Rechenkünste

Immer wieder dasselbe: Die Angst der Menschen ist fehlgeleitet. Sie ignorieren die offensichtlichen Gefahren und suchen sich andere, versteckte. In Deutschland sind über 40%  aller Todesfälle die Folge von Herz- und Kreislaufkrankheiten, über 25% die Folge von Krebs. Wie man Herz- und Kreislaufkrankheiten am besten entgegenwirken kann, ist bekannt: kein Tabak, kein Alkohol, gesunde Ernährung, Bewegung. Stattdessen hat man Angst vor Viren, Pestiziden in Lebensmitteln, nächtlichen Überfällen. Das sind aber “Peanuts”. Im Vergleich jedenfalls. Solche Gefahren werden meistens dramatisiert. In seinem Buch Das Risikoparadox führt Ortwin Renn ein dramatisches Beispiel an: In England wurde 1995 in der Boulevardpresse kolportiert, das Todesrisiko durch die Einnahme der Pille hätte sich verdoppelt. Die Folge: Frauen begannen reihenweise, die Pille abzusetzen, vor lauter Panik. Sie nahmen mehr Abtreibungen vor, auch illegale, und bei denen starben mehr Frauen als durch das gesteigerte Risiko der Pille. Tatsächlich bezog sich das Risiko bei der Pille nur auf die Thrombose, und das war, den Statistiken zufolge, von 0,05 auf 0,1 gestiegen. Es hatte sich “verdoppelt”. (“Falsche Ängste”, in: Kritik. Deutschlandradio Kultur: 21/03/2014)

 

This entry was posted in Gesellschaft, Irrtümer, Sprache, Sprachgebrauch and tagged , , , , , , . Bookmark the permalink.