Rauchzeichen

Wodurch wurde Rocco Granata zu seinem Erfolgsschlager „Marina, Marina, Marina“ inspiriert? – Durch eine Zigarettenreklame. Er arbeitete zu der Zeit als Bergmann und verdiente sich abends durch Auftritte in Kneipen ein wenig Geld dazu, hatte aber ein zu kleines Repertoire, war also ständig auf der Suche nach neuen Motiven. Bei der Arbeit in einer Schmiergrube fiel sein Blick auf die Werbung für die (nicht mehr existierende) Zigarette der Marke Marina. Er sagte das Wort mehrmals hintereinander vor sich hin, und fast wie von selbst stellte sich die Melodie dazu ein. („Was macht eigentliche Rocco Granata?“, in: www.stern.de/lifestyle/leute 16. September 2005; „Abendmelodie!, in:  SWR 4: 15. Septmeber 2005)

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Linksfüßer

Wodurch gelangen Borussia Neunkirchen beim DFB-Pokalfinale 1959 gegen Schwarz-Weiß Essen in den letzten zehn Minuten noch zwei Gegentore? – Die Essener führten nach 80 Minuten 5:0 und beschlossen, in den letzten zehn Minuten nur noch mit links zu spielen. (Christoph Biermann, „Ein Blick auf die Tabelle“, in: Die Zeit 34/2005: 54-55)

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Rückenschwimmer

Wodurch unterscheidet sich der Kongowels von allen anderen Fischen? – Er schwimmt auf dem Rücken und bildet somit eine Ausnahme von der Regel, derzufolge auf dem Rücken schwimmende Fische tot sind. Er schwimmt auf dem Rücken, weil er Algen und Wirbellose frisst, die auf der Unterseite der Blätter von Wasserpflanzen leben oder Insekten, die auf der Wasseroberfläche notgelandet sind. Während gewöhnlich Fische aus Gründen der Tarnung oben dunkel und unten hell sind, ist es beim Kongowels anders herum. (Ulrich Schmid, 275 populäre Irrtümer über Pflanzen und Tiere. Stuttgart: Kosmos, 2002: 62)

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Schwimmreifen

Wer oder was ist „Bibendum“? – Es ist der Name des Maskottchens von Michelin, des wulstigen Männchens mit den vielen Reifen um den Bauch. (Quellen: Michael Mönninger, „Plattfuß in Amerika“, in: Die Zeit 26/2005: 29). Im Spanischen steht übrigens der Ausdruck michelines für das, was im Deutschen bei fülligen Menschen manchmal als Schwimmreifen bezeichnet wird.

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Lügensteine

Wodurch wurde der Würzburger Professor Johannes Bartholomäus Adam Beringer  berühmt? – Durch die sog. „Würzburger Lügensteine“, eine Fossiliensammlung mit sensationellen reliefartigen Abbildungen von Tieren, Pflanzen, Sternen – Spinnengewebe, Sonnenstrahlen, kopulierende Frösche usw. – die er 1726 in einem großen Werk veröffentlichte, die aber allesamt gefälscht waren. Missgünstige Kollegen, die Beringer wegen seiner pompösen und arroganten Art nicht ausstehen konnten, hatten die Steine in Auftrag gegeben und sie ihm zugespielt. Beringer ließ auch von der Veröffentlichung nicht ab, als ein Kollege, der in die Sache verwickelt war, ihn auf den Betrug aufmerksam machte: Wenn einige Steine gefälscht seien, hieße das noch lange nicht, dass alle gefälscht seien. Dass Beringer auch einen Stein mit der Inschrift seines eigenen Namens gefunden haben soll, gehört aber wohl in das Reich der Fabel. Trotz der Aufdeckung des Betrugs wurde das Buch nach Beringers Tod noch einmal veröffentlicht.  (Quellen: Zankl, H.: Fälscher, Schwindler, Scharlatane. Wiley-Vch, 2003, S. 213 ff; Gold, Stephen Jay: “The Lying Stones of Würzburg and Marrakech”, in: Natural History 4/98: 16-90; Nield, Ted: “A Helpful Hoax”, in: The Curiosity Cabinet, 2003: 12-13)

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Hurenkind

Was ist ein Hurenkind? – Das Gegenstück zum Schusterjungen. In der Druckersprache bezeichnet man die letzte Zeile eines Absatzes am Anfang einer Seite als Hurenkind. Diese Zeile sollte nicht an dieser Stelle stehen und hebt sich so von den anderen ab, ähnlich wie ein Hurenkind früher ausgestoßen, isoliert war und sich von den ehelichen Kindern abhob. Das Gegenstück ist der Schusterjunge, die erste Zeile eines neuen Absatzes am Ende einer Seite. (Quellen: Timm Bossmann u.a., Jokers Plaudereien. Augsburg: Weltbild, 2004, S. 22; Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, Bd. 3. Mannheim, Wien, Zürich, 1979, S. 1299)

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Heu und Stroh

Warum mussten sich die Soldaten der Armee Peters des Großen Heu und Stroh um die Stiefel binden? – Sie konnten rechts und links nicht unterscheiden und drehten sich bei Befehlen wie „Rechts um!“ in alle Richtungen. Die Offiziere veranlassten die Soldaten, sich Stroh um den rechten und Heu um den linken Stiefel zu binden. Nun mussten die Offiziere nur noch „Zum Stroh!“ rufen, und das Durcheinander war behoben. (Quelle: Katharina Kramer, „Rinks und lechts“, in: Die Zeit 1/2005, S. 37)

