dann die noch viel gr\u00f6\u00dfere und pr\u00e4chtigere <em>Domus Aurea<\/em> errichten (von deren Kolossalstatue das Kolosseum seinen Namen hat), und das brachte ihn in den Verdacht, von dem Brand profitiert zu haben.<\/p>\n<p>Im Mittelalter und der fr\u00fchen Neuzeit galt Nero einfach als Ungeheuer. In der Apokalypse des <em>Beato de Li\u00e9bana<\/em> erscheint er als apokalyptischer Tyrann. In der Weltchronik des Jans Jansen wird ein Thema aus der Geheimen Offenbarung aufgenommen, in der von der Geburt einer Kr\u00f6te die Rede ist. Aus der Chronik wird \u00a0ein Bild in hellen Farben gezeigt, das Nero liegend darstellt, mit einer kindlich wirkenden Krone auf dem Kopf. Zu seinen F\u00fc\u00dfen ein Bottich mit der Kr\u00f6te. Der Legende nach hatte Nero versucht, schwanger zu werden und ein Kind zu geb\u00e4ren, um seine G\u00f6ttlichkeit unter Beweis zu stellen, denn nur den G\u00f6ttern war es verg\u00f6nnt, das Geschlecht zu wechseln. Das sahen die Christen als Sakrileg an, als \u00a0Versto\u00df gegen die gottgewollte Ordnung. Die Legende wurde etymologisch untermauert, indem man unterstellte, das Wort <em>Laterana<\/em> basiere auf dem Wort f\u00fcr \u201aKr\u00f6te\u2018. Die Kr\u00f6te stand gleich f\u00fcr drei Tods\u00fcnden: Habsucht, Hochmut, Wollust.<\/p>\n<p>Seinen Durchbruch als Thema schaffte Nero in der fr\u00fchen Neuzeit. Aus dieser Zeit sind Kupferstiche, Federzeichnungen, Radierungen vertreten. Nero, ziemlich realistisch dargestellt, nach dem Vorbild der Darstellung auf antiken M\u00fcnzen, mit zusammengebissenen Lippen, vorgeschobenem Kinn, Hakennase, angestrengter Mimik. Auch ein Stuckwerk von der Rathauslinde in K\u00f6ln zeigt ihn so.<\/p>\n<p>Claudius hatte Neros Mutter Agrippina geheiratet und ihn als Adoptivsohn angenommen. Sein \u00e4rgster Konkurrent war Britannicus, der Sohn Claudius\u2018. Der soll von Nero vergiftet worden sein. Dazu gibt es hier ein wunderbares, gro\u00dfformatiges \u00d6lgem\u00e4lde von Sylvestre, in dem das Gift an einem Sklaven ausprobiert wird. Der Sklave windet sich unter den Augen Neros und der Giftmischerin Locusta am Boden, im Todeskampf. Locusta, dunkelh\u00e4utig, mit Zopf und Ohrringen, an eine Zigeunerin erinnernd, st\u00fctzt einen Arm vertraulich auf das Bein Neros. Das Gift gegen Britannicus soll bei einem Festessen eingesetzt worden sein. Allerdings ignoriert die Legende, dass es damals noch gar kein so schnell wirkendes und unauff\u00e4lliges Gift gab!<\/p>\n<p>Nero nahm sich das Leben, indem er sich einen Dolch in die Kehle stie\u00df. Das wird hier auf einem dramatischen \u00d6lgem\u00e4lde dargestellt. Ein ganzes B\u00fcndel von Menschen st\u00fcrzt sich auf ihn wie Ringer, um ihn vom Selbstmord abzuhalten. Historisch, sagt man, sei er eher zum Selbstmord angestiftet worden.<\/p>\n<p>Ein verwandtes Motiv ist der Selbstmord Senecas. Seneca wurde als Erzieher Neros von Agrippina an den Hof geholt. Verzicht und Askese waren seine Leitmotive. Selbst war er aber einer der reichsten M\u00e4nner Roms. Seneca soll von Nero zum Selbstmord angestiftet worden sein. Der Selbstmord wird auf einem \u00d6lgem\u00e4lde von Honthorst (XVII) in dramatischem Chiaroscuro dargestellt. Ein Arzt schlitzt mit einem Messer die Venen Senecas auf, ein anderer reicht ihm den Schierlingsbecher. Aus den Armen l\u00e4uft Blut. Senecas F\u00fc\u00dfe ruhen in einer Sch\u00fcssel mit Wasser. Das soll den Prozess beschleunigen. Seneca, mit entbl\u00f6\u00dfter Brust und gepflegtem Bart, hat eine w\u00fcrdige Haltung. Das Licht, dessen Quelle nicht sichtbar ist, aber das Teile des Bildes stark erhellt und schwere Schatten wirft, f\u00e4llt auf ihn.