Ulmer Schachtel

Was ist eine Ulmer Schachtel? – Ein einfaches Bootes, das in der frühen Neuzeit an die Stelle der Flöße beim Transport von Waren, und später auch Personen, die Donau hinunter trat. Das Wort ist neueren Ursprungs und war ursprünglich verächtlich gemeint. Auf den Ulmer Schachteln wurden die Exportschlager Ulms, Leinen, Barchent (eine Mischung aus Leinen und Baumwolle), Holz und Spielkarten, transportiert, fast immer mit Wien als Zielort. Die Ulmer Schachteln hatten wegen der Untiefen des Flusses keinen Kiel und konnten nicht gerudert werden, sondern trieben flussabwärts. Nur ganz wenige kamen auf  Pferdezügen wieder zurück; die meisten wurden verkauft und zu Brennholz gemacht. Zu den Personen, die auf einer Ulmer Schachtel transportiert wurden, zählte auch Kepler.

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Ersatzmann

Wie kam Michael Schumacher zu seinem ersten Einsatz in der Formel 1? – Ein Fahrer von Jordan, Bertrand Gachot, hatte einen englischen Taxifahrer mit Reizgas besprüht und musste dafür 18 Monate ins Gefängnis. Schumachers Manager Weber und der Sportchef von Mercedes nahmen daraufhin Kontakt mit Eddie Jordan auf und schlugen Schumacher, der gerade erst Deutscher Meister in der Formel 3 geworden war, als Ersatz vor. Jordan war sehr skeptisch und stimmte dem Test nur zu, weil viel Geld floss.  (“Ängstlich ist das falsche Wort“. Interview mit Michael Schumacher in: Die Zeit 31/2006: 54)

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Startverzögerung

Welches unvorhergesehene Problem hatten die Amerikaner 1961, als sie ihren ersten Astronauten in den Weltraum schießen wollten? – Der Start für den Flug, der nur 15 Minuten dauern sollte, verzögerte sich um mehrere Stunden. Während der ganzen Zeit wartete der Astronaut, Alan Shepard, im Raumanzug in der engen Kapsel der Mercury. Dann verspürte er ein menschliches Bedürfnis. Man beriet, was zu tun sei, und erlaubte dem Astronauten schließlich, in den Raumanzug zu pinkeln. Das war nicht ganz ungefährlich, da wichtige Sensoren unwirksam hätten werden können, aber es ging gut. Alan Shepard wurde zum ersten Amerikaner im Weltraum.  (“Helden im All”, in: Phoenix 25. Mai 2006)

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Polizeialarm

Warum rief die Firma Gieves and Hawkes aus London am 30. Januar 1969 die Polizei? – Die Beatles gaben auf dem Dach des Hauses, in dem sich die Aufnahmestudios von Apple befanden, ein Konzert. Obwohl nur 200 Watt starke Verstärker benutzt wurden, konnte man die Klänge bis zur Park Lane und nach Soho, eine Meile entfernt, hören. Die Menschen lagen in den Fenstern, standen auf der Straße und stiegen auf die Dächer der Häuser der gesamten Umgebung. Den Schneidermeistern von Gieves and Hawkes wurde es dann zu laut. Das improvisierte, aus der Not geborene, erst zwei Tage vorher aus einer Schnapsidee heraus entstandene Konzert – man brauchte einen Film, der zusammen mit Get Back auf den Markt kommen sollte – wurde zu einem bedeutenden Moment in der Karriere der Beatles. Es war das letzte Mal, dass die Beatles zusammen in der Öffentlichkeit spielten. (Tony Bramwell, Magical Mystery Tours. London: Robson Books, 2005: 309)

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Drückebergergasserl

Warum heißt die Viscardigasse in München im Volksmund „Drückebergergasserl“? – Zu nationalsozialistischen Zeiten war an der Ostseite der Feldherrenhalle ein Mahnmal zum Gedenken an die 16 beim gescheiterten Putsch der Nationalsozialisten 1923 ums Leben gekommenen „Märtyrer“ errichten worden, vor dem jeder Passant den “Deutschen Gruß“ entrichten musste. Wer den Gruß verweigern wollte, nahm den Umweg durch die kleine Viscardigasse hinter dem Preysing-Palais. So bekam die Gasse den Namen „Drückebergergasserl“. (ADAC Reiseführer München. München: ADAC Verlag, 10/2004:  6)