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Onanieren

Woher kommt das Wort onanieren? – Aus der Bibel. Es basiert auf dem Namen Onan, einer Figur aus dem Alten Testament. Dieser erhält den Auftrag, der Witwe seines verstorbenen Bruders beizuwohnen, um für Nachkommenschaft zu sorgen. Diese Vorstellung gefällt ihm aber nicht, und deshalb lässt er „sooft er … zur Witwe seines Bruders ging, … den Samen zur Erde fallen“ (1 Moses 38). Onan onaniert also gar nicht, sondern praktiziert den Coitus interruptus.  Aus der falschen Deutung dieser Passage ergab sich die heutige Bedeutung des Wortes, das im 18. Jahrhundert aus dem Englischen übernommen wurde. (Quellen: Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin, New York: Walter de Gruyter 231999, S. 601; Duden: Das Herkunftswörterbuch. Mannheim, Wien, Zürich, 1963, S. 479)

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Rastalocken

Woher kommt der erste Bestandteil von Wörtern wie Rastalocken, Rastazöpfe, Rastamützen, Rastadialekt? – Der Wortteil Rasta ist die verkürzte Form von Rastafari, das wiederum auf Ras Tafari zurückgeht. Tafari war der bürgerliche Name des späteren äthiopischen Kaisers Haile Selassie, und Ras war der Titel, den er vor seiner Krönung als Gatte der Tochter des Kaisers hatte. Es heißt „Prinz“. Die Rastafaris waren Mitglieder einer politisch-religiösen Bewegung in Jamaika, die den Kaiser als göttliches Wesen verehrten, als Messias der Schwarzen, die als die „wahren Juden“ galten.  (Quellen:  Deutschlandfunk, „Wir erinnern“, Sendung vom 10. Dezember 2004, The New Encyclopaedia Britannica, Douglas R. A. Mack, From Babylon to Rastafari)

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Klammheimlich

Woher kommt der Ausdruck klammheimlich? – Der erste Teil des Wortes kommt von Lateinisch clam, und das bedeutet nichts anderes als  ‚heimlich’. Es wurde verstärkend, im Sinne von ‚ganz heimlich’, dem deutschen Wort hinzugefügt, das also wörtlich ‚heimlich-heimlich’ heißt. Diese Form der Wortbildung ist, gelehrt gesprochen, eine Tautologie, volkstümlich gesprochen, doppelt gemoppelt. (Quellen: Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin und New York: De Gruyter, 23 1999; Duden, Das Herkunftswörterbuch. Mannheim, Wien, Zürich: Dudenverlag, 1963.

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Schmerzvermeidungsstrategie

Wie paaren sich Igel? – Sehr, sehr vorsichtig, aber nicht, wie viele glauben (und auch Aristoteles glaubte), Bauch an Bauch. Das Männchen besteigt das Weibchen von hinten. Anatomie und Verhalten sorgen dafür, dass das nicht zu schmerzhaft wird: Die Vagina liegt am Körperende, der Penis in der Körpermitte, halbes Besteigen genügt also. Das Weibchen drückt sich flach auf den Boden, streckt die Hinterbeine rückwärts, hebt das Beckenende an und legt die Stacheln glatt an. Wird nur eine dieser Bedingungen missachtet, lässt er die Pfoten von ihr. (Quelle: Tobias Niemann, „Das große Paaren“, in: Die Zeit 46/2004: 39)

 

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Homoerotische Spiele

Welche besondere Rolle spielen homoerotische Spiele im Leben des amerikanischen Rüsselkäfers Diaprepes abbreviatus? – Weibchen und Männchen sehen sich so ähnlich, dass die Männchen Schwierigkeiten haben, Weibchen überhaupt zu erkennen. Die Weibchen, die sich offensichtlich gegenseitig erkennen, schließen sich deshalb zusammen. Eins von beiden spielt das Männchen und besteigt das andere. Davon wird das Männchen angelockt in der Annahme, dass da, wo zwei kopulieren, wenigstens ein Weibschen dabei sein muss. Zu seiner Freude entdeckt er dann, dass er gleich zwei Weibchen beglücken kann.  (Quelle: Tobias Niemann, „Das große Paaren“, in: Die Zeit 46/2004: 39

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Heldenverehrung

Warum fuhr ein weltbekannter englischer Ex-Fußballprofi im Oktober 2004 nach Baku in Aserbaidschan? – Der Fußballer, Geoff Hurst, dreifacher Torschütze des WM-Endspiels 1966, wohnte als Ehrengast der Enthüllung einer Statue von Tofik Bachramov bei, der als Linienrichter sein Tor zum 3:2 anerkannt hatte und in Aserbaidschan verehrt wird. Auch ein Stadion ist nach ihm benannt. (Quellen: Ingo Petz, „Denkmal für  Bachramow“, in: Tageszeitung, 15-10-2004; Daniel Taylor, „Captain shamed the country, says Hurst“, in : The Guardian, 13-10-2004)

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Weltmeister

In welcher populären Disziplin wurde der Kanadier Lee Rammage im Oktober 2004 durch einen Sieg im fünften Satz Weltmeister? – In „Schere, Stein, Papier“. Die Weltmeisterschaft wurde in Toronto ausgetragen. (Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 43/2004: 18)

 

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Rausflug

Warum wurde Christian Thomasius, Rechtsgelehrter in Leipzig, von der Universität verwiesen? – Er hielt Vorlesungen in deutscher Sprache!  Damit hielt er sich nicht an eine Kabinettsorder (1705), die den Gebrauch der deutschen Sprache in Vorlesungen ausdrücklich verbot. (Quellen: Hans Joachim Störig, Abenteuer Sprache. München: Humboldt, 1992: 128-129;  Werner Schmidt, Ein vergessener Rebell. Leben und Wirken des Christian Thomasius. München: Diederichs, 1995: 45-50)

 

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