Ohne Moos nichts los

Was hat Moos als Erscheinung in der Landschaft mit Moos als Wort für Geld zu tun? Die Antwort ist denkbar einfach: gar nichts. Moos im Sinne von Geld kommt aus dem Jiddischen, vom moes, und bedeutet einfach “Geld”, “bares Geld”. Es war ein Ausdruck aus der Sprache des jüdischen Handels und wurde besonders von Gaunern, die es auf das Geld anderer abgesehen hatten, in ihre Geheimsprache aufgenommen. Moos ist eins der Wörter, bei denen wir kaum merken, dass sie jiddischen Ursprung sind. Anders ist das bei Chuzpe. Das hat einen eindeutig undeutschen Klang. Die Bedeutung ist hier im Jiddischen dieselbe, “Dreistigkeit”, “Unverfrorenheit”. Aber die Aussprache ist anders. Der erste Laut ist der des <ch> in machen. Da das deutsche diesen Laut nicht als Anfangslaut kennt, haben wir es angeglichen und sagen Tschuspe oder Schuspe. Ein jiddisches Wort, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut, ist Tacheles. Es gibt Kulturzentren und Schülerzeitungen, die so heißen, und es gab eine Talkshow, die so hieß. Jetzt redet man Tacheles, wo man früher Klartext oder Fraktur redete. Der Pleitegeier, bei dem man sich fragt, woher der Geier kommt, ist eine volksetymologische Anverwandlung eines jiddischen Worts, dem Pleitegeher. Schließlich: Wenn es um das Jiddische geht, darf man den Guten Rutsch! nicht vergessen. Kommt der Ausdruck von rosch haschana, dem hebräischen Wort für “Anfang des Jahres”? Könnte sein, aber es gibt keinerlei Belege dafür. Auch unter Experten bleibt die Deutung umstritten. Postkarten aus dem Kaiserreich scheinen einen Zusammenhang zwischen dem Rutschen auf Skiern und dem Hinübergleiten ins neue Jahr herzustellen. Das würde den Guten Rutsch! als einen Ausdruck erklären, der dem Rutschen eine metaphorische Bedeutung unterlegt. (Althaus, Hans Peter: Chuzpe, Schmus & Tacheles. Jiddische Wortgeschichten. München: Beck, 5/2014)

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