Keine Fragen

Studiengang Bauingenieurwesen an einer großen deutschen Gesamthochschule: Die Lehrveranstaltungen sind fast ausschließlich Vorlesungen, in der Regel in großen Hörsälen. Am Ende der Vorlesung fragt der Professor: „Noch irgendwelche Fragen?“. Manchmal kommt eine Frage, manchmal nicht. Nur ein etwas verhaltensauffälliger Student beantwortet die Frage immer: Zur Verblüffung seiner 200 Kommilitonen sagt er, laut und vernehmlich, für alle hörbar und an den Professor gewandt: „Nein, keine Fragen mehr.“

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Good at French?

Shortly after the end of my school days, I went on a trip to Southern Europe with a couple of friends. On our way, we stopped at a place in France and stayed with a French family for the night. After we had exchanged a few sentences, the hostess turned to me and said how good she thought my French was. My friends’ reaction: peals of laughter. They knew what she did not know: one of my friends had grade 2 at French at school, the other friend had grade 1, I had grade 5. Two things, I think, can be derived from this: First, native speakers tend to overrate pronunciation. If your pronunciation is reasonably good, your foreign language competence is usually thought better than it actually is. Proper pronunciation seems to be more important than grammatical accuracy or lexical precision. Second, the requirements of the school system are different from the requirements of small talk in everyday situations, and they have to be.

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Small campus

On the occasion of a recent international conference held at this university, I was addressed by an American visitor who asked me where the restaurant was. I told him it was a bit complicated to find and offered to show him the way. He was a bit surprised but came along. As we were walking down the hall, I told him that it was outside the building and that there was only one on the campus. He was even more surprised at that, and I contested that after all this was only a small university. When we got to the end of the building, I told him to cross the bridge and that it was on the left hand side, in a glass case. He looked at me completely flabbergasted, and when I added I wasn’t sure if it was open at this time of the day, he finally lost his patience and said defiantly, “Look, what are you talking about?” I said, stupidly, “I am showing you the way to the restaurant”, at which he answered, barely disguising his anger, “Look, I did not ask you for the restaurant, I asked you for the restroom.” Only later did I realise what I had done: I had told a fellow who had asked me for the toilet that a) it was complicated to find, b) it was outside the building, c) there was one only on the campus (this being a small university), d) it was in a glass case, and e) I did not know whether it was open right now. Small wonder he never talked to me again.

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Telling names

During my first three months in Trier I realised that my car dealer’s name was Junk, my doctor’s name was Krapp and one of my students’ name was Bitsch, all perfectly neutral and completely innocent names to the German ear. Not so to the English ear, which is likely to detect additional meaning here. May it be said in defence of the carrier of those names that none of them lived up to the expectations created by their names.

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Angloamerikanisch

Bei der Diskussion eines Entwurfs für die neuen Studienordnungen kam es im Fach Englisch zu folgender Diskussion: Einige Kollegen beanstandeten den Terminus angelsächsisch und wollten ihn durch den Terminus angloamerikanisch ersetzen. Das ist meines Erachtens nicht nur kleinlich – in diesem Falle könnte man es als einen Akt sprachlichen Pedanterie abtun – sondern regelrecht falsch, ein klarer Fall von „Schuss geht nach hinten los“. Man will es besonders richtig machen und macht es besonders falsch. Mit angloamerikanisch sollte natürlich betont werden, dass wir es nicht nur mit England, sondern auch mit Amerika zu tun haben. Klar, aber das sagt angelsächsisch auch. Und angloamerikanisch bedeutet nicht etwa englisch und amerikanisch, sondern amerikanisch englischer Abstammung oder Prägung, wie ja auch angloirisch nicht englisch und irisch, sondern die englisch geprägte irische Kultur im Gegensatz zur gälisch geprägten irischen Kultur ist. Und wenn man schon pedantisch ist, dann müsste man hinzufügen, dass wir es nicht nur mit englischer und amerikanischer, sondern auch mit schottischer, australischer, südafrikanischer, indischer Kultur usw. zu tun haben, und es ist nicht einzusehen, warum das durch angloamerikanisch besser abgedeckt sein soll als durch angelsächsisch. Mein eigener Vorschlag, einfach englisch zu sagen, wurde selbstverständlich mit großer Mehrheit abgelehnt.

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Zweiter Familienname

Wenn man in Spanien als Ausländer ein Formular ausfüllen muss, bekommt man es immer wieder mit dem Vermerk zurück, es sei nicht vollständig ausgefüllt worden. Die Spalte „Zweiter Familienname“ sei leer. Alle Spanier haben zwei Familiennamen, den des Vaters und den der Mutter. Was aber machen Ausländer, die nur einen Familiennamen haben? Wenn man zur Notlösung greift und den Mädchennamen der Mutter als zweiten Familiennamen angibt, dann stimmt das wieder nicht mit den Angaben in den Ausweisen überein, und neue Schwierigkeiten sind programmiert. Ganz kompliziert wird es, wenn man zwei Vornamen hat. Dann versteht der spanische Amtsschimmel den zweiten Vornamen als ersten Familiennamen. Heißt man etwa Hugo Egon Balder, dann kann man sich, statt unter B, unter E wiederfinden, als Egon Balder, Hugo.

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Allerweltsnamen

Meinen ersten Belegzettel bewahre ich bis heute auf, nicht wegen der Studieninhalte oder gar der Studienleistungen, sondern wegen der Namen der Professoren. Im ersten Semester belegte ich Lehrveranstaltungen bei den Herren Speckenbach, Theuerkauf und Dünnebacke. Um das Bild zu vervollständigen, hatte ich Studienfreunde namens Bauernfeind, Kleinhans und Langohr, und dessen Freundin hieß Orgas. Sie alle waren sich aber einig, dass das viel mehr Punkte für Originalität verdiene als Leute mit Allerweltsnamen wie Müller, Schneider oder Schäfer.

