Linksruck

Daimler und Benz sind sich nicht persönlich begegnet. Das mag man kaum glauben, schon deshalb, schon wegen des alten Firmennamens Daimler-Benz. Aber die Fusion wurde später vollzogen.

Benz, der als Karl Friedrich Michael Wailand (fälschlich für Vaillant) ins Taufregister eingetragen worden war, hatte seine erste Fabrik in Mannheim,die Benz & Cie. Da war er, verärgert über eine Patentklage Daimlers, ausgestiegen und hatte eine neue Firma gegründet, in Ladenburg, Carl Benz Söhne. Hier, in Ladenburg, in der Fabrikhalle, befindet sich heute das Museum, in dem man das alles erfährt.

Am Rande der Fabrikhalle ist ein Raum mit Möbelstücken zeitgemäß hergerichtet, so wie zu der Zeit, als Benz hier seine Entscheidungen traf. Der Raum zeigt die gediegene Atmosphäre der Gründerzeit. Es heißt, dass Benz sich hierher heimlich mit seinen Söhnen zurückzog, um Karten zu spielen. Seine Frau durfte nichts davon wissen. Wenn sie sich näherte, musste einer der Angestellten rufen “Die Fee flattert ins Haus”. Daraufhin widmeten sich die Männer wieder der Arbeit.

In der Fabrikhalle sind, neben Paraphernalia wie einer Zapfsäule, Straßenschildern, Werbeplakaten, Verkehrszeichen, Fahrzeuge ausgestellt, die von Benz hergestellt wurden und, um sie herum gruppiert, alle möglichen Fahrzeuge anderer Unternehmen, meist emblematische Fahrzeuge wie der VW-Käfer (mit Brezelfenster), das T-Modell von Ford, ein Rennwagen von der Avus usw.

Die echten Hingucker sind aber die ersten Autos, sofern sie diesen Namen verdienen. Das allererste ist ein dreirädriges Gefährt, der Patentwagen Nummer 1, mit ganz dünnen Reifen. Mit ihm wurde 1886 die erste Fahrt unternommen, wohl die erste Fahrt mit einem motorgetriebenen Fahrzeug überhaupt, in Mannheim. Daneben steht der Wagen, der Patentwagen Nummer 3, schon etwas größer und mit breiteren Reifen ausgestattet, aber immer noch ein Dreirad, mit dem die erste Fernfahrt unternommen wurde, 1888, von Mannheim nach Pforzheim. Die unternahm nicht etwa Benz, sondern seine Frau Bertha, mit ihren Söhnen. Pforzheim war ihre Heimatstadt, und die Kinder wollten, so heißt es, ihre Oma besuchen (tatsächlich war es wohl eine Werbefahrt für den Wagen, der nicht so viel Anklang beim Publikum gefunden hatte). Das musste heimlich geschehen, ohne, dass der Vater es wusste, und so brach man am Morgen auf, als der noch schlief. Es waren insgesamt 106 Kilometer. Aufgetankt wurde unterwegs bei einem Apotheker!

Alle frühen Autos haben das Lenkrad auf der rechten Seite. Dann, ab Mitte der zwanziger Jahre, beginnt das Lenkrad, auf der linken Seite zu erscheinen. Das Museum gibt folgende Erklärung: Die Kutscher auf den Pferdewagen saßen auf der rechten Seite, damit sie die Fahrgäste auf der linken Seite herauslassen konnten, so, dass sie nicht durch den Straßenmatsch laufen mussten, sondern gleich auf den Gehsteig absteigen konnten, mit Hilfe des Kutschers, der ihnen die Tür aufhielt und die Hand reichte. Also hatten auch die ersten Automobile den Fahrersitz rechts. Dann wurde es aber immer deutlicher, dass die Gefahren auf der anderen Seite lauerten: Straßengräben und entgegenkommende Fahrzeuge. Die stießen oft aneinander, weil die Fahrer die Breite des entgegenkommenden Fahrzeugs nicht richtig einschätzten. Also verlegte man den Fahrersitz nach links.

 

 

 

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