Babylonische Gefangenschaft??

Das Babylonisch Exil – für die Judäer damals und für die Juden bis heute eine Zeit der Entbehrung, der Armut, der Ausbeutung. Doch so schlimm kann es nicht gewesen sein. Als die Perser unter Kyros Babylon eroberten, blieben die meisten Judäer dort und gingen nicht nach Jerusalem zurück. Es handelt sich im Wesentlichen um einen jüdischen Mythos. Nebukadnezar, der König von Babylon, damals eine riesige, reiche, an Pracht kaum zu überbietende Stadt hatte vorher das kleine Königreich Juda, wie unzählige andere Staaten des „Nahen Ostens“, erobert. Aber die Judäer weigerten sich, die von Babylon verlangten Abgaben zu zahlen. Doch Nebukadnezar lässt sich das nicht bieten König. Er verschleppt die Oberschicht in sein Reich, ein Ereignis, von dem auch das Alte Testament der Bibel berichtet: Jojachin, der König von Juda, sowie seine Familie und sein Hofstaat werden nach Babel verschleppt. In dieser Situation wird die Religion zum Kitt, der die Judäer zusammenhält. Nebukadnezar setzt einen neuen König in Jerusalem ein, doch auch dieser lehnt sich auf. Deshalb steht der babylonische König nach einem Jahrzehnt erneut vor den Toren Jerusalems. Diesmal werden die Stadt und der Tempel zerstört, und diesmal kommt auch das einfache Volk mit nach Babylon. Es gibt dann eine klare Hierarchie unter den Judäern, es gibt auch welche, die im Palast gelebt haben. ie Das schlägt sich nieder in der Geschichte Daniels, einem jungen Gelehrten, der ursprünglich aus Juda kam, aber in Babylon am Palast aufwuchs. Das einfache Volk lebte zwar nicht in Luxus, aber auch nicht in Elend. Die große Masse lebte ein einfaches, bäuerliches Leben, ohne versklavt zu sein, nicht anders als vorher in Juda, nicht anders als die große Masse der Babylonier. Der Mythos des basiert auf dem Verlust der Heimat und der eigenständigen Identität in der Fremde. In dieser Situation wird die Religion zu dem Kitt, der die Judäer zusammenhält. Man hält an der Thora fest, die zu einer Art Surrogat des zerstörten Tempels wird. Das Exil wird jetzt theologisch gedeutet. Das Festhalten an bestimmten Riten, das Festhalten an dem eigenen Gott werden besonders wichtig. Erst im Exil bildet sich so etwas wie eine judäische Identität aus. Und Babylon war zum Symbol der Tyrannei geworden.

This entry was posted in Geschichte, Religion and tagged , , , . Bookmark the permalink.