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New England?

One of my English language teachers at university often used to gleefully quote the following conversation between himself and a student: “Where are you going for your holidays? – England. – Where exactly? – Scotland.” This is, of course, funny, but is it also wrong?

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Dreimal so kalt

Ein Kollege erzählte einmal im Zusammenhang mit der Diskussion von Sprache und Denken folgende Anekdote aus einem Telephongespräch mit seiner in Schwaben lebenden Schwiegermutter. Nachdem der Kollege gesagt hatte, hier sei die Temperatur -6º, antwortete die Schwiegermutter: „Das ist noch gar nichts. Wir haben hier -18º. Bei uns ist es also dreimal so kalt wie bei euch.“

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Nenas Name

Die Sängerin Nena, die mit bürgerlichem Namen anders heißt, erklärte in einem Fernsehinterview die Entstehung ihres Namens: Als Kind sei sie immer mit ihren Eltern nach Spanien gefahren, und dort am Strand sei sie von den Spaniern immer niña, ‚Mädchen‘ gerufen worden. Das habe sie aber als Kind nicht richtig aussprechen können, und daraus sei nena entstanden. Schön, aber – vermutlich – viel zu kompliziert, denn nena ist Spanisch und heißt ‚Mädchen‘, genauso wie niña. Sie wurde also von den Spaniern – vermutlich – tatsächlich nena genannt.

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Archäologische Entdeckung

Bei den Vorarbeiten zur Neugestaltung des Innenhofs von St. Matthias in Trier wurden wichtige Funde aus der Römerzeit gemacht, und das Landesmuseum lud zur Führung ein. Der Vertreter des Landesmuseums, ein diplomierter Archäologe, sprach, wieder und wieder, von den bedeutenden Sakrophagen, die dort gefunden worden seien. Beim ersten Mal glaubte ich an einen Versprecher, dann glaubte ich, mich verhört zu haben, dann kamen mir Zweifel, dann war ich überzeugt. Bis dahin hätte ich gewettet, dass es Sarkophage heißt, aber da musste ich mich wohl getäuscht haben. Zu Hause konnte ich dann feststellen, dass Sarkophage doch stimmt, obwohl es weniger passend klingt. Die Erklärung ist wenig erbaulich: Da in den Steinsärgen die Gebeine schnell verwesten, nannte man sie in der Antike einfach – Fleischfresser. Das ist die wörtliche Bedeutung von Sarkophag. Die Erklärung ist also viel profaner, als man denken könnte, wenn von Sakrophagen die Rede ist.

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Tierisches Spektakel

Ein Freund aus der Studentenzeit, der mich in Trier besuchte, erzählte von einer Nachbarin, die ihn um die Fahrt nach Trier beneidete. Sie habe auch schon lange vor, einmal nach Trier zu reisen. Da gäbe es doch so ein schönes “Amphibientheater”.

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Gerüchteküche

Ein Kollege erzählte mir folgenden Fall: Er hatte zu einem Prüfungskandidaten gesagt: „Erstspracherwerb ist nicht so wichtig wie Zweitspracherwerb“. Diese Aussage machte unter den Studenten in dieser Form die Runde: „Erstspracherwerb ist nicht so wichtig“. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie Gerüchte entstehen. Wahrscheinlich berief sich der Student sogar darauf, nur das wiedergegeben zu haben, was der Kollege gesagt hatte. Der Kollege dagegen bestritt natürlich, das gesagt zu haben. Es scheint einiges dafür zu sprechen, solche Aussagen, wenn sie die Runde machen, mit Vorsicht zu genießen. Man kann sich gut vorstellen, wie die weitere Entwicklung verlief: „Erstspracherwerb ist nicht wichtig.“ > „Erstsprachenerwerb ist unwichtig.“ > „Erstspracherwerb wird nie geprüft.“ > „Erstspracherwerb? Was ist das denn?“

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Schwein bleibt Schwein

Nach einer alten Stilregel, die früher in Schulen gepredigt wurde und immer noch in vielen Köpfen herumspukt, soll die Wiederholung eines Wortes vermieden und dieses durch ein anderes ersetzt werden. Das ist natürlich unsinnig. Ein Schwein ist ein Schwein, und es gibt keinen Grund, es nicht Schwein zu nennen, es sei denn – man hat einen besonderen Grund dafür! Es ist aber völlig unsinnig und geradezu lächerlich, plötzlich von Borstenvieh zu sprechen, nur weil man vorher schon einmal Schwein gesagt hat. Nach meiner Beobachtung haben besonders Sportreporter die falsche Regel verinnerlicht. Wenn im Radio die aktuellen Tabellenstände präsentiert werden, variieren sie brav zwischen Punkten und Zählern. Was ist damit wohl gewonnen?

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Unnötige Wörter?

Ein populäres, von Studenten oft reproduziertes Urteil über Anglizismen und andere Fremdwörter besagt, diese seien akzeptabel, wenn es kein anderes deutsches Wort gebe, und nur dann. Sonst seien sie zu vermeiden. Komischerweise wird dieser strenge Maßstab nicht für deutsche Wörter angewendet. Konsequenterweise müsste man dann auch das jetzt überall gebrauchte Wort Flieger ablehnen, da es ja schon das Wort Flugzeug gibt. Und wie steht es mit abgestraft, spannend, etwas stecken, ultimativ, nicht gut drauf sein, ein Stück weit, geil usw., von denen keines eine lexikalische Lücke schließt?

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