Doppelsieg

1956 erhielt Romain Gary den Prix Goncourt für seinen Roman Les racines du ciel. Roman Gary war ein Pseudonym. Sein eigentlicher Name war Roman Kacew. Unter diesem Namen war er in Vilnius, im heutigen Litauen, damals zu Russland gehörend, geboren. Als Jugendlicher war er mit seiner Mutter nach Frankreich gekommen. 1977 erhielt der Roman La vie devant soi den Prix Goncourt. Die Identität des Autors war unbekannt. Er schrieb unter einem Pseudonym. Roman Kacew beging 1980 in Paris Selbstmord. Erst dann enthüllte er, dass es sich bei Roman Gary und Emile Ajar um ein und denselben Autor handelte. Damit ist er der einzige Autor, der den Prix Goncourt, der immer nur einmal im Leben vergeben wird, zweimal erhielt! Auf eine sehr subtile, von ihm selbst nie offen gelegte Weise hat Gary den Lautwert seines französischen Pseudonyms zum Kunstnamen seines Doppelgängers in Beziehung gebracht: Ajar kann als Anagramm zum Russischen жара gelesen werden (žará, gesprochen wie frz. jará), und das bedeutet ‘Hitze’, ‘Glut’, und Gary entspricht dem Russischen гори (garí), dem Imperativ von горе́ть, und das heißt ‘brennen’! (Ingold, Felix Philipp: Im Namen des Autors. München: Wilhelm Fink, 2004: 309)

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