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Scheidungsgrund

Warum ließ sich Yoko Ono, die spätere Lebensgefährtin John Lennons, von ihrem Ehemann Tony Cox scheiden? – Um ihn zu heiraten. Sie hatte durch die Heirat mit Cox Polygamie begangen, denn sie war zu dem Zeitpunkt noch mit dem Komponisten und Pianisten Toshi Ichiyanagi verheiratet. Sie musste sich zuerst von Cox scheiden lassen, und dann von Ichiyanagi, um Cox heiraten zu können. Sie machte sich dann, mit Unterstützung von Cox, auf die Jagd nach John Lennon, am Ende erfolgreich. (Tony Bramwell: Magical Mystery Tour. London: Robson Books, 2005: 245)

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Reismehl

Welche Rolle spielte das Reismehl in den Anfängen des brasilianischen Fußballs? – Vielen Konservativen schien die Haltung der Herren Fußballer in der Rassenfrage zu lax. Nur Weißen war die Mitgliedschaft in Sportclubs erlaubt, aber im neugegründeten Fußballclub Fluminense war ein Mulatte dabei, Carlos Alberto. Er hatte sich mit Reismehl bepudert, um als Weißer durchzugehen, aber in der Hitze des Gefechts schwemmte der Schweiß die weiße Haut davon. Carlos Alberto bekam den Spitznamen Reismehl. (Carl Goerdeler, „Futebol! Futebol!“, in: Die Zeit 17/2006, S. 92)

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Namesfindung

Wie kamen die Beatles zu ihrem Namen? – Die Beatles nannten sich zunächst Beetles (‚Käfer’) in Anlehnung an die Begleitband des von ihnen verehrten Buddy Holly, die Crickets (‚Grillen’). Die Beatles hatten Buddy Holly, der 1959 bei dem legendären Flugzeugabsturz („The day that music died“) ums Leben gekommen war, bei einem Konzert in Liverpool erlebt. Erst auf Umwegen (u.a. The Silver Beetles) kam es zu dem endgültigen Namen. Dazu gehörte auch Beatals, ein doppeltes Wortspiel, das nicht nur auf den Beat anspielte, sondern auch im Sinne von beat alls (‚schlagen alle’) verstanden wurde. Nach einer weiteren Änderung der Schreibweise kam es dann zu dem endgültigen Namen und so wurden aus den ursprünglichen Quarrymen (John Lennons Vater war ein quarryman, d.h. er arbeitete in einem Steinbruch) schließlich die Beatles. (Ich beziehe meine Informationen aus einer Rundfahrt in Liverpool auf den Spuren der Beatles sowie aus den Memoiren eines Freundes der Beatles, Tony Bramwell, von dem Paul McCartney sagte: „If you want to know anything about the Beatles, ask Tony Bramwell. He remembers more than I do.”; Bramwell, Tony: Magical Mystery Tour. London: Robson Books, 2005: 34-35)

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Jubelrufe

Wodurch löste die Krönungszeremonie von Wilhelm I. von England erheblichen Schaden aus? – Die englischen Vasallen in der Abtei gaben durch laute Jubelrufe ihre Zustimmung zur Inthronisierung Williams, die normannischen Soldaten außerhalb der Abtei, die kein Englisch verstanden, glaubten, es handele sich um eine Rebellion und steckten die umliegenden Häuser in Brand. Die Krönung fand am Weihnachtstag 1066 in der Westminster Abbey in London statt. (Christopher Hibbert, The Story of England. London: Phaidon Press, 1992: 45; David Crystal, The Stories of English. Harmonsdsworth: Penguin, 2005: 126)

