Bremsgefahr

Stephensons Rocket und die anderen frühen Lokomotiven hatten keine Bremse. Die Geschwindigkeit wurde reduziert, indem man Dampf abließ. (“Sieg der Dampfrakete”, in: Arte, 26/05/12)

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Joggen beim Joggen

Zufällig habe ich beim Joggen eine Radiosendung gehört, in der es um Joggen ging. Die deutsche Übersetzerin von Asterix, Gudrun Penndorf, erzählt darin, wie sie das damals neu aufkommende Wort in einem der Bände verwenden wollte, aber damit bei dem Verlag nicht durchkam. Es musste durch Frühsport machen ersetzt werden. Außerdem erzählt sie, wie auch gute Übersetzungen  immer wieder überarbeitet werden mussten, weil der Text einfach zu lang war. Deutsch ‚dauert‘ länger als Französisch, es benötigt mehr Buchstaben, und das war besonders bei den Sprechblasen ein Problem. Sie wurde also immer wieder gebeten, den Text zu kürzen. Eine schwere Aufgabe für den Übersetzer. Genauso wie die Wortspiele, die oft auf den Unregelmäßigkeiten der französischen Rechtschreibung beruhten. Im Französischen gibt es bis zu fünf Schreibweisen, mit der ein und dieselbe Lautkette wiedergegeben werden kann. Da ist es nicht genug, gut Französisch zu können. Penndorf erzählt, wie sie, junge, wenig erfahrene Übersetzerin, ihr erstes Vorstellungsgespräch bei dem französischen Verleger hatte und der gar nicht von der Übersetzung oder überhaupt von Asterix sprach, sondern über Gott und die Welt. Er wollte nur herausfinden, ob ihr Französisch gut genug war. Was er nicht überprüfte, war, ob ihr Deutsch gut genug war. Das wird meistens einfach vorausgesetzt – ein Fehlschluss.

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Wrong Road

Bei der Lektüre bin ich auf das italienische Wort freccia gestoßen, ‘Pfeil’. Auf Spanisch heißt es flecha. In dem Zusammenhang erinnerte ich mich an span. Catalina vs. deutsch Katharina und engl. Catherine und Kathleen. Bei /l/ und /r/ befinden wir uns auf rutschigem Boden, nicht nur die Japaner und Chinesen, wie der japanische Student, der mir einmal erzählte, er hätte in London ein Taxi bestiegen und verlangt, zur Wrong Road gebracht zu werden.

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Überraschungs-Cola

In einer Fernsehsendung sah ich ein Experiment von der Berliner Charité, bei dem drei Sorten Cola, Pepsi, Rivercola und Coca-Cola, zu gleichen Teilen vermischt werden, sodass eine Flüssigkeit entsteht, die keine bestimmte Marke repräsentiert. Die Cola-Mischung wird dann auf vier Kartuschen verteilt, und die Probanden werden viermal zum Probieren eingeladen, bekommen aber jedes Mal dasselbe Getränk. Bevor sie tranken, wurde jeweils das Logo einer der Marken eingeblendet: Coca-Cola, Pepsi Cola, Rivercola und eine erfundene “T-Cola”. Das Ergebnis: Alle Probanden glaubten, verschiedene Getränke bekommen zu haben. Die meisten äußerten deutliche Präferenzen für die eine oder andere Sorte, manchmal mit ganz spezifischen Angaben wie dem etwas metallischen Geschmack von Pepsi, den ein Proband wiedererkannt haben wollte. (“Der Coca-Cola-Check”, in: ARD, 07/05/2012)

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Keine Bonuspunkte

In England werden die Vorzüge der Muttermilch mit missionarischem Eifer proklamiert. Wenn man bei Boots Säuglingsnahrung kauft, gibt es keine Bonuspunkte. Und wenn man nicht stillt, bekommt man es mit den britischen Übermüttern zu tun. Was aber, wenn das Stillen zum Problem wird? Was, wenn die Mutter gute Gründe hat, nicht zu stillen? Und was, wenn sie es nicht tut, obwohl sie keine gute Gründe hat? Statt das einfach hinzunehmen, wie man das in einer zivilisierten Gesellschaft erwarten würde, wird auf diese Frauen eingedroschen. Das britische Besserwissergen lässt keine Alternative zu.

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Schlussverkauf

Früher gab es zweimal im Jahr den Schlussverkauf, mit reduzierten Preisen. Jetzt gibt es längst keinen Schlussverkauf mehr, die Rechtslage hat sich geändert. Aber unser Unterbewusstsein hat sich noch nicht auf die neue Rechtslage eingestellt. In Studien in den USA wurde herausgefunden, dass Kunden solche Produkte automatisch billiger fanden, auf denen Sale stand. Klar sind sie for sale. Wofür denn sonst? Genau wie alle anderen Artikel in dem Geschäft. Und doch lassen wir uns was vormachen. (Rohwetter, Marcus, “Das will ich haben!”, in: Die Zeit 18/2012: 21-22)

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Falschfahrer

Einer der letzten Zufluchtorte der Sprache vor den Gerechten sind die Verkehrsnachrichten. Hier gibt es nur Falschfahrer. Alle Falschfahrer sind, wenn man die Logik der Sprachpedanten anwendet, Männer.

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Nearest the Wall Takes

In a book on London I read the following description of children’s games the other day: ‘Marbles were rolled in gutters, and the paving stones were marked with chalk for a hopping game. Children made use of walls, against which ‘fag-cards’ were flicked in games such as ‘Nearest the Wall Takes’ or ‘Nearest the Wall Spins up’. (Ackroyd, Peter: London. A Biography. London, Vintage Books 2001: 647). This is exactly what we used to do as children in a provincial German city, under the name of Bostern. One wonders whether this came to us at some stage from other places or whether children all over the world invent the same kind of games, independently.

