Das Mädchen meines Auges

Das spanische Wort für Pupille ist niña, was aber auch ‚Mädchen‘ heißt. Im Portugiesischen heißt menina sowohl ‘Mädchen’ als auch ‘Pupille’, und im Griechischen gilt das für kore. Und unser Wort Pupille ist von lat. pupilla abgeleitet, was ‚Püppchen‘ heißt. Zufall? Irgendwo habe ich jetzt gelesen, dass man dasselbe Phänomen im Chinesischen findet. Und auf Swahili.

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Du schaffst es sowieso nicht

Drei Sprachen, drei Fälle, dieselbe Beobachtung, drei Deutungen: JH berichtet, in China erlaube man ihm als Ausländer oft nicht, Chinesisch zu sprechen und wechsle lieber ins Englische. BH berichtet, in Schweden erlaube man ihr oft nicht, Schwedisch zu sprechen und wechsle lieber ins Englische. WS berichtet, in Griechenland erlaube man ihm oft nicht, Griechisch zu sprechen und wechsle lieber ins Englische. JH sieht das als Zeichen eines Minderwertigkeitskomplexes der Chinesen, die zwar stolz auf ihre Vergangenheit, aber nicht auf ihre Gegenwart seien. BH sieht das als Zeichen der Freundlichkeit der Schweden. Sie stellten sich eben auf ihre Gäste ein und kämen ihnen entgegen, indem sie nicht auf dem Schwedischen beharrten. WS sieht das als ein Zeichen der Herablassung. Für ihn klingt das, als wollten die Griechen sagen: Versuch’s erst gar nicht. Du schaffst es sowieso nicht.

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Koiné

Zur Zeit Jesu war Griechisch die Verkehrssprache rund um das östliche Mittelmeer, nicht in ihrer klassischen Ausprägung, sondern in der Form der Koine, einer Sprache, die sich seit dem vierten vorchristlichen Jahrhundert durch Vermischung verschiedener Dialekte im Heer Alexander des Großen herausgebildet hatte. Ob auch Jesus diese Sprache beherrschte, ist nicht sicher. (Pieper, Dietmar: „Anfang einer neuen Zeit“, in: Großbongardt, Annette & Pieper, Dietmar (Hg.): Jesus von Nazareth und die Anfänge des Christentums. München, Deutsche Verlags-Anstalt, 22012: 23-24)

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Zeitrechnung

Lange, bis ins 6. Jahrhundert, bis zu Dionysius Exiguus, dauerte es, bis die Geburt Jesu zum Beginn einer neuen Zeitrechnung wurde. Auch danach dauerte es noch lange, bis dies in Westeuropa zur anerkannten Norm wurde. Später schlossen sich andere Kulturen an. Diese späte Entwicklung wirft ein Licht darauf, wie lange es gedauert hat, bis die Geburt Jesu überhaupt Bedeutung erlangte. Für die frühen Christen hatte sie keine. (Pieper, Dietmar: „Anfang einer neuen Zeit“, in: Großbongardt, Annette & Pieper, Dietmar (Hg.): Jesus von Nazareth und die Anfänge des Christentums. München, Deutsche Verlags-Anstalt, 22012: 17-18)

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Bauhandwerker Jesus

Dass Jesus denselben Beruf wie sein Vater hatte, ist durchaus wahrscheinlich. Der war tekton, was Luther mit ‘Zimmermann’ übersetzt. Das setzt jedoch Holz voraus, und in Obergaliläa gab es kaum Holz. Beide, Josef und Jesus, waren wahrscheinlich Steinhandwerker oder einfach ganz allgemein Bauhandwerker. (Schüle, Christian: “König der Wahrheit”, in: Großbongardt, Annette & Pieper, Dietmar (Hg.): Jesus von Nazareth und die Anfänge des Christentums. München, Deutsche Verlags-Anstalt, 22012: 31)

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Böses Salz?

Warum machen Kartoffelchips süchtig? Ihr Geheimnis ist der Speichelfluss. Er wird vom Glutamat angeregt, und dann wird der Speichel von den trockenen Chips aufgesaugt. So erklärt es der wunderbare Udo Pollmer in einer Radio-Kolumne. (“Die Gier nach Salz”, in: Deutschlandradio Kultur: 11/01/2014). Das bedeutet, es ist nicht das Salz, das “süchtig” nach Kartoffelchips macht. Salz macht nicht süchtig. Es ist lebensnotwendig. Genauso wie Fett, Wasser und Eiweiß. Und da sie lebensnotwendig sind, fühlen wir uns gut, wenn deren Defizite ausgeglichen werden. Der Körper lässt uns spüren, dass es ihm wieder gut geht. Daran ist nichts Verwerfliches, nichts Negatives, nichts Schädliches. Wer das Salz verteufelt, weil es ein Glücksgefühl auslöst, müsste auch das Wasser verteufeln, das bei Salzüberschuss Befriedigung auslöst.