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Unterrichtungstafeln

Was sind Unterrichtungstafeln? – Die braunen Hinweisschilder auf Autobahnen, die Hinweise auf touristische Sehenswürdigkeiten geben. (Susanne Amann und Olaf Sundermeyer, „Auch andere Dörfer haben schöne Kirchen“, in: Die Zeit 13/2006: 78)

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Gefangenendilemma

Was versteht man unter dem Gefangenendilemma? – Ein Gedankenspiel aus der Spieltheorie: Zwei Verdächtige werden von der Polizei verhaftet und in getrennte Zellen gesperrt. Dann werden ihnen folgende Informationen geben:

  • Gestehen sie beide, bekommen beide eine kurze Gefängnisstrafe.
  • Gesteht keiner von beiden, gehen beide straffrei aus.
  • Gesteht aber nur einer von beiden, so erhält er eine Belohnung, während der andere eine lange Gefängnisstrafe bekommt.

Das Problem ist nun, dass es ungeachtet des Verhaltens des einen im Interesse des jeweils anderen liegt, geständig zu sein. Denn gesteht der eine, ist es auch für den anderen besser, geständig zu sein und eine kurze und keine lange Haftstrafe zu bekommen. Aber auch wenn der andere nicht gesteht, ist es besser zu gestehen, denn dann bekommt man die Belohnung. Handeln also beide rational, so werden sie beide ein Geständnis ablegen – und damit schlechter wegkommen, als wenn sie beide geschwiegen hätten! Verschiedene „Spiele“, also Situationen, die von der Spieltheorie untersucht werden, führen zu solch paradoxen Ergebnissen. Die Spieltheorie ist ein wissenschaftlicher Ansatz, der besonders von Ökonomen und Mathematikern verfolgt wird. (Richard Tuck: Hobbes. Freiburg: Herder, o. J.: 164)

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Rausgeflogen

Warum flog der Carl Bernstein, der berühmte Journalist der Washington Post und Aufklärer der Watergate-Affäre, von der Uni? – Er hatte zu viele Strafzettel auf dem Campus-Parkplatz bekommen. (Barbara Nolte, „Der zweite Mann“, in: Die Zeit 5/2006: 61)

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Sportler des Jahres

Aus welcher Wahl ging Fidel Castro 1940 als Sieger hervor? – Aus der Wahl zum besten Sportler von ganz Kuba. Er war Schüler am Jesuiten-Kolleg Belén von Havanna. Er war ein ausgesprochen guter Absolvent der Schule, wurde Sieger in einem Gedicht-Wettbewerb und ließ noch im mündlichen Examen deutlich seine Arroganz gegenüber seinen Prüfern erkennen. (Albrecht Hagemann, Fidel Castro. München: DTV, 2003: 24)

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Revolutionäre Vögel

Wodurch erfuhr Fidel Castros fulminante Rede zum erfolgreichen Abschluss der kubanischen Revolution ihre Krönung? – Gegen Ende der Rede ließen sich zwei weiße Tauben auf seinen Schultern nieder. (Hagemann, Albrecht: Fidel Castro. München: DTV, 2003: 98)

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Zum Puff gehen

Woher kommt das Wort Puff für ‚Bordell’? – Bereits seit dem 13. Jahrhundert findet sich Puff als Bezeichnung einiger Spiele, speziell eines Brettspiels mit Würfeln, das heute auch Tricktrack genannt wird. Dieser Wortgebrauch bezieht sich auf das dumpfe Geräusch, das beim Aufschlagen der Würfel entsteht. An ihn schließt sich die seit dem 18. Jahrhundert bezeugte umgangssprachliche Verwendung von Puff für ‚Bordell’ an, denn solche Würfelspiele konnten in Badehäusern zwischen Frauen und Männern gespielt werden und dann zwanglos in erotische Spiele übergehen. Deshalb galten Badehäuser als eine Art Bordell. Dieser Wortgebrauch entwickelte sich wohl in Wendungen wie „mit einer Dame Puff spielen“ oder „zum Puff gehen“, in denen Puff verhüllend gebraucht wird. (Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin, New York: Walter de Gruyter 231999, S. 654; Duden: Das Herkunftswörterbuch. Mannheim, Wien, Zürich, 1963, S. 538)

 

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