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Goldenes Handwerk

In einem der Rankings, denen man jetzt überall begegnet, erfahre ich, welches die acht häufigsten Berufe in Deutschland sind (in der Sendung irreführend als die acht beliebesten Berufe bezeichnet). Wider Erwarten interessant. Für mich steht für den klassischen Beruf immer noch ein Handwerk. Wenn ich spontan Berufe zu nennen hätte, würde ich nicht auf Fernfahrer oder Rechtsanwalt oder Krankenschwester kommen, sondern auf Schreiner, Maurer, Bäcker. Die tauchen unter den acht häufigsten Berufen aber gar nicht auf. Da stehen Metallarbeiter (430.000), Koch (584.000), Krankenpfleger (830.000), Kraftfahrer (966.000), Ingenieur (1.051.000), Lehrer (1.383.000), Verkäufer (1.480.000), Bürofachkraft (4.372.000). Kaum Handwerker, und kaum jemand, der etwas herstellt. Wir kümmern uns meistens um uns selbst als Konsument, als Patient, als Lernender oder als Akte.

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Hautana

Was ist Hautana? Es ist die ursprünliche deutsche Bezeichnung einer jetzt 100 Jahre alten Erfindung, die in verschiedenen Ländern gleichzeitig gemacht wurde, in den USA, in Frankreich, in Deutschland, des Büstenhalters. Der bedeutete, zumindenst im wörtlichen Sinne, eine Befreiung der Frau, die Befreiung aus dem Korsett.

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Very, very important entry

Ich habe diese Woche 2 Hausarbeiten, 14 Bewerbungen für ein Austauschprogramm und 210 Essays von Modulprüfungen korrigiert. In all den Texten ist nicht einmal, nicht ein einziges Mal, das Wort important vorgekommen, ohne dass nicht gleichzeitig very vorkam. Alles ist very important. Genauso ist alles very interesting, niemals nur interesting. Das entwertet nicht nur very, sondern lässt die Texte auch unidiomatisch klingen. Ich lese gerade ein Buch über London, und habe jetzt mal, des Spaßes halber, in zwei Kapiteln darauf geachtet: Auf 16 eng bedruckten, großen Seiten kommt das Wort very keinmal vor.

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Frühlings Erwachen

Der Frühling kommt, die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, die Bäume schlagen aus, die Vögel zwitschern, das ganze Programm. Ich kann mir nicht helfen, ich finde es wunderbar, auch wenn es noch so ein Klischee ist. Ich kann auch ausklammern, dass das Zwitschern der Vögel eine Kampfansage, keine Konzerteinlage ist. Es tut mir in der Seele gut. Am liebsten würde ich die Zeit langsamer vergehen lassen. Beim Verlassen des Hauses fällt mir heute ein Baum auf, oder ein Strauch, der mir den Gefallen tut und die Sache langsam angehen lässt, Seite für Seite. Er präsentiert den Besuchern erst einmal seine Schokoladenseite.

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Lob der Bürokratie

Im Radio höre ich ein “Lob der Bürokratie”. Wie bitte, Lob der Bürokratie? Über Bürokratie klagt man, man macht sich lustig über ihre Auswüchse und fordert Bürokratieabbau. Die Sendung beruft sich unter anderem auf Max Weber, der gesagt hat, wir hätten nur die Wahl zwischen Bürokratismus und Dilettantismus. Auf Bürokratie sei Verlass, sie garantiere, dass jeder nach den Vorschriften behandelt werde und nicht willkürlich. Die Bürokratie gebe einem das “Recht”, als Nummer behandelt zu werden. Das gibt einem zu denken. Dennoch: Ist hier nicht eigentlich der Rechtsstaat gemeint und nicht die Bürokratie? Ist die nicht ein unliebsames Anhängsel des Rechtsstaats? Ich wundere mich jedenfalls immer noch, dass ich Bescheinigungen ausstellen muss, die bestätigen, dass ein Auslandsaufenthalt in einem englischsprachigen Land gut für einen Anglistikstudenten ist.

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Chinglish

Einer Zeitungsnotiz zufolge hat die Ausländerbehörde in China einen Übersetzungsführer veröffentlich, dem so wunderbare Dinge wie das government abused chicken zum Opfer fallen sollen. Jeder Sprachliebhaber muss das bedauern. Demnächst gibt es keinen Health Check for Aliens mehr, kein chicken without sex und keine liquor saturated crabs. Schade.

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Tornister

In einem Kreuzworträtsel bin ich heute auf das Wort Tornister gestoßen. In meiner Schulzeit war es ein gängiges Wort. In den Schulbüchern stand immer Ranzen. Das klang nach ranzig. Kein Mensch gebrauchte es. Selbst unsere Eltern sagten nicht Ranzen, sondern Tornister. Unter uns Kindern sagten wir Tonneck. Erst Jahre später, als ich Tornister zum ersten Mal geschrieben sah, entdeckte ich, dass es ein <r> enthielt. Jetzt, wo ich wieder auf das Wort gestoßen bin, wollte ich wissen, was es mit diesem Wort auf sich hat. Und siehe da: Es kommt aus den slawischen Sprachen (tschech. tanystra) und bezeichnete ursprünglich einen auf dem Rücken getragenen größeren Ranzen der Soldaten (oder, einem anderen Wörterbuch zufolge) einen Hafersack für Reiter. Es hat also den Weg von der Soldatensprache in die Gemeinsprache hinter sich und den Weg von den slawischen Sprachen in den ostmitteldeutschen und von da in den weiteren deutschen Sprachraum. Natürlich hat es uns als Kinder nie gestört, dass es ein Fremdwort war. Es war uns viel näher als das fremde, einheimische Wort Ranzen.

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