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Dem lieben Gott gewidmet

Bruckners Neunte Symphonie ist “dem lieben Gott gewidmet”. So steht es explizit über der Partitur. Bruckner war fromm und betete eifrig: 4 Rosenkränze, 10 Vaterunser, 9 Ave Maria, 4 Gloria Patri und 2 Salve Regina verzeichnet er für einen Tag – alles akribisch festgehalten. An die Gebete schloss er persönliche Wünsche an wie “Lieber Gott, lass mich bald gesund werden, damit ich die Neunte fertigmachen kann.” Wenn es beim Jüngsten Gericht schief gehen würde, würde er dem lieben Gott seine Partitur vorhalten und sagen, “Schau, das habe ich alles für Dich alleine gemacht!”. (Klüppelholz, Werner: “Ein kreuzbraver Anarchist: Anton Bruckners Leben und Werk (5)”, in: SWR2 Musikstunde: 17/01/2014). Ich beneide Menschen um eine solche Religiosität, naiv und pragmatisch zugleich. Aber man sieht auch, wie unter der Oberfläche Aberglauben und Agnostizismus durchschimmern.

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Gates, Jagger, Messner, Jauch

Was haben Bill Gates, Mick Jagger, Reinhold Messner und Günter Jauch miteinander gemeinsam? Sie sind alle Studienabbrecher. Und man kann nicht sagen, dass nichts aus ihnen geworden wäre. Deutschland hat immer mehr Studenten, aber auch immer mehr Studienabbrecher. Nach neuesten Zahlen des HIS bricht jeder dritte Bachelor-Student sein Studium ab, in den Ingenieurwissenschaften jeder zweite. Von den knapp 500.000 Studienanfängern werden also ca. 150.000 ihr Studium nicht beenden. Mit so hohen Zahlen hatte niemand gerechnet. Und mit den neuen Studiengängen ist die Quote gestiegen statt gesunken. Versprochen hatte man sich davon genau das Gegenteil. Inzwischen entdeckt aber die Wirtschaft Studienabbrecher als wertvolle Ressource. Teils aus Not, weil Fachkräfte fehlen, teils, weil man einsieht, dass Studienabbruch nicht Unfähigkeit bedeutet. Oder Faulheit. Es kommt also darauf an, irgendwann den Schlussstrich zu ziehen. Das ist nicht einfach, kann aber die beste Lösung sein. Und erstaunlich viele Studienabbrecher landen dann in einem Beruf, der ihnen zusagt. Viele bedauern zurückblickend die Entscheidung nicht. (Heimann, Klaus: “Scheitern als Chance. Warum Studienabbrecher gefragt sind”, in: SWR2 Wissen: 18/01/2014).

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All lalone

In The God of Small Things, Arundhati Roy has Lenin, the small son of Pillai, recite a Walter Scott poem, “Lochinvar”. Chacko, Pillai’s visitor, first thinks that Lenin recites the poem in Malayalam, the local Indian language, but then realises it actually is in English, with the words being run into each other and the poem recited at remarkable speed. This is what he hears:

O, young Lochin varhas scum out of the vest,
Through wall the vide Border his teed was the bes;
Tand, savisgood broadsod, heweapon sadnun,
Nhe rod all unarmed, and he rod all lalone.

And this is the original Walter Scott poem:

O, young Lochinvar is come out of the west,
Through all the wide Border his steed was the best;
And, save his good broadsword, he weapons had none,
He rode all unarmed, and he rode all alone.

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Neues Land

Rheinland-Pfalz ist ein merkwürdiges Gebilde aus historisch nicht zusammenpassenden Teilen: der Rheinprovinz, Hessen-Nassau, der Rheinpfalz und Rheinhessen. Die Rheinprovinz war preußisch gewesen, die Rheinpfalz bayerisch. Kein Deutscher wäre auf die Idee gekommen, so ein Land zu formen. Das Gebiet war Teil der französischen Besatzungszone, und Frankreich wollte das Land als eigenständiges Land, als Pufferzone zwischen Frankreich und Deutschland, etablieren. Alles, was nach dem Krieg hier geschah, geschah unter französischer Kontrolle. Auch die Texte von staatlichen Institutionen, einschl. des Rundfunks, wurden von den Franzosen redigiert. Dabei wurde deutsch regelmäßig durch rheinisch ersetzt, um den unabhängigen Status des Landes zu betonen. (“Bekannt im Land: Peter Altmaier”, SWR Fernsehen, 05/01/2014)

 

