Übersetzerstab

In der Touristeninformation in Montpellier stieß ich auf das dreisprachige Faltblatt des Hotel Ulysse . Dessen deutscher Teil ist ein sprachliches Juwel: Das Hotel befinde sich, werden wie belehrt, „in einer üppigen Umgebung“, es wird „einen des angenehmsten Aufenthalts erleichtern“ die Möbel „sind gemacht mit einem ursprünglichen verarbeiteten Eisen und der Qualität des gegebenen accomodations“. Daneben die rätselhafte Formulierung, die Räume hätten „Farbfernsehen, Telefon und Ministab“. Was zum Teufel ist ein Ministab ? Dann fällt der Groschen. Da hat jemand in einem Wörterbuch das Wort bar nachgeschlagen. Etymologisch besteht sogar ein Zusammenhang!

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Gar nicht mal so doof

„Die sind strohdoof“, versicherte mir eine Studentin, in breitestem Trierer Akzent sprechend, über die Spieler einer lokalen Fußballmannschaft. „Strohdoof. Aber die wissen, dass sie strohdoof sind. Die sind ja nicht doof.“

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Wie aus dem Lehrbuch

Ein spanischer Freund sprach auf seiner ersten Reise nach Deutschland im Zug eine ihm gegenüber sitzende deutsche Frau an. Er hatte gerade erst angefangen, Deutsch zu lernen und war über Lektion 1 nicht hinausgekommen. Da auch der Dialog von Lektion 1 im Zug spielte, stellte er die gleiche Frage wie im Lehrbuch: „Wohin fahren Sie?“. Und bekam zur Antwort: „Nach Hamburg“ – die gleiche Antwort wie im Lehrbuch!

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Borderline Case

In a programme dealing with security measures for the 2006 World Cup, a television reporter was heard to say that a major influx of football supporters would come from Italy, “one of Germany’s neighbours”. The man was speaking from Milan, and was the BBC correspondent in Italy. I felt some relief that it was not a German reporter who had made that comment.

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New underground station?

An Irish friend asked for the way in the London Underground and was told that she had to change trains in a place called Olden or Owden or something like this. She did not quite get the name but was sure it began with an O. So she started for the underground map and looked for such a station but could not find any. No station of the London Underground seemed to begin with an O. So she went back to the information desk and asked again. The man emphatically repeated the name of the station, pointing at the same time at the name of the place on the map. It was Holden.

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New grade?

When talking to a colleague from the International Office of John Moores University in Liverpool, I was told that our students, in order to be admitted to all courses, needed to attain Grade F in the initial language test. I enquired if F was the highest grade, and the colleague said no, that the scale went further up, that, as far as she knew, it went “up to haitch”.

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Schräger Humor

Beim Festakt zur Emeritierung von Prof. Hasler machte der Festredner auf eine sprachliche Besonderheit aufmerksam, die mir noch nie aufgefallen war, obwohl ich mich mit dem Thema beschäftigt hatte: Man „heult sich gesund“ im Deutschen, aber man „lacht sich krank/schief/tot/kaputt“! Hinzufügen kann man noch den auf den ersten Blick rätselhaften Ausdruck „sich einen Ast lachen“, wenn man weiß, dass Ast hier in seiner alten Bedeutung von ‚Buckel’ gebraucht wird.

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Auslandsdeutsch

Das Wort Ausländer ist auf dem absteigenden Ast. Ausländer heißen heute Immigranten, Fremdstämmige, Nichtdeutsche, ausländische Mitbürger (obwohl mir ein Beamter auf einer Behörde mal sagte, Ausländer seien rechtlich keine Mitbürger) oder, im schönsten Sozialarbeiterdeutsch, Menschen mit Migrationshintergrund. Was damit gewonnen sein soll, ist mir nicht klar. Ich sage weiterhin Ausländer, aber ich werde mir den Luxus nicht mehr lange leisten können: Das Wort wird immer negativer, da es fast nur noch in dumpfen Parolen wie „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!“ oder „Ausländer raus!“ vorkommt. Das ist bedauerlich, aber immerhin gibt es dem Sprachinteressierten die Gelegenheit, Sprachwandel im unmittelbaren Vollzug zu beobachten.

