Marx kreditwürdig

Im Rahmen einer wunderbaren Führung durch die Marx-Ausstellung im Stadtmuseum erfahren: Nach 1989 wollte sich Chemnitz seines prächtigen Marx-Kopfes entledigen. Man wollte die Vergangenheit hinter sich lassen und bot die Büste mehreren deutschen Städten, auch Trier, zum Kauf an. Daraus wurde aber nichts. Die Büste blieb. Im Laufe der Jahre nahm dann die Wertschätzung des Kopfes wieder zu, und irgendwann wurde er unter Denkmalschutz gestellt. Als dann, nochmals Jahre später, die Sparkasse Chemnitz, wegen der Gestaltung ihrer Kreditkarten, eine Umfrage unter den Bürgern durchführte, welche historische Persönlichkeit sie am meisten schätzten, fiel die Wahl auf Marx. Seitdem ist auf den Kreditkarten der Sparkasse das Portrait von Marx zu sehen. Was der wohl dazu sagen würde?

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Complicated process

Read this text: “The process may seem complicated but actually it is not really, so long as you prepare things in advance and know what has to be done in what order. Some of the things you need you may already have, but others, of course, you may need to get. They are not always readily available and when they are they can be quite expensive. But the final result will make all the effort and cost worthwhile.” Did you have difficulty understanding it? Then add this headline: Cooking Chicken Biryani. Now read it again. (Widdowson, H.G.: Discourse Analysis. Oxford: Oxford University Press, 2007: 49-50)

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Mist Käfer?

Der Skarabäus, ein kleiner, schwarzer Käfer, der zu der Familie der Mistkäfer gehört, war den alten Ägyptern heilig. Wie wird aus einem Mistkäfer ein heiliges Tier? Bisher dachte ich immer, dafür gebe es praktische Gründe: Der Käfer räumt den Mist weg und wühlt den Boden auf. In einer Radiosendung (SWR 2: “Gepanzert und geflügelt: Käfer”, in Matinée, 09/06/2013) wurden jetzt aber ganz andere Gründe angeführt: Die Kugel, zu der der Käfer den Mist zusammenrollte, erinnerte die Ägypter an die Sonne. Noch wichtiger: Die Ägypter konnten sich nicht erklären, wie der Käfer sich vermehrte. Aus dem Nichts, aus der Kugel entsteigt plötzlich ein fertiges Lebewesen. Dafür gab es nur eine Erklärung: Auferstehung. Die neuen Käfer sind alte, wieder zum Leben erweckte Käfer. Ein kleiner, schwarzer Käfer wird zu einer mystischen Figur, zum Symbol des Sonnenlaufs und der Auferstehung. Den heutigen Ägyptern, Muslimen wie Kopten, ist der Käfer egal. Auch als Glücksbringer ist er nicht im Gebrauch. Als solcher wird er nur für die Touristen gefertigt.

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Hitlers Bart

In einer Ausstellung im Trierer Stadtmuseum sieht man in einer Photo-Collage von John Heartfield, wie Göbbels hinter Hitler steht und ihm Marx’ Bart umbindet. Die Nationalsozialisten wussten, wie sie die Gunst der Arbeiter erlangen konnten. Auch der 1. Mai wurde erst unter den Nazis als Tag der Arbeit zum Feiertag, nachdem der Versuch, einen Tag der Arbeit einzuführen, in der Weimarer Republik gleich zweimal gescheitert war.

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Arme Japaner!

Bei einer Pressekonferenz mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe am 7. Juni 2013 sprach der französische Präsident Hollande von der Geiselnahme in Algerien, bei der zehn Japaner ums Leben kamen. Hollande übergab dabei les condoléances du peuple français au peuple chinois. Ein britisches Journal bemerkte, dass der Präsident seinen Fehler nicht bemerkt zu haben schien, wohl aber der Dolmetscher, der stillschweigend das unpassende Adjektiv ersetzte.