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Metonymy into metaphor

Were all metaphors originally metonomies? This is at least what some deconstructivists argue. Watergate was originally the name of a building, and was then used metonymically to refer to a political scandal which was associated with that building. Since then, part of the word, gate, has come to be used to refer to other scandals such as Irangate. In the future, gate might become completely dissociated from the building and from the original scandal and become a metaphor for scandal. (Schwarz, Daniel R.: James Joyce: The Dead. Boston and New York: Bedford/St. Martin’s, 1994: 212-3)

 

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Signal redundancy

One of the problems of advanced language learners is that they do not advance very much. At least not in certain respects. A typical example of this, in my view, is my students’ use of very. It is overused, wrongly used and used as the only intensifier, to the detriment of alternative forms such as immenselyhighlysupremely, vitallyacutelyheartilydeadly, forms which are likely to be used by native speakers, especially in combination with particular adjectives. Learners tend to rely on what they know. As long as there is no need to deviate from this strategy. And very is a word they have known and used for a long time. In an article I recently read this unwillingness to explore more complex language is partly ascribed to the communicative view of language. Communicative activities such as information-gap and opinion-gap tasks may – and are supposed to – induce learners to solve tasks with the language they have rather than with new language.  This may lead to what is called signal redundancy. In order to increase the learners’ desire to explore and extend their language, communicative tasks, according to this article, must be transferred into creative tasks. (Tin, Tan Bee: “Towards creativity in ELT: the need to say something new”, in: ELT Journal 4/67, 2013: 385-97)

 

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Feminists vs. feminists

Feminist literary criticism comes in many forms. Feminist literary critics may look at the portrayal of female characters in male authors’ books; or they may focus their attention on well-known female writers; or they may focus on neglected female writers; or they may reject a focus on literature alone as ahistorical and look at the historical conditions of literary creation: or they may look at language itself and develop a proper female language. Some feminist critics have accused other feminist critics of weakening instead of strengthening feminism by emphasizing its separateness; other feminist critics have accused other feminist critics of having created, in their rejection of male stereotypes which denigrate women, counterstereotypes of feminine virtue which ignore real differences of race, age, class and culture. (Schwarz, Daniel R.: James Joyce: The Dead. Boston and New York: Bedford/St. Martin’s, 1994: 178-82). Personally, I am interested in the question as to whether one can tell if a text has been written by a woman or a man. Someone who famously managed to do this in one case was Dickens, who identified George Eliot as a woman in spite of the pseudonym she used.

 

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Terrorist begnadigt

Jesus ist vermutlich ohne Urteil an Pilatus ausgeliefert und ohne ein Urteil des Pilatus hingerichtet worden. Jedenfalls ist nirgendwo in den Quellen von einem Todesurteil des Pilatus die Rede. Pilatus sah in Jesus keine Gefahr und hätte ihn lieber begnadigt als den Terroristen Barabbas. Der war an einem Terrorakt beteiligt gewesen, der Menschenleben gekostet hatte. Seine Kreuzigung, vor allem an einem jüdischen Festtag, Passah, würde ein Zeichen setzen. Wenn die Hinrichtung des Volkshelden aber zu Unruhen führen würden, würde das Volk die harte Hand Roms zu spüren bekommen. Aber die Menge forderte die Freilassung des Freiheitskämpfers Barabbas. Sie hasste zwar Jesus nicht, liebte aber Barabbas. Der Ruf der Menge “Kreuzige ihn!” auf Pilatus’ Frage, was denn dann mit Jesus geschehen solle, ist eigentlich überflüssig, denn Pilatus wusste, dass Jesus gekreuzigt werden würde, wenn Barabbas frei käme. (Flusser, David: Jesus. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 4/2006: 134-6)

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Modern torture?

Methods of dealing with crimes and criminals have changed in Western societies over the past few centuries. A fair trial and humane imprisonment are taken for granted today. Torture and punishments as public spectacles – it is hoped – are banned from our societies. We usually look down on those barbarian times, pleased with ourselves and our accomplishments. Things have evidently changed but perhaps not quite as much as we tend to think. At least, this is how Foucault views it. He begins Discipline and Punish with a shocking but accurate description of the public drawing and quartering of a Frenchman after his botched attempt to assassinate Louis XV. Foucault sees many forces at work which changed the old practice, the evolving human being, prone to perform good-hearted deeds, not being one of them. Foucault argues that there were good practical reasons to keep prisoners alive: they could be used in colonies and trade; they could be used as infiltrators or informers. Who better to fill those roles than prisoners released early for showing a willingness to be rehabilitated? As for rehabilitation itself: what was formerly achieved through torture is now achieved with the help of psychologists who probe into the prisoners’ minds with a rigour which can be seen as another form of torture. (Schwarz, Daniel R.: James Joyce: The Dead. Boston and New York: Bedford/St. Martin’s, 1994: 153-4)

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