<\/p>\n<p>Dasselbe Motiv erscheint auf einem anderen \u00d6lgem\u00e4lde. Altomonte, der Maler, verlegt die Szene ins Freie! Hier ist Nero bei dem Selbstmord Senecas pr\u00e4sent, in einer S\u00e4nfte sitzend, auf der linken Seite des Gem\u00e4ldes. Seneca erscheint auf der rechten Seite. Farblich sind die beiden Bildh\u00e4lften voneinander abgesetzt. Links dominieren Braun und Rot, rechts dominieren Gr\u00fcn und Wei\u00df. Die Gesten der Beteiligten sind manieriert, trotz des dramatischen Ereignisses.<\/p>\n<p>Ein besonders sch\u00f6nes Gem\u00e4lde hat den Brand von Rom zum Thema. Das Gem\u00e4lde, von Hubert Robert, dem \u201eRuinenmaler\u201c, zeigt das n\u00e4chtliche brennende Rom im Hintergrund, aus der Ferne durch einen erh\u00f6hten Arkadengang betrachtet. Die roten Flammen heben sich von dem dunklen Hintergrund ab und haben ihre eigene Sch\u00f6nheit. Bei einem solchen Gem\u00e4lde erf\u00e4hrt der Betrachter, laut Burke, das \u201eErhabene\u201c, das \u201eSublime\u201c, ein wonnevolles Grauen angesichts der Darstellung von Gefahr oder Schmerz.<\/p>\n<p>Eine interessante Geschichte hat eine Gipsfigur von Emilio Gallori (XIX), die Nero in Frauenkleidern darstellt, mit m\u00e4nnlichen Gesichtsz\u00fcgen, aber weiblicher Pose. Sie erregte Unmut und wurde von der Wiener Weltausstellung ausgeschlossen, unter dem Vorwand, es handele sich um eine Gipsfigur und es w\u00fcrden nur Marmorfiguren akzeptiert. Bis heute ist schwer zu entscheiden, was die Figur eigentlich darstellt. Ist es Nero auf der B\u00fchne? Man wei\u00df, dass Nero mehrmals auch in Frauenrollen auftrat. Oder ist es eine Anspielung auf seine Hochzeiten? Er verm\u00e4hlte sich zweimal mit freigelassenen Sklaven, Sporus und Pythagoras. In einem Fall \u00fcbernahm er die Rolle des Br\u00e4utigams, in dem anderen die der Braut.<\/p>\n<p>Eine Bronzefigur (der Abguss eines Originals, das ebenfalls aus Gips war) zeigt Nero mit Seneca. Seneca hat eine Schriftrolle auf dem Scho\u00df. Er weist mit einem Finger darauf. Nero sitzt ihm gegen\u00fcber, l\u00e4ssig zur\u00fcckgelehnt, eher gelangweilt. Seneca macht dagegen einen konzentrierten, engagierten Eindruck. Hinter ihm steht eine Trommel, die weitere Schriftrollen enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Im oberen Stockwerk ist das goldbestickte Seidengewand der Kaiserin Kunigunde (Reproduktion) mit Szenen aus der Petrus-Vita zu sehen. Hier sieht man, wie Nero von W\u00f6lfen gerissen wird. Der christlichen Legende zufolge hatte er aus Rom fl\u00fcchten m\u00fcssen und war in den Wald geraten, nachdem es einen Aufstand gegeben hatte wegen der Hinrichtung von Petrus und Paulus.<\/p>\n<p>Auf einem kleinformatigen Bild wird dargestellt, wie Sporus auf Befehl Neros entmannt wird. Er hatte Sporus in Frauenkleider gesteckt und nach Frauenart geschm\u00fcckt. Dies geh\u00f6rt zu den historisch nicht nachgewiesenen Grausamkeiten Neros. Historisch verb\u00fcrgt sind die Ermordungen von Agrippina, seiner Mutter, und von Octavia, seiner ersten Ehefrau. Die soll auf Betreiben seiner damaligen Geliebten Poppea get\u00f6tet worden sein. Auf einem Gem\u00e4lde wird dargestellt, wie dem im Halbdunkel auf einer Bank sitzenden Paar das Haupt der get\u00f6teten Octavia auf einem Tablett pr\u00e4sentiert wird, eine Szene, die an die Geschichte um Salome erinnert.<\/p>\n<p>Historisch nicht verb\u00fcrgt ist die T\u00f6tung von Poppea, Neros zweiter Ehefrau. Sie ist hier mit einem sehr sch\u00f6nen Portrait vertreten, mit feinen Gesichtsz\u00fcgen und einem hauchd\u00fcnnen, wei\u00dfen Schleier, der ihr vom Kopf \u00fcber die Schulter f\u00e4llt. Nero soll sie durch einen Fu\u00dftritt in den Unterleib w\u00e4hrend ihrer Schwangerschaft get\u00f6tet haben. Heute geht man eher von Schwangerschaftskomplikationen als Grund f\u00fcr ihren Tod aus.<\/p>\n<p>In einem Kupferstich (XVI) sieht man Messalina, Neros dritte Frau. Mit ihr reiste er nach Griechenland, zu den Olympischen Spielen. Sie hatte keine so gro\u00dfe Nachwirkung wie Poppea, seine zweite Frau.<\/p>\n<p>Aus dem Rahmen f\u00e4llt ein Gem\u00e4lde von Smirnow, einem russischen Maler, das den Tod Neros schildert. Nero liegt auf dem gepflasterten Boden, wohl im Freien, vor einer Marmorstufe. Blut l\u00e4uft aus seinem Kopf. Er ist nicht als Kaiser kenntlich gemacht. Hinter ihm, auf einem Gehweg, sind zwei Frauen mit einer Trage zu sehen, mit verzierten Griffen. Sie sind gekommen, um den Toten zu bestatten. Im Zentrum des Gem\u00e4ldes steht seine letzte Geliebte, eine befreite Sklavin, die einzige, die ihm die Treue gehalten hat. Sie tr\u00e4gt Ohrringe und einen Schleier und blickt sinnierend auf den toten Nero.<\/p>\n<p>Dieses Gem\u00e4lde geh\u00f6rt noch in die letzte Phase des Nero-Booms, den es im 19. Jahrhundert gab, parallel zur Historienmalerei der Epoche. Im 18. Jahrhundert war Nero ins Abseits geraten. Davor gab es seit der Renaissance Dramen \u00fcber Nero, meist mit zeitgen\u00f6ssischem Bezug. Von zentraler Bedeutung was <em>Britannicus<\/em> von Racine. Die Auff\u00fchrungspraxis \u00e4nderte sich im Laufe der Zeit, u.a. durch die Einf\u00fchrung historischer Kost\u00fcme statt zeitgen\u00f6ssischer Kost\u00fcme, und auch das Bild von Nero \u00e4nderte sich. F\u00fchrende franz\u00f6sische Schauspieler traten in dem St\u00fcck auf, darunter Talma, den man hier als nachdenklichen Nero mit Lorbeerkranz in antikem Kost\u00fcm auf einem Gem\u00e4lde von Delacroix sieht. Die Darstellung erinnert auch an Napoleon, den Talma verehrte.<\/p>\n<p>In der Oper war Nero vor allem in Italien von Bedeutung, in Dramen vor allem in England und Frankreich. Liebesgeschichten und Hofintrigen standen im Vordergrund. Auf einem \u00d6lgem\u00e4lde sieht man das aufw\u00e4ndige B\u00fchnenbild der Oper <em>Nero<\/em> von Mascagni, in der es um Nero als K\u00fcnstler ging. Eine riesige Palastanlage, in der ein r\u00f6misches Gelage stattfindet, bildet den Vordergrund. Im Hintergrund l\u00e4uft auf einer erh\u00f6hten B\u00fchne eine Szene aus der Oper, vor einer reichen, bunten Kulisse mit klassischen S\u00e4ulen. Auf der B\u00fchne sind fast so viele Figuren vertreten wie bei dem Gelage. Musikalisch wurde das Thema auch von H\u00e4ndel, Monteverdi und Boito behandelt. Aus H\u00e4ndels Oper sieht man hier einen Teil der Partitur.<\/p>\n<p>Die einzig komische Variante ist <em>Quo vadis<\/em>?, eine Zarzuela von Chap\u00ed, Sie handelt von einem Arbeitslosen, der durch ein magisches Br\u00f6tchen eine Zeitreise antritt, auf der er Nero, dem Cid und dem Emir von Cordoba begegnet.<\/p>\n<p>Eine ganz exzentrische Behandlung des Themas stammt von vier russischen K\u00fcnstlern, darunter Malevich. Die Besonderheiten der Oper waren eine unverst\u00e4ndliche Handlung, gewolltes Falschsingen, nicht gestimmte Instrumente und dadaistische Texte. Die Oper hie\u00df <em>Sieg \u00fcber die Sonne<\/em>. Sie erlebte nur zwei Auff\u00fchrungen.<\/p>\n<p>Am Schluss der Ausstellung gibt es noch moderne Karikaturen zu Nero. Immer wird das Motiv des leierspielenden Nero vor dem brennenden Rom aufgenommen, eine weltweit bekannte Ikone. Als Nero erscheinen in den Karikaturen heutige Ber\u00fchmtheiten wie Berlusconi, Bush oder Blatter. (Sonderausstellung im Stadtmuseum Trier)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nero folgte seinem Adoptivvater Claudius auf den Thron. Er wurde damit der 5. R\u00f6mische Kaiser. Er beging schon mit 30 Selbstmord. Mit seinem Tod ging eine \u00a0friedliche und f\u00fcr die einfachen Menschen gute Kaiserzeit zu Ende. 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