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Body language

Is that language? This question was mooted in class the other day after a silent role play. The role play was initiated by two students who were “in the know” and who geared the others, who were not, in the right direction. Everything went perfectly, and the students who were not in the know perfectly understood what they were supposed to do, although not a word was spoken, not a sound was heard (except for the occasional giggling or laughter). So do we want to call this language? Isn’t the term body language used to describe this kind of interaction? The answer to this question is quite simple: It depends on what you understand by language. There are actually good reasons to make a distinction and use the more technically correct term non-verbal communication instead of body language: According to Crystal, The word ‘language’ is not being used here as strictly as in the case of speech, writing, and sign. The range of signals which can be sent using body language is highly limited and unstructured compared with the virtually limitless and complex possibilities of language proper. (Crystal, David: Dictionary of Language and Languages. Harmondsworth: Penguin, 1992). This is not to say that body language is simple. We basically have three dimensions: a) facial, b) gestural, c) postural. You can, for example, roll your eyes, raise your brows, grin, b) raise your thumb, shake your head, hold your hands up, c) nudge someone, stand at a distance, bow. In addition, your appearance is also a form a communication. You can, for example, wear a tie, have your tongue pierced, shave your head. Sometimes the term paralanguage is used to refer to this kind of communication, but more strictly paralanguage refers to voice quality (creaky voice, trembling voice, etc.) and may include pitch, volume, speed, rhythm, etc. All these communicate meaning. The range of possibilities is enormous (and includes a range of possibilities for misunderstanding), and it is more limited than verbal language. Just consider how difficult it would be to crack a joke, talk about your childhood or discuss non-verbal language without using words.

 

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Gar keiner

Die Rathauszeitung zelebriert das Ergebnis des neuesten Zensus: Trier hat mehr Einwohner als angenommen! Frauen sind in der Mehrheit: 55.000. Auch Katholiken sind in der Mehrheit: 72.000, evangelisch sind 15.000. Dann heißt es: “Die Zahl der Menschen, die einer anderen oder gar keiner Religionsgemeinschaft angehören … betrug 22.690.” Ich wundere mich über die Formulierung, aber dann merke ich, dass gar keiner zweideutig ist: Betonung auf keiner ergibt einen anderen Sinn (gar = sogar) als Betonung auf gar. Das ist vermutlich gemeint, das andere habe ich zuerst verstanden. (Stadt Trier, Rathauszeitung. Föhren: Linus-Wittlich, 2013: 1)

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Grillen in Trier

Die Rathauszeitung titelt Grillen in Trier. Ich verstehe Grillen in Trier analog zu Heuschrecken in Trier oder Zirpen in Trier oder Zikaden in Trier, aber gemeint ist so etwas wie Barbecue in Tier. Beide Bedeutungen sind möglich. Ob auch Schrullen in Trier möglich ist? Dann wären es drei. (Stadt Trier, Rathauszeitung. Föhren: Linus-Wittlich, 2013: 1)

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Schubladenproblem

Eine Auseinandersetzung über die Validität sozialpsychologischer Studien – der bekannte “Florida-Effekt”, der zum Klassiker der psychologischen Literatur gehört, konnten in Nachfolgeexperimenten nicht bestätigt werden, genauso wenig wie andere Priming-Effekte  – wirft Fragen auf, die weit über die Psychologie hinausgehen. Wie verlässlich sind Studien überhaupt? Ein zentrales Problem ist, dass spektakuläre Ergebnisse Aufmerksamkeit erregen, bei Geldgebern, Fachzeitschriften, Medien, Kommissionen. Replikationsstudien gelten daher als unattraktiv. Und negative Ergebnisse verschwinden häufig im Aktenschrank. “Schubladenproblem”, nennt man das. Ist eine vermeintliche Erkenntnis erst einmal in der Welt, ist sie schwer wieder auszulöschen – in der akademischen Diskussion ebenso wie im alltäglichen Party-Talk. (Schramm, Stefanie: “Ein einmaliges Ergebnis”, in: Die Zeit 22/2013: 38)

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Vernünfftler und Gegen-Vernünfftler

Die erste deutsche Wochenzeitung hieß Der Vernünfftler. In ihm erschien auch der erste Leserbrief überhaupt, geschrieben von einer Frau. Der Vernünfftler überlebte nur ein Jahr. Dabei hatte Matheson, der Herausgeber, anonym einen Konkurrenten auf den Markt gebracht, um Aufsehen zu erregen, den Gegen-Vernünfftler. Der schlug kräftig auf seinen angeblichen Konkurrenten ein.  Diese und andere Publikationen nannten sich Moralische Wochenschriften. Der Moralist war kein Moralprediger, sondern ein Gesellschaftskritiker. Eine Moralische Wochenschrift sollte eine Zeitung sein, die das Leben und die Gesellschaft schildert und ihr nützt und zu Themen wie Steuerhinterziehung Stellung nimmt. (Erenz, Benedikt: “Die Ur-Zeit”, Interview mit dem Pressehistoriker Holger Böning, in : Die Zeit 21/2013: 18)

