{"id":8670,"date":"2016-10-17T16:25:04","date_gmt":"2016-10-17T14:25:04","guid":{"rendered":"http:\/\/pregonero.de\/?p=8670"},"modified":"2020-06-17T14:53:06","modified_gmt":"2020-06-17T12:53:06","slug":"feierabendintegration","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/pregonero.de\/?p=8670","title":{"rendered":"Feierabendintegration"},"content":{"rendered":"<p>Petros Markaris, der griechische Krimiautor, spricht in einem feinen, einf\u00fchlsamen nachdenklichen Artikel \u00fcber Fl\u00fcchtlinge und Einheimische, beginnend mit den Griechen, die nach der &#8220;kleinasiatischen Katastrophe&#8221; und dem folgenden V\u00f6lkeraustausch von der Schwarzmeerk\u00fcste und aus Kleinasien nach Griechenland gekommen sind. Sie seien dort nicht willkommen gewesen. Viele Schiffe mussten von einem Hafen zum n\u00e4chsten fahren, weil die Bewohner die H\u00e4fen besetzten und den Ausstieg der Einwanderer verhinderten. Verst\u00e4ndlich, sagt Markaris. Das Land lag in Scherben, die einheimischen Griechen mussten selbst ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen. Ihre Haltung sei kein Ausdruck von Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit gewesen. Sie konnten ihr karges Brot nicht mit den Neuank\u00f6mmlingen teilen. Es habe nicht einmal f\u00fcr sie und ihre Kinder gereicht. Er selbst hatte in seiner Jugend das friedliche Zusammanleben verschiedener V\u00f6lker in Istanbul erlebt, aber hier hatte es keine Neuank\u00f6mmlinge gegeben. Alle waren &#8220;schon immer&#8221; da. Aber auch das sei keine multikulturelle Gesellschaft gewesen, genauso wenig wie die heutigen Gesellschaften. Das multiethnische Zusammenleben begrenzte sich auf das Gesch\u00e4fts- und   Stra\u00dfenleben. Das Familien- und Privatleben blieb davon unber\u00fchrt, wie   in vielen \u201emultikulturellen\u201c Gemeinschaften, die eigentlich   multikommunale Gemeinschaften seien, mit mehreren Gemeinden, die ihre   Sprache, Kultur, Religion und Tradition behalten wollten und eine   Mischkultur ablehnten. Die &#8220;Tagesintegration&#8221; sei eine Sache, eine andere die &#8220;Feierabendintegration&#8221;. Hier beg\u00e4nnen die Schwierigkeiten, und zwar sowohl auf Seiten der G\u00e4ste als auch auf Seiten der Gastgeber. Er selbst habe gute Beziehungen zu seinen Mitsch\u00fclern in Istanbul gehabt, aber er sei w\u00e4hrend der ganzen Jahre nicht einmal in eine t\u00fcrkische Familie eingeladen worden. Genauso wenig habe er selbst jemals einen t\u00fcrkischen Klassenkameraden zu sich eingeladen. Der private Bereich blieb getrennt. Immer wieder h\u00f6re er heute die Klage, die G\u00e4ste wollten sich nicht integrieren. Sie w\u00fcrden in Enklaven leben und sich abschotten. Das stimme zwar, aber daf\u00fcr gebe es gute Gr\u00fcnde. Die Einwohner k\u00e4men in ein fremdes, ihnen unbekanntes Land. Es sei einleuchtend, dass sie ihre Landsleute suchten, um Angst und Verunsicherung zu \u00fcberwinden. Aber auch die Einheimischen wollten im Grunde die Ausgrenzung der G\u00e4ste. Wenn sie schon in der gleichen Stadt leben m\u00fcssten, dann doch bitte so weit weg wie m\u00f6glich. Markaris wei\u00df, wovon er spricht. Er hat selbst einer Auswandererbiographie. Seine Familie reiste nach der Ausweisung der Istanbuler Griechen aus &#8211; ausgerechnet nach Griechenland. (Markaris, Petros: \u201eLeben in einem fremden Land\u201c,  in: <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> 237\/2016: 15)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petros Markaris, der griechische Krimiautor, spricht in einem feinen, einf\u00fchlsamen nachdenklichen Artikel \u00fcber Fl\u00fcchtlinge und Einheimische, beginnend mit den Griechen, die nach der &#8220;kleinasiatischen Katastrophe&#8221; und dem folgenden V\u00f6lkeraustausch von der Schwarzmeerk\u00fcste und aus Kleinasien nach Griechenland gekommen sind. 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