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Heimatgefühl

Im Junkerhaus in Lemgo, einem von einem Exzentriker für sich selbst gebauten Wohnhaus, das nur aus Schnitzereien besteht und heute Museum ist, führt ein chronisch missgelaunter und mürrischer alter Mann Aufsicht. Durch die Schnitzereien wirken auch vertraute Objekte für den Besucher fremd und werden manchmal erst auf den zweiten Blick erkannt. So auch bei einem kleinen Raum nahe dem Eingang, der zwei Jungen, die das Haus besichtigten, zu dem Ausruf veranlasste: „Ach, das ist die Toilette!“ Das gefiel dem Aufseher überhaupt nicht: „Toilette! Könnt ihr kein Deutsch? Wir früher haben noch richtiges Deutsch gesprochen. Das heißt nicht Toilette, das heißt Klo!“ Ein etymologisches Wörterbuch besaß er offenbar nicht.

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Einleuchtend?

Wie heißen die kleinen Kerzen, die in Stövchen benutzt werden, um den Tee warm zu halten? Teelichter? Das klingt einleuchtend, ist aber falsch, jedenfalls wenn man der Verpackung und dem Duden glaubt. Danach heißt es Teelichte. Als Test fragte ich eine Verkäuferin in einem Supermarkt, wo es Teelichte gäbe. Die Verkäuferin, meine linguistische Steilvorlage verpassend, antwortete „Teelichter? Ja, hinten rechts“. Dort fand ich dann die Übeltäter. Auf der Packung stand Teelichte, auf dem Preisschild Teelichter. Soviel zur präskriptiven Linguistik.

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Der Ball ist rund

Am ersten Tag des Badmintonkurses trommelte der Trainer die Freizeitsportler zusammen und erklärte, wie man verfahren würde und wie man an Bälle und Schläger kommen könne. Unter den Spielern war auch ein ausländischer Student, vielleicht ein Koreaner, der zunächst ein paar Schwierigkeiten mit den Erklärungen hatte, dann aber fast alles verstand. Ein Detail war aber immer noch nicht klar, bis der Trainer noch einmal emphatisch Schläger und Ball sagte und dabei erst den einen, dann den anderen in die Höhe streckte. „Ah, Ball!“, war die Reaktion des ausländischen Studenten, so als wolle er sagen: Das hättet ihr mir auch gleich sagen können, dass ihr Deutschen dieses merkwürdige Gebilde aus Gummipfropfen und Plastikfedern Ball nennt.

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Eine Perle von Frau

Der Direktor meiner alten Schule hatte eine Sekretärin namens Gretel, eine Stellvertreterin namens Maggie und eine Ehefrau namens Rita. Bei einem lockeren Geplänkel im Lehrerzimmer entdeckte irgendwer irgendwann die Verbindung: Sie hießen alle Margarete, und das heißt nichts anderes als ‚Perle’. Der Chef und seine Perlen.

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Schulmäßig

Während meiner Zeit als Fremdsprachenassistent in England wurde ich von meinen Schülern auf ein deutsches Wort angesprochen, das ich nicht kannte. Zuerst glaubten meine Schüler, er handele sich um ein Missverständnis, aber auch, nachdem sie mir die Schreibung des Wortes genannt hatten, stein, wusste ich nicht, worauf sie hinaus wollten. Meine Schüler fühlten sich nicht ernst genommen: „Oh, come on!“ Es war schlimm genug, wenn ich behaupten wollte, ich hätte keinen stein, aber zu behaupten, ich wüsste nicht, was ein stein ist … Seitdem weiß ich es: Das Wort stein bezeichnet im Englischen einen großen Bierkrug aus Keramik, häufig einen Bierkrug, den man mit einem Deckel schließen kann. Die Aussprache ähnelt dem Deutschen, aber <s> wird, wie manchmal in Norddeutschland, als /s/ gesprochen. Das jedenfalls sagen die Wörterbücher, aber im Mund meiner Schüler klang das Wort so verfremdet, dass es überhaupt nicht zu identifizieren war, eher wie steen. Jedenfalls wusste ich nicht, wovon die Rede war. Nicht zum letzten Mal hatte ich meine Schüler in Sachen ‚Bier’ enttäuscht.

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Der Pokal hat seine eigenen Gesetze

Welche Spieler haben bei mindestens drei Weltmeisterschaftsturnieren ein Tor erzielt? Bei der Suche nach der Antwort auf diese existenzielle Frage stieß ich im Internet auf diese Kategorie: “Spieler, die zählten in drei unterschiedlichen Weltschalen”. Es lebe der Übersetzungscomputer! Oder der Engländer mit Deutschkenntnissen?

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Frauenpower

In einer Musiksendung eines regionalen Radiosenders wurde die Pianistin Sophie-Mayuko Vetter von der Moderatorin als Gästin im Studio begrüßt. Da wollte sich eine renommierte deutsche Wochenzeitung nicht lumpen lassen und informierte, Angela Merkel sei zur achten Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden. Nicht erwähnt wurde, dass alle ihre Vorgänger Transvestiten waren.

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