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Nocebo-Effekt

Das Gegenstück zu dem Placebo-Effekt ist der Nocebo-Effekt: Wer schlimme Wirkungen befürchtet, bei dem zeigen sie sich auch. Der Effekt trat u.a. in einem Experiment auf, bei dem einer Gruppe ein Film vorgeführt wurde, der vor Infraschall warnte, der anderen Gruppe ein Film, in dem die Wirkung verneint wurde. Dann wurden die Probanden Infraschall ausgesetzt, allerdings nur die Hälfte der beiden Gruppen. Bei den beiden anderen Gruppen wurde das nur behauptet. Das Ergebnis: Unabhängig davon, ob sie wirklich Infraschall ausgesetzt waren oder nicht, klagten die Probanden, die das warnende Video gesehen hatten, vermehrt über Symptome wie Kopfschmerzen. (Drösser, Christoph: “Stimmt’s?”, in: Die Zeit 22/2013: 42)

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Out of context

When we hear context, we usually think of the immediate physical situation in which an utterance is made (or, for that matter, of the words surrounding an utterance, more technically known as co-text). Widdowson makes us see that context is often just a construct, with the physical context being irrelevant. He invites us to invisage this utterance heard in a dialogue between two friends sitting on a train: He has put it in a safe place and it will not be found. Here, clearly, the train is irrelevant. The utterance would have the same context if it was heard on the platform, in the station café or on the way to the station. (Widdowson, H.G.: Discourse Analysis. Oxford: Oxford University Press, 2007: 20)

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Lesen statt Rechnen

In einem modernen Mathematiktest, in dem lauter lebensnahe Aufgaben gestellt wurde, wurden zwei Aufgaben eingeschmuggelt, die auf exakt dieselbe Rechnung hinausliefen. Nur wurde die Aufgabe beim zweiten Mal mit drei Sätzen beschrieben statt mit zwei Sätzen – und prompt sank die Zahl der richtigen Antworten. (Drösser, Christoph: So rechnet Deutschland, in: Die Zeit 23/2013: 31)

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Peacekeeping force language

An Italian friend was walking in a park, carrying his young son, a baby, in his arms, in a bundle in front of his chest. He came across a bunch of young boys kicking a ball, and it so happened that the ball came his way, so he decided to kick it back to the boys. He did not do this particularly well, or rather too well, and managed to hit the boy who came running for the ball straight in his face. No big harm had been done but the boy immediately started crying and making a fuss. My friend immediately stepped forward to soothe the boy, trying out both his French and his German on him, the whole story happening in Luxemburg. To no avail. The boy continued crying his heart out. At that moment the boy’s mother approached, furious, giving my friend a hard time and scolding him for what he had done to her beloved son. Again, he tried to apologise and make her see that no big harm had been done. To no avail. Then, all of a sudden, he heard the boy speak to his mother, and it turned out that he was speaking Italian to her. Both the boy and the mother were Italian. Immediately, things calmed down, the boy calmed down, the mother calmed down, and they fell into a friendly, lively conversation about the world and his wife, in Italian.

 

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Faule Katholiken?

Dass es in katholischen Ländern mehr Feiertage gibt als in protestantischen, ist allgemein bekannt. Ein Kulturwissenschaftler, Peter Hersche, beziffert und erklärt das in einem Radiointerview. Bei den Reformierten gibt es traditionell gerade einmal 5-7 Feiertage pro Jahr, bei den Lutheranern 15-20, bei den Katholiken mindest doppelt so viele wie bei den Lutheranern, Sonntage nicht eingerechnet. Das hat einmal etwas mit der protestantischen Arbeitsethik zu tun, andererseits aber auch damit, dass die Industrialisierung eher in protestantischen Ländern zum Zuge kam als in katholischen. Die blieben länger durch Landwirtschaft geprägt. Und Arbeit in der Landwirtschaft, jedenfalls in der traditionellen, hat ihre natürlichen Grenzen. Zu bestimmten Zeiten kann man einfach nicht viel tun. Und das schlägt sich auch im Festtagskalender nieder: Es gibt viele Feste zu Zeiten, wo es in der Landwirtschaft wenig Arbeit gab und wenige Feste zu Zeiten, wo es in der Landwirtschaft viel Arbeit gab, z.B. zur Aussaat und zur Ernte. (“Ganz schön üppig”, in: Matinée, SWR 2: 05